{"id":6811,"date":"2011-07-22T09:00:50","date_gmt":"2011-07-22T07:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6811"},"modified":"2011-07-21T10:29:12","modified_gmt":"2011-07-21T08:29:12","slug":"beziehungskrisen-und-ihre-uberwindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6811","title":{"rendered":"Beziehungskrisen und ihre \u00dcberwindung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beziehungskrisen und ihre \u00dcberwindung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I. Zur Entstehung von Neurosen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen von Beziehung nicht reden, ohne von Identit\u00e4t zu reden. Identit\u00e4t und Beziehung sind eigentlich zwei Dinge, die zusammengeh\u00f6ren. Das eine wirkt auf das andere, das eine bedingt das andere. Identit\u00e4tskrisen sind immer auch Beziehungskrisen und umgekehrt. Wenn verheiratete Menschen kommen und Probleme haben, dann haben sie auch Eheprobleme. Das ist ein Thema, das uns seit 25 Jahren, seitdem ich diese Arbeit betreibe, begleitet. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass wir uns immer mehr dem Thema Ehe zuwenden, weil das eine Katastrophe ist, was wir in Deutschland heute erleben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen damit einsteigen, dass wir etwas sagen zur Entstehung von Neurosen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst zur Definition:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neurosen sind zwanghaft gewordene St\u00f6rungen im Denken, F\u00fchlen und Verhalten eines Menschen. Gleichwohl beh\u00e4lt er die M\u00f6glichkeit, \u00fcber sich nachzudenken. Er kann sich auch in seiner St\u00f6rung reflektieren, unter Anleitung zum Beispiel. Deswegen ist es auch m\u00f6glich, diese Neurosen zu behandeln. Allerdings ist das ein sehr langwieriger und schwieriger Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den Psychosen, die mehr organischen Ursprungs sind oder zumindest in ihrem psychotischen Zustand organische Wurzeln haben, die sich entwickelt haben. Diese m\u00fcssen medizinisch behandelt werden, um \u00fcberhaupt beeindruckt werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir beschr\u00e4nken uns ausschlie\u00dflich auf das Thema Neurosen, da wir keine Mediziner sind. Mein Stellvertreter ist Facharzt f\u00fcr Allgemeinmedizin, psychosomatische Krankheiten und f\u00fcr Psychotherapie. Insofern deckt er diese Dinge alle ab. Aber wir arbeiten bei der \u201eGesellschaft f\u00fcr Lebensorientierung\u201c (LEO e.V.) offiziell nicht so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Neurosen haben im Wesentlichen in Kindheit und Jugend eines Menschen ihre Wurzeln, also in seiner Entwicklungszeit; ich kenne fast kein anderes Beispiel. Es k\u00f6nnen aber auch bestimmte pr\u00e4gende traumatische Situationen, die ein Mensch erlebt hat, zur Entstehung von Neurosen f\u00fchren. Diese Erlebnisse k\u00f6nnen ihn dann psychisch so sehr beeindrucken, dass entsprechende Probleme entstanden sind. Aber unsere Erfahrung ist, dass fast alle Dinge in Kindheit und Jugend ihre Wurzeln haben. Deshalb bedenken wir diese Seite sehr intensiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Psychologisch gesehen ist das bedeutsamste Element der Neurosen eine unverarbeitete Kindheitstrauer. Der amerikanische Psychiater Charles Socarides hat zu diesem Thema besonders gearbeitet. Wir nennen es in unserem Sprachgebrauch und auch in unseren Papieren ein \u201echronifiziertes infantiles Selbstmitleid\u201c. Das hei\u00dft: Kinder haben irgendwelche Probleme nicht bew\u00e4ltigt und haben durch Gew\u00f6hnung und Pr\u00e4gung eine Sicht von der Welt und sich selbst gewonnen, die nicht realistisch ist. Mit dieser unverarbeiteten Problemlage verbunden bleibt eine gewisse Neigung zur Traurigkeit, die sie nicht ablegen konnten und die in chronifizierter Form schicksalhaft f\u00fcr das Kind und sp\u00e4ter f\u00fcr den erwachsenen Menschen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solch eine fixierte Form des Selbstmitleides hat keine Chance, dass sie von allein wieder aufh\u00f6rt. Es ist nicht wie ein Schnupfen oder eine andere Krankheit, die kommt oder geht. Sondern wenn sie fixiert ist im Bewusstsein eines Menschen, wird sie dort erhalten bleiben, solange bis der Mensch aktiv dagegen arbeitet. Er mu\u00df aktiv etwas dagegen tun. Das war die Illusion der Psychoanalyse: Sie hat geglaubt, das mit dem Bewusstmachen die Dinge verarbeitet werden k\u00f6nnen. Das ist nicht richtig, denn es gibt keine Belege daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach unserer Erfahrung ist also das bedeutsamste Element f\u00fcr eine Neurose ein chronifiziertes infantiles Selbstmitleid, eine Traurigkeit \u00fcber sich selbst: \u201eAch ich Armer! Wie geht\u2019s mir schlimm!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommen die von dem Individualpsychologen Alfred Adler zum ersten Mal in dieser Weise beschriebenen Minderwertigkeitskomplexe, die ein Mensch auf Grund seiner biographischen Entwicklung herausbilden kann. Dadurch, dass jeder eine eigene Biographie hat, k\u00f6nnen gegebenenfalls je eigene Minderwertigkeitsgef\u00fchle entstehen. Es lassen sich solche Gef\u00fchle also auch nicht kategorisieren im Sinne einer Ph\u00e4nomenologie. Jeder hat sein eigenes Problem seiner Geschichte entwickelt. Insofern ist die Behandlung von Neurosen auch immer eine Sache ganz origineller und origin\u00e4rer Personen, die sich der Behandlung unterziehen wollen. Das l\u00e4sst sich wenig generalisieren, bis auf die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Psyche, die man allgemein beschreiben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Minderwertigkeitskomplexe und Selbstmitleid verbinden sich zu einem gewissen Mechanismus. In unseren Papieren und Arbeitstiteln sprechen wir von einem \u201einneren Kind\u201c. Damit meinen wir nicht ein Kind, sondern eine Reststruktur aus der Kindheit, die wir als Kinder nicht abgelegt haben oder abarbeiten konnten. Diese hat sich dann verselbst\u00e4ndigt und bleibt auch im Leben eines Menschen erhalten, der durchaus in der Lage ist, ein sehr intelligentes Leben zu f\u00fchren. Aber er wird mit zunehmendem Alter merken, dass es in ihm auch noch einen anderen Mechanismus gibt, der ihn, gelinde gesagt, manchmal festh\u00e4lt und manchmal Dinge tun l\u00e4sst, die er eigentlich gar nicht will und nach seinem Verstand ganz anders sieht. Aber er merkt, dass er mit seinen Gef\u00fchlsstrukturen im Clinch liegt. Das ist \u00fcbrigens auch biblisch: Paulus ist einer der besten Psychologen gewesen, die wir in der Schrift finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstmitleid und Minderwertigkeitskomplex werden durch Gew\u00f6hnung im Gehirn fixiert. Das ist schwer verst\u00e4ndlich. Es gibt einen Zeitraum, in dem der Mensch sich in seiner Entwicklung in diesen Gedankeng\u00e4ngen und Gef\u00fchlen bewegt. Das ist etwa so wie bei einem Alkoholiker. Er hat lange Zeit Alkohol getrunken und war nicht abh\u00e4ngig. Den Tag, an dem er abh\u00e4ngig wurde, wei\u00df er nicht. Das merkt er auch nicht. Irgendwann kommt der Punkt, an dem er nicht ohne weiteres mehr zur\u00fcck kann, an dem er tats\u00e4chlich abh\u00e4ngig wurde. Genau so ist das mit solchen Mechanismen. Man lebt in solchen Gedanken, und irgendwann sind sie auch zum eigenen Wesen geworden und geh\u00f6ren in dieses Mit-Denken hinein. Damit haben sie die seltsame Eigenschaft, dass sie uns mitbestimmen in dem Leben, das vor uns liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Selbstmitleid und der Minderwertigkeitskomplex sind der grundlegende Neurosemechanismus, von dem wir reden. Nat\u00fcrlich kommen noch viele weitere Details dazu, aber das finden wir in allen wieder: In der Psyche von Homosexuellen genauso wie von Depressiven, von Angstneurosen, von Zw\u00e4ngen, von Zwangsgedanken und allen m\u00f6glichen anderen. Immer wieder finden wir diesen Mechanismus vor. Wir sprechen von einem \u201einneren Kind\u201c aus der Vergangenheit, das damals geklagt hat, heute aber zu Unrecht sich bemitleidet und beklagt, weil es ja nicht mehr Kind ist. Eigentlich h\u00e4tte man es abarbeiten m\u00fcssen. Man ist es aber aus den verschiedensten Gr\u00fcnden nicht losgeworden. Es gibt sehr vielf\u00e4ltige Ursachen, warum das damals nicht gegangen ist. Indem es aber zwanghaft in uns weiter existiert, wird es unser Schicksal zwanghaft mit bestimmen. Hans B\u00fcrki, der Transaktionsanalytiker aus der Schweiz, spricht von dem \u201eSkript\u201c, das sich immer wieder reproduziert, wenn man es einmal in sich hat, obwohl man es gar nicht m\u00f6chte, das gleichsam automatisch mit mir mitlebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neurosen \u00e4u\u00dfern sich in der Neigung zu egozentrischen Klagen. Daran erkennt man sie. Ein ganz wesentliches Element ist es, dass es sich immer um das eigene Ich dreht: Meine Leiden, meine Probleme, meine Schwierigkeiten, meine \u00c4ngste und so weiter. Es geht immer ums Ego. Der Mensch kommt von sich nicht los. Er ist in dem Ma\u00dfe, wie sein \u201einneres Kind\u201c stark ist, an sich selbst gekettet und bleibt auch in seinem Denken egozentrisch bestimmt. Je st\u00e4rker das \u201einnere Kind\u201c ist, desto egozentrischer sind auch die Klagen des klagenden Menschen. Und je st\u00e4rker die Klagen, desto mehr ist auch seine Wahrnehmungsf\u00e4higkeit beeintr\u00e4chtigt. Er kann nur noch weniger wahrnehmen, je mehr er mit sich selbst besch\u00e4ftigt ist. Wir haben nur einen bestimmten Bereich oder eine bestimmte M\u00f6glichkeit der Wahrnehmung \u00fcberhaupt, und wenn wir zur H\u00e4lfte mit uns selbst besch\u00e4ftigt sind, bleibt nur noch die H\u00e4lfte f\u00fcr andere Wahrnehmungen \u00fcbrig. Das geht bis hin zu Konzentrationsst\u00f6rungen. Das sind alles Folgen des Mechanismus, der aus Selbstmitleid besteht, aber keine origin\u00e4ren Ursachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je st\u00e4rker das \u201einnere Kind\u201c ist, desto st\u00e4rker sind auch die Beziehungen gest\u00f6rt. Jede sexuelle Gemeinschaft ist gest\u00f6rt. Ein \u201einneres Kind\u201c wird sich immer auch auf die Sexualit\u00e4t niederschlagen. Das ist der intimste Bereich des Menschen, in dem er am meisten von sich selbst erkennen l\u00e4sst. Desto st\u00e4rker ist dann aber auch seine Lebensqualit\u00e4t gest\u00f6rt. Sehr viele Menschen, die bei uns ankommen, leben mit dem Gedanken an Suizid. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ist das ein Thema. Die Sinnfrage wirft sich auf. Das haben wir bei dem Wiener Psychiater Viktor Frankl und seiner Logotherapie gelernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Identit\u00e4t ist also ein mentales Problem, aber es ist auch ein nat\u00fcrliches Problem. Wir haben durch die Sch\u00f6pfung eine Natur empfangen. Die Gaben, die uns Gott gegeben hat, k\u00f6nnen wir nicht \u00e4ndern. Das ist eine irreversible Struktur. Das ist auch die Struktur, in der wir unser Leben entwickeln und entfalten k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen uns auch keine andere Identit\u00e4t anerziehen. Das geht nicht. Wir k\u00f6nnen wohl unsere Identit\u00e4t zerst\u00f6ren, aber wir k\u00f6nnen sie nicht ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrliche Identit\u00e4t und Beziehungsf\u00e4higkeit ist bei uns immer wieder eine ganze Woche ein eigenes Seminarthema. Dar\u00fcber l\u00e4sst sich unendlich viel reden, und man muss auch dar\u00fcber reden, um sich selber n\u00e4her zu kommen. Die nat\u00fcrliche Identit\u00e4t ist ein unglaublich weites Feld und wichtig, um mit uns in \u00dcbereinstimmung leben zu k\u00f6nnen. Ich muss Ja sagen k\u00f6nnen zu mir und zu dem, was mir Gott gegeben hat, und auch Ja sagen zu dem, was mir Gott nicht gegeben hat an St\u00e4rken, Begabungen und Defiziten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt auch dies, dass Gott den einen Menschen (Singular!) als Mann und Frau geschaffen hat. Das macht deutlich, dass sie beide Teile dieses Einen sind. Sie geh\u00f6ren zusammen und brauchen einander und nur miteinander k\u00f6nnen sie vollkommen werden. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist, weil er nur Teil ist und weil er zu seinem Eigenen das Andere braucht. Das ist das Eigent\u00fcmliche im Leben: Wir leben alle von Gemeinschaft. Der Mensch ist a priori ein Gemeinschaftswesen. Die Geschlechter beziehen sich aufeinander. Aber wir alle sind auch zugleich untereinander Originale. Es gibt keine zwei gleichen Menschen, es gibt keine zwei gleichen B\u00e4ume, es gibt keine zwei gleichen Pflanzen, es gibt nicht einmal zwei gleiche Schneeflocken. Es gibt nur Originale. Das ist eines der genialen Geheimnisse der Sch\u00f6pfung an sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig oder keine Verwendung sehen wir in den klassischen Freud-Thesen. Siegmund Freud hat von dem Verdr\u00e4ngungsmodell gesprochen. Es wird immer leiser davon geredet. Nachdem drei Generationen von Psychiatern darin erzogen worden sind, wissen alle, dass es das so nicht gibt. Auch das Freudsche Unterbewusstsein ist eine reine Definition ohne realistische Grundlage. Es ist bis zum heutigen Tag nicht nachgewiesen, dass es ein solches Unterbewusstsein g\u00e4be. Deswegen sind wir auch kritisch gegen\u00fcber der Psychoanalyse. Ich habe mehrere Leute getroffen: Manche davon waren bis zu sechzehn Jahren in regelm\u00e4\u00dfiger psychoanalytischer Behandlung und wussten nach sechzehn Jahren noch nicht, was hinten und vorne und was oben und unten in ihrem Leben ist. Da gibt es in der Psychologie eine ganze Reihe Schulen in Deutschland und in der Welt, die Neurosen f\u00f6rdern und nicht Neurosen abbauen. Das ist unterdessen aber auch allen bewusst. Das macht die Sache aber so schwierig und hat inzwischen auch den kirchlichen Raum erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I.a. Zur Therapieform bei LEO e.V.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich komme nun kurz zur Therapieform bei LEO e.V. Wie machen wir das praktisch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir vermitteln Methoden, wie man zu einer objektiveren Selbsterkenntnis kommt, denn es geht immer um Erkenntnisfragen. Da kein Mensch Gedanken und Gef\u00fchle eines anderen lesen kann, kann nur der betroffene Mensch selbst durch Anleitung sich selbst durchschauen lernen. Er ist der einzige, der seine Gef\u00fchle kennt, der seine Gef\u00fchle analysieren kann. Es ist glatter Humbug, dass einer von au\u00dfen wirklich die Gef\u00fchle eines anderen Menschen analysiert. Da h\u00f6rt der Spa\u00df auf bei den ganzen Beratungen und therapeutischen Versuchen. Wenn mir jemand etwas von Trauer erz\u00e4hlt, dann habe ich eine Vorstellung, was das sein k\u00f6nnte, was er gerade f\u00fchlt. Aber es gibt so viele verschiedene Formen von Trauer, und es gibt so viele verschiedene Formen von \u00c4ngsten. Wenn jemand von Angst redet, hei\u00dft das noch lange nicht, dass ich wei\u00df, von welcher Angst dieser Mensch redet. Nur der Mensch, der betroffen ist, kann, wenn ich ihn gewinne, seine Gef\u00fchle mit der Zeit durchschauen lernen, denn er hat sie ja faktisch. Er wei\u00df auch, wo sie herkommen. Er kennt auch die Wurzeln, wenn er Anschauung und Hilfe bekommt. Erst dann, wenn er sie durchschaut, kann er etwas dagegen tun. Erst dann kann er diese Zw\u00e4nge, unter denen er leidet, auch aufl\u00f6sen, bis hin zu gravierendsten Problemen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir vermitteln also Methoden zur objektiven Selbsterkenntnis und Methoden zur Behandlung des chronischen Selbstmitleides und der Minderwertigkeitskomplexe. Ziel ist die Selbstbehandlung der zwanghaften Gef\u00fchlsstrukturen. Dabei gibt es zwei kritische Punkte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) Die meisten Menschen leiden an einem Mangel an Willen zur Ver\u00e4nderung. Darunter leiden Christen mehr als Nicht-Christen. Es gibt ein unglaublich gro\u00dfes Potenzial frommer Sentimentalit\u00e4t in unserer Kirche, das mich bis an die Decke treibt. Mit Augenaufschlag und frommsten Gerede werden \u00fcbelste Gef\u00fchlsstrukturen gerechtfertigt und noch in irgendeiner Form mit dem heiligen Geist in Verbindung gebracht. Das ist eine b\u00f6se L\u00fcge: Wo der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit und kein Zwang. Das ist einer der ganz entscheidenden S\u00e4tze, mit denen man zeigen kann, was sich in Gef\u00fchlslagen \u00fcberhaupt nat\u00fcrlicherweise oder unnat\u00fcrlicherweise entwickelt hat. Aber es gibt viele Menschen, die sagen: \u201eAch, ich habe so ein Gef\u00fchl, das ist nicht richtig, was Sie sagen!\u201c Damit ist man wieder bei seinem Gef\u00fchl; und das Gef\u00fchl wird mich immer am Nasenring dahin ziehen, wo das Gef\u00fchl hin will, nicht der Verstand. Und das ist eine andere Richtung! Bis in des Teufels K\u00fcche werden wir am Nasenring der Gef\u00fchle gef\u00fchrt. Wir leben in einer gef\u00fchlss\u00fcchtigen Welt, in der der Verstand St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck auf der Strecke bleibt. Dann wird das alles noch rationalisiert mit Selbstrechtfertigung. Das \u201einnere Kind\u201c hat eine wunderbare M\u00f6glichkeit, Gr\u00fcnde zu finden, warum es richtig denkt. Man braucht einen n\u00fcchternen Willen zur \u00c4nderung und eine glasklare, geradezu kriminalistische Neigung, um seinem eigenen negativen Mechanismus auf die Spr\u00fcnge zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun will ich Ihnen noch etwas Unangenehmes sagen: Ich pers\u00f6nlich bin der Meinung, dass man nicht unbedingt von Krankheit und von gro\u00dfen Problemen reden mu\u00df. Aber ich glaube, dass jeder Mensch in dieser Welt seine eigene kleine Neurose hat. Wir sind alle aufgewachsen und haben Wunden und Narben in unserer Entwicklungszeit hinter uns; und nicht alle diese Dinge haben wir so 100-prozentig gut verarbeitet, dass wir sie abgelegt h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Der zweite kritische Punkt ist die neurotische Weigerung gegen Selbsthumor. Die wirksamste Waffe gegen Selbstmitleid ist Selbsthumor. Wir haben richtige Methoden dazu, die wir \u201eHypertraumatisierung\u201c nennen. Das werde ich jetzt nicht erkl\u00e4ren, weil das zu weit f\u00fchren w\u00fcrde. Der Mensch m\u00f6chte gerne in seiner traurigen Welt leben und bleiben und die Dinge so ernst und verbissen sehen, wie er sie sieht. Es gibt niemanden, der mit einem starken inneren Kind zu tun hat, der mit Begeisterung sich selbst auf die Schippe nimmt. Das ist \u00fcbrigens ein Kriterium der Neurosen: Die Unf\u00e4higkeit \u00fcber sich selbst zu lachen. Man kann herzlich \u00fcber andere lachen, aber nicht \u00fcber sich selber. Das ist ein ganz gro\u00dfes Problem. \u00dcbrigens ist das deshalb ein so sch\u00f6nes Thema, weil man Selbsthumor richtig trainieren kann. Das hat auch keine unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen Da k\u00f6nnen Sie jeden Arzt oder Apotheker fragen. Auch in meiner Bibel steht geschrieben: \u201eSeid allezeit fr\u00f6hlich!\u201c (1.Thess. 5,16). Und nun gehen Sie einmal in die Kirchengemeinden im Lande: Dort sitzt die \u201eevangelische Klagegesellschaft\u201c \u2013 EKG hie\u00df fr\u00fcher unser Gesangbuch. Da ist immer vom Jammertal die Rede. Da kriegt man schon aus dem Grunde ernsthafte Probleme damit, in welcher Veranstaltung wir hier sitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heil und volle Heilung kann es aber nur durch Gott selbst geben. Heil kann nur Gott wirken. Wir k\u00f6nnen Heil nicht machen. Wir k\u00f6nnen sagen, was verkehrt ist an unserem Leben, an unserer Haltung, an unserem Verhalten. Das kann man mit klaren Kriterien auch beschreiben. Das Negative und seine Folgen kann man beschreiben, wobei wir bei LEO e.V. das Wort \u201enegativ\u201c niemals moralisch verwenden. Bei uns hat der Begriff eine psychologische Bedeutung. Negativ ist, was uns kaputt macht, was destruktiv wirkt. Man kann die Neurose in ihrer destruktiven Wirkung deutlich machen. Wir vergleichen das \u201einnere Kind\u201c mit einem Krebsgeschw\u00fcr, das sich in unserem Leben, in unserer Psyche, in unseren mentalen Verh\u00e4ltnissen ausbreitet und immer st\u00e4rker wird. Dummerweise wird es von alleine nicht schw\u00e4cher \u2013 im Gegenteil: Es wird immer st\u00e4rker. Das gro\u00dfe Los haben wir schon dann gezogen, wenn es nicht schlimmer wird. Aber in der Regel wird es schlimmer. Deswegen brechen die Depressionen in der Mitte des Lebens auf, scheinbar wie aus heiterem Himmel. Das stimmt aber nie, weil Depressionen immer eine Vorgeschichte haben. \u201eWie aus heiterem Himmel hat mich jetzt eine Depression erwischt!\u201c oder: \u201eBin ich jetzt ,burned-out\u2019?\u201c und so weiter. Das sind alles neu erfundene Krankheitsbilder, damit die \u00c4rzte etwas auf die Papiere schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nichts daran ist neu. Das sind alles alte Geschichten. Auch \u201eBurn-out\u201c ist ein Beziehungsproblem, und nicht ein \u00dcberarbeitungsproblem. Wer das n\u00e4her kennt und sich n\u00e4her damit besch\u00e4ftigt, der wei\u00df, dass es in vielf\u00e4ltiger Weise die gest\u00f6rten Beziehungen sind, die einen Menschen am Schluss krank machen. Dann kommt er sich wie im Hamsterrad vor, weil er ohne Sinn und Verstand und ohne Beziehungen lebt. Das ist dabei ein ganz entscheidender Punkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>II. Zur \u00dcberwindung von Beziehungsst\u00f6rungen in der Ehe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beziehungsst\u00f6rung in der Ehe ist das psychosoziale Hauptproblem der gesamten Gegenwart. Ich halte es f\u00fcr das wichtigste psychosoziale Thema. Doch leider ist die Zeit l\u00e4ngst vorbei, in der man in Deutschland auf Beziehung gesetzt hat. Wir sind kein Land mehr, in dem Ehe und Familie eine Mehrheit hat. Es wackelt alles: Wo die Ehen und Familien wackeln, da wackeln die Gemeinden. Das ist eine Einheit. Die kleinste Zelle der Kirche ist die Ehe, nicht der Hauskreis und nicht die Familie. Ehekrisen sind nur ein Spezialfall des allgemeinen Beziehungsverfalls. Wer die Ehe zur Disposition stellt, der leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Selbstmord. Gesetzt den Fall, dass die momentane Entwicklung so fortschreitet, dann wird sich die deutsche Bev\u00f6lkerung in Deutschland in dieser Generation halbieren, in der n\u00e4chsten wird sie sich vierteln und dann achteln. Wir haben in drei Generationen sp\u00e4testens einen islamischen Staat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil es eine enge Beziehung zum Glauben gibt, kommen alle L\u00f6sungen von Gott her. Es gibt keine psychologischen Spezialgeheimnisse, die man hier nur einsetzen k\u00f6nnte. Letztendlich heilt Gott einen Menschen oder er wird nicht heil. Entweder heilt Gott eine Beziehung, oder sie wird nicht heil. Wir k\u00f6nnen lernen, wie wir manche Dinge besser machen k\u00f6nnen oder was wir falsch machen. Das kann man sich aus der Erfahrung sagen lassen. Dabei k\u00f6nnen die Wissenschaften wie die Psychologie und gelegentlich auch die Theologie helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>III. Zum Inhalt des Eheseminars<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle m\u00f6chte ich Ihnen einen \u00dcberblick \u00fcber unsere einw\u00f6chigen Eheseminare geben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir reden am Montag \u00fcber unser Selbstbewusstsein in drei gro\u00dfen Vortr\u00e4gen. Wir sind von Gott zu einem erf\u00fcllten Leben geschaffen und bestimmt. Das mu\u00df man glaubw\u00fcrdig auch erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Das zweite Thema ist es, das Humanum zu kl\u00e4ren. Das ist uns ebenfalls wichtig. Wie sieht Gott unser menschliches Verhalten? Dabei ist uns Micha 6,8 wichtig geworden: \u201eEs ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: N\u00e4mlich Gottes Wort halten\u201c. Hier finden wir den zentralen Hinweis auf das Wort Gottes. Der Angriff auf das Wort ist der Anfang vom Ende des Glaubens. \u201eLiebe \u00fcben\u201c: Das ist ein Dauerbrenner. Was hei\u00dft es zu lieben? Damit ist nicht eine emotionale Sentimentalit\u00e4t, die man in der Regel damit verbindet oder die \u201eHalbkrankheit\u201c Verliebtheit, die manche so erstreben, gemeint. Diese Menschen sind noch nicht auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Sie wissen noch nicht, um was es geht. Jesus sagt: \u201eDu sollst lieben\u201c. Das hei\u00dft, man mu\u00df eine Haltung des Liebens entwickeln. Man mu\u00df erst einmal begreifen, was dazu geh\u00f6rt. Was hei\u00dft es zu lieben? Dann m\u00fcssen wir es \u00fcben, wie es bei Micha 6,8 hei\u00dft. Ich bin sehr gl\u00fccklich, dass es so bei Micha steht. Es kommt ja keine Schicksalsmacht durch die Luft geflogen, die den einen erwischt und den anderen nicht. Es ist sch\u00f6n, dass Gef\u00fchl der Liebe zu einem anderen Menschen zu erleben. Das ist aber eine Wirkung, die durch eine Haltung entsteht. So entsteht ein dauerhaftes Gef\u00fchl. Positive und aufbauende Gef\u00fchle sind immer das Ergebnis einer bestimmten geistigen Haltung. Zwanghafte Gef\u00fchle haben andere Gr\u00fcnde. Man kann diesen Vorgang gut an einer Neurose beschreiben. Wenn jemand unter \u00c4ngsten leidet, steht dieser Mensch fr\u00fchmorgens auf und hat schon Angst. Er wei\u00df nicht, warum er Angst hat. Angst begleitet ihn fr\u00fch, tags\u00fcber, abends und nachts \u2013 einfach immer. Er hat in sich eine Art Selbstbild, das dieses ausl\u00f6st. Dazu braucht man eine Haltung, in der man sich klein und schwach f\u00fchlt: \u201eIch kann mich nicht wehren\u201c. Und nur ein Mensch, der dieses Selbstbewusstsein besitzt, wird \u00c4ngste entwickeln. Aber das hat sich in dem betroffenen Menschen verselbst\u00e4ndigt. Das m\u00fcssen wir nun finden und bek\u00e4mpfen im Sinne von korrigieren. Erst dann kann man das \u00e4ndern. So ist auch die Liebe etwas, das in uns hineingelegt worden ist. Paulus sagt R\u00f6m.5,5: \u201eDurch den heiligen Geist, der uns gegeben ist, ist die Liebe in uns\u201c. Sie wird Wirklichkeit, indem wir ablegen, was kindisch und albern, was einfach sentimental ist. Paulus schreibt 1.Kor.13,11 &#8211; ich liebe Paulus! -: \u201eAls ich ein Kind war, da dachte ich wie ein Kind und redete wie ein Kind. Aber als ich Mann wurde, legte ich ab, was kindlich war\u201c. Das mu\u00df man ablegen! Erwachsen werden hei\u00dft, dass man sich dem anderen zuwenden kann, dass man \u00fcber sein Ego hinausw\u00e4chst, dass man sich selber loslassen lernt. Lieben setzt voraus, dass man sich loslassen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend reden wir dar\u00fcber, dass Liebe und Einheit die beiden Kr\u00e4fte sind, die in der Ehe entscheidend zu Wachstum und Reife f\u00fchren. Diese werden durch Hingabe und Annahme vermittelt. Sie werden Wirklichkeit in unseren Herzen, indem wir uns hingeben und annehmen lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Dienstag geht es um Wahrnehmung und Anteilnahme. Dabei geht es einmal um die Frage: \u201eWer bin ich?\u201c Das ist eine ernste Frage, denn in diesen Spiegel sehen wenige Menschen gerne. In der Regel leben wir mit den Illusionen von uns, die wir gerne verkaufen und als Masken in der Welt lieben. Diese Illusionen spielen wir auch gerne als Rolle. Wie wenig das gelingt, k\u00f6nnen Sie alle im Altersheim studieren. Es hei\u00dft gelegentlich, dass die Menschen im Alter wieder wie Kinder werden. Das ist ein platter Satz, aber er ist falsch. Sie sind immer noch wie die Kinder, wie sie eben als Kinder waren. Allerdings verliert man in der zweiten Lebensh\u00e4lfte die Kraft, die Rolle aufrecht zu erhalten, mit der man das Eigentliche im Untergrund immer zugedeckelt hat. Dann kommt das hervor, was dort im Untergrund immer lebte. \u201eWer bin ich? Wer bist du, mein Ehepartner?\u201c Das ist eine ernste Frage. Wir m\u00fcssen einander wahrnehmen, wer und wie wir sind. Wir brauchen Zeit zu zweit in einer Ehe. Ich pl\u00e4diere sehr kr\u00e4ftig f\u00fcr diese Zeiten zu zweit. Ich habe das am Anfang meiner Ehe mit meiner Frau viel zu selten gemacht. Aber heute leben wir sehr intensiv gemeinsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Mittwoch geht es um die M\u00fchen um die innere Einheit in der Ehe. Das bezieht sich vor allem auf das \u00dcben einer offenen und ehrlichen Kommunikation. Beziehung geht nicht ohne Kommunikation. Das Zweite ist genauso wichtig: N\u00e4mlich die anfallenden Konflikte zu bew\u00e4ltigen. Durch unsere Originalit\u00e4t werden wir immer wieder in Missverst\u00e4ndnisse und Erkl\u00e4rungsn\u00f6te kommen. Auch die Konflikte mit unserer Vergangenheit m\u00fcssen bew\u00e4ltigt werden. Wir werden nur Frieden in uns selber haben, wenn wir Frieden mit unserer Geschichte haben. Dazu schreibt Paulus: \u201eSo weit es an euch liegt, habt Frieden mit allen Menschen\u201c (R\u00f6m.12,18). Mit allen Menschen hei\u00dft, mit meinen Eltern, mit meinen Kindern und gegebenenfalls auch mit fr\u00fcheren Ehepartnern. Das Kerngebot hei\u00dft: \u201eH\u00f6re, Israel: Der HERR, unser Gott, ist ein einziger Gott. Und du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele\u201c. Das ist das Kerngebot. Wer dies lernt, n\u00e4mlich Gott zu lieben aus ganzem Herzen, der wird heil. Das geht nicht aus einem verworrenen Gef\u00fchl heraus. Hier m\u00fcssen wir uns um gro\u00dfe Klarheit und Erkenntnis bem\u00fchen und immer wieder in Zucht nehmen. Aber das k\u00f6nnen wir nur selbst. Jesus zitiert das nicht umsonst als das gr\u00f6\u00dfte Gebot. Ein Mensch, der fr\u00f6hlich lebt, kann kein \u201einneres Kind\u201c entwickeln. Ein Mensch, der aktiv lebt, wird nicht der Passivit\u00e4t verfallen, jedenfalls solange es sich um Neurosen handelt. Es gibt noch andere Krankheiten, \u00fcber die wir hier aber nicht reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abends geht es noch einmal um die Vergebung und Vers\u00f6hnung. Dann beten wir auch miteinander in der Kirche, und das ber\u00fchrt die Menschen jedes Mal in besonderer Weise. Es geht in dieser Woche um praktisches Ein\u00fcben bestimmter Schritte, wie man in seiner Ehe ein erf\u00fclltes Leben gestalten und heil werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Donnerstag geht es um das Thema \u201eerf\u00fcllte Sexualit\u00e4t\u201c. Zun\u00e4chst geht es um die Frage \u201eBedeutung und Sinn.\u201c Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von Sexualit\u00e4t reden? Nachmittags geht es um die Eigenschaften liebender Ehepartner. Am Abend bedenken wir die Tatsache, dass auch die sexuelle Gemeinschaft innerhalb der Ehe ein Arbeitsthema ist, das man lebendig erhalten muss, oder die Ehe wird kalt werden und sterben. Die Sexualit\u00e4t ist ein Charisma und ein Auftrag Gottes an die Ehepartner. Ich habe lange gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen und noch l\u00e4nger, um das \u00f6ffentlich zu sagen. Aber genau so ist das. 40 % unserer Lebensenergie lebt in dieser Kraft. Und es ist unsere Aufgabe, eine gute Ordnung zu finden, in dieser Kraft in unserem Alltag leben zu k\u00f6nnen. Das ist kein Randthema der Ehe, sondern eine der zentralen Fragen, dass Ehe nach Gottes Willen \u00fcberhaupt funktionieren kann. Was die Menschen daraus machen, davon wollen wir hier nicht reden. Wir haben aber einen Ma\u00dfstab, der in der Heiligen Schrift zu finden ist. Es ist Gottes Wille, dass dies so ist. Das hat kein anderer erfunden. Einer meiner gro\u00dfen Schmerzen, die ich im Herzen trage, ist die S\u00fcnde der Kirche gegen\u00fcber der Sexualit\u00e4t der Menschen. Das hat im Wesentlichen dazu gef\u00fchrt, dass wir das Thema in den Satanismus geschoben haben. Hier wird das Thema okkupiert und in einer Weise gelebt, dass es mich ekelt. Dass wir diese Gabe in die Gottlosigkeit verschoben haben, ist eine Schuld der Kirche. Die Theologen unter uns studieren den Neuplatonismus und seinen Einfluss auf die Alte Kirche. Dort finden wir unglaublich viel Unsinn. Die Pfarrer haben damals gepredigt, wenn die Eheleute miteinander schlafen, zieht der Heilige Geist aus dem Schlafzimmer aus. Das waren \u00f6ffentliche Verk\u00fcndigungsinhalte! Das ist eine L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnser Leben als Eheleute in der Welt\u201c \u2013 das ist das gro\u00dfe Thema am Freitag. Wir sind ja nicht f\u00fcr uns selber da, und es geht in der Ehe nicht um einen Egoismus zu zweit, sondern es geht um eine Sendung. Wir sind von Gott in die Welt gesetzt, damit wir die Sch\u00f6pfung bebauen und bewahren. Das ist der erste Auftrag, der uns gegeben ist, der nie au\u00dfer Kraft gesetzt wurde und der immer bleiben wird, bis Christus wiederkommt. Und zur Sch\u00f6pfung geh\u00f6rt die Ehe dazu. Die Ehe ist mit dem Geschlecht von Gott geschaffen, gestiftet, sagen manche. Das gilt f\u00fcr die Zusammengeh\u00f6rigkeit und Verbindlichkeit in der Ehe, so verschieden sie in der Welt gelebt wird. Es geht also insgesamt um das gemeinsame Leben f\u00fcr Gott in der Welt. Wir haben mit Eltern und Schwiegereltern zu tun. Das behandeln wir in einem intensiven Vortrag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso geht es um Kinder und Enkelkinder. Das ist ebenfalls eine wundersch\u00f6ne Aufgabe, die wir haben, aber wie alle sch\u00f6nen Aufgaben eine schwere. Die D\u00fcnnbrettbohrer haben es in dieser Welt nicht leicht. Gott will, dass wir dicke Bretter bohren und dass wir uns die Aufgaben vornehmen, die andere nicht wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anschlie\u00dfend geht es am Sonnabend darum, den Bund zu erneuern. In dieser Woche reden wir vertiefend dar\u00fcber, dass der Bund mit Gott und der Bund in der Ehe f\u00fcr uns eine Einheit ist. Bis jetzt haben sich alle Paare am Schluss dieser Woche segnen lassen wollen, unabh\u00e4ngig davon, welche Voraussetzungen sie hatten und wie sie gekommen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss muss man sehen, dass man sich nach einer solchen Woche m\u00f6glichst realistisch der Welt wieder zuwendet. Darum geht es am Sonntag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit die Struktur eines Eheseminars.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach jedem der zwanzig Vortr\u00e4ge folgt eine intensive Dialogzeit der Ehepartner miteinander. Sie erhalten vorbereitete Fragen, die sie miteinander besprechen und schriftlich beantworten k\u00f6nnen. Sinn und Zweck dieser \u00dcbung ist, dass die Ehepartner lernen, miteinander \u00fcber reale Gef\u00fchle zu reden. So kann N\u00e4he und Einheit geschaffen werden, die in den Alltag mitgenommen werden kann. Was daraus Wirklichkeit wird, das entscheidet jedes Ehepaar f\u00fcr sich selber. Die Eheleute k\u00f6nnen in dieser einen Woche lernen, dass man n\u00e4her zusammenr\u00fccken kann, wenn man das Herz auftut. Wer seine Ideologien festh\u00e4lt, der h\u00e4lt sie fest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptfeinde der Ehe sind mangelndes Wissen \u00fcber die aufbauenden Kr\u00e4fte einer Ehe und mangelnde Kommunikation in der Ehe. Die Menschen gehen zehn bis zwanzig Jahre in die Ausbildung, um einen Beruf zu erlernen. Das ist nichts anderes als eine technische Funktion, mit der wir bestenfalls unser Geld verdienen. In diesen ganzen zwanzig Jahren kommt nahezu nichts davon vor, wie man in einer Ehe lebt. Noch immer glaubt man, Ehe und Familie oder Identit\u00e4t ist etwas, das man hat oder eben nicht hat. Dann leben die Menschen eben so, und sie werden ihre chaotischen Entwicklungen nehmen, der eine mehr, der andere weniger, je nachdem, ob man sich selbstst\u00e4ndig damit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mangelndes Wissen halte ich also f\u00fcr eines der gravierendsten Probleme. Aber die Gesellschaft ist daran nicht interessiert und will davon nichts mehr wissen. Denn meisten Menschen gehen Sie damit auf die Nerven, wenn Sie davon reden. Die Menschen sagen: \u201eLasst mich damit in Ruhe!\u201c Der ehemalige Kanzler Schr\u00f6der nannte das Thema \u201eEhe und Familie\u201c Ged\u00f6ns: \u201eDar\u00fcber k\u00f6nnen sich die Frauen unterhalten \u2013 wir haben damit nichts tun.\u201c Nun hatte Kanzler Schr\u00f6der ja schon eine ganze Sammlung von Frauen. Sicher \u2013 das ist die Seite, mit der man wenig Geld verdient, aber in der das ganze Leben liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>IV. Zum Kern der Identit\u00e4ts- und Beziehungsst\u00f6rungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind zur Gemeinschaft mit Gott geschaffen. Derselbe Augustin, der sich im Alter leider dem Neuplatonismus etwas ergeben hat, schreibt richtigerweise: \u201eVon dir her sind wir geschaffen, und unruhig ist unsere Seele, bis sie ruht in Dir.\u201c Das ist die Erfahrung von jedem Menschen, der sich auf den Weg macht. Ich geh\u00f6re auch zu denen. Ich bin Christ geworden, als ich schon verheiratet war und zwei Kinder hatte. Der, der mir das Evangelium erkl\u00e4rt hat, war ein Physiker, ein Dozent an der Universit\u00e4t Leipzig. Einen Pfarrer h\u00e4tte ich nie ernst genommen. Das waren alles ganz schlappe Ideologen. So kannten wir Parteisekret\u00e4re und andere: Die m\u00fcssen davon reden, weil sie daf\u00fcr bezahlt werden. Die braucht man nicht ernst zu nehmen. Aber die Menschen, die davon nicht lebten und die sich sogar noch \u00c4rger einhandelten, weil sie \u00f6ffentlich daf\u00fcr gerade standen und das Evangelium trotzdem verk\u00fcndigten, die waren f\u00fcr mich ernst zu nehmen. Denen habe ich damals glauben k\u00f6nnen. Ich bin dann selber Pfarrer geworden und wei\u00df deshalb, was ich damit sage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kern alles Unheils ist unser Getrenntsein von Gott. Das gilt auch im Blick auf Identit\u00e4ts- und Beziehungsst\u00f6rungen. Gottlose Menschen leben gott-los. Auch viele Fromme leben absolut gott-los. Sie haben sich selber ein Gottesbild geschaffen und glauben an dieses von ihnen selbst geschaffene Gottesbild. Das ist ihre Fr\u00f6mmigkeit. Die Pharis\u00e4er konnten das noch viel besser. Sie haben daf\u00fcr sehr viel Kraft eingesetzt und am Schluss Christus gekreuzigt. Auch in frommen Kreisen ist gelegentlich verbreitet, dass wir an falsche Gottesbilder glauben. Das Ergebnis ist immer ein Glaube an sich selber, an seine eigenen \u00dcberzeugungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin so kritisch, weil ich hier unter Christen sitze und wei\u00df, dass wir alle um dieses Problem wissen. Wir m\u00fcssen immer wieder unsere eigenen Gottesbilder \u00fcberpr\u00fcfen, ob wir uns noch mit dem lebendigen Gott auseinandersetzen oder mit G\u00f6tzen, die wir selbst geschaffen haben. Und es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten, G\u00f6tzen zu entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ego wird bei einem Menschen, der ohne Gott lebt, automatisch zum Ma\u00dfstab der Bewertung des Handelns: \u201eIch mache das, was ich f\u00fcr richtig halte\u201c \u2013 und was soll er auch sonst anderes sagen? Ein Blick auf die Welt lehrt ihn: \u201eJeder spinnt f\u00fcr sich, und ich mache es eben so, wie ich denke!\u201c Dieses Ego wird \u00fcberbewertet. Aber vom Ursprung her sind wir so nicht gedacht. Wir haben ein Korrektiv, n\u00e4mlich Gott selbst. Nur in diesem Leben in der Auseinandersetzung mit Gott werden wir in unserem Ego auch die entsprechenden Strukturen lernen und annehmen k\u00f6nnen. Jeder, der sp\u00e4ter zum Glauben findet \u2013 und jetzt rede ich wieder von mir -, hat dieses Problem, dass er sein Ego beschneiden muss. Er mu\u00df lernen, sich in diese Beziehung zu Gott hinein zu entwickeln. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck wird er merken, wo er arrogant und gottlos dahinexistiert, obwohl er es eigentlich gar nicht will. Er mu\u00df St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck sein Leben korrigieren. Das ist eigentlich normal, dass wir auf dem Weg zur Gotteserkenntnis immer wieder auch uns selbst \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen: Wer sind wir? Was denken wir? Was bilde ich mir ein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00dcberbewertung des Egos ist eine Folge, die \u00dcberbewertung der Gef\u00fchle ist eine andere Folge der Gottlosigkeit. Das Programm des Glaubens hei\u00dft: \u201eDu sollst lieben!\u201c Das Programm des Egos hei\u00dft: \u201eIch will haben!\u201c Das sind die Grundauseinandersetzungen aller Psychotherapien. Wir sollen lieben, wie Christus uns geliebt hat. Die Folge der Gottlosigkeit aber ist Selbstherrlichkeit: \u201eIch will haben! Ich will demonstrieren. Ich mu\u00df mich produzieren. Die Welt mu\u00df mich sehen, wie toll ich bin.\u201c Nat\u00fcrlich ist dies die Voraussetzung f\u00fcr ein v\u00f6llig schr\u00e4ges Denken. Solange ich mich zum Ma\u00dfstab mache, ist der Mitmensch nicht sicher vor mir. Ich bin zu jeder S\u00fcnde f\u00e4hig. Wir m\u00fcssen klar wissen, wo unsere Ma\u00dfst\u00e4be beginnen und woran wir messen. Christus ist der Ma\u00dfstab. Dem habe ich mich zu unterwerfen und jeder andere auch. Gest\u00f6rte Identit\u00e4t aber bedeutet auch gest\u00f6rte Beziehung zu Gott und zur Sch\u00f6pfung. Die Welt ist eben f\u00fcr solche Menschen ein Steinbruch f\u00fcr ihre pers\u00f6nlichen Interessen und nicht mehr Gottes Sch\u00f6pfung, die sie als solche nicht mehr interessiert. Eine verbreitete Einstellung lautet: \u201eHeute will ich leben! Ich lebe ein paar Jahre und nach mir die Sintflut. Ich will, was ich kann, mitnehmen!\u201c Das ist die Philosophie des marktwirtschaftlich denkenden Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wahrheit sind gute Entscheidungen solche, die f\u00fcr unsere Kinder gut sind. Das ist eine v\u00f6llig andere Perspektive. Dar\u00fcber hinaus sind solche Entscheidungen gut, die Gott ehren und auf Erden Frieden schaffen. Das sind Bewertungskriterien f\u00fcr das heutige Handeln, wenn man \u00fcberhaupt nach Wahrheit suchen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gest\u00f6rte Identit\u00e4t bewirkt auch eine St\u00f6rung zur Sch\u00f6pfung, zur Umwelt, zu den Mitmenschen, in der Ehe. Der Feminismus ist auch nichts anderes als eine Kollektivneurose. Heilwerden gibt es nur in der Einheit mit Gott. Und die Liebe zu Gott ist der Weg zur Heilung. Wenn wir Gott lieben lernen, dann lernen wir seine Ordnungen lieben. Dann lernen wir auch die Bedeutung von Glaube, Liebe, Demut und Hoffnung. Das sind die Kernfragen, die den Menschen aufrichten. Dann lernen wir die Notwendigkeit der Gemeinschaft. Gott ist ein Gemeinschaftswesen, und genau das ist das Geheimnis. Die gesamte Sch\u00f6pfung ist ein Gemeinschaftsunternehmen. Keiner kann ohne den anderen existieren. Es ist eine dumme Idee, dass angebliche Christen ohne die Gemeinde leben k\u00f6nnen. Ich stelle mir vor, dass der gro\u00dfe Zeh sagt: \u201eIch und das Haupt sind genug. Den Rest brauchen wir nicht.\u201c Das ist eine Missgeburt, die nicht lebensf\u00e4hig ist. Der gro\u00dfe Zeh braucht den Gesamtorganismus. Darum reden wir in den Seminaren auch von Integration in den christlichen Glauben, von der Hingabe an Gott, und von der Integration in die Gemeinde. Menschen, die in der Gemeinde nicht ankommen, werden auf ihrem Weg geistlich sterben. Das ist die zweite Bekehrung, von der wir sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier geht es also um die Notwendigkeit der Gemeinschaft und um die Notwendigkeit, den guten Kampf des Glaubens anzunehmen, der das Negative bek\u00e4mpft: \u201eJage nach dem Guten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Bernhard Ritter, Vortrag in Kassel\u00a0beim Seminartag des Gemeindenetzwerkes am 18. Juni 2011. Die Form der m\u00fcndlichen Rede ist weitgehend beibehalten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Bernhard Ritter ist Leiter der Gesellschaft f\u00fcr Lebensorientierung LEO e.V. mit Sitz in Bennungen. Der Verein f\u00f6rdert Lebensorientierung und Unterst\u00fctzung aus christlicher Verantwortung in allen Bereichen des \u00f6ffentlichen und privaten Lebens. Ziel ist die Stabilisierung orientierungs- und hilfesuchender Menschen zur aktiven Bew\u00e4ltigung ihres pers\u00f6nlichen Lebens, zur aktiven Teilnahme am \u00f6ffentlichen Leben; insbesondere die \u00dcberwindung von Identit\u00e4ts- und Beziehungsst\u00f6rungen und die F\u00f6rderung von Ehe, Familie und Jugend. Schwerpunkt der T\u00e4tigkeit des Vereins liegt in der pastoralpsychologischen Seminar- und Beratungsarbeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>LEO e.V.<br \/>\nBreite Stra\u00dfe 72<br \/>\n06536 S\u00fcdharz &#8211; OT Bennungen<br \/>\nTelefon: 034651 \/ 32768 oder 32776<br \/>\nE-Mail: Bernhard-Ritter@gmx.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beziehungskrisen und ihre \u00dcberwindung I. Zur Entstehung von Neurosen Wir k\u00f6nnen von Beziehung nicht reden, ohne von Identit\u00e4t zu reden. Identit\u00e4t und Beziehung sind eigentlich zwei Dinge, die zusammengeh\u00f6ren. Das eine wirkt auf das andere, das eine bedingt das andere. Identit\u00e4tskrisen sind immer auch Beziehungskrisen und umgekehrt. 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