{"id":6721,"date":"2011-06-30T10:51:56","date_gmt":"2011-06-30T08:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6721"},"modified":"2011-06-30T10:51:56","modified_gmt":"2011-06-30T08:51:56","slug":"das-gericht-uber-lebende-und-tote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6721","title":{"rendered":"Das Gericht \u00fcber Lebende und Tote"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gericht \u00fcber Lebende und Tote<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSo ermahne ich dich inst\u00e4ndig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird, <em>zu richten die Lebenden und die Toten<\/em>\u201c: so wendet sich Paulus an seinen Mitarbeiter im 1. Timotheusbrief (4,1). \u201eVon dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten\u201c, sprechen wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Wird dieses Gerichtsthema heute nicht gerne beiseitegeschoben? Dar\u00fcber soll in einem ersten Schritt nachgedacht werden. In einem zweiten Schritt weise ich die Berechtigung dieser Glaubensaussage anhand der Gerichtsverk\u00fcndigung von Jesus in Mt 25 nach. Danach entfalte ich die Grundlinien der Lehre vom Gericht im NT, um abschlie\u00dfend etwas von dem geistlichen Lernstoff zu benennen, den uns die Gerichtsbotschaft mit auf den Weg gibt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>A. Die Verdr\u00e4ngung der Gerichtsbotschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend eines Italienurlaubs besuchten wir den ber\u00fchmten Dom zu Pisa mit dem schiefen Turm. Zu dem gro\u00dfartigen Ensemble von Bauwerken geh\u00f6rt der Camposanto Monumentale, eine Begr\u00e4bnisst\u00e4tte in Form einer Halle mit Grabmalen und Wandgem\u00e4lden. Vor den ber\u00fchmten Fresken, die den Triumph des Todes und das J\u00fcngste Gericht darstellen, hatte sich eine der zahllosen Touristengruppen versammelt. Ich h\u00f6rte den Touristenf\u00fchrer eben sagen: \u201eJa ja, damit hat die Kirche die Menschen jahrhundertelang ge\u00e4ngstigt und klein gemacht.\u201c Ein Gottesgericht am Ende der Zeit: das kommt dem Betrachter befremdlich und be\u00e4ngstigend vor. Sofort setzt eine gedankliche Fluchtbewegung ein. Das Gerichtsbild wird historisch und sachlich in geh\u00f6rige Distanz gebracht: Es ist mittelalterlich. Es ist das Produkt einer repressiven Kirche und einer manipulierenden Theologie. Es hat f\u00fcr das Denken eines vern\u00fcnftigen Menschen von heute keinerlei Wahrheitsanspruch mehr. \u2013 Diese gedankliche Fluchtbewegung ist psychologisch ohne weiteres nachvollziehbar. Ein Gerichtsbild, dem seltsamerweise die Kraft innewohnt, den Menschen innerlich in Unruhe zu versetzen, muss im Blick auf seinen Wahrheitsanspruch zur\u00fcckgewiesen werden. Niemand will sich gerne auseinandersetzen mit der Wirklichkeit eines Gottes, der Gericht h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die innere Fluchtbewegung jedes nat\u00fcrlichen Menschen vor dem Gerichtsthema ist in der Theologie der sogenannten Neuzeit deutlich erkennbar. Friedrich Schleiermacher (+1834) spricht im Blick auf die Lehre vom J\u00fcngsten Gericht von einer \u201eVorstellung\u201c, die ausdr\u00fccken soll, dass die Gemeinde der Erl\u00f6sten am Ende geschieden ist von allem Weltlichen, B\u00f6sen und Unvollkommenen. Die biblische Gerichtsaussage wird in diesem Erkl\u00e4rungsmodell wie eine Nussschale behandelt, die man entfernen muss, wenn man zum Kern der Sache vordringen will. Die Autoren des NT waren in zeitbedingten Vorstellungen gefangen, in denen sie jenes Zeitlose, das f\u00fcr den modernen Menschen allein akzeptabel ist, ausdr\u00fcckten. Akzeptabel ist das Zielbild eines von allen St\u00f6rfaktoren geschiedenen Vollendungszustandes; inakzeptabel aber ist die Lehre von einer ewigen Scheidung zwischen Geretteten und Verlorenen. Inakzeptabel, weil unmenschlich, unbarmherzig und diskriminierend. \u2013 Zwar scheint sich in der neueren Exegese die Einsicht durchzusetzen, dass das Endgericht in der Verk\u00fcndigung von Jesus weder umgedeutet noch ausgeklammert werden darf. Damit ist aber \u00fcber den Umgang mit dem Gerichtsthema in der einzelnen Predigt noch nichts entschieden. Ein Pfarrer, der die Perikope vom Weltgericht Mt 25,31ff auslegt, formuliert die S\u00e4tze: \u201eEin Text, der irritiert. Man kann ihn abschw\u00e4chen, einschr\u00e4nken: Man kann sagen, dass er nur im Matth\u00e4us-Evangelium vorkommt. Man kann sagen, dass er nur ein Bild ist. Man kann auch sagen, dass man ihn ganz von der Liebe Gottes her verstehen muss: Gott, der niemanden im Gericht verloren gehen l\u00e4sst. Das alles stimmt.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1\">[1]<\/a> Zwar wird die \u00a0herausfordernde Anrede des Textes in der Predigt tapfer festgehalten. Aber sie wird verbunden mit dem Bekenntnis des heutigen Christentums, dass es keine Verlorenen nach dem Gericht geben darf, weil Gott ein Gott der Liebe ist. Das steht freilich nicht im Text. \u2013 Das moderne Bekenntnis, das sich freimacht von alten Gerichtsaussagen, wurde von einem w\u00fcrttembergischen Pfarrer in einem neuen Katechismustext f\u00fcr die Konfirmation einmal so auf den Punkt gebracht: \u201eFrage: Was ist von der Lehre vom J\u00fcngsten Gericht zu halten? Antwort: Nichts. Damit hat die Kirche den Menschen lange genug Angst eingejagt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die spontane, herzliche Abneigung des nat\u00fcrlichen Menschen gegen\u00fcber der Gerichtsbotschaft kann man schon an der Noahgeschichte studieren. W\u00e4hrend Noah mit einer kommenden Sintflut rechnete, glaubte au\u00dfer ihm und seiner engsten Familie offenbar kein Mensch daran. Selbst die gl\u00e4ubigen Verk\u00fcndiger der Gerichtsbotschaft versp\u00fcrten immer wieder wenig Lust, diese Botschaft auszurichten: siehe Jona, der Ninive den Untergang ansagen sollte, der aber stattdessen das Weite suchte. Nur weil Jona mit h\u00f6herer Gewalt an seinen Arbeitsplatz transportiert wurde, kam es zur warnenden Predigt und zur \u00fcberraschenden, rettenden Umkehr einer ganzen Stadt. Der Sinn der Gerichtsverk\u00fcndigung liegt bei diesem Beispiel auf der Hand; sie besteht in der Hinf\u00fchrung zu Umkehr, Rettung und Verschonung. Die unterdr\u00fcckte Gerichtsverk\u00fcndigung f\u00fchrt dementsprechend zur Gleichg\u00fcltigkeit, zur Verdammung und zum Verderben. Folglich kann eine gehorsame Theologie dieses Thema nicht unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder welcher Diener des Wortes d\u00fcrfte sich anma\u00dfen, das Gerichtswort Gottes zu unterschlagen? Welcher Prediger k\u00f6nnte es verantworten, seine Zuh\u00f6rer um die Rettung aus dem Gericht zu bringen? Und: Was w\u00e4re denn das f\u00fcr ein Sch\u00f6pfer, der seine Sch\u00f6pfung dem chaotischen Treiben der Menschheit preisgibt? Was w\u00e4re denn das f\u00fcr ein Geber guter Gebote, der am Ende gar nicht nachfragt, ob diese Gebote beachtet wurden? Was w\u00e4re das f\u00fcr ein Gott der Liebe, der alles B\u00f6se toleriert und am Ende gro\u00dfz\u00fcgig dar\u00fcber hinweggeht? Was w\u00e4re das f\u00fcr eine Gerechtigkeit, die nicht nur von den Hitlers, Maos und Gaddafis mit F\u00fc\u00dfen getreten wird, sondern auch von r\u00fccksichtslosen Jugendlichen, Eltern und Vorgesetzten, ohne dass am Ende jemand Rechenschaft fordert und Gerechtigkeit schafft? \u2013 Die Lehre vom Gericht beeinflusst ganz entscheidend unser Verst\u00e4ndnis von Gott und seinem Charakter. Deshalb fragen wir bei seinem Sohn Jesus nach, wie wir richtig sehen und verstehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B. Die Gerichtsverk\u00fcndigung von Jesus in Mt 25<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kommende Gericht ist ein bestimmendes Thema im Matth\u00e4usevangelium. Die f\u00fcnf gro\u00dfen Redeabschnitte, Bergpredigt (5-7), Aussendungsrede (10), Gleichnissammlung (13), Gemeinderede (18) und Endzeitrede (24,25) m\u00fcnden jeweils in eine Gerichtsverk\u00fcndigung ein. Die Endzeitrede, Kapitel 24 und 25, gipfelt nicht nur in der ber\u00fchmten Szene vom Weltgericht, sondern beinhaltet sieben aneinandergereihte Gleichnisse oder Bildworte, die durchweg einen Aspekt der Gerichtsthematik beleuchten. Die Erinnerung an die Sintflutzeit zeigt, wie unvermutet, wie umfassend und wie vernichtend sich die Ankunft von Jesus als Menschensohn und Weltrichter in einer vergn\u00fcgt dahinlebenden Menschheit auswirkt (24,37-39). Die radikale Scheidung des letzten Urteils unterstreicht der Hinweis auf die zwei Ackerbauern und die zwei Hausfrauen, von denen jeweils nur eine Person angenommen wird (24,40-42). Am heimlich einbrechenden Dieb l\u00e4sst sich die Unberechenbarkeit des Gerichtstermins ablesen (24,43f). Die drei folgenden Gleichnisse vom treuen und b\u00f6sen Knecht (24,45-51), von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen (25,1-13) und von den anvertrauten Talenten (25,14-30) sind offenbar auf Christen gem\u00fcnzt, die am Ende von ihrem Herrn nicht nur aufgenommen, sondern auch ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. Die Weltgerichtsszene (25,31-46) betrifft offenbar Nichtchristen, denen nicht klar ist, wo und wann sie Christus in ihrem Erdenleben begegnet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Das Gericht \u00fcber die Christen (25,1-13; 14-30)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beziehung zwischen Br\u00e4utigam und Brautjungfer bzw. Herr und Knecht stellt die Beziehung zwischen Jesus und dem J\u00fcnger dar. Es geht um solche Menschen, die den ankommenden Herrn genau und pers\u00f6nlich kennen und bis zu seiner Ankunft eine bestimmte Aufgabe zu erf\u00fcllen haben. Die Aufgabe der zehn Jungfrauen besteht darin, sich bereit zu halten und im entscheidenden Moment mit brennender \u00d6llampe das Geleit zu geben. Die fehlende \u00d6lreserve zum Nachf\u00fcllen bei f\u00fcnf Kandidatinnen l\u00e4sst sich als Vernachl\u00e4ssigung und Verlust des Glaubens verstehen, der st\u00e4ndig der Pflege durch Gotteswort, Gebet und Gemeinschaft bedarf. Der vernachl\u00e4ssigte und fehlende Glaube f\u00fchrt zum Zerbruch der Freundschaftsbeziehung zum Herrn des Ewigkeitsfestes, der die treulos Gewordenen unwiderruflich ausschlie\u00dft: \u201eIch kenne euch nicht.\u201c (25,12) \u2013 Die Aufgabe des Knechtes, dem f\u00fcnf Zentner Silber anvertraut sind oder auch nur ein Zentner, besteht darin, das Anvertraute im Sinne des Eigent\u00fcmers gesch\u00e4ftlich fruchtbar werden zu lassen. Der Einsatz der anvertrauten Gabe f\u00fchrt durchweg zum Gesch\u00e4ftserfolg und damit zum anerkennenden Lob des Auftraggebers. Das \u00e4ngstliche bzw. faule Verbergen der anvertrauten Gabe aber zieht nicht nur den scharfen Tadel des zur\u00fcckkehrenden Arbeitgebers auf sich, sondern auch die Verwerfung des Betroffenen: \u201eDen unn\u00fctzen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Z\u00e4hneklappern.\u201c (25,30) Offensichtlich fragt dieses Gleichnis nicht nur nach einem durchzuhaltenden Glauben, sondern auch nach einem durchzuhaltenden Dienst f\u00fcr das Reich Gottes mithilfe der pers\u00f6nlichen Begabungen. Nicht nur die Treue des Glaubens, sondern auch die Treue des Dienstes wird von Jesus Christus erwartet und beurteilt. Dienstverweigerung f\u00fchrt zur Verweigerung der Teilhabe am ewigen Reich. \u2013 Diesen beiden Gleichnissen zufolge sind Christen dem wertenden und folgenschweren Urteil ihres Herrn keineswegs entzogen. Vielmehr sind sie am Ende zur Rechenschaftsablage gefordert im Blick auf einen treuen Glauben, der sich in einem treuen Dienst \u00e4u\u00dfert. Der Verlust des ewigen Heils ist auch bei einem Christen grunds\u00e4tzlich denkbar, n\u00e4mlich im Fall von Glaubensabfall und faktischer Aufk\u00fcndigung der Treue zum Herrn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Das Gericht \u00fcber die Nichtchristen (25,31-46)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sogenannte Gleichnis vom Weltgericht stellt genau besehen keine Gleichniserz\u00e4hlung dar. Vielmehr lehrt Jesus im Klartext und in direkter Beschreibung, wie der Menschensohn bei seiner Erscheinung in Herrlichkeit Gericht h\u00e4lt. Nur in zwei Versen wird ein Vergleich gezogen zu dem Hirten, der in seiner Herde Mutterschafe und Ziegenb\u00f6cke auseinandersortiert (25,32f). Vor dem Richterthron sind \u201ealle V\u00f6lker\u201c versammelt. Die gesamte Menschheit zitiert der K\u00f6nig des Gottesreiches vor seinen Thron, mit Ausnahme der Christen. Dass die Christen von der Verhandlung nicht betroffen sind, zeigt sich daran, dass die Beurteilten nicht wissen, wo und auf welche Weise sie dem K\u00f6nig des Gottesreiches in ihrer irdischen Zeit begegnet sind. Das Markenzeichen des Christen besteht aber eben darin, zu wissen, wo und wie er Christus begegnet ist und auf welche Weise er ihm gedient hat. Die vom Gericht Betroffenen werden s\u00e4uberlich in zwei Gruppen unterteilt. Die sogenannten \u201eGerechten\u201c zur rechten Hand erfahren zu ihrer \u00dcberraschung, dass sie Jesus Christus selbst <em>in<\/em> seinen geringsten Br\u00fcdern begegnet sind. Erkl\u00e4rt man diesen Begriff des geringsten Bruders in pauschalem Sinne als eine auf jeden Menschen anwendbare Bezeichnung \u201eMenschenbruder\u201c, dann wird die scharfe Unterscheidung von zwei Gruppen unverst\u00e4ndlich, weil jeder Mensch, auch der verbohrteste \u00dcbelt\u00e4ter, seinem N\u00e4chsten wenigstens einmal eine schlichte Wohltat zugutekommen l\u00e4sst. Au\u00dferdem wendet Jesus, der hier redet, den Begriff \u201eBruder\u201c auf niemanden anderes als auf seine J\u00fcnger an. In Mt 10,42 verspricht er: \u201eWer einem dieser <em>Geringen<\/em> auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, <em>weil er ein J\u00fcnger ist<\/em>, wahrlich, ich sage euch: es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.\u201c Daraus folgt, dass im Endgericht die freundliche Wohltat <em>am<\/em> Christen, der Christus in dieser Welt repr\u00e4sentiert als Teil des Christusleibes, gn\u00e4digerweise derart wertgeachtet wird, dass sie zur ewigen Rettung f\u00fchrt. So wird dem Menschen aus den Nationen eine goldene Br\u00fccke zu dem eigentlich schon verpassten Heil gebaut. Bereits das Anzeichen einer freundlichen Haltung gegen\u00fcber den Gotteskindern wird als freundliche Haltung Gott gegen\u00fcber gewertet und belohnt. Wo jedes Anzeichen in diese Richtung fehlt, ist diese goldene Br\u00fccke verpasst und es bleibt nur die \u201eewige Strafe\u201c (46) im \u201eewigen Feuer\u201c (41). \u2013 Dieses Urteil, das dem Nichtchristen erstaunlich weit entgegenkommt, schlie\u00dft nicht nur eine hohe W\u00fcrdigung des Christenlebens in dieser Welt in sich, sondern auch einen kraftvollen Trost: Wenn der Nichtchrist nur wegen der Unterst\u00fctzung eines bed\u00fcrftigen, notleidenden Christen gerettet wird, um wieviel mehr der Christ, der seinen Retter kennt, bekennt und ihm dient. \u2013 Damit sind bereits wichtige Eckpunkte der Lehre vom Gericht im NT hervorgetreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>C. Die Lehre vom Gericht im NT<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Die Gegenw\u00e4rtigkeit des Gerichtes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsszenen in Mt 25 sind mit der Wiederkunft des Herrn am Ende der Weltzeit verkn\u00fcpft. An der Schwelle zwischen Zeit und Ewigkeit zieht Jesus Christus sein Fazit aus dem, was konkret im irdischen Lebenslauf geglaubt und gelebt worden ist, sowohl beim Christen als auch beim Nichtchristen. Weil dieses Fazit von der gelebten Antwort auf die Anrede Gottes im Evangelium abh\u00e4ngt, kann Jesus sagen, dass das Gericht schon in der Gegenwart stattfindet: \u201eDas ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht\u201c (Joh 3,19). Der Ausdruck \u201eGericht\u201c bezeichnet in diesem Satz allerdings nicht das Endgericht, sondern die verh\u00e4ngnisvolle Verblendung und Verschlossenheit gegen Jesus. Doch weil es nichts anders als diese Verschlossenheit oder auch Offenheit f\u00fcr Jesus im Hier und Heute ist, die im Endgericht endg\u00fcltig best\u00e4tigt wird, verschr\u00e4nkt insbesondere das Johannesevangelium gerne Zukunft und Gegenwart. Hier und heute entscheidet sich unser ewiges Schicksal: \u201eWer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet\u201c (Joh 3,18). Die Formulierung \u201eder wird nicht gerichtet\u201c kann nicht bedeuten, dass das Gericht \u00fcber das Leben des Christen im Sinne einer kritischen Pr\u00fcfung entf\u00e4llt. Denn Jesus spricht in seinen Herr-Knecht-Gleichnissen deutlich von dieser kritischen Pr\u00fcfung. Aber diese Pr\u00fcfung steht nicht als drohender Gerichtsschrecken \u00fcber dem Nachfolger Jesu. Vielmehr wird dem Gl\u00e4ubigen pers\u00f6nlich zugesagt, dass sie f\u00fcr ihn eine bereits bestandene Pr\u00fcfung ist: \u201eWer mein Wort h\u00f6rt und glaubt dem, der mich gesandt hat, der kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen\u201c (Joh 5,24). Speziell im Johannesevangelium wird dem, der glaubt, mit gr\u00f6\u00dftem Nachdruck alle Gerichtsangst genommen und eine felsenfeste, befreite und frohe Zuversicht ins Herz gesenkt. Anschluss an Christus ist Anschluss an das unzerst\u00f6rbare Leben selbst, dem Tod und Gericht nichts anhaben k\u00f6nnen. \u201eWer den Sohn hat, der hat das Leben\u201c (1. Joh 5,12).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Die Unentrinnbarkeit des Endgerichts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsgleichnisse der Endzeitrede Jesu stellen klar, dass am Ende ausnahmslos jeder Mensch seinem Sch\u00f6pfer begegnet, der ihn pers\u00f6nlich wahrnimmt, der sein gelebtes Leben ernst nimmt und der das letzte Wort dar\u00fcber spricht. Jesus k\u00fcndigt in Mt 16,27 an: \u201eEs wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er <em>einem jeden<\/em> vergelten nach seinen Tun.\u201c Wobei der griechische Begriff f\u00fcr \u201evergelten\u201c durchaus auch das Positive meint im Sinne von \u201ebedanken\u201c, \u201ebelohnen\u201c, \u201eGutes erstatten\u201c. <em>Jedes<\/em> Gesch\u00f6pf, das \u00fcber diese Erde geht, hat Jesus als herrlicher Menschensohn, der nach Daniel 7 mit der Aufrichtung der Gottesherrschaft beauftragt ist, im Blick. Der Zugang zur vollendeten Gottesherrschaft ist an eine Offenlegung der individuellen Lebenspraxis gebunden. Nach Mt 25 entscheidet die Frage nach der in diesem Leben bewusst gestalteten oder auch nur ansatzweise vorhandenen Beziehung zu Jesus \u00fcber Teilhabe oder Ausschluss. \u2013 Die Betroffenheit aller Menschen vom Gericht wird von Paulus, dem autorisierten Boten und Zeugen Jesu, eingangs des R\u00f6merbriefs best\u00e4tigt. Das Spitzengesch\u00f6pf Mensch, das den aus den Sch\u00f6pfungswerken erkennbaren Sch\u00f6pfer nicht ehrt, sondern verunehrt durch einen gottlosen, destruktiven Lebensstil, hat sich am \u201eTag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts\u201c zu verantworten (2,5). Und zwar wegen seiner unverantwortlichen Abweichung von dem gottgem\u00e4\u00dfen, guten Lebensvollzug, der dem Juden durch das Gesetz vor Augen gef\u00fchrt ist und dem Nichtjuden wohlbekannt ist durch den im Gewissen deutlich wahrnehmbaren Gotteswillen (2,15). Ob der Mensch aus den sogenannten Heidenv\u00f6lkern stammt oder aus Israel, macht keinen Unterschied: jedermann hat sich dem Wahrheitswort des Richters zu stellen. \u2013 Diese Aussage schlie\u00dft auch jene gro\u00dfe Mehrheit der Menschheit ein, die l\u00e4ngst verstorben ist. In der gro\u00dfen Schau des Offenbarungsbuches bekommt Johannes jene Gerichtsszene gezeigt, in der \u201edie Toten, gro\u00df und klein\u201c, vor den Thron Gottes treten (Offb 20,12). Der irdische Tod ist folglich keine Endstation, sondern eine Durchgangsstation, die zum Gericht hinf\u00fchrt. \u2013 Ob die Begegnung mit der Gnade und Wahrheit Gottes f\u00fcr alle Betroffenen gleichzeitig stattfindet oder ob verschiedene Personengruppen zu verschiedener Zeit vor den Thron von Christus treten, ist im Grunde eine f\u00fcr das Ergebnis des Endgerichtes zweitrangige Frage. Sie ist als Frage schon deshalb fraglich, weil es auf der Schwelle von Zeit und Ewigkeit m\u00f6glicherweise keine Zeitabst\u00e4nde mehr gibt. Wenn aber Offb 20,5f eine erste Auferstehung <em>vor<\/em> der tausendj\u00e4hrigen Regierung von Jesus beschreibt, die zum ewigen Leben f\u00fchrt, ist wohl daran gedacht, dass der Herr seinen Nachfolgern und Freunden sein letztes Wort voller Wahrheit und Gnade in einer anderen Situation mitteilt als in der Situation des Weltgerichts \u00fcber die Nichtchristen. F\u00fcr diese Annahme spricht auch die Ank\u00fcndigung von Jesus in Mt 19,28, dass die J\u00fcnger an der letzten gro\u00dfen Gerichtsverhandlung nicht in der Rolle der Angeklagten, sondern in der Rolle der aktiven Richter teilnehmen werden, die das gerechte und gn\u00e4dige Urteil gewisserma\u00dfen als Beisitzer best\u00e4tigen. Die Beziehung zu Christus ver\u00e4ndert die Erfahrung des Endes der irdischen Zeit grundlegend: Nichtchristen werden von dem Richter zitiert; Christen werden von ihrem Retter begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Der Glaube als das entscheidende Kriterium im Gericht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage, worauf es denn nun ankommt, um am Ende von Jesus und seinem Vater angenommen zu werden, beantwortet Jesus nach Auskunft des Matth\u00e4usevangeliums wohl am klarsten in der Aussendungsrede Mt 10,32: \u201eWer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.\u201c Denjenigen J\u00fcnger, der seine Beziehung zum Herrn offen lebt und vertritt, benennt Jesus vor seinem Vater als Mitglied und B\u00fcrger des Himmelreichs. Diese Benennung, die gleichbedeutend ist mit dem Freispruch im Gericht, ist dann gef\u00e4hrdet, wenn der J\u00fcnger seinen Herrn verleugnet, so wie Petrus seine Zugeh\u00f6rigkeit zum J\u00fcngerkreis im Hof des Hohenpriesters abstritt. Der Freispruch im Gericht ist auch dann gef\u00e4hrdet, wenn der J\u00fcnger seine Erwartung des wiederkommenden Herrn oder seinen Dienst f\u00fcr den Herrn im Laufe der Zeit aufgibt; so die Warnung der Gerichtsgleichnisse. Best\u00e4rkt und ermutigt wird der Christ aber insbesondere durch den Zuspruch von Jesus beim Abendmahl, der nicht nur die Vergebung der S\u00fcnden gew\u00e4hrt, sondern auch die Tischgemeinschaft mit dem Herrn in der Ewigkeit zusichert (Mt 26,26-28). \u2013 Die Beziehung zwischen J\u00fcnger und Herr, auf die am Ende alles ankommt, wird sowohl im Johannesevangelium als auch von Paulus \u201eder Glaube\u201c genannt. Joh 3,36: \u201eWer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.\u201c R\u00f6 3,26: \u201eGott ist gerecht und macht den gerecht, der da ist aus dem Glauben an Jesus.\u201c Paulus unterscheidet diesen Glauben im \u00fcbern\u00e4chsten Vers s\u00e4uberlich von den Gesetzeswerken, die nicht zur Rettung f\u00fchren (R\u00f6 3,28). Das Judentum meint, sich die Annahme bei Gott durch seinen Gesetzesgehorsam verdienen zu k\u00f6nnen. Der durchschnittliche Gottferne gibt sich dem \u00e4hnlich gelagerten Irrtum hin, dass der gute Kern, der in ihm steckt, oder sein soziales Handeln ihn f\u00fcr Gott annehmbar machen w\u00fcrden. Doch S\u00fcnde ist eine Hypothek, die sich in keiner Weise abarbeiten, abzahlen und ausgleichen l\u00e4sst. Sie wird einzig und allein durch das Lebensopfer des Gott-Menschen Jesus aufgehoben (R\u00f6 3,24). Wo dieses Lebensopfer nicht vor Gott in Anschlag gebracht wird kraft einer pers\u00f6nlichen Beziehung zwischen S\u00fcnder und Erl\u00f6ser, gibt es keine Chance, dem Verdammungsurteil \u00fcber die S\u00fcnde zu entgehen. \u2013 Weil sich das gerechte Urteil Gottes auf das konkret gelebte Leben bezieht, spricht Paulus im Anschluss an Jesus, seinen Herrn, vom Gericht nach den Werken (R\u00f6 2,6; vgl. Mt 16,27). Die Werke, als Lebensgestaltung in Denken, Reden und Handeln verstanden, werden immer zutiefst von der Wirklichkeit der S\u00fcnde gepr\u00e4gt sein. Deshalb retten und rechtfertigen sie nicht. Aber sie beschreiben wie eine Biographie eine Lebensgeschichte, in der entweder eine Glaubensbeziehung zum Erl\u00f6ser Raum hat oder nicht. Wenn Gott die aus vielen einzelnen Werken zusammengesetzte Lebensgeschichte betrachtet, erkennt er untr\u00fcglich den lebendigen oder den fehlenden Anschluss an den Heiland der Welt. Dieser Anschluss fehlt, wo Glaube missverstanden wird als ein F\u00fcrwahrhalten ohne praktische N\u00e4chstenliebe, ohne Glaubensgehorsam und Opferbereitschaft; dieses Missverst\u00e4ndnis bek\u00e4mpft der klarsichtige Gemeindeleiter Jakobus als toten Glauben im Jakobusbrief (Jak 2,14-22). Worauf es am Ende ankommt, ist folglich der Glaube als eine lebendige, echte, ernsthafte, frohe Beziehung zu Jesus Christus, die in der pers\u00f6nlichen Lebensgestaltung und Lebensgeschichte trotz aller Fehler und S\u00fcnde f\u00fcr Gott klar erkennbar ist. Negativ gewendet: \u201eWeder dasjenige Kirchenmitglied, das den Glauben bekennt, ohne die Liebe zu haben, noch dasjenige, das ohne Glauben wohltut, kann am J\u00fcngsten Tag bestehen.\u201c So formuliert der Theologe Ole Modalsli.<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn4\">[4]<\/a> Schlagwortartig gefasst: Keine Rettung ohne Christus! Keine Rettung ohne lebendigen, von Liebe bewegten und deshalb auch in der Liebe aktiven Glauben (Gal 5,6)! \u2013 Die Unterscheidung und Zuordnung von Werken und Glauben bringt die Schau der Johannesoffenbarung durch die verschiedenen B\u00fccher des Richters zum Ausdruck: nach den B\u00fcchern mit der Aufzeichnung der Werke wird die konkrete Lebensgeschichte beurteilt; gem\u00e4\u00df der Eintragung ins Buch des Lebens, die durch den Glauben an Christus geschenkt wird, geschieht die Erl\u00f6sung (Offb 20,12.15).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die Bewertung der Werke im Gericht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Jesus in dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten schildert, wie den Knechten unterschiedliche Mengen von Silber \u00fcbergeben werden und wie der Eigent\u00fcmer den Umgang mit den unterschiedlichen Verm\u00f6genswerten \u00fcberpr\u00fcft, lehrt er, dass der Umgang mit den anvertrauten Begabungen am Ende genau wahrgenommen und auch unterschiedlich bewertet wird. Der Christ, der dem J\u00fcngsten Tag nicht als Gerichtstag entgegengeht, sondern als Begegnungstag mit seinem Herrn, soll wissen, dass seine Lebensarbeit und Lebensf\u00fchrung sehr wohl Beachtung findet. Auf der einen Seite ist diese Ank\u00fcndigung ganz <em>positiv<\/em> zu h\u00f6ren. Nicht die geringste Kleinigkeit, die der Christ im Leben mit dem Herrn im Sinne seines Herrn tut, bleibt unbeachtet. Wenn schon dem Nichtchristen ein Becher mit kaltem Wasser f\u00fcr den durstigen J\u00fcnger nicht unvergolten bleibt, um wieviel mehr wird Jesus seinen Freunden lohnen, was sie an Gutem und Liebevollem zustandegebracht haben. Als Petrus seinen Meister danach fragt, was es bringt, ihm nachzufolgen und daf\u00fcr auf vieles zu verzichten, verspricht Jesus erstens den ehrenvollen Thronsitz des Mitrichters und Mitregenten im Gottesreich. Zweitens verhei\u00dft er reichlichen Ersatz f\u00fcr aufgegebene Familienbeziehungen und Besitzt\u00fcmer, sogar in dieser Lebenszeit. Drittens garantiert er das Erbe des ewigen Lebens (Mt 19,27-30; Mk 10,28-30). Der J\u00fcnger steht nicht mit leeren H\u00e4nden da. Sein Herr vergilt ihm die Nachfolge mit zeitlichem und ewigen Segen. Dass diese Vergeltung nicht auf einem Prinzip von Verdienst und Entlohnung beruht, liegt auf der Hand. Der Mensch der S\u00fcnde kann sich die freie Gabe des Segens niemals verdienen. Und doch beschenkt ihn sein Herr, der sich \u00fcber sein Glauben und Dienen unb\u00e4ndig freut, mit Gnadenlohn. \u2013 So wahr sich der Christ auf den Gnadenlohn freuen darf, so wenig kann er sich der Kritik seines Herrn im Blick auf das Verfehlte und das Lieblose entziehen. Insofern ist die Botschaft vom Gericht nach den Werken auch als Mahnung und Warnung zu h\u00f6ren. Insbesondere von demjenigen Christen, dem eine relativ weitreichende geistliche Erkenntnis gegeben ist. \u201eWem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen\u201c, k\u00fcndigt Jesus an und droht in diesem Zusammenhang \u2013 man kann es nicht anders ausdr\u00fccken \u2013 mit einem gr\u00f6\u00dferen oder geringeren Ma\u00df von zu erleidenden \u201eSchl\u00e4gen\u201c, die man wohl als ganzheitliche schmerzliche Erfahrung des Tadels Gottes verstehen \u00a0muss (Lk 12,47f). \u2013 Der Apostel Paulus stellt den Tag des Gerichts als ein pr\u00fcfendes Feuer dar, das zwischen Edelmetall und brennbarem Stroh unterscheidet. \u201eVon welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen\u201c (1. Kor 3,13). Was in Glaube, Hoffnung und Liebe getan wurde, findet die angemessene Belobigung. Was in Ungehorsam, Hoffnungsarmut und Egoismus vers\u00e4umt und zerst\u00f6rt wurde, f\u00fchrt zu einem ernsten Nein und einem besch\u00e4menden Blick des Richters. An diese Aussicht ist immer dort zu erinnern, wo der Glaube nachl\u00e4ssig und das Christentum leichtfertig wird. F\u00fcr den Menschen des lebendigen Glaubens aber ist auch diese Aussicht nur Ansporn und Freude. Denn sie st\u00e4rkt die Gewissheit, \u201edass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn\u201c, wie Paulus ermutigend sagt (1. Kor 15,58).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Die endg\u00fcltige Scheidung des Gerichts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl das Jungfrauengleichnis als auch das Gleichnis von den anvertrauten Talenten malt den Ausschluss derjenigen, die vom Glauben abgekommen und den Dienst verweigert haben, erschreckend vor Augen. Die Schilderung des Weltgerichts in Mt 25,46 schlie\u00dft mit dem Fazit: \u201eSie werden hingehen; diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.\u201c Die einen werden an den Ort der Strafe verbannt, der durch den Begriff \u201eewiges Feuer\u201c als qu\u00e4lend und unertr\u00e4glich charakterisiert wird (25,41). Die andern treten in das herrliche Himmelreich ein, wo ungetr\u00fcbte Freude und neue Aufgaben auf sie warten (25,21). Dass es keine M\u00f6glichkeit gibt, vom Strafort zum Himmelsraum hin\u00fcberzuwechseln, lehrt das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Die \u201egro\u00dfe Kluft\u201c zwischen h\u00fcben und dr\u00fcben ist un\u00fcberschreitbar (Lk 16,26). Eindringlicher kann man eine letzte Scheidung wohl kaum vor Augen f\u00fchren. \u2013 Wie es sich f\u00fcr einen treuen Botschafter Jesu geh\u00f6rt, sch\u00e4rft Paulus eingangs des R\u00f6merbriefes dieselbe Trennungslinie zwischen ewigem Leben und Ehre einerseits und Ungnade und Zorn andererseits ein (R\u00f6 2,7.8; 3,8). Der wiederkommende Herr, so prophezeit der Apostel den Thessalonichern, wird seine Vertrauensleute mit Ruhe beschenken, die Gottesleugner und Gehorsamsverweigerer aber mit dem ewigen Verderben bestrafen (2.Thess 1,7-9). \u2013 Drastisch anschaulich f\u00fchrt das Offenbarungsbuch einen \u201efeurigen Pfuhl\u201c vor Augen, in dem alle enden, deren Namen nicht im Buch des Lebens stehen (Offb 20,15). \u201eUnd der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c, schildert Offb 14,11. Die Erl\u00f6sten dagegen genie\u00dfen eine neugeschaffene Welt: \u201eSelig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie teilhaben an dem Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt\u201c (Offb 22,14). \u2013 Trotz dieser einm\u00fctigen Bezeugung des sogenannten doppelten Ausgangs des Gerichts durch Jesus und seine Apostel wurde in der Geschichte des Christentums immer wieder versucht, eine gedankliche Br\u00fccke \u00fcber die \u201egro\u00dfe Kluft\u201c zwischen Himmel und H\u00f6lle zu bauen, die es erm\u00f6glicht, dass nach der ernsten Scheidung des Gerichts alles in einer harmonischen Wiedervereinigung zwischen Gott, der gesamten Menschheit und sogar des bekehrten Teufels endet. Der Begriff der \u201eWiederbringung aller Dinge\u201c, der f\u00fcr diese Theorie von einem \u201ehappy end\u201c der Heilsgeschichte gerne verwendet wurde, ist Apg 3,21 entnommen. Doch dort ist nicht von einem vers\u00f6hnlichen Finale nach dem Ablauf vieler \u00c4onen-Zeitr\u00e4ume die Rede, sondern von der gesegneten Zukunft mit dem wiederkehrenden Christus, in der s\u00e4mtliche Segensverhei\u00dfungen zur Erf\u00fcllung gebracht werden; nicht etwa s\u00e4mtliche Verlorenen zur\u00fcckgebracht. Der \u00fcbern\u00e4chste Vers warnt davor, dass derjenige, der Jesus in seinem prophetischen Amt nicht h\u00f6rt und gehorcht, \u201evertilgt\u201c wird aus dem Gottesvolk; ein deutlicher Hinweis auf das ewige Ausgeschlossensein. \u2013 \u00a0Die Missachtung des Textzusammenhangs ist kennzeichnend f\u00fcr die Argumentation zugunsten der Allvers\u00f6hnung. Bibelstellen, die f\u00fcr sich genommen tats\u00e4chlich danach klingen, als w\u00fcrde \u201e<em>allen<\/em>\u201c Menschen ausnahmslos das Heil in Aussicht gestellt, sind in jedem biblischen Buch von Aussagen begleitet, die f\u00fcr nicht wenige den Heilsverlust aufgrund des Unglaubens ank\u00fcndigen. Neben der Ank\u00fcndigung von Jesus, er werde als Erh\u00f6hter \u201ealle\u201c zu sich ziehen, steht seine Ank\u00fcndigung, dass die Ver\u00e4chter am J\u00fcngsten Tag durch sein Wort gerichtet werden (Joh 12,32.48). Der Vorausblick aufs Ende in 1. Korinther 15 (24-28), wenn Gott \u201ealles in allem\u201c sein wird, beschreibt unmittelbar zuvor die Unterwerfung und Vernichtung aller gottfeindlichen M\u00e4chte einschlie\u00dflich des Todes und die Auferstehung derer, \u201edie Christus angeh\u00f6ren\u201c. Mit keiner Silbe ist die Rede davon, dass solche, die Christus <em>nicht<\/em> angeh\u00f6ren, nun auch zur Vollendung gelangen w\u00fcrden. Gerade im Korintherbrief fragt der Apostel die ungen\u00fcgend belehrten Glaubensanf\u00e4nger: \u201eWisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes <em>nicht<\/em> ererben werden?\u201c (1. Kor 6,9) Die ber\u00fchmte Prophetie von der Rettung ganz Israels in R\u00f6 11,32 k\u00fcndigt zwar eine Erweckung des Gottesvolkes zum Glauben durch den kommenden Erl\u00f6ser an, so dass am Ende die vorgesehene Vollversammlung von Erl\u00f6sten am Ewigkeitsfest teilnimmt. Doch diese Prophetie hebt die zuvor getroffenen Unterscheidungen zwischen unechten und geistlichen Abrahamsnachkommen, zwischen vergeblicher Werkgerechtigkeit und rettender Glaubensgerechtigkeit, zwischen Verstockten und Begnadigten nicht auf. Die Meinung, Paulus w\u00fcrde in einem gedanklichen Prozess eine neue Aussage entwickeln, die das Vorige aufhebt, nimmt ihn nicht wirklich ernst. Die apostolische Lehraussage vom Gericht auch \u00fcber Israel in R\u00f6 2 ist mit der Prophetie der Rettung der Glaubenserweckten in R\u00f6 11 zusammenzusehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bed\u00fcrfnis, die Gerichtsbotschaft mit einer Zukunftsschau von einer Allvers\u00f6hnung zu verbinden, ist menschlich und psychologisch gut verst\u00e4ndlich. Doch gerade als glaubender Mensch muss ich mich von Gott belehren lassen und darf nicht versuchen, seine Offenbarung in eine gew\u00fcnschte Richtung zurechtzuinterpretieren, was n\u00e4mlich so viel ist wie: ihn eines besseren belehren wollen. Das w\u00e4re eine \u00dcberheblichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D. Die Lektion der Gerichtsbotschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsbotschaft schreckt auf. Den Gottfernen aus seinem Unglauben. Den Gl\u00e4ubigen aus seinem vernachl\u00e4ssigten Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsbotschaft verherrlicht. Sie l\u00e4sst den Sch\u00f6pfer und Vollender der Welt gewaltig hervortreten, der alles durchschaut und \u00fcber alles das letzte Wort hat. Er ist gerade darin glaubw\u00fcrdig, dass er das, was er an Gutem fordert, am Ende auch einfordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsbotschaft tr\u00f6stet. Jeden Menschen, der am uns\u00e4glichen B\u00f6sen in dieser Welt leidet. Alle Christen, die an Druck und Verfolgung leiden. Am Ende entkommt kein \u00dcbelt\u00e4ter. Am Ende wird eine vollkommene Gerechtigkeit hergestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsbotschaft mahnt. Sie mahnt den Christen auf dem Weg der Nachfolge, seinen Glauben sorgf\u00e4ltig zu pflegen und seine Gaben aus Liebe zu Gott und dem N\u00e4chsten einzusetzen, wo immer es nottut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gerichtsbotschaft evangelisiert. Sie f\u00fchrt mit Macht zum Evangelium von Jesus Christus, dem Weltrichter hin, der uns als Retter und Freund begegnen wird. Luther formuliert: \u201eDu darfst das j\u00fcngste Gericht nicht f\u00fcrchten, sondern sollst es begehren und ein Verlangen danach haben, denn dir ist es kein Gericht, sondern eine Erl\u00f6sung.\u201c <a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<hr style=\"text-align: justify;\" size=\"1\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1\">[1]<\/a> Diemo Rollert, Ahrbergen bei Hildesheim, 16.11.2003, Die Predigt-CD-Rom, Dt. Bibelgesellschaft 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2\">[2]<\/a> Die Auslegung folgt im wesentlichen G. Maier, Matth\u00e4us-Evangelium 2. Teil, Edition C, H\u00e4nssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart (1980), 4. Aufl. 1989<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref3\">[3]<\/a> Sowohl die Gliederung als auch die Inhalte dieses Abschnitts orientieren sich an Claus Schwambach, Neusch\u00f6pfung und Endzeit, in: C. Herrmann, Wahrheit und Erfahrung. Themenbuch zur Systematischen Theologie, Bd. III, Wuppertal 2006, 348-358.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref4\">[4]<\/a> Ole Modalsli, Das Gericht nach den Werken. Ein Beitrag zu Luthers Lehre von dem Gesetz, FKDG 13, G\u00f6ttingen 1963, 143. Zitiert nach Claus Schwambach, Neusch\u00f6pfung, 351.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref5\">[5]<\/a> Walch 2.Aufl. VII, 1979; zu Joh 3,19; 14. Sept 1538; Pr. 1783, WA 111-121.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Tobias Ei\u00dfler,\u00a0<\/em><em>Vortrag w\u00e4hrend des Kongresses \u201cJa, ich komme bald!&#8220; &#8211; Das biblische Zeugnis von Wiederkunft, Gericht und Neusch\u00f6pfung\u00a0vom 01.04.-03.04.2011, Bad Gandersheim (Veranstalter: Gemeindehilfsbund \/ Gemeindenetzwerk). Eine idea-Dokumentation mit s\u00e4mtlichen Beitr\u00e4gen\u00a0der beiden Kongresse &#8222;Ja, ich komme bald!&#8220; kann in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes vorbestellt werden: M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, 05161-911330, <a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gericht \u00fcber Lebende und Tote \u201eSo ermahne ich dich inst\u00e4ndig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten\u201c: so wendet sich Paulus an seinen Mitarbeiter im 1. Timotheusbrief (4,1). \u201eVon dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten\u201c, sprechen wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis. 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