{"id":6651,"date":"2011-06-14T16:19:12","date_gmt":"2011-06-14T14:19:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6651"},"modified":"2011-06-14T16:19:51","modified_gmt":"2011-06-14T14:19:51","slug":"der-wahre-grund-fur-mehr-kinder-die-verlasslichkeit-der-ehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6651","title":{"rendered":"Der wahre Grund f\u00fcr mehr Kinder: Die Verl\u00e4sslichkeit der Ehe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der wahre Grund f\u00fcr mehr Kinder: Die Verl\u00e4sslichkeit der Ehe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abkehr von der Ehe scheint unaufhaltsam: Die Deutschen heiraten immer weniger und immer sp\u00e4ter. War die Heirat noch bis in die 1970er Jahre \u201ePflicht&#8220;, ist sie heute eine Option unter vielen: Zusammenleben mit oder ohne Trauschein, in einer gemeinsamen Wohnung oder in einer \u201ebilokalen Partnerbeziehung&#8220; oder \u201eSingle-Dasein&#8220; &#8211; alle Partnerschaftsformen sind gleicherma\u00dfen akzeptiert (1). Zwar heiratet noch immer eine Mehrheit der Erwachsenen, fast 40% der Ehen landen aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vor dem Scheidungsrichter. Als Folge des Scheidungsbooms und mehr noch der durch die sinkenden Heiratszahlen dokumentierten Ehem\u00fcdigkeit ist die lebenslange Ehe l\u00e4ngst nicht mehr der Regelfall.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Realit\u00e4t wahrzunehmen f\u00e4llt schwer: Scheidungen &#8211; so argumentieren manche &#8211; bedeuteten das Scheitern einer konkreten Partnerschaft, aber keine generelle Absage an die Ehe als Institution. Dass viele ein zweites (oder auch drittes) Mal heiraten, belege die bleibende Attraktivit\u00e4t der Ehe. Seit den 1970er Jahren ist aber auch der Anteil der wieder heiratenden Geschiedenen stark gesunken (2). Geschiedene bevorzugen heute oft Partnerschaften ohne \u201eformelle Verpflichtung&#8220;, weil sie \u201eZweifel an der Stabilit\u00e4t von Partnerbeziehungen hegen&#8220;. Aus solchen Gr\u00fcnden scheuen auch viele in Scheidungsfamilien aufgewachsene junge Menschen vor der Heirat zur\u00fcck. \u00dcber die Generationen schwindet so sozialer R\u00fcckhalt f\u00fcr die Ehe (3). An die Stelle der lebenslangen Ehe tritt mehr und mehr die \u201eserielle Monogamie&#8220;: Eine Abfolge multipler Beziehungen mit verschiedenen Lebenspartnern, in der \u201eunbefriedigende Verbindungen&#8220; gek\u00fcndigt werden, um \u201enach besseren Perspektiven zu suchen&#8220; (4).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den multioptionalen Lebensstil verstehen Soziologen als Ausdruck eines neuen Partnerschaftsideals, das st\u00e4rker auf Autonomie setzt (5). Die Entscheidung f\u00fcr Kinder bef\u00f6rdert dieses Autonomiestreben allerdings nicht: Unverheiratete Paare sind im Vergleich zu Eheleuten mindestens drei- bis viermal so h\u00e4ufig kinderlos (6). Die Entscheidung \u00fcber die Geburt eines Kindes ist, wie Demographen feststellen, immer noch stark an das \u201etraditionelle ehebasierte Familienmodell gekn\u00fcpft&#8220;. Sie versuchen diese Situation damit zu erkl\u00e4ren, dass in Deutschland immer noch \u201eEhef\u00f6rderung \u00fcber monet\u00e4re Transfers betrieben wird&#8220;. Diese Politik benachteilige, \u201ediejenigen, die die Ehe als Lebensform nicht akzeptieren&#8220;, die eben \u201edadurch weniger Kinder&#8220; h\u00e4tten&#8220; (7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich spielt die Ehe f\u00fcr den Anspruch auf \u00f6ffentliche Leistungen in Deutschland gar keine Rolle: Leistungen wie das Kinder-, das Wohn- oder das Elterngeld werden unabh\u00e4ngig vom Familienstand ausbezahlt (8). Welche Diskriminierung soll unverheiratete Frauen von der Entscheidung f\u00fcr Kinder abschrecken? Plausibler ist es, nach Gr\u00fcnden in den Einstellungen der Menschen zu suchen. Aufschlussreich sind in dieser Hinsicht die Antworten 25-40-j\u00e4hriger Frauen auf die Frage, ob und wie viele Kinder sie planen: Singles w\u00fcnschen sich durchschnittlich 1,4 Kinder. Nur geringf\u00fcgig h\u00f6her ist der Kinderwunsch von Frauen in einer bilokalen Partnerbeziehung (1,5) und selbst Frauen in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft wollen im Schnitt nur 1,6 Kinder. In einer Ehe lebende Frauen w\u00fcnschen sich dagegen mindestens zwei Kinder (9). Entscheidend f\u00fcr den Kinderwunsch ist weniger das Vorhandensein eines Partners als die Art der Beziehung: Frauen in einer bilokalen Partnerbeziehung wollen genauso oft wie Single-Frauen kinderlos bleiben (27%), dasselbe gilt f\u00fcr rund ein F\u00fcnftel der kohabitierenden, aber nur f\u00fcr ein Zwanzigstel der verheirateten Frauen. Verheiratete w\u00fcnschen sich in mehr als neun von zehn F\u00e4llen Kinder &#8211; das gilt f\u00fcr Frauen wie f\u00fcr M\u00e4nner (10). Basis des Kinderwunsches von Ehepaaren ist eine gewisse Verl\u00e4sslichkeit: Trotz des gestiegenen Scheidungsrisikos sind Ehen noch immer stabiler als Partnerschaften ohne \u201eformelle Verpflichtung&#8220;, die nicht selten schon nach wenigen Monaten wieder zerbrechen. Diese Fl\u00fcchtigkeit und Unverbindlichkeit erschwert Unverheirateten die Entscheidung f\u00fcr Kinder (11). Diese Zusammenh\u00e4nge darzustellen k\u00f6nnte unpopul\u00e4r sein, einfacher ist es da, weiter die Legende von der \u201eDiskriminierung&#8220; \u201ealternativer&#8220; Lebensformen zu verk\u00fcnden. Wissenschaftliche N\u00fcchternheit und Redlichkeit bleiben dabei auf der Strecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Zum Lebensformenwandel und dem Bedeutungsverlust der Ehe seit etwa 1970: Siehe: Stefan Fuchs: Vertreibung aus dem Rest-Paradies? Heirat und Ehe in den Medien 1968 und 2010, http:\/\/www.erziehungstrends.de\/Heirat\/Ehe\/Medien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Vgl.: J\u00fcrgen Dorbritz: Die Berechnung zusammengefasster Wiederverheiratungsziffern Geschiedener &#8211; Probleme, Berechnungsverfahren und Ergebnisse, S. 253-262, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft Heft 3\/1998, S. 260-261.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Siehe hierzu: http:\/\/www.i-daf.org\/291-0-Wochen-11-12-2010.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Siehe: Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Familie zwischen Flexibilit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit. Perspektiven f\u00fcr eine lebenslaufbezogene Familienpolitik &#8211; Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16\/1360, Berlin 2006, S. 126.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Beispielhaft f\u00fcr diese Sichtweise: Jahel Mielke: \u201eAllein wohnen hei\u00dft nicht allein sein&#8220;, Interview mit Norbert Schneider, in: DER TAGESSPIEGEL vom 25.4.2010, http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/allein-wohnen-heisst-nicht-allein-zu-sein\/1807966.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Vgl.: J\u00fcrgen Dorbritz: Dimensionen der Kinderlosigkeit in Deutschland, S. 2-6; Bev\u00f6lkerungsforschung Aktuell 03\/2011, S. 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Siehe ebd., S. 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) Siehe hierzu: http:\/\/www.i-daf.org\/243-0-Woche-45-2009.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9) Vgl. Abbildung unten: \u201eKinderwunsch &#8211; abh\u00e4ngig von der Lebensform&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(10) Dies ergeben zumindest Auswertungen des \u201eGender and Generations Survey 2005. Vgl.: J\u00fcrgen Dorbritz: Bilokale Paarbeziehungen &#8211; die Bedeutung und Vielfalt einer Lebensform, S. 31-56, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft, 34. Jahrgang, 1-2\/2009, S. 49. Dorbritz kommt dem Schluss: \u201eDie bilokale Partnerbeziehung ist definitiv nicht die Lebensform, die Basis f\u00fcr die Entstehung von Kinderw\u00fcnschen und deren Erf\u00fcllung ist&#8220; (Siehe ebd., S. 50).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(11) Siehe hierzu: http:\/\/www.i-daf.org\/247-0-Woche-46-2009.html sowie Abbildung unten: \u201ePartnerschaftsanzahl und Kinderlosigkeit&#8220;.<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-6654\" title=\"23-24_kinderwunsch\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/23-24_kinderwunsch.jpg\" alt=\"\" width=\"556\" height=\"442\" \/><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-6655\" title=\"23-24_partnerschaftsanzahl_ud_kinderlosigkeit\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/23-24_partnerschaftsanzahl_ud_kinderlosigkeit.jpg\" alt=\"\" width=\"554\" height=\"467\" \/><\/p>\n<p><em>IDAF, 14.06.2011 (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der wahre Grund f\u00fcr mehr Kinder: Die Verl\u00e4sslichkeit der Ehe Die Abkehr von der Ehe scheint unaufhaltsam: Die Deutschen heiraten immer weniger und immer sp\u00e4ter. 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