{"id":6616,"date":"2011-06-07T13:48:59","date_gmt":"2011-06-07T11:48:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6616"},"modified":"2011-06-07T13:50:59","modified_gmt":"2011-06-07T11:50:59","slug":"gruse-aus-einer-traumatisierten-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6616","title":{"rendered":"&#8222;Gr\u00fc\u00dfe aus einer traumatisierten Stadt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eGr\u00fc\u00dfe aus einer traumatisierten Stadt\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>CSI-Mitarbeiter Gunnar Wiebalck sandte ersch\u00fctternde Gr\u00fc\u00dfe aus Bagdad. Gemeinsam mit John Eibner hatte er die Kirche besucht, in der am 31. Oktober 2010 \u00fcber 50 Christen von Islamisten ermordet wurden und mit \u00dcberlebenden des Anschlags gesprochen. Gunnar Wiebalck berichtet aus Bagdad:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir waren am 11. Mai 2011 in der syrisch-katholischen Kirche Sayidat al-Nejat im Stadtteil Karrada von Bagdad. Die Gottesdienstbesucher in dem Geb\u00e4ude mit dem monumentalen Kreuz im hohen Rundbogen sind am 31. Oktober letztes Jahr Ziel des bisher folgenschwersten Anschlags auf die christliche Minderheit im Irak geworden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Blutspritzer noch und noch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch jetzt, sieben Monate nach dem Anschlag sind die Spuren der sich \u00fcber mehrere Stunden hinziehenden Schl\u00e4chterei im Inneren der Kirche noch \u00fcberall zu sehen: Riesige Dellen auf dem Marmorfu\u00dfboden im Altarbereich, wo die Selbstmordattent\u00e4ter ihre Sprengwesten z\u00fcndeten. Am Deckenputz dar\u00fcber Hautfetzen und Haarb\u00fcschel. In die Sakristei, wo sich die Christen in Panik zusammendr\u00e4ngten, hatten die Terroristen Handgranaten geworfen. Der bis auf ein vergittertes Oberlicht fensterlose Raum ist von oben bis unten mit Blut bespritzt. An den Kirchenw\u00e4nden sieht man unz\u00e4hlige Einschl\u00e4ge von Maschinengewehrsalven. Eine von Geschossen durchsiebte Metallt\u00fcre, heruntergefallene und zerbrochene Marmorverkleidungen und Putz. An einer S\u00e4ule h\u00e4ngen die blutgetr\u00e4nkten Gew\u00e4nder der ums Leben gekommenen Pfarrer Saad Abdallah Tha\u2019ir und Waseem Tabeeh. In der Gruft unter der Kirche liegen sie begraben. &#8222;Gott ist Liebe&#8220;, steht auf der irakischen Fahne neben einer Vase mit Plastikblumen und ihren gerahmten Fotos. Saad und Waseem hatten im Dezember 2009 in Bagdad an einer von CSI organisierten Konferenz mit Kirchenf\u00fchrern und Opfern des Terrorismus teilgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Wer sich bewegte, wurde erschossen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">CSI-Mitarbeiter Dr. John Eibner und ich interviewen \u00dcberlebende des Massakers. &#8222;Ich lag auf dem Fu\u00dfboden, zwischen Lebenden und Toten, mit dem Gesicht nach unten in einer sich immer weiter ausbreitenden Lache aus Blut und Erbrochenem&#8220;, berichtete die \u00c4rztin T. &#8222;Ich stellte mich tot, einer der M\u00e4nner zog an meinen Haaren, um festzustellen, ob ich noch am Leben war &#8230; Wer sich bewegte, wurde erschossen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H. berichtet, wie ihr Vater im Kugelhagel starb, ihr Bruder und ihre schwangere Schwester blieben schwer verletzt liegen. Sie sind derzeit in Europa in medizinischer Behandlung. H. berichtet, dass sie selber schon 2004 bei einem Anschlag auf dieselbe Kirche verletzt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwei Kugeln in Baby-Bein<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M., eine 16-j\u00e4hrige Sch\u00fclerin, hat Fotos von ihrem erschossenen Bruder O. mitgebracht. &#8222;Sie t\u00f6teten auch seinen dreij\u00e4hrigen Sohn. Der Knabe hatte sie nach dem Mord seines Vaters angeschrien, es sei jetzt genug, genug&#8220;. M. verbirgt ihre Haare ebenso wie ihre Mutter seit dem Attentat unter einer schwarzen, faltenlosen Kopfhaube. Im Bagdader Stadtteil Karrada sind unverschleierte Frauen ihres Lebens nicht mehr sicher. &#8222;Meine kleine Nichte&#8220;, sagt M. und zeigt auf ihrem Laptop auf das Bild von einem Baby mit dickem Fussverband. &#8222;Sie wurde von zwei Kugeln ins Bein getroffen&#8220;. Die Witwe von O. ist mit dem schwer verletzten Kind in ein Krankenhaus nach Europa transportiert worden. Die Eltern des ermordeten O. berichten, dass dort bereits zwei weitere ihrer S\u00f6hne Asyl bekommen haben. Im Juni 2011 werden sie ihre S\u00f6hne dort wiedersehen. Sie zeigen uns die Flugtickets f\u00fcr sich und ihre beiden T\u00f6chter, vier einfache Fl\u00fcge. Wieder werden irakische Christen ihrer Heimat den R\u00fccken zukehren \u2013 wohl f\u00fcr immer.<\/p>\n<p><em>Gunnar Wiebalck, <a href=\"http:\/\/www.csi-de.de\/\">Christian Solidarity International <\/a>(CSI), 31.05.2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGr\u00fc\u00dfe aus einer traumatisierten Stadt\u201c CSI-Mitarbeiter Gunnar Wiebalck sandte ersch\u00fctternde Gr\u00fc\u00dfe aus Bagdad. Gemeinsam mit John Eibner hatte er die Kirche besucht, in der am 31. Oktober 2010 \u00fcber 50 Christen von Islamisten ermordet wurden und mit \u00dcberlebenden des Anschlags gesprochen. Gunnar Wiebalck berichtet aus Bagdad: Wir waren am 11. 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