{"id":6416,"date":"2011-05-11T16:41:22","date_gmt":"2011-05-11T14:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6416"},"modified":"2011-05-11T16:42:41","modified_gmt":"2011-05-11T14:42:41","slug":"das-recht-der-gemeinde-die-lehre-zu-beurteilen-und-lehrer-zu-berufen-ein-und-abzusetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6416","title":{"rendered":"Das Recht der Gemeinde, die Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Da\u00df eine christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen \u2013 Grund und Ursach aus der Schrift<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufs erste ist es vonn\u00f6ten, da\u00df man wisse, wo und wer die christliche Gemeinde sei, auf da\u00df nicht, wie es die Unchristen allezeit gewohnt sind, unter dem Namen der christlichen Gemeinde Menschen menschliche Vorhaben betreiben. Daran aber soll man die christliche Gemeinde mit Gewi\u00dfheit erkennen, da\u00df da das reine Evangelium gepredigt wird. Denn gleichwie man an dem Heerbanner als einem bestimmten Zeichen erkennt, was f\u00fcr ein Herr und Heer zu Felde liegt, so erkennt man auch mit Bestimmtheit an dem Evangelium, wo Christus und sein Heer liegt. Daf\u00fcr haben wir eine feste Verhei\u00dfung Gottes, Jes. 55: \u201eMein Wort, spricht Gott, das aus meinem Mund geht, soll nicht leer wieder zu mir kommen, sondern wie der Regen vom Himmel auf die Erde f\u00e4llt und macht sie fruchtbar, so soll mein Wort auch alles ausrichten, wozu ich&#8217;s aussende.\u201c <!--more-->Daher sind wir sicher, da\u00df es unm\u00f6glich ist, da\u00df da, wo das Evangelium im Gang ist, keine Christen sein sollten, wie wenige es auch immer sein und wie s\u00fcndlich und mangelhaft sie auch sein m\u00f6gen; gleichwie es unm\u00f6glich ist, da\u00df da, wo das Evangelium nicht im Gang ist und Menschenlehren regieren, Christen und nicht blo\u00df Heiden sein sollten, wie viele es auch immer sein m\u00f6gen und wie heilig und gut auch immer ihr Wandel sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus folgt unwidersprechlich, da\u00df die Bisch\u00f6fe, Stifte, Kl\u00f6ster und was solches Volk ist, bei weitem keine Christen noch eine christliche Gemeinde gewesen sind, wiewohl sie diesen Namen allein vor allen in Anspruch genommen haben. Denn wer das Evangelium kennt, der sieht, h\u00f6rt und begreift, wie sehr sie noch heutigentages auf ihren Menschenlehren bestehen und das Evangelium ganz von sich vertrieben haben und auch noch vertreiben. Darum mu\u00df man das, was dieses Volk tut und vorgibt, als eine heidnische und weltliche Sache erachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufs zweite: In dieser Angelegenheit, n\u00e4mlich \u00fcber die Lehre zu urteilen, Lehrer und Seelsorger ein- und abzusetzen, darf man sich gar nicht nach der Menschen Gesetz, Recht, Herkommen, Brauch, Gewohnheit usw. richten, gleichg\u00fcltig, ob es vom Papst oder Kaiser, von F\u00fcrsten oder Bisch\u00f6fen festgesetzt ist, ob es die halbe oder ganze Welt so gehalten, ob es ein oder tausend Jahre gedauert hat. Denn die Seele des Menschen ist ein ewiges Ding \u00fcber alles, was zeitlich ist; darum darf sie nur mit ewigem Wort regiert und ausger\u00fcstet sein. Denn es ist sehr zu schelten, wenn die Gewissen vor Gott mit Menschenrecht und langer Gewohnheit regiert werden. Darum mu\u00df man hier nach der Schrift und Gottes Wort handeln. Denn wenn Gottes Wort und Menschenlehre die Seele regieren wollen, so kann es nicht fehlen, da\u00df sie einander widerstreiten. Das wollen wir in dieser gegenw\u00e4rtigen Auseinandersetzung klar und deutlich beweisen, n\u00e4mlich so: Menschenwort und -lehre haben bestimmt und verordnet, man solle es lediglich den Bisch\u00f6fen und Gelehrten und den Konzilien \u00fcberlassen, \u00fcber die Lehre zu urteilen; was diese beschlossen haben, solle alle Welt f\u00fcr recht und f\u00fcr Glaubensartikel halten, wie das genugsam ihr t\u00e4gliches Prahlen mit dem geistlichen Recht des Papstes beweist. Denn man h\u00f6rt so gut wie nichts von ihnen als dieses Prahlen, da\u00df ihnen die Vollmacht und das Recht zustehe, dar\u00fcber zu urteilen, was christlich oder ketzerisch sei, und da\u00df der gew\u00f6hnliche Christenmensch sich nach ihrem Urteil richten und daran halten solle. Siehe, wie schamlos und n\u00e4rrisch dieses Prahlen, mit dem sie alle Welt in die Enge getrieben haben und das ihr h\u00f6chster Hort und Bollwerk ist, gegen Gottes Gesetz und Wort anst\u00fcrmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn Christus bestimmt gerade das Gegenteil. Er nimmt den Bisch\u00f6fen, Gelehrten und Konzilien sowohl das Recht wie die Vollmacht, \u00fcber die Lehre zu urteilen, und gibt sie jedermann und allen Christen insgemein, da er spricht Joh. 10,27: \u201eMeine Schafe kennen meine Stimme\u201c; ferner: \u201eMeine Schafe folgen den Fremden nicht, sondern fliehen vor ihnen; denn sie kennen nicht der Fremden Stimme\u201c (Joh. 10,5); ferner: \u201eWieviel ihrer gekommen sind, das sind Diebe und M\u00f6rder. Aber die Schafe h\u00f6rten nicht auf sie.\u201c (Joh. 10,8)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier siehst du ganz klar, wer das Recht hat, \u00fcber die Lehre zu urteilen: Bischof, Papst, Gelehrte und jedermann hat die Vollmacht zu lehren, aber die Schafe sollen urteilen, ob sie die Stimme Christi oder die Stimme der Fremden lehren. Lieber, was k\u00f6nnen hiergegen die Wasserblasen sagen, die da auftrumpfen: Concilia, concilia! Ei, man mu\u00df die Gelehrten, die Bisch\u00f6fe in Menge h\u00f6ren, man mu\u00df den alten Brauch und die Gewohnheit betrachten! &#8211; Meinst du, da\u00df mir Gottes Wort sollte deinem alten Brauch, Gewohnheit, Bisch\u00f6fen weichen? Nimmermehr! Darum lassen wir Bisch\u00f6fe und Konzilien beschlie\u00dfen und behaupten, was sie wollen; aber wo wir Gottes Wort bei uns haben, soll&#8217;s bei uns stehen und nicht bei ihnen, ob&#8217;s recht oder unrecht sei, und sie sollen uns weichen und unserm Wort gehorchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier siehst du, meine ich, ja klar genug, was denjenigen zuzutrauen ist, die mit Menschenwort \u00fcber die Seelen bestimmen wollen. Wer sieht hier nun nicht, da\u00df alle Bisch\u00f6fe, Stifte, Kl\u00f6ster, hohen Schulen mit ihrer ganzen K\u00f6rperschaft gegen dieses klare Wort Christi antoben, da\u00df sie das Urteil \u00fcber die Lehre den Schafen auf schamlose Weise wegnehmen und sich selber aneignen durch eigene frevelhafte Behauptung? Darum sind sie auch durchaus f\u00fcr M\u00f6rder und Diebe, W\u00f6lfe und abtr\u00fcnnige Christen zu halten, die hier \u00f6ffentlich dessen \u00fcberf\u00fchrt sind, da\u00df sie Gottes Wort nicht allein verleugnen, sondern auch im Widerspruch zu ihm ihre Behauptungen aufstellen und verfahren, wie sich&#8217;s denn f\u00fcr den Antichrist und sein Reich zu tun geb\u00fchrt laut der Prophezeiung St. Pauls, 2. Thess. 2,3 f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abermals spricht Christus Matth. 7,15: \u201eH\u00fctet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie wie rei\u00dfende W\u00f6lfe.\u201c Siehe, hier weist Christus nicht den Propheten und Lehrern das Urteil zu, sondern den Sch\u00fclern oder Schafen. Denn wie k\u00f6nnte man sich vor den falschen Propheten hier h\u00fcten, wenn nicht so, da\u00df man ihre Lehre in Bedacht nehmen, richten und urteilen sollte? Also kann es ja keinen falschen Propheten unter den Zuh\u00f6rern geben, sondern nur unter den Lehrern. Darum sollen und m\u00fcssen alle Lehrer dem Urteil der Zuh\u00f6rer unterworfen sein mit ihrer Lehre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dritte Spruch ist von St. Paulus, 1. Thess. 5,21: \u201ePr\u00fcfet alles; was gut ist, das behaltet!\u201c Siehe, hier will er, da\u00df keine Lehre und keine Behauptung festgehalten wird, es sei denn, da\u00df sie von der Gemeinde, die es h\u00f6rt, gepr\u00fcft und f\u00fcr gut erkannt werde. Denn dieses Pr\u00fcfen steht ja nicht den Lehrern zu, sondern die Lehrer m\u00fcssen zuvor das sagen, was man pr\u00fcfen soll. Also ist auch hier das Urteil den Lehrern genommen und den Sch\u00fclern unter den Christen gegeben, so da\u00df es unter den Christen ganz und gar ein anderes Ding ist als in der Welt: In der Welt gebieten die Herren, was sie wollen, und die Untertanen nehmen&#8217;s auf; aber \u201eunter euch\u201c, spricht Christus, \u201esoll&#8217;s nicht so sein\u201c (Matth. 20,26), sondern unter den Christen ist ein jeglicher des anderen Richter und wiederum auch dem anderen unterworfen, wiewohl die geistlichen Tyrannen eine Sache weltlicher Obrigkeit aus der Christenheit gemacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der vierte Spruch ist abermals von Christus, Matth. 24,4 f.: \u201eSehet zu, da\u00df euch niemand verf\u00fchre; denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele verf\u00fchren.\u201c Summa: Wozu ist es n\u00f6tig, weitere Spr\u00fcche anzuf\u00fchren? Alle Warnungen, die St. Paulus gibt, R\u00f6m. 16,17; l. Kor. 10,14; Gal. 3,1 ff; 4,8 ff; 5,7 ff.; Kol. 2,8 und allenthalben, ebenso aller Propheten Spr\u00fcche, da sie lehren, Menschenlehre zu meiden, die tun nichts anderes, als da\u00df sie das Recht und die Vollmacht, \u00fcber die Lehre zu urteilen, von den Lehrern nehmen und sie mit ernstlichem Gebot bei Verlust der Seelen den Zuh\u00f6rern \u00fcbertragen, so da\u00df sie nicht allein Vollmacht und Recht haben, \u00fcber alles, was gepredigt wird, zu urteilen, sondern da\u00df sie es bei Ungnade der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t schuldig sind zu urteilen, so da\u00df wir daran sehen, wie die Tyrannen so unchristlich mit uns verfahren sind, da sie uns dieses Recht und Gebot genommen und es sich selbst angeeignet haben. Damit allein haben sie es reichlich verdient, da\u00df man sie aus der Christenheit vertreibe und als W\u00f6lfe, Diebe und M\u00f6rder verjage, die wider Gottes Wort und Willen \u00fcber uns herrschen und lehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ziehen wir den Schlu\u00df, da\u00df, wenn es eine christliche Gemeinde gibt, die das Evangelium hat, sie nicht allein Recht und Vollmacht hat, sondern es bei der Seelen Seligkeit gem\u00e4\u00df ihrer Pflicht, die sie Christus gegen\u00fcber in der Taufe eingegangen ist, schuldig ist, zu meiden, zu fliehen, abzusetzen, sich zu entziehen von der Obrigkeit, die die jetzigen Bisch\u00f6fe, \u00c4bte, Kl\u00f6ster, Stifte und ihresgleichen aus\u00fcben, weil man offenkundig sieht, da\u00df sie wider Gott und sein Wort lehren und regieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist also dies zum ersten gen\u00fcgend fest und stark begr\u00fcndet, und man kann sich darauf verlassen, da\u00df es g\u00f6ttliches Recht sei und f\u00fcr der Seelen Seligkeit n\u00f6tig, solche Bisch\u00f6fe, \u00c4bte, Kl\u00f6ster und was es f\u00fcr Regiment dieser Art gibt, abzutun oder zu meiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum zweiten: Weil es aber christliche Gemeinde ohne Gottes Wort nicht geben soll noch kann, folgt aus dem vorigen ganz schl\u00fcssig, da\u00df sie ja dennoch Lehrer und Prediger haben m\u00fcssen, die das Wort ausrichten. Und weil in dieser zur Verdammnis bestimmten letzten Zeit die Bisch\u00f6fe und das falsche geistliche Regiment nicht solche Lehrer sind noch sein wollen, auch dazu nichts tun und es nicht dulden wollen, und weil Gott nicht zu versuchen ist, da\u00df er vom Himmel neue Prediger sende, so m\u00fcssen wir uns nach der Schrift verhalten und unter uns selbst diejenigen berufen und einsetzen, die man dazu geeignet findet und die Gott mit Verstand erleuchtet und mit Gaben dazu geziert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn das kann niemand leugnen, da\u00df ein jeglicher Christ Gottes Wort hat und von Gott gelehrt und zum Priester gesalbt ist, wie Christus spricht Joh. 6,45: \u201eSie werden alle von Gott gelehrt sein\u201c, und Ps. 45,8: \u201eGott hat dich gesalbt mit Freuden\u00f6l vor allen deinen Mitgenossen.\u201c Diese Mitgenossen sind die Christen, Br\u00fcder Christi, die mit ihm zu Priestern geweiht sind, wie auch Petrus sagt 1 Petr. 2,9: \u201eIhr seid das k\u00f6nigliche Priestertum, da\u00df ihr verk\u00fcndigen sollt die Tugend des, der euch berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es aber so, da\u00df sie Gottes Wort haben und von ihm gesalbt sind, so sind sie auch schuldig, es zu bekennen, zu lehren und auszubreiten, wie Paulus sagt 2. Kor. 4,13: \u201eWir haben auch denselben Geist des Glaubens, darum reden wir auch\u201c; wie der Prophet sagt, Ps.16,10: \u201eIch bin gl\u00e4ubig geworden, darum rede ich.\u201c Und Ps. 51,15 sagt es von allen Christen: \u201eIch will die Gottlosen deine Wege lehren, und da\u00df sich die S\u00fcnder zu dir bekehren.\u201c So ist es hier abermals gewi\u00df, da\u00df ein Christ nicht allein Recht und Vollmacht hat, das Wort Gottes zu lehren, sondern er ist es zu tun schuldig bei Verlust seiner Seele und bei Ungnade Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darauf sprichst du: Ja, wie? Wenn er nicht berufen ist, so darf er ja nicht predigen, wie du selbst oft gelehrt hast! Antwort: Hier sollst du feststellen, da\u00df ein Christ an zweierlei Ort sein kann. Erstens, wenn er an einem Ort ist, wo keine Christen sind: Da bedarf er keiner anderen Berufung, als da\u00df er ein Christ ist, von Gott inwendig berufen und gesalbt. Da ist er schuldig, den irrenden Heiden oder Unchristen zu predigen und das Evangelium zu lehren, aus Pflicht br\u00fcderlicher Liebe, obgleich ihn kein Mensch dazu beruft. So tat es St. Stephan, Apg. 6,8; 7,2, dem doch von den Aposteln kein Amt zu predigen aufgetragen war, und predigte doch und tat gro\u00dfe Zeichen im Volk. Ferner tat es auch ebenso der Diakon Philippus, Stephans Geselle, Apg. 8,5, dem auch das Predigtamt nicht aufgetragen war. Ferner tat es so Apollos, Apg. 18,24 ff. Denn in einem solchen Fall sieht ein Christ aus br\u00fcderlicher Liebe die Not der armen, verdorbenen Seelen an und wartet nicht, ob ihm Befehl oder schriftliche Weisung von einem F\u00fcrsten oder Bischof gegeben werde; denn Not bricht alle Gesetze und hat kein Gesetz. So ist die Liebe schuldig, zu helfen, wo sonst niemand ist, der hilft oder helfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweitens, wenn er aber an einem Ort ist, wo Christen sind, die mit ihm gleiche Vollmacht und gleiches Recht haben: Da soll er sich selbst nicht hervortun, sondern sich berufen und hervorziehen lassen, da\u00df er anstelle und mit Auftrag der anderen predige und lehre. Ja, ein Christ hat so viel Vollmacht, da\u00df er auch mitten unter Christen ohne Berufung durch Menschen auftreten und lehren kann und soll, wenn er sieht, da\u00df der Lehrer daselbst es fehlen l\u00e4\u00dft, so jedoch, da\u00df es gesittet und z\u00fcchtig zugehe. Das hat St. Paulus klar beschrieben, l. Kor. 14,30, da er spricht: \u201eWird dem, der da sitzt, etwas offenbart, so soll der erste schweigen.\u201c Siehe da, was St. Paulus hier tut: Er hei\u00dft den, der da lehrt, schweigen und abtreten mitten unter den Christen und den, der da zuh\u00f6rt, auftreten, auch ohne Berufung; das alles deshalb, weil Not kein Gebot hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn denn nun hier St. Paulus, wenn es notwendig ist, mitten unter den Christen einen jeglichen auch ohne Berufung auftreten hei\u00dft und beruft ihn durch solches Gotteswort und hei\u00dft den \u00e4ndern abtreten und setzt ihn kraft dieser Worte ab, wieviel mehr ist es dann recht, da\u00df eine ganze Gemeinde einen zu solchem Amt beruft, wenn&#8217;s notwendig ist, wie es denn allezeit und besonders jetzt ist. Denn St. Paulus gibt an derselben Stelle auch einem jeglichen Christen Vollmacht, unter den Christen zu lehren, wenn&#8217;s notwendig ist, und spricht: \u201eIhr k\u00f6nnt wohl alle nacheinander weissagen, da\u00df sie alle lernen und alle ermahnt werden\u201c (1.Kor. 14,31); ferner: \u201eIhr sollt euch beflei\u00dfigen zu weissagen, und wehret nicht, mit Zungen zu reden, doch la\u00dft es alles ordentlich und ehrbar zugehen.\u201c (1. Kor. 14,39 f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Spruch la\u00df dir nicht einen unsicheren Grund sein, da er der christlichen Gemeinde so \u00fcberschwenglich Vollmacht gibt, da\u00df sie predigen, predigen lassen und berufen kann. Besonders wo es notwendig ist, beruft er selbst einen jeglichen eigens, ohne Berufung durch Menschen, damit wir keinen Zweifel daran haben sollen, da\u00df die Gemeinde, die das Evangelium hat, unter sich selbst jemanden erw\u00e4hlen und berufen kann und soll, der statt ihrer das Wort lehre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprichst du aber: St. Paulus hat doch dem Timotheus und Titus befohlen, sie sollten Priester einsetzen; ebenso lesen wir auch Apg. 14,13, da\u00df Paulus und Barnabas unter den Gemeinden Priester verordneten; darum kann nicht die Gemeinde jemanden berufen noch jemand sich selbst hervortun, zu predigen unter den Christen, sondern man mu\u00df die Erlaubnis und den Befehl der Bisch\u00f6fe, \u00c4bte oder anderer Pr\u00e4laten haben, die die Stelle der Apostel einnehmen. Antwort: Wenn unsere Bisch\u00f6fe und \u00c4bte usw. die Stelle der Apostel einn\u00e4hmen, wie sie sich r\u00fchmen, so w\u00e4re das wohl eine richtige Meinung, da\u00df man sie tun lie\u00dfe, was Titus, Timotheus, Paulus und Barnabas taten, Priester einzusetzen usw. Da sie aber die Stelle des Teufels einnehmen und W\u00f6lfe sind, die das Evangelium nicht lehren noch dulden wollen, so geht sie, das Predigtamt und die Seelsorge unter den Christen zu beschicken, ebensoviel an wie den T\u00fcrken und die Juden. Esel sollten sie treiben und Hunde f\u00fchren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberdies, wenngleich sie nun auch rechtschaffene Bisch\u00f6fe w\u00e4ren, die das Evangelium haben wollten, und rechtschaffene Prediger einsetzen wollten, k\u00f6nnten und sollten sie dennoch das nicht tun: ohne Willen der Gemeinde erw\u00e4hlen und berufen, &#8211; ausgenommen, wo die Not es erzw\u00e4nge, damit die Seelen nicht aus Mangel an g\u00f6ttlichem Wort verd\u00fcrben. Denn in solcher Not, hast du geh\u00f6rt, kann nicht allein ein jeglicher einen Prediger beschaffen, sei es durch Bitten oder durch die Macht weltlicher Obrigkeit, sondern er soll auch selber hingehen, auftreten und lehren, wenn er&#8217;s kann. Denn Not ist Not und hat kein Ma\u00df, gleichwie jedermann hingehen und handeln soll, wenn&#8217;s brennt in der Stadt, und nicht warten, bis man ihn darum bittet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonst, wenn nicht derartige Not besteht und wenn solche vorhanden sind, die Recht und Vollmacht und Gnade haben zu lehren, soll kein Bischof jemanden einsetzen ohne Wahl, Willen und Berufen der Gemeinde, sondern er soll den von der Gemeinde Erw\u00e4hlten und Berufenen best\u00e4tigen. Tut er&#8217;s nicht, soll dieser dennoch best\u00e4tigt sein durch das Berufen der Gemeinde. Denn es hat weder Titus und Timotheus noch Paulus je einen Priester eingesetzt ohne Erw\u00e4hlung und Berufung durch die Gemeinde. Das erweist sich klar daraus, da\u00df er Tit. l,7 und 1. Tim. 3,2 spricht, ein Bischof oder Priester solle untadelig sein; ferner, die Diakone solle man zuerst pr\u00fcfen (1.Tim. 3,10). Nun wird ja Titus nicht gewu\u00dft haben, welche untadelig gewesen sind, sondern solch ein Leumund mu\u00df aus der Gemeinde kommen; die mu\u00df einen solchen Mann empfehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner lesen wir doch Apg. 6,2 ff., da\u00df, bei einem sehr viel geringeren Amt, auch die Apostel sich nicht getrauten, Personen zu Diakonen einzusetzen ohne Wissen und Willen der Gemeinde, sondern die Gemeinde erw\u00e4hlte und berief die sieben Diakone, und die Apostel best\u00e4tigten sie. Wenn nun die Apostel sich nicht getrauten, ein solches Amt, das nur zeitliche Nahrung auszuteilen bestimmt ist, aus eigener Vollmacht einzusetzen, wie sollten sie so k\u00fchn gewesen sein, da\u00df sie das h\u00f6chste Amt, n\u00e4mlich zu predigen, jemandem aus eigener Macht, ohne Wissen, Willen und Berufen der Gemeinde, aufgetragen h\u00e4tten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da aber nun zu unseren Zeiten die Not da ist und es keinen Bischof gibt, der evangelische Prediger beschafft, gilt hier das Beispiel von Titus und Timotheus nicht, sondern man mu\u00df aus der Gemeinde berufen, gleichviel ob er von Titus best\u00e4tigt wird oder nicht. Denn so h\u00e4tten es auch diejenigen getan oder tun sollen, f\u00fcr die Titus sorgte, falls Titus ihn nicht h\u00e4tte best\u00e4tigen wollen oder sonst keiner da gewesen w\u00e4re, der Prediger eingesetzt h\u00e4tte. Darum ist diese Zeit den Zeiten des Titus ganz ungleich, als die Apostel regierten und rechte Prediger haben wollten. Jetzt aber wollen unsere Tyrannen blo\u00df W\u00f6lfe und Diebe haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was verdammen uns die tobenden Tyrannen bei solchem Erw\u00e4hlen und Berufen? Handeln sie doch selber so und m\u00fcssen so handeln! Es wird ja unter ihnen keiner als Papst oder Bischof eingesetzt aus irgend jemandes Machtvollkommenheit, sondern er wird von dem Kapitel erw\u00e4hlt und berufen und danach von anderen best\u00e4tigt, Bisch\u00f6fe vom Papst als ihrem Obersten, er aber, der Papst selbst, vom Kardinal zu Ostia als seinem Untertan. Und falls es sich begeben sollte, da\u00df einer nicht best\u00e4tigt w\u00fcrde, ist er dennoch Bischof und Papst. So frage ich nun die lieben Tyrannen: Wenn ihrer Gemeinde Erw\u00e4hlen und Berufen Bisch\u00f6fe macht und ein Papst ohne Best\u00e4tigung durch irgendeine andere Obrigkeit Papst ist, allein aufgrund der Wahl, warum sollte nicht auch eine christliche Gemeinde einen Prediger machen allein durch ihr Berufen, zumal sie Bischofs- und Papstamt f\u00fcr h\u00f6her halten als das Predigtamt? Wer hat ihnen solches Recht gegeben und uns genommen? Besonders weil unser Berufen die Schrift f\u00fcr sich hat, ihr Berufen aber ein blo\u00dfer Tand ist, ohne Schrift, womit sie uns unser Recht rauben. Tyrannen sind es und Buben, die mit uns umgehen, wie es die Apostel des Teufels tun m\u00f6gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher ist es auch so geworden, da\u00df an etlichen Orten auch weltliche Obrigkeit wie Ratsherren und F\u00fcrsten f\u00fcr sich selbst in ihren St\u00e4dten und Schl\u00f6ssern als Prediger solche bestellt und besoldet haben, die sie wollten, ohne alle Erlaubnis und Befehl der Bisch\u00f6fe und P\u00e4pste, und hat auch niemand dreingeredet, wiewohl sie es ist meine Besorgnis &#8211; nicht aus Verst\u00e4ndnis des christlichen Rechts getan haben, sondern weil die geistlichen Tyrannen das Predigtamt verachtet und f\u00fcr gering gehalten haben und f\u00fcr weit entfernt von dem geistlichen Regiment, wo es doch das allerh\u00f6chste Amt ist, an dem alle anderen h\u00e4ngen und aus dem sie folgen, w\u00e4hrend keines von den anderen \u00c4mtern folgt, wenn das Predigtamt nicht da ist. Denn Joh. 4,2 sagt, da\u00df Christus nicht getauft habe, sondern nur predigte, und Paulus, 1. Kor. 1,17, r\u00fchmt sich, er sei nicht zu taufen, sondern zu predigen gesandt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum, wem das Predigtamt aufgetragen wird, dem wird das h\u00f6chste Amt aufgetragen in der Christenheit &#8211; er mag danach auch taufen, Messe halten und alle Seelsorge auf sich nehmen oder, wenn er nicht will, mag er allein am Predigen bleiben und Taufen und andere Unter\u00e4mter anderen \u00fcberlassen, wie Christus es tat und alle Apostel, Apg. 6,4. Daran sieht man aber, da\u00df unsere jetzigen Bisch\u00f6fe und Geistlichen G\u00f6tzen und nicht Bisch\u00f6fe sind; denn sie \u00fcberlassen das h\u00f6chste Amt des Wortes, das ihr eigen sein sollte, den Allergeringsten, n\u00e4mlich Kapl\u00e4nen und M\u00f6nchen, Bettelm\u00f6nchen, dazu auch die geringeren \u00c4mter wie Taufen und andere Seelsorgen. Sie aber firmeln derweil und weihen Glocken, Alt\u00e4re und Kirchen, was weder christliche noch bisch\u00f6fliche Werke sind, sondern von ihnen selbst ausgedacht. Es sind verkehrte, verblendete Larven und rechte Kinderbisch\u00f6fe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Martin Luther, Wittenberg, 1523<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund: Die Adligen, B\u00fcrger und Bauern des kurs\u00e4chsischen St\u00e4dtchens Leisnig hatten beschlossen, die Pfarrstellenbesetzung selbst in die Hand zu nehmen, obwohl sie damit gegen das Patronatsrecht eines benachbarten Klosters verstie\u00dfen. Die Bitte der Leisniger um Begutachtung beantwortete Luther im April 1523 mit dem vorausgegangenen Text.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df eine christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen \u2013 Grund und Ursach aus der Schrift Aufs erste ist es vonn\u00f6ten, da\u00df man wisse, wo und wer die christliche Gemeinde sei, auf da\u00df nicht, wie es die Unchristen allezeit gewohnt sind, unter dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6416"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6416"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6423,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6416\/revisions\/6423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}