{"id":6369,"date":"2011-04-26T13:35:17","date_gmt":"2011-04-26T11:35:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6369"},"modified":"2011-04-26T18:43:57","modified_gmt":"2011-04-26T16:43:57","slug":"im-gesprachprof-dr-edith-dusing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6369","title":{"rendered":"Prof. Dr. Edith D\u00fcsing zum Spannungsfeld Christentum\/Philosophie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interview mit\u00a0Prof. Dr. Edith D\u00fcsing<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die K\u00f6lner Philosophin Edith D\u00fcsing z\u00e4hlt zu den profiliertesten bekennenden Christen in der aktuellen deutschen Hochschullandschaft. Durch ihre Forschungen zur klassischen deutschen Philosophie oder zu Friedrich Nietzsche, dessen Christentumskritik sie eindringlich durchleuchtet hat, ist sie der Fachwelt bekannt geworden. Wir sprachen mit Frau Professor D\u00fcsing \u00fcber ihre Sicht zum Verh\u00e4ltnis von christlichem Glauben und Philosophie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH: <\/strong><em>Gerade bei sehr gl\u00e4ubigen Christen trifft man immer wieder auf die Meinung, da\u00df Wissenschaft und Philosophie auf der einen Seite, christlicher Glaube auf der anderen nicht zusammenpassen k\u00f6nnen. Was w\u00fcrden Sie als Philosophin und Christin dem entgegenhalten?<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing<\/strong>: Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich christliche Autoren wie Kierkegaard ebenso wie entschieden ungl\u00e4ubige Autoren und ihre philosophischen Texte, z.B. \u201aJahrbuch f\u00fcr kritische Aufkl\u00e4rung\u2019, gelesen und miteinander verglichen, da ich der Sache auf den Grund gehen wollte, welche Argumente sie f\u00fcr oder gegen den christlichen Glauben anf\u00fchren. Mein Ergebnis nach Jahrzehnten: Die kleineren Philosophen von Demokrit \u00fcber Lukrez, Voltaire, Lamettrie, Feuerbach bis Sartre und Camus sind Atheisten, die die Welt aus sich selbst zu erkl\u00e4ren suchen und eine autonome Materie als das Absolute anbeten. Der etwas gr\u00f6\u00dfere Agnostiker Heidegger wei\u00df in \u201aSein und Zeit\u2019 eindr\u00fccklich zu enth\u00fcllen, da\u00df wir ohne Gott in die Welt geworfen sind in heillose Angst, in eine \u201eleere Erbarmungslosigkeit\u201c. Alle gro\u00dfen Philosophen vor (Platon, Aristoteles) und nach der Geburt des Weltenheilandes sind Theisten (Augustinus, Thomas, Descartes, Leibniz, Kant, Hegel), also in ihrem Denken und Gem\u00fct gottgl\u00e4ubig gewesen. Denn sie haben auf Grund des vorurteilslosen Ernstes, der Klarheit und logischen Konsequenz im Gebrauch ihrer von Gott geschenkten Vernunft &#8211; im Sinne von R\u00f6mer\u00a01 &#8211; das unsichtbare Wesen Gottes an seinen Werken erkannt und da\u00df die sichtbare Welt aus der unsichtbaren hervorgeht (Hebr\u00e4erbrief). Auch lehren sie, da\u00df unser irdisches Leben eine uns geschenkte Bew\u00e4hrungs- und Pr\u00fcfungszeit vor Gott sei und die menschliche Seele von Gott herkommt bzw. von ihm geschaffen und dazu gerufen ist, \u00fcber allem weniger wichtigen anderen, was sie umtreibt, \u00e4ngstigt oder fasziniert, Ihn zu suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott f\u00fcrchtet sich nicht vor unseren radikalen Fragen, ja er l\u00e4\u00dft sie zu und erduldet unsre Verachtung seiner Offenbarung und unsere Auflehnung dagegen, ihm gehorsam sein zu sollen. Er durchschaut die Beweggr\u00fcnde unserer Fluchtbewegung vor ihm, wenn wir wie Pilatus wegwerfend skeptisch fragen: Was ist Wahrheit? und Ihn, den Sch\u00f6pfer des Alls verwerfen. &#8211; Die s\u00e4kulare Wissenschaft arbeitet in ihren Arbeitshypothesen so, als ob es Gott nicht g\u00e4be, also in einem methodischen Atheismus. Bemerkenswert ist, da\u00df aber gerade unter den gegenw\u00e4rtigen Physikern (- die Physik ist Krone der Naturwissenschaft, insofern sie im Vergleich mit anderen strengste Mathematisierung ihrer Forschung erlangt, -) eine Reihe tief gl\u00e4ubiger Forscher zu finden ist, die den Urknall, selbst wenn er stattgefunden haben sollte, als nicht hinreichend f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Daseins und Soseins aller Dinge einsch\u00e4tzen. Sir Isaac Newton suchte jedes Mal, wenn er den Namen Gottes auch nur nannte, eine Minute and\u00e4chtigen Schweigens einzuhalten, so r\u00fchmt ihn I.Kant in seiner P\u00e4dagogikvorlesung als leuchtendes Vorbild, das Erzieher f\u00fcr die ihnen anvertraute Jugend verwenden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Was haben unsere Wissenschaftskultur und m\u00f6glicherweise auch die Philosophie dem Christentum zu verdanken? Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der geschichtlichen Ausbreitung des christlichen Glaubens und dem Erwerb der Bef\u00e4higung, Wissenschaft zu betreiben?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Den einzigartigen Aufschwung in der Erforschung dessen, was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt, des weiteren die Epoche der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rung, die dazu ermutigt es zu wagen, \u2013 auch gegen die tradierte Autorit\u00e4t von Staat und Kirche &#8211; jeden Gedanken, der gedacht werden kann, auch zu denken; diese ungeheure Freiheit des Geistes ist in meiner Geschichtsauffassung selbst eine Frucht des Christentums und sie hat es bis heute nur in christianisierten Weltgegenden gegeben. Die geistigen Errungenschaften der gro\u00dfen Griechen Platon und Aristoteles flie\u00dfen mit ein in die Philosophie des Abendlandes von Augustinus \u00fcber Thomas, Descartes, Leibniz, Kant und Hegel. Dabei r\u00fchmt der Geschichtsschreiber Flavius Josephus die Juden als eine erstaunlich philosophische Nation, da sie lange Zeit vor den Griechen den Einen Gott erkannt und den Glauben nur an ihn gelehrt haben. Augustinus wiederum vertritt die Auffassung, Platons Weisheit sei von Rabbinern angeregt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Kann der christliche Glaube umgekehrt von der Philosophie denn auch etwas lernen \u2013 und wenn ja, was?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Inhaltlich kann er nichts dazulernen, wohl aber in der Klarheit des sich selbst Verstehens und f\u00fcr die Erf\u00fcllung der im Hirtenbrief uns gesetzten Aufgabe, Rechenschaft vor der Welt abzulegen \u00fcber die \u201eHoffnung, die in uns ist\u201c (1. Petrus). So hat die alte Kirche, das Feld der sog. \u201eApologetik\u201c er\u00f6ffnend, gegen Irrlehrer philosophisches Argumentieren als Instrument verwendet, um den biblischen Glauben gegen Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse von innen zu festigen und Angriffe von au\u00dfen, aus der heidnischen Umwelt, abzuwehren. Ein Beispiel ist der Zwist zwischen Athanasius und Arius; gegen Arius, der die Gottgleichkeit Jesu bestritt, hat die Kirche &#8211; unter Zuhilfenahme von Platons Unterscheidung zwischen Wesen (ousia) und Erscheinung (phainomenon) &#8211; auf einem allgemeinen Konzil verbindlich festgelegt, da\u00df Jesus Christus von wesensgleicher Natur mit dem Vater ist. Das bedeutet, Platons philosophische Sicht, die auf den Hebr\u00e4erbrief vorausweist und die besagt: Alles Wesentliche ist f\u00fcr leibliche Augen unsichtbar, verhalf der Kirche Jesu Christi zu einer begrifflich deutlicheren Klarheitsfindung dessen, was sie selbst glaubt und was sie zum Heil der S\u00fcnder verk\u00fcndigen soll, und das in Abgrenzung gegen Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse, wer Jesus sei, und gegen m\u00f6gliche Verkleinerungen des Evangeliums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Seit der Aufkl\u00e4rung haben sich in Europa nun freilich christlicher Glaube und Wissenschaft auseinandergelebt. Wie w\u00fcrden Sie dieses Ph\u00e4nomen erkl\u00e4ren? Handelt es sich um ein blo\u00dfes Mi\u00dfverst\u00e4ndnis oder liegen die Wurzeln tiefer?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Aufkl\u00e4rung ist eine Epochen- und Standpunkt-Bezeichnung und wird oft vereinfachend als Position einer sich selbst erm\u00e4chtigenden Vernunft (Ratio) verstanden, die sich selbst absolut setzt und damit jeden m\u00f6glichen Anspruch auf eine g\u00f6ttliche Offenbarung bestreitet. Differenzierend ist zu sagen: Aufkl\u00e4rung erhebt zwar sehr wohl die Vernunft zur letzten Pr\u00fcfungsinstanz f\u00fcr alle Fragen des Denkens, Glaubens und Handelns in Kritik jeglicher Heteronomie (Fremdbestimmung) v.a. durch institutionell verankerte Autorit\u00e4ten wie Staat und Kirche; jedoch gelangt diese \u201eVernunft\u201c zu \u00fcberaus verschiedenartigen Gedankengeb\u00e4uden. Die seit dem 16.\/17. Jahrhundert von England (Bacon, Cherbury, Locke) ausgehende, dann in Frankreich (Voltaire, die Enzyklop\u00e4disten, Rousseau) Fu\u00df fassende Aufkl\u00e4rung zeigt in diesen L\u00e4ndern deutlich skeptizistische (Hume), religionskritisch-freidenkerische (Collins) sowie materialistische und atheistische Grundz\u00fcge (Helvetius, Holbach, Lamettrie), w\u00e4hrend die deutsche Aufkl\u00e4rung, &#8211; meiner Vermutung nach durch den Segen, der von Luthers Reformation ausgegangen ist, &#8211; im 18. Jahrhundert weit gem\u00e4\u00dfigtere Denkgestalten hinsichtlich der Kritik und Bewahrung \u00fcberlieferter christlich-abendl\u00e4ndischer Metaphysiktradition besitzt. Das Spektrum der deutschen Aufkl\u00e4rung reicht vom Deismus (Reimarus) bis zum entschiedenen Theismus (Wolff, Lessing, Mendelsson, Kant). In seiner Schrift \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c (1784) erkl\u00e4rt Kant: \u201eAufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie\u00dfung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u201c (Ak. Ausg. VIII, 35)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kant kann als Vollender, zugleich aber auch als \u00dcberwinder der Aufkl\u00e4rung angesehen werden. Denn er hat das aufkl\u00e4rerische Vertrauen in die unbegrenzte Leistungskraft der Vernunft zweifach ersch\u00fcttert: zum einen durch seine Vernunftkritik, in der er die Erkl\u00e4rungsreichweite menschlicher Erkenntnis auf ein Diesseits der Grenze aller m\u00f6glichen Erfahrung einschr\u00e4nkt, und zum anderen durch seine Lehre vom radikalen B\u00f6sen in der menschlichen Natur, womit er das Skandalon christlicher Erbs\u00fcndenlehre philosophisch aufnimmt und gegen die humanistische Annahme (Rousseau) einer urspr\u00fcnglichen, blo\u00df durch Kultur und gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse verdorbenen G\u00fcte des Menschen ins Feld f\u00fchrt. Hinsichtlich des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen Vernunft und Offenbarung bezieht Kant die (aus seiner Systematik konsequent folgende) subtile Stellung: Sowenig wie die Vernunft positiv eine objektive Aussage, d.h. ein Erkenntnisurteil \u00fcber eine vielleicht geschehene g\u00f6ttliche Offenbarung treffen kann, ebensowenig vermag Vernunft die prinzipielle M\u00f6glichkeit oder die historische Wirklichkeit solcher Offenbarung zu bestreiten. Diese Kantische Bescheidenheit der Vernunft ging im 19. Jahrhundert seit Feuerbach, D.F.Strau\u00df, Marx, A.Comte verloren, und atheistische Systeme ma\u00dfen sich seither erfolgreich an, die Wahrheit des christlichen Glaubens widerlegt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Sie haben sich ausf\u00fchrlich mit dem Verh\u00e4ltnis eines der sch\u00e4rfsten Kritiker des Christentums zum christlichen Glauben, mit Friedrich Nietzsche, auseinandergesetzt. K\u00f6nnen Sie das Ergebnis Ihrer Studien kurz zusammenfassen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Der Nietzsche-Kult um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erlebt 100 Jahre sp\u00e4ter eine ungeahnte Wiederkehr. Kein Autor wird so h\u00e4ufig zitiert wie er. Er wird aufgerufen als B\u00fcrge f\u00fcr den heute zur Mode gewordenen antichristlichen Atheismus, als dessen Propagandist er gilt. So dient er posthum als Fluchthelfer der abendl\u00e4ndischen Menschheit vor dem Gott der Bibel. Dies aber, so lautet ein Forschungsergebnis meines Buches (Nietzsches Denkweg. Theologie \u2013 Darwinismus \u2013 Nihilismus, Finkverlag, 2. Aufl. 2007) ist ein Mi\u00dfbrauch von Nietzsches Philosophie, da einzelne Worte wie das vom \u201aTod Gottes\u2019 aus dem Sinnzusammenhang herausgerissen und plakativ verwendet werden. Nietzsche war in Wahrheit ein Gottesgequ\u00e4lter (X. Tilliette), der einen lebenslangen Kampf mit Gott gef\u00fchrt hat. Von fr\u00fcher Kindheit an, seit dem Tod seines Vaters, des gl\u00e4ubigen Pastors, war der Philosoph von der Theodizeefrage, der Hiobsfrage nach Gottes G\u00fcte und Gerechtigkeit, \u00fcberw\u00e4ltigt. Die Theodizeefrage kann niemand durch Vernunft l\u00f6sen. Und Nietzsche wu\u00dfte als guter Kantianer ohnehin, da\u00df niemand die Nichtexistenz Gottes beweisen k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entfremdung vom vormaligen Glauben an den wahrhaftig auferstandenen Sohn Gottes und Weltenheiland Jesus Christus, den Friedrich Nietzsche als Kind innig geliebt und dem er bis zur Abiturszeit \u201ein tiefster Herzenstiefe Alt\u00e4re feierlich geweiht\u201c hat, macht die Tragik in Nietzsches Seelen- und Denkschicksal aus. Dies Schicksal fa\u00dft er selbst in der Mitte seines Lebens und zur Zeit der Niederschrift seiner freigeistigen Schriften im Gedicht \u201eVereinsamt\u201c in die Selbstdeutung zusammen: \u201eWer das verlor, was du verlorst, macht nirgends halt\u201c! Von der H\u00e4\u00dflichkeit und Hoffnungslosigkeit des Daseins ohne Gott in der Welt, das er analysiert, und von der Abgr\u00fcndigkeit seiner eigenen radikal kritischen Fragen ist zuerst er selbst t\u00f6dlich verwundet. Intellektuelle Gr\u00fcnde f\u00fcr seinen Gottesverlust sind u.a. die Bibelkritik des D.F. Strau\u00df (Vorl\u00e4ufer von Bultmann in der Entmythologisierung des Neuen Testaments) und sein \u201aDarwin-Schock\u2019, die \u201eentsetzlichen Konsequenzen des Darwinismus\u201c, die das Gottesbild f\u00fcr ihn d\u00e4monisch unterwandern, falls der Sch\u00f6pfergott nach der Methode verf\u00e4hrt, h\u00f6heres Leben durch millionenfaches Sterben zu erwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ihn von dem zu unserer Zeit \u00fcberall unausgesprochen oder offensiv vollbrachten Sprung von der Ehrfurcht vor Gott zum nihilistischen \u201eNichts ist wahr, &#8211; alles ist erlaubt\u201c! unendlich trennt, ist zum einen, da\u00df er am Verlust Gottes, an \u201eGottes Tod\u201c oder daran, da\u00df das Schweigen Gottes auf ihm lastete, selbst innerlich mitsterbend, geistig, seelisch und leiblich zerbrochen ist, und zum andern da\u00df er, was kaum eine Nietzschedeutung beachtet, mit hohem Ernst vor das Alles entscheidende Entweder\/ Oder stellt: pers\u00f6nlicher Sch\u00f6pfergott oder anonymes Atomengewirr des Weltalls, worin der Mensch seine W\u00fcrde als Ebenbild Gottes begraben mu\u00df. Und vor diese Alternative stellt er jeden seiner Leser, der mit wachem Herzen und Geist liest und keinen seiner aus abgrundtiefer Verzweiflung geborenen S\u00e4tze als Dogma annimmt. Wer Nietzsche w\u00f6rtlich nimmt, so Jaspers treffend, der ist verloren. Zwei Beispiele solcher nicht selten mit hohem Pathos zitierten S\u00e4tze aus dem Zarathustra lauten: \u201eGott ist tot \u2013 es lebe der \u00dcbermensch!\u201c und, was hochaktuell ist im Hinblick auf unsere \u00d6kologiebewegungen: An der \u201eErde zu freveln\u201c, ist der einzige Frevel! Wenn das Verbot der Gottesl\u00e4sterung dahinf\u00e4llt, wird die Erde als das neue innerweltliche Heilige empfunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Denkweg hat Nietzsche die Chaoshypothese, wonach alles aus blindem Zufall entstanden sei, bis zu Ende durchdacht und sich \u2013 so wie \u00d6dipus in der antiken Trag\u00f6die des Sophokles sich selbst als den gesuchten K\u00f6nigsm\u00f6rder entdecken und verfolgen mu\u00df &#8211; als mitschuldig am Tod, ja an der Ermordung Gottes und als Antichristen angeprangert. \u201eGott ist tot \u2026 wir erwachen als M\u00f6rder\u201c! Im Unterschied zu denen, die heute Nietzsche-Texte als Weltanschauungsersatz nachbeten, litt der Autor (au\u00dfer in den letzten Tagen vor seinem psychischen Zusammenbruch) nicht an Selbstanbetung. Ihm lag an sich selbst wenig, an der grausamen Wahrheit alles, die er \u2013 unter der Maxime: \u201eweg mit den sch\u00f6nen Illusionen\u201c! &#8211; zur Wahrung der f\u00fcr ihn kardinalen Tugend intellektueller Redlichkeit um jeden Preis suchte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem ersch\u00fctternden Wort vom \u2018Tod Gottes\u2019, das oft als griffige Parole eines dogmatischen Atheismus mi\u00dfbraucht wird, hat Nietzsche sich aber gerade nicht angema\u00dft, \u00fcber Dasein oder Nichtdasein Gottes befinden zu k\u00f6nnen. Er hat vielmehr das Absterben des Gottesglaubens und die Heraufkunft des Atheismus als Massenph\u00e4nomen im 19. Jahrhundert vorausverk\u00fcndet. Er wagte, die Konsequenzen zu Ende zu denken, die in der Entchristlichung Europas liegen. Was sich verborgen vor der Sehkraft vieler Augen, besonders von Fortschrittsgl\u00e4ubigen, ereignet, n\u00e4mlich die tausendfache Ausstrahlung eines Verlorenen, ist Grund f\u00fcr Nietzsches Kassandra-Wehe-Ruf. Dem Sog des verlorenen Glaubens sp\u00fcrt Nietzsche im religi\u00f6sen, ethischen, psychologischen, sozialen, politischen Bereich nach. Sein Denken bewegt sich um diesen Mittelpunkt der Kl\u00e4rung des Gottesverlustes, in dessen Gefolge die Vereisung menschlicher Beziehungen steht und die Vereinsamung der Individuen, die dem Lockruf \u201ekein Hirt und Eine Herde\u201c, &#8211; wie es im Zarathustra hei\u00dft, und damit der Gesellschaft, die als Erl\u00f6serin ausgerufen wird, widerstehen (Markus 6, 39).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verlustbilanz lautet f\u00fcr Nietzsche: Die bisher h\u00f6chsten Dinge, das ist der biblisch fundierte Gottesglaube und die Religion des Kreuzes Christi, haben sich in unglaubw\u00fcrdige Mythen verwandelt, in Geschichten und \u201eM\u00e4rchen\u201c, die allein noch f\u00fcr Kinder Wahrheit darstellen. Es ist eine \u201efurchtbare (!) Neuigkeit\u201c, so erkl\u00e4rt Nietzsche, da\u00df der vormals geglaubte Gott \u2018tot\u2019 ist, das jenseitige Leben \u201eweg\u201c ist; man hat damit auch dem diesseitigen Leben \u201edie Pointe genommen\u201c; denn in unseren Erlebnissen kommt \u201enicht mehr eine himmlische G\u00fcte und Erziehung\u201c zum Ausdruck, und es herrscht keine Furcht mehr vor den \u201eFolgen der Gottlosigkeit\u201c (KSA 11: 626f, 621, 425). Zuerst spielt dies Verlieren der \u201eh\u00f6chsten Dinge\u201c sich im Bewu\u00dftsein Einzelner ab, bald aber wird der Verlust des Glaubens \u201eruchbar\u201c unter allen, und es folgt in Nietzsches Diagnose unabwendbar und breitenwirksam: das Aufh\u00f6ren von Ehrfurcht und Achtung, von Autorit\u00e4t und Vertrauen, es folgt dann das Leben nach dem Augenblick, nach dem \u201egr\u00f6bsten Ziele, nach dem Sichtbarsten\u201c und schlie\u00dflich ein Experimentieren, ein, so lautet die Eskalation, Gef\u00fchl der Unverantwortlichkeit, ja \u201edie Lust an der Anarchie!\u201c (Nach Bakunin ist das Zerst\u00f6ren eine aufbauende Lust.) Eine gemeinere Gattung Mensch, das ist Platons Ochlokratie, bekommt in Nietzsches ahnender Vorausschau das Regiment: die Masse ma\u00dft sich die Herrschschaft an; ihr m\u00fcssen anders denkende Einzelne, &#8211; gehen sie nicht, wie der Zarathustra persifliert, freiwillig ins Irrenhaus, &#8211; sich anpassen. \u00dcberschauen wir \u00fcberhaupt schon, fragt Nietzsche in einer Sequenz von Fragen, die Folgelast der sich anbahnenden \u201eVernichtung der Religion und Metaphysik\u201c, der \u201eNoblesse und Individual-Bedeutung\u201c?! Wehe denen, die sich nach Abflauen des \u201eRausches der Anarchie\u201c der Masse als ihre Heilande anzubieten suchen (KSA 9, 200f). Die meisten wollen nur eine \u201efessellose Freiheit\u201c f\u00fcr sich (KSA 1, 698). Die gef\u00e4hrliche neue Forderung nach Freigabe des Selbstexperiments Mensch ist f\u00fcr Nietzsche mit Darwins Namen verkn\u00fcpft. Er spricht von einer \u201eungeheuren Experimentierst\u00e4tte\u201c, die er f\u00fcr schwer abwendbar h\u00e4lt (KSA 13, 408f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schl\u00fcssel zum Verstehen von Nietzsches Philosophie ist ein Wort, das er im Zusammenhang wochenlanger Gespr\u00e4che zum Verlust des Glaubens Lou Salom\u00e9 ins Tagebuch geschrieben hat: \u201eWer das Gro\u00dfe nicht mehr in Gott findet, findet es \u00fcberhaupt nicht vor und mu\u00df es entweder leugnen oder &#8211; schaffen\u201c (KSA 10, 32). Nietzsches ganze Entwicklung, so L. Salom\u00e9, ging davon aus, da\u00df er den Glauben verloren hatte, also von der \u2018Emotion \u00fcber den Tod Gottes\u2019, die bis in das letzte Werk hineinklingt. Die Suche aber nach einem Ersatz f\u00fcr den verlorenen Gott in verschiedenen Formen der Selbstvergottung ist die Geschichte seines Geistes, Werkes und schlie\u00dflichen Zusammenbruchs. Nietzsche hat Lou von Salom\u00e9 gestanden, welche Qual er um den verlorenen Gott ausgestanden hat. Als tragischen Konflikt in Nietzsches Leben und Denken bestimmt sie den Konflikt, Gottes zu bed\u00fcrfen und dennoch Gott zu leugnen. Er sucht gerade das Schmerzheischende im Erkennen, indem er sich zwingt, emotional bedr\u00fcckende Wahrheiten, das ist zentral Strau\u00df\u2019 Bibelkritik und Darwins Evolutionshypothese, intellektuell anzuerkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gelungenste s\u00e4kulare Prophetie \u00fcber den im zwanzigsten Jahrhundert drohenden sittlichen Verfall in Richtung eines praktizierten Nihilismus findet sich in der hintersinnig Fr\u00f6hlichen Wissenschaft. Nietzsche schildert seine denkerische Vision einer ungeheuren Logik von Schrecken: \u201eDas gr\u00f6\u00dfte neuere Ereignis &#8211; da\u00df \u2018Gott tot ist\u2019, da\u00df der Glaube an den christlichen Gott unglaubw\u00fcrdig geworden ist &#8211; beginnt bereits seine ersten Schatten \u00fcber Europa zu werfen. F\u00fcr die wenigen wenigstens, deren Augen, deren Argwohn in den Augen stark und fein genug f\u00fcr dies Schauspiel ist, scheint eben irgend eine Sonne untergegangen, irgend ein altes tiefes Vertrauen in Zweifel umgedreht: ihnen mu\u00df unsere alte Welt t\u00e4glich abendlicher, mi\u00dftrauischer, fremder, \u2018\u00e4lter\u2019 scheinen.\u201c Wer wei\u00df jetzt schon, \u201ewas eigentlich sich damit begeben hat &#8211; und was alles, nachdem dieser Glaube untergraben ist, nunmehr einfallen mu\u00df, weil es auf ihm gebaut, an ihn gelehnt, in ihn hinein-gewachsen war: zum Beispiel unsere ganze europ\u00e4ische Moral. Diese lange F\u00fclle und Folge von Abbruch, Zerst\u00f6rung, Untergang, Umsturz, die nun bevorsteht: wer erriete heute schon genug davon, um den Lehrer und Vorausverk\u00fcnder dieser ungeheuren Logik von Schrecken abgeben zu m\u00fcssen, den Propheten einer Verd\u00fcsterung und Sonnenfinsternis, derengleichen es wahrscheinlich noch nicht auf Erden gegeben hat&#8230;?\u201c (FW 343) Nietzsches schwerwiegendes und ahnungsvolles Exempel ist das Gebot: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c im Gesetz des Moses. \u201eDie christliche Moral ist ein Befehl aus dem Jenseits\u201c. \u201eNaivit\u00e4t, als ob Moral \u00fcbrig bliebe, wenn der sanktionierende Gott fehlt.\u201c (KSA 12: 551, 148) \u201eWir Europ\u00e4er befinden uns im Augenblick einer ungeheuren Tr\u00fcmmerwelt, wo einiges noch hochragt, wo vieles morsch und unheimlich dasteht, das meiste aber schon am Boden liegt\u201c: Vor allem die Kirche ist St\u00e4tte \u201edes Untergangs. Wir sehen die religi\u00f6se Gesellschaft des Christentums bis in die Fundamente hinein ersch\u00fcttert\u201c (FW 358). Kirchen, die Jesu Auferstehung leugnen, nennt Nietzsche Gr\u00fcfte Gottes, wo der Leichnam des toten Gottes, des Gottmenschen Jesus zur Anbetung dargeboten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In pers\u00f6nlichem Klang ert\u00f6nt in Die Fr\u00f6hliche Wissenschaft das verlorene Glaubensleben als ein schmerzlich Unwiederbringliches und insgeheim Ersehntes. W\u00e4hrend er immer weiter fortgeht vom christlichen Ursprung, der ihn trug, verfa\u00dft er eine Hymne auf das Gebet, wenn man nur den Seufzer: \u201enie wieder\u201c in den Jubel: \u201eja\u201c umwandelt. Die freigeistige These, die das Beten als unm\u00f6glich diskreditiert, entspricht der Logik des freigeistigen Verstandes, die altvertraute These zum Betend\u00fcrfen entspricht der Logik des Herzens, die als ein Schmerz des verlorenen Glaubens ex negativo durchklingt. \u201eExcelsior! &#8211; \u2018Du wirst niemals mehr beten, niemals mehr anbeten, niemals mehr im endlosen Vertrauen ausruhen &#8211; du versagst es dir, vor einer letzten Weisheit, letzten G\u00fcte, letzten Macht stehenzubleiben und deine Gedanken abzuschirren\u201c; \u201e- du hast keinen fortw\u00e4hrenden W\u00e4chter und Freund f\u00fcr deine sieben Einsamkeiten &#8211; du lebst ohne den Ausblick auf ein Gebirge, das Schnee auf dem Haupt und Gluten in seinem Herzen tr\u00e4gt &#8211; es gibt f\u00fcr dich keinen Vergelter, keinen Verbesserer letzter Hand mehr &#8211; es gibt keine Vernunft in dem mehr, was geschieht, keine Liebe in dem, was dir geschehen wird &#8211; deinem Herzen steht keine Ruhestatt mehr offen, wo es nur zu finden und nicht mehr zu suchen hat\u201c (FW 285). Der sich alles Beten versagt, charakterisiert sich dabei selbst als den Menschen der gro\u00dfen Entsagung, der nicht wei\u00df, wer ihm die Kraft dazu geben wird. Das Postulat vom Dasein Gottes, ja des guten, allweisen und allm\u00e4chtigen Vatergottes liegt grenzenlos nahe, aber Nietzsche erlegt sich, wie stets, herben Verzicht auf. Gottes gn\u00e4dige Erg\u00e4nzung der eigenen Mangelhaftigkeit entbehren zu m\u00fcssen, nennt er \u201eohne geheime Beih\u00fclfe &#8211; ohne Dankbarkeit\u201c sein; er ruft wehklagend: \u201ewelche Verarmung!\u201c Du wirst \u201eAlles als das ewig Unvollkommene auf deinen R\u00fccken nehmen\u201c m\u00fcssen! (KSA 14, 264) &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nietzsches Fragen, in denen die Suche nach Wahrhaftigkeit ihn verzehrt, gelten dem \u00fcberall drohenden nichts mehr Glauben-, Hoffen- und Liebenk\u00f6nnen und einer \u00dcberwindung dieser Trostlosigkeit. In ihrer tiefestgr\u00fcndigen Gestalt lauten sie: Gibt es eine entwurzeltere Unruhe als die \u201eUnruhe der Ideallosigkeit\u201c? -, gibt es ein tieferes Leid als das \u201eLeiden am Mangel der gro\u00dfen Liebe\u201c? Sie sind beantwortbar: Jesus hei\u00dft Er, durch dessen \u201eWunden wir geheilt sind\u201c (Jesaja 53, 5).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Worin w\u00fcrden Sie heute die besondere Aufgabe und Verantwortung eines christlichen Wissenschaftlers sehen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Sich nicht dem alles beherrschen wollenden Zeitgeist unterwerfen, dessen Wind wom\u00f6glich immer sch\u00e4rfer ins Gesicht bl\u00e4st und Karrieren ruinieren kann. Eine schwierige Gratwanderung ist, an biblischer Wahrheit geeichte eigene Denkergebnisse in Forschung und Lehre in der Sache unnachgiebig wahrheitsgetreu vorzubringen und gleichzeitig in der Form diplomatisch klug aufzutreten (vgl. Matth 10, 16). Entscheidend bei dieser Gratwanderung ist f\u00fcr mich, da\u00df ich mich keines Schweigens schuldig machen will, das feigherzig den Namen Jesu Christi verleugnet (vgl. Matth 10, 32), der seit je Stein des Ansto\u00dfes gewesen ist. Um des Namens Jesu willen Schmach erlitten zu haben, &#8211; wenn es nur nicht eigene Schiefheit, mangelnde Souver\u00e4nit\u00e4t, Engherzigkeit, Rechthaberei war, &#8211; d\u00fcrfte sub specie aeterni zur sch\u00f6nsten Ehrenkrone eines christlichen Wissenschaftlers geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFBRUCH:<\/strong> <em>Gibt es Denker, deren Studium Sie Christen in besonderer Weise empfehlen oder sogar ans Herz legen m\u00f6chten?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Prof. D\u00fcsing:<\/strong> Ja, z.B. Die Gedanken (Pens\u00e9es), von Pascal, eine wahre Fundgrube, da er die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Glauben der Gl\u00e4ubigen und f\u00fcr den Unglauben der Ungl\u00e4ubigen in \u00fcberraschenden Nuancen aufdeckt. So weist er z.B. auf eine Neigung des Menschen zur Selbstt\u00e4uschung hin: Schnurstracks wandern wir auf den Abgrund zu, nachdem wir etwas vor uns aufgebaut haben, das uns daran hindert, ihn zu sehen. Pascal unterscheidet eine Logik des Herzens von einer Logik des Verstandes; er pr\u00e4gte das Wort, im franz\u00f6sischen ein Wortspiel: \u201eLe coeur a ses raisons, que la raison ne connait pas\u201c. Die Tageb\u00fccher S\u00f6ren Kierkegaards und seine Werke haben mich von Jugend an fasziniert und im Glauben wider Zweifel an Jesu Gottheit gest\u00e4rkt, da sie erfrischend originell sein existentielles Ringen darum auftun, Gottes Willen f\u00fcr sein Leben zu verstehen und das Evangelium, da\u00df Christus Erl\u00f6ser und Herr ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Philosophiegeschichte, deren Mitte stets das Absolute oder Gott und dessen Abbild, die Seele gewesen ist, halte ich folgende Werke f\u00fcr besonders gehaltvolle, den Geist ihrer Leser vor dem nihilistischen Zeitgeist beh\u00fctende Fundgruben: Platon: \u201eApologie\u201c und \u201eGorgias\u201c, Leibniz: \u201eTheodizee\u201c, Kant: \u201eKritik der praktischen Vernunft\u201c, Fichte: \u201eDie Bestimmung des Menschen\u201c und \u201eDie Anweisung zum seligen Leben\u201c und, f\u00fcr Fortgeschrittene, Hegel: \u201ePh\u00e4nomenologie des Geistes\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literarisch ist Dostojewski f\u00fcr mich eine unersch\u00f6pfliche Quelle: seine Ergr\u00fcndung der Menschenseele, wie er ihre Spannung zeigt zwischen leidenschaftlicher Verneinung und erhoffter Rettung, den Zusammenhang von Gottesleugnung und Gewalt der Zerst\u00f6rung, das Ergriffensein des Menschen von antichristlichen Ideen als Ausgang f\u00fcr den Sog in Nihilismus und das Ringen im qualvollen Hin- und Hergerissensein zwischen Gl\u00e4ubigseinwollen und Zweifelsucht. Seine aufr\u00fcttelnde Schau: \u201eWenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt!\u201c hat in Nietzsche den kongenialen Fortdenker gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ideengeschichtliche Sekund\u00e4rautoren sch\u00e4tze ich sehr: Walter Nigg: \u201cProphetische Denker\u201c; Heinrich Weinstock: \u201eDie Trag\u00f6die des Humanismus\u201c; Joseph Ratzinger: \u201eEinf\u00fchrung ins Christentum\u201c und die humorvoll anregenden Essays des englischen Literaturprofessors C.S.Lewis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUFRBUCH:<\/strong> <em>Frau Professor D\u00fcsing, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Interview fuehrte Prof. Dr. Thomas S. Hoffmann. Es<\/em><em>\u00a0erschien erstmals in gek\u00fcrzter Fassung im &#8222;Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes&#8220; (Ausgabe April 2011). Der Aufbruch erscheint zwei- bis viermal im Jahr und kann\u00a0von der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode\u00a0(Tel.: 05161-911330) (<\/em><a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<\/em><\/a><em>) im Bezugsjahr 2011 kostenfrei bezogen werden.\u00a0Gerne senden wir Ihnen ein Probeexemplar kostenlos und unverbindlich\u00a0zu. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit\u00a0Prof. Dr. Edith D\u00fcsing Die K\u00f6lner Philosophin Edith D\u00fcsing z\u00e4hlt zu den profiliertesten bekennenden Christen in der aktuellen deutschen Hochschullandschaft. Durch ihre Forschungen zur klassischen deutschen Philosophie oder zu Friedrich Nietzsche, dessen Christentumskritik sie eindringlich durchleuchtet hat, ist sie der Fachwelt bekannt geworden. 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