{"id":6285,"date":"2011-04-07T12:48:53","date_gmt":"2011-04-07T10:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6285"},"modified":"2011-04-07T16:50:56","modified_gmt":"2011-04-07T14:50:56","slug":"offener-brief-an-den-ratsvorsitzenden-der-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6285","title":{"rendered":"Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD"},"content":{"rendered":"<p><strong>Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD<\/strong><\/p>\n<p>Sehr verehrter Herr Vorsitzender,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ich bin dankbar f\u00fcr meine evangelische Kirche. Ich bin in ihr getauft, konfirmiert und gelehrt worden. Und seitdem ich in der Landeskirchlichen Gemeinschaft eine bewusste Entscheidung f\u00fcr ein Leben mit Jesus getroffen habe und meines Heils gewiss geworden bin, wurde es mir zur Freude und zum Auftrag, lebenslang den Dienst der Verk\u00fcndigung des Evangeliums in unserem Land zu tun.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zunehmend aber leide ich an unserer Kirche. Zunehmend nehmen Kirchenleitungen ihr W\u00e4chteramt nicht wahr, dulden die Leugnung biblischer Heilstatsachen und sehen mit an, wie entt\u00e4uschte gl\u00e4ubige Christen ihre Kirche verlassen. St\u00e4ndig verliert unsere evangelische Kirche an Mitgliedern, an Einfluss sowie an Leucht- und Orientierungskraft. Das ist auch f\u00fcr unser Volk ein tiefer Schaden. Mit dem neuen Pfarrdienstgesetz ist nun f\u00fcr alle sichtbar eine biblische Grenze \u00fcberschritten. Das reformatorische \u201esola scriptura\u201c, die alleinige Geltung der Heiligen Schrift als \u201eRegel und Richtschnur f\u00fcr Lehre und Leben\u201c in der evangelischen Kirche ist mit diesem Gesetz aufgegeben. Unsere Kirche soll aber nach Gottes Willen <em>\u201edie Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit\u201c <\/em>sein (1. Timotheus 3,15). Praktizierte Homosexualit\u00e4t l\u00e4sst sich mit den deutlichen Aussagen der Heiligen Schrift nicht vereinbaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt f\u00fcr mich einen weiteren, wichtigen Grund daf\u00fcr, dass ich homosexuelle Partnerschaft im Pfarrhaus ablehne: Ich will, dass meinen (Enkel-)Kindern das biblische Leitbild einer Familie mit Mann und Frau und Kindern vor Augen gestellt wird. Und ich w\u00fcnsche und bete, dass sie es \u00fcbernehmen. Ich will aber nicht, dass das evangelische Pfarrhaus mit dem Anspruch des geistlichen Amtes ihnen nahelegt, homosexuelle Partnerschaft sei ebenfalls ein biblisches Leitbild. Gerade in der Zeit von Pubert\u00e4t und Konfirmation brauchen Kinder Vorbilder, die ihr Leben pr\u00e4gen. Vom Pfarrhaus soll biblische Weisung ins Land gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin froh, dass meine mecklenburgische Kirche noch zur\u00fcckhaltend ist in der \u00dcbernahme unbiblischer Lehren. Ich teile Ihnen aber mit: Sollte auch unsere Landeskirche bzw. die kommende Nordkirche ihre Pfarrh\u00e4user f\u00fcr praktizierende homosexuelle Paare \u00f6ffnen, werde ich mich keinem kirchlichen Vorgesetzten unterordnen, der diesem Gesetz zustimmt. Ich kann in ihm keinen Hirten sehen, der die Gemeinde \u201eauf einer gr\u00fcnen Aue weidet und zum frischen Wasser\u201c f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich trete nicht aus der Kirche aus, sondern gehe in die innerkirchliche Opposition. Wo ich aber von Gemeinden und Gruppen zur Verk\u00fcndigung gerufen werde, werde ich dem nach Kr\u00e4ften folgen. Und wo bekenntnistreue Gruppen endlich ihre Uneinigkeiten \u00fcberwinden und sich in den zentralen Glaubenslehren zusammenfinden, werde ich dabei sein. Wir haben da ja ein gutes Vorbild in der \u201eBekennenden Kirche\u201c der drei\u00dfiger Jahre. Da k\u00f6nnte dann auch Ernst gemacht werden mit dem Wort von der <em>\u201eekklesia semper reformanda\u201c<\/em>, von der Kirche, die immer neu reformiert werden muss. Auch die Schrift von Martin Luther ist neu zu bedenken, <em>dass eine Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und Lehrer zu berufen<\/em>. Gott kann sich daf\u00fcr j\u00fcngere, f\u00e4hige Leute erwecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das evangelische Pfarrhaus ist Jahrhunderte hindurch ein segensreiches Vorbild in unserem Volk gewesen. Diese Vorbildwirkung ist stark im Schwinden. Mit dem neuen Gesetz w\u00fcrde es zu einem verh\u00e4ngnisvollen Vorbild werden, dem sich viele christliche Eltern entziehen w\u00fcrden. Bitte verstehen Sie, dass ich diesen Brief als einen offenen in die kirchliche \u00d6ffentlichkeit gebe. Ich tue es in der Hoffnung, dass Br\u00fcder und Schwestern, die an einen Austritt aus der Kirche denken, es mir gleichtun und nicht austreten, sondern als \u201eProtestanten\u201c ebenfalls Protest anmelden und zusammenr\u00fccken. Denn alles, was die Kirche schw\u00e4cht, schw\u00e4cht auch ihren Segensdienst in unserem Volk. Dieser Offene Brief ist zugleich ein Appell an die bekennenden Gruppen, sich zu einigen und bekennende Christen zu sammeln, damit sie ihre Kirche nicht verlassen. Erlauben Sie mir bitte noch einige erkl\u00e4rende Bemerkungen:<\/p>\n<p>1. Ich will es auf keinen Fall bei der Ablehnung praktizierter Homosexualit\u00e4t bewenden lassen. Ich denke positiv, vom biblischen Leitbild der Ehe her. Von daher sehe ich die Sexualit\u00e4t und die Polarit\u00e4t von Mann und Frau als eine gute Gabe Gottes und freue mich \u00fcber die je eigenen Gaben, die Gott jeder Frau und jedem Mann gegeben hat. Ich halte es f\u00fcr die Berufung Gottes und ein gro\u00dfes Gl\u00fcck f\u00fcr den Menschen, eine liebevolle Ehe und eine fr\u00f6hliche Familie zu erstreben. Es steht au\u00dfer Zweifel, dass ein Volk viele gesunde Familien braucht. Deshalb ist eine Kirche von Gott her verpflichtet, das biblische Leitbild den Menschen vor Augen zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Wer meinen Schritt als lieblose Diskriminierung von Homosexuellen versteht, irrt sich. Ich <em>\u201egebe jedermann die Ehre\u201c<\/em>, auch dem Homosexuellen. Denn er ist wie ich zum Ebenbild Gottes berufen und von Gott geliebt. Aber homosexuelle Praxis kann ich nur als S\u00fcnde sehen, vor der die Bibel warnt. Ich liebe meinen homosexuellen Mitmenschen auch darin, dass ich ihm gerne zu dem biblischen Leitbild von Ehe und Familie verhelfen m\u00f6chte. Nach 1. Mose 1,27f hat Gott Mann und Frau zur lebenslangen Ehe geschaffen und begabt und zur Zeugung und Erziehung von Kindern berufen und gesegnet. Gott kann auch zur Kinderlosigkeit berufen. Aber Homosexualit\u00e4t ist nach Gottes Wort keine Berufung, sondern Folge der allgemeinen Gottlosigkeit, an der der Betroffene oft nicht einmal selber schuld ist. Schon deshalb kann ich einen Homosexuellen nicht verurteilen. Ich muss ihn ermutigen, an der Ver\u00e4nderung seiner Sexualit\u00e4t in der Kraft des Heiligen Geistes zu arbeiten, bzw. wo es nicht gelingt, es den Schwestern und Br\u00fcdern gleichzutun, die sich von Gott und unter seelsorgerlicher Begleitung die Kraft erbitten, z\u00f6libat\u00e4r zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Die \u00d6ffnung der evangelischen Pfarrh\u00e4user und die \u00f6ffentliche Anerkennung der Homosexualit\u00e4t als christliche Lebensform trennt uns von der \u00d6kumene. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der christlichen Kirchen in der Welt sieht homosexuelle Praxis als nicht vereinbar mit der biblischen Lehre an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Auch den Muslimen wird durch das neue Pfarrdienstgesetz der Zugang zur Kirche und ihre Integration in Deutschland versperrt. Dieses Gesetz steht allen Bem\u00fchungen um Integration entgegen. Juden und Muslime sehen praktizierte Homosexualit\u00e4t als Gr\u00e4uels\u00fcnde an. Es ist ihnen unm\u00f6glich, sich in eine Gesellschaft zu integrieren, die diese Lebensform als eine Sch\u00f6pfungsvariante ansieht. Sieht die EKD eigentlich, wie sie durch dieses Gesetz den Muslimen den Zugang zu Glauben und Leben in Deutschland versperrt? Verachtung w\u00e4re noch die mildeste Form der muslimischen Ablehnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Laut idea (Nr. 3, 2011) hat die Pr\u00e4ses der EKD-Synode Katrin G\u00f6ring-Eckardt erkl\u00e4rt, dass die EKD-Synode mehrheitlich eine Position vertritt, die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften akzeptiert. Und der fr\u00fchere EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock meinte, auf die Dauer w\u00fcrden sich alle Landeskirchen f\u00fcr Pfarrer in homosexuellen Partnerschaften \u00f6ffnen. Kock w\u00f6rtlich: \u201eDas wird nicht aufzuhalten sein. Gut so, sage ich\u201c. Die Zielrichtung der EKD ist also klar. F\u00fcr mich ergibt sich daraus: Widerstand im Namen des Herrn nach dem Vorbild der Reformatoren, der V\u00e4ter der Bekennenden Kirche und der j\u00fcngsten Erkl\u00e4rung der acht Altbisch\u00f6fe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Dienst unserer Kirche Ihnen verbunden<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">gr\u00fc\u00dfe ich Sie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Uwe Holmer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anlass des\u00a0Offenen Briefes von Pastor Uwe Holmer (Serrahn\/Mecklenburg) an Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider, den Ratsvorsitzenden der EKD, ist das von der EKD-Synode im Herbst des vergangenen Jahres beschlossene Pfarrdienstrecht, das es den Landeskirchen erm\u00f6glicht, das Zusammenleben homosexueller Partner im Pfarrhaus zu gestatten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Uwe Holmer leitete von 1983 bis 1991 die diakonische Einrichtung Lobetaler Anstalten bei Berlin. Au\u00dferdem war er Vorsitzender der Evangelistenkonferenz in der DDR und Mitglied des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz. Bekannt wurde er durch das wohl ungew\u00f6hnlichste \u201eKirchenasyl\u201c in der deutschen Geschichte: Holmer nahm Anfang 1990 den obdachlos gewordenen Ex-DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (1912-1994) und dessen Frau Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal auf.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: idea-Spektrum, Onlineausgabe vom 29.03.11 (<a href=\"http:\/\/www.idea.de\/holmer\">www.idea.de\/holmer<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD Sehr verehrter Herr Vorsitzender, ich bin dankbar f\u00fcr meine evangelische Kirche. Ich bin in ihr getauft, konfirmiert und gelehrt worden. 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