{"id":6248,"date":"2011-03-28T11:03:01","date_gmt":"2011-03-28T09:03:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6248"},"modified":"2011-03-28T11:03:19","modified_gmt":"2011-03-28T09:03:19","slug":"auch-islamischen-landern-droht-ein-grauer-tsunami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6248","title":{"rendered":"Auch islamischen L\u00e4ndern droht ein &#8222;grauer Tsunami&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auch islamischen L\u00e4ndern droht ein &#8222;grauer Tsunami&#8220;<br \/>\n<\/strong><br \/>\nExplodierende Rohstoffpreise, Hungeraufst\u00e4nde, Umweltzerst\u00f6rung, Ressourcenkriege, Klimawandel und atomare Risiken &#8211; Apokalyptiker sehen die Menschheit \u201emitten drin in der Katastrophe&#8220;. Skepsis gegen\u00fcber solchen Bedrohungsszenarien halten sie f\u00fcr Ignoranz: So h\u00e4tten die meisten Menschen das dringendste Problem der Gegenwart mittlerweile erfolgreich verdr\u00e4ngt: Sie redeten kaum noch dar\u00fcber, dass von ihnen bereits \u201eviel zu viele&#8220; auf der Erde lebten (1). Dabei pr\u00e4gte das Paradigma der Bev\u00f6lkerungsexplosion \u00fcber Jahrzehnte den Diskurs: \u201eDas Raumschiff Erde ist \u00fcberf\u00fcllt&#8220; verk\u00fcndete bereits 1968 der Biologe Paul Ehrlich &#8211; damals lebten etwa 3,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Die von den Vereinten Nationen vorausberechnete Verdoppelung der Weltbev\u00f6lkerung auf 7 Milliarden Menschen bis zur Jahrtausendwende f\u00fchre in die (Hunger-)Katastrophe (2). <!--more-->Ihm folgend warnte der SPIEGEL: \u201eWie die Lavastr\u00f6me eines Vulkanausbruchs alles Leben unter sich begraben&#8220; so versch\u00fctteten die \u201eMenschenmassen der Bev\u00f6lkerungsexplosion alles, was das Leben lebenswert macht, und gew\u00e4hren nur noch Raum f\u00fcr die mechanischen Verrichtungen von Zeugung, Geburt, Arbeit und Tod im Ameisenstaat&#8220;. Die Menschen taumelten einer Zukunft \u201eauf \u00fcberf\u00fcllten Pl\u00e4tzen ohne Demokratie und Privat-Eigentum&#8220; entgegen, in der \u201eKannibalen die einzigen Verbraucher ohne Lebensmittelkarten sein werden&#8220;. Der Wert des Einzelnen sacke durch den \u201e\u00dcberschuss an Menschen&#8220; ins \u201eBodenlose&#8220;. Als Folge der \u201eInflation menschlichen Lebens&#8220; drohe \u201eeine neue Moral, die sich nicht mehr l\u00e4nger an einer \u201eso unbedeutenden Gr\u00f6\u00dfe&#8220; orientiere (3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des 21. Jahrhunderts leben tats\u00e4chlich ann\u00e4hernd sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Gestiegene Bev\u00f6lkerungsziffern haben der Wertsch\u00e4tzung des einzelnen menschlichen Lebens aber offensichtlich keinen Abbruch getan, im Gegenteil ist die Idee der Menschenrechte lebendiger als je zuvor. Die kommunistischen Regime in Mittelosteuropa sind Geschichte, Milit\u00e4rdiktaturen in S\u00fcdeuropa, Lateinamerika und Asien mussten Abschied nehmen &#8211; noch nie in der Geschichte gab es mehr Demokratie. Demokratie und Wohlfahrtskapitalismus revolutionieren Lebensstil und Bewusstsein: Sie rationalisieren das Verhalten, f\u00f6rdern pragmatisch-utilitaristisches Denken und verdr\u00e4ngen so den religi\u00f6sen Glauben und damit auch \u201emystische und romantische Ideen&#8220; (4). Den aus den Bindungen (\u201eFesseln&#8220;) von Tradition und Autorit\u00e4t gel\u00f6sten \u201erationalen und hedonistischen Individuen&#8220; werden nun \u201eunvermeidlich die schweren pers\u00f6nlichen Opfer, welche Familienbindungen und namentlich Elternschaft unter modernen Bedingungen mit sich bringen&#8220; bewusst (Joseph A. Schumpeter) (5). Folgerichtig brechen in kapitalistischen Gesellschaften regelm\u00e4\u00dfig die Geburtenraten ein &#8211; beispielhaft hierf\u00fcr sind die Tigerstaaten Ostasiens, denen es mittlerweile eklatant an Nachwuchs mangelt (6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entgegen verbreiteter Vorurteile hat der s\u00e4kulare Geburtenr\u00fcckgang nun auch die islamische Welt erfasst: Ausgerechnet der Iran erlebte in den letzten Dekaden den \u201eschnellsten Fertilit\u00e4tsr\u00fcckgang der Menschheitsgeschichte&#8220;: Die Geburtenrate brach von 6-7 Kindern pro Frau (1980-85) auf 1,8 Kinder (2006-2009) ein. Auch in der (westlichen) T\u00fcrkei, in weiten Teilen Nordafrikas und in wohlhabenden \u00d6lstaaten wie Kuwait sind die Kinderzahlen stark gesunken und erreichen zum Teil kaum mehr den Generationenersatz (7). Vormodern hohe Geburtenraten finden sich heute praktisch nur noch in \u201egescheiterten Staaten&#8220; wie dem Jemen: Das rasche Bev\u00f6lkerungswachstum erschwert hier den Kampf gegen das herrschende Elend, beg\u00fcnstigt so Terrorismus und (B\u00fcrger)Krieg und gef\u00e4hrdet damit die internationale Sicherheit. Die hohen Geburtenzahlen sind dabei aber weniger Ursache als Symptom der Entwicklungsprobleme wie dem Fehlen elementarer Bildung, patriarchalischer Stammesherrschaft und Frauenunterdr\u00fcckung (8). Von diesem Elendszirkel unterscheidet sich die Lage von L\u00e4ndern wie der T\u00fcrkei oder Tunesien grundlegend: Sie haben zumindest ansatzweise archaische Traditionen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und die Stellung der Frauen verbessert sowie ihr Bildungssystem (nach europ\u00e4ischen Vorbildern) entwickelt. Nun stehen sie vor der Schwierigkeit, ihre immer besser ausgebildete junge Generation einigerma\u00dfen ad\u00e4quat zu besch\u00e4ftigen. Deren Arbeitsproduktivit\u00e4t ben\u00f6tigen sie dringend, um ihre rasch wachsenden \u00e4lteren Generationen zu versorgen. Nicht die vermeintlich zu gro\u00dfe Kinderzahl, sondern der \u201egraue Tsunami&#8220; der Bev\u00f6lkerungsalterung wird k\u00fcnftig ihre Hauptsorge sein, die sie mit den westlichen und ostasiatischen Industriel\u00e4ndern verbindet (9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Siehe: Alard von Kittlitz: \u00dcberbev\u00f6lkerung. Viele Kinder, viele Sorgen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Oktober 2010 (abrufbar unter www.faz.net).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Siehe: Paul Ehrlich: Das Raumschiff ist \u00fcberf\u00fcllt: DER SPIEGEL 10\/1968 vom 04.03.1968 http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46135813.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Siehe: Zwei zu eins gegen den Tod &#8211; Die Bev\u00f6lkerungsexplosion in der Dritten Welt (Schluss), in: DER SPIEGEL vom 20.10.1969, http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-45520614.html. Aufschlussreich im Blick auf das diese apokalyptischen Sorgen motivierende Menschenbild sind die folgenden Aussagen: \u201eDenn von allen Primaten hat der &#8222;Nackte Affe&#8220; (so Desmond Morris) den gr\u00f6\u00dften Penis, das gr\u00f6\u00dfte Gehirn -und permanent Paarungszeit. Obwohl ein relativ langsamer Br\u00fcter, kann die normale Frau zu ihren Lebzeiten bis zu zwanzigmal geb\u00e4ren. Und w\u00e4hrend Zeugungs- und Geb\u00e4rfreudigkeit des Menschen durch die Jahrtausende etwa gleich geblieben sind, gelang es der Intelligenz, die Macht des Todes immer weiter zur\u00fcckzudr\u00e4ngen: [&#8230;] Das Pendel des Todes, von Menschenhand k\u00fcnstlich zur\u00fcckgehalten, wird eines Tages mit verheerender Gewalt zur\u00fcckschwingen, die abgesattelten Reiter der Apokalypse werden vollmotorisiert wiederkehren, und Vernichtungs-Katastrophen ungeahnten Ausma\u00dfes m\u00fcssen das Chaos auf Erden schaffen, wenn das kaltbl\u00fctigste aller h\u00f6heren S\u00e4ugetiere (37,4 Grad K\u00f6rpertemperatur) nicht aufh\u00f6rt, der eigenen Endl\u00f6sung entgegen zu br\u00fcten. Theoretisch erscheint die Wahl leicht [&#8230;]. Doch in diesem Fall ist alle Theorie nicht grau, sondern vielfarbig: Die Fruchtbarkeit der farbigen Welt ist es, die das scheinbar einfache Problem nahezu unl\u00f6sbar werden l\u00e4sst.&#8220; Siehe: Claus Jacobi: Zwei zu Eins gegen den Tod &#8211; die Bev\u00f6lkerungsexplosion in der Dritten Welt, in: DER SPIEGEL 41\/1969 vom 06.10.1969, http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-45520755.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Hierzu Schumpeter: \u201eDer kapitalistische Prozess rationalisiert Verhalten und Ideen und verjagt dadurch aus unseren K\u00f6pfen, zugleich mit dem metaphysischen Glauben, mystische und romantische Ideen von vielerlei Art.&#8220; Siehe: Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, M\u00fcnchen 1950, dritte Auflage 1972, S. 208.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) \u201eSobald M\u00e4nner und Frauen die utilitaristische Lektion gelernt haben [&#8230;] sobald sie die Gewohnheit annehmen, die individuellen Vor- und Nachteile jeder voraussichtlichen Folge von Handlungen abzuw\u00e4gen -, oder, wie wir es auch ausdr\u00fccken k\u00f6nnten: sobald sie in ihrem Privatleben eine Art unausgesprochener Kostenrechnung einf\u00fchren -, m\u00fcssen ihnen unvermeidlich die schweren pers\u00f6nlichen Opfer, welche Familienbindungen und namentlich Elternschaft unter modernen Bedingungen mit sich bringen, ebenso wie die Tatsache bewusst werden, dass gleichzeitig &#8211; abgesehen vom Fall der Bauern und Landwirte &#8211; die Kinder nicht mehr ein wirtschaftliches Aktivum sind.&#8220; Ebenda, S. 254-255. F\u00fcr ein ausf\u00fchrlicheres Zitat dieses Gedankens siehe: http:\/\/www.i-daf.org\/69-0-Woche-31-2008.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Siehe hierzu: http:\/\/www.i-daf.org\/303-0-Wochen-19-20-2010.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Siehe Abbildung unten: \u201eGeburtenr\u00fcckgang in islamischen L\u00e4ndern&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) Die Probleme des Jemen sind nicht erst bekannt seit das Land zum R\u00fcckzugs- und \u00dcbungsgebiet f\u00fcr Al Quaida geworden ist. Vgl.: Paul Demeny: Die bev\u00f6lkerungspolitischen Dilemmata in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts, S. 91-117, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft, Jg. 28, Heft 1\/2003.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9) Siehe hierzu: Jordan Mejias: Der graue Tsunami. Asien altert und nimmt Z\u00fcge des Westens an, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3. November 2010, S. 32.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IDAF, Nachricht der Wochen 11-12.2011 (<\/em><a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\"><em>www.i-daf.org<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-6253\" title=\"11-12_geburten_in_islam\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/11-12_geburten_in_islam.jpg\" alt=\"\" width=\"542\" height=\"447\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch islamischen L\u00e4ndern droht ein &#8222;grauer Tsunami&#8220; Explodierende Rohstoffpreise, Hungeraufst\u00e4nde, Umweltzerst\u00f6rung, Ressourcenkriege, Klimawandel und atomare Risiken &#8211; Apokalyptiker sehen die Menschheit \u201emitten drin in der Katastrophe&#8220;. Skepsis gegen\u00fcber solchen Bedrohungsszenarien halten sie f\u00fcr Ignoranz: So h\u00e4tten die meisten Menschen das dringendste Problem der Gegenwart mittlerweile erfolgreich verdr\u00e4ngt: Sie redeten kaum noch dar\u00fcber, dass von ihnen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[16],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6248"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6248"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6257,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6248\/revisions\/6257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}