{"id":6136,"date":"2011-03-09T09:43:53","date_gmt":"2011-03-09T07:43:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6136"},"modified":"2011-03-09T09:43:53","modified_gmt":"2011-03-09T07:43:53","slug":"die-uniforme-welt-der-genderjuristen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=6136","title":{"rendered":"Die uniforme Welt der Genderjuristen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fakten st\u00f6ren nur: Die uniforme Welt der Genderjuristen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungleiches gleich behandeln: So will es das \u201eUnisex&#8220;-Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs. Versicherungen d\u00fcrfen k\u00fcnftig in ihren Tarifen nicht mehr zwischen M\u00e4nnern und Frauen differenzieren. Bisher boten Autoversicherungen g\u00fcnstigere Angebote f\u00fcr Frauen und private Rentenversicherer niedrigere Policen f\u00fcr M\u00e4nner. Diese von den Luxemburger Richtern verworfene vermeintliche \u201eDiskriminierung&#8220; war von Versicherungsmathematikern wohl kalkuliert. Man rechnete mit dem geringeren Unfallrisiko von Frauen und der geringeren Lebenserwartung von M\u00e4nnern (1).<!--more-->\u00a0Anh\u00e4ngern der \u201eGender-Mainstreaming&#8220;-Philosophie missfallen schon die solchen Kalkulationen zugrunde liegenden Statistiken: Indem diese Statistiken die \u201estatistische Signifikanz der Sex-Kategorie&#8220; durch \u201eharte Fakten&#8220; belegten, f\u00fchrten sie \u201ezu einer problematischen Rekonstruktion von Geschlecht&#8220;. Der statistisch vergleichende Zugang zu den Lebensverh\u00e4ltnissen zwischen M\u00e4nnern und Frauen sei \u201eirref\u00fchrend&#8220;, wenn \u201eer nicht genderbezogen weitergef\u00fchrt und qualifiziert&#8220; werde (2). Das Geschlecht wollen sie eben nicht mehr als eine biologische Kategorie (\u201esex&#8220;), sondern als sozio-kulturelle \u201eKonstruktion&#8220; (\u201egender&#8220;) verstanden wissen\u00a0&#8211; Fakten, auch statistische, st\u00f6ren in diesem Weltbild nur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt insbesondere f\u00fcr Befunde aus der Medizin: So sterben M\u00e4nner bekanntlich fr\u00fcher als Frauen (3). Auch dies ist zweifellos ein wichtiger Aspekt ungleicher Lebensverh\u00e4ltnisse der Geschlechter, allerdings zum Nachteil der M\u00e4nner. Die anhaltende \u201eDiskriminierung&#8220; von Frauen meint nun der Tunnelblick des \u201eGender Mainstreaming&#8220; vor allem auf dem Arbeitsmarkt erkennen zu k\u00f6nnen. Bekannte Stichworte sind hier Erwerbsbeteiligung, L\u00f6hne und berufliche F\u00fchrungspositionen. Aus diesem arbeitsmarktfixierten Weltbild lie\u00dfe sich im Umkehrschluss folgern: Mit der k\u00fcrzeren Lebenszeit bezahlten die M\u00e4nner eben f\u00fcr ihre extensive Erwerbst\u00e4tigkeit. Tats\u00e4chlich sterben M\u00e4nner wesentlich h\u00e4ufiger als Frauen bei Arbeitsunf\u00e4llen in typischen M\u00e4nnerberufen. Ausgerechnet diese Berufe (z. B. in der Bau- und Entsorgungswirtschaft, \u201eSicherheitsbranche&#8220;) bieten aber weder das \u201egro\u00dfe Geld&#8220; noch Prestige oder soziales Ansehen. Nicht zuf\u00e4llig verlangt denn auch niemand nach einer \u201eFrauenquote&#8220; unter M\u00fcllwerkern, Feuerwehrleuten oder unteren Milit\u00e4rdienstgraden. Die harte Lebenswirklichkeit von M\u00e4nnern in diesen Berufen spielt im politisch-medialen Diskurs kaum eine Rolle: Das Wort f\u00fchren hier Akademiker(innen) mit Ambitionen auf berufliche \u201eKarriere&#8220; (4). Das Lebensschicksal entscheidet sich aus dieser auch die europ\u00e4ische Besch\u00e4ftigungs- und Antidiskriminierungspolitik pr\u00e4genden Perspektive vor allem im B\u00fcro-Beruf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeitswelt ist aber keineswegs ausschlaggebend f\u00fcr die k\u00fcrzere Lebenszeit von M\u00e4nnern. Zu fr\u00fch zeigen sich daf\u00fcr die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Sterblichkeit: Aborte und Fehlgeburten kommen bei m\u00e4nnlichen F\u00f6ten h\u00e4ufiger vor und m\u00e4nnliche Fr\u00fchgeborene haben deutlich schlechtere \u00dcberlebenschancen. In der \u201eSturm- und Drangphase&#8220; der Jugend vergr\u00f6\u00dfert sich diese \u201e\u00dcbersterblichkeit&#8220; der Jungen noch. Aufgrund riskanterer (Fahr)Verhaltensweisen verungl\u00fccken mehr junge M\u00e4nner als Frauen bei Unf\u00e4llen (5). Junge M\u00e4nner t\u00f6ten sich auch h\u00e4ufiger vors\u00e4tzlich: Ihre Suizidquote ist mehr als dreimal so hoch wie die gleichaltriger Frauen. Noch deutlicher als (an den erfreulicherweise r\u00fcckl\u00e4ufigen F\u00e4llen von Selbstt\u00f6tung) zeigt sich die Gef\u00e4hrdung der Jungen an dem mittlerweile epidemischen \u201eAufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivit\u00e4tssyndrom&#8220;: \u00c4rzte diagnostizieren es bei Jungen vier bis f\u00fcnf Mal h\u00e4ufiger als bei M\u00e4dchen. Ein zentraler Grund f\u00fcr die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite sind die neueren elektronischen Medien: Experten sch\u00e4tzen, dass Jungen zehnmal h\u00e4ufiger als M\u00e4dchen von Computerspielsucht gef\u00e4hrdet sind (6). Die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr virtuelle Parallelwelten ist wiederum eine wesentliche Ursache f\u00fcr das immer auff\u00e4lligere Zur\u00fcckbleiben der Jungen im Bildungswesen (7).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Probleme unvoreingenommen zu erforschen und zu diskutieren widerstrebt den Advokaten des Gender-Mainstreaming: Zu gro\u00df erscheint ihnen die Gefahr einer \u201eeinseitig bipolaren Konstruktion der geschlechterbezogenen Differenz-Pr\u00e4misse&#8220;. Eben diese Ignoranz der Verschiedenheit von M\u00e4dchen und Jungen droht (Stichwort: frustrierte junge M\u00e4nner) teuer zu werden. Teuer bezahlen m\u00fcssen dann alle, nicht nur die Kunden privater Rentenversicherer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0(1) David B\u00f6cking: Unisex-Urteil treibt Beitr\u00e4ge hoch, SPIEGELONLINE vom 01.03.2011, http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/0,1518,748413,00.html. Das Urteil des EuGH im Wortlaut: http:\/\/www.spiegel.de\/media\/0,4906,25406,00.pdf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Gunter Neubauer\/Reinhard Winter: Jungengesundheit in Deutschland: Themen, Praxis, Problemfelder, S. 30-57, in: Doris Bardehle\/Matthias Stierle (Hrsg.): Erster deutscher M\u00e4nnergesundheitsbericht\u00a0&#8211; ein Pilotbericht, M\u00fcnchen 2010, S. 53.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Seit den ersten geschlechtsspezifischen Mortalit\u00e4tsanalysen im 18. Jahrhundert ist Forschern die h\u00f6here Lebenserwartung der Frauen bekannt. Biologische Erkl\u00e4rungen dieser \u201em\u00e4nnlichen \u00dcbersterblichkeit&#8220; f\u00fchren diese auf geschlechtsspezifische Unterschiede in Anatomie, Physiologie, Hormonhaushalt und Genetik, insbesondere das zus\u00e4tzliche X-Chromosom der Frauen zur\u00fcck. Verhaltens- und umweltorientierte Ans\u00e4tze erkl\u00e4ren die niedrigere Lebenserwartung mit Gesundheitsrisiken im Berufsleben und mit gef\u00e4hrlicheren Lebensstilen (Drogen- und Alkoholmissbrauch, riskantes Verhalten im Stra\u00dfenverkehr etc.). Gegenw\u00e4rtig tendiert die Forschung dazu, den Verhaltens- und Umweltfaktoren einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss zuzumessen, wobei allerdings ungekl\u00e4rt bleibt, inwiefern nicht auch Verhaltensunterschiede wiederum biologisch (insbesondere hormonell) vorgepr\u00e4gt sind. Vgl.: Marc Luy\/Paola die Giulio: Der Einfluss von Verhaltensweisen und Lebensstilen auf die Mortalit\u00e4tsdifferenz der Geschlechter, in: Karla G\u00e4rtner\/Evelyn Gr\u00fcnheid\/Marc Luy (Hrsg.): Lebensstile, Lebensphasen, Lebensqualit\u00e4t (Hrsg.): Lebensstile, Lebensphasen, Lebensqualit\u00e4t\u00a0&#8211; Interdisziplin\u00e4re Analysen aus dem Lebenserwartungssurvey des BiB, Wiesbaden 2005, S. 365-392.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Ausnahmsweise ins Blickfeld der Medien r\u00fcckt diese Arbeits- und Lebenswirklichkeit, wenn Gewerkschaften Arbeitsk\u00e4mpfe organisieren\u00a0&#8211; typisch hierf\u00fcr sind zum Beispiel Streiks bei der M\u00fcllabfuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Siehe: Adelheid M\u00fcller-Lissner: F\u00fcr M\u00e4nner tickt die Uhr schneller, TAGESSPIEGEL vom 26.08.2009, http:\/\/www.tagesspiegel.de\/magazin\/wissen\/art304,2882904.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Gunter Neubauer\/Reinhard Winter: Jungengesundheit in Deutschland, op. cito, S. 34-38.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Siehe hierzu: <a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\/302-0-Wochen-17-18-2010.html\">http:\/\/www.i-daf.org\/302-0-Wochen-17-18-2010.html<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stefan Fuchs, 07.03.2011, IDAF (<\/em><a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\"><em>www.i-daf.org<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fakten st\u00f6ren nur: Die uniforme Welt der Genderjuristen Ungleiches gleich behandeln: So will es das \u201eUnisex&#8220;-Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs. 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