{"id":5649,"date":"2010-12-23T17:45:31","date_gmt":"2010-12-23T15:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5649"},"modified":"2010-12-23T23:09:27","modified_gmt":"2010-12-23T21:09:27","slug":"das-wort-ward-fleisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5649","title":{"rendered":"&#8222;Das Wort ward Fleisch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Andacht zum Christfest<br \/>\n&#8222;Das Wort ward Fleisch&#8220; (Johannes 1,14)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wort, das ewige Wort ward Fleisch. Gottes ewiger Sohn wird Mensch, wirklicher Mensch, nur nicht ein s\u00fcndiger, sondern ein reiner Mensch, geboren von einer Frau. Wer von einer wahren, nat\u00fcrlichen Frau geboren wird, der mu\u00df auch ein wahrer, wirklicher Mensch sein. So ist auch Gottes ewiger Sohn ein Glied unseres Geschlechts, so da\u00df Sein Stamm und Seine Vorfahren unter die Nachkommen Adams gez\u00e4hlt werden, wie es das erste Blatt des Neuen Testamentes zeigt. Gottes Sohn ist unser Verwandter, unser Blutsverwandter, \u201eden Br\u00fcdern gleich\u201c, die S\u00fcnde ausgenommen. Unbegreifliche Liebe Gottes, die einen so wunderbaren und so gnadenvollen Ratschlu\u00df zu unserer Errettung fa\u00dfte!<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber hier wird es vor den Augen der Vernunft schwarz. Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder! Ist es wahr? Ist es m\u00f6glich? Ich beginne und ich schlie\u00dfe, und ich beginne wieder mit diesem Punkt. Ist es wahr? Ist es m\u00f6glich? Ich kann es nicht begreifen, kann aber auch nicht davon wegkommen. Meine Gedanken werden gleichsam in ein Netz ewiger Unbegreiflichkeiten, zugleich aber auch in ein Netz unwiderleglicher Zeugnisse eingeschn\u00fcrt. Die Frage hat ein solches Gewicht, da\u00df mit ihr das ganze Christentum steht oder f\u00e4llt und damit zugleich auch unsere ganze Errettung und Seligkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits ist es viel zu gro\u00df und zu herrlich, da\u00df wir armen, gefallenen Menschenkinder so hoch gesch\u00e4tzt und geehrt sein sollten, da\u00df Gottes ewiger Sohn unser Bruder und Blutsverwandter sein soll &#8211; viel zu gro\u00df und herrlich, so da\u00df ich es wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe nicht glauben kann. Andererseits ist mir dieser Stein des Ansto\u00dfes zu schwer, um ihn wegwerfen zu k\u00f6nnen. Es steht eine Welt voller Zeugnisse da, die auf Ihn deuten; zuerst ein ganzes Weltalter der merkw\u00fcrdigsten Vorhersagungen, sodann ein nachfolgendes Weltalter der merkw\u00fcrdigsten Erf\u00fcllungen und der wunderbarsten p\u00fcnktlichen Vollziehungen alles dessen, was vorhergesagt wurde. Kann ich die Person wegwerfen, die der Gegenstand dieser Voraussagungen und Erf\u00fcllungen ist? Den Stein, der von den Bauleuten verworfen wurde, den Gott aber zu einem Eckstein machte, &#8211; sollte ich versuchen, den wegzuwerfen? Oder kann ich auch nur das verwerfen, was ich heute von Seinem Reich auf Erden sehe? Ja, kann ich alles das verwerfen, was ich selber von diesem getreuen Herrn erfahren habe? O nein! Er ist ein lebendiger und gegenw\u00e4rtiger Gott, wir kennen Ihn ja, &#8211; doch nur als offenbart im Fleisch, denn niemand kennt den Vater denn nur der Sohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann ich aber andererseits all das Gro\u00dfe und Herrliche glauben, was darin liegt, da\u00df Gott offenbart ist im Fleisch? Das ist doch allzu gro\u00df und herrlich! Und doch ist es eine ewige und g\u00f6ttliche Wahrheit, die ebenso gewi\u00df und g\u00f6ttlich ist, wenn auch die Vernunft aller Menschen daran zerschellt. Ja, Gott sei Dank, da\u00df wir sie nicht begreifen k\u00f6nnen, d. h., da\u00df wir nicht einen so kleinen Gott haben, dem unsere arme, blinde Vernunft folgen k\u00f6nnte! Er bewahre uns davor, einen Gott zu haben, der unseren nicht einmal unser eigenes Wesen verstehenden Verstand \u00fcbersteigen w\u00fcrde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df das arme, gefallene und enge Herz diesen unaussprechlichen Schatz und diese unbeschreibliche Freude aber nicht behalten kann, das ist doch eine Plage, derentwegen man sich eine baldige Erl\u00f6sung w\u00fcnschen kann. K\u00f6nnte ich diese gro\u00dfe Herrlichkeit nur lebendig in meinem Herzen behalten, da\u00df Gottes ewiger Sohn unser Blutsverwandter, unser Bruder ist, dann wollte ich nichts mehr, dann h\u00e4tte ich f\u00fcr Zeit und Ewigkeit genug. Denn dann w\u00fcrde ich solche Schl\u00fcsse aus diesem seligen Verh\u00e4ltnis ziehen, da\u00df kein einziger trauriger Gedanke mehr Raum bekommen k\u00f6nnte. Mein armes Herz w\u00fcrde wohl eher vor allzu gro\u00dfer Freude und Wonne brechen. Unser gefallenes und erniedrigtes Geschlecht ist so geehrt worden, da\u00df Gottes ewiger Sohn sich in unser Geschlecht begeben hat, einer unseresgleichen, unser Blutsverwandter geworden ist. Nun will ich nichts mehr wissen, unser Geschlecht ist wahrlich so geehrt und \u00fcber alle Engelthronen, ja, bis in den Himmel erh\u00f6ht worden, so da\u00df man wohl sagen mu\u00df, da\u00df unser durch den S\u00fcndenfall erlittener Schaden, unsere Schmach und Erniedrigung mehr als reichlich ger\u00e4cht und erstattet sind. Jetzt ist es die gr\u00f6\u00dfte Ehre, ein Mensch zu sein; ja, die heiligen Engel h\u00e4tten wahrlich Grund zu w\u00fcnschen: \u201eAch, wer nur ein Mensch w\u00e4re!&#8220; Es ist wahr, was Luther bemerkt: \u201eNachdem der Sohn Gottes ein Mensch geworden ist, sollte dies doch die Frucht und die Wirkung auf uns haben, da\u00df wir alles, was Mensch hei\u00dft, innig lieben und uns dar\u00fcber freuen und nie mehr irgendwelche Unfreundlichkeit gegen ein Mitglied dieses Geschlechts hegen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Christen m\u00fc\u00dften sich auch zu ihrem Troste und ihrer Ermunterung gegen alle Widerw\u00e4rtigkeiten des Lebens etwas tiefer in diese Betrachtung versenken und Gott um die Gnade bitten, sie in ihr Herz hineinzubringen, so da\u00df sie mit gro\u00dfer Freude und Verwunderung sprechen k\u00f6nnten: &#8222;Jetzt will ich nichts mehr. Gottes Sohn ist ein Mensch! Dann wird es mit allem gut werden. Ist Gottes Sohn unser Anverwandter oder Blutsverwandter geworden, dann ahne ich im Herzen Gottes eine gr\u00f6\u00dfere Liebe zu den Menschen, als wir gew\u00f6hnlich glauben. Dann mu\u00df es nicht so sein, wie es uns so oft vorkommt, da\u00df Gott fern und gleichg\u00fcltig gegen uns sei; nein, dann mu\u00df ein tiefes Verbergen dahinterliegen, ein wundersames Spielen mit uns, wenn Er sich so verh\u00e4lt, als k\u00fcmmere Er sich nicht um uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O, Abgrund der Barmherzigkeit,<br \/>\nDa\u00df Gott sich hat in Fleisch gekleidt.<br \/>\nDie Menschheit angenommen,<br \/>\nIn allem, ohn&#8216; die S\u00fcnd, uns gleich!<br \/>\nWillkomm&#8217;n. Herr Gott, vom Himmelreich<br \/>\nWillkomm&#8217;n, Herr Jesu! Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mag. Carl Olof Rosenius, aus\u00a0&#8222;T\u00e4gliches Seelenbrot&#8220;, Betrachtungen f\u00fcr jeden Tag des Jahres, aus dem Schwedischen \u00fcbersetzt von Christian Bau, Lutherischer Missionsverein, Elmshorn, 2001, S. 717.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Carl Olof Rosenius<\/strong> (* 3. Februar 1816 in Nys\u00e4tra; \u2020 24. Februar 1868 in Stockholm) war ein schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen, schwedischen Erweckungsbewegung, die sich 1856 als Evangelische Vaterlandsstiftung (Evangeliska Fosterlandsstiftelsen) organisierte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andacht zum Christfest &#8222;Das Wort ward Fleisch&#8220; (Johannes 1,14) Das Wort, das ewige Wort ward Fleisch. Gottes ewiger Sohn wird Mensch, wirklicher Mensch, nur nicht ein s\u00fcndiger, sondern ein reiner Mensch, geboren von einer Frau. 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