{"id":5644,"date":"2010-12-20T12:12:22","date_gmt":"2010-12-20T10:12:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5644"},"modified":"2010-12-22T12:53:26","modified_gmt":"2010-12-22T10:53:26","slug":"das-kuckuksei-im-pfarrdienstrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5644","title":{"rendered":"Das Kuckucksei im Pfarrdienstrecht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Kuckucksei im Pfarrdienstrecht\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Geschichte der EKD und ihrer Synoden gab es bisher nichts vergleichbar Paradoxes: Aus einem erfreulichen Anlass &#8211; der Bem\u00fchung um Ann\u00e4herung, Vergleichbarkeit und Vereinheitlichung des Pfarrerdienstrechtes in allen Landeskirchen &#8211; ist ein \u00fcbler Coup gelungen. Alle 126 anwesenden EKD-Synodale meinten, sie m\u00fcssten unbedingt und ohne jede Widerrede einer Gesetzesvorlage zustimmen, in die ein gro\u00dfes, widersinniges Kuckucks-Ei eingebaut ist: ein Kuckucks-Ei, das EKD-weit dauerhaft f\u00fcr <em>mehr<\/em> theologisches Konfliktpotential, <em>mehr<\/em> Uneinigkeit, <em>mehr<\/em> Zerrissenheit und <em>mehr<\/em> Unmut sorgen wird. Was ist geschehen?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Monatelang war in allen Kirchenleitungen auf verschiedenen Ebenen darum gerungen worden, wie das Thema \u201eEhe und Familie im Pfarramt\u201c rechtlich zu gestalten sei. Verschiedene Entw\u00fcrfe wurden diskutiert. Im Kern ging es um die Frage: Soll allein das biblisch-theologische Ehe- und Familien-Ethos gelten <em>oder<\/em> sollten Kirchenleitungen bisherige (Fehl-)Entwicklungen rechtfertigen und legitimieren d\u00fcrfen, wie sie in einigen Landeskirchen unter dem Einfluss der s\u00e4kularen politischen Schwulen-Lobby Schritt f\u00fcr Schritt zugelassen oder durch Synodalbeschl\u00fcsse f\u00fcr rechtens erkl\u00e4rt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor der EKD-Herbstsynode 2010 wurde den Synodalen zum Thema Ehe und Familie ein erneut ver\u00e4nderter Text unter der <em>\u00dcberschrift<\/em> \u201e\u00a7 39 Ehe und Familie\u201c vorgelegt. Aber im <em>Inhalt<\/em> ist nicht mehr von \u201eEhe und Familie\u201c die Rede, sondern von \u201efamili\u00e4rem Zusammenleben und Ehe\u201c. Dies \u00e4ndert die juristische Aussage <em>qualitativ, <\/em>denn<em> <\/em>beim Begriffspaar &#8222;Ehe und Familie&#8220; ist \u201eFamilie\u201c an \u201eEhe\u201c gekoppelt; die Zusammenstellung &#8222;<em>\u2019famili\u00e4res Zusammenleben\u2019<\/em> und Ehe\u201c aber bewirkt eine umfassende <em>Entkoppelung<\/em> der beiden Gr\u00f6\u00dfen. Dies wird durch die Begr\u00fcndungen zu \u00a7 39,1 ausdr\u00fccklich belegt. Das erkl\u00e4rte Ziel ist, unter Auflage kleiner H\u00fcrden die M\u00f6glichkeit homosexueller Lebensgemeinschaften von Amtstr\u00e4gern im Pfarramt freizugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht wenige EKD-Synodale meinten wohl, mit dieser Formulierung sei ein \u201eKompromiss\u201c gefunden: der Text stelle ja verschiedene \u201eM\u00f6glichkeiten\u201c frei. In Wahrheit aber haben sie sich &#8211; unter Preisgabe biblisch &#8211; ethischer Urteilsbildung &#8211; einer Vereinnahmungs- und \u00dcberw\u00e4ltigungsformel ausgeliefert. Es lebe das \u201eAllerlei\u201c! Die Nennung bestimmter sch\u00f6n klingender Sekund\u00e4rtugenden hat viele geblendet und narkotisiert; sie haben nicht bemerkt, dass es um weit <em>mehr<\/em> geht als lediglich um isoliert verstandene \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c! Die Logik der Formulierung von \u00a7 39,1 l\u00e4uft n\u00e4mlich darauf hinaus, dass die ausschlie\u00dfliche Bindung an <em>das biblische Geschlechter-Ethos<\/em> zur Disposition gestellt und preisgegeben ist &#8211; mit noch nicht absehbaren Folgen. Es gibt indessen EKD-Synodale, die dar\u00fcber total gl\u00fccklich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen aller Landeskirchen m\u00fcssen jetzt fragen: Aus welchen Gr\u00fcnden hat \u201emein\u201c EKD-Synodaler mitgemacht? Warum hat <em>nicht einer<\/em> der Synodalen von seinem Recht Gebrauch gemacht, im Plenum klar und ruhig eine \u201ePers\u00f6nliche Erkl\u00e4rung\u201c abzugeben, in der er auf die Probleme und den hohen Kl\u00e4rungsbedarf zum umstrittenen \u00a7 39 (39,1) des PfDG h\u00e4tte hinweisen k\u00f6nnen? Welche Personen, Kr\u00e4fte und M\u00e4chte haben dies verhindert? <em>Und:<\/em> Wie soll jetzt in meiner Landeskirche und -synode zu diesem Thema entschieden werden?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was tun? Klar ist: Entscheidungen werden in naher Frist auf der Ebene aller Landessynoden fallen. Sprechen Sie die Synodalen <em>Ihrer<\/em> Landeskirche pers\u00f6nlich an! H\u00f6ren Sie sorgf\u00e4ltig hin, von welchen Gr\u00fcnden, Motiven und Zielen diese sich bei der Abstimmung leiten lie\u00dfen! Kl\u00e4ren Sie f\u00fcr sich selbst, ob Sie in einer geistlich-theologisch intakten Landeskirche leben wollen oder in einer schwulenpolitisch unterwanderten! Beten Sie wach und ausdauernd daf\u00fcr, dass auf EKD-F\u00fchrungsebene endlich Ehrlichkeit einzieht und \u00fcberf\u00e4llige Kl\u00e4rungen auf den Weg gebracht werden! Profilieren Sie Ihr eigenes Sachurteil so gr\u00fcndlich, dass man Sie mit Dummheiten nicht mehr einfangen kann. Fordern Sie profunde theologische Arbeit ein \u2013 und: dienen Sie selber dem Kind in der Krippe, unserem erh\u00f6hten Herrn so hingebungsvoll wie er es um Seiner Liebe willen verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rolf-Alexander Thieke<\/em><em>, Pfarrer und Rell i.R., <em>Berlin, 15.12.2010<br \/>\n<\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kuckucksei im Pfarrdienstrecht\u00a0 In der Geschichte der EKD und ihrer Synoden gab es bisher nichts vergleichbar Paradoxes: Aus einem erfreulichen Anlass &#8211; der Bem\u00fchung um Ann\u00e4herung, Vergleichbarkeit und Vereinheitlichung des Pfarrerdienstrechtes in allen Landeskirchen &#8211; ist ein \u00fcbler Coup gelungen. 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