{"id":5583,"date":"2010-12-08T13:14:51","date_gmt":"2010-12-08T11:14:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5583"},"modified":"2010-12-08T13:29:00","modified_gmt":"2010-12-08T11:29:00","slug":"richtungspfeile-und-warnlichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5583","title":{"rendered":"Richtungspfeile und Warnlichter"},"content":{"rendered":"<p><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-5594\" title=\"untitled\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/untitled1.bmp\" alt=\"\" width=\"157\" height=\"224\" \/>Richtungspfeile und Warnlichter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ein \u00dcberblick \u00fcber die dritte Auflage von Karl Barals \u201eHandbuch der biblischen Glaubenslehre\u201c<br \/>\n(VTR, N\u00fcrnberg, 2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine allgemeinverst\u00e4ndliche, kurz gefasste Glaubenslehre hat Karl Baral, w\u00fcrttembergischer Gemeindepfarrer im Schwarzwald, schon w\u00e4hrend seines Studiums vermisst. Und zwar eine solche, die biblisch gegr\u00fcndet ist und auf aktuelle Herausforderungen eingeht. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat Karl Baral das \u201eHandbuch der biblischen Glaubenslehre\u201c verfasst, das zum ersten Mal im Jahr 1994 erschienen ist. Es richtet sich an Bibelschullehrer, Pfarrer, Kirchengemeinder\u00e4te und andere theologisch Interessierte, hei\u00dft es im Vorwort.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Handbuch umfasst gut 400 Seiten einschlie\u00dflich Register. In sieben Abschnitten behandelt es die \u201eHauptpunkte biblischer Lehre f\u00fcr unsere Zeit\u201c. Nach der Einleitung, die sich mit dem Verst\u00e4ndnis der Theologie und der Heiligen Schrift befasst, folgt die Lehre von Gott, von der Sch\u00f6pfung, vom Menschen und von Christus. Danach wird \u201edie pers\u00f6nliche Aneignung des Heils\u201c dargelegt. Der abschlie\u00dfende Teil hei\u00dft: \u201eDas Reich Gottes und die Vollendung\u201c. In einem 20-seitigen Anhang wird der Unterschied zwischen dem hebr\u00e4ischen und griechischen Denken diskutiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kennzeichnend f\u00fcr Barals Darlegung des christlichen Glaubens ist zum einen die Konzentration auf ausgew\u00e4hlte, wichtige Lehraussagen. So dass in einem einzigen Band der gro\u00dfe Bogen der Heilsgeschichte von der Sch\u00f6pfung bis zu der Vollendung sichtbar wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen fallen die vielen Zitate auf, die das jeweilige Thema beleuchten. Der Leser erh\u00e4lt Einblick in die theologische Literatur und Diskussion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum dritten wird die biblische Botschaft immer wieder im Gegen\u00fcber zur Lehre der katholischen Kirche, der Zeugen Jehovas oder der Anthroposophie entfaltet. Der Interessierte erf\u00e4hrt entscheidende Unterschiede zu einer evangelischen Position.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Vorhaben, Bezug zu nehmen auf gegenw\u00e4rtige Fragestellungen des Glaubens und Denkens, wird so umgesetzt, dass Baral in den roten Faden seiner Glaubenslehre an vielen Stellen \u00dcberlegungen einf\u00fcgt zu dem, was Christen heute herausfordert. Sieben Beispiele dazu:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Die Postmoderne wird beschrieben als eine Geisteshaltung, die von Pluralismus, Individualismus und Erlebnisorientierung gekennzeichnet ist. Die Postmoderne wirkt sehr tolerant, merkt Baral kritisch an, ist es aber insofern nicht, als dass sie dazu neigt, eine feste Meinung, die der Pluralit\u00e4t der Meinungen widerspricht, nicht zu tolerieren (30-32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Das Vertrauen zur Heiligen Schrift als dem Wort Gottes, auf dem alle Verk\u00fcndigung und Lehre basiert, wird heute gerne in Frage gestellt durch das Kampfwort vom \u201epapierenen Papst\u201c. Es meint eine naive, verkehrte H\u00f6rigkeit gegen\u00fcber der quasi p\u00e4pstlich-irrtumslosen Schriftaussage. Baral weist darauf hin, dass dieser Begriff f\u00e4lschlicherweise als ein Luther-Zitat ausgegeben wird. Er ist reformationsgeschichtlich vielmehr bei den Gegnern Luthers, den sogenannten \u201eSchw\u00e4rmern\u201c, zu verorten, die sich im Besitz eines geist-gegebenen, lebendigen Wortes w\u00e4hnten und deshalb Luthers schriftgebundene Theologie verspotteten. Eine theologische Position, die eine konsequente Schriftorientierung als \u201eBiblizismus\u201c diffamiert, dabei selbst die Schriftaussage uminterpretiert oder verdr\u00e4ngt, kann sich nicht auf Luther berufen (50).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Im Rahmen eines Exkurses zu dem heute als gewichtig empfundenen Thema des \u201eSegenshandeln Gottes\u201c bef\u00fcrwortet Baral die Kindertaufe, weil jedem, der zum Reich Gottes geh\u00f6ren darf, die Taufe zusteht. Die zur Begr\u00fcndung der Kindersegnung oft angef\u00fchrte Szene, in der Jesus den Kindern die H\u00e4nde auflegt, sei von der j\u00fcdischen Sitte her zu verstehen, Kinder zu den \u00c4ltesten zu tragen und segnen zu lassen. Sie k\u00f6nne deshalb nicht als Stiftung einer neuen gottesdienstlichen Segnung verstanden werden, argumentiert der Autor (109-112).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Weil die Ehe biblisch als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau definiert ist, l\u00e4sst sich die gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht in die N\u00e4he der Ehe r\u00fccken. Wolfhart Pannenberg stellt dazu fest (160): \u201eIn der Gesamtheit des biblischen Zeugnisses wird praktizierte Homosexualit\u00e4t ausnahmslos zu den Verhaltensweisen gerechnet, in denen die Abwendung des Menschen von Gott besonders eklatant zum Ausdruck kommt.\u201c Eine Kirche, die Homosexualit\u00e4t akzeptiert, legitimiert und segnet, h\u00f6rt nach Pannenberg auf, \u201eevangelische Kirche in der Nachfolge der Reformation zu sein\u201c (162).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Wie das klassische Bekenntnis zu Jesus, dem Gottessohn und dem Menschen, heute aufgel\u00f6st wird, zeigt Baral am Beispiel eines Buches des Theologen Andreas R\u00f6ssler, der von einem \u201ekosmischen Christus\u201c spricht, der sich in dem Wanderprediger aus Nazareth \u201everdichtet\u201c habe (189f). Dieses Denkmodell wendet sich gegen den Glauben, Jesus sei mehr gewesen als ein gew\u00f6hnlicher Mensch, n\u00e4mlich Gottes Sohn und der im Gebet anzurufende Herr. Doch eben dieser Glaube wird etwa im Hebr\u00e4erbrief eindr\u00fccklich gelehrt, wenn es von Jesus, dem \u00fcber die Engel erh\u00f6hten Herrn hei\u00dft, er habe sich um der Rettung der Menschen willen zu einer echten Menschenexistenz erniedrigt (Hebr 2,14-18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Die Einheit der Kirche erkl\u00e4rt Baral vom Augsburger Bekenntnis VII her als eine geistliche Einheit, die durch die evangeliumsgem\u00e4\u00dfe Verk\u00fcndigung und Abendmahlsverwaltung entsteht und ganz davon abh\u00e4ngig ist. Eine \u00e4u\u00dferliche, organisatorische Einheit der Kirchen, wie sie von mancher Seite kirchenpolitisch angestrebt wird, ist dagegen nicht notwendig. In dem Trend zur Zentralisierung sieht Baral die Gefahr, dass das Vielf\u00e4ltige, Gemeindenahe und geistlich Lebendige kleinerer Kirchen und Gemeinschaften durch Entscheidungen von oben zerst\u00f6rt wird (325-327).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Die Allvers\u00f6hnungslehre, die bereits in der Alten Kirche durch den Gelehrten Origenes vertreten wurde, l\u00e4sst sich nicht vereinbaren mit den Aussagen in Mt 25,41.46, nach denen Jesus, der Richter, Menschen von sich weg in die \u201eewige Strafe\u201c schickt. Auch die Wiederbringungslehre eines Michael Hahn oder die Allerw\u00e4hlungslehre eines Karl Barth sieht Baral als eine nicht mit dem Neuen Testament \u00fcbereinstimmende Lehre an (332).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Beispiele zeigen, dass Barals Handbuch relevante alte und neue Glaubensfragen aufgreift, um sie in aller K\u00fcrze mit einer biblischen Positionierung zu verbinden. Die Knappheit der Darstellung hat den Vorteil, dass ein weiter Themenkreis abgeschritten werden kann. Sie wirkt gelegentlich auch problematisch, wo ein anspruchsvolles Thema nur angerissen wird. Die These, dass der Glaube an Wunder der G\u00fcltigkeit der Naturgesetze nicht widerspricht, taucht ziemlich unvermittelt auf, ohne dass ein hinf\u00fchrender Weg des Denkens entfaltet wird (133f). Der Satz, dass der \u201eUmweltschutz ohne Gott und seine Gebote zum Scheitern verurteilt\u201c sei, klingt wie eine interessante \u00dcberschrift, der aber keine n\u00e4here Erl\u00e4uterungen folgen (186). Der intensive Widerspruch gegen die These von Dr. Volker G\u00e4ckle, die alttestamentliche Landverhei\u00dfung f\u00fcr Israel sei neutestamentlich nicht mehr so konkret und begrenzt wie fr\u00fcher zu verstehen, macht dem Leser das Verstehen nicht leicht, weil er sich die verhandelte These aus Einzelzitaten rekonstruieren muss (329-331).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der selbst gestellten Aufgabe, auf begrenztem Raum das Ganze des Glaubens darzustellen und gleichzeitig doch theologisch sehr Anspruchsvolles zu behandeln, d\u00fcrfte es zusammenh\u00e4ngen, dass an einigen Stellen Fragezeichen stehenbleiben. So kann man fragen, ob es Hans K\u00fcngs vern\u00fcnftigen \u00dcberlegungen zu einer m\u00f6glichen Existenz Gottes gerecht wird, sie von der offenbarten Existenz Gottes her zur\u00fcckzuweisen, wenn diese \u00dcberlegungen nicht als Widerspruch, sondern als Hinf\u00fchrung zur Offenbarung verstanden sein wollen (74f). Diskussionsw\u00fcrdig erscheint auch die Option f\u00fcr die verbreitete Deutung des Kreuzestodes als inklusive (den Menschen einschlie\u00dfende) Stellvertretung nach Hartmut Gese; und zwar deshalb, weil die Unterscheidung \u201einklusiv \u2013 exklusiv\u201c nicht genauer an biblischen Texten nachgewiesen wird, und weil sich das Handbuch an dieser Stelle mit einem ganz anders gelagerten Thema besch\u00e4ftigt, n\u00e4mlich einer problematischen, charismatischen These von der \u00dcberwindung aller Krankheit durch den Gekreuzigten (228-233). Der Autor bezieht sich auch auf die oft zitierte Schematisierung der Vers\u00f6hnungslehre von Gustav Aul\u00e9n aus dem Jahr 1931, die den Sieg \u00fcber die S\u00fcnde gegen das Opfer bzw. die Genugtuung f\u00fcr die S\u00fcnde ausspielen m\u00f6chte, was in der Bibel aber nicht als Gegensatz erscheint (234-238). Der Versuch, ein \u201ehebr\u00e4isches\u201c Beziehungs-Denken gegen ein \u201egriechisches\u201c Substanz-Denken abzugrenzen, d\u00fcrfte nicht auf jedermann \u00fcberzeugend und nutzbringend wirken, der sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ein ausgewogenes und \u00fcbereinstimmendes Zeugnis von dem SEIN und dem TUN Gottes wahrnimmt (358f; 349f). Diese angef\u00fchrten speziellen, h\u00f6chst komprimierten Abgrenzungen wird der Nutzer des Handbuchs, der kein Theologiestudium absolviert hat, nicht ohne weiteres nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit: Die Glaubenslehre von Karl Baral mit ihren pointierten Hinweisen l\u00e4sst sich mit Richtungspfeilen und Warnlichtern am Fahrbahnrand vergleichen. Den Weg der genaueren biblischen Begr\u00fcndung und den Weg des langsam begreifenden Denkens k\u00f6nnen sie nicht ausleuchten. Aber sie k\u00f6nnen wertvolle Orientierung geben f\u00fcr hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirche, die unterwegs sind in einer Zeit, wo unbewusst oder bewusst Abwege von der biblischen Spur des Glaubens und Verk\u00fcndigens beschritten werden. Die Richtungspfeile und Warnlichter des Handbuchs geben die richtige Richtung an zu dem Ziel, das Paul Gerhardt ersehnt hat (337): \u201eLass mich, lass mich hingelangen, da du mich, und ich dich, leiblich werd umfangen.\u201c Die \u00f6fters zitierten Liedstrophen zeigen, dass Karl Baral, der sich viel M\u00fche macht um die original-christliche Lehre, als Gemeindepfarrer im gottesdienstlichen Leben verwurzelt ist.<\/p>\n<p><em>Pfr. Dr. Tobias Ei\u00dfler, Gunzenhausen, 2010<\/em><\/p>\n<p><em>Baral, Karl, Handbuch\u00a0der biblischen Glaubenslehre, 3. Auflage, VTR, N\u00fcrnberg, 2010, 410 Seiten, 24,95 \u20ac, ISBN: 978-3-941750-34-0.<\/em><\/p>\n<p><em>Um das &#8222;Handbuch\u00a0der biblischen Glaubenslehre&#8220; zu bestellen, bitte <\/em><a href=\"http:\/\/www.vtr-online.de\/\"><em>hier weiterklicken<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richtungspfeile und Warnlichter Ein \u00dcberblick \u00fcber die dritte Auflage von Karl Barals \u201eHandbuch der biblischen Glaubenslehre\u201c (VTR, N\u00fcrnberg, 2010) Eine allgemeinverst\u00e4ndliche, kurz gefasste Glaubenslehre hat Karl Baral, w\u00fcrttembergischer Gemeindepfarrer im Schwarzwald, schon w\u00e4hrend seines Studiums vermisst. Und zwar eine solche, die biblisch gegr\u00fcndet ist und auf aktuelle Herausforderungen eingeht. 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