{"id":5480,"date":"2010-11-23T00:05:38","date_gmt":"2010-11-22T22:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5480"},"modified":"2010-11-23T00:08:34","modified_gmt":"2010-11-22T22:08:34","slug":"predigt-mahnung-zur-geduld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5480","title":{"rendered":"Predigt: Mahnung zur Geduld"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pastor Jens Motschmann<br \/>\nAdventspredigt \u00fcber Jakobus 5, 7 &#8211; 8<br \/>\nThema: Mahnung zur Geduld<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a07 So seid nun geduldig, liebe Br\u00fcder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen. 8 Seid auch ihr geduldig und st\u00e4rkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Advent hat mit Warten und Ankunft zu tun. Und zu jedem Warten geh\u00f6rt auch immer die Geduld. Und darum h\u00f6ren wir heute: \u201eSo seid nun geduldig &#8230; bis auf den Tag, da der Herr kommt.\u201c Jakobus f\u00fchrt uns hier mitten hinein in eine ganz zentrale Glaubensaussage, die wir Sonntag f\u00fcr Sonntag aussprechen mit den Worten des Glaubensbekenntnisses: \u201eEr \u2013 Jesus Christus &#8211; sitzt zur Rechten Gottes, des allm\u00e4chtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.\u201c Am Advent liegt der Akzent auf dieser Hoffnung, auf dieser Erwartung seines Kommens.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ist das mit dem Warten bei uns? Gehe ich zu weit, wenn ich sage: niemand von uns lebt v\u00f6llig ohne Erwartung? Ja, ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Niemand von uns kann ohne Erwartung leben. Wenn wir nichts mehr von uns und f\u00fcr uns, von anderen und f\u00fcr andere erwarten w\u00fcrden, dann h\u00e4tten wir mit dem Leben abgeschlossen. Man kann geradezu sagen: Worauf du wartest, das bestimmt dein Leben. Je weniger Aussichten wir haben, desto aussichtsloser unser Leben. Je mehr Hoffnungen wir haben, desto zuversichtlicher blicken wir in die Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Worauf du wartest, bestimmt dein Leben. Gestern Abend sah ich im Fernsehen ein Interview mit einem ber\u00fchmten Dirigenten\u00a0 nserer Zeit: Nikolaus Harnoncourt, der heute am 6. Dezember 2009 seinen 80. Geburtstag feierte. Er berichtete, wie er als Kind mit einer Grippe im Bett lag. Die Mutter hatte ihm ein kleines Radio ans Bett gestellt, damit er sich die Zeit etwas vertreiben sollte. Da h\u00f6rte er zuf\u00e4llig die 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven. In diesem Augenblick fasste er den Entschluss: \u201eIch muss Musiker werden und in einem gro\u00dfen Orchester mitspielen.\u201c Bis dahin war es noch ein weiter Weg, aber von nun an tat er alles, um sich darauf vorzubereiten. Dieses Ziel, dieser Wunsch bestimmte von nun an sein Leben. Worauf du wartest, bestimmt dein Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist in der Adventszeit &#8211; genauer an der Adventsbotschaft &#8211; dieser Gedanke der wichtigste: Christus wird kommen, um diese Welt und auch mein Leben zu vollenden, ihm den Schlu\u00dfpunkt zu geben, der dann auch dahin geh\u00f6rt, wohin er ihn setzen wird. Aber eben das ist die Frage: Warte ich darauf, stelle ich mich darauf ein, dass er zu mir kommen will, dass unter seinem Wort und in seinem Geist in mein Leben etwas hineinkommt, das ich mir selbst nicht geben kann? Dass es dadurch M\u00f6glichkeiten gibt, die ich jetzt noch gar nicht erkennen kann? Wer darauf wartet, f\u00fcr den kann es niemals aussichtslose Situationen geben. Denn der Glaubende wei\u00df, dass sein Leben offen ist &#8211; offen zu Gott hin und dass es letztlich von daher gestaltet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem unserer sch\u00f6nen Chor\u00e4le hei\u00dft es darum sehr richtig: \u201eEs kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir selig ist.\u201c Wenn wir das doch wirklich glauben k\u00f6nnten! Wir w\u00fcrden ganz anders dastehen. Wir w\u00fcrden uns ganz anders gehalten und getragen wissen. Wir w\u00fcrden viel zuversichtlicher in die Zukunft schauen. Und genau dazu m\u00f6chte uns Jakobus ermutigen. Lassen Sie uns darum diesen Text jetzt ein wenig genauer betrachten. Es sind ja nur zwei kleine Verse. Aber sie bringen in ihrer Weise zum Ausdruck, was eigentlich ein Christenleben ausmacht. Der Text enth\u00e4lt eine Behauptung, eine Aufforderung und einen Vergleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Worin besteht die Behauptung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweimal taucht hier ein sehr markanter Begriff auf: im griechischen Urtext steht hier das Wort parusia &#8211; griechisch Advent; zu deutsch: Ankunft, Kommen des Herrn. parusia &#8211; das Wort d\u00fcrfen wir nicht falsch verstehen. Es meint eben gerade nicht die Vertr\u00f6stung auf den Sankt Nimmerleinstag, sondern dahinter steht die Gewissheit: Wir haben Christus als den in der Vergangenheit Gekommenen. Wir glauben an ihn als den Gegenw\u00e4rtigen. Und wir hoffen auf ihn als den Kommenden. Parusie: Wir warten auf den Gekommenen. Darum geht es im christlichen Glauben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitunter kann man allerdings den Eindruck gewinnen, dass es in der Kirche um ganz andere Erwartungen geht. Es gibt da gewisse kirchliche Gruppierungen, die ein unglaubliches Talent entwickelt haben, ganz bestimmte politische Erwartungen an die biblische Botschaft heranzutragen und mit ihr zu vermengen. Oder da gibt es die feministische Erwartung, dass durch eine Verweiblichung der biblischen Botschaft diese Botschaft attraktiver werden k\u00f6nnte. Das ist nicht die Botschaft der Bibel. Das ist nicht die Botschaft des Jakobus. Das ist das glatte Gegenteil von dem, was uns der Begriff Parusie signalisiert. Er zielt ab auf die Verk\u00fcndigung des gekommenen und wiederkommenden Herrn. Das ist es, worum es im christlichen Glauben geht: dass es Tag werden wird \u00fcber dieser Welt, \u00fcber allem Finsteren, \u00fcber den Weltkonflikten, \u00fcber allem Unrecht und Elend. Deswegen k\u00f6nnen wir zuversichtlicher und froher als andere sein, deswegen k\u00f6nnen wir mit Hoffnung in die Zukunft sehen. Das also meint Jakobus als erstes: die Behauptung, dass Gott in Christus kommt. Dem entspricht nun eine Aufforderung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Worin besteht die Aufforderung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist die Aufforderung zur Geduld. Dreimal begegnet uns in diesem Text das Wort \u201egeduldig\u201c. Nicht passives Erdulden ist gemeint, sondern diese gespannte Erwartung, die den langen Atem hat, etwas reifen zu lassen. makrothymia lautet das griechische Wort, das hier steht. Man k\u00f6nnte es \u00fcbersetzen mit \u201clangen Atem\u201c oder mit \u201eLangmut\u201c. Wir reagieren meist ziemlich kurzatmig auf unsere Umgebung und auf unsere Umwelt: Wer kennt das nicht, den Kummer mit einem der Kinder, das aus der Art schl\u00e4gt? Dann hei\u00dft es: aus dem wird nie etwas Rechtes. Wer kennt nicht den Kummer mitten in einer Ehekrise? Wie schnell denken die Betroffenen: da kann man nichts mehr machen. Also Trennung und Scheidung. Wer kennt nicht den Kummer mit der Kirche? Da geht ja in der Tat in manchen Gemeinden manches drunter und dr\u00fcber. Darum geh\u00f6rt diese Mahnung \u201eseid geduldig!\u201c \u00fcber jedes Leben, \u00fcber jede Gemeinschaft. \u00dcber jede Familie: seid geduldig, wenn Spannungen ausgehalten werden m\u00fcssen. \u00dcber jede Ehe: seid geduldig, wenn der andere die Dinge anders sieht als ich sie sehe. \u00dcber jeden Arbeitsplatz, aber auch \u00fcber jede Gemeinde sollten wir im Geist diese Mahnung setzen: Seid geduldig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben wir diesen Geist christlicher Langmut und Geduld &#8211; oder neigen wir eher zum Gegenteil? Das Gegenteil hat zwei Gesichter, so wie die zwei Seiten ein- und derselben Medaille: entweder Aggressivit\u00e4t aus Ungeduld oder Anpassung aus Resignation. Wenn wir als christliche Gemeinde davon angesteckt werden, dann geht zwar nicht die Kirche unter, aber ein Glied an ihr, an diesem Leib, beginnt abzusterben. Aggressive Ungeduld mit unseren Mitmenschen oder Anpassung an das, was man so sagt und tut &#8211; beides ist das reine Gift. Davor will uns Jakobus warnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum seid geduldig! Atmet kr\u00e4ftig durch! St\u00e4rkt eure Herzen! &#8211; nicht nur mit den Mitteln aus der Apotheke und dem Reformhaus! Andernfalls steht ihr in der Gefahr, dass ihr durchdreht und dass Zukunftsangst \u00fcber euch kommt. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen immer weniger die technischen, wirtschaftlichen und soziologischen Prozesse, von denen sie abh\u00e4ngen, durchschauen, da \u00fcberkommt sie das Gef\u00fchl, von dunklen M\u00e4chten eingekreist zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Albert Einstein, der gro\u00dfe Physiker und Nobelpreistr\u00e4ger, hat das Lebensgef\u00fchl vieler Menschen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">unseres Zeitalters und unseres Kulturkreises treffend charakterisiert, indem er sagte: \u201cWir leben in einer Zeit vollkommener Mittel und verworrener Ziele.\u201c Darum eilen immer neue Sinnvermittler auf den Plan, bieten ihre Hilfe an. Aber sie verwirren erst recht die Gem\u00fcter. Man denke nur an die Hochkonjunktur der sogenannten esoterischen Literatur. In den meisten Buchhandlungen findet man kaum noch christliche Literatur. Aber Esoterik ist in aller Regel gut sortiert vertreten. In unseren Gro\u00dfst\u00e4dten finden immer h\u00e4ufiger Esoterik- Veranstaltungen statt. Da geht es um Reinkarnation und Karma, um das Einswerden mit kosmischen Energien, um eine neue Weltschau mit Hilfe der Astrologie und so weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was sagen wir \u00fcber die Zukunft? Christen wissen zwar nicht, was auf sie im einzelnen zukommt, aber sie wissen, wer auf sie zukommt. Wir leben als Menschheit zwischen den beiden gewaltigen Ereignissen: \u201eDer Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden\u201c &#8211; und dem anderen: \u201eDieser Jesus wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.\u201c Jeder Tag bringt uns dem Ziel Gottes n\u00e4her. Mag in unserer kleinen und erst recht in der gro\u00dfen Welt manches au\u00dfer Rand und Band sein, so halten wir uns ganz schlicht an die Tatsache, dass in dieser Welt, auch in unserem Volk, die Gemeinde des Auferstandenen lebt. Und diese Gemeinde wei\u00df: Gott kommt zum Ziel. Und keine Macht der Welt kann sein Konzept verderben. Das ist der biblische Realismus, der uns davor bewahrt, dass wir zum Spielball von Sehns\u00fcchten und \u00c4ngste werden. Nochmals: Langmut brauchen wir, den langen Atem, der Gott wirken l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Und damit kommen wir abschlie\u00dfend zu einem Vergleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jakobus vergleicht das Warten auf den Herrn mit dem Warten eines Landmannes auf das Aufgehen der Saat. Mit diesem Bild aus der Landwirtschaft will er sagen: Es ist ja auch sonst im Leben oftmals so, da man warten muss und zun\u00e4chst nichts, aber auch gar nichts sieht von dem, was man erhofft. Man hat zum Beispiel ges\u00e4t. Dann sieht man wochenlang nichts. Man kann sich zwar vorstellen, was da kommen soll, aber man sieht nichts. Es muss erst regnen. Dann gehen wieder Wochen hin. Dann muss die Sonne scheinen und die Erde w\u00e4rmen. Und es muss nochmals regnen &#8211; und dann endlich kommt etwas: \u201eSiehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam, fast unmerklich w\u00e4chst die Frucht heran und somit kommt die Ernte mit jedem Tag n\u00e4her. Warum kann der Landwirt so gelassen warten auf das Kommen der Frucht und der Ernte? Weil er den Boden rechtzeitig bereitet und die Saat eingelegt hat. Haben auch wir den Boden bereitet, dass die Saat Gottes auf dem Acker dieser Welt und in unserem Leben aufgehen und Frucht bringen kann? Oder haben wir hier etwas Wesentliches vers\u00e4umt? Der alte Reichskanzler Otto von Bismarck hat gegen Ende seines Lebens kurz nach seiner Entlassung zu seinem alten Freund Keyserling gesagt: Er sei w\u00e4hrend der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Arbeit und K\u00e4mpfe seiner letzten Amtsjahre als Kanzler Gott fernger\u00fcckt &#8211; um freilich sogleich hinzuzuf\u00fcgen: Er habe Gott gebeten, ihn nicht von der Erde zu nehmen, ohne dass Christus wieder neu und ganz in sein Leben gekommen sei. Darum bitte er und darauf warte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Advent bedeutet warten, genauer: sich wartend vorbereiten auf das Kommen des Herrn. Wir haben gesehen, selbst die Sch\u00f6pfung lehrt uns das Warten: Die Erde wartet. Der Samen wartet. Die Kreatur wartet. Die Mutter wartet. Der Kranke wartet. Der Gesunde wartet. Und auch die Gemeinde Gottes ist nichts anderes als eine Gemeinde der Wartenden. \u201cDie Welt lebt von den Wartenden\u201c, so hat der Schriftsteller Willy Kramp einmal in einer Adventsbetrachtung geschrieben. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es kommt ja darauf an, worauf sich das Warten bezieht. Manche warten am Ende nur noch auf den Tod. Wir aber warten auf das Leben, auf den, der dieses Leben gibt und es zu uns bringt. Und darum sagen wir: Die Welt lebt von dem Erwarteten. Das ist Jesus Christus. Ihn loben und preisen und ihm danken wir &#8211; auch mit diesem Gottesdienst. \u201eSeht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht\u201c &#8211; spricht Christus, unser Herr (Lukas 21,28). Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pastor Jens Motschmann Adventspredigt \u00fcber Jakobus 5, 7 &#8211; 8 Thema: Mahnung zur Geduld \u00a07 So seid nun geduldig, liebe Br\u00fcder, bis zum Kommen des Herrn. 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