{"id":5393,"date":"2010-11-11T12:13:04","date_gmt":"2010-11-11T10:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5393"},"modified":"2010-11-11T12:16:02","modified_gmt":"2010-11-11T10:16:02","slug":"rezension-kirche-homosexualitat-und-politik-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5393","title":{"rendered":"Rezension: Kirche, Homosexualit\u00e4t und Politik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Rezension zu Klaus Baschang, &#8222;Kirche, Homosexualit\u00e4t und Politik &#8211; Eine theologische Argumentationshilfe aus besonderem Anlass&#8220; (Idea-Dokumentation 3\/2010)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201ebesondere Anlass\u201c der \u201etheologischen Argumentationshilfe\u201c von Klaus Baschang ist die geplante einheitliche kirchengesetzliche Regelung der Dienstverh\u00e4ltnisse von Pfarrerinnen und Pfarrern innerhalb der EKD. Sie wird angestrebt, weil bei allem Respekt vor der landeskirchlichen Selbst\u00e4ndigkeit sehr viel mehr gemeinsam geregelt werden kann, als das bisher der Fall ist. In diesem Zusammenhang verdient auch der wichtige Problembereich \u201eEhe und Familie\u201c erneute Aufmerksamkeit. Denn in diesem haben sich die Regelungen in den Gliedkirchen seit dem Jahr 1996 in sehr verschiedene Richtungen hin entwickelt.<!--more-->\u00a0Der Rat der EKD ver\u00f6ffentlichte damals seine \u201eOrientierungshilfe\u201c zum Thema \u201eHomosexualit\u00e4t und Kirche\u201c (\u201eMit Spannungen leben\u201c), um die gew\u00fcnschte Kompatibilit\u00e4t zu sichern. Sie hielt an der biblischen Grundlinie fest, nach der Homosexualit\u00e4t keine von Gott gesegnete Lebensform sein kann. Einen staatlich privilegierten Sonderstatus \u00e4hnlich dem verfassungsrechtlich gesch\u00fctzten Status von Ehe und Familie lehnte der Rat der EKD ab und riet zu privatrechtlichen Regelungen. Trauung oder Segnung von homosexuellen Verbindungen durften nicht sein, vielmehr sollte seelsorgerliche Begleitung homosexuellen Gemeindegliedern dazu helfen, ein der Ehe analoges verantwortliches Zusammenleben zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon bald haben jedoch viele Landeskirchen ohne R\u00fccksicht auf die Orientierungshilfe gegens\u00e4tzliche Regelungen getroffen, sowohl was die Zulassung einer Segnung einer\u00a0 Verbindung von Homosexuellen als auch deren Anstellung im Pfarrdienst samt dem gemeinsamem Wohnrecht im Pfarrhaus betrifft. Die so entstandene \u201eDesorientierung\u201c f\u00fchrte zu einer die Kr\u00e4fte l\u00e4hmenden Polarisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn diese Notsituation \u00fcberwunden und einer neuen geistlich begr\u00fcndeten Ordnung weichen soll, ist eine neue Gespr\u00e4chsrunde innerhalb der EKD geboten, und dar\u00fcber hinaus eine grunds\u00e4tzliche sexualethische Neubesinnung. Die Kirche muss dabei \u00fcber die binnenkirchliche Problematik hinaus wahrnehmen, was in der kulturellen und politischen Umgebung in Fragen der Homosexualit\u00e4t geschieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Baschang zeigt das in den verschiedenen Feldern auf und \u00f6ffnet mit eindr\u00fccklichen Beispielen die Augen. Da ist die politische Homosexuellenbewegung, die unter dem Leitbegriff der \u201esexuellen Befreiung\u201c f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Gleichstellung mit Heterosexuellen k\u00e4mpft. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Ehe- und Familienrechte. Der Genderismus erweitert die v\u00f6llige Gleichstellungsforderung inzwischen f\u00fcr die Bi-Multi und Transsexuellen. Dies geschieht mit allen Mitteln der Propaganda bis zur medialen Gehirnw\u00e4sche, massivem politischen Druck, der rigorosen Bek\u00e4mpfung Andersdenkender, der Kriminalisierung und Pathologisierung der \u201eFeinde\u201c (Homohasser, Homophobie) und den Versuchen, sie endg\u00fcltig zum Schweigen zu bringen. Das aber f\u00fchrt zur Gef\u00e4hrdung der Grundrechte, der Freiheit des Gewissens, der Meinung und der Forschung. Ein zunehmender Totalitarismus infiziert inzwischen Medienlandschaft und Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es zeigt sich, dass den Betroffenen damit nicht geholfen ist. Deren gesundheitliche und psychische Gef\u00e4hrdung, die betr\u00e4chtlich ist und u.a. zu einem vierfach gr\u00f6\u00dferen Suizidrisiko f\u00fchrt, wird verschwiegen. Das angeblich allein m\u00f6gliche \u201eOuting\u201c als Weg zur Befreiung verfestigt die psychische Situation und f\u00fchrt zur menschenverachtenden Selbstdarstellung beim CSD und den verschiedenen Protestaktionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu kommt die Gef\u00e4hrdung der Zivilisation durch neue Barbarei. Sie zeigt sich im manipulativen Sprachverhalten, der Verwirrung der Geschlechterdualit\u00e4t, der Fr\u00fchsexuali\u00adsierung der Jugend und der Neuerfindung des Menschen. All das bedroht unsere Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Widerstandswille gegen die Bedrohung ist nur schwach. Auch in den Kirchen \u2013 bis in die Leitungsgremien und die F\u00fchrungsspitzen \u2013 \u00fcbt man sich viel zu oft in Wegschauen und Verschweigen, Nichtwissen und Nichtwissenwollen. Daf\u00fcr beugen sich viel zu viele dem zunehmenden Anpassungsdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Baschang reagiert auf diese Entwicklung und zeigt Wege, wie die evangelische Kirche ihrem Auftrag gerecht wird und auch ihren homophil gepr\u00e4gten Gliedern helfen kann.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er widmet einen gewichtigen Abschnitt den \u201eBiblisch-theologischen Kl\u00e4rungen\u201c. Sie beginnen mit der Erkl\u00e4rung, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Daran \u00e4ndert sich nichts, auch wenn die Gottesebenbildlichkeit des Menschen im Gegen\u00fcber von Mann und Frau in ihrem gemeinsamen Gegen\u00fcber zu Gott eine sichtbare Struktur hat. Auf diese Weise will Gott seine Sch\u00f6pfung erhalten. Sie ist Ursprung der Mitmenschlichkeit und bedarf der besonderen F\u00fcrsorge der Kirche und des Staates \u2013 um seiner selbst und seiner Zukunft willen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist der Grund f\u00fcr die negative Bewertung der homosexueller Praxis in der Bibel. Die verschiedenen Versuche, dies durch exegetische Kunstgriffe zu entsch\u00e4rfen, werden entschieden zur\u00fcckgewiesen. Die Kirche darf die Bibel nicht zurechtbiegen und verk\u00fcrzen wie es ihr passt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Hilfe denkt Baschang an die nachgehende Seelsorge. Jede Ausgrenzung und Verachtung von homophilen Gemeindegliedern wird zur\u00fcckgewiesen. Hingewiesen wird auf l\u00e4ngst bekannte und erprobte wissenschaftlich begr\u00fcndete Wege, Betroffenen, die unter ihrer homophilen Pr\u00e4gung leiden, zu zeigen, wie sie zu ihrem wirklichen Mann-bzw Frausein zur\u00fcckfinden k\u00f6nnen. Er nennt das Deutsche Institut f\u00fcr Jugend und Gesellschaft in Reichelsheim, das forscht und informiert und Einrichtungen wie W\u00fcstenstrom und das Wei\u00dfe Kreuz, die solche Hilfen anbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine wichtige Aufgabe der Kirche besteht jedoch in der Wahrnehmung der politischen Verantwortung. Dazu geh\u00f6rt das Einwirken auf gesetzliche Bestimmungen wie das Adoptionsrecht und die Sexualerziehung. Das Elternrecht f\u00fcr die religi\u00f6se und sittliche Erziehung der eigenen Kinder darf nicht angetastet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor allem aber hat die Kirche in ihrem eigenen Hause Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Das gilt f\u00fcr die Vorbilderwartung, die den Pfarrern und Pfarrerinnen entgegengebracht wird. Schlie\u00dflich gilt das f\u00fcr die geplante Neuregelung ihrer Dienstverh\u00e4ltnisse. Es darf nicht sein, dass hier mit undeutlichen Formulierungen neben dem \u201eLeitbild Ehe und Familie\u201c von \u201eVerbindlichkeit, Verl\u00e4sslichkeit und gegenseitige Verantwortung f\u00fcr das Zusammenleben\u201c als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Anstellungsf\u00e4higkeit die Rede ist, die sich dann \u2013 ohne dass dies im Text ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wird \u2013 auch auf andere \u201eLebensformen\u201c \u00fcbertragen l\u00e4sst. Die \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen Notsituation ist mit solchen Kunstst\u00fccken nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klaus Baschang beschlie\u00dft die Dokumentation mit zwei Texten von Dietrich Bonhoeffer, die zeigen, in welchem Zusammenhang die gegenw\u00e4rtige Herausforderung gesehen werden muss, will man ihr gerecht werden. Das eine ist \u201eDas Schuldbekenntnis\u201c (1940) f\u00fcr das Schweigen der Kirche zur Aufl\u00f6sung aller Ordnung und der Proklamation der geschlechtlichen Z\u00fcgellosigkeit. Sie macht sich damit schuldig an der Reinheit und Gesundheit der Jugend, der sie die Zugeh\u00f6rigkeit unseres Leibes zum Leib Christi nicht verk\u00fcndigt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Text aus Widerstand und Ergebung\u201c (1943) weist auf \u201edie Maskerade des B\u00f6sen\u201c hin, die Gut und B\u00f6se verkehrt, die ethische Begriffswelt verwirrt und so \u201egerade die Best\u00e4tigung der abgr\u00fcndigen Bosheit des B\u00f6sen\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dokumentation von Klaus Baschang ist es wert, von allen, die Verantwortung in unserer Kirche haben, eingehend studiert und diskutiert zu werden. Besser die bitter schmeckende Wahrheit als die s\u00fc\u00dfe Illusion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hans Lachenmann, KR i.R.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die ideaDokumentation \u201cKirche, Homosexualit\u00e4t und Politik\u201d,\u00a0kann bei idea-Spektrum, Postfach 18 20, 35528 Wetzlar, Tel.: <\/em>06441 \u2013 915-0, <a href=\"mailto:idea@idea.de\">idea@idea.de<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.idea.de\/\"><em>www.idea.de<\/em><\/a><em> bestellt werden.<\/em><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rezension zu Klaus Baschang, &#8222;Kirche, Homosexualit\u00e4t und Politik &#8211; Eine theologische Argumentationshilfe aus besonderem Anlass&#8220; (Idea-Dokumentation 3\/2010) Der \u201ebesondere Anlass\u201c der \u201etheologischen Argumentationshilfe\u201c von Klaus Baschang ist die geplante einheitliche kirchengesetzliche Regelung der Dienstverh\u00e4ltnisse von Pfarrerinnen und Pfarrern innerhalb der EKD. 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