{"id":5313,"date":"2010-10-31T11:52:21","date_gmt":"2010-10-31T09:52:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5313"},"modified":"2010-11-01T12:59:28","modified_gmt":"2010-11-01T10:59:28","slug":"dr-martin-luthers-95-thesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5313","title":{"rendered":"Dr. Martin Luthers 95 Thesen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dr. Martin Luthers 95 Thesen<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergr\u00fcnden, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrw\u00fcrdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien K\u00fcnste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, \u00fcber die folgenden S\u00e4tze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und m\u00fcndlich mit uns debattieren k\u00f6nnen, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.<!--more-->\u00a02. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: &#8222;Tut Bu\u00dfe&#8220; usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, da\u00df das ganze Leben der Gl\u00e4ubigen Bu\u00dfe sein soll.<\/p>\n<div class=\"mceTemp\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:95Thesen2390.JPG&amp;filetimestamp=20091202115653\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" title=\"thesentuer_wittenberg\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/thesentuer_wittenberg.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"252\" \/><\/a><br \/>\n3. Dieses Wort kann nicht von der Bu\u00dfe als Sakrament &#8211; d. h. von der Beichte und Genugtuung, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.\u00a0<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Bu\u00dfe, ja eine solche w\u00e4re gar keine, wenn sie nicht nach au\u00dfen mancherlei Werke zur Abt\u00f6tung des Fleisches bewirkte.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Daher bleibt die Strafe, solange der Ha\u00df gegen sich selbst &#8211; das ist die wahre Herzensbu\u00dfe &#8211; bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Thesent\u00fcr der Wittenberger Schlosskirche<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>6. Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, au\u00dfer solchen, die er auf Grund seiner eigenen Entscheidung oder der der kirchlichen Satzungen auferlegt hat.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, da\u00df er sie als von Gott erlassen erkl\u00e4rt und bezeugt, nat\u00fcrlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen F\u00e4llen erlassen; wollte man das geringachten, bliebe die Schuld ganz und gar bestehen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. Gott erl\u00e4\u00dft \u00fcberhaupt keinem die Schuld, ohne ihn zugleich dem\u00fctig in allem dem Priester, seinem Stellvertreter, zu unterwerfen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. Die kirchlichen Bestimmungen \u00fcber die Bu\u00dfe sind nur f\u00fcr die Lebenden verbindlich, den Sterbenden darf demgem\u00e4\u00df nichts auferlegt werden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst wirkt, uns gegen\u00fcber gut, wenn er in seinen Erlassen immer den Fall des Todes und der h\u00f6chsten Not ausnimmt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11. Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester, die den Sterbenden kirchliche Bu\u00dfen f\u00fcr das Fegefeuer aufsparen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12. Die Meinung, da\u00df eine kirchliche Bu\u00dfstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden k\u00f6nne, ist ein Unkraut, das offenbar ges\u00e4t worden ist, w\u00e4hrend die Bisch\u00f6fe schliefen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13. Fr\u00fcher wurden die kirchlichen Bu\u00dfstrafen nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt, gleichsam als Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Aufrichtigkeit der Reue.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14. Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gel\u00f6st, und f\u00fcr die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15. Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe (Gott gegen\u00fcber) unvollkommen, so bringt ihm das notwendig gro\u00dfe Furcht, und diese ist um so gr\u00f6\u00dfer, je geringer jene ist.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16. Diese Furcht und dieser Schrecken gen\u00fcgen f\u00fcr sich allein &#8211; um von anderem zu schweigen -, die Pein des Fegefeuers auszumachen; denn sie kommen dem Grauen der Verzweiflung ganz nahe.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17. Es scheinen sich demnach H\u00f6lle, Fegefeuer und Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden wie Verzweiflung, ann\u00e4hernde Verzweiflung und Sicherheit.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18. Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung der Liebe genauso n\u00f6tig wie eine Minderung des Grauens.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19. Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgr\u00fcnde erwiesen, da\u00df sie sich au\u00dferhalb des Zustandes befinden, in dem sie Verdienste erwerben k\u00f6nnen oder in dem die Liebe zunehmen kann.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20. Offenbar ist auch dieses nicht erwiesen, da\u00df sie &#8211; wenigstens nicht alle &#8211; ihrer Seligkeit sicher und gewi\u00df sind, wenngleich wir ihrer v\u00f6llig sicher sind.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21. Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erla\u00df aller Strafen nicht einfach den Erla\u00df s\u00e4mtlicher Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt hat.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22. Deshalb irren jene Abla\u00dfprediger, die sagen, da\u00df durch die Abl\u00e4sse des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23. Vielmehr erl\u00e4\u00dft er den Seelen im Fegefeuer keine einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen in diesem Leben h\u00e4tten abb\u00fc\u00dfen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24. Wenn \u00fcberhaupt irgendwem irgendein Erla\u00df aller Strafen gew\u00e4hrt werden kann, dann gewi\u00df allein den Vollkommensten, das hei\u00dft aber, ganz wenigen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">25. Deswegen wird zwangsl\u00e4ufig ein Gro\u00dfteil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und gro\u00dfsprecherisch gegebene Versprechen des Straferlasses get\u00e4uscht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">26. Die gleiche Macht, die der Papst bez\u00fcglich des Fegefeuers im allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Bistum bzw. seinem Pfarrbezirk im besonderen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27. Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen (im Fegefeuer) die Vergebung nicht auf Grund seiner &#8211; ihm daf\u00fcr nicht zur Verf\u00fcgung stehenden &#8211; Schl\u00fcsselgewalt, sondern auf dem Wege der F\u00fcrbitte zuzuwenden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28. Menschenlehre verk\u00fcndigen die, die sagen, da\u00df die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald das Geld im Kasten klingt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">29. Gewi\u00df, sobald das Geld im Kasten klingt, k\u00f6nnen Gewinn und Habgier wachsen, aber die F\u00fcrbitte der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30. Wer wei\u00df denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft werden wollen, wie es beispielsweise beim heiligen Severin und Paschalis nicht der Fall gewesen sein soll.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">31. Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewi\u00df, viel weniger, ob er v\u00f6lligen Erla\u00df (der S\u00fcndenstrafe) erlangt hat.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">32. So selten einer in rechter Weise Bu\u00dfe tut, so selten kauft einer in der rechten Weise Abla\u00df, n\u00e4mlich au\u00dferordentlich selten.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">33. Wer glaubt, durch einen Abla\u00dfbrief seines Heils gewi\u00df sein zu k\u00f6nnen, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">34. Nicht genug kann man sich vor denen h\u00fcten, die den Abla\u00df des Papstes jene unsch\u00e4tzbare Gabe Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott vers\u00f6hnt werde.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">35. Jene Abla\u00dfgnaden beziehen sich n\u00e4mlich nur auf die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen Genugtuung.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">36. Nicht christlich predigen die, die lehren, da\u00df f\u00fcr die, die Seelen (aus dem Fegefeuer) loskaufen oder Beichtbriefe erwerben, Reue nicht n\u00f6tig sei.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">37. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf v\u00f6lligen Erla\u00df von Strafe und Schuld, auch ohne Abla\u00dfbrief.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">38. Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat Anteil an allen G\u00fctern Christi und der Kirche, von Gott ihm auch ohne Abla\u00dfbrief gegeben.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">39. Doch d\u00fcrfen der Erla\u00df und der Anteil (an den genannten G\u00fctern), die der Papst vermittelt, keineswegs geringgeachtet werden, weil sie &#8211; wie ich schon sagte &#8211; die Erkl\u00e4rung der g\u00f6ttlichen Vergebung darstellen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">40. Auch den gelehrtesten Theologen d\u00fcrfte es sehr schwerfallen, vor dem Volk zugleich die F\u00fclle der Abl\u00e4sse und die Aufrichtigkeit der Reue zu r\u00fchmen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">41. Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die F\u00fclle der Abl\u00e4sse aber macht gleichg\u00fcltig und lehrt sie hassen, wenigstens legt sie das nahe.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">42. Nur mit Vorsicht darf der apostolische Abla\u00df gepredigt werden, damit das Volk nicht f\u00e4lschlicherweise meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">43. Man soll die Christen lehren: Die Meinung des Papstes ist es nicht, da\u00df der Erwerb von Abla\u00df in irgendeiner Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">44. Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bed\u00fcrftigen zu leihen ist besser, als Abla\u00df zu kaufen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">45. Denn durch ein Werk der Liebe w\u00e4chst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Abla\u00df wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">46. Man soll die Christen lehren: Wer einen Bed\u00fcrftigen sieht, ihn \u00fcbergeht und statt dessen f\u00fcr den Abla\u00df gibt, kauft nicht den Abla\u00df des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">47. Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im \u00dcberflu\u00df leben, sollen das Lebensnotwendige f\u00fcr ihr Hauswesen behalten und keinesfalls f\u00fcr den Abla\u00df verschwenden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">48. Man soll die Christen lehren: Der Kauf von Abla\u00df ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht geboten.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">49. Man soll die Christen lehren: Der Papst hat bei der Erteilung von Abla\u00df ein f\u00fcr ihn dargebrachtes Gebet n\u00f6tiger und w\u00fcnscht es deshalb auch mehr als zur Verf\u00fcgung gestelltes Geld.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">50. Man soll die Christen lehren: Der Abla\u00df des Papstes ist n\u00fctzlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf setzt, aber sehr sch\u00e4dlich, falls man dar\u00fcber die Furcht Gottes fahrenl\u00e4\u00dft.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">51. Man soll die Christen lehren: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Abla\u00dfprediger w\u00fc\u00dfte, s\u00e4he er lieber die Peterskirche in Asche sinken, als da\u00df sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">52. Man soll die Christen lehren: Der Papst w\u00e4re, wie es seine Pflicht ist, bereit &#8211; wenn n\u00f6tig -, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde einem gro\u00dfen Teil jener zu geben, denen gewisse Abla\u00dfprediger das Geld aus der Tasche holen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">53. Auf Grund eines Abla\u00dfbriefes das Heil zu erwarten ist eitel, auch wenn der (Abla\u00df-)Kommissar, ja der Papst selbst ihre Seelen daf\u00fcr verpf\u00e4ndeten.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">54. Die anordnen, da\u00df um der Abla\u00dfpredigt willen das Wort Gottes in den umliegenden Kirchen v\u00f6llig zum Schweigen komme, sind Feinde Christi und des Papstes.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">55. Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Abla\u00df die gleiche oder l\u00e4ngere Zeit verwendet wird als f\u00fcr jenes.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">56. Die Meinung des Papstes ist unbedingt die: Wenn der Abla\u00df &#8211; als das Geringste &#8211; mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, sollte das Evangelium &#8211; als das H\u00f6chste &#8211; mit hundert Glocken, hundert Prozessionen und hundert Gottesdiensten gepredigt werden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">57. Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Abla\u00df austeilt, ist bei dem Volke Christi weder gen\u00fcgend genannt noch bekannt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">58. Offenbar besteht er nicht in zeitlichen G\u00fctern, denn die w\u00fcrden viele von den Predigern nicht so leicht mit vollen H\u00e4nden austeilen, sondern blo\u00df sammeln.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">59. Er besteht aber auch nicht aus den Verdiensten Christi und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst Gnade f\u00fcr den inwendigen Menschen sowie Kreuz, Tod und H\u00f6lle f\u00fcr den \u00e4u\u00dferen bewirken.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">60. Der heilige Laurentius hat gesagt, da\u00df der Schatz der Kirche ihre Armen seien, aber die Verwendung dieses Begriffes entsprach der Auffassung seiner Zeit.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">61. Wohlbegr\u00fcndet sagen wird, da\u00df die Schl\u00fcssel der Kirche &#8211; die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt sind &#8211; jenen Schatz darstellen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">62. Selbstverst\u00e4ndlich gen\u00fcgt die Gewalt des Papstes allein zum Erla\u00df von Strafen und zur Vergebung in besondern, ihm vorbehaltenen F\u00e4llen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">63. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">64. Dieser ist zu Recht allgemein verha\u00dft, weil er aus Ersten Letzte macht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">65. Der Schatz des Ablasses jedoch ist zu Recht au\u00dferordentlich beliebt, weil er aus Letzten Erste macht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">66. Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit dem man einst die Besitzer von Reichtum fing.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">67. Der Schatz des Ablasses ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von Besitzenden f\u00e4ngt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">68. Der Abla\u00df, den die Abla\u00dfprediger lautstark als au\u00dferordentliche Gnaden anpreisen, kann tats\u00e4chlich daf\u00fcr gelten, was das gute Gesch\u00e4ft anbelangt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">69. Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringf\u00fcgig.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">70. Die Bisch\u00f6fe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">71. Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren anzustrengen, da\u00df jene nicht anstelle des p\u00e4pstlichen Auftrags ihre eigenen Phantastereien predigen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">72. Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">73. Aber wer gegen die Z\u00fcgellosigkeit und Frechheit der Worte der Abla\u00dfprediger auftritt, der sei gesegnet.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">74. Wie der Papst zu Recht seinen Bannstrahl gegen diejenigen schleudert, die hinsichtlich des Abla\u00dfgesch\u00e4ftes auf mannigfache Weise Betrug ersinnen,\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">75. So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">76. Es ist irrsinnig zu meinen, da\u00df der p\u00e4pstliche Abla\u00df m\u00e4chtig genug sei, einen Menschen loszusprechen, auch wenn er &#8211; was ja unm\u00f6glich ist &#8211; der Gottesgeb\u00e4rerin Gewalt angetan h\u00e4tte.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">77. Wir behaupten dagegen, da\u00df der p\u00e4pstliche Abla\u00df auch nicht die geringste l\u00e4\u00dfliche S\u00fcnde wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">78. Wenn es hei\u00dft, auch der heilige Petrus k\u00f6nnte, wenn er jetzt Papst w\u00e4re, keine gr\u00f6\u00dferen Gnaden austeilen, so ist das eine L\u00e4sterung des heiligen Petrus und des Papstes.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">79. Wir behaupten dagegen, da\u00df dieser wie jeder beliebige Papst gr\u00f6\u00dfere hat, n\u00e4mlich das Evangelium, &#8222;Geisteskr\u00e4fte und Gaben, gesund zu machen&#8220; usw., wie es 1. Kor. 12 hei\u00dft.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">80. Es ist Gottesl\u00e4sterung zu sagen, da\u00df das (in den Kirchen) an hervorragender Stelle errichtete (Abla\u00df-) Kreuz, das mit dem p\u00e4pstlichen Wappen versehen ist, dem Kreuz Christi gleichk\u00e4me.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">81. Bisch\u00f6fe, Pfarrer und Theologen, die dulden, da\u00df man dem Volk solche Predigt bietet, werden daf\u00fcr Rechenschaft ablegen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">82. Diese freche Abla\u00dfpredigt macht es auch gelehrten M\u00e4nnern nicht leicht, das Ansehen des Papstes vor b\u00f6swilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen Fragen der Laien zu sch\u00fctzen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">83. Zum Beispiel: Warum r\u00e4umt der Papst nicht das Fegefeuer aus um der heiligsten Liebe und h\u00f6chsten Not der Seelen willen &#8211; als aus einem wirklich triftigen Grund -, da er doch unz\u00e4hlige Seelen loskauft um des unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche willen &#8211; als aus einem sehr fadenscheinigen Grund -?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">84. Oder: Warum bleiben die Totenmessen sowie Jahrfeiern f\u00fcr die Verstorbenen bestehen, und warum gibt er (der Papst) nicht die Stiftungen, die daf\u00fcr gemacht worden sind, zur\u00fcck oder gestattet ihre R\u00fcckgabe,wenn es schon ein Unrecht ist, f\u00fcr die Losgekauften zu beten?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">85. Oder: Was ist das f\u00fcr eine neue Fr\u00f6mmigkeit vor Gott und dem Papst, da\u00df sie einem Gottlosen und Feinde erlauben, f\u00fcr sein Geld eine fromme und von Gott geliebte Seele loszukaufen; doch um der eigenen Not dieser frommen und geliebten Seele willen erl\u00f6sen sie diese nicht aus freigeschenkter Liebe?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">86. Oder: Warum werden die kirchlichen Bu\u00dfsatzungen, die &#8222;tats\u00e4chlich und durch Nichtgebrauch&#8220; an sich l\u00e4ngst abgeschafft und tot sind, doch noch immer durch die Gew\u00e4hrung von Abla\u00df mit Geld abgel\u00f6st, als w\u00e4ren sie h\u00f6chst lebendig?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">87. Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gl\u00e4ubigen?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">88. Oder: Was erl\u00e4\u00dft der Papst oder woran gibt er denen Anteil, die durch vollkommene Reue ein Anrecht haben auf v\u00f6lligen Erla\u00df und v\u00f6llige Teilhabe?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">89. Oder: Was k\u00f6nnte der Kirche Besseres geschehen, als wenn der Papst, wie er es (jetzt) einmal tut, hundertmal am Tage jedem Gl\u00e4ubigen diesen Erla\u00df und diese Teilhabe zukommen lie\u00dfe?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">90. Wieso sucht der Papst durch den Abla\u00df das Heil der Seelen mehr als das Geld; warum hebt er fr\u00fcher gew\u00e4hrte Briefe und Abl\u00e4sse jetzt auf, die doch ebenso wirksam sind?\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">91. Diese \u00e4u\u00dferst peinlichen Einw\u00e4nde der Laien nur mit Gewalt zu unterdr\u00fccken und nicht durch vern\u00fcnftige Gegenargumente zu beseitigen hei\u00dft, die Kirche und den Papst dem Gel\u00e4chter der Feinde auszusetzen und die Christenheit ungl\u00fccklich zu machen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">92. Wenn daher der Abla\u00df dem Geiste und der Auffassung des Papstes gem\u00e4\u00df gepredigt w\u00fcrde, l\u00f6sten sich diese (Einw\u00e4nde) alle ohne weiteres auf, ja es g\u00e4be sie \u00fcberhaupt nicht.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">93. Darum weg mit allen jenen Propheten, die den Christen predigen: &#8222;Friede, Friede&#8220;, und ist doch kein Friede.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">94. Wohl m\u00f6ge es gehen allen den Propheten, die den Christen predigen: &#8222;Kreuz, Kreuz&#8220;, und ist doch kein Kreuz. Man soll die Christen ermutigen, da\u00df sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und H\u00f6lle nachzufolgen trachten\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">95. und da\u00df die lieber darauf trauen, durch viele Tr\u00fcbsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Martin Luther, Wittenberg, 31.10.1517<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Martin Luthers 95 Thesen\u00a0 1. Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergr\u00fcnden, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrw\u00fcrdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien K\u00fcnste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, \u00fcber die folgenden S\u00e4tze disputiert werden. 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