{"id":5148,"date":"2010-09-20T10:07:22","date_gmt":"2010-09-20T08:07:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5148"},"modified":"2010-09-20T12:38:07","modified_gmt":"2010-09-20T10:38:07","slug":"predigt-gottes-ja-zum-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=5148","title":{"rendered":"Predigt: Gottes Ja zum Leben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Gottes Ja zum Leben&#8220; &#8211; Marsch f\u00fcr das Leben 2010 &#8211; Predigt im \u00f6kumenischen Schlussgottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale, Berlin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Heilige Nacht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Juli standen\u00a0 meine Frau und ich in der Gem\u00e4ldegalerie des Dresdner Zwingers vor einem Bild des Barockmalers Carlo Maratti. Das Bild tr\u00e4gt den Titel: \u201eDie Heilige Nacht.\u201c Sie finden es vorn auf Ihrem Liedblatt f\u00fcr diesen Gottesdienst abgedruckt. Das Bild ist nicht nur sehr sch\u00f6n gemalt, es tr\u00e4gt auch eine wunderbare Nachricht:\u00a0 Gottes Licht scheint auf in der Finsternis. Ein warmes Licht geht aus von diesem Christus und es bescheint die Gesichter der dankbaren Mutter und der staunenden Engel. Maria ist ganz dem Kinde zugewandt und h\u00e4lt es sch\u00fctzend in Ihren Armen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwei Linien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-5150\" title=\"heilige_nacht\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/heilige_nacht-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Aus dem Blickwinkel des heutigen Tages fallen mir zwei Linien dieses Bildes ins Auge, die uns nun auch in dieser Predigt besch\u00e4ftigen sollen. In dem Kind, das in den Armen Marias liegt, ist Gott Mensch geworden. Gott wendet sich in Christus dem Menschen zu und spricht damit ein unmissverst\u00e4ndliches und un\u00fcberh\u00f6rbares\u00a0 Ja zum Leben des Menschen. Das ist die vertikale Linie. Zugleich hat das Bild eine horizontale Linie, die uns Anliegen und Vision ist: Es ist die Mutter, die sich liebevoll und bergend \u00fcber ihr Neugeborenes beugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein dreifaches Ja zum Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil Gott ein unmissverst\u00e4ndliches Ja zum Leben sagt, wollen auch wir das Leben bejahen. Wir wollen nun in dieser Predigt einem dreifachen Ja zum Leben nachgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.) Wir bejahen das Leben, weil Gott Mensch wurde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b.) Wir bejahen das Leben, weil Gott das Leben sch\u00fctzt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.) Wir bejahen das Leben, weil Gott dem Menschen hilft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Leben bejahen, weil Gottes Sohn Mensch wurde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1\u00a0\u00a0\u00a0 Eine Jahrtausendsensation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mensch ist heute mehr denn je auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens. Im Mai dieses Jahres schrieb die Zeitung \u201eDie Welt\u201c: \u201eWir sind Gott\u201c \u2013 \u201eEine Jahrtausendsensation\u201c\u00a0 &#8211; \u201eGenetiker erschaffen Kunstlebewesen.\u201c\u00a0 Der Bericht wurde unter Anspielung auf das erste Kapitel des Johannesevangeliums mit folgenden Worten eingeleitet: \u201eAm Anfang war die Information. Und die Information war bei <em>Craig Venter<\/em>. Und die Information wurde Fleisch und hie\u00df DNA. Und <em>Venter<\/em> nahm die tote Zelle und blies DNA in die Zelle, und siehe da, die Zelle lebte und ward fruchtbar und mehrte sich. Denn <em>Venter<\/em> hatte gesagt: \u201aEs werde Leben!\u2019 Und es ward Leben. K\u00fcnstliches Leben: JCVI-syn1.0.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2\u00a0\u00a0\u00a0 Das Geheimnis des Lebens wird entschl\u00fcsselt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden das Geheimnis des Lebens nicht durch die Entzifferung menschlicher oder die Erschaffung k\u00fcnstlicher Genome l\u00fcften. Das Geheimnis des Lebens wird in dem besagten Kind, das in den Armen seiner Mutter ruhte, gel\u00fcftet. Der Evangelist Johannes schreibt im ersten Kapitel seines Evangeliums: <strong>\u201eIm Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist<\/strong> (Joh 1,1-3). Und von diesem Wort Gottes hei\u00dft es sp\u00e4ter: \u00a0<strong>\u201eDas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.\u201c<\/strong> (Joh 1,14). Und weiter hei\u00dft es: \u00a0<strong>\u201eIn ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat\u2018s nicht ergriffen.\u201c<\/strong> (Joh 1,4.5)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese ersten Verse des Evangelisten f\u00fchren uns hinein in das Geheimnis des Lebens. \u201eIn ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir also das Geheimnis des Lebens entschl\u00fcsseln wollen, m\u00fcssen wir zu diesem Christus kommen. Sein Licht muss uns erleuchten: Das Geheimnis des Lebens zu entziffern hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1.) \u00a0Ich begreife, dass jedes Gesch\u00f6pf aus der Hand des Sch\u00f6pfers kommt. Der Mensch hat seinen Ursprung nicht in zuf\u00e4lligen, blinden, rein biologistischen Entstehungsprozessen, sondern in der sch\u00f6pferischen Liebe und Allmacht Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.) Leben ist viel mehr als nur das biologisch-gesch\u00f6pfliche Leben. Das Geheimnis des Lebens zu entziffern bedeutet, die Ewigkeitsdimension des Menschen zu entdecken. Deshalb sagt Jesus von sich: \u201eWer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben\u201c (Joh 3,36).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3\u00a0\u00a0\u00a0 Das Ja Gottes in der Menschwerdung Christi<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das tiefe Geheimnis des christlichen Glaubens besteht darin, dass Gott Mensch wird, um den Menschen zu erl\u00f6sen. Im altkirchlichen Glaubensbekenntnis von Chalcedon (451), das f\u00fcr katholische und evangelische Christen grundlegend ist, bekennen wir Jesus Christus als \u201e<strong>wahren Gott und wahren Menschen<\/strong>\u201c. Jesus sagt zu den J\u00fcngern: <strong>\u201eWer mich sieht, der sieht den Vater\u201c<\/strong> (Joh 14,9). Indem Gott selbst Mensch wird und Menschengestalt annimmt (Phil 2,6.7), w\u00fcrdigt und adelt er die Menschheit in besonderer Weise. Der Sch\u00f6pfer kommt zu seinen Gesch\u00f6pfen. \u00a0In der Menschwerdung Christi spricht Gott ein lautes und un\u00fcberh\u00f6rbares Ja zum Leben, zu seiner Sch\u00f6pfung, zum Menschen und zur Menschheit. In Jesus Christus spricht Gott der Menschheit seine Liebe zu. Aus diesem Grunde, aus diesem Ja Gottes zur Menschheit und zum menschlichen Leben, sprechen auch wir unser Ja zum Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Leben bejahen, weil Gott das Leben sch\u00fctzt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ebenbildlichkeit des Menschen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott sch\u00fctzt das Leben eines jeden Menschen durch das Gebot: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c (2Mose 20,13). Der Grund f\u00fcr diesen besonderen Schutz, liegt in der Ebenbildlichkeit des Menschen, die uns im Sch\u00f6pfungsbericht der Bibel zugesprochen wird. Die grundgesetzlich verankerte Menschenw\u00fcrde findet in dieser Ebenbildlichkeit des Menschen ihre eigentliche Begr\u00fcndung und Voraussetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor der Erschaffung des Menschen sagt Gott: \u201e<strong>Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.\u00a0 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn: und schuf sie als Mann und Frau.\u201c <\/strong>(1Mos 1,27). Der Mensch ist als geistiges und leibliches Wesen im Ebenbild Gottes geschaffen. Anders als alle anderen Gesch\u00f6pfe dieses Planeten kommt allein ihm die W\u00fcrde zu, Gott \u00e4hnlich zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2\u00a0\u00a0\u00a0 Der Schutz des Gegen\u00fcber Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der evangelische Ethiker Prof. Rainer Mayer schreibt \u00fcber die Ebenbildlichkeit des Menschen: <strong>\u201eGott hat in souver\u00e4ner Entscheidung den Menschen im Unterschied zu aller anderen Kreatur dadurch hervorgehoben, dass er sich in ihm ein Gegen\u00fcber schuf, mit dem er pers\u00f6nliche Gemeinschaft haben, mit dem er reden will, ein Gesch\u00f6pf, das vor seinem Angesicht leben soll\u201c <a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4325\">(Die Unverf\u00fcgbarkeit des menschlichen Lebens, idea-Dokumentation, 2010)<\/a><\/strong>\u00a0Ein Angriff auf den Menschen ist immer auch ein Angriff auf das Gegen\u00fcber, mit dem Gott in Gemeinschaft leben will. Und damit in letzter Konsequenz ein Angriff auf Gott selbst. Gott stellt den Menschen unter Schutz, weil er sein Gegen\u00fcber liebt und es nicht der Willk\u00fcr anderer preisgeben will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3\u00a0\u00a0\u00a0 Lebensschutz von Anfang bis zum Ende<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schutz des Menschen durch das Gebot: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c umfasst den Menschen in allen seinen Lebensphasen. In Psalm 139 hei\u00dft es: <strong>\u201eDenn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir daf\u00fcr, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war\u201c<\/strong> (Ps 139,13-16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Humanembryologe Prof. Dr. Erich Blechschmidt hat den Satz gepr\u00e4gt: <strong>\u201eDer Mensch entwickelt sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch, er wird nicht Mensch, sondern er ist Mensch von Anfang an.\u201c <\/strong>Diese Einsicht wird vom Bundesverfassungsgericht best\u00e4tigt, wenn es in einem Urteil vom 25.02.1975 den grundgesetzlichen Schutz der Menschenw\u00fcrde auch auf das noch \u201eungeborene menschliche Wesen\u201c bezieht. \u00a0\u201eBei einer Orientierung an Art. 1 Abs. 1 GG muss die Entscheidung zugunsten des Vorrangs des Lebensschutzes f\u00fcr die Leibesfrucht vor dem Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren fallen.\u201c So das Bundesverfassungsgericht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das f\u00fcnfte Gebot entzieht dem Menschen das Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber seinen N\u00e4chsten, der Ebenbild ist wie er. Das Selbstbestimmungsrecht der Mutter endet am Schutzgebot Gottes, mit dem Gott sein Ebenbild und Gegen\u00fcber im Leib der Mutter sch\u00fctzt. Das f\u00fcnfte Gebot entzieht mir auch das Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber mich selbst, der ich im Bilde Gottes geschaffen bin. Gott allein ist Herr \u00fcber Leben und Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Leben bejahen, weil Gott dem Menschen hilft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.1\u00a0\u00a0\u00a0 Der Sendungsgrund Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kind, das in den Armen der Mutter lag, erhielt auf Anweisung des Engels hin den Namen Jesus: \u201eDu sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren S\u00fcnden\u201c (Mt 1,21) Der Name Jesu, der sich vom hebr\u00e4ischen Verb yaschah ableitet, bedeutet \u201eretten\u201c oder \u201ehelfen\u201c. Der Name des Herrn ist zugleich Inhalt seiner Sendung. \u201eDer Herr ist mein Helfer\u201c (Hebr 13,6). Jesus kam, um zu dienen, um zu helfen, und um uns aus unseren S\u00fcnden zu erl\u00f6sen. Sogar die Feinde Jesu best\u00e4tigten seine Hilfsmission, wenn sie spotteten: \u201eAnderen hat er geholfen, und kann sich selber nicht helfen\u201c (Mt 27,42). Doch selbst dort am Kreuz half er. Dort half er uns heraus aus unserer Schuld, die auf ewig von Gott trennt. Hier bezahlte er die S\u00fcnde der Menschheit. Hier hat er ges\u00fchnt f\u00fcr unser aller Schuld: 1.) F\u00fcr meine Gottlosigkeit und Selbstverliebtheit 2.) F\u00fcr die Mutter, die ihr Kind abgetrieben hat 3.) F\u00fcr den Freund, der seine Freundin zur Abtreibung dr\u00e4ngte 4.) F\u00fcr die Selbstgerechtigkeit des Frommen. Unter dem Kreuz sind wir alle gleich. Nur bei Jesus Christus werden wir unsere Schuld los und nur durch ihn finden wir hinein in unsere Bestimmung zu einem ewigen Leben mit Gott. \u201eWer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben\u201c (Joh 3,36)\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2\u00a0\u00a0\u00a0 Der Auftrag zum Helfen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sendung Jesu war erf\u00fcllt von der Menschenliebe Gottes. Jesus kam, um zu retten und zu helfen. Menschen<strong>.<\/strong> Dieser helfenden Liebe wissen wir uns verpflichtet und sie dr\u00e4ngt uns heute auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2.1 Wir h\u00f6ren den stummen Schrei der Ungeborenen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir h\u00f6ren den stummen Schrei der Kinder, die im Leib ihrer M\u00fctter zerschnitten und zerst\u00fcckelt werden. Wir wissen darum, dass das Gift der Abtreibungspillen RU 486 die Kinder j\u00e4mmerlich verhungern und zu Grunde gehen l\u00e4sst. Wir wissen, dass dies bis zu 200.000 mal jedes Jahr in diesem unserem Land geschieht. Das Wissen um diese lautlose Grausamkeit, die in unserer Gesellschaft verschwiegen wird, l\u00e4sst uns auch in diesem Jahr wieder hier durch Berlin ziehen<strong>. \u201eT<\/strong><strong>u<\/strong><strong> deinen Mund auf f\u00fcr die Stummen und f\u00fcr die Sache aller, die verlassen sind.\u201c (Spr\u00fcche 31,8) <\/strong>Die Kleinen k\u00f6nnen ihr Recht aufs Leben nicht einklagen. Sie sind stumm. Ihren Schrei will niemand h\u00f6ren. Und deshalb gehen wir hier auf die Stra\u00dfe, damit dieser lautlose Schrei eine Stimme bekommt. Gottes Wort beauftragt uns, zu handeln und zu helfen: \u201e<strong>Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken\u201c (Spr\u00fcche 22,11). <\/strong>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2.2 Wir k\u00f6nnen nicht schweigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wenden uns mit diesem Marsch an die Politik. Der Rechtsstaat hat die Pflicht seine B\u00fcrger zu sch\u00fctzen.\u00a0 Obwohl die T\u00f6tung des Kindes aus Sicht der Gerichte rechtswidrig ist, haben Justiz und Gesetzgeber, \u00a0die T\u00f6tung der Kinder straffrei gestellt. Der Beratungsschein gen\u00fcgt, um die T\u00f6tung des Kindes auf Kosten des Steuerzahlers vornehmen zu lassen. Der Rechtsstaat ist eine Farce solange er die, die er sch\u00fctzen muss, der T\u00f6tung preisgibt. Eine Gesellschaft, die ihre eigenen Kinder dem Tode preisgibt, wird Sturm ernten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wenden uns als Christen an unsere Kirchen und Kirchenleitungen. Wir fordern die evangelische Kirche auf, sich nicht l\u00e4nger an der Vergabe von staatlichen T\u00f6tungslizenzen durch kirchliche Beratungsstellen zu beteiligen. Wir bitten sie, es der katholischen Kirche gleich zu\u00a0 tun und sich ohne faule Kompromisse f\u00fcr das Recht auf Leben einzusetzen. Eine Kirche, die die Kultur des Todes in ihren eigenen Reihen duldet und bef\u00f6rdert, wird im kommenden Gericht nicht bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2.3 Hilfe in der Not<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorbildlich f\u00fcr\u00a0ein Engagement, das sich ganz dem Lebensrecht des Kindes verpflichtet wei\u00df, ohne die Not der M\u00fctter und V\u00e4ter zu \u00fcbersehen\u00a0ist der Aufruf, den die evangelische Kirche von Berlin-Brandenburg unter Bischof Otto Dibelius in notvoller Zeit in den zerbombten Stra\u00dfen dieser Stadt aufh\u00e4ngen lie\u00df. Ausdr\u00fccklich wollte die Ev. Kirche damals den M\u00fcttern helfen, der Versuchung zu widerstehen, \u201edas keimende Leben durch einen Eingriff\u201c zerst\u00f6ren zu lassen. Sie bot an, ein solches Kind liebevoll zu pflegen und es gewissenhaft aufzuziehen und es der Mutter zur\u00fcckzugeben, wenn sie glaubte, selber f\u00fcr das Kind sorgen zu k\u00f6nnen (<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3894\">Aufruf: An alle jungen M\u00fctter in Berlin und Brandenburg, 1947<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIhr lieben jungen M\u00fctter: Nehmt dies Angebot so ernst, wie es gemeint ist. Niemand soll fortan sagen k\u00f6nnen, da\u00df aus sozialen Gr\u00fcnden ein Kind nicht das Licht der Welt erblicken d\u00fcrfe. F\u00fcr jedes Kind ist eine Lebensm\u00f6glichkeit da. F\u00fcr jedes Kind stehen liebevoll pflegende H\u00e4nde bereit. Darum: Widersteht der Versuchung! Wendet Euch, wenn es Not ist, an die Innere Mission in Nikolassee, Teutonenstra\u00dfe 22. Und nun seht in ruhiger, freudiger Erwartung der Stunde entgegen, die zur Welt bringen wird, was sich unter Eurem Herzen bewegt. Die Freundlichkeit Gottes wartet auf Euer Kind.\u201c<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Aufruf verbindet sich der kompromisslose Schutz f\u00fcr das ungeborene Leben\u00a0 mit der selbstlosen helfenden Hingabe und F\u00fcrsorge, die die Not der jungen M\u00fctter ernst nimmt und Hilfsangebote bietet. So sollte es sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.2.4 Wir h\u00f6ren den stummen Schrei der M\u00fctter<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein Geschenk, dass viele Lebensrechtsorganisationen in dieser Haltung ihrer t\u00e4glichen Arbeit nachgehen. \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">a.) Hier wird die Not der M\u00fctter gesehen, die ihr Kind zwar lieben, aber unter dem Druck der Umst\u00e4nde und der sozialen Umgebung, eine Abtreibung in Erw\u00e4gung ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">b.)Hier findet die Not der \u00fcberforderten M\u00fctter, die die kleine, enge Wohnung vor Augen hat, mit den anderen zwei Kindern schon nicht klar kommt, der Freund nach Bekanntwerden der Schwangerschaft das Weite suchte\u00a0 guten Rat und vor allem praktische Hilfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">c.) Hier wird die tiefe, seelische Not der M\u00fctter gesehen, die ihr Kind haben abtreiben lassen und nun mit dieser dr\u00e4ngenden Schuld nicht fertig werden, ihr Kind vermissen. Die Seele leidet, das Leben zerbricht. Schuld l\u00e4sst sich nicht verdr\u00e4ngen. Sie muss zum Kreuz, sie muss zu Jesus, damit die Seele Hilfe und Heilung findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist immer wieder bewegend in den Rundbriefen der verschiedenen Lebensrechtsgruppen die Berichte von M\u00fcttern zu lesen, die aufgrund tatkr\u00e4ftiger und finanzieller Hilfe, sich gegen den \u00e4u\u00dferen Druck, f\u00fcr das Kind entschieden haben. Gerne wird der Lebensrechtsbewegung der moralinsaure Zeigefinger vorgeworfen. Wer sich informiert, wird feststellen, dass die Lebensrechtsbewegung, auch eine Protestbewegung, \u00a0vor allem aber eine Hilfsbewegung ist. Wir sind einmal im Jahr in Berlin. Aber das Jahr \u00fcber wird geholfen, tatkr\u00e4ftig, mit viel Einsatz an Zeit und Geld, oft ohne jegliche staatliche oder kirchliche Bezuschussung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es muss \u00fcberall bekannt gemacht werden: Hier sind Helfer, um in der Not zu helfen. Die sehr praktisch und tatkr\u00e4ftig helfen wollen, dass Frauen sich in genau dieser Erwartungshaltung auf ihr Kind freuen k\u00f6nnen, die in diesem Aufruf von 1947 zum Ausdruck kommt:\u00a0 <strong>\u201eUnd nun seht in ruhiger, freudiger Erwartung der Stunde entgegen, die zur Welt bringen wird, was sich unter Eurem Herzen bewegt. Die Freundlichkeit Gottes wartet auf Euer Kind.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.3\u00a0\u00a0\u00a0 Unsere Vision<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild, das wir heute betrachtet haben, tr\u00e4gt auf der horizontalen Ebene die Vision in sich, die uns motiviert und antreibt. Hier war eine junge Frau, die ihr Kind unter den widrigsten Umst\u00e4nden zur Welt brachte. Das Land wurde durch die R\u00f6mer ausgebeutet, die Menschen waren bitter arm. Maria war ein Teenager und das Kind, das sie auf die Welt brachte, war nicht von ihrem Mann. Heute w\u00e4re das Kind ein echter Kandidat f\u00fcr eine Abtreibung. Doch Maria lebte in einer ganz anderen Haltung: <strong>\u00a0\u201e<\/strong><strong>Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. (Lk 1,38) <\/strong>Diese blutjunge Mutter empfing ihr Kind als Gabe Gottes. Diese junge Frau beugte sich sch\u00fctzend und bergend \u00fcber das kleine Wesen. Es zerriss dieser Mutter das Herz, den Tod dieses geliebten Kindes auch nur zu denken. Wir wissen um die ganz reellen N\u00f6te von M\u00fcttern, die heute verzweifelt \u00fcber die Abtreibung ihres Kindes nachdenken. Wir wissen um den Kampf, den das f\u00fcr jede Mutter bedeutet. Wir wollen diese M\u00fctter und V\u00e4ter nicht im Regen stehen lassen, sondern ihnen helfen, sich in dieser bergenden und sch\u00fctzenden Haltung \u00fcber ihr Kind zu beugen, wie es diese Mutter tat. Das ist unsere Vision und wir wollen helfen, dass sie verwirklicht werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prediger Johann Hesse, 18.09.2010, Berlin<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/medienangebote\/predigten-zum-anhoeren.html\">Hier klicken<\/a>, um die Predigt als Audio-Datei zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gottes Ja zum Leben&#8220; &#8211; Marsch f\u00fcr das Leben 2010 &#8211; Predigt im \u00f6kumenischen Schlussgottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale, Berlin Die Heilige Nacht Im Juli standen\u00a0 meine Frau und ich in der Gem\u00e4ldegalerie des Dresdner Zwingers vor einem Bild des Barockmalers Carlo Maratti. 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