{"id":489,"date":"2009-07-13T19:44:22","date_gmt":"2009-07-13T17:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=489"},"modified":"2009-09-01T12:57:39","modified_gmt":"2009-09-01T10:57:39","slug":"das-unselige-beratungssystem-ist-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=489","title":{"rendered":"Das unselige Beratungssystem ist gescheitert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unseliges Beratungssystem ist gescheitert<br \/>\n<\/strong><strong>Mit Hartmut Steeb im Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Herr Steeb, der Professor f\u00fcr Systematische Theologie Rainer Mayer hat k\u00fcrzlich das Thema Schwangerschaftskonfliktberatung in der EKD wieder aufgegriffen. Er fordert eine Abkehr von der Mitwirkung an der Beratung nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz. Wie stehen Sie als evangelikaler Christ zu diesem Beratungssystem?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Mir geht es um das Lebensrecht jedes Menschen von der Zeugung bis zum nat\u00fcrlichen Tod. Daf\u00fcr setze ich mich seit Jahrzehnten ein. Ich habe darum auch das unselige Beratungssystem immer abgelehnt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Weshalb nennen Sie das Beratungssystem &#8222;unselig&#8220;? Ziel dieses Systems war es doch stets, der schwangeren Frau in einer Konfliktlage zu einer Entscheidung zu verhelfen, die auch das Lebensrecht des Kindes bedenkt. Erf\u00fcllt das Beratungssystem diese Zielsetzung nicht?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Nein, dieses Ziel wird eklatant verfehlt. Und das ist tragisch. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte seinerzeit die Beratungsregelung nur als m\u00f6glichen Weg als verfassungsrechtlich unbedenklich gebilligt, wenn es nachweislich dazu f\u00fchre, dass dadurch mehr ungeborenen Kindern das Leben gerettet werden k\u00f6nne als bisher. Darum hat das h\u00f6chste deutsche Gericht auch dem Gesetzgeber aufgetragen, diese Wirksamkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dies aber ist bisher leider nicht geschehen. Wenn aber mehr als 100.000 Kinder j\u00e4hrlich aufgrund dieser Beratungsregelung straflos liquidiert werden k\u00f6nnen, dann ist das Scheitern dieser Regelung sehr offensichtlich. Hinzu kommt, dass die schon ohnehin viel zu hohe Zahl an Abtreibungen noch nicht einmal korrekt ermittelt wird. Das Statistische Bundesamt verzichtet z.B. auf Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfungen, ob denn die statistischen Zahlen richtig erfasst sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Was meinen Sie damit?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Es w\u00e4re doch mindestens n\u00f6tig, die statistisch gemeldeten Zahlen einmal mit den Abrechnungen \u00fcber die Krankenkassen und aus Steuermitteln ersetzten Staatsleistungen an die Krankenkassen abzugleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Was m\u00fcsste noch getan werden?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Die Beratungsstellen m\u00fcssten daraufhin \u00fcberpr\u00fcft werden, ob sie denn verfassungsgem\u00e4\u00df beraten. Einer der gro\u00dfen Beratungskonzerne, Pro Familia, tritt f\u00fcr die verfassungswidrige v\u00f6llige Freigabe der Abtreibungen ein. Woher nehmen die Landesbeh\u00f6rden den Mut zu glauben, dass dort dann verfassungsgem\u00e4\u00df zugunsten des Lebens der Kinder beraten wird? Entsprechende Umfragen der Juristenvereinigung Lebensrecht bei den zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rden haben eine ern\u00fcchternde Bilanz hervorgebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Geschieht eigentlich gen\u00fcgend, um diese Fragen \u00f6ffentlich zu diskutieren?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Nein, es ist eine Katastrophe, dass die schlimmste Menschenrechtsverletzung, die es auf dieser Welt gibt, \u00f6ffentlich fast totgeschwiegen wird. Man muss sich das einmal klarmachen: 20.000 Kinder sterben weltweit t\u00e4glich wegen mangelnder Nahrung, Gesundheitsvorsorge und Gesundheitspflege. Das ist absurd, wo doch die Staatengemeinschaft bei mehr Entschlossenheit diese Zahl ganz entscheidend vermindern k\u00f6nnte. Aber noch schlimmer ist, dass 86.000 Kinder &#8211; mehr als das vierfache &#8211; t\u00e4glich an dem Ort umgebracht werden, wo sie am beh\u00fctetsten sein sollten, im Leib ihrer eigenen M\u00fctter. Und daf\u00fcr wenden wir auch noch viel Geld auf, international und bei uns im Land. Eine humane Gesellschaft darf sich damit nicht abfinden. Nach meiner \u00dcberzeugung m\u00fcsste der Einsatz gegen diese Menschenrechtsverletzungen Priorit\u00e4t 1 auf der politischen Tagesordnung sein. Und auch die Medien m\u00fcssten sich hier ganz eindeutig f\u00fcr das Leben der Kinder einsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Und wie stehen Sie zur Aktion des Gemeindehilfsbundes, der sich jetzt an die Synode der EKD wenden will, um das System der Beratungsscheine abzuschaffen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Ich halte diese Initiative f\u00fcr sehr unterst\u00fctzenswert. Deswegen habe ich mich als Vorsitzender des &#8222;Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen&#8220; f\u00fcr diese Aktion eingesetzt und w\u00fcnsche ihr den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Erfolg. Wir haben als Deutsche Evangelische Allianz schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass dieses Beratungskonzept gescheitert ist. Eine Neubesinnung auf einen besseren Lebensschutz ist \u00fcberf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Geben Sie denn der Aktion eine Chance?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Steeb: Das ist schwer zu sagen. Man mu\u00df abwarten. Wir haben es in Berlin bei &#8222;pro Reli&#8220; gesehen. Trotz enorm gro\u00dfer Unterst\u00fctzung hat es am Ende doch nicht ganz gereicht, das Unterrichtsfach Religion wieder gleichberechtigt einzuf\u00fchren. Dennoch, man mu\u00df es versuchen. Schweigen w\u00e4re ganz sicher der falsche Weg. Da halte ich es lieber mit Benedikt XVI., der in seiner Enzyklika vor wenigen Tagen ja auch seine Stimme erhoben und ein Umdenken gefordert hat. Wieviel er damit bewirken kann, wei\u00df auch er heute nicht. Aber wir wollen wie er wenigstens unsere Stimme f\u00fcr das Lebensrecht der Ungeborenen erheben und daf\u00fcr beten, dass unsere Stimme geh\u00f6rt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>MEDRUM: Ich danke Ihnen herzlich im Namen der Leser von MEDRUM f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">___________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartmut Steeb ist Vorsitzender des &#8222;Treffen Christlicher Lebens-Recht Gruppen e.V.&#8220; und Generalsekret\u00e4r der Deutschen Evangelischen Allianz. Das Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen (TCLG) ist ein Netzwerk von Initiativen, Beratungsstellen und Mutter-Kind-Einrichtungen, das sich einsetzt f\u00fcr das Lebensrecht jedes Menschen &#8211; von der Zeugung bis zum nat\u00fcrlichen Tod. Das TCLG veranstaltet zweimal j\u00e4hrlich ein Lebensrechts-Forum, bei dem sich Engagierte und Interessierte kennen lernen, austauschen und weiterbilden k\u00f6nnen. Das Herbstforum 2009 findet am 21.11.2009 statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interview mit Hartmut Steeb f\u00fchrte Kurt J. Heinz<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unseliges Beratungssystem ist gescheitert Mit Hartmut Steeb im Gespr\u00e4ch MEDRUM: Herr Steeb, der Professor f\u00fcr Systematische Theologie Rainer Mayer hat k\u00fcrzlich das Thema Schwangerschaftskonfliktberatung in der EKD wieder aufgegriffen. 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