{"id":4829,"date":"2010-07-28T11:43:05","date_gmt":"2010-07-28T09:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4829"},"modified":"2010-07-28T17:22:58","modified_gmt":"2010-07-28T15:22:58","slug":"ist-homosexualitat-sunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4829","title":{"rendered":"Ist Homosexualit\u00e4t S\u00fcnde?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist Homosexualit\u00e4t S\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir diese Frage beantworten wollen, m\u00fcssen wir als Erstes kl\u00e4ren, was wir unter Homosexualit\u00e4t verstehen. Der Begriff hat ein Bedeutungsspektrum. Was meinen wir damit? Nur gleichgeschlechtliche Praktiken? Oder eine angeborene homosexuelle Veranlagung (falls es diese gibt)?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Evangelikale, die praktizierte Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde verdammen, w\u00fcrden nicht sagen, dass auch schon solche W\u00fcnsche oder ein derartiges Verlangen S\u00fcnde sind, solange sie nicht in die Tat umgesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen nach der Homosexualit\u00e4t sind hochaktuell. In den USA gab es in den letzten Jahren vielbeachtete Gerichtsentscheidungen. In verschiedenen L\u00e4ndern wird \u00fcber die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen und Gemeinschaften debattiert. <!--more-->In den Kirchen hat die Frage der Ordination von praktizierenden Homosexuellen zu erheblichen Konflikten gef\u00fchrt. Andere fragen: Darf man in Kirchen gleichgeschlechtliche Ehen segnen oder nicht? Hinzu kommt der Disput dar\u00fcber, ob Homosexualit\u00e4t angeboren ist oder einer freien Entscheidung entspringt. Angesichts all dieser Fragen ist es nicht verwunderlich, dass man auch an uns herantritt und fragt: Was sagt ihr bibeltreuen Lutheraner zu diesem Thema?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Theologische Aspekte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen uns hier zuerst nicht mit den juristischen oder medizinischen Aspekten der Frage besch\u00e4ftigen, sondern vor allem mit der theologischen Frage nach der Homosexualit\u00e4t. Das hei\u00dft: Was sagen unsere kirchliche Lehre und Praxis, die auf der Lehre der Bibel beruhen, \u00fcber die Homosexualit\u00e4t?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am besten beginnen wir mit 1Korinther 6,9-11. Diese Bibelstelle zeigt sowohl die Seite des Gesetzes als auch die des Evangeliums, die f\u00fcr dieses Thema wesentlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irref\u00fchren! Weder Unz\u00fcchtige noch G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch\u00e4nder (griech.: malakoi oute arsenokoitai), Diebe, Geizige, Trunkenbolde, L\u00e4sterer oder R\u00e4uber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Grundlage dieser und anderer Stellen der Heiligen Schrift ergeben sich folgende Schlussfolgerungen in Bezug auf die Homosexualit\u00e4t:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel sagt deutlich, dass homosexuelle Praxis S\u00fcnde ist, die im Gegensatz zu Gottes Intention (Zielsetzung) steht, die er bei der Sch\u00f6pfung von Mann und Frau verfolgt hat. In 1Kor 6 \u00fcbersetzen manche neueren Bibelausgaben \u201emalakoi\u201c mit \u201em\u00e4nnliche Prostituierte\u201c (z.B. die englische NIV). Das ist keine gute \u00dcbersetzung. Das griechische Wort bezieht sich mehr auf den passiven Partner bei homosexuellen Praktiken. Weder dieses Wort, noch der etwas weiter gefasste folgende Begriff (arsenokoitai) schr\u00e4nken die Verwerfung von homosexuellen Aktivit\u00e4ten ein. Auch Prostitution, Promiskuit\u00e4t [h\u00e4ufiger Partnerwechsel] oder G\u00f6tzendienst sind eingeschlossen. Die Verwerfung ist absolut und trifft alle homosexuellen Praktiken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese S\u00fcnde besteht in der Ablehnung der nat\u00fcrlichen Gesetzeserkenntnis und im s\u00fcndhaften Widerstehen gegen den offenbarten Willen Gottes. Menschen k\u00f6nnen Sklaven dieser S\u00fcnde werden, weil sie ihr Herz gegen Gott verh\u00e4rten (R\u00f6m 1,18-31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum hat sie Gott dahingegeben in sch\u00e4ndliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den nat\u00fcrlichen Verkehr vertauscht mit dem widernat\u00fcrlichen; desgleichen haben auch die M\u00e4nner den nat\u00fcrlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen (R\u00f6m 1,26f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Homosexualit\u00e4t verletzt die nat\u00fcrliche Ordnung. Zu ihr geh\u00f6rt ein Unterdr\u00fccken der Wahrheit. Selbst g\u00e4ngige Biologielehrb\u00fccher weisen darauf hin, dass der m\u00e4nnliche K\u00f6rper nicht f\u00fcr Sex mit einem Mann gemacht ist und der weibliche K\u00f6rper nicht f\u00fcr Sex mit einer Frau. Homosexualit\u00e4t wird auch bei Menschen verworfen, die das geschriebene offenbarte Gesetz Gottes nicht so kennen wie die Israeliten (3Mose 18,22-25).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Faktoren f\u00f6rdern die s\u00fcndigen Handlungen eines Individuums: die s\u00fcndige Natur, mit der wir geboren werden, die Schwachheit unseres K\u00f6rpers, b\u00f6se Einfl\u00fcsse unserer Umgebung, Versuchungen und Anregungen durch andere S\u00fcnder und unsere eigenen s\u00fcndigen Entscheidungen. Alle diese Dinge wirken zusammen und verleiten uns zur S\u00fcnde. Das Gleiche ist bei Homosexualit\u00e4t der Fall. Allerdings k\u00f6nnen die verschiedenen Faktoren von Fall zu Fall eine unterschiedliche Rolle spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer es nicht wahrhaben will, muss vor homosexuellen Aktivit\u00e4ten gewarnt werden, wie vor aller S\u00fcnde, die uns des ewigen Lebens verlustig gehen l\u00e4sst (1Kor 6,9-10). Wir m\u00fcssen jedoch auch festhalten \u2013 vor allem, wenn wir ein belastetes Gewissen vor uns haben -, dass Homosexualit\u00e4t keine besonders schwere S\u00fcnde ist. Sie geh\u00f6rt auf die gleiche Stufe verdammenswerter S\u00fcnden, auf der auch Diebstahl, Neid, heterosexuelle S\u00fcnden, Alkoholmissbrauch und Verleumden stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir k\u00f6nnen homosexuelle S\u00fcnden nicht auf Taten beschr\u00e4nken, auch W\u00fcnsche z\u00e4hlen dazu. Genauso wie wir heterosexuelle Schuld nicht in Taten und \u201enur Verlangen\u201c aufteilen d\u00fcrfen. Die Bibel sieht Begierden und den Hang zu s\u00fcndigen Taten ganz deutlich als S\u00fcnde an (Mt 5,27f). Das gilt f\u00fcr homosexuelle wie heterosexuelle S\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir freuen uns \u00fcber jeden Bu\u00dffertigen, der gegen diese S\u00fcnde ank\u00e4mpft. Wir k\u00f6nnen ihm zusichern, dass er durch das Blut Christi volle Vergebung seiner Schuld hat. Als Christus f\u00fcr die S\u00fcnden der ganzen Welt starb, erwarb er auch Vergebung f\u00fcr homosexuelle Taten, f\u00fcr homosexuelles Verlangen und f\u00fcr die in uns wohnende s\u00fcndhafte Natur, welche die S\u00fcnde hervorbringt (2Kor 6,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten mit allen, die gegen diese S\u00fcnden ank\u00e4mpfen, mitf\u00fchlen und nicht vergessen, dass auch wir Lieblingss\u00fcnden haben, die uns arg zu schaffen machen und uns nicht loslassen. Hier ist zu warnen vor einer \u201edoppelten Moral\u201c, die Homosexualit\u00e4t oder andere S\u00fcnden, die man bei anderen Menschen beobachtet, schwer verdammt, w\u00e4hrend man die eigene Schuld bagatellisiert (Mt 7,1-5). Wir sollten unparteiisch und unvoreingenommen vor allen S\u00fcnden warnen und auch genauso unparteiisch und unvoreingenommen sein, wenn wir das Evangelium verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehnen uns alle nach der Auferstehung des Leibes. Dann wird alle Schwachheit unseres Fleisches und unserer Seele, die uns jetzt zur S\u00fcnde verf\u00fchrt, f\u00fcr ewig verschwinden. Dann werden wir in der Lage sein, Gott vollkommen und rein in allem zu dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zur\u00fcck zu unserer Frage vom Anfang: Glauben bibeltreue Lutheraner, dass Homosexualit\u00e4t S\u00fcnde ist? Wenn wir uns zwischen Ja und Nein entscheiden m\u00fcssten, m\u00fcssten wir wohl eher mit Ja antworten. Aber ich m\u00f6chte mehr als eine Ja- oder Nein-Antwort geben. Es ist besser, wenn wir Ge-setz und Evangelium auf dieses Thema anwenden. Das bedeutet, dass wir diese S\u00fcnde im Zusammenhang aller S\u00fcnde sehen m\u00fcssen. Wenn wir bei unseren Missionsbestrebungen Homosexuellen begegnen, sollten wir nicht versuchen, sie zuerst von ihrer Homosexualit\u00e4t zu bekehren, um sie dann anschlie\u00dfend zu Christen zu machen. Wir sagen ihnen vielmehr Gesetz und Evangelium, wie wir das auch bei anderen S\u00fcndern tun. Wir benutzten das Gesetz, um sie davon zu \u00fcberzeugen, dass sie von Natur genauso S\u00fcnder sind wie wir \u2013 in ihrem Begehren und in ihren Taten. Sie brauchen einen Erl\u00f6ser von ihren S\u00fcnden &#8211; genauso wie wir. Ihr und unser Erl\u00f6ser ist Jesus Christus. Wenn sie zum Glau-ben an Christus kommen, werden sie \u2013 genauso wie wir \u2013 gegen die S\u00fcnde, die unserem Leben hier auf der Erde noch anh\u00e4ngt, ank\u00e4mpfen, ganz gleich, welcher Art die S\u00fcnde ist. Sie und wir werden t\u00e4glich in den Spiegel von Gottes Gesetz sehen, um die S\u00fcnde zu erkennen, die sich in unserem Leben findet. Sie wie auch wir, werden &#8211; vom Evangelium motiviert &#8211; das Gesetz als Leitfaden benutzen, um unser s\u00fcndiges Leben zu \u00e4ndern. Sie werden wie wir mit Schmerz und Reue zu Christus umkehren, wenn ihre ernsten Bem\u00fchungen nichts fruchten und sie wieder in die S\u00fcnde zur\u00fcckfallen, die sie angefangen haben zu hassen. Sie und wir werden von der Macht und der Verlockung der S\u00fcnde erst dann v\u00f6llig frei sein, wenn wir rein an Leib und Seele vor Christus stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00fcssen wir an jemandem Gemeindezucht \u00fcben, der in homosexuellen S\u00fcnden lebt? Gemeindezucht \u00fcben wir nicht aufgrund der S\u00fcnde an sich. Das gilt f\u00fcr alle S\u00fcnden. Entscheidend ist die Bereitschaft zur Umkehr (Bu\u00dffertigkeit). Nur wenn diese fehlt, muss eine Gemeinde erziehend eingreifen. Jemand, der eine \u201eheterosexuelle S\u00fcnde\u201c begangen hat, dann aber umkehrt und gegen die S\u00fcnde k\u00e4mpft und versucht, von ihr loszukommen, bleibt ein Bruder oder eine Schwester im Glauben. Anders ist es bei einem Menschen, der seine S\u00fcnde verheimlicht oder selbst noch rechtfertigt. Wer eine S\u00fcnde begangen hat und zur Umkehr bereit ist, kann Glied der Gemeinde bleiben. Das gilt auch f\u00fcr bu\u00dffertige Alkoholiker oder Drogenabh\u00e4ngige. Auf der anderen Seite kann aber jemand, der zwar nicht auf homosexuellem Gebiet durch Tat oder nur Verlangen ges\u00fcndigt hat, nicht in der Gemeinde bleiben, wenn er anhaltend leugnet oder verschweigt, dass Homosexualit\u00e4t S\u00fcnde ist. Es kommt also auf Umkehr oder Nichtumkehr an. Daran entscheidet sich, wie das Verh\u00e4ltnis eines Menschen zur Kirche ist. Kurz gesagt: Wir gehen dann richtig mit Homosexualit\u00e4t um, wenn wir einfach Gesetz und Evangelium richtig anwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Ist Homosexualit\u00e4t angeboren oder erworben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mancher, der juristische oder religi\u00f6se Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen fordert, geht davon aus, dass Homosexualit\u00e4t genetische Ursachen hat. Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass manche homosexuellen M\u00e4nner gewisse Strukturen in den X-Chromosomen von ihren M\u00fcttern geerbt haben. Andere haben versucht, biologische \u00c4hnlichkeiten zwischen homosexuellen M\u00e4nnern nachzuweisen. Manches ist dabei umstritten. Aber selbst diese Forscher r\u00e4umen ein, dass ihre Beobachtungen nicht auf alle Homosexuellen zutreffen. M\u00f6glicherweise sind diese Besonderheiten auch gar nicht die Ursache, sondern eine Folge der Homosexualit\u00e4t. Die meisten Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Ursachen von Homosexualit\u00e4t komplex und vielf\u00e4ltig sind, so dass sie wohl niemals ganz verstanden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sollen wir zu solchen Behauptungen im Lichte der biblischen Lehre \u00fcber die S\u00fcnde sagen? Ist Homosexualit\u00e4t angeboren oder beruht sie auf einer freien Willensentscheidung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die M\u00f6glichkeit besteht, dass es Arten der Homosexualit\u00e4t gibt, die genetische Ursachen haben oder angeboren sind, so spricht doch einiges klar dagegen. Wenn es n\u00e4mlich so w\u00e4re, m\u00fcssten eineiige Zwillinge derselben sexuellen Orientierung folgen. Dies ist aber nicht der Fall. Auf beiden Seiten gibt es verst\u00e4ndlicher Weise zu diesem Thema eine Menge Literatur. Ein brauchbares Buch, das den wissenschaftlichen Aspekt dieses Themas beleuchtet, ist: Jeffrey Satinover, Homosexuality and the Politics of Truth.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei vielen Entweder-Oder-Fragen wird auch bei der Frage nach Angeborensein oder Erworbensein der Homosexualit\u00e4t ein falscher Gegensatz aufgebaut. Denn jede S\u00fcnde ist zum einen eine freie Willensentscheidung und zum anderen der Ausdruck des angeborenen Hangs zur S\u00fcnde. Unser s\u00fcndiger Wille ist in jedem Fall schuld, weil er in die S\u00fcnde einwilligt, ganz gleich, ob es sich um einen Gedanken, ein Wort oder eine Tat handelt. Eine Folge unserer s\u00fcndigen Natur ist es, dass wir Gefallen an unseren S\u00fcnden haben und sie verteidigen. Diese allgemeine Neigung ist offensichtlich und zeigt sich in den Bem\u00fchungen von Leuten, die die Rechte von Schwulen st\u00e4rken wollen und leugnen, dass daran irgendetwas falsch sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl das Einverst\u00e4ndnis unseres s\u00fcndigen Willens zu jeder S\u00fcnde geh\u00f6rt, stimmt es auch, dass wir als Sklaven der S\u00fcnde geboren werden. Es kann auch vorkommen, dass wir so oft in eine bestimmte S\u00fcnde einwilligen, dass wir am Ende die S\u00fcnde nicht mehr kontrollieren, sondern sie uns. Es kann sein, dass wir uns dabei ertappen, wie wir einer S\u00fcnde nachgeben, obwohl wir es gar nicht wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die S\u00fcnde hat Einfluss sowohl auf unseren K\u00f6rper als auch auf unsere Seele. Unser heutiger K\u00f6rper ist nicht mehr der, den Gott f\u00fcr Adam und Eva geschaffen hat. Das hei\u00dft, Gott hat uns nicht zu dem erschaffen, was wir heute sind. Unser K\u00f6rper wurde durch die Folgen der S\u00fcnde verseucht. Man kann nicht sagen, dass die speziellen Folgen der S\u00fcnde bei jedem von uns identisch sind oder dass wir alle f\u00fcr jede S\u00fcnde gleich empf\u00e4nglich sind. Der unterschiedliche Grad unserer Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr manche S\u00fcnden k\u00f6nnte von unterschiedlichen biochemischen Reaktionen in unseren K\u00f6rpern herr\u00fchren. Die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Alkoholmissbrauch oder J\u00e4hzorn sind nur zwei Beispiele f\u00fcr S\u00fcnden, die durch bestimmte biochemische Faktoren in unserem K\u00f6rper beeinflusst werden. Wer wollte leugnen, dass die Neigung zu sexuellen S\u00fcnden bei 18-J\u00e4hrigen st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt ist als bei 8- oder 88-J\u00e4hrigen? Das h\u00e4ngt offenbar mit bestimmten Reaktionen in unseren K\u00f6rpern zusammen. Es kann gut sein, dass die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Homosexualit\u00e4t oder bestimmte andere S\u00fcnden von k\u00f6rperlichen Unterschieden abh\u00e4ngig ist. Doch hat das keinen Einfluss darauf, ob eine Begierde S\u00fcnde ist oder nicht. Dies wird allein durch Gottes Gesetz festgelegt. S\u00fcnde ist der Versto\u00df gegen dieses Gesetz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl wir auch durch die Schwachheit unseres Fleisches zu S\u00fcnden verf\u00fchrt werden, macht uns Gott dennoch f\u00fcr all unsere S\u00fcnde verantwortlich. Das gilt sogar f\u00fcr solche S\u00fcnden, die uns verskla-ven oder deren wir uns gar nicht bewusst sind. Wir brauchen Gottes Vergebung sogar f\u00fcr die s\u00fcndigen Sehns\u00fcchte, denen wir widerstehen und die wir nicht ausleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Gesellschaftliche und juristische Aspekte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen unterscheiden zwischen den Aufgaben, die wir als Christen bzw. Gemeindemitglieder haben und den Aufgaben, die wir als Staatsb\u00fcrger haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie soll ich mich als Christ verhalten, wenn es darum geht, Schwulenehen zu legalisieren oder Homosexuelle zu diskriminieren, wie es manche religi\u00f6sen Gruppen tun. Muss ich als Christ Geld f\u00fcr Organisationen spenden, die bei der Regierung f\u00fcr christliche Werte eintreten? Das w\u00fcrde ich verneinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christ habe ich eine viel bessere M\u00f6glichkeit, um gegen Gottlosigkeit und Sittenlosigkeit vorzugehen. Ich werde Gottes Gesetz verk\u00fcndigen, das S\u00fcnde verdammt, und ich werde sein Evangelium verk\u00fcndigen, das Vergebung anbietet. Als Christ habe ich das, was am allermeisten ausrichtet, wenn es um die Abwehr ernsthafter sittlicher Bedrohungen f\u00fcr die Zukunft unseres Volkes geht. Das ist die Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine christliche Aufgabe gegen\u00fcber Homosexuellen (und auch gegen\u00fcber sexuell Z\u00fcgellosen, Dieben, L\u00fcgnern, M\u00f6rdern, Verleumdern, Trinkern und allen, die Gottes Gesetz \u00fcbertreten) ist klar: Ich soll den Unbu\u00dffertigen Gottes Gesetz vorhalten, das ihre S\u00fcnde verdammt. Und ich soll Bu\u00dffertige mit dem Evangelium tr\u00f6sten, das Vergebung anbietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als guter Nachbar und B\u00fcrger ist es nicht meine Aufgabe, jemandem meinen Glauben aufzuzwingen oder ihn zu n\u00f6tigen, nach meinen religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen zu leben (1Kor 5,12). Aber ich soll Gesetze f\u00f6rdern, die den Einzelnen und die Gesellschaft vor Schaden bewahren. Wenn die Vernunft, die Erfahrung und die nat\u00fcrliche Erkenntnis des Gesetzes Gottes (die dem Menschen auch nach dem S\u00fcndenfall erhalten geblieben ist) \u2013 wenn diese alle belegen, dass Diebstahl, Mord, Drogenmissbrauch, sexuelle Unmoral, Abtreibung und Homosexualit\u00e4t f\u00fcr die Gesellschaft und f\u00fcr den Einzelnen sch\u00e4dlich sind, dann muss ich mich als B\u00fcrger f\u00fcr solche Gesetze einsetzen, die diesem B\u00f6sen entgegen wirken. Das tue ich nicht, um anderen meine religi\u00f6sen Ansichten aufzuzwingen, sondern um mit den Menschen an einem Strang zu ziehen, die die gleiche nat\u00fcrliche Erkenntnis von Gottes Gesetz haben und die Gesellschaft vor Schaden bewahren wollen. Die Tatsache, dass das 7. Gebot das Stehlen verbietet und das 5. Gebot Mord, hei\u00dft nicht, dass ich keine Gesetze gegen Diebstahl und Mord unterst\u00fctzen d\u00fcrfte. Die Erkenntnis, dass diese Taten falsch und gef\u00e4hrlich sind, ist nichts speziell Christliches oder Lutherisches. Sie beruht auf dem nat\u00fcrlichen Wissen um Gottes Gesetz und auf der Erfahrung. Dieses Wissen ist bei allen Menschen vorhanden, es sei denn, man unterdr\u00fcckt diese Erkenntnisse (R\u00f6m 1,18-32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich darf auch mit anderen B\u00fcrgern zusammenarbeiten, um mich gegen Gesetze zu wenden, die die religi\u00f6se Freiheit einschr\u00e4nken. Dies geschieht etwa, wenn man verbieten will, dass gegen S\u00fcnde gepredigt werden darf oder dass Kirchen Gemeindezucht auf der Grundlage ihrer inneren \u00dcberzeu-gung \u00fcben d\u00fcrfen. Bei Protesten oder Zeugnissen gegen solche Gesetze k\u00f6nnen wir mit anderen Kirchen zusammenarbeiten (es geht ja um \u00e4u\u00dfere Angelegenheiten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als christlicher B\u00fcrger sollte ich mich f\u00fcr solche Gesetze einsetzen, die die Gesellschaft vor den gef\u00e4hrlichen Folgen der S\u00fcnde bewahren. Als B\u00fcrger bef\u00fcrworte ich solche Gesetze, die auf der Grund von Vernunft und dem nat\u00fcrlichen Wissen um das g\u00f6ttliche Gesetz gemacht werden. Wenn der Staat Gesetze erl\u00e4sst, die sittlichen Schaden anrichten, weil sie gegen Gottes Gebote versto\u00dfen, dann werde ich auf der Grundlage von Gottes Wort weiter gegen diese Gesetze k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Mitglied der christlichen Kirche ist es mein Ziel, die Herzen der Menschen zu gewinnen, damit sie ihr Leben mit dem Wort Gottes f\u00fchren. Als B\u00fcrger ist es meine Aufgabe meinen Mitmenschen zu helfen, dass sie weder sich selbst noch anderen Schaden zuf\u00fcgen. Viele von den sittlichen Grunds\u00e4tzen aus Gottes Gesetz sind sowohl im Staat wie in der Kirche relevant. Sie k\u00f6nnen in beiden Berei-chen angewendet werden, allerdings mit unterschiedlicher Zielsetzung. Als Glied der Kirche verwende ich das Gesetz Gottes als Spiegel, Riegel und Regel. Als B\u00fcrger benutze ich Teile von Gottes Gesetz als Riegel gegen Verhaltensweisen, in denen die Vernunft und das nat\u00fcrliche Wissen des g\u00f6ttlichen Gesetzes Gefahren f\u00fcr die Gesellschaft erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>John F. Brug<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Gek\u00fcrzt aus: Wisconsin Lutheran Quarterly, Jg. 106 [2009], Nr. 4, S. 286ff; Originaltitel: Doctrinal Brief: Is homosexuality a sin? \u00dcbersetzung: Benjamin St\u00f6hr. Der Autor ist Professor am Seminar der Wisconsin Ev.-Luth. Synode in Mequon b. Milwaukee\/USA.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Theologische Handreichung und Information (2010\/1), hrsg. vom Lutherischen Theologischen Seminar Leipzig, Vertrieb: Concordia-Buchhandlung Zwickau (E-Mail: <a href=\"mailto:post@concordiabuch.de\">post@concordiabuch.de<\/a>).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Homosexualit\u00e4t S\u00fcnde? Wenn wir diese Frage beantworten wollen, m\u00fcssen wir als Erstes kl\u00e4ren, was wir unter Homosexualit\u00e4t verstehen. Der Begriff hat ein Bedeutungsspektrum. Was meinen wir damit? Nur gleichgeschlechtliche Praktiken? Oder eine angeborene homosexuelle Veranlagung (falls es diese gibt)? 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