{"id":4798,"date":"2010-07-17T16:01:42","date_gmt":"2010-07-17T14:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4798"},"modified":"2010-07-17T16:04:15","modified_gmt":"2010-07-17T14:04:15","slug":"praimplantationsdiagnostik-kein-embryo-check-im-reagenzglas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4798","title":{"rendered":"Kein Embryo-Check im Reagenzglas"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pr\u00e4implantationsdiagnostik:<br \/>\nKein Embryo-Check im Reagenzglas<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekanntlich hat alles seine Zeit. Es gibt eine Zeit zu debattieren \u2014 und eine Zeit zu handeln. Wer Designer-Kinder in Deutschland verhindern will, mu\u00df jetzt schnell handeln. Eine \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber die Pr\u00e4implantationsdiagnostik (PID), wie sie Bundesfamilienministerin Kristina Schr\u00f6der (CDU) fordert, ist nicht nur \u00fcberfl\u00fcssig, sondern gef\u00e4hrlich. \u00dcberfl\u00fcssig, weil sie l\u00e4ngst gef\u00fchrt wurde und s\u00e4mtliche Fakten auf dem Tisch liegen: Nachzulesen in den Stellungnahmen der Bioethik-Enquete-kommission des Deutschen Bundestags 2002 und des Nationalen Ethikrats 2003. Dies zu einer Zeit, in der die Ministerin ihr Examen baute. Gef\u00e4hrlich, weil sie den Reproduktionsmedizinern Zeit gibt, Fakten zu schaffen, die sp\u00e4ter allenfalls noch schwer aus der Welt zu schaffen zu sind. Wird die PID nicht umgehend verboten, dann wird der Embryo-Check im Reagenzglas in K\u00fcrze in Deutschland genauso zur Routine werden wie die Pr\u00e4natale Diagnostik. Deren nicht-invasive Variante, das Erst-Trimester-Screening, geh\u00f6rt l\u00e4ngst zu den Standard-Vorsorgeuntersuchungen, die jeder Schwangeren angeboten werden. <!--more-->Jede zehnte Schwangere l\u00e4\u00dft heute zus\u00e4tzlich eine invasive Pr\u00e4natale Diagnostik (Fruchtwasseruntersuchung oder Nabelschnurpunktion) durchf\u00fchren. 1977 \u2014 ein Jahr, bevor die Pr\u00e4natale Diagnostik als \u201eEmpfehlung&#8220; in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen wurde &#8211; gab es in Deutschland 2.648 Fruchtwasseruntersuchungen. Heute sind es pro Jahr rund 70.000. Dabei besitzen nach wie vor allenfalls bis zu drei Prozent der Schwangeren \u00fcberhaupt das genetisch bedingte Risiko, ein Kind mit Behinderungen zur Welt zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Entwicklung in L\u00e4ndern, in denen die PID zugelassen wurde, zeigt, da\u00df sie sich nicht auf jene wenigen F\u00e4lle begrenzen l\u00e4\u00dft, die den Richtern des Bundesgerichtshof (BGH) vorschwebten, als sie entschieden, da\u00df die Selektion von Embryonen, die schwere genetische Sch\u00e4den aufweisen, mit dem Embryonenschutzgesetz in Einklang zu bringen sei. In den USA k\u00f6nnen Paare, die sich f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung entscheiden, dank PID bereits Kinder mit dem gew\u00fcnschten Geschlecht \u201ebestellen&#8220;. In Los Angeles etwa erf\u00fcllt der Reproduktionsmediziner Jeffrey Steinberg, der sich auf Geschlechtsselektionen mittels PID spezialisiert hat, pro Tag im Schnitt drei Paaren den Wunsch nach einem Kind mit \u201eWunschgeschlecht&#8220;. Steinberg allein kommt so auf 1.000 Kinder pro Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Gro\u00dfbritannien ist die PID zur Geschlechtsselektion zwar noch nicht erlaubt. Daf\u00fcr wird die PID dort bereits eingesetzt, um Kleinstkinder auszusondern, die ein Gen besitzen, da\u00df das Risiko erh\u00f6ht, im Verlauf des Lebens an Brustkrebs zu erkranken. In Spanien wurde k\u00fcrzlich mittels PID ein Kind selektiert, um als Zellspender f\u00fcr ein Geschwisterkind fungieren zu k\u00f6nnen. Was auf der iberischen Halbinsel f\u00fcr Z\u00fcndstoff sorgte, erregt in den USA und Gro\u00dfbritannien kaum noch jemanden. Da\u00df Kinder als \u201eHeilmittel&#8220; f\u00fcr kranke Geschwister erzeugt werden, kommt zwar auch dort nicht t\u00e4glich vor, ist aber l\u00e4ngst akzeptiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut dem 2007 vorgelegten Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft, der die Zulassung der PID in Deutschland empfiehlt, wurden in Europa bis zum Jahr 1998 im Rahmen k\u00fcnstlicher Befruchtungen gezeugte Embryonen in 2.086 F\u00e4llen auch einer PID unterzogen. 2006 waren es bereits 29.337.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies zeigt: Die Behauptung der BGH-Richter, mit ihrem Urteil w\u00fcrde der Auswahl von Embryonen, \u201eum die Geburt einer &#8218;Wunschtochter&#8216; oder &#8218;Wunschsohnes&#8216; herbeizuf\u00fchren&#8220;, nicht \u201eder Weg ge\u00f6ffnet&#8220;, offenbart bestenfalls Wunschdenken. Bereits die im Sommer 2004 ver\u00f6ffentlichte multinationale Vergleichsstudie \u201eSachstandsbericht Pr\u00e4implantationsdiagnostik&#8220; des \u201eB\u00fcros f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung des Deutschen Bundestags (TAB) kam zu dem Ergebnis, da\u00df sich eine Ausweitung der PID nur durch \u201eein generelles Verbot verhindern&#8220; lasse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df sich die PID nicht begrenzen l\u00e4\u00dft, h\u00e4ngt mit ihrer Natur zusammen. Wer sie als ein Mittel zur Selektion von Menschen mit Behinderungen begreift &#8211; etwas, was Lebensrechtler niemals guthei\u00dfen k\u00f6nnen \u2014 umschreibt sie zwar zutreffend, aber nicht hinreichend. Im letzten zielt die PID n\u00e4mlich darauf, Menschen vor Leid zu bewahren. Was Menschen jedoch als Leid empfinden, ist eine sehr subjektive Angelegenheit, die sich daher auch nicht gesetzlich normieren l\u00e4\u00dft. Was sich normieren l\u00e4\u00dft, ist allein, ob Leid \u2014 das selbstverst\u00e4ndlich prinzipiell durchaus vermieden werden darf\u2014 auch durch die T\u00f6tung von Menschen verhindert werden darf oder eben nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Abtreibung und der Pr\u00e4natalen Diagnostik hat der Gesetzgeber diese Frage mit \u201eJa&#8220; beantwortet. Deswegen werden heute auch Kinder abgetrieben, bei denen eine korrigierbare Kiefer-Gaumen-Spalte diagnostiziert wurde. Nun mu\u00df der Gesetzgeber die gleiche Frage auch f\u00fcr die Laborzeugung beantworten. F\u00e4llt die Antwort genauso wie bei der Abtreibung aus, werden sich auch bei uns die Dinge entwickeln wie andernorts. Die Menschen in Deutschland unterscheiden sich schlie\u00dflich nicht grunds\u00e4tzlich von denen, die in den USA oder Gro\u00dfbritannien leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Claudia Kaminski ist Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht f\u00fcr Alle (ALfA) e.V. (Internet: <a href=\"http:\/\/www.alfa-ev.de\">www.alfa-ev.de<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Junge Freiheit, 15.07.2010 (<a href=\"http:\/\/www.junge-freiheit.de\">www.junge-freiheit.de<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4implantationsdiagnostik: Kein Embryo-Check im Reagenzglas Bekanntlich hat alles seine Zeit. Es gibt eine Zeit zu debattieren \u2014 und eine Zeit zu handeln. Wer Designer-Kinder in Deutschland verhindern will, mu\u00df jetzt schnell handeln. 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