{"id":4731,"date":"2010-06-15T10:56:19","date_gmt":"2010-06-15T08:56:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4731"},"modified":"2010-06-16T16:07:49","modified_gmt":"2010-06-16T14:07:49","slug":"das-losende-wort-im-augenblick-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4731","title":{"rendered":"Das l\u00f6sende Wort im Augenblick der Krise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das l\u00f6sende Wort im Augenblick der Krise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je mehr Einzelnes wir heute vom Menschen wissen, um so weniger wissen wir vom Menschen selber, wer und was er ist: Nackter Affe &#8211; oder was sonst? Wer findet das l\u00f6sende Wort \u00fcber den Menschen und seine Bildung? Nach Meinung des Naturwissenschaftlers Prof. Illies in Kiel zwingt die naturwissenschaftliche Erkenntnis \u00fcber den Menschen auf dem Gebiet der Anatomie wie im Bereich der Verhaltensforschung kein anderes Menschenbild als das im 1. Buch der Bibel: der Mensch ist ein Gesch\u00f6pf, das auf den Anruf Gottes antworten kann. Nicht wenige Naturwissenschaftler, sagt Illies, nehmen deshalb die Genesis zunehmend ernst. Sie begegnen freilich auf ihrem Zug in die Mysterien der Bibel dem Zug der Theologen, die dabei sind, diesen Raum zu verlassen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir scheint, dass wir nicht oder zu wenig der zur Zeit hier und dort wieder bedr\u00e4ngten Juden gedenken und noch weniger der leidenden Christen im sicher un\u00fcbersichtlichen S\u00fcdsudan, mancher Gruppen in Sowjetrussland, in Nordkorea, in China und in dem mit ihm verbundenen Albanien, das sich r\u00fchmt, der erste voll-atheistische Staat der Welt zu sein. Wenn wir heute so sehr die Menschenrechte betonen, so lehrt das Neue Testament uns auch dieser Unterdr\u00fcckten gedenken, wobei wir wissen, dass es ein chemisch reines Glaubensmartyrium nicht gibt. Dazu kommen die Missionare und Zeugen, die sich an vielen Stellen der Welt wie auf verlorenem Posten vorkommen. Sollten wir nicht ganz anders uns als &#8222;Mitgenossen auch dieser Tr\u00fcbsale&#8220; wissen und bekennen? Nat\u00fcrlich: kritische Theologie, kritische Kirche, kritisch reden von Gott, kritisch glauben &#8211; aber auf einmal kann das alles dahin umschlagen, dass wir selber einen Richterstuhl einnehmen, der uns nicht geb\u00fchrt. Wundern wir uns nicht, wenn sich dann das Gericht gegen uns selber wendet! Dann reduziert sich die Lehre von der Kirche auf Kirchenkritik, die Rechtfertigungsbotschaft, in der wir scheinbar einig sind, auf ein Sicht-Selbst-Annehmen oder auf Freiheit von der Moral.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss noch offener reden und greife \u00fcber das Theologische hinaus. Haben diejenigen gar unrecht, die von einer Epoche geistlicher Verwirrung und Verzweiflung reden, in deren Anfang wir uns befinden? Anders gesagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn nicht alles t\u00e4uscht, so stehen wir heute in einem Glaubenskampf, einem Kirchenkampf, gegen\u00fcber dem der Kirchenkampf des Dritten Reiches ein Vorhutgefecht war. Das Unheimliche dabei ist, dass dieser heutige Kampf vielfach kaum erkannt, zu allermeist verharmlost wird und unter Tarnworten wie Pluralismus voranschreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott wird heute vielfach f\u00fcr &#8222;tot&#8220; erkl\u00e4rt, oder &#8222;nicht ganz tot&#8220;. &#8222;Oben im Himmel&#8220; darf er nicht sein, weil das moderne Weltbild es ihm verbietet. Also wird er in die Tiefe des Seins verlegt. Weil sich freilich herausstellt, dass in unserem Keller die wilden Hunde bellen, darum wird Gott heute nach vorne verwiesen, als offene Zukunft &#8211; blo\u00df der, als der er sich geoffenbart hat, darf er nicht sein: der Vater Jesu Christi! &#8222;De Deo&#8220; &#8211; von Gott, hat die Bischofskonferenz der VELKD neulich in ihrer Erkl\u00e4rung ein l\u00f6sendes Wort gesagt? Wir werden es nicht anders finden als vor Gott, im Gespr\u00e4ch mit ihm und im Lob Gottes. Aber &#8211; was verstehen wir unter Gebet? Selbstgespr\u00e4ch &#8211; oder Gespr\u00e4ch mit Gott?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Rundfunkprediger, die auch dies weit hinausgehende, wirkende Wort aus dem H\u00f6ren auf Gottes Wort zu sagen verm\u00f6gen. Aber &#8211; so fragt ein sachverst\u00e4ndiger H\u00f6rer &#8211; warum m\u00fcsst ihr in so vielen Rundfunksendungen einen trostlosen, karikierenden Bankrottkurs steuern!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht wenige Lehrer und Religionslehrer, Katecheten und Katechetinnen k\u00e4mpfen mit Leidenschaft darum, den Kindern den Christusglauben und das Christusleben zu vermitteln. Ihnen sei besonders gedankt. Aber zu Beginn eines Schuljahres \u00fcbernahm ein Pfarrer den Religionsunterricht in einer Klasse. Nach der ersten Stunde erz\u00e4hlten die Kinder zu Hause vom Programm des neuen Religionslehrers: &#8222;Wenn die Klasse nach einem Vierteljahr \u00fcberzeugt ist, dass ich ein Heide bin, dann ist der Zweck meines Unterrichts erreicht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies alles geschieht in derselben Kirche. Man sage nicht, das sei im Protestantismus immer so gewesen. Diese entschuldigende Erkl\u00e4rung konnte gelegentlich zutreffen; heute hat sie ihr Recht verloren, und andere sp\u00fcren es sehr deutlich: &#8222;Die Selbstvernichtung der Theologie vollzieht sich mit einem geradezu ans Komische grenzenden Enthusiasmus&#8220; -, sagt Peter Berger in seinem Buch &#8222;Auf den Spuren der Engel&#8220;. Es geht nicht mehr um verschiedene Auspr\u00e4gungen des Glaubens oder der praxis pietatis, sondern um Glauben gegen Unglauben. Je l\u00e4nger um so weniger l\u00e4sst sich das als Pluralismus deklarieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahl der Kirchenaustritte steigt &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden? Es gibt nicht nur Austritte aus Unglauben, sondern zunehmend auch aus Glauben, zumindest weil man ihn in der Kirche nicht findet. Eltern melden ihre Kinder vom Religionsunterricht ab, nicht nur aus Gleichg\u00fcltigkeit der Kirche gegen\u00fcber, sondern weil sie dem Kind den Christusglauben und die Christliebe erhalten m\u00f6chten. &#8222;Geht aus von ihr!&#8220; rufen heute nicht nur Sektierer. Was ist angesichts der sich vollziehenden inneren und der drohenden \u00e4u\u00dferen Emigration der Gl\u00e4ubigen aus der Evangelischen Kirche in Deutschland zu tun? fragt mich einer, der gerade die Kirche Jesu Christi liebt. Vor mehr als hundert Jahren schrieb der bekannte Aloys Henh\u00f6fer \u00fcber die Folgen eines falschen Pluralismus in der Kirche: &#8222;F\u00fcrs erste wird es Verwirrung in der Kirche geben. Jeder Ort wird seine eigene besondere Lehre haben, je nach dem Glauben und Fortschritt des Predigers. Wir werden wohl Kirchlein, aber keine Kirche mehr haben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der\u00a0Beitrag ist folgender Quelle entnommen: Hermann Dietzfelbinger, &#8222;Das l\u00f6sende Wort im Augenblick der Krise&#8220;, Claudius-Verlag, 1971, 48 Seiten.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hermann Dietzfelbinger (<\/em><em>1908-<\/em><em>1984) war Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern von 1955 &#8211; 1975 und Ratsvorsitzender der EKD von 1967-1973.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das l\u00f6sende Wort im Augenblick der Krise Je mehr Einzelnes wir heute vom Menschen wissen, um so weniger wissen wir vom Menschen selber, wer und was er ist: Nackter Affe &#8211; oder was sonst? Wer findet das l\u00f6sende Wort \u00fcber den Menschen und seine Bildung? 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