{"id":4690,"date":"2010-05-27T14:23:03","date_gmt":"2010-05-27T12:23:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4690"},"modified":"2010-08-03T15:48:07","modified_gmt":"2010-08-03T13:48:07","slug":"praktische-lebensrechtsarbeit-an-der-basis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4690","title":{"rendered":"Praktische Lebensrechtsarbeit an der Basis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Praktische Lebensrechtsarbeit an der Basis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer sind die \u201esogenannten selbsternannten Lebenssch\u00fctzer\u201c&#8230;<br \/>\n<\/strong>&#8230; wie sie oft in diskriminierender Absicht genannt werden? Ohne anders motivierte Mitstreiter in irgendeiner Weise gering sch\u00e4tzen zu wollen, l\u00e4sst sich leicht feststellen, dass es sich weit \u00fcberwiegend um Christen aus verschiedenen Kirchen handelt, die in der Regel in satzungsgem\u00e4\u00df \u00fcberkonfessionellen Gruppierungen zusammenarbeiten. Die meisten Vereine haben zwar eine konfessionelle Mehrheitspr\u00e4gung \u2013 katholisch, evangelisch oder freikirchlich \u2013 sind aber grunds\u00e4tzlich eben offen f\u00fcr alle Interessierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt auf der Hand, dass in einer Kommune eine Organisation mit zw\u00f6lf Aktiven mehr Sinn macht als drei mit jeweils vier Mitgliedern! Die praktizierte \u00d6kumene vor Ort zu einem speziellen Thema klappt auch in der Regel \u2013 Themen wie Taufe oder Papst d\u00fcrfen in einem freiwilligen themenorientierten Arbeitskreis keinen Raum haben. Dann kann es gelingen, eine im besten Wortsinn \u201echristliche B\u00fcrgerinitiative\u201c zu werden, die als mit der Zeit spezialisierte Gruppe ihr Wissen und ihre Erkenntnisse in den Diskurs einer demokratische Gesellschaft einbringt: \u201eSuchet der Stadt Bestes!\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum sind derartige B\u00fcrgerinitiativen entstanden?<br \/>\n<\/strong>Vielleicht l\u00e4sst es sich auf die einfache Formel bringen: Das (in der Regel vom Glauben gepr\u00e4gte) Gewissen der jeweiligen Initiatoren hat alarmiert reagiert, als sie realisiert haben, wie schlecht es um das verfassungsm\u00e4\u00dfig gesch\u00fctzte menschliche Lebensrecht in der Wirklichkeit tats\u00e4chlich bestellt ist! Damit eine solche Erkenntnis nicht auf einer akademischen Ebene stehen bleibt, sondern einen starken Impuls zum Handeln ausl\u00f6st, kommt ein zweites hinzu: Das Erschrecken dar\u00fcber, dass es sich nicht nur um eine philosophische Grundsatzdebatte handelt, sondern die Verletzung des Rechts auf Leben jeweils ganz und gar konkretes menschliches Leid bedeutet und nach sich zieht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oftmals sind die Erfahrungen im beruflichen Umfeld medizinischer Berufe \u2013 bei Hebammen, Krankenschwestern, \u00c4rzten \u2013 oder seelsorgerisch-therapeutischer T\u00e4tigkeit oder einfach durch aufmerksames Wahrnehmen von Hilfesignalen betroffener Menschen entstanden, ebenso nat\u00fcrlich auch im juristischen Bereich durch die v\u00f6llig unbefriedigende rechtliche Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit wann ist diese Entwicklung zu beobachten?<br \/>\n<\/strong>Auch wenn jede Entwicklung ihre lange Vorgeschichte hat, l\u00e4sst sich eindeutig feststellen, wie die jetzige Situation nach dem Abklingen der schockierenden kriegsbedingten Menschenrechtsverletzungen seit rund vierzig Jahren Fahrt aufnimmt. In der DDR schon 1972, in der BRD 1974 (wie nahezu zeitgleich in weiten Teilen Europas) wurde die Gesetzeslage zu Ungunsten des Lebensrechts Ungeborener \u2013 und vermehrt auch Geborener \u2013 ver\u00e4ndert. Seitdem regt sich zunehmender Widerstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je nach pers\u00f6nlicher Energie, nach beruflichen Einflussm\u00f6glichkeiten, finanzieller Unterst\u00fctzung durch Spender, institutioneller Unterst\u00fctzung durch Kirchengemeinden entstanden Vereine wie z.B. die ALfA (Aktion Lebensrecht f\u00fcr alle), pro vita oder KALEB (Kooperative Arbeit Leben Ehrf\u00fcrchtig Bewahren), letztere noch in den letzten Jahren der DDR im Werden und gleich nach der friedlichen Revolution von 100 Leuten in Leipzig gegr\u00fcndet. Christliche \u00c4rzte- und Juristenvereinigungen taten das Ihnen M\u00f6gliche, das soziale Engagement mit wissenschaftlicher Arbeit und Argumentationshilfen zu untermauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nicht zu vergessen: auch von theologischer Seite entwickelten sich \u2013 leider \u2013 unterschiedliche Positionen in der Beurteilung der staatlichen Regelungen, so dass die Lebensrechtbewegungen nicht nur gegen\u00fcber der ver\u00f6ffentlichten Meinung und allen im Parlament vertretenen Parteien eine Minderheitenmeinung vertreten, sondern dieser Befund leider auch gegen\u00fcber erheblichen Teilen der Kirchenleitungen gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Worum geht es eigentlich?<br \/>\n<\/strong>Eigentlich scheint es klar zu sein: Selbstverst\u00e4ndlich um das wichtigste Recht \u00fcberhaupt \u2013 denn ohne das abgesicherte Recht auf Leben brauchen wir uns um alle anderen Menschenrechte gar keine Gedanken mehr zu machen! Wenn das Hauptrecht schon verletzt wird, braucht man sich ja \u00fcber die Gef\u00e4hrdung der abgeleiteten Rechte nicht zu wundern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese f\u00fcr an der Sch\u00f6pfung orientierte Christen naheliegende Sicht gilt aber schon lange nicht mehr unangefochten. Fast unbemerkt von der breiten \u00d6ffentlichkeit bestimmt ein neues \u2013 scheinbares \u2013 \u201eBasis\u201c-Recht die Agenda der nationalen, EU- und UN-Politik: Das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung (international auch: \u201ereproductive health\u201c, reproduktive Gesundheit, genannt) hat dem Recht auf Leben (\u201eright to life\u201c) den Rang abgelaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist eine ganze Kette von Entwicklungen in Gang gekommen, wovon die Liberalisierung der Abtreibung nur der erste gro\u00dfe Baustein war. Schon fr\u00fch wurde von Lebensrechtlern vorhergesagt, was wir in diesem Jahrzehnt erleben: Wenn wir heute (in den Siebzigern) die Abtreibung freigeben, wird es in drei\u00dfig Jahren die Euthanasie sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parallel dazu sind durch medizintechnische M\u00f6glichkeiten, u.a. der k\u00fcnstlichen Befruchtung, verbrauchenden Embryonenforschung (embryonale Stammzellforschung), genetischen Eingriffe, Pr\u00e4nataldiagnostik, ethische Fragestellungen entstanden, die einerseits als \u201eneu\u201c bezeichnet werden, aber andererseits im Kern immer die \u201ealten\u201c geblieben sind: Wann ist der Mensch ein Mensch? Was folgt daraus f\u00fcr seine Menschenrechte? Und f\u00fcr die Beschr\u00e4nkung der Verf\u00fcgungsrechte anderer \u00fcber ihn? Darf der Mensch alles, was er kann? Heiligt der Zweck die Mittel?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche Strukturen haben sich entwickelt?<br \/>\n<\/strong>Wegen dieser Vielfalt an Fragestellungen verwundert es nicht, dass es eine ebenso gro\u00dfe Palette an Aufgabenstellungen gibt, in denen sich Lebensrechtler bet\u00e4tigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Hunderten von Standorten gibt es lokale, regionale oder bundesweit t\u00e4tige Einzelpersonen, Arbeitsgemeinschaften, Vereine und Verb\u00e4nde. Wie immer h\u00e4ngt vieles an den bereits genannten individuellen Ressourcen.Vereine entstehen, wachsen, verschwinden auch wieder. Neue Gruppen entstehen fortlaufend. Manchmal bleibt es \u00fcber viele Jahre an einem Ort bei Einzelpersonen, Ehepaaren oder einem Hauskreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den effektivsten Weg der Arbeit gibt es naturgem\u00e4\u00df unterschiedliche Vorstellungen: Manche Initiative sucht und f\u00f6rdert bewusst die regionale Zusammenarbeit \u00fcber Verbandsgrenzen hinweg, andere streben nach gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Wachstum der eigenen Organisation, andere betonen durchaus auch die konfessionelle Bindung, einzelne halten ihre Strategie nicht f\u00fcr mehrheitsf\u00e4hig und verstehen sich bewusst als Einzelk\u00e4mpfer. Insgesamt wird die f\u00fcr die mediale Aufmerksamkeit immer wieder genannte Gr\u00f6\u00dfenordnung von 50.000 Mitgliedern mit Sicherheit deutlich \u00fcberschritten \u2013 allerdings ist dies organisatorisch zur Zeit noch nicht darstellbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Gesamtbild entspricht auch die inhaltliche Differenzierung der Arbeit. Nur wenige gr\u00f6\u00dfere Organisationen decken fast die gesamte Bandbreite der nachfolgend genannten Bet\u00e4tigungsfelder ab (und auch dies nicht an allen Standorten, sondern durchaus sehr unterschiedlich). Bei anderen Initiativen handelt es sich entsprechend der selbst gew\u00e4hlten Aufgabe um Spezialisten, z.B. in der Betreuung von Frauen nach Abtreibung (Rahel e.V.), der therapeutischen Behandlung des Abtreibungs-Traumas, Behandlung juristischer Fragen, finanzieller F\u00f6rderung Einzelner und gr\u00f6\u00dferer Projekte (Stiftung Ja zum Leben) oder der Planung einer virtuellen Gedenkst\u00e4tte (pro conscientia), um nur einige zu nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wo findet die Arbeit statt?<br \/>\n<\/strong>Mit der eingangs zitierten Titulierung k\u00f6nnen wir gut leben, aber dem h\u00e4ufig als weiterer Kritik angef\u00fcgten Vorwurf z.B. in der Abtreibungsproblematik, wir setzten uns nur daf\u00fcr ein, dass alle Kinder geboren w\u00fcrden \u2013 danach seien uns Mutter und Kind egal, k\u00f6nnen wir mit voller Berechtigung unter Hinweis auf eine beeindruckende Landkarte von Hilfsangeboten entgegentreten. (\u201eHilfreiche Adressen\u201c hrsg. vom Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen) Die klassischen Beratungsstellen, Kleiderkammern, Mutter-Kind-Einrichtungen bilden ein bundesweites Netzwerk, mit dessen Hilfe konkrete Unterst\u00fctzung oft wohnortnah organisiert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gr\u00f6\u00dfere Vereine haben daf\u00fcr angemietete R\u00e4ume, manchmal in Verbindung mit Familienzentren unterschiedlicher Tr\u00e4gerschaft, gelegentlich unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert durch Kirchengemeinden \u2013 eins bleibt allerdings festzuhalten: der allergr\u00f6\u00dfte Teil dieser Sozialarbeit und Seelsorge findet ausschlie\u00dflich ehrenamtlich und durch Spenden finanziert statt, oft genug buchst\u00e4blich in der eigenen Wohnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch erreicht die geleistete Arbeit vielerorts ein professionelles Niveau, das keinen Anlass hat, gering von sich zu denken. Die Mitarbeiter bringen ihre beruflichen und sonstigen Qualifikationen in das Ehrenamt ein und bilden sich auf vielf\u00e4ltige Weise f\u00fcr ihren Einsatz weiter. Die Fortbildungen, Tagungen und Konferenzen zu Lebensrecht-Themen haben inzwischen einen beachtlichen Umfang erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In eine argumentative Falle sollte sich die Lebensrecht-Bewegung allerdings nicht locken lassen: Die nachweisbare praktische Hilfestellung ist oft genug der Beginn des Engagements und aus christlicher Sicht als Samariterdienst auch selbstverst\u00e4ndlich geboten \u2013 eine Bedingung, um sich in die gesellschaftliche Debatte einmischen zu d\u00fcrfen, ist sie aber zweifellos nicht! Um es zuzuspitzen: Wenn die gesamte deutsche Lebensrecht-Bewegung aus einem einzigen alten Mann best\u00fcnde, der jeden Samstag um 15 Uhr f\u00fcr eine Stunde unter dem Brandenburger Tor ein Schild hochhalten w\u00fcrde mit der Aufschrift: \u201eAbtreibung soll nach Gottes Willen nicht sein!\u201c \u2013 so h\u00e4tte er alles Recht der Welt und Gottes Segen dazu!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was geschieht sonst noch?<br \/>\n<\/strong>Durch Vortr\u00e4ge, Diskussionen und Workshops, mit Messest\u00e4nden und auf Kirchentagen, im Schulunterricht und durch \u00f6ffentlichkeitswirksame Ma\u00dfnahmen wird Information und Bewusstseinsver\u00e4nderung angestrebt. Hier greifen erneut die jeweils unterschiedlichen Begabungen und Zug\u00e4nge der Aktiven.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst im Kindergarten k\u00f6nnen bereits die Grundlagen gelegt werden, \u00fcber den Menschen als Gottes wertvolle Sch\u00f6pfung zu staunen, an die im Teenageralter wieder angekn\u00fcpft werden kann. Als Eltern in den Schulpflegschaften kann versucht werden, Einfluss auf die Gestaltung des Sexualkundeunterrichts (wer macht ihn mit welchem Material?) zu nehmen. In Gemeinden und Kirchen k\u00f6nnen Gruppenabende und Gottesdienste organisiert werden, auf Stadtfesten und \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen kann Pr\u00e4senz gezeigt werden \u2013 und der bei weitem \u00f6ffentlichste Raum ist das Internet!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist faszinierend, welche Kreativit\u00e4t gerade auch in jungen Leuten steckt, die sie bereitwillig auch f\u00fcr die Lebensrechtthemen investieren. Erstaunlich viele junge M\u00e4dchen wagen es, sich in Referaten vor ihren Klassen mit dem Tabuthema Abtreibung zu besch\u00e4ftigen. Wer nicht wei\u00df, wie er anfangen soll, wende sich an unsere Vereine, es gibt Ideen, Material und Referenten \u00fcberall in Deutschland, die bereitwillig Starthilfe geben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ein Gedanke zur Zusammenarbeit: \u201eDie\u201c Lebensrecht-Bewegung ist kein so einheitlicher Meinungsblock, wie es vielleicht erscheinen mag! Die Grund\u00fcberzeugung, dass das menschliche Leben von der Zeugung bis zum nat\u00fcrlichen Tod zu sch\u00fctzen ist, eint diejenigen, die sich f\u00f6rdernd oder aktiv beteiligen, aber sie haben naturgem\u00e4\u00df nicht in jedem Detail, z.B. bei der Frage einer verantwortbaren Geburtenregelung oder der Organspende v\u00f6llig \u00fcbereinstimmende Antworten. Die Grund\u00fcberzeugung hilft aber, sich weitere Gedanken um Auswirkungen f\u00fcr die einzelnen Mitglieder und die Gesellschaft als Ganzes zu machen, wenn permanent gegen elementare Menschenrechte versto\u00dfen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie lange wird noch um das Recht auf Leben gestritten werden?<br \/>\n<\/strong>Es geh\u00f6rt zu den Standards\u00e4tzen bei Jubil\u00e4en in der Lebensschutzbewegung, dass es eigentlich bedauerlich sei, dass man noch da sei&#8230; Wer nicht einfach zufrieden sein kann damit, dass er einem Verband angeh\u00f6rt, der zu einem ethischen Thema eine offenbare Minderheitenposition vertritt, muss logischerweise darauf hoffen, dass der Tag kommen wird, an dem der Verband seine Selbstaufl\u00f6sung bekannt gibt &#8211; nicht weil der letzte Spender verstorben ist, sondern weil der satzungsgem\u00e4\u00dfe Zweck erf\u00fcllt ist! Christen sind Realisten und k\u00f6nnen diese Spannung darum hoffentlich am besten ertragen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis z. B. die evangelische Kirche erkennt, dass sie in ein staatliches Unrechtssystem verstrickt ist (mit der Vergabe des Beratungsscheins), oder bis Regierungen durch entsprechende Gesetze das Grundrecht auf Leben sch\u00fctzen, weil sich gesellschaftliche Mehrheiten gebildet haben, die der Sch\u00f6pfungsordnung wieder mehr Bedeutung beimessen als die letzen zehn Parlamente!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Realit\u00e4t geh\u00f6rt zur Zeit aber noch die gegenteilige Entwicklung: An der Spitze der ethischen Pyramide steht das Primat der Selbstbestimmung, das nun spiegelbildlich auch Anwendung findet auf das Ende des Lebens. In Europa (Benelux-Staaten) greifen bereits gesetzliche Regelungen, die nach \u00e4hnlichen Prinzipien funktionieren wie es bei der T\u00f6tung vor der Geburt der Fall ist. Wegen dieser ausufernden Gefahr f\u00fcr alle B\u00fcrger, denn einmal geboren, werden wir alle alt!, k\u00f6nnen die lebensrechtsbewegten Aktiven nicht damit zufrieden sein, vom Staat unbehelligt in einer Nische, nicht einmal finanzielle Mittel fordernd, ihre ethisch einwandfreie Beratung, soziale Arbeit und Seelsorgeleistungen zu erbringen und sich ansonsten aus der Politik herauszuhalten. Oder um es noch einmal bildlich zuzuspitzen: Wir k\u00f6nnen uns nicht damit ruhigstellen lassen, den Blumenladen im Todeslager betreiben zu d\u00fcrfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie also kann die zuk\u00fcnftige Arbeit f\u00fcr das Recht auf Leben aussehen?<br \/>\n<\/strong>Durch intensive Anstrengungen auf den skizzierten vielf\u00e4ltigen Ebenen wird weiterhin versucht werden, die \u201eSalz und Licht\u201c \u2013 Funktion auszu\u00fcben. Damit nicht nur den Geboten Gottes Geltung verschafft wird (in einem theologisch korrekten Sinn), sondern damit Menschen in unserer Gesellschaft ganz konkret erfahren, dass sie sich durch deren Beachtung und Anwendung nicht nur Leid vom Leibe halten, sondern auch Gl\u00fcck gewinnen k\u00f6nnen!Die praktischen Arbeitsbereiche lassen sich noch einmal in vier Handlungsfeldern zusammenfassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00e4vention \u2013 Aktion \u2013 Reaktion &#8211; Agitation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00e4vention<br \/>\n<\/strong>Die Aufkl\u00e4rung \u00fcber biologische, medizinische Fakten, Sexualaufkl\u00e4rung, Vermittlung ethischer Werte in Kinderg\u00e4rten, Schulen, Kirchengruppen, auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen, durch pers\u00f6nliche Ansprache, Vortrag, Diskussion und Materialversand wird eine tragende Rolle behalten. Die Erfahrung lehrt, dass immer noch eine erschreckende Unkenntnis z.B. \u00fcber die Entwicklung des Lebens vorherrscht. Lang gediente Lebenssch\u00fctzer fragen sich immer wieder, wie es angehen kann, dass man scheinbar jedes Jahr wieder aufs Neue bei \u201eNull\u201c anf\u00e4ngt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei n\u00e4herer Betrachtung wird klarer, dass eine interessegeleitete Sozialwissenschaft und P\u00e4dagogik die dominierenden Pr\u00e4missen der scheinbar befreiten Sexualerziehung nur aufrechterhalten k\u00f6nnen, wenn nicht allzu faktenbasiertes Wissen \u00fcber den Beginn des menschlichen Lebens, seine personale W\u00fcrde und daraus abgeleitet verfassungsrechtlich verbriefte Rechte bekannt sind!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas nicht sein darf, das nicht sein kann!\u201c \u00c4hnliches gilt leider auch zunehmend f\u00fcr die Natur-, Medizin- und juristische Wissenschaft, die in der Euthanasiedebatte erstaunlich bereitwilliges \u201eExpertenwissen\u201c bereitstellt, um liberalisierenden Positionen Nachdruck zu verleihen. \u201eWas sein soll, das sein kann!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aktion<br \/>\n<\/strong>In dem Moment, wo Frauen, M\u00e4nner und Familien mit konkretem Beratungsbedarf oder in konkreter Not mit Personen oder Institutionen aus der Lebensrecht-Bewegung in Kontakt treten, d\u00fcrfen sie eine echte alternative Beratung und Hilfestellung erwarten, weil die Anbieter von einem so definierten christlichen Menschenbild ausgehen, das lebensvernichtende M\u00f6glichkeiten von vornherein kategorisch ausschlie\u00dft und Hoffnung als Grundhaltung im Angebot hat!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Beispiel des Namensgebers \u201eKaleb\u201c (vgl. u.a. 4. Mose Kap. 13-14) l\u00e4sst sich dies verdeutlichen. Zw\u00f6lf Kundschafter sahen sich im gelobten Land um. Modern gesprochen: Sie studierten die gleichen gesellschaftlichen Umst\u00e4nde und kamen doch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Mehrheitsfraktion best\u00e4tigte zwar Gottes versprochene Angaben, sahen aber f\u00fcr die Erreichung des Landes keine reellen Chancen. Zwei von ihnen (Kaleb und Josua) gaben ein Minderheitenvotum ab, verschwiegen die realen Probleme nicht, kamen aber zu der zentralen Schlussfolgerung: Mit Gottes Hilfe k\u00f6nnen wir es schaffen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Grundton der Ermutigung brauchen Menschen zur Abwendung und \u00dcberwindung von Notlagen, sei es im Zusammenhang mit unerwarteten Schwangerschaften, den Herausforderungen des Lebens mit einer Behinderung oder der Bew\u00e4ltigung von Krankheit am Lebensende!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Reaktion<br \/>\n<\/strong>Leider kommt die rettende Information, Beratung oder Hilfe nicht immer rechtzeitig oder wird auch verworfen. Deshalb nimmt die Hilfe z.B. in der Bew\u00e4ltigung des Traumas nach Abtreibung (Post-Abortion-Syndrom PAS) einen nicht unerheblichen Raum in der Praxis der Lebensrechtsarbeit ein. Gerade hier wird den Engagierten besonders viel abverlangt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zum \u201estaatlich geregelten\u201c Beratungssystem, das eine Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Handelns ja nur formal vort\u00e4uschen kann, somit m\u00f6gliche negative Folgen nur am Rande erw\u00e4hnen oder als Einzelf\u00e4lle verharmlosen muss, geht der alternative Ansatz realistischerweise von der Verletztheit der menschlichen Seele durch ein unmenschliches Geschehen, von einer missbrauchten vorgeblichen Gewissensfreiheit in gro\u00dfem Umfang aus. Indem diese Folgen erwartet werden, ist man auf sie vorbereitet, verdr\u00e4ngt sie nicht durch Bagatellisierung, kann dadurch echte Trauer zulassen, echte Schuld erkennen lassen \u2013 und hat den einzig echten Trost und die einzig wirksame Vergebung durch Christus anzubieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kein Zufall, dass es gesellschaftliche Fortschritte zu beobachten gibt in der Verarbeitung von Fr\u00fch- und Totgeburten. Hier wird an vielen Orten die Sprachlosigkeit verlassen und die Trauer zugelassen und Eltern bessere Hilfe als noch vor kurzer Zeit zugestanden. Es bleibt sehr zu w\u00fcnschen, dass als n\u00e4chster Schritt auch erkannt wird, welche Riesenprobleme durch die zahlenm\u00e4\u00dfig ja viel gr\u00f6\u00dfere Not der millionenfachen Abtreibung entstanden ist \u2013 und die Gesellschaft als Ganzes nur das Tabu des Schweigens anzubieten hat. Auch an dieser Stelle bet\u00e4tigen sich Lebensrechtler vielfach segensreich als Br\u00fcckenbauer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und man braucht kein Prophet zu sein, um eine neue Not am Horizont heraufd\u00e4mmern zu sehen: Vielleicht sprechen wir bald von einer geh\u00e4uft auftretenden neuen Variante der posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung \u2013 dem \u201ePES\u201c(Post-Euthanasie-Syndrom), weil mitwirkende Angeh\u00f6rige oder medizinische Mitarbeiter mit einer weiteren gesellschaftlich erm\u00f6glichten Option pl\u00f6tzlich nicht mehr gut zurechtkommen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Agitation<br \/>\n<\/strong>So haben wir keine wirkliche Wahl, auch weiterhin die vierte S\u00e4ule der praktischen Arbeit zu betreiben, die Agitation im w\u00f6rtlichen Sinne von politischer Aufkl\u00e4rungs- und \u00dcberzeugungsarbeit. Es gilt ja nicht nur den einzelnen B\u00fcrger zu gewinnen, sondern alles Menschenm\u00f6gliche zu versuchen, um auf meinungsbildende Medien, Pers\u00f6nlichkeiten, Politiker und Organisationen einzuwirken. Auch diese sind oft schlecht, falsch oder tendenzi\u00f6s informiert, haben in der F\u00fclle der Aufgaben nicht gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr vertiefte Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade werteorientierte Politiker und Journalisten sagen uns offen, wie sehr sie unsere Stimme brauchen, um mit Nachdruck in ihrer auch oft genug nur Minderheitenposition an ihrem Platz argumentieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leserbriefe, Resolutionen, Lobbyarbeit wo immer m\u00f6glich, sind n\u00f6tig, um deutlich zu machen, dass nicht verschrobene Einzelne oder fundamentalistische Christen, sondern zigtausende (W\u00e4hler-) Stimmen verbesserte Bedingungen zur Durchsetzung des Rechts auf Leben fordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein die Meinungs\u00e4u\u00dferungen, Erlebnisse und pers\u00f6nlichen Erfahrungen, die in einem Workshop wie diesem sehr eindr\u00fccklich von den Teilnehmern berichtet werden, strafen jene Vorw\u00fcrfe L\u00fcgen, die oft genug gegen\u00fcber Lebenssch\u00fctzern erhoben werden: Sie w\u00fcrden sich Geschichten ausdenken, um z.B. Frauen Schuld einzureden, die es real gar nicht g\u00e4be. Da gibt es nur eine Antwort: H\u00f6rt endlich auf die Betroffenen, wenn Ihr uns nicht glaubt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt erfreulicherweise eine zunehmende Berichterstattung in Medien, von denen es nicht unbedingt zu erwarten ist, in denen die bisherige Praxis kritisch beleuchtet wird und Betroffene zu Wort kommen. Ermutigen wir auch diese Redaktionen durch unsere Reaktionen, melden wir uns in Internetforen zu Wort und seien wir nicht entt\u00e4uscht, wenn in Antworten aus Ministerien oder Kirchenleitungen (noch!) nur abwiegelnde Floskeln stehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und raffen wir uns auf zu Taten, die uns so gar nicht liegen: Gehen wir gemeinsam auf die Stra\u00dfe, an vielen Orten, aber vor allem bei dem j\u00e4hrlich im September stattfinden Marsch f\u00fcr das Leben in Berlin! Damit reihen wir uns sichtbar ein in die internationale ProLife-Bewegung, denn Gesetze und Ideologien verbreiten sich schon lange nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedanken zum Schluss<br \/>\n<\/strong>Wenn wir auch in einem fortlaufenden Prozess<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; nach immer neuen oder geeigneteren Wegen und \u00fcberzeugenden Argumenten suchen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; unsere Materialien immer weiter aktualisieren und ansprechender gestalten wollen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u00fcber notwendige Strukturen, einen starken Dachverband und das \u00dcberwinden von Vereinsegoismen nachdenken,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">so bleibt eines ganz zentral: Wir werden die Welt allein nicht retten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen eine geistliche Gebetsbewegung bleiben, die den \u201eErfolg\u201c nicht von bestm\u00f6glichen Strategien, Strukturen oder Geldmitteln erwartet!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur unser Vertrauen auf Gott und sein Wirken auch in unseren gesellschaftlichen Umst\u00e4nden wird uns vor Militanz oder Burn-Out bewahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum hilft eine Verankerung der Lebensrechtsbewegung in m\u00f6glichst vielen Kirchengemeinden nicht nur jedem einzelnen Aktiven pers\u00f6nlich, sondern auch den Kirchen insgesamt bei einer Kl\u00e4rung der innerkirchlichen Position, um sie die klare Stimme in lebensethischen Fragen zur\u00fcckfinden zu lassen, die die Gesellschaft so dringend braucht \u2013 und erwarten darf!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.lebensrecht.de\">www.lebensrecht.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.bv-lebensrecht.de\">www.bv-lebensrecht.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tclrg.de\">www.tclrg.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kaleb.de\">www.kaleb.de<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Seminarvortrag von Gerd Steier, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Kaleb e. V. (Berlin) vom\u00a027.02.10 anl\u00e4ssliche des\u00a0Kongresses des Gemeindehilfsbundes \u00a0\u201eVerf\u00fcgungsmasse Mensch?\u201c\u00a0im Tagungszentrum Salem in Bad Gandersheim. <\/em><em>Die Beitr\u00e4ge des Kongresses erscheinen in einer idea-Dokumentation, die ab Juni 2010 unter www.gemeindehilfsbund.de oder in der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, Lerchenweg 3, 29664 Walsrode bestellt werden kann.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Praktische Lebensrechtsarbeit an der Basis Wer sind die \u201esogenannten selbsternannten Lebenssch\u00fctzer\u201c&#8230; &#8230; wie sie oft in diskriminierender Absicht genannt werden? Ohne anders motivierte Mitstreiter in irgendeiner Weise gering sch\u00e4tzen zu wollen, l\u00e4sst sich leicht feststellen, dass es sich weit \u00fcberwiegend um Christen aus verschiedenen Kirchen handelt, die in der Regel in satzungsgem\u00e4\u00df \u00fcberkonfessionellen Gruppierungen zusammenarbeiten. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":237,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4690"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/237"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4690"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4851,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4690\/revisions\/4851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}