{"id":4665,"date":"2010-05-22T06:15:21","date_gmt":"2010-05-22T04:15:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4665"},"modified":"2010-05-20T17:05:15","modified_gmt":"2010-05-20T15:05:15","slug":"vom-rechten-osterlamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4665","title":{"rendered":"Vom rechten Osterlamm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom rechten Osterlamm<br \/>\nPredigt zum Pfingstfest \u00fcber Apostelgeschichte 2,1 &#8211; 14<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und als der Tag der Pfingsten erf\u00fcllet war, waren sie alle einm\u00fctig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erf\u00fcllte das ganze Haus, da sie sa\u00dfen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als w\u00e4ren sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des Heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesf\u00fcrchtige M\u00e4nner, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden best\u00fcrzt; denn es h\u00f6rte ein jeglicher, da\u00df sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht dieser alle, wider reden, aus Galil\u00e4a? Wie h\u00f6ren wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Jud\u00e4a und Cappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, \u00c4gypten, und an den Enden der Lybien bei Kyrene, und Ausl\u00e4nder von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber; wir h\u00f6ren sie mit unseren Zungen die gro\u00dfen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem anderen: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll s\u00fc\u00dfes Weins.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Das Wort &#8222;Pfingsten&#8220; ist nicht deutsch, sondern aus dem Griechischem genommen, die hei\u00dfen Pfingsten den 50. Tag. Denn der Pfingsttag ist der 50. Tag nach Ostern, und ist bei den Juden ein besonderes Fest gewesen, darum, da\u00df sie am 50. Tag, nachdem sie das Osterlamm in \u00c4gypten gegessen und aus \u00c4gypten gezogen waren, am Berge Sinai die Zehn Gebote empfangen haben. Weil aber solches eine gro\u00dfe Wohltat ist, da\u00df Gott selbst seinen Willen vom Himmel herab ihnen er\u00f6ffnet hat, da\u00df sie wissen konnten, woran doch Gott ein Gefallen oder Ungefallen geschehe, was er haben oder nicht haben wollte: darum hat Gott geboten, diesen 50. Tag nach Ostern f\u00fcr heilig zu halten, da\u00df solcher Wohltat gedacht w\u00fcrde, und sie sich flei\u00dfiger nach Gottes Wort und Willen schicken lernten, wenn sie h\u00f6rten und daran d\u00e4chten, mit welchem Ernst Gott seinen Willen er\u00f6ffnet, und sie sich dagegen verpflichtet h\u00e4tten, solchem Willen mit Flei\u00df zu halten, wie die Geschichte im Buch Mose im 19. Und 20. Kapitel schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Nun sieht man aber in den Geschichten des Alten Testaments, wie Paulus sagt, 1 Korinther 10,6., was den Juden widerfahren ist, da\u00df es alles ein Vorbild gewesen ist der Geschichten, so im neuen Testament in der Zeit der Gnade geschehen sollten. Darum gleichwie wir im neuen Testament ein anderes und besseres Osterlamm zu essen haben (denn dort in \u00c4gypten half das Blut des Lammes, damit sie die Pfosten bestrichen, nur dazu, da\u00df der Engel, der Verderben, dem Leib nicht Schaden t\u00e4te und die erstgeborenen Fr\u00fcchte nicht t\u00f6tete: dagegen unser Osterlamm Christi Jesu Blut dazu dient, da\u00df wir aus dem rechten \u00c4gypten, n\u00e4mlich, aus des Teufels Tyrannerei, von der S\u00fcnde und dem ewigen Tod erl\u00f6st werden): also haben wir im neuen Testament auch ein anderes und ein besseres Pfingsten, denn jenes im Alten Testament gewesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Jene empfingen am Berge Sinai die Zehn Gebote. Das ist an sich selbst eine gute, n\u00f6tige, k\u00f6stliche Predigt, da man Gott f\u00fcr danken soll. Aber mit solcher Predigt ist uns nichts geholfen wider des Teufels Reich, die S\u00fcnde und den Tod; sondern das Gesetz hilft allein dazu, das wir noch gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnder werden, und unser eigen Gewissen uns gegen Gott verklagt und beschuldigt; besonders weil wir das nicht vollkommen tun, da\u00df uns zu tun aufgelegt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Darum wie es ein schreckliches Ansehen hatte am Berge Sinai, da Gott redete, und Blitze und Donner durch einander gingen, da\u00df der ganze Berg rauchte und bebte; also tut das Gesetz heute noch: wo es die Herzen recht trifft, da schreckt es und macht bl\u00f6de und zaghaft, da\u00df man nicht wei\u00df, wo man vor Angst bleiben soll. Denn wissen, was Gott haben will, und daneben f\u00fchlen, da\u00df man es nicht gehalten hat, solches ist unm\u00f6glich, da\u00df es einen Menschen nicht anfechten noch Angst machen sollte. Denn was Gott den \u00dcbertretern seines Wortes droht, das ist vor Augen, n\u00e4mlich, den ewigen Tod und alles Ungl\u00fcck. Darum ist solch Juden Pfingsten und Pfingstpredigt ein schreckliches, unfreundliches Pfingsten und Predigt, da nicht viel Freude bei sein kann. Denn es hat \u00fcber die Ma\u00dfen ein schreckliches Ansehen gehabt, da\u00df die Juden selbst sagen mu\u00dften und bitten: Ach, rede du mit uns; denn soll der Herr mit uns reden, so m\u00fcssen wir sterben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Was haben wir aber dagegen f\u00fcr ein Pfingsten im neuen Testament? Ein \u00fcber aus herrliches und freundliches, wo kein Schrecken sondern nur lauter Freude, Mut und Wonne bei ist. Denn also sagte Evangelist, wie wir im Text geh\u00f6rt, da\u00df am Pfingsttag, da die Juden mit der Danksagung f\u00fcr die Zehn Gebote umgegangen und die Geschichte am Berg Sinai ger\u00fchmt haben, sind die Apostel und andere Christen bei einander in einem Haus gewesen. Da habe sich pl\u00f6tzlich ein Brausen vom Himmel herunter, als eines gewaltigen Windes, erhoben, und das ganze Haus erf\u00fcllt, da\u00df es alles wieder einander get\u00f6nt hat. Und neben solchem Weben und Brausen habe man zerteilte feurige Flammen gesehen, wie die Flammen vom Feuer \u00fcber sich lodern, da\u00df also der Heilige Geist sich da hat \u00f6ffentlich h\u00f6ren und sehen lassen. Denn in dem Brausen hat man ihn geh\u00f6rt und in den Feuerflamen gesehen; wie denn Christus zuvor gesagt und Johannes der T\u00e4ufer auch geweissagt hatte, sie sollten mit Geist und Feuer getauft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Es hat aber solches seine besondere Deutung und Ursache, denn die Zungen bedeuten das Predigtamt, da\u00df soll nicht vergebens sein; es soll die Herzen anwehen und ein neues Licht oder Feuer darin anz\u00fcnden, wie wir noch sp\u00e4ter davon sagen werden. Bald nun auf solches Brausen und Feuerflammen setzt sich der Heilige Geist auf einen jeden unter ihnen, und z\u00fcndeten ihre Herzen so an, er durchweht sie also, da\u00df sie in einem Augenblick Gott und seinen Sohn Christum Jesum recht erkennen, und die ganze Schrift verstehen, und einen solchen Mut haben, das sie solchen Verstand nicht bei sich behalten, sondern frei \u00f6ffentlich bekennen d\u00fcrfen. Und kam noch das herrliche Wunderwerk dazu, da\u00df sie allerlei Sprachen reden k\u00f6nnen, so sie doch nur ihre Muttersprache vor diesem Augenblick konnten. Denn zu Jerusalem mu\u00dfte es anfangen, aber da nicht bleiben; sondern, wie die Propheten zuvor geweissagt, sollte das Evangelium in allen Sprachen bald im ersten Anfang gehen und klingen. Dieses zum Zeugnis, da\u00df es im j\u00fcdischen Lande nicht bleiben, sondern in alle Welt und allen Sprachen sollte gepredigt werden, lehrt der Heilige Geist die Apostel alle Sprachen. Das ist unser Pfingsten im neuen Testament, da man Gott recht erkennt, da man vor Gott nicht erschrickt, sondern fr\u00f6hlich wird und ein gutes Gewissen bekommt, mit einem solchen Mut, der sich vor nichts entsetzt, und alles um Christi Willen gern leidet, wie man an den Aposteln sieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Von solchem Pfingsten hat nicht allein Christus in seiner letzten Predigt, sondern auch die Propheten David, Jesaja, Jeremia, Joel, Sacharja ja, und andere geweissagt. Darum wollen wir heut diesen Tag auch so zubringen und vom Heiligen Geist predigen, was er sei, was sein Werk und Amt sei, und wie wir uns dazu schicken sollen, wenn wir zu solchen seligen Pfingsten auch kommen und den Heiligen Geist empfangen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">8. F\u00fcr das erste sollen wir nicht denken, als sei der Heilige Geist nicht zuvor in der Kirche und unter den Leuten gewesen. Denn er ist ewiger, allm\u00e4chtiger Gott, wie Christus sagt: Er gehe vom Vater aus. Darum mu\u00df er eben der Natur und des Wesens sein, des der Vater ist. So haben wir gewisse Zeugnisse, da\u00df er, der Heilige Geist, je und je seine Wirkung in den Menschen gehabt, sie nach Gottes Willen regierte und gef\u00fchrt habe. Denn Christus selbst sagt, wie auch Petrus, da\u00df der Heilige Geist durch die Propheten geredet habe. So zeugen die Evangelisten von dem alten Simeon, von der Hanna, von Zacharia, Elisabeth und Johannes, da\u00df der Heilige Geist in ihnen gewohnt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">9. Darum m\u00fcssen wir hier von dem Heiligen Geist eben denken und Glauben, wie von Christus, dem Sohn Gottes: der ist von Ewigkeit gewesen, und hat bald nach der ersten Verhei\u00dfung im Paradies sein Werk angefangen, da\u00df er wieder den Teufel sich zu Felde gelegt und ihm auf den Kopf getreten hat. Dieses von Anfang angefangene und stets ge\u00fcbte Werk hat der Sohn Gottes dann \u00f6ffentlich vollendet, da er Mensch geworden, am Kreuz gestorben und am dritten Tage wieder auferstanden ist. Also ist es Heiligen Geistes Werk f\u00fcr und f\u00fcr in der Welt gewesen, da\u00df er der Menschen Herzen durch das Wort Gottes zum Glauben gef\u00fchrt, sie erleuchtet, gest\u00e4rkt, getr\u00f6stet und in alle Wahrheit geleitet hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10. Aber dieses Werk hatte er an diesem Heiligen Pfingsttag zum ersten vollkommen und \u00f6ffentlich gef\u00fchrt, da\u00df es nicht mehr so heimlich zugegangen ist, wie zuvor; sondern jedermann, der es gesehen, der hat den Heiligen Geist und seine Wunder sp\u00fcren und bekennen m\u00fcssen. Denn, da\u00df hier etliche sind, die es f\u00fcr keine Wirkung des Heiligen Geistes halten, sondern sagen: Die Apostel sind voll Wein, solches ist eine mutwillige L\u00fcge. Ihr Herz beweist sie, da\u00df man fremde, unbekannte Sprachen beim Saufen nicht lernen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11. Was mag es aber f\u00fcr eine Ursache sein, da\u00df solche Offenbarung des Heiligen Geistes bis auf diesen Pfingsttag verzogen wird? Keine andere, denn da\u00df wir lernen sollen, wie wir solchen Schatz allein durch unseren Herrn Christum haben: der hat uns solche Gaben erworben, und durch ihn allein werden sie uns gegeben; wie wir am Tage seiner Himmelfahrt geh\u00f6rt haben, aus dem 68. Psalm Vers 19., da\u00df der sei in die H\u00f6he gefahren, und habe Gaben empfangen f\u00fcr die Menschen. Denn also legt Petrus selbst diesen Spruch in der heutigen Predigt aus, da er spricht: &#8222;Nun aber Christus durch die Rechte Gottes erh\u00f6ht ist, und empfangen hat die Verhei\u00dfung des Heiligen Geistes vom Vater, hatte er ausgegossen dies, da\u00df ihr jetzt sehet und h\u00f6ret&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">12. Das ist das erste St\u00fcck, da\u00df wir lernen sollen, da\u00df der Heilige Geist nicht erst am Pfingsttag sein Werk und Amt angefangen hat. Er hat es je und je in seiner Kirche ge\u00fcbt, aber erstlich am Heiligen Pfingsttag \u00f6ffentlich ge\u00fcbt und sich mit besonderer Gewalt sehen lassen; auf das wir aus dieser Offenbarung lernen, was f\u00fcr einen herrlichen Schatz unser lieber Herr Christus Jesus uns durch sein Sterben und Auferstehung erworben und verdient habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13. Zum anderen m\u00fcssen wir auch das lernen: gleichwie die Schrift dem Herrn Christus einen besonderen Namen gibt und hei\u00dft ihn das Wort Gottes; also gibt sie dem Geist Gottes auch seinen besonderen Namen und hei\u00dft ihn den Heiligen Geist, der die Herzen mit seiner Gnade anweht, und heiligt sie, da sie zuvor unheilig und in S\u00fcnden sind. Solcher Name ist den Christen sehr tr\u00f6stlich; denn sie sehen wohl, da\u00df sie dem Teufel zu schwach sind und seinem Eingeben nicht immer widerstehen k\u00f6nnen. Gleich nun wie solches sie schreckt, da\u00df sie den b\u00f6sen Geist wieder sich haben; also tr\u00f6stet sie wiederum, da\u00df sie durch Christum haben den Heiligen Geist, der die S\u00fcnde ihnen vergeben und sie zum rechten Gehorsam gegen Gott treiben soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14. Wie aber der Heilige Geist solches ausgerichtet, steht bei Johannes dem 16. Kapitel Vers 8.: Das er die Welt durch das Evangelium strafen werde um die S\u00fcnde, um die Gerechtigkeit und um das Gericht. Denn also werden die Werke der Heiligen Dreifaltigkeit in unserem Glauben unterschieden, zum Unterricht der Jugend und Einf\u00e4ltigen, da\u00df Gott Vater uns Leib und Leben gegeben und zu seinem Reich erschaffen habe. Als aber unsere Eltern durch die S\u00fcnde in den Tod gefallen sind und solche Strafe auf uns geerbt hat, ist der Sohn Gottes Mensch geworden, und hat durch sein Sterben solchen Fall wieder hergestellt und uns von S\u00fcnden und ewigen Tode erl\u00f6st. Solche Erl\u00f6sung tr\u00e4gt der Heilige Geist in aller Welt vor durch das Heilige Evangelium, und richtet die Herzen so zu, da\u00df sie es annehmen und glauben; das ist, sie tr\u00f6sten sich, da\u00df Christus Jesus f\u00fcr sie gestorben ist, und zweifeln nicht daran, da\u00df sie dadurch mit Gott vers\u00f6hnt sind, da\u00df er an ihrer S\u00fcnden nicht mehr gedenken, sondern dieselben um Christi willen ihnen vergeben und schenken wolle. Das hei\u00dft die Herzen heiligen, oder wie es Petrus in den Geschichten (Apostelgeschichte 15,9.) nennt: durch den Glauben reinigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">15. Wo nun also Vergebung der S\u00fcnden durch den Glauben ist, das, ob man schon S\u00fcnde hat, dennoch wir darum nicht Verzweifeln, sondern uns tr\u00f6sten des Sterbens und Auferstehens Christi; da folgt eine andere Heiligung des Heiligen Geistes, da\u00df er auch unsere Leiber heiligt, da\u00df wir nicht mehr in S\u00fcnden liegen, noch Lust und Liebe daran haben wie zuvor, sondern enthalten uns davon, und beflei\u00dfigen uns dagegen, da\u00df wir tun, was Gott wohlgef\u00e4llig ist. Wie Paulus lehrt, Epheser 4,28:. &#8222;Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den H\u00e4nden etwas Redliches, auf das er habe zu geben den D\u00fcrftigen&#8220;. Solches ist es Heiligen Geistes Amt und Werk, da\u00df er in uns einen neuen, rechten und herzlichen Gehorsam gegen Gott anhebt, und wir der S\u00fcnde widerstreben, und den alten Adam t\u00f6ten, und durch den Glauben Vergebung aller S\u00fcnden bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">16. Aber solche Heiligung ist nicht so vollkommen, als die erste, welche, wo sie nicht da w\u00e4re, k\u00f6nnten wir mit dieser nicht vorankommen. Denn Fleisch und Blut ist zu schwach; so ist uns der Teufel zu stark, auch haben wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen: darum kann dieser Gehorsam nicht vollkommen sein. Was aber solchem und vollkommenen Gehorsam und Heiligung mangelt, das wird erstattet durch die erste Heiligung des Glaubens, da\u00df wir Vergebung der S\u00fcnden glauben, und dadurch gerecht und vollkommen geheiligt werden; denn was noch f\u00fcr S\u00fcnde und Unflat an uns ist, das wird vergeben, als w\u00e4re es nie da gewesen. Also sehen wir, warum der Heilige Geist solchen Namen f\u00fchrt, n\u00e4mlich, da\u00df er die Gl\u00e4ubigen Heiligen soll und will, das ist, durch das Wort den Glauben an Christum in uns erwecken, da\u00df wir durch ihn sollen Vergebung der S\u00fcnden erlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17. \u00dcber dieses Werk der Heiligung hat der Heilige Geist noch andere mehr Werke, wie er auch sonst mehr Namen hat. Denn Sacharja hei\u00dft ihnen einen Geist des Betens, darum er die Herzen erregt, da\u00df sie alles Gute sich von Gott erhoffen und in allen N\u00f6ten um Hilfe zu ihm schreien. Also, Christus nennt ihn einen Tr\u00f6ster, der den Herzen zuspricht, da\u00df sie gern und willig alles leiden und vor keinem Ungl\u00fcck sich entsetzen. Also, er hei\u00dft ihn einen Geist der Wahrheit, dieser Trost ist nicht allein wahr und gewi\u00df, sondern der beh\u00fctet uns auch vor L\u00fcgen und Ketzerei, und in reinem Wort und rechtem Glauben erhalten; weil sonst der Teufel durch unsere Vernunft und falsche Lehre uns in Irrtum f\u00fchren und in L\u00fcgen stecken w\u00fcrde. Solches sind des Heiligen Geistes eigene Werke, neben dem, da\u00df er mit allerlei Tugenden und Gaben die Gl\u00e4ubigen ziert, und ein solcher Tr\u00f6ster ist, wie Christus sagt, der ewiglich bei uns bleibt, da sonst aller Welt Trost nur ein zeitlicher Trost ist, der keinen Bestand hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">18. Darum weil der Heilige Geist solche herrliche und gro\u00dfe Ding in uns wirken soll, liegt es an dem, da\u00df wir auch lernen, wie wir zu solcher Gabe kommen und den Heiligen Geist erlangen k\u00f6nnen, da\u00df er solches auch in uns anrichtet, und wir durch ihn geheiligt und selig werden. Davon lehrt uns unser lieber Herr Jesus Christus selbst, Lukas 11, da er spricht in Vers 13:. &#8222;So denn ihr, die ihr arg seid, k\u00f6nnt euren Kindern gute Gaben geben; viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten&#8220;. Diesen Spruch merke gut, das erstlich Gott allein den Heiligen Geist gibt, und gibt ihn denen, die ihn darum bitten, und nach solch einer Gabe seufzen und wollten sie gern haben. Darum, so dein Herz sich auftut, da\u00df du denkst: Ach Gott, gib mir auch den Heiligen Geist, mit solchen Gedanken und Gebet fahre fort, und zweifle nicht, das ist der n\u00e4chste und beste Weg, da du zum Heiligen Geist kommen kannst. Denn Christus selbst lehrt, da\u00df du so tun sollst und den himmlischen Vater bitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19. Nun mu\u00df aber solches Gebet, eben wie andere, gehen allein in dem Namen Jesu: da\u00df wir bitten, Gott wolle um Christi, seines Sohnes und unseres Erl\u00f6sers, willen solche Gabe und schenken. Da haben wir einen besonderen gro\u00dfen Vorteil zu, wie wir am Himmelfahrtstag geh\u00f6rt haben, n\u00e4mlich, da\u00df Christus darum zum Vater gegangen und gen Himmel aufgefahren ist, da\u00df er solche Gabe vom Vater empfinge uns sie uns herunter sende. Darum brauchen wir nicht zweifeln. Denn da ist nicht allein der Befehl und die Verhei\u00dfung, da\u00df wir sollen um den Heiligen Geist bitten; sondern es ist auch der Wille da, da\u00df Christus darum zur Rechten Gottes sitzt, da\u00df er solche Gabe uns zukommen lassen will; denn er hat sie auch vom Vater empfangen, wie im 68. Psalm Vers 19 steht, nicht f\u00fcr seine Person, sondern f\u00fcr die Menschen, da\u00df er sie ihnen geben und schenken will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20. Nun ist aber auch das Gebet nicht allein genug, denn wo du dich in den Winkel setzen, um den Heiligen Geist bitten, und daneben dich nicht flei\u00dfig wolltest zum Wort und den Heiligen Sakramenten halten, so w\u00fcrde das Gebet langsam Frucht schaffen. Ursache, der Heilige Geist will allein durch das Wort und die Heiligen Sakramente seine Wirkung haben. Wer sich nun von solchem abhalten will, zu dem w\u00fcrde der Heilige Geist nicht kommen. Darum lassen wir uns taufen, wir gehen zum Abendmahl des Herrn, wir h\u00f6ren Gottes Wort, begehren die Absolution; denn wir wissen, da\u00df solches alles das Werkzeug ist, dadurch der Heilige Geist sein Werk in uns ausrichtet. Wie die Beispiele zeigen. Die 3000 Seelen, so Petrus mit der ersten Predigt auf den heutigen Tag bekehrt, w\u00fcrden Ihr Lebtag nicht bekehrt sein, wo sie nicht zuvor das Wort geh\u00f6rt h\u00e4tten. Da sie aber das Wort h\u00f6ren und ihre Herzen dadurch getroffen werden, dann lassen sie sich auch taufen. Denn also hat es Christus befohlen. Also der K\u00e4mmerer der K\u00f6nigin aus dem Mohrenland konnte den Heiligen Geist nicht erlangen, Philippus mu\u00dfte ihm predigen und die Schrift auslegen. Da nun das Herz durch solche Predigt vom Heiligen Geist getroffen ward, dann wollte der Heilige Geist sein Amt nicht vollf\u00fchren, Philippus mu\u00dfte den K\u00e4mmerer auch taufen mit Wasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21. Darum, willst du zur Gabe des Heiligen Geistes kommen, so mu\u00df vor allen Dingen das da sein, da\u00df du um solche Gabe im Namen Jesu den Vater bittest, und dich danach flei\u00dfig zum Wort halten, an deine Taufe mit Ernst denken, was Gott dir dazu gesagt und welch einen Bund er mit dir durch die Taufe gemacht hat, und auf zum Abendmahl des Herrn gehen, die Absolution suchen. Denn durch das Wort und Sakrament will der Heilige Geist unsere Herzen mit dem neuen Licht des Glaubens anz\u00fcnden, da\u00df wir das Wort nicht allein h\u00f6ren, wie es die verstockten Juden h\u00f6rten, sondern es auch verstehen, und dadurch andere Menschen werden und neue Herzen bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22. Neben dem mu\u00df zum dritten auch das da sein, da\u00df wir durch wildes und w\u00fcstes Leben, und durch mutwillige S\u00fcnden den Heiligen Geist an seinem Werk nicht hindern noch von uns treiben. Denn der Heilige Geist kann nicht wohnen, wo der Teufel wohnt. Darum wenn der Teufel dich anficht mit Geiz, mit Zorn, mit Unzucht und anderen S\u00fcnden, da gehe dann schnell an das Gebet, da\u00df dich Gott davor beh\u00fcten und in seinem Gehorsam erhalten wolle. Denn soll der Heilige Geist zu dir kommen oder bei dir bleiben, so mu\u00dft du vor solchen \u00e4u\u00dferlichen S\u00fcnden dich h\u00fcten; oder wo du aus Schwachheit hinein gefallen, mu\u00dft du dich wieder aufraffen und aufstehen, und in solchen S\u00fcnden nicht liegen bleiben. Da will dann der Heilige Geist zu uns treten, und, wie wir bitten, uns helfen wider den Teufel und das Fleisch samt der S\u00fcnde k\u00e4mpfen. Die aber dagegen sich mutwillig mit S\u00fcnden beladen, je l\u00e4nger je mehr mit dem Teufel besessen werden, und au\u00dferhalb der Bu\u00dfe nicht zum Heiligen Geist kommen k\u00f6nnen, dieses ist sein Werk, wie ich oben gesagt, da\u00df er erstlich durch den Glauben und Vergebung der S\u00fcnden uns Heiligen, und danach uns helfen soll, da\u00df wir der S\u00fcnde widerstreben sollen und in Gottes Gehorsam leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23. Aber oben haben wir auch geh\u00f6rt, da\u00df wir nur die Erstlinge des Heiligen Geistes empfangen, und dagegen Fleisch und Blut bleibt und lebt, solange wir leben. Daher kommt es, da\u00df auch die, so den Heiligen Geist haben, dennoch schwach sind und sehr oft fallen; auf das niemand sich \u00e4rgere, und denkt wie die Widert\u00e4ufer: Wer den Heiligen Geist habe, der k\u00f6nnen nicht fallen. Wahr ist`s, wenn wir den Heiligen Geist immer folgen w\u00fcrden, so w\u00fcrden wir nicht fallen; aber solches ist unm\u00f6glich: der Teufel ist uns so stark, die Welt zu b\u00f6se, und unser Fleisch und Blut zu schwach. Darum hei\u00dft es immer bitten, da\u00df Gott seinen Heiligen Geist nicht von uns nehmen, uns in seiner Gnade gn\u00e4diglich erhalten, und alle Tage solche Gabe des Heiligen Geistes mehren, und, wie wir im Vater Unser beten, uns unsere Schuld vergeben wolle. Denn ohne solche Schuld k\u00f6nnen auch die Heiligen nicht leben. Aber durch den Glauben an Christum werden sie vergeben und sollen nicht schaden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24. Also ihr lieben Leute, so haben wir geh\u00f6rt was das rechte Pfingsten ist, das wir Christen uns von Herzen freuen sollen, weil es weit gr\u00f6\u00dfer und herrlicher ist, denn der Juden Pfingsten; besonders der Heilige Geist durch Christum \u00fcber alles Fleisch ist ausgegossen worden, da\u00df wir durch das Evangelium Gott erkennen, und durch den Heiligen Geist heilig und fromm werden an Seele und Leib, so wir uns recht christlich mit Beten, Predigt h\u00f6ren und einem ordentlichen Wandel dazu schicken wollen. Dazu helfe uns durch Christum der Heilige Geist, Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Martin Luther, Predigt zum Pfingstfest<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom rechten Osterlamm Predigt zum Pfingstfest \u00fcber Apostelgeschichte 2,1 &#8211; 14 Und als der Tag der Pfingsten erf\u00fcllet war, waren sie alle einm\u00fctig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erf\u00fcllte das ganze Haus, da sie sa\u00dfen. 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