{"id":4658,"date":"2010-05-18T16:26:49","date_gmt":"2010-05-18T14:26:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4658"},"modified":"2010-06-03T10:45:59","modified_gmt":"2010-06-03T08:45:59","slug":"demografischer-wandel-ein-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4658","title":{"rendered":"Demografischer Wandel &#8211; ein Problem?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Demografischer Wandel \u2013 ein Problem?<br \/>\n<\/strong><strong>Prof. Dr. Klaus Meyer zu Uptrup<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fehlt an Ingenieuren, es fehlen qualifizierte Fachkr\u00e4fte \u2013 klagt die Wirtschaft. Da stimmt was nicht in unserem Bildungssystem \u2013 sagt die Politik. In einer Schule ein Aushang zum \u00bbGirls-Day\u00ab (\u00bbM\u00e4dchen-Zukunftstag\u00ab): \u00bbM\u00e4dchen, w\u00e4hlt naturwissenschaftliche F\u00e4cher! Werdet Ingenieure!\u00ab Sind die Renten sicher? Ja, sie sind sicher, wird uns versichert. Das Rentenalter wird auf 67 Jahre erh\u00f6ht. L\u00e4uft das nicht auf eine Rentenk\u00fcrzung hinaus? Gespenstisch ist das Unwort vom \u00bbsozialvertr\u00e4glichen Ableben\u00ab aufgetaucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man redet vom \u00bbdemografischen Problem\u00ab. Das klingt so, als m\u00fcsse man etwas tun, um es zu l\u00f6sen. Aber was ist das f\u00fcr ein Problem? Ein politisches? Ein wirtschaftliches? Ein geistiges? Ein ideologisches? Darf man es so weiter laufen lassen? \u2013 Wie betrifft uns das pers\u00f6nlich? Als Gesellschaft? Als \u00bbDemos\u00ab (Volk) unserer Demokratie? Was muss anders werden? Bei uns pers\u00f6nlich? Politisch?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Die g\u00e4ngige Rede vom \u00bbdemografischen Wandel\u00ab verschleiert, was wirklich passiert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das v\u00f6llige Ausma\u00df des demografischen Problems wird \u00f6ffentlich nicht bewusst. Die Renten werden durch Eintritt in das Rentenalter mit 67 Jahren praktisch gek\u00fcrzt, die Gefahr einer Altersarmut ist damit f\u00fcr viele noch nicht gebannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man merkt, dass Kinder fehlen, \u00bbKrippenpl\u00e4tze\u00ab sollen her. Keine politische Partei hat bislang gewagt, Familien- und Rentenpolitik miteinander zu verkn\u00fcpfen. Denn die Kinderzahl, ja ob \u00fcberhaupt ein Kind, ist Privatsache. In die Rentenkasse zahlt man ein, um das Eingezahlte im Alter wieder herauszubekommen. Das ist eine Illusion. Der Generationenzusammenhang l\u00e4sst sich nicht au\u00dfer Kraft setzen. Was in die Rentenkassen eingezahlt wird, sichert den Lebensabend der Elterngeneration. Eine Erwerbsbev\u00f6lkerung, die keine Kinder geboren und gro\u00dfgezogen hat, w\u00fcrde, alt geworden, nur leere Rentenkassen vorfinden und m\u00fcsste in Armut zugrunde gehen. Tats\u00e4chlich sichert ein Paar seine Rente dadurch, dass es zwei Kinder gro\u00dfzieht, die dann als Erwachsene in die Rentenkasse einzahlen, aus der ihre Eltern ausbezahlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Gedankenexperiment ist Herman Adrian, Professor f\u00fcr Physik an der Universit\u00e4t Mainz, dahintergekommen, dass auch f\u00fcr die strukturelle Arbeitslosigkeit haupts\u00e4chlich das seit etwa 35 Jahren anhaltende Geburtendefizit verantwortlich ist \u2013 worauf die Wirtschaftswissenschaftler in 30 Jahren nicht gekommen sind: \u00bbEs wird angenommen, seit 1975 w\u00e4ren \u00fcberhaupt keine Kinder mehr geboren worden &#8230; Es g\u00e4be niemanden mehr, der mit der Betreuung, Erziehung oder Ausbildung von Kindern besch\u00e4ftigt w\u00e4re. Es g\u00e4be keine Kinderg\u00e4rten, Schulen, Universit\u00e4ten, Kinder\u00e4rzte etc. mehr. Kein Mensch w\u00fcrde mehr G\u00fcter herstellen, die von Kindern gebraucht werden &#8230; Jahr f\u00fcr Jahr w\u00fcrden 500.000 Wohnungen frei. Die Sozialsysteme w\u00e4ren schon lange zusammengebrochen &#8230; Die jungen Menschen h\u00e4tten schon vor Jahren begonnen, das Land zu verlassen &#8230; Diese Horrorsituation haben wir nur zu einem Drittel, weil uns nur ein Drittel des Nachwuchses fehlt &#8230; Wir verlieren im Durchschnitt pro Jahr etwa 1% Kaufkraft und damit 2% Wohlstand. Dies wird sich bei anhaltendem Geburtendefizit noch verst\u00e4rken und in die n\u00e4chsten 30 Jahre fortsetzen.\u00ab Nach Hermann Adrians Berechnungen gehen im Verlauf von 30 Jahren gut 4 Mio. Arbeitspl\u00e4tze verloren, j\u00e4hrlich rund 160.000, wenn die Fertilit\u00e4t von 2,1 auf 1,35 Kinder pro Frau sinkt. Und so ist es geschehen.1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Der Kindermangel seit den 1970er Jahren verursacht in der Wirtschaft einen Mangel an Fachkr\u00e4ften, erzeugt eine verschleierte Ungerechtigkeit bei den Renten und verunsichert die Zukunft.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das demografische Problem besteht also darin, dass seit den 1970er Jahren j\u00e4hrlich ein Drittel der Erwerbsbev\u00f6lkerung kinderlos bleibt. Die Folgen treten jetzt zutage: Weil ein Drittel der Erwerbsbev\u00f6lkerung fehlt, beklagt die Wirtschaft fehlende Ingenieure, \u00fcberhaupt einen Mangel an Fachkr\u00e4ften.2 Zudem m\u00fcssen nun die Rentenanspr\u00fcche von drei Dritteln alter Menschen aus den Beitr\u00e4gen von zwei Dritteln arbeitender Bev\u00f6lkerung befriedigt werden. Das f\u00fchrt nicht nur zu Rentenk\u00fcrzungen, sondern zu einer Ungerechtigkeit, die bisher kein Politiker zu benennen gewagt hat: Dasjenige Drittel, dass sich die Kosten f\u00fcr Kinder erspart hat (Fachleute sprechen von 300.000 Euro), also im Grund nichts f\u00fcr ihre Rente getan hat, l\u00e4sst sich nun seine Anspr\u00fcche erf\u00fcllen aus den Beitr\u00e4gen einer Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr deren Heranwachsen und Ausbildung sie nichts geleistet hat. Zudem machen diese Leute aufgrund unserer Rentengesetze h\u00f6here Anspr\u00fcche geltend als die Frauen, welche die jetzigen Beitragszahler geboren und gro\u00dfgezogen haben als \u00bbNur-Hausfrau\u00ab und \u00bbHeimchen am Herd\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Mitte dieses Jahrhunderts droht unsere einheimische Bev\u00f6lkerung in die Minderheit gegen\u00fcber den Zugewanderten zu geraten. Die politische Korrektheit verbietet zu fragen, ob daraus innenpolitische Probleme erwachsen k\u00f6nnen. \u2013 In 120 Jahren werden bei anhaltendem Trend die Deutschen, aber auch andere europ\u00e4ische V\u00f6lker, ausgestorben sein. Bildkr\u00e4ftig sagt ein Wissenschaftler, wie einst das R\u00f6mische Reich, so w\u00fcrde Europa in den Wellen einer V\u00f6lkerwanderung versinken.3 W\u00fcrde dann der Islam das Christentum abl\u00f6sen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Das demografische Problem hat geistige Ursachen in den \u00bbaufgekl\u00e4rten\u00ab Lebensidealen, verst\u00e4rkt durch die sogenannte \u00bbAntibabypille\u00ab Ende der 1960er Jahre.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Ideale sind:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSelbstverwirklichung\u00ab. Der Blickwinkel ist auf die Lebensspanne des einzelnen Menschen verengt; der Generationenzusammenhang und die darin beschlossenen Pflichten kommen nicht in den Blick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGleichstellung der Frau\u00ab. Moralisch zu begr\u00fc\u00dfen, der Unterschied der Geschlechter aber bleibt. Nur Frauen k\u00f6nnen Kinder geb\u00e4ren. Das Problem ist die aus diesem Ideal abgeleitete Unterbewertung der Familienarbeit gegen\u00fcber der Erwerbsarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNur Wunschkinder\u00ab. Tatsachen beweisen, dass solche, zumal nach der \u00bbAntibabypille\u00ab, zur Bestanderhaltung der Bev\u00f6lkerung nicht ausreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGleichwertigkeit aller sexuellen Verhaltensweisen\u00ab. Dies ist ein falsches Ideal. Denn geschlechtliche Verh\u00e4ltnisse, aus denen keine Kinder hervorgehen, sind gesellschaftlich irrelevant und Privatsache. Die Ehe ist grundgesetzlich gesch\u00fctzt um der Kinder willen als Keimzelle des Staatsvolkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen Idealen sind in den 1970er Jahren rechtliche und wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse entstanden, die zu einem Schwund der Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt haben. J\u00e4hrlich sterben 144.000 Menschen mehr als geboren werden. So viele Kinder fehlen! J\u00e4hrlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Ideale sind wie eine wunderbare Medizin gegen \u00fcberholte Verh\u00e4ltnisse. Doch die Nebenwirkungen bekommen wir nicht in den Griff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Alle politischen Ma\u00dfnahmen, mehr Kinder zu bekommen, k\u00f6nnen das demografische Problem nicht l\u00f6sen, solange ein \u00dcbel an der Wurzel nicht beseitigt wird und eine grundlegende Gegebenheit im Verh\u00e4ltnis der Geschlechter hinsichtlich der Generationen unber\u00fccksichtigt bleibt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gegenw\u00e4rtige \u00dcbel besteht darin, dass Kinderlosigkeit in der pers\u00f6nlichen Lebensplanung eine kostenlose Option darstellt und das Aufziehen von Kindern praktisch als eine private Liebhaberei gilt. Das kostet mehr, aber daf\u00fcr haben Eltern eben ihren Spa\u00df an den Kindern. Solches ist nur m\u00f6glich, wenn man sich den Generationenzusammenhang verschleiert und die Verpflichtung, die daraus f\u00fcr jede und jeden folgt. Die Richtung auf Gerechtigkeit f\u00fcr Familien hat Wolfgang Huber in seinem Buch \u00bbFamilie haben alle\u00ab (2006) angedeutet: Dem Beitrag, den ein Paar mit Kindern durch Versicherungszahlungen und Kindererziehung leiste, m\u00fcsse im Grundsatz der Beitrag entsprechen, den ein kinderloses Paar f\u00fcr seine Alterssicherung nur durch Zahlungen zu leisten habe.4 F\u00fcr Uneinsichtige hat j\u00fcngst eine Mutter von f\u00fcnf Kindern, zur Rede gestellt von einer Kinderlosen, wie sie das nur machen k\u00f6nne (untergr\u00fcndig zu verstehen: wie sie nur so bl\u00f6d sein k\u00f6nne), eine treffende Antwort gegeben: \u00bbSie wollen wohl, dass meine Kinder Ihnen im Alter den Hintern abputzen.\u00ab Der Einwand Kinderloser, sie zahlten ja schon so viele Steuern, ist nur eine angenehme Selbstt\u00e4uschung: \u00bbWenn man nur das Existenzminimum steuerfrei stellt und f\u00fcr die Kinder nicht wie in Frankreich ein Familien-Splitting-Verfahren anwendet, dann m\u00fcssen die Eltern jeden Euro, den sie \u00fcber das Existenzminimum hinaus f\u00fcr ihre Kinder aufwenden, mit ihrem pers\u00f6nlichen Steuersatz versteuern &#8230; In Deutschland zahlen Familien die h\u00f6chsten Einkommenssteuern, nicht Kinderlose, wenn man das Pro-Kopf-Einkommen betrachtet, was man aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten gerechterweise tun muss.\u00ab (Prof. Dr. Hermann Adrian, Johannes-Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz; www.kinder-und-familie.de; September 2006).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Dr. Martin Werding vom Ifo-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung, M\u00fcnchen, feststellt, \u00bbbewirkt das deutsche Steuer- und Sozialsystem daher eine laufende Umverteilung von jungen und zuk\u00fcnftigen Generationen zur mittleren und \u00e4lteren Generation, die innerhalb jeder Generation zugleich zu einer Umverteilung von Familien durchschnittlicher und \u00fcberdurchschnittlicher Gr\u00f6\u00dfe zu Kinderarmen und Kinderlosen f\u00fchrt\u00ab.5<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beseitigung dieser Ungerechtigkeit an der Wurzel ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass staatliche Ma\u00dfnahmen, das demografische Problem \u00fcberhaupt zu l\u00f6sen, auch greifen k\u00f6nnen! Kein Politiker aber hat sich bisher getraut, Familien- und Rentenpolitik miteinander zu verbinden! In ernsthaften wissenschaftlichen Studien kann man alle diese Dinge nachlesen.6 In den Zeitungen findet man sie h\u00f6chstens im Feuilleton, nicht aber auf den Seiten \u00fcber politische Auseinandersetzungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die grundlegende Gegebenheit, die ber\u00fccksichtigt werden muss, ist der fundamentale Unterschied zwischen Erwerbsarbeit und Familienarbeit.7 Man kann sich das am Gleichnis eines Industriebetriebs verdeutlichen: Die Produktion bringt Geld. Forschung und Entwicklung kosten Geld. Sie sind aber eine unerl\u00e4ssliche Investition in die Zukunft, in die Erneuerung der Produkte. Ohne sie w\u00e4re der Betrieb in 20 Jahren pleite! Die Erwerbsarbeit entspricht der \u00bbProduktion\u00ab, sie wird bezahlt. Die Familienarbeit ist \u00bbReproduktion\u00ab, eine Investition in die Zukunft. Ohne Kinder, die geboren, erzogen, ausgebildet und gebildet sein m\u00fcssen, geht ein Volk, eine Demokratie, eine Kultur pleite! In unserem derzeitigen Bewusstsein ist die Familienarbeit \u00fcber mehr als 30 Jahre hin v\u00f6llig unterbewertet worden (\u00bbNur-Hausfrau\u00ab, \u00bbHeimchen am Herd\u00ab). Das Schlagwort hei\u00dft: \u00bbVereinbarkeit von Familie und Beruf\u00ab. Bei den Wortf\u00fchrerinnen hat aber die Berufst\u00e4tigkeit eindeutig den Vorrang. Familie jedoch ist Investition in die Zukunft! Kinder zur Welt bringen kann nur eine Frau. Wird das nicht gew\u00fcrdigt durch gesellschaftliche Achtung, Wertsch\u00e4tzung und Verg\u00fctung, werden familienpolitische Ma\u00dfnahmen wie Wasser durch ein Sieb sickern, jedenfalls das \u00bbdemografische Problem\u00ab nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fassen wir zusammen: Das demografische Problem wird gerade nur an seiner Oberfl\u00e4che erkannt, und ebenso oberfl\u00e4chlich bleiben die bisherigen familienpolitischen Ma\u00dfnahmen. Fehler bei Renten und Steuern in der Tiefenstruktur unseres Sozialsystems werden nicht \u00f6ffentlich bewusst gemacht und beseitigt. Die biologische Tiefenstruktur des Generationenzusammenhangs bei Familienarbeit und Erwerbsarbeit sowie bei der Rente bleibt dem Bewusstsein verdeckt und wird verkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Kindergeld und die erstrebte Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden allein das demografische Problem nicht l\u00f6sen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In quantitativer Hinsicht ist das Problem unserer schrumpfenden Bev\u00f6lkerung nicht allein durch den gro\u00dfen Anteil von Kinderlosen (\u00f6konomische Vorteile und Selbstverwirklichung), sondern auch durch das Verschwinden der Mehrkinderfamilie (\u00bbnur Wunschkinder\u00ab) verursacht. Wir werden also auch Familien mit 4 Kindern und mehr ben\u00f6tigen, um die Kinderlosigkeit auszugleichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In qualitativer Hinsicht verschlechtert sich die Begabungsverteilung unter den nachwachsenden jungen Menschen, da gerade die klugen, t\u00fcchtigen gebildeten Menschen (die \u00bbElite\u00ab) nur sehr wenige Kinder haben bis hin zu keinen. Dass die Wirtschaft heute schon \u00fcber fehlende junge Ingenieure klagen muss, liegt gewiss nicht einfach am Schulsystem. Woher k\u00fcnftig Wissenschaftler, Erfinder, F\u00fchrungskr\u00e4fte? PISA? Gerade in der Bildungsschicht wird man wieder Mehrkinderfamilien brauchen.8<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kinderkrippenprojekt der fr\u00fcheren Familienministerin von der Leyen, wenn finanzierbar, wird gewiss f\u00fcr viele Frauen die \u00bbVereinbarkeit von Beruf und Familie\u00ab erm\u00f6glichen, auch Alleinerziehenden hilfreich sein, kaum aber das demografische Problem l\u00f6sen. Wenn dazu auch Mehrkinderfamilien n\u00f6tig sind, wird man Vollzeitm\u00fctter brauchen. Oder sollen alle Kinder durch au\u00dferfamili\u00e4re Fachkr\u00e4fte betreut und erzogen werden, weil ja jede Mutter erwerbst\u00e4tig sein muss? Ob das f\u00fcr die Kinder wirklich gut ist?9 \u00bbWissenschaftlich\u00ab wird das ja behauptet. Familienarbeit als Investition in die Zukunft scheint dabei nicht gew\u00fcrdigt zu sein. Warum soll eine Mutter, die vier eigene Kinder gro\u00dfzieht, nicht auch f\u00fcr eine solche Investitionsleistung genauso bezahlt werden? Ein Krippenplatz soll monatlich mit 1000 bis 1200 Euro aus Steuermitteln gef\u00f6rdert werden. Nun sollen Frauen, die sich voll ihren Kindern widmen, ein von der CSU durchgedr\u00fccktes Erziehungsgeld erhalten, das sogleich von tonangebenden Frauen als \u00bbHerdpr\u00e4mie\u00ab diffamiert wird. Die vier Ideale, die als Nebenwirkung den gef\u00e4hrlichen Kindermangel gezeitigt haben, werden nicht korrigiert! Die tieferen, Illusionen n\u00e4hrenden Grund\u00fcbel im Renten- und Steuersystem werden nicht beseitigt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um \u00fcberhaupt die Voraussetzungen f\u00fcr eine wirkungsvollere Familienpolitik zu schaffen, wird es h\u00f6chste Zeit, dass unsere politisch Verantwortlichen umgehend bei den Renten ansetzen und eine saubere Trennung zwischen einer kapitalgedeckten und einer durch Kinder als \u00bbHumankapital\u00ab gedeckten Rente herbeif\u00fchren: kapitalgedeckte Altersrente f\u00fcr Kinderlose durch die private Versicherungswirtschaft, humankapitalgedeckte Altersrente f\u00fcr Eltern aus der staatlichen Rentenversicherung. Jede und jeder muss nach den Berechnungen von Prof. Hermann Adrian 30 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um den Lebensabend der Elterngeneration zu sichern, womit man das 4. Gebot des Dekalogs erf\u00fcllt. Rentenkreditpunkte gibt es erst f\u00fcr die dar\u00fcber hinaus gehenden Jahre. Die nun f\u00fcr die Generation der alternden Eltern nicht mehr ben\u00f6tigten Beitr\u00e4ge der Kinderlosen k\u00f6nnen zu einer Minimalrente kapitalisiert werden. F\u00fcr einen ausk\u00f6mmlichen Lebensabend m\u00fcssen Kinderlose rechtzeitig \u00fcber eine private Rentenversicherung vorsorgen.10 Die auch von Huber geforderte Gerechtigkeit f\u00fcr Familien kann auf diese Weise hergestellt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unerl\u00e4sslich ist eine Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Generationenzusammenhang, um die Illusionen \u00fcber die Einzahlungen in die Rentenkasse aufzuhellen. Die heutige junge Generation muss schon in der Schule lernen, dass in der Lebensplanung Kinderlosigkeit keine kostenlose Option ist. Oder ist das \u00bbSelbstverantwortung\u00ab, wenn man als gewollt kinderloser Mensch die Kosten f\u00fcr die eigene Alterssicherung seinen Altersgenossen aufb\u00fcrdet, die eine Familie gr\u00fcnden und die k\u00fcnftigen Beitragszahler f\u00fcr die \u00bbumlagenfinanzierte\u00ab Rente gro\u00dfziehen? Hier muss die Bildungspolitik endlich aufwachen und in die Lehrpl\u00e4ne schreiben, was wissenschaftliche Einsicht und Gerechtigkeitsempfinden fordern und politisch umgesetzt werden muss!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Knall, der wie bei der drohenden Klimakatastrophe ein Umdenken in der \u00d6ffentlichkeit und wirksame Ma\u00dfnahmen der Regierung bewirkt, wird von der drohenden demografischen Katastrophe hoffentlich bald und nicht zu sp\u00e4t kommen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Klaus Meyer zu Uptrup (Quelle: Deutsches Pfarrerblatt, Diskussion und Dialog,\u00a004\/2010)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demografischer Wandel \u2013 ein Problem? Prof. Dr. Klaus Meyer zu Uptrup Es fehlt an Ingenieuren, es fehlen qualifizierte Fachkr\u00e4fte \u2013 klagt die Wirtschaft. Da stimmt was nicht in unserem Bildungssystem \u2013 sagt die Politik. 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