{"id":4507,"date":"2010-04-19T11:00:33","date_gmt":"2010-04-19T09:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4507"},"modified":"2010-04-19T11:15:40","modified_gmt":"2010-04-19T09:15:40","slug":"wie-wir-vor-gott-fromm-und-gerecht-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4507","title":{"rendered":"Wie wir vor Gott fromm und gerecht werden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie wir vor Gott fromm und gerecht werden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anl\u00e4sslich des 450. Todestages des Reformators Philipp Melanchthon (* 16. Februar 1497 in Bretten; \u2020 19. April 1560 in Wittenberg) ver\u00f6ffentlichen wir einen Auszug des vierten Artikels der Apologie des Augsburger Bekenntnisses (Apologia Confessionis (AC)). Sie wurde ma\u00dfgeblich von Philipp Melanchthon im Jahr 1531 als Antwort auf die kaiserlich-katholische Confutatio des Augsburger Bekenntnisses von 1530 verfasst. Den vierten Artikel der CA leitete Melanchthon mit folgenden Worten ein:<\/em>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIm vierten, f\u00fcnften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, da\u00df wir lehren, da\u00df die Gl\u00e4ubigen Vergebung der S\u00fcnden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides.\u00a0Erstlich, da\u00df wir nein dazu sagen, da\u00df den Menschen durch ihre Verdienst sollten die S\u00fcnden vergeben werden. Zum andern, da\u00df wir halten, lehren und bekennen, da\u00df niemand Gott vers\u00f6hnt wird, niemand Vergebung der S\u00fcnden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum. <!--more-->Dieweil aber solcher Zank ist \u00fcber dem h\u00f6chsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also da\u00df an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die T\u00fcr auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, best\u00e4ndigen, gewissen Trost haben oder die Reicht\u00fcmer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majest\u00e4t wolle von dieser gro\u00dfen, tapferen, hochwichtigen Sache nach Notdurft und gn\u00e4dig uns h\u00f6ren.\u201c<em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das erste, da\u00df niemand gedenke, wir reden von einem schlechten Wissen oder Erkenntnis der Historie von Christo, so m\u00fcssen wir erstlich sagen, wie es zugeht, wie ein Herz anf\u00e4ngt zu glauben, und wie es zum Glauben kommt. Danach wollen wir anzeigen, da\u00df derselbe Glaube vor Gott fromm macht, und wie das zu verstehen sei, und wollen der Widersacher Gr\u00fcnde eigentlich klar und gewi\u00df ablehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus befiehlt Luc\u00e4 am letzten, zu predigen \u201eBusse und Vergebung der S\u00fcnden\u201c. Das Evangelium auch straft alle Menschen, da\u00df sie in S\u00fcnden geboren seien, und da\u00df sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der S\u00fcnden und Gerechtigkeit durch Christum. Und dieselbe Vergebung, Vers\u00f6hnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. Denn die Predigt von der Busse oder diese Stimme des Evangelii: \u201eBessert euch, tut Busse\u201c, wenn sie recht in der Herzen geht, erschreckt sie die Gewissen und ist nicht ein Scherz, sondern ein gro\u00df Schrecken, da das Gewissen seinen Jammer und S\u00fcnde und Gottes Zorn f\u00fchlt. In dem Erschrecken sollen die Herzen wieder Trost suchen. Das geschieht, wenn sie glauben an die Verhei\u00dfung von Christo, da\u00df wir durch ihn Vergebung der S\u00fcnden haben. Der Glaube, welcher in solchem Zagen und Schrecken die Herzen wieder aufrichtet und tr\u00f6stet, empf\u00e4ngt und empfindet Vergebung der S\u00fcnden, macht gerecht und bringt Leben; denn derselbe starke Trost ist eine neue Geburt und ein neu Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ist je einf\u00e4ltig und klar geredet; so wissen fromme Herzen, da\u00df es also ist; so sind die Exempel, da\u00df es mit allen Heiligen so gegangen von Anbeginn, in der Kirche vorhanden, wie an der Bekehrung Pauli und Augustini zu sehen ist. Die Widersacher haben nichts Gewisses, k\u00f6nnen nirgend recht sagen oder verst\u00e4ndlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Die erdichten ihnen eigene Tr\u00e4ume, da\u00df durch schlecht leiblich Empfangen und Brauchen der Sakramente, ex opere operato, die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, wennschon das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wir aber von einem solchen Glauben reden, welcher nicht ein m\u00fc\u00dfiger Gedanke ist, sondern ein solch neues Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut erneuert, einen andern Menschen und neue Kreatur aus uns macht, n\u00e4mlich ein neues Licht und Werk des Heiligen Geistes: so versteht ja m\u00e4nniglich, da\u00df wir nicht von solchem Glauben reden, dabei Tods\u00fcnde ist, wie die Widersacher vom Glauben reden. Denn wie will Licht und Finsternis beieinander sein? Denn der Glaube, wo er ist, und dieweil er da ist, gebiert er gute Fr\u00fcchte, wie wir danach sagen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ist je mit klaren, deutlichen, einf\u00e4ltigen Worten geredet, wie es zugeht, wenn ein S\u00fcnder recht sich bekehrt, was die neue Geburt sei oder nicht sei. Trotz sei nun geboten alle den Sententiariis, ob sie unter den unz\u00e4hligen Rommenten, Glossen und Skribenten \u00fcber Sententiarum einen k\u00f6nnen vorbringen, der ein W\u00f6rtlein, einen T\u00fcttel recht davon setzt, wie es zugeht, wenn ein S\u00fcnder bekehrt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sie von der Liebe reden, oder wenn sie von ihrem habitu dilectionis reden, so bringen sie wohl ihre Tr\u00e4ume vor, da\u00df denselben habitum die Leute verdienen durch ihre Werke, reden aber gar nichts von Gottes Verhei\u00dfung oder Wort, wie auch zu dieser Zeit die Wiedert\u00e4ufer lehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kann man mit Gott doch je nicht handeln, so l\u00e4\u00dft sich Gott nicht erkennen, suchen noch fassen denn allein im Wort und durchs Wort, wie Paulus sagt: \u201eDas Evangelium ist eine Kraft Gottes allen, die daran glauben.\u201c Item, zu den R\u00f6mern am 10: \u201eDer Glaube ist aus dem Geh\u00f6r.\u201c Und aus dem allein sollte je klar genug sein, da\u00df wir allein durch den Glauben vor Gott fromm werden. Denn so wir allein durchs Wort Gottes zu Gott kommen und gerecht werden, und das Wort kann niemand fassen denn durch den Glauben, so folgt, da\u00df der Glaube gerecht macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch sind andere Ursachen, die sich zu dieser Sache besser reimen. Dieses habe ich bisher gesagt, da\u00df ich anzeige, wie es zugeht, wie wir neugeboren werden, und da\u00df man verstehen m\u00f6chte, was der Glaube ist oder nicht ist, davon wir reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wollen wir anzeigen, da\u00df derselbe Glaube, und sonst nichts, uns vor Gott gerecht macht. Und erstlich will ich dieses hier den Leser verwarnen, gleichwie dieser Spruch mu\u00df und soll stehenbleiben, und kann ihn niemand umsto\u00dfen: Christus ist unser einiger Mittler, also kann auch diesen Spruch niemand umsto\u00dfen: Durch den Glauben werden wir rechtfertig, ohne Werke. Denn wie will Christus der Mittler sein und bleiben, wenn wir nicht durch den Glauben uns an ihn halten als an den Mittler und also Gott vers\u00f6hnt werden, wenn wir nicht gewi\u00df im Herzen halten, da\u00df wir um seinetwillen vor Gott gerecht gesch\u00e4tzt werden? Das hei\u00dft nun glauben: also vertrauen, also sich getr\u00f6sten des Verdienstes Christi, da\u00df um seinetwillen Gott gewi\u00df uns wolle gn\u00e4dig sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Item, wie dieses klar in der Schrift ist, da\u00df \u00fcber das Gesetz zur Seligkeit not ist die Verhei\u00dfung Christi, also ist auch klar, da\u00df der Glaube gerecht macht; denn das Gesetz predigt nicht Vergebung der S\u00fcnden aus Gnaden. Item, das Gesetz k\u00f6nnen wir nicht erf\u00fcllen noch halten, ehe wir den Heiligen Geist empfangen. Darum mu\u00df das bestehen, da\u00df zur Seligkeit die Verhei\u00dfung Christi vonn\u00f6ten ist. Dieselbe kann nun niemand fassen noch empfangen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, da\u00df wir nicht durch den Glauben vor Gott gerecht und fromm werden, was tun die anders, denn da\u00df sie Christum und das Evangelium unterdr\u00fccken und das Gesetz lehren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber etliche, wenn man sagt, der Glaube macht rechtfertig vor Gott, verstehen solches vielleicht vom Anfang, n\u00e4mlich da\u00df der Glaube sei nur der Anfang oder eine Vorbereitung zu der Rechtfertigung, also da\u00df nicht der Glaube selbst daf\u00fcrgehalten werden soll, da\u00df wir dadurch Gott gefallen und angenehm sind, sondern da\u00df wir Gott angenehm sind von wegen der Liebe und Werke, so folgen, nicht von wegen des Glaubens. Und solche meinen der Glaube werde allein derhalben gelobt in der Schrift, da\u00df er ein Anfang sei guter Werke, wie denn allezeit viel am Anfang gelegen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies aber ist nicht unsere Meinung, sondern wir lehren also vom Glauben, da\u00df wir durch den Glauben selbst vor Gott angenehm sind. Und nachdem das Wort iustificari auf zweierlei Weise gebraucht wird, n\u00e4mlich, f\u00fcr bekehrt werden oder neugeboren, item, f\u00fcr gerecht gesch\u00e4tzt werden, wollen wir das erst anzeigen, da\u00df wir allein durch den Glauben aus dem gottlosen Wesen bekehrt, neugeboren und gerecht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etliche fechten gro\u00df an das Wort Sola, so doch Paulus klar sagt zu den R\u00f6mern am 3, 28: \u201eSo halten wir nun, da\u00df der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke\u201c; item, zu den Ephesern am 2, 8. 9: \u201eGottes Gabe ist es, nicht aus euch noch aus den Werken, auf da\u00df sich nicht jemand r\u00fchme\u201c; item, zu den R\u00f6mern am 3, 24 dergleichen. So nun dieses Wort und diese exclusiva Sola etlichen so hart entgegen ist und so \u00fcbel gef\u00e4llt, die m\u00f6gen an so vielen Orten in den Episteln Pauli auch diese Worte auskratzen: \u201eaus Gnaden\u201c; item: \u201enicht aus Werken\u201c; item: \u201eGottes Gabe\u201c usw.; item: \u201edas sich niemand r\u00fchme\u201c und dergleichen; denn es sind ganz starke exclusivae. Das Wort \u201eaus Gnaden\u201c schlie\u00dft Verdienst und alle Werke aus, wie die Namen haben. Und durch das Wort, Sola, so wir sagen: \u201eAllein der Glaube macht fromm\u201c, schlie\u00dfen wir nicht aus das Evangelium und die Sakramente, da\u00df darum das Wort und die Sakramente sollten vergeblich sein. So es der Glaube alles allein tut, wie die Widersacher uns alles gef\u00e4hrlich deuten; sondern unser Verdienst daran schlie\u00dfen wir aus. Denn wir haben oben genug gesagt, da\u00df der Glaube durchs Wort kommt: So preisen wir das Predigtamt und Wort h\u00f6her und mehr denn die Widersacher; so sagen wir auch, die Liebe und Werke sollen dem Glauben folgen. Darum schlie\u00dfen wir die Werke durchs Wort Sola nicht also aus, da\u00df sie nicht folgen sollten, sondern das Vertrauen auf Verdienst, auf Werke, das schlie\u00dfen wir aus und sagen, sie verdienen nicht Vergebung der S\u00fcnden.<\/p>\n<p><em>Philipp Melanchthon, Apologia Confessionis Augustanae, 1531 (\u00dcbersetzung von Justus Jonas)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wir vor Gott fromm und gerecht werden Anl\u00e4sslich des 450. Todestages des Reformators Philipp Melanchthon (* 16. Februar 1497 in Bretten; \u2020 19. April 1560 in Wittenberg) ver\u00f6ffentlichen wir einen Auszug des vierten Artikels der Apologie des Augsburger Bekenntnisses (Apologia Confessionis (AC)). 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