{"id":4325,"date":"2010-03-12T13:16:38","date_gmt":"2010-03-12T11:16:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4325"},"modified":"2010-03-12T13:33:12","modified_gmt":"2010-03-12T11:33:12","slug":"die-unverfugbarkeit-des-menschlichen-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4325","title":{"rendered":"Die Unverf\u00fcgbarkeit des menschlichen Lebens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Unverf\u00fcgbarkeit des menschlichen Lebens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Mensch auf der Suche nach sich selbst<\/strong><br \/>\nSo weit wir die Geschichte kennen, hat es immer Menschenbilder gegeben, mit deren Hilfe die Menschen sich in der Welt orientierten. Allerdings gilt es als besonderes Kennzeichen der Neuzeit, dass unser Zeitalter das erste ist, \u201ein welchem der Mensch sich v\u00f6llig und r\u00fcckhaltlos problematisch geworden ist, in dem er nicht mehr wei\u00df, wer er ist und zugleich an seiner eigenen schmerzhaften Unkenntlichkeit leidet\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn1\">[1]<\/a>. J\u00fcrgen Moltmann spricht vom \u201everborgenen Menschen\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn2\">[2]<\/a>. Martin Heidegger stellte zwei Dinge fest. Einerseits: \u201eKeine Zeit hat so viel und so Mannigfaltiges vom Menschen gewusst wie die heutige.\u201c Andererseits: \u201eAber auch keine Zeit wusste weniger, was der Mensch sei, als die heutige.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn3\">[3]<\/a> Schon Dostojewski schrieb: \u201eDie Ameise kennt die Formel ihres Ameisenhaufens, die Biene die Formel ihres Bienenstocks&#8230; Nur der Mensch kennt seine Formel nicht.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entfalten wir den ersten Satz von Heidegger: \u201eKeine Zeit hat so viel und so Mannigfaltiges vom Menschen gewusst wie die heutige&#8230;\u201c Politiker, Psychologen, Soziologen, Mediziner, Juristen, ja selbst Wirtschaftsinstitute entwerfen ihr je eigenes Bild vom Menschen und agieren entsprechend. Es handelt sich um viele einzelne Facetten, von denen jede besonders deutlich zu sehen verspricht \u2013 und doch sind es immer nur Teile, Bruchst\u00fccke; es fehlt das geistige Band. Offen ist, was den Menschen zum Menschen macht. \u2013 In der Tat ist in der Neuzeit <em>der Mensch selbst<\/em> ganz in den Mittelpunkt alles Denkens und Handelns ger\u00fcckt. Welche Weltanschauung oder Ideologie h\u00e4tte nicht \u201eHumanit\u00e4t\u201c und \u201eMenschenrechte\u201c auf ihre Fahnen geschrieben? \u2013 Die Hochachtung f\u00fcr Humanit\u00e4t und Menschenrechte ist zweifellos zu begr\u00fc\u00dfen, doch das Problem besteht ja darin, dass umstritten ist, was dem Menschen wirklich dient, weil fraglich wurde, wer der Mensch letztlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun der zweite Satzteil: \u201eAber auch keine Zeit wusste weniger, was der Mensch sei, als die heutige.\u201c \u2013 Bis in die Neuzeit hinein hatte der Versuch einer Wesensbestimmung des Menschen seinen philosophischen Kontext in einer kosmischen Gesamtschau, die Gott, Welt und Mensch umspannte. Insbesondere seit Descartes\u2019 (1596 \u2013 1650) Bestimmung des \u201eIch\u201c als eines Seienden, das <em>durch sich selbst<\/em> zu existieren vermag (\u201ecogito ergo sum\u201c), vollzog sich jedoch ein grunds\u00e4tzlicher Wandel. Seither ist der neuzeitliche Mensch immer wieder auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen. Er kann die Frage, wer er sei, nur noch an sich selbst richten. Es ist ein echoloses Schreien aus der Einsamkeit in die Einsamkeit des Ich. Die neuzeitliche Philosophie (von Nietzsche bis Heidegger) und Dichtung (von H\u00f6lderlin bis Gottfried Benn) haben dem bewegend Ausdruck verliehen. \u2013 In das Vakuum stie\u00dfen Ideologien wie Kommunismus und Nationalsozialismus. Aber diese f\u00fchrten in die Irre. Vielleicht entstehen neue Ideologien. Doch auch diese werden scheitern!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit stehen wir vor dem Ph\u00e4nomen, dass bei aller Mittelpunktstellung des Menschen im neuzeitlichen Denken der Mensch sich selbst zum R\u00e4tsel wurde. Im Rahmen der Alltagserfahrungen sagt man dann: \u201eIch wei\u00df gar nicht mehr, wer ich bin\u201c oder \u201eIch muss mich erst wiederfinden\u201c oder \u201eIch m\u00f6chte einmal wieder zu mir selbst kommen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in dieser Weise Ich-zentrierte Mensch empfindet sich einerseits als autonom, was gegen\u00fcber Zwangsstrukturen und einengenden Traditionen als Befreiung verstanden werden kann; andererseits vereinsamt er in seiner um sich selbst kreisenden Autonomie. Die Selbstverf\u00fcgung bewirkt ein Doppeltes: Einesteils bleibt der Mensch bei sich selbst allein, andererseits ist er insofern grenzenlos geworden, als es keine Instanz gibt, die sein Ego einschr\u00e4nken d\u00fcrfte. \u2013 Warum sollte jemand, der sich als autonom versteht, nicht auch \u00fcber sein Ende verf\u00fcgen d\u00fcrfen? Wenn der Schmerz unertr\u00e4glich wird \u2013 wer sollte die gew\u00fcnschte Todesspritze verwehren? \u00dcber seinen Anfang, n\u00e4mlich Zeugung und Geburt, konnte der autonome Mensch nicht bestimmen. Um so mehr wird gefordert, dass man, so lange man Bewusstsein hat, das eigene Ende festlegen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings: \u00dcber die eigene Geburt konnte, wie gesagt, niemand bestimmen. Schon der biologische Ursprung des Menschen zeigt folglich, dass der Gedanke schrankenloser Autonomie eine Illusion ist. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Jeder ist Kind einer Frau und eines Mannes. Niemand existiert in einem sozial luftleeren Raum. Gerade das neu geborene Menschenkind ist viel mehr als die meisten anderen Lebewesen auf Gemeinschaft, insbesondere auf die Zuwendung der Mutter angewiesen. Ohne Mitmensch gibt es auch f\u00fcr Erwachsene keine \u00dcberlebenschance.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kommen zu dem Ergebnis, dass der Mensch, wie sehr er auch auf seine Selbstverf\u00fcgung pochen mag, nicht davon loskommt, dass er ein Gemeinschaftswesen ist und zwar wurzelhaft! Somit ist Selbstverf\u00fcgung prinzipiell begrenzt. Das gilt, auch wenn moderne Trends das Gegenteil propagieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Der Mensch, auf Gott verwiesen<\/strong><br \/>\nDen isolierten Einzelnen gibt es nicht. Jeder braucht den Mitmenschen. Mit dieser richtigen Einsicht ist aber die Frage, wer der Mensch sei, noch nicht beantwortet. Am deutlichsten tritt das bei der Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch in Erscheinung. Da kein Mensch isoliert existieren kann, gibt es immer wieder zugespitzte Situationen, in denen besonders deutlich wird, wie sehr der Einzelne vom Mitmenschen abh\u00e4ngig ist. \u00dcber die eigene Geburt, wir wiesen darauf hin, kann niemand selbst verf\u00fcgen. Der S\u00e4ugling ist v\u00f6llig abh\u00e4ngig von seiner Mutter, und diese wieder, das wird oft \u00fcbersehen, von ihrer gesellschaftlichen Umgebung. Modernes Selbstverf\u00fcgungsdenken st\u00f6\u00dft hier besonders deutlich an seine Grenze. Es kann gar nicht uneingeschr\u00e4nkt gelten! Man sucht einen Ausweg, indem man sagt: \u201eAutonome Selbstverf\u00fcgung gilt stets, so lange niemand anderes dadurch Schaden erleidet.\u201c Doch das ist eine Scheinl\u00f6sung. Denn ab wann schadet man dem Anderen? Wo liegt beim Anderen im w\u00f6rtlichen und \u00fcbertragenen Sinne die Schmerzgrenze, bei der Halt zu machen w\u00e4re? Letztlich kann das nur der Andere, n\u00e4mlich der Betroffene, selbst sagen. Wenn aber der Betroffene keine Stimme mehr hat, kann er dem in seiner Selbstverwirklichung Handelnden auch keine Grenze mehr setzen. In dieser Weise, als Stummer, ist auch ein Embryo der Mutter, dem Vater, der Gesellschaft gegen\u00fcber wehrlos!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem: Wenn es allein der Mitmensch ist, der dem selbstbestimmt Handelnden die Grenze setzen soll, so ergibt sich sofort die Frage, die ein kluger Gesetzeskundiger einst an Jesus richtete: \u201eWer ist denn mein N\u00e4chster?\u201c Jesus hat nicht abstrakt geantwortet, denn im Prinzip sind ja alle Menschen N\u00e4chste. Konkret jedoch, das ist der Sinn der Gleichniserz\u00e4hlung Jesu vom Barmherzigen Samariter, ist immer derjenige mein N\u00e4chster, der meine Hilfe braucht (vgl. Lukas 10, 25-37). Am hilfsbed\u00fcrftigen N\u00e4chsten wird der Zirkel menschlicher Selbstverf\u00fcgung aufgebrochen! Die Selbstverwirklichung st\u00f6\u00dft hier an ihre Grenze. <em>Denn<\/em> <em>das Recht des Einzelnen und das Recht seines N\u00e4chsten sind nie ins Gleichgewicht zu bringen ohne absolute Liebe!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer jedoch lebt uneingeschr\u00e4nkt in der Liebe? Kein Mensch kann das aus eigener Kraft leisten! An dieser Stelle wird der Zirkel menschlicher Selbstbezogenheit und Autonomie auf Gott hin aufgebrochen, genauer gesagt, auf den Gott der Bibel hin, der uns in Jesus Christus begegnet. Es gibt keinen isolierten Einzelnen, es gibt auch nicht die Menschheit, die sich selbst schafft. Vielmehr lebt alles Leben aus einer gro\u00dfen, sich schenkenden Liebe. Dieser Gedanke ist auch Philosophen nicht fremd. Hans Jonas schrieb \u00fcber \u201eDie Kunst des Liebens\u201c. Daraus leitete er \u201eDas Prinzip Verantwortung\u201c ab. Nach Hans Jonas ist es in besonderer Weise das neugeborene Kind, das uns auf unsere Verantwortung hinweist<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn5\">[5]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nochmals: Kein Mensch existiert als Einzelner. Er lebt immer in Beziehung. Die erste ist die Liebe Gottes. Die andere Beziehung ist die zwischenmenschliche Liebe, die jedoch ohne die Liebe Gottes eng begrenzt bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Geschaffen als Gottes Ebenbild<\/strong><br \/>\nNach 1Mose 1 erschafft Gott die Welt in sechs Tagen. Der siebte Tag der Sch\u00f6pfung ist ganz der Ruhe, dem Sabbat, gewidmet. Erst mit dem Ruhen in Gott kommt die Sch\u00f6pfung zur Vollendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Zahl der Sch\u00f6pfungstage ist die Zahl der Sch\u00f6pfungswerke zu unterscheiden. Laut 1Mose 1 werden die Landtiere und der Mensch als siebtes und achtes Sch\u00f6pfungswerk Gottes am sechsten Tag erschaffen<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn6\">[6]<\/a>. Der Mensch ist damit das letzte Sch\u00f6pfungswerk Gottes. Zugleich es f\u00e4llt auf, dass die Erschaffung des Menschen (Verse 26-31) anders geschildert wird als die Erschaffung aller vorangegangenen Sch\u00f6pfungswerke. Eine deutliche Z\u00e4sur gegen\u00fcber dem Vorangegangenen ist erkennbar: W\u00e4hrend sonst dem gebietenden Wort \u201eund Gott sprach\u201c die Best\u00e4tigung, dass es so geschah, <em>nachfolgt<\/em>, geht bei der Menschensch\u00f6pfung das Sch\u00f6pfungswerk, das \u201eMachen\u201c des Menschen, <em>voran<\/em>. Die Menschensch\u00f6pfung wird auf diese Weise von allem Vorhergehenden durch einen neuen Einsatz abgehoben, n\u00e4mlich durch die Selbstaufforderung Gottes (Vers 26) \u201eLasst uns Menschen machen!\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn7\">[7]<\/a> Erst anschlie\u00dfend hei\u00dft es (V. 27): \u201eUnd Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; m\u00e4nnlich und weiblich schuf er sie.\u201c \u2013 Man kann das als Parallele deuten zur Menschensch\u00f6pfung, wie sie im folgenden Kapitel 2 geschildert wird. Dort hei\u00dft es: \u201eDa bildete Gott, der HERR, den Menschen aus Erde vom Ackerboden.\u201c Erst danach folgt die spezielle Menschwerdung, beschrieben mit den Worten: \u201eUnd hauchte ihm den Lebensodem in die Nase, so wurde der Mensch ein lebendes Wesen\u201c (2,7). (Man kann auch \u00fcbersetzen: \u201e&#8230;eine lebendige Seele\u201c.) Beide Stellen lassen sich so deuten, dass der Menschwerdung des Menschen eine biologische Grundlegung vorausgegangen ist. Der Mensch kann von zwei Seiten her betrachtet werden. \u201eVon unten her\u201c gesehen steht er in Gemeinschaft mit der gesamten Sch\u00f6pfung, insbesondere den Tieren. Tiere und Menschen empfangen in gleicher Weise den Fruchtbarkeitssegen (vgl. 1Mose 1,22.28). Jedoch \u201evon oben her\u201c gesehen ist der Mensch, wie <em>dreimal<\/em> betont wird, zum Bilde Gottes erschaffen (1Mose 1,26 und 1,27 zweimal) und empf\u00e4ngt laut Kapitel 2,7 den Odem Gottes. Damit unterscheidet er sich grunds\u00e4tzlich von jeder anderen Kreatur!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend wei\u00df die Bibel von zweierlei Leben: &#8222;b\u1ecbos&#8220; und &#8222;z\u014d\u00e6&#8220;. &#8222;B\u1ecbos&#8220; meint die irdische physische Existenz (vgl. z.B. Lukas 8,14), zwh, [z\u014d\u00e6] aber das ewige Leben (vgl. z.B. Johannes 3,36). Der Mensch, geschaffen aus einem irdenen Klo\u00df, ist zum ewigen Leben berufen. Darin besteht seine einzigartige W\u00fcrde im Zusammenhang mit der Gottebenbildlichkeit. Von &#8222;b\u1ecbos&#8220; spricht das Neue Testament \u2013 von Parallelstellen in den Evangelien abgesehen \u2013 nur sieben Mal! Die &#8222;z\u014d\u00e6&#8220; gibt nach der neutestamentlichen Botschaft das Ziel des menschlichen Lebens an. Auf ihr liegt das Gewicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit diesen Feststellungen ist noch nicht ersch\u00f6pft, was die Botschaft von der Gottebenbildlichkeit des Menschen aussagt. Wie ist sie weiterhin zu deuten? \u2013 In der Tradition hat man versucht, die Gottebenbildlichkeit an einer <em>menschlichen Eigenschaft <\/em>festzumachen, etwa am \u201egeistigen Wesen\u201c des Menschen, seiner \u201ePers\u00f6nlichkeit\u201c oder seiner \u201eethischen Entscheidungsf\u00e4higkeit\u201c. Doch die neuere Auslegung ist mit Recht davon abgekommen. Denn die beiden hebr\u00e4ischen Worte in 1Mose1,26 &#8222;z\u00e4l\u00e4m&#8220; (Bild) und &#8222;d\u0259m\u016bt&#8220; (\u00c4hnlichkeit), die in der klassischen Luther\u00fcbersetzung mit \u201eBild\u201c und \u201euns gleich\u201c \u00fcbersetzt werden (im Wortlaut: \u201eLasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei&#8230;\u201c) beziehen sich auf die <em>\u00e4u\u00dfere<\/em> <em>Form<\/em> und meinen tats\u00e4chlich eine Verwandtschaft im Aussehen. Die Menschengestalt w\u00e4re demnach ein Abbild der Gottesgestalt als eine Art Statue. Wer nun erschrickt, weil das doch sehr primitiv gedacht zu sein scheint, dem sei gesagt, dass mit den beiden hebr\u00e4ischen Pr\u00e4positionen  &#8222;b\u0259&#8220;  und &#8222;k\u0259&#8220; bei den Substantiven &#8222;z\u00e4l\u00e4m&#8220; und &#8222;d\u0259m\u016bt&#8220; eine N\u00e4herbestimmung des Verbs \u201elasset uns machen\u201c geschieht. Somit wird eine Aussage \u00fcber <em>die Art und Weise des Schaffens Gottes <\/em>gemacht, <em>nicht<\/em> aber <em>\u00fcber das Wesen des Menschen<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn8\">[8]<\/a><\/em>. Die klassische Luther\u00fcbersetzung von Vers 27, die uns vertraut ist: \u201eUnd Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn&#8230;\u201c, ist durch die lateinische Bibel\u00fcbersetzung (Vulgata) beeinflusst. Die Vulgata und die Luther\u00fcbersetzung machen aus dem Satz tats\u00e4chlich eine Aussage \u00fcber den Menschen, w\u00e4hrend der hebr\u00e4ische Text eine Aussage \u00fcber die <em>Art und Weise<\/em> <em>des Schaffens Gottes<\/em> macht. Dem Sinn nach: \u201eIn Art und Weise g\u00f6ttlichen Handelns schuf Gott den Menschen&#8230;\u201c. Es geht in der gesamten Sch\u00f6pfungsgeschichte um ein Lob des majest\u00e4tischen Tuns Gottes. Dieses g\u00f6ttliche Tun erreicht seinen H\u00f6hepunkt in der Ebenbildlichkeit der Menschensch\u00f6pfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was der Text meint, hat Karl Barth in seiner Dogmatik treffend erschlossen. Er schreibt: \u201eDie Gottebenbildlichkeit&#8230;ist keine Qualit\u00e4t des Menschen&#8230; Sie besteht&#8230;darin, dass er [der Mensch] Gottes Gegen\u00fcber ist. Das tertium comparationis, die Analogie zwischen Gott und Mensch ist sehr schlicht die Existenz im Gegen\u00fcber von Ich und Du.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn9\">[9]<\/a> \u2013 Gemeint ist also das Personsein des Menschen im Ich-Du-Verh\u00e4ltnis, wurzelhaft zun\u00e4chst Gott gegen\u00fcber, dann aber auch von Mensch zu Mensch, denn es hei\u00dft: \u201eGott schuf den Menschen nach seinem Bilde; nach Gottes Bild schuf er ihn [Einzahl!], m\u00e4nnlich und weiblich schuf er sie [Mehrzahl!]\u201c. Gott hat in souver\u00e4ner Entscheidung den Menschen im Unterschied zu aller anderen Kreatur dadurch hervorgehoben, dass er sich in ihm ein Gegen\u00fcber schuf, mit dem er pers\u00f6nliche Gemeinschaft haben, mit dem er reden will, ein Gesch\u00f6pf, das vor seinem Angesicht leben soll. Mit Martin Buber gesprochen geht es um die dialogische Existenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle blicken wir zur\u00fcck auf das eingangs Dargestellte: Der moderne Mensch auf der Suche nach sich selbst; der Mensch in der Selbstverf\u00fcgung, selbstverkr\u00fcmmt in der echolosen Einsamkeit seiner selbst. Wo gibt es einen Ausweg? Hier in der biblischen Sch\u00f6pfungsgeschichte finden wir die Antwort: Nicht in der isolierten Selbstverwirklichung, sondern in der Gemeinschaft mit Gott, seinem Sch\u00f6pfer, und im Gegen\u00fcber zu seinen Mitmenschen \u2013 allein hier findet der Mensch seine Bestimmung und seinen Lebenssinn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die Menschenw\u00fcrde<\/strong><br \/>\nDie Rede vom Menschen als Bild Gottes weist uns hin\u00fcber auf Psalm 8:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eHERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel&#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott (hebr\u00e4isch: <\/em><em>Elohim =<\/em> <em>Gottwesen), mit Ehre und Hoheit (= mit W\u00fcrde und Pracht \/ mit g\u00f6ttlichem Glanz) (hebr\u00e4isch: <\/em><em>kabod we hadar<\/em><em>) kr\u00f6ntest du ihn.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst k\u00f6nnen wir aufgrund dieser Verse im R\u00fcckblick auf 1Mose 1 zur Ebenbildlichkeit vertiefend sagen: Sofern die \u00e4u\u00dfere menschliche Gestalt \u00fcberhaupt gemeint sein kann, bezieht sich die Gestalt\u00e4hnlichkeit nicht auf den unsichtbaren Gott selbst, sondern auf die Gestalt jener Gottwesen bzw. Engel, die den himmlischen Hofstaat bilden. So lautet in manchen Bibelausgaben die \u00dcbersetzung des sechsten Verses von Psalm 8 entsprechend: \u201eDu hast den Menschen wenig niedriger gemacht als <em>Engel<\/em>\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn10\">[10]<\/a><em>. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtiger noch ist die zweite Aussage des Psalms \u00fcber den Menschen: In direkter Anrede Gottes, also als Lob Gottes, hei\u00dft es: \u201eMit Ehre und Hoheit (hebr\u00e4isch: kabod we hadar) kr\u00f6ntest du ihn [=den Menschen].\u201c K\u00f6nigliche, nahezu g\u00f6ttliche Herrscherw\u00fcrde, ist dem Menschen von Gott her verliehen worden. \u2013 Im R\u00fcckblick auf die Sch\u00f6pfungsgeschichte von 1Mose 1 ist damit der Herrschaftsauftrag best\u00e4tigt. Dort lesen wir in Vers 28: \u201eUnd Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und f\u00fcllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet \u00fcber die Fische im Meer und die V\u00f6gel des Himmels, \u00fcber das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen!\u201c \u2013 Auch in Psalm 8 wird in Form des Lobpreises Gottes \u00fcber den Menschen gesagt: \u201eDu hast ihn zum Herrn gemacht \u00fcber deiner H\u00e4nde Werk, alles hast du unter seine F\u00fc\u00dfe getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die V\u00f6gel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht&#8230; HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Herrschaftsauftrag an den Menschen ist oft missverstanden worden bis hin zu dem Vorwurf, an der modernen Umweltzerst\u00f6rung sei der j\u00fcdisch-christliche Glaube mit seiner Freiheit gegen\u00fcber der Natur schuld. Hingegen seien alte Stammesreligionen mit ihrer Verehrung von Naturg\u00f6ttern zu bevorzugen, weil diese Religionen die Menschen lehrten, die Natur zu verehren und daher unangetastet zu lassen. \u2013 Dabei wird geflissentlich \u00fcbersehen, wie sehr die Anh\u00e4nger von Naturreligionen geknechtet sind durch \u00c4ngste aufgrund von Zauberei, Magie, Schamanentum und allerlei Aberglaube. Au\u00dferdem will wohl kaum einer der heutigen Naturschw\u00e4rmer tats\u00e4chlich auf die Lebenserleichterungen verzichten, welche die durch Wissenschaft und Technik gepr\u00e4gte Zivilisation bereitstellt; ganz abgesehen davon, dass diese Zeitgenossen gewiss kein Jahr im Urwald und auch keinen Winter in unseren Breiten \u00fcberleben w\u00fcrden ohne die Hilfe moderner Zivilisation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der biblische Herrschaftsauftrag ist in einem echt k\u00f6niglichen Sinn gemeint. Der in dieser Weise herrschende Mensch bleibt in Abh\u00e4ngigkeit von seinem Sch\u00f6pfer. Er ist sich seiner Verantwortung vor Gott bewusst. Das bedeutet, so schreibt der Alttestamentler Claus Westermann, vom Verst\u00e4ndnis des K\u00f6nigtums in der Antike her: \u201eAls Herr seines Reiches ist der K\u00f6nig nicht nur f\u00fcr sein Reich verantwortlich; er ist auch der Segenstr\u00e4ger und Segensmittler f\u00fcr dieses sein ihm anvertrautes Reich. Der Mensch w\u00fcrde also sein k\u00f6nigliches Amt der Herrschaft \u00fcber die Erde darin gerade verfehlen, dass er die Kr\u00e4fte der Erde ausbeutet zum Schaden des Ackerlandes, zum Schaden der Pflanzen und Tiere, zum Schaden der Fl\u00fcsse und Meere.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ohne Grund ist der wissenschaftlich-technische Fortschritt nur im Abendland auf dem Boden des j\u00fcdisch-christlichen Glaubens gewachsen! \u00dcbergriffe und Zerst\u00f6rung der Natur beginnen erst dann, wenn der Mensch sich von seiner Verantwortung vor Gott verabschiedet und sich von Gier und Egoismus beherrschen l\u00e4sst. Denn der Mensch \u00fcbt seine Herrschaft nur dort und nur so lange richtig aus, wie er sich als Beauftragter, als Mandatar Gottes, des HERRN, versteht. Der Mensch ist zwar Herr \u00fcber die Kreatur, aber nur als Verwalter auf Zeit, als Haushalter in Verantwortung vor Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechendes gilt vom Verst\u00e4ndnis der Menschenw\u00fcrde. Dieser Begriff hat eine l\u00e4ngere Geschichte. Die ersten Spuren finden sich in der stoischen Philosophie (begr\u00fcndet durch Zenon von Elea ca. 490-430 v. Chr.). Die Stoiker waren die ersten, die auch Sklaven und Barbaren als vollwertige Menschen ansehen wollten. Sie begr\u00fcndeten ihre Sicht naturrechtlich: Alle Menschen haben Anteil am Logos, an der Weltvernunft. (An Sklavenbefreiung dachten die Stoiker dennoch nicht!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verst\u00e4ndnis der Menschenw\u00fcrde im neuzeitlichen Sinne wurde von Immanuel Kant (1724-1804) gepr\u00e4gt. Kant grenzte den Begriff der \u201eW\u00fcrde\u201c von dem des \u201eWertes\u201c ab. Der Mensch ist Selbstzweck und tr\u00e4gt deshalb eine unverlierbare W\u00fcrde. Die \u00fcbrigen Weltwesen und Dinge hingegen k\u00f6nnen als Mittel zum Zweck benutzt werden. Insofern haben sie einen Wert, nicht aber die allein dem Menschen zustehende W\u00fcrde<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn12\">[12]<\/a>. Konkret machte Kant die W\u00fcrde fest am menschlichen <em>Verstand<\/em>, an seiner <em>Freiheit<\/em> zu w\u00e4hlen und an seiner <em>Autonomie, <\/em>sich dessen ohne fremde Beeinflussung zu bedienen. \u2013 Obwohl Kant die Menschenw\u00fcrde als unver\u00e4u\u00dferlich ansieht, hat er dennoch mit \u201eVerstand\u201c, \u201eFreiheit\u201c und \u201eAutonomie\u201c bestimmte Eigenschaften genannt. Was aber gilt, wenn etwa bei einem Schwerkranken, z.B. Koma-Patienten, der Verstand ausf\u00e4llt? An dieser Stelle hat das aufkl\u00e4rerische Verst\u00e4ndnis von Menschenw\u00fcrde eine offene Flanke<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn13\">[13]<\/a>. \u2013 Wir werden darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz anders das biblische Verst\u00e4ndnis. Denn \u201eW\u00fcrde\u201c (hebr\u00e4isch: kabod griechisch: doxa) steht in erster Linie Gott zu. Von daher erst f\u00e4llt ein Licht auf den Menschen in seiner Gottebenbildlichkeit gem\u00e4\u00df Psalm 8,6: \u201eDu hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gottwesen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entscheidend ist hier: <em>Diese W\u00fcrde ist eine geschenkte W\u00fcrde.<\/em> <em>Sie wird nicht an menschlichen Eigenschaften und Qualit\u00e4ten festgemacht, <\/em>sondern wird allein von Gott her begr\u00fcndet<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn14\">[14]<\/a>! Nur so ist sie unverlierbar. Allein vom Menschen aus gesehen ist sie nicht unverlierbar. Jedoch mit der biblischen Begr\u00fcndung gilt, dass auch ein von Gott abgefallener Mensch, sei es ein Verbrecher, ein M\u00f6rder, ein gegen Gott rebellierender Atheist dennoch eine unverlierbare Menschenw\u00fcrde besitzt. Er mag sie durch sein Verhalten verdunkeln, aber er verliert sie nicht. Entsprechendes gilt f\u00fcr Kranke, sei es ein Komapatient, ein Demenzkranker, ein seelischer oder k\u00f6rperlicher Kr\u00fcppel, jeder von ihnen hat unter allen Umst\u00e4nden die volle, unverlierbare Menschenw\u00fcrde! Erst mit dieser theonomen biblischen Begr\u00fcndung erh\u00e4lt die Menschenw\u00fcrde ihr volles Recht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der modernen Diskussion mangelt es genau an dieser Stelle. Denn gegenw\u00e4rtig wird in der aktuellen Auseinandersetzung z.B. \u00fcber Schwangerschaftsabbruch, Euthanasie, pr\u00e4natale Diagnostik immer wieder die Menschenw\u00fcrde im Sinne utilitaristischer Ethik an <em>Eigenschaften <\/em>festgemacht oder an sogenannten \u201ekonkreten Umst\u00e4nden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Worten \u201eDie Menschenw\u00fcrde ist unantastbar\u201c in Art. 1, Abs. 1 stellt auch das deutsche Grundgesetz die Menschenw\u00fcrde als bedingungsloses Absolutum an den Anfang aller weiteren Ausf\u00fchrungen. Die Menschenw\u00fcrde ist auch im Grundgesetz an keinerlei Bedingungen gekn\u00fcpft. Wenn man jedoch Bedingungen einf\u00fchrt, gibt es bald kein Halten mehr. Diesbez\u00fcglich hat der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer mit seinem Buch \u201ePraktische Ethik\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn15\">[15]<\/a> eine Lawine ins Rollen gebracht. Er kn\u00fcpft Menschenw\u00fcrde an Eigenschaften, die verloren gehen k\u00f6nnen. Nach seiner Ansicht geh\u00f6ren zur Menschenw\u00fcrde Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, F\u00e4higkeit zur Selbstbestimmung, Reflexionsverm\u00f6gen, Vernunft, Pragmatik, Streben nach Gl\u00fccksempfindungen und Vermeidung von Schmerz. Es ist klar, dass z.B. ein Koma-Patient diese Eigenschaften nicht hat, ebenso wenig wie ein Embryo (wobei die Frage nach der Schmerzempfindung ein eigenes Problem darstellt<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn16\">[16]<\/a>). Ein gesundes h\u00f6heres S\u00e4ugetier kann unter Umst\u00e4nden mehr dieser Eigenschaften aufweisen als ein Koma-Patient oder ein Embryo. Singer folgert aus dieser Feststellung konsequent z.B. die aktive Sterbehilfe und die Freigabe der Abtreibung. Einem Menschen allein deshalb Menschenw\u00fcrde zuzusprechen, weil er zur biologischen Gattung \u201eMensch\u201c geh\u00f6rt, nennt Singer \u201eSpeziezismus\u201c. Aufgrund dieser Thesen kann man dann solch paradoxe Parolen h\u00f6ren wie \u201eMenschenw\u00fcrde auch f\u00fcr Tiere\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir jedoch halten im biblischen Sinne an der Absolutheit der Menschenw\u00fcrde fest, nicht, weil wir dem \u201eSpeziezismus\u201c verfallen w\u00e4ren, sondern weil Menschenw\u00fcrde nicht empirisch begr\u00fcndbar ist. Sie kann nur als Geschenk Gottes empfangen werden, unbegr\u00fcndbar, aber eben darum auch unverlierbar. Denn der Mensch ist Gottes Ebenbild! Nur auf diesem Wege l\u00e4sst sich Menschenw\u00fcrde uneingeschr\u00e4nkt bewahren und konsequent sch\u00fctzen! Ohne die Quellen des biblischen Glaubens verfallen die Grundlagen der Humanit\u00e4t. Gott ist der Geber des Lebens. Er allein darf es auch nehmen. Die Entscheidung \u00fcber Leben und Tod ist der menschlichen Verf\u00fcgbarkeit entzogen, wenn die Menschenw\u00fcrde nicht Schaden leiden soll. Humanit\u00e4t ohne Divinit\u00e4t endet in Bestialit\u00e4t!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Staatsgewalt, Polizei und Todesstrafe<\/strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><br \/>\n<\/span>Nun lebt die Menschheit freilich nicht im Paradies, sondern in der gefallenen Welt. Auf die biblischen Paradieserz\u00e4hlungen folgt die Geschichte von Kain und Abel, die Erz\u00e4hlung vom Brudermord. Das t\u00f6dlich bedrohende B\u00f6se dringt in den engsten Familienkreis ein. Wer sch\u00fctzt Abel?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der gefallenen Welt erhebt sich an erster Stelle der Rachegedanke. Die archaische Sitte der Blutrache sollte den M\u00f6rder bestrafen, ihn in zweiter Linie von weiteren Taten abhalten. Kain f\u00fcrchtete sich davor und klagte Gott an, der ihn zur Rechenschaft zog: \u201e&#8230;unstet und fl\u00fcchtig muss ich sein auf Erden; so wird mich denn totschlagen, wer mich antrifft\u201c (1Mose 4,14b). Gott selbst sch\u00fctzte ihn daraufhin mit dem Kainszeichen (1Mose 4,15). So entging Kain der Blutrache. Unter seinen Nachkommen aber nahm sie schreckliche Ausma\u00dfe an, wie wir noch im selben Kapitel lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnd Lamech sprach zu seinen Frauen:<\/em><em> Ada und Zilla, h\u00f6rt meine Rede, <\/em><em>ihr Frauen Lamechs, vernehmt meinen Spruch: <\/em><em>Einen Mann erschlug ich f\u00fcr meine Wunde <\/em><em>und einen J\u00fcngling f\u00fcr meine Strieme. <\/em><em>Denn wird Kain siebenmal ger\u00e4cht,  s<\/em><em>o Lamech siebenundsiebzigmal\u201c (1Mose <\/em><em>4,23 f<\/em><em>.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sich in dieser Weise ausweitende Blutrache kann ganze Sippschaften, ja St\u00e4mme ausrotten. Darum ist dem Volk Gottes die Blutrache grunds\u00e4tzlich verwehrt worden. \u201eDu sollst nicht morden\u201c, lautet apodiktisch, d.h. absolut und keinen Widerspruch duldend, das f\u00fcnfte Gebot<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn17\">[17]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gibt es nicht Stellen im Alten Testament, die anderes sagen? Wie verh\u00e4lt es sich mit dem Grundsatz \u201eLeben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn\u201c (3Mose 24,20; vgl. 2Mose 21,24), auf den immer wieder mit Kritik am Alten Testament hingewiesen wird? \u2013 Diese oft missdeuteten Stellen wenden sich zun\u00e4chst einmal gegen eine sich hochschaukelnde Blutrache, wie sie das Lamechlied zeigt. Die Strafe soll einem ordentlichen Gericht \u00fcberantwortet und in angemessenem Ma\u00dfe, in diesem Sinne gerechtem Ma\u00dfe, ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kann man weiterhin einwenden, \u201eAuge um Auge, Zahn um Zahn\u201c, sei eine schreckliche Vorschrift. \u2013 Was uns zun\u00e4chst abschreckt, ist die K\u00f6rperstrafe. Aber das war in archaischen Gesellschaften ohne Gef\u00e4ngniswesen und bei gro\u00dfer Armut des Delinquenten oft die einzige M\u00f6glichkeit der Strafabschreckung. Es geht um gleiches Ma\u00df. Immerhin finden wir im Alten Testament nicht die Exzesse von K\u00f6rperstrafen wie in der islamischen Sharia, die z.B. f\u00fcr Diebstahl ein Abhacken der Hand vorsieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bez\u00fcglich des Alten Testaments lohnt sich wiederum ein Blick auf das Hebr\u00e4ische: F\u00fcr das \u201eum\u201c in der \u00dcbersetzung \u201eAuge um Auge, Zahn um Zahn\u201c, steht im Hebr\u00e4ischen die Pr\u00e4position &#8222;tachat&#8220;, und diese bedeutet zugleich \u201ean Stelle von\u201c, gem\u00e4\u00df dem lateinischen \u201epro\u201c. Dies wiederum hei\u00dft, dass eine Ersatzleistung gegeben werden kann und nicht, dass man dem T\u00e4ter, der einem Anderen z.B. ein Auge ausgestochen hat, ebenfalls das Auge ausstechen soll. Entsprechend lesen wir \u00fcber die Bibelstelle 2Mose 21,22-24 (auch 3Mose 24,20) im Traktat \u201eBawa kamma\u201c, 83b\/84a des Babylonischen Talmud: \u201eWie derjenige, der ein Tier erschl\u00e4gt, zu Ersatzleistungen verpflichtet ist, so ist auch derjenige, der einen Menschen schl\u00e4gt, zu Ersatzleistungen verpflichtet.\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn18\">[18]<\/a> \u2013 Somit geht es um angemessene Ersatzleistungen, keineswegs um die K\u00f6rperstrafen als solche. Im alten Israel konnte auch im Falle eines Totschlags, etwa infolge eines t\u00f6dlichen Unfalls, Ersatzleistung erbracht werden. Zun\u00e4chst musste der Totschl\u00e4ger zu einem Asylort fliehen (4Mose 35,9ff.). Dann aber konnte seine Familie oder er selbst der Familie des Get\u00f6teten ein Mitglied der eigenen Familie zur Verf\u00fcgung stellen, so dass zumindest die Arbeitskraft des Get\u00f6teten ersetzt wurde. Ergab es sich, dass der aus der Familie gegebene Sohn im heiratsf\u00e4higen Alter war und die Familie des zu Tode Gekommenen eine heiratsf\u00e4hige Tochter hatte, war es sogar m\u00f6glich, dass von den beiden Familien eine Heirat arrangiert wurde. Eben dadurch wurde im vollkommenen Sinne Ersatz geleistet. Das Ergebnis war nicht Rache, sondern Friedensstiftung. Der ausgleichenden Gerechtigkeit war auf diese Weise im besten Sinne Gen\u00fcge getan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Regelung, die bei Leibessch\u00e4digung und bei Totschlag angewendet wurde, galt allerdings nicht f\u00fcr Mord. F\u00fcr geplanten Mord hei\u00dft es ausdr\u00fccklich 4Mose 35,31: \u201eUnd ihr sollt f\u00fcr das Leben eines M\u00f6rders, der des Todes schuldig ist, kein L\u00f6segeld annehmen, sondern er soll get\u00f6tet werden.\u201c \u2013 Damit kommen wir zum Problem der Todesstrafe. Sie wurde auch im Abendland Jahrhunderte lang ge\u00fcbt. Voraussetzung war, dass sie in die Hand des Staates und der ordentlichen Gerichtsbarkeit gelegt wurde, wie auch der Apostel Paulus R\u00f6mer 13,4 schreibt, dass die Obrigkeit \u201eDienerin Gottes\u201c ist und \u201enicht umsonst das Schwert tr\u00e4gt\u201c. Im Deutschen Grundgesetz hingegen hei\u00dft es lapidar in Artikel 102: \u201eDie Todesstrafe ist abgeschafft.\u201c Denn mit der Todesstrafe wurde viel Missbrauch getrieben. Im NS-Staat wurde sie vor allem aus politischen Gr\u00fcnden verh\u00e4ngt und diente zur Terrorisierung der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Alten Testament wird die Todesstrafe des weiteren mit der Heiligkeit des von Gott auserw\u00e4hlten Volkes Israel begr\u00fcndet. Diese Begr\u00fcndung findet sich im Heiligkeitsgesetz (3Mose 17-26). Sie lautet: \u201eIhr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott\u201c (3Mose 19,2; vgl. 3Mose 20,26). Darum: \u201eSo sollst du das B\u00f6se aus deiner Mitte \u201awegr\u00e4umen\u2019\u201c (insgesamt neunmal, z.B. 5Mose 13,5; 17,7 u.\u00f6.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Vorschriften gelten eindeutig nur dem fr\u00fchen Volk Israel. Gottesreichreich und Weltreich waren f\u00fcr Israel eins. Im Blick auf unsere heutige Situation entf\u00e4llt diese besondere Begr\u00fcndung des Alten Testaments f\u00fcr die Todesstrafe. Denn f\u00fcr alle nichtisraelitischen V\u00f6lker, die \u201eHeiden\u201c, gilt die Einheit von Gottesvolk und Staatsvolk nicht, die im Alten Testament als Ideal f\u00fcr Israel vorausgesetzt ist, bzw. eingefordert wird. F\u00fcr die neutestamentliche Gemeinde best\u00e4tigt Jesus vor Pilatus: \u201eMein Reich ist nicht von dieser Welt\u201c (Johannes 18,36). \u2013 Der bleibende Sinn der theologischen Begr\u00fcndungen der Todesstrafe im Alten Testament besteht darin zu zeigen, wie schwer die S\u00fcnde vor Gott wiegt und dass der S\u00fcnder vor Gott sein Leben verwirkt hat. Durch Jesu Christi stellvertretendes Leiden und Sterben wurde der s\u00fcndige Mensch jedoch von der Strafe des ewigen Todes losgekauft (vgl. Galater 3,13; 4,5; Titus 2,14; 1Petrus 1,18f.)<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn19\">[19]<\/a>. Aus christlicher Sicht ist darum die Todesstrafe keine staatsrechtliche biblische Forderung! \u2013 Es gibt eine naturrechtliche Begr\u00fcndung der Todesstrafe als Ausdruck des Lebensschutzes. Was aber das Naturrecht und die Praxis in der Staatenwelt anbetrifft, hat Adolf Schlatter in seiner Ethik das Dilemma treffend gekennzeichnet: Somit zeigt gerade die Problematik der Todesstrafe, die Ausdruck des Ernstnehmens des B\u00f6sen ist, die Ausweglosigkeit, auf \u201enat\u00fcrlichem\u201c Wege mit dem B\u00f6sen fertig zu werden, \u201edas die Nachsicht zu seiner St\u00e4rkung missbraucht und durch die H\u00e4rte vollends verh\u00e4rtet&#8230;\u201c<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftn20\">[20]<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass aber die Obrigkeit mit Recht \u201edas Schwert tr\u00e4gt\u201c, wie es  R\u00f6mer 13 hei\u00dft, ist auch im modernen Staat keine Frage. Denn wir leben in einer gefallenen Welt, in der das B\u00f6se nicht schw\u00e4rmerisch wegdiskutiert werden kann. Das Gewaltmonopol muss beim Staat bleiben, weil Anarchismus zu gr\u00f6\u00dften Gewaltexzessen f\u00fchrt. Daher ist eine f\u00fcr den Ernstfall bewaffnete Polizei n\u00f6tig. \u2013 Was passiert, wenn die Ordnung zerbricht, zeigt sich immer wieder z.B. bei Erdbebenkatastrophen: Die UNO war in letzter Zeit gezwungen, nicht nur Polizei, sondern Milit\u00e4r in diese Gebiete zu schicken, weil oft Chaos ausbrach, in dem Raub, Vergewaltigung, Mord und Totschlag \u00fcberhand nahmen. In solchen Situationen ist bewaffnete Gewalt unumg\u00e4nglich. Sie dient dann ausschlie\u00dflich dazu, Leben zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Ausblick<\/strong><br \/>\nZuletzt seien die biblischen Glaubenszeugen, die M\u00e4rtyrer, erw\u00e4hnt. Keiner von ihnen hat den Tod gesucht oder gar in terroristischer Absicht andere Menschen mit in den Tod gerissen, wie es islamische Attent\u00e4ter tun, die genau deshalb nicht M\u00e4rtyrer genannt werden sollten. Der christliche M\u00e4rtyrer ist ein Opfer, das allein um seines standhaften Glaubenszeugnisses willen ermordet wurde. Dies geschieht in der Nachfolge Jesu Christi. Jesus selbst hat als Opferlamm f\u00fcr die menschliche S\u00fcnde den Kreuzestod erlitten. Zwar deutet der Apostel Paulus an, dass er nicht vor dem M\u00e4rtyrertod zur\u00fcckschreckt (vgl. Philipper 2,17) und dass er sich sogar freuen w\u00fcrde, bei Christus zu sein (vgl. Philipper 1,23), doch er sucht den Tod nicht, stellt sein Leben und Sterben ganz in Gottes Hand (vgl. R\u00f6mer 14,8) und bleibt seiner irdischen apostolischen Verantwortung f\u00fcr seine Gemeinden treu (vgl. Philipper 1,24). \u2013 In der Offenbarung des Johannes sieht der Apostel Johannes vor dem g\u00f6ttlichen Thron die Seelen derer, die um des Wortes Gottes willen hingeschlachtet wurden (Offenbarung 6,9). Sie werden um Geduld gebeten, bis die Vollzahl der M\u00e4rtyrer eingegangen ist, denn auf die M\u00e4rtyrer wartet besonderer Lohn. M\u00e4rtyrer ist aber nur der, der Opfer wurde, nicht der, der den Tod freiwillig oder gar mutwillig gesucht hat. Christenverfolgungen weltweit, wie wir sie heute erleben, sind ein Zeichen der Endzeit, der Entfesselung der widerg\u00f6ttlichen M\u00e4chte. In der Endzeit w\u00e4chst unter den Christen die Sehnsucht danach, dass Gott sein Friedensreich errichtet, in dem es keine Tr\u00e4nen, keinen Schmerz, kein Leid und vor allem keinen Tod mehr gibt (vgl. Offenbarung 21,3-5). Aber dieses Reich richtet Gott allein auf. Es ist nicht Ergebnis menschlicher emanzipatorischer Fortschrittsbewegungen. Denn diese f\u00fchren, wenn sie sich absolut setzen, eher in die H\u00f6lle der Entfremdung als in den Himmel der Vollendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend halten wir fest: Gott ist ein Freund des Lebens. Er ist der Sch\u00f6pfer und Erhalter allen Lebens. Das Leben kommt von ihm her und hat sein Ziel in ihm. Darum ist es nach biblischer Sicht menschlicher Verf\u00fcgbarkeit grunds\u00e4tzlich entzogen. Zwar erm\u00f6glicht der medizinische Fortschritt, f\u00fcr den wir dankbar sind, eine Erh\u00f6hung der durchschnittlichen menschlichen Lebenserwartung; die Apparatemedizin erweitert den \u00dcbergangsbereich zwischen Leben und Tod und vergr\u00f6\u00dfert die Grauzone des Zwischenstadiums. Doch es ist ein Irrglaube zu meinen, Krankheit, Leiden und Tod lie\u00dfen sich durch menschlichen Fortschritt aus der Welt verbannen. Es ist nicht christlich, wenn der Tod naht, stets zu versuchen, ihn mit allen Mitteln der Medizin hinauszuschieben. Ein Christ bleibt bereit, krankheitsbedingtes Leiden und Tod zu ertragen und aus der Hand Gottes anzunehmen und wenn es Zeit ist zu gehen. Gott, der HERR, ist allein Herr \u00fcber Leben und Tod. Nur wenn dieses beachtet wird, ist auch menschlicherseits die Unverf\u00fcgbarkeit des Lebens gesichert! So bekennt der Christ zuletzt mit dem Dulder Hiob: \u201eDer HERR hat\u2019s gegeben, der HERR hat\u2019s genommen, der Name des HERRN sei gelobt\u201c (Hiob 1,21). Denn das Lob Gottes ist Ziel der Sch\u00f6pfung und erst recht Ziel allen menschlichen Lebens in seiner Gottebenbildlichkeit! Deshalb wird sich auch der ortlos gewordene moderne Mensch nur in seinem Sch\u00f6pfer wiederfinden und seine Orientierung zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Rainer Mayer, Stuttgart, 08. M\u00e4rz 2010<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<hr style=\"text-align: justify;\" size=\"1\" \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref1\">[1]<\/a> J\u00fcrgen Moltmann, Der verborgene Mensch, Das Gespr\u00e4ch, Heft 4, Wuppertal 1961, S. 3.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. den Anmerkung 1 genannten Titel.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref3\">[3]<\/a> Martin Heidegger in seiner Schrift \u201eKant und das Problem der Metaphysik\u201c; hier zitiert nach Martin Buber, Das Problem des Menschen, Heidelberg 1948, S. 125 f.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref4\">[4]<\/a> Zitiert nach J. Moltmann, Der verborgene Mensch, S. 6.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref5\">[5]<\/a> Diese Zusammenh\u00e4nge erschlie\u00dft sehr eindr\u00fccklich: Hans Lachenmann, Sieh hin und du wei\u00dft. Ein theologisches Gespr\u00e4ch mit Hans Jonas, Stuttgart 2009.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref6\">[6]<\/a> Vgl. die \u00fcbersichtliche Tabelle von Walter Hilbrands in der Brosch\u00fcre: Walter Hilbrands, Der biblische Sch\u00f6pfungsbericht \/ Joachim Cochlovius, Das Sch\u00f6pfungszeugnis des Neuen Testaments, Gemeindehilfsbund Walsrode 2009, S. 13.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref7\">[7]<\/a> Vgl. Claus Westermann, Sch\u00f6pfung, Stuttgart \/ Berlin 1971, S. 68.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref8\">[8]<\/a> Vgl. Claus Westermann, Calwer Predigthilfen, Band 4: Die alttestamentlichen Texte der sechsten Reihe, Stuttgart 1965, S. 197.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref9\">[9]<\/a> Karl Barth, Kirchliche Dogmatik III\/1, S. 206 f.; hier zitiert nach Claus Westermann, Calwer Predigthilfen, a.a.O., S. 198.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref10\">[10]<\/a> Vgl. dazu auch: Gerhard v. Rad., Das erste Buch Mose. Genesis, Das Alte Testament Deutsch, Band 2\/4, G\u00f6ttingen 1958<sup>5<\/sup>, S. 47.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref11\">[11]<\/a> Claus Westermann, Sch\u00f6pfung, a.a.O., S. 76 f.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref12\">[12]<\/a> So Kant in \u201eMetaphysik der Sitten\u201c, 1797, \u00a7 38 \u201eTugendlehre\u201c.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref13\">[13]<\/a> Dies gilt f\u00fcr die folgende Geschichte der Aufkl\u00e4rung, nicht f\u00fcr Immanuel Kant selbst. Autonomie bedeutet f\u00fcr Kant Gesetzgebung durch Vernunft, die auf Gemeinschaft bezogen ist; und Freiheit ist f\u00fcr ihn nicht Willk\u00fcrfreiheit. Nach seiner Ethik m\u00fcsste ein Arzt es daher ablehnen, eine Todesspritze zu geben, auch wenn er vom Patienten selbst darum gebeten w\u00fcrde. Denn das hie\u00dfe, Personalit\u00e4t in Materialit\u00e4t zu \u00fcberf\u00fchren.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref14\">[14]<\/a> Die g\u00f6ttlich begr\u00fcndete volle Menschenw\u00fcrde gilt auch f\u00fcr den Embryo gem\u00e4\u00df Psalm 119,13-16. Vers 16 lautet in der w\u00f6rtlichen \u00dcbersetzung von Martin Buber: \u201eMeinen Kn\u00e4ul [Doppelhelix?] sahn deine Augen&#8230;\u201c (Das Buch der Preisungen, verdeutscht von M. Buber, K\u00f6ln &amp; Olten, o.J., S.198).<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref15\">[15]<\/a> Peter Singer, Praktische Ethik, Stuttgart 1984; Titel der Originalausgabe: Practical Ethics, Cambridge 1979.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref16\">[16]<\/a> Nach heutiger medizinischer Erkenntnis besteht ab der zehnten Woche Schmerzempfindlichkeit des Embryos!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref17\">[17]<\/a> Vgl. Jesu indirekte Stellungnahme zum Lamechlied (Matth\u00e4us 18,21): Auf die Frage des Petrus, wie oft man dem Bruder vergeben m\u00fcsse, ob siebenmal gen\u00fcge, antwortet Jesus: \u201eNicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.\u201c Somit setzt Jesus an die Stelle der grenzenlosen Rache die grenzenlose Liebe!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref18\">[18]<\/a> Siehe Reinhold Mayer, Der babylonische Talmud. Ausgew\u00e4hlt, \u00fcbersetzt und erkl\u00e4rt, M\u00fcnchen 1963<sup>3<\/sup>, Kapitel \u201e\u00dcber Sch\u00e4digungen\u201c.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref19\">[19]<\/a> Vgl. im Einzelnen zur Frage der Todesstrafe: Rainer Mayer, Artikel \u201eTodesstrafe\u201c, in: Evangelisches Lexikon f\u00fcr Theologie und Gemeinde, Band 3, Wuppertal \/ Z\u00fcrich 1994, S. 2016 f.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ftnref20\">[20]<\/a> Adolf Schlatter, Die christliche Ethik, Stuttgart 1961<sup>4<\/sup>, S. 158.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unverf\u00fcgbarkeit des menschlichen Lebens 1. Der Mensch auf der Suche nach sich selbst So weit wir die Geschichte kennen, hat es immer Menschenbilder gegeben, mit deren Hilfe die Menschen sich in der Welt orientierten. Allerdings gilt es als besonderes Kennzeichen der Neuzeit, dass unser Zeitalter das erste ist, \u201ein welchem der Mensch sich v\u00f6llig [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4325"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4325"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4332,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4325\/revisions\/4332"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}