{"id":4226,"date":"2010-02-19T15:20:25","date_gmt":"2010-02-19T13:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4226"},"modified":"2010-02-19T20:27:43","modified_gmt":"2010-02-19T18:27:43","slug":"berufe-mit-haufiger-kinderlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=4226","title":{"rendered":"Berufe mit h\u00e4ufiger Kinderlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/Kinder-1.jpg\"><\/a>Journalisten, K\u00fcnstler, <\/strong><strong>Politiker, Sozialwissenschaftler: <\/strong><strong>Berufe, in denen Kinderlosigkeit besonders h\u00e4ufig vorkommt<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die familienpolitische Debatte dreht sich seit langem um eine Kunstfigur: Die berufliche erfolgreiche Akademikerin (1). Sie verk\u00f6rpert einerseits den Erfolg der Frauenemanzipation (aufgekl\u00e4rt, unabh\u00e4ngig etc.) und andererseits den negativen demographischen Trend zur steigenden Kinderlosigkeit. Als der entscheidende Grund f\u00fcr ihren Verzicht auf Kinder gilt die mangelnde Vereinbarkeit von Erwerbsberuf und Familie: Dies nicht nur, weil \u201emit steigender Bildung auf immer mehr Lohn und Gehalt verzichtet werden muss, sondern auch ein St\u00fcck weit auf Selbstverwirklichung, soziale Anerkennung und Lebensfreude. Aus diesem Grund blieben Akademikerinnen in Deutschland h\u00e4ufiger kinderlos als formal geringer qualifizierte Frauen. Um h\u00f6her qualifizierten Frauen die Entscheidung f\u00fcr Kinder zu erm\u00f6glichen, seien sie von \u201eihrer Erziehungsverantwortung zu entlasten und ihnen dadurch mehr Raum f\u00fcr die eigene Berufst\u00e4tigkeit zu geben&#8220;(2). Praktisch bedeutet dies, dass Kinder von klein auf au\u00dferhalb der Familie in Institutionen zu versorgen sind.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Vorbild einer solchen M\u00fcttererwerbsf\u00f6rderpolitik gilt allgemein Schweden: Frauen mit Hochschulabschluss bleiben hier im Vergleich zu Westdeutschland und \u00d6sterreich seltener kinderlos\u00a0das Ideal der Vereinbarkeit von \u201eKind und Karriere scheint verwirklicht zu sein (3). Die schwedische Bev\u00f6lkerungsstatistik zeigt allerdings, dass sich Frauen mit Hochschulabschluss je nach Fachrichtung stark in ihrem Geburtenverhalten unterscheiden: Lehrerinnen (10-15%), aber auch \u00c4rztinnen (16%) sind relativ selten kinderlos. Dagegen bleiben Juristinnen (20%), Bibliothekarinnen (27%) und vor allem Geisteswissenschaftlerinnen (30%) h\u00e4ufiger kinderlos. Am seltensten leben hingegen Kinderg\u00e4rtnerinnen (ca. 7%) und Hebammen (5%) ohne Kinder. Das Ausma\u00df der Kinderlosigkeit in Schweden unterscheidet sich also deutlich nach Berufszweigen: Frauen mit einer Ausbildung f\u00fcr das Bildungs- oder Gesundheitswesen bleiben wesentlich seltener kinderlos als Frauen mit einem f\u00fcr Verwaltung oder Wirtschaft qualifizierenden Berufsabschluss (4). Unter ganz anderen institutionellen Bedingungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigen sich \u00e4hnliche Zusammenh\u00e4nge in \u00d6sterreich: Auch hier bleiben Frauen in Gesundheitsberufen (Hebammen, Krankenschwestern, \u00c4rztinnen etc.) seltener kinderlos als Frauen anderer Berufsrichtungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Schweden wie in \u00d6sterreich sind f\u00fcr Journalismus, Sozial- und Geisteswissenschaften, Theologie und den Kunstbereich ausgebildete Frauen auffallend h\u00e4ufig kinderlos (5). Warum Absolventinnen dieser Fachbereiche h\u00e4ufiger kinderlos (und unverheiratet) bleiben als z. B. \u00c4rztinnen l\u00e4sst sich nicht allein aus den Erwerbsbedingungen erkl\u00e4ren. Es handelt sich hier um Bereiche, die ideologieanf\u00e4lliger sind und in denen feministische Debatten Ehe und Familie \u00f6fter fundamental in Frage stellen (6). F\u00fcr nicht wenige Frauen, aber auch M\u00e4nner in diesen Berufen ist der bewusste Verzicht auf Kinder Ausdruck eines ungebundenen, postmodernen Lebensstils (7). In Deutschland ist dieser Lebensstil \u00fcber seine akademische Avantgarde hinaus mittlerweile f\u00fcr breitere Schichten attraktiv: In der Bev\u00f6lkerung hat sich eine noch minorit\u00e4re, aber wachsende Gruppe etabliert, \u201edie Familie nicht w\u00fcnscht und nicht lebt. Aufgrund ihrer \u201eausgepr\u00e4gt individualistischen Orientierungen sind deren Angeh\u00f6rige \u201efamilienpolitisch nur schwer erreichbar (8). Trotz Krippen und Ganztagsschulen bleiben Kinder aus Sicht dieser Gruppe wohl ein \u201eEntfaltungs- und Karrierehemmnis. Im Gegensatz zu dieser Sichtweise verbinden die meisten Eltern mit Kindern Sinnerf\u00fcllung, Lebensfreude und auch ein St\u00fcck Selbstverwirklichung (9). Neben ihrer Erwerbst\u00e4tigkeit wollen sie Zeit f\u00fcr die Familie haben, um ihre Kinder selbstverantwortlich zu erziehen. Um die Entscheidung f\u00fcr Kinder wirksam zu f\u00f6rdern, m\u00fcsste sich die Politik statt an fiktiven Kunstfiguren an den realen Pr\u00e4ferenzen der \u201eFamilienmenschen orientieren (10). Das politische Meinungsklima pr\u00e4gen aber nicht Hebammen, Grundschullehrerinnen oder Apotheker, sondern h\u00e4ufig kinderlose Publizist(inn)en, Moderator(inn)en und Politiker(innen) in der medialen Bewusstseinsindustrie.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IDAF, Meldung der Wochen 7\u00a0&#8211; 8 \/ 2010<\/em>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(1) Eine Kunstfigur ist eine fiktive Figur oder Person, die nahezu alle Attribute einer lebenden Person besitzen kann. Oft zeichnet sich die Kunstfigur dadurch aus, dass sie von ihrem Umfeld f\u00fcr eine reale Person gehalten wird: <a href=\"mhtml:{72139CBB-0BAB-41F2-8C56-790390E6D402}mid:\/\/00000378\/!x-usc:http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kunstfigur\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kunstfigur<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Siehe: Norbert F. Schneider: Work-Life- Balance. Neue Herausforderungen f\u00fcr eine zukunftsorientierte Personalpolitik aus soziologischer Perspektive, S. 64-74, in: Alexander Dilger\/Irene Gerlach\/Helmut Schneider (Hrsg.): Betriebliche Familienpolitik. Potenziale und Instrumente aus multidisziplin\u00e4rer Sicht, Wiesbaden 2007, S. 64-65.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) \u00dcbersehen wird bei solchen Vergleichen regelm\u00e4\u00dfig der h\u00f6here Anteil von Akademikerinnen in Schweden. So haben nur 13% der \u00f6sterreichischen Frauen der Geburtenkohorten 1955-1959, aber immerhin 33% der schwedischen Frauen derselben Kohorte einen terti\u00e4ren Bildungsabschluss. Vgl.: Gerda Neyer: Bildung und Kinderlosigkeit in \u00d6sterreich und Schweden, S. 286-309, in: Zeitschrift f\u00fcr Familienforschung, 21. Jahrgang, Heft 3\/2009, S. 253.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Vgl. ebenda, S. 296-297.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Ebenda, S. 300-301. Extrem hoch ist in \u00d6sterreich die Kinderlosigkeit von Frauen mit Abschl\u00fcssen in Kunstgeschichte (46%), Theaterwissenschaft und Schauspiel (47%) und Malerei, Graphik, Kunsthandwerk (40%), ebenda S. 297.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Neyer dr\u00fcckt sich hier vorsichtig aus: \u201eManches deutet darauf hin, dass neben den Erwerbsbedingungen auch andere Lebensorientierungen in Bezug auf Familie die hohe Kinderlosigkeit von Frauen mit diesen Ausbildungen bedingen. Die Geisteswissenschaften, Kunst und Sozialwissenschaften (auch das Bibliotheks- und Buchwesen) waren in den 1970er und 1980er Jahren jene Bereiche, in denen feministische Diskurse Geschlechterkonstellationen fundamental in Frage stellten. Da die feministische Bewegung in dieser\u00a0 Zeit sich eher gegen M\u00fctterlichkeit wandte, k\u00f6nnte dies zum Teil auch zu einer h\u00f6heren Kinderlosigkeit von Frauen mit diesen Ausbildungen beigetragen haben. Ebenda, S. 305. \u00dcber Motive und Ursachen der Kinderlosigkeit in Medienberufen vgl. auch J\u00fcrgen Liminski: Meinungseliten und Meinungsdiktat\u00a0. Das medial-politische Establishment und die Familie, in: Die verratene Familie. Politik ohne Zukunft, Sankt-Ulrich-Verlag, Augsburg 2007, S. 29-55.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Nach Mikrozensus-Auswertungen von Hans Bertram weisen in Medienberufen t\u00e4tige M\u00e4nner besonders niedrige, \u00c4rzte und Apotheker dagegen relativ hohe Kinderzahlen auf. Vgl.: Hans Bertram: Die Mehrkinderfamilie in Deutschland. Zur demographischen Bedeutung der Familie mit drei und mehr Kindern und ihrer \u00f6konomischen Situation. Expertise f\u00fcr das Kompetenzzentrum f\u00fcr familienbezogene Leistungen im Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2008, S. 9-11.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) Vgl.: J\u00fcrgen Dorbritz: Demographische Trends und Hauptergebnisse der deutschen Population Policy Acceptance Study (PPAS), S. 315-361, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft, 3-4\/2004, S. 350-355.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(9) Siehe hierzu Abbildungen unter: \u201eBedeutung von Kindern aus der Sicht von Frauen sowie \u201eBedeutung von Kindern aus der Sicht von M\u00e4nnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(10) Zu diesen geh\u00f6rt insbesondere der Wunsch nach Teilzeitarbeitspl\u00e4tzen, die es Eltern erm\u00f6glichen, sich eigenh\u00e4ndig um die F\u00f6rderung ihrer Kinder zu k\u00fcmmern:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"mhtml:{72139CBB-0BAB-41F2-8C56-790390E6D402}mid:\/\/00000378\/!x-usc:http:\/\/www.i-daf.org\/49-0-Woche-22-2008.html\">http:\/\/www.i-daf.org\/49-0-Woche-22-2008.html<\/a>. Zu den Erwartungen an die Familienpolitik: <a href=\"mhtml:{72139CBB-0BAB-41F2-8C56-790390E6D402}mid:\/\/00000378\/!x-usc:http:\/\/www.i-daf.org\/218-0-Woche-37-2009.html\">http:\/\/www.i-daf.org\/218-0-Woche-37-2009.html<\/a><\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Die Tabellen k\u00f6nnen durch Anklicken vergr\u00f6\u00dfert werden:<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/Kinder-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4227\" title=\"Kinder (1)\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/Kinder-1.jpg\" alt=\"Kinder (1)\" width=\"529\" height=\"482\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/Kinder-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4228\" title=\"Kinder (2)\" src=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/Kinder-2.jpg\" alt=\"Kinder (2)\" width=\"531\" height=\"475\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalisten, K\u00fcnstler, Politiker, Sozialwissenschaftler: Berufe, in denen Kinderlosigkeit besonders h\u00e4ufig vorkommt\u00a0 Die familienpolitische Debatte dreht sich seit langem um eine Kunstfigur: Die berufliche erfolgreiche Akademikerin (1). 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