{"id":3825,"date":"2009-11-28T21:54:41","date_gmt":"2009-11-28T19:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3825"},"modified":"2009-11-28T21:59:28","modified_gmt":"2009-11-28T19:59:28","slug":"leben-wir-im-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3825","title":{"rendered":"Leben wir im Advent?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Leben wir im Advent?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Advent ist gelebter Glaube; man k\u00f6nnte auch sagen, das Geheimnis einer Glaubensbewegung, die ihren Grund hat und die dem Unglauben nicht einsichtig ist. Diese Erwartung markiert das Gottesvolk aller Zeiten. Christen leben in der Welt, nicht von der Welt. Sie sehen, mit anderen Worten, immer \u00fcber den Erdentag hinaus.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sind sie gewandert, die Menschen des Advent, vom ersten Blatt der Bibel an bis zum letzten. So haben sie gehofft und geglaubt, die Menschen des Advent, wo nach vern\u00fcnftiger menschlicher Einsicht nichts zu hoffen und zu glauben war. Die Mathematik des Glaubens ist eine andere als die des Verstandes. Manche machen den vielleicht ehrlichen Versuch, den christlichen Glauben so zu \u00fcbersetzen, da\u00df er im Grunde, weil man die Glaubenserwartung nivelliert, eine Best\u00e4tigung des gelebten Unglaubens wird. Wenn das Gottesvolk die Glaubenserwartung verkauft, hat es der Welt im Grunde nichts mehr zu sagen. Die Glaubensgestalten der Bibel, die Propheten und Apostel, waren Menschen, die alle die zeitliche Glaubenserwartung durchbrachen. Sie wurden dadurch Positionslampen der Ewigkeit. Jesus sagt von Abraham: &#8222;Abraham, euer Vater, ward froh, da\u00df er diesen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freute sich&#8220; (Joh.8,56).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses heimliche Wissen wurde geboren aus dem Quellgrund einer Freude, die sich letztlich nur deuten l\u00e4\u00dft als Gewi\u00dfheit im Heiligen Geist. Diese Adventsgewi\u00dfheit leuchtet gerade in den Tiefpunkten israelitischer Geschichte, wo irdische Hoffnung, etwa wie in Babel, f\u00fcr immer dahin zu sein schien, am herrlichsten auf. Als man, wie Hesekiel es ausdr\u00fcckt, in der Gefangenschaft in Babel sagte: &#8222;Unsere Hoffnung ist dahin&#8220;, schlug die Geburtsstunde der Adventsprophetie: &#8222;Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war nur eine kleine Schar, die zur Zeit Jesu noch auf den Trost Israels wartete. Die Tr\u00e4ger der lebendigen Hoffnung sind zu allen Zeiten nie die vielen, sondern immer nur der heilige Rest gewesen. Das Geheimnis ihrer Erwartung lag in der Unbedingtheit ihres Vertrauens, da\u00df Gott unbeirrbar durch das Hoch und Tief menschlicher Geschichte seine Ewigkeit vollendet. Dieses Vertrauen zu den Verhei\u00dfungen Gottes gab Mose die Sturheit, die Anfechtung vor Pharao zu durchstehen. &#8222;Er f\u00fcrchtete nicht des K\u00f6nigs Grimm; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als s\u00e4he er ihn&#8220; (Hebr. 11,27).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich die Weihnachtsgeschichte lese, mu\u00df ich immer bei der Gestalt des alten Simeon verweilen. Von ihm hei\u00dft es, da\u00df er sein ganzes Leben auf Weihnachten gewartet hat und immer nach dem Christkind unterwegs war. Ich mochte wissen, was die Pharis\u00e4er wohl von diesem Mann gedacht haben, der so gar nicht ihren Denkkategorien entsprach. Ich m\u00f6chte wissen, wie die Schriftgelehrten \u00fcber ihn urteilten, die den Weisen aus dem Morgenland wohl h\u00e4tten sagen k\u00f6nnen, da\u00df Jesus in Bethlehem geboren werden sollte, aber die Weihnachtsstunde verpa\u00dften, weil sie ohne Advent lebten. Menschen des Advent leben in einer Wirklichkeitsdeutung, die ohne das Christkind nicht Ereignis, sondern nur Leerlauf ist. In dieser Glaubenserwartung war es dem alten Simeon eine Antwort geworden, da\u00df er den Tod nicht sehen wurde, er h\u00e4tte denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Diese Antwort Gottes im Heiligen Geist auf die Adventserwartung des Simeon wurde zweifellos mehr unmittelbar gelebt, als in klugen Reden debattiert. Das Reden vom Heiligen Geist steht oft im umgekehrten Verh\u00e4ltnis zu seinem Selbstzeugnis. Das Selbstzeugnis ist immer nur echt, wenn es nicht in emotionaler Bewegtheit, sondern in Demut, mehr durch Leben als durch Wort, Hinweis auf Christus ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese adventlich n\u00fcchterne Unmittelbarkeit, die Begegnung nach Christus hin, sollte in unseren Kreisen das geistliche Klima bestimmen. Unsere Glaubenszentren haben keinen Sinn und sicherlich ihren Lohn dahin, wenn sie sich nur selbst best\u00e4tigen wollen. Ich sehe das Hindernis f\u00fcr eine Erweckung mehr in einer eigenen diplomatischen, kirchlichen oder frommen Verkrustung als in der kindhaften Erwartung, da\u00df Gott immer da sein Reich baut, wo wir die Adventserwartung eines Simeon haben, die sich der Erf\u00fcllung gewi\u00df ist. Das Heilige \u00fcberholt nicht das Nat\u00fcrliche, aber es erf\u00fcllt das Nat\u00fcrliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An jenem Morgen, als Maria das Jesuskind zum Tempel brachte, haben es viele Augen gesehen. War es nicht ein Kind wie alle anderen? Da war nichts von einem Strahlenkranz, den das Mittelalter malte. Und doch, die Augen des Simeon sehen ganz anders. Sie sehen durch die Windeln hindurch, sie sehen in diesem Kind die Erf\u00fcllung aller Adventshoffnung: &#8222;Dieser ist gesetzt zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird&#8220; (Luk. 2, 34). Das Ereignis der Weihnacht, und darin besteht weiterhin die F\u00e4lschung, ist nicht nur Anla\u00df zu frommer und besinnlicher Feier, ist nicht die Begegnung mit einem Vater im Himmel, der zu allen S\u00fcnden der Welt die Augen zudr\u00fcckt. Bei Gott sind Zorn und Liebe eines Lichtes Flamme. Das Kind in der Krippe deutet die Heiligkeit Gottes in seinem Kreuz. Wer deshalb von Advent nach Weihnachten hin sucht, kann die Krippe nie vom Kreuz trennen. Begegnung mit dem Christkind ist immer nur m\u00f6glich mit gebeugten Knien und mit vom Heiligen Geist erhellten Augen. Die Weihnachtsbotschaft deckt nicht die S\u00fcnde zu, sondern auf. Sie ist provokativ. Auch Krelingen m\u00f6chte als Gemeinde des lebendigen Gottes ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit sein, wie Paulus es ausdr\u00fcckt: &#8222;Denn k\u00fcndlich gro\u00df ist das gottselige Geheimnis: Gott ist geoffenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit&#8220; (1. Tim. 3, 16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist deshalb die entscheidende Frage, ob Weihnachten frommer Selbstbetrug f\u00fcr uns oder wie bei Simeon das Ereignis unseres Lebens \u00fcberhaupt ist. Wer alle Herrlichkeiten dieser Welt gesehen, aber die k\u00f6stliche Perle in der Krippe nicht entdeckt hat, bleibt deshalb ein betrogener Betr\u00fcger. Wir wollen uns deshalb f\u00fcr unser Leben und Sterben erbitten, da\u00df wir nur die eine Wirklichkeit bezeugen, die Simeon wu\u00dfte: &#8222;Herr, nun l\u00e4ssest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen&#8220; (Luk. 2, 29-30).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Heinrich Kemner, Dezember 1984, Erweckliche Stimme, Nr. 12, 24. Jahrgang<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben wir im Advent? Advent ist gelebter Glaube; man k\u00f6nnte auch sagen, das Geheimnis einer Glaubensbewegung, die ihren Grund hat und die dem Unglauben nicht einsichtig ist. Diese Erwartung markiert das Gottesvolk aller Zeiten. Christen leben in der Welt, nicht von der Welt. 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