{"id":374,"date":"2009-07-09T21:14:59","date_gmt":"2009-07-09T19:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=374"},"modified":"2009-09-01T14:41:57","modified_gmt":"2009-09-01T12:41:57","slug":"c-s-lewis-pastorinnen-in-der-kirche-1948","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=374","title":{"rendered":"Pastorinnen in der Kirche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pastorinnen in der Kirche (1948)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00abTanzanl\u00e4sse w\u00e4ren viel besser\u00bb, sagte Caroline Bingley, \u00abwenn sie anders w\u00e4ren &#8230; Es w\u00e4re doch viel vern\u00fcnftiger, wenn man auf einem Ball mehr miteinander redete und weniger tanzte.\u00bb \u00abViel vern\u00fcnftiger w\u00e4re es schon\u00bb, antwortete ihr Bruder, \u00ababer daf\u00fcr viel weniger als ein Ball.\u00bb In der Erz\u00e4hlung hei\u00dft es weiter, da\u00df die Dame darauf nichts erwiderte; man k\u00f6nnte aber einwenden, Jane Austen, die Autorin, habe Mr. Bingley nicht dazu kommen lassen, seinen Standpunkt richtig zu begr\u00fcnden. <!--more-->Er h\u00e4tte doch mit einer Gegen\u00fcberstellung antworten m\u00fcssen: Einerseits ist es vern\u00fcnftiger, miteinander zu reden, denn dabei ist in erster Linie die Vernunft angesprochen, beim Tanzen hingegen nicht. Anderseits aber ist es doch nicht unvern\u00fcnftig, auch andere Kr\u00e4fte als die der Vernunft zu gebrauchen. Im Gegenteil, manchmal sind die Leute unvern\u00fcnftig, die das nicht tun. Wenn jemand versuchen wollte, nur mit Vernunftschl\u00fcssen ein Pferd zu b\u00e4ndigen oder ein Gedicht zu schreiben oder ein Kind zu zeugen, so w\u00e4re er ein denkbar unvern\u00fcnftiger Mensch, obwohl logisches \u00dcberlegen an sich eine vern\u00fcnftigere T\u00e4tigkeit ist als all die genannten Aktivit\u00e4ten. Es ist vern\u00fcnftig, nicht immer und \u00fcberall nur auf die Vernunft zu bauen, und je vern\u00fcnftiger ein Mensch ist, um so besser wei\u00df er das.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Vorbemerkungen sollen kein Beitrag zur Kritik an \u00abPride and Prejudice\u00bb sein. Sie kamen mir in den Sinn, als ich h\u00f6rte. da\u00df der Kirche von gewissen Leuten geraten wird, Frauen zum Pastoraldienst zuzulassen. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, da\u00df unsere Oberen einen solchen Vorschlag ernsthaft in Betracht ziehen; das wei\u00df ich aus zuverl\u00e4ssiger Quelle. Es w\u00e4re eine an Mutwillen grenzende Unklugheit, im jetzigen Augenblick einen derart revolution\u00e4ren Schritt zu tun. In unserer Kirche den Pastorinnen- bzw. Priesterinnenstand zu schaffen, w\u00fcrde hei\u00dfen, uns selbst von unserer christlichen Vergangenheit abzuschneiden und die Kluft zwischen uns und anderen Kirchen zu vergr\u00f6\u00dfern. Auch die Anglikanische Kirche selbst w\u00fcrde durch ein solches Vorgehen in St\u00fccke zerrissen. Meine Beunruhigung \u00fcber diesen Vorschlag ist mehr grunds\u00e4tzlicher Art. Denn es geht dabei nicht nur um eine \u00e4u\u00dfere Neuerung, sondern um etwas viel Tiefergreifendes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erkenne voll die guten Absichten der Leute an, die den Pastorenberuf f\u00fcr Frauen zug\u00e4nglich machen wollen. Ich glaube, es sind aufrichtige, fromme und vern\u00fcnftige Leute. Vielleicht sind sie nur allzu vern\u00fcnftig. Gerade in diesem Punkt empfinde ich eine \u00e4hnliche Ablehnung wie Mr. Bingley seiner Schwester gegen\u00fcber. Ich bin versucht zu sagen, da\u00df die vorgeschlagene Neuerung unsere Kirche zu einer Institution machen w\u00fcrde, die zwar viel vern\u00fcnftiger w\u00e4re, \u00ababer daf\u00fcr viel weniger wie eine Kirche\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn auf den ersten Blick liegt alle Vernunft (in Caroline Bingleys Sinne) auf Seiten der Reformgesinnten. Wir leiden ganz allgemein unter Pastorenmangel. Wir haben in einem Beruf nach dem andern erfahren, da\u00df Frauen eine Menge Dinge sehr gut tun k\u00f6nnen, die man fr\u00fcher nur den M\u00e4nnern zutraute. Keiner von den Gegnern des Vorschlags behauptet, da\u00df Frauen zu Fr\u00f6mmigkeit, Eifer, Studium und was alles sonst noch f\u00fcr den Pastoraldienst n\u00f6tig ist, weniger f\u00e4hig sind als M\u00e4nner. Was also, au\u00dfer unseren traditionsbedingten Vorurteilen, hindert uns daran, die unerme\u00dflichen Reserven anzuzapfen, die dem Hirtendienst zuflie\u00dfen k\u00f6nnten, wenn man die Frauen auch hier auf gleiche Ebene mit den M\u00e4nnern stellte, wie es in so vielen anderen Berufen schon geschehen ist? Gegen soviel einleuchtende Argumente haben die Gegner vorerst nichts aufzuweisen als eine schwer in Worte zu fassenden Abneigung, ein ungutes Gef\u00fchl, das sie selbst nicht recht begr\u00fcnden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df diese Reaktion mit Frauenverachtung nichts zu tun hat, l\u00e4\u00dft sich meiner Meinung nach aus der Geschichte klar ablesen: Das Mittelalter brachte einer Frau ein solches \u00dcberma\u00df an Verehrung entgegen, da\u00df man ihm mit Recht den Vorwurf machen k\u00f6nnte, es habe die gesegnete Jungfrau zur \u00abvierten Person der Dreieinigkeit\u00bb erhoben. Aber soviel ich wei\u00df, ist ihr niemals, auch zu jener Zeit nicht, eine Stellung einger\u00e4umt worden, die der des Pastors auch nur im geringsten \u00e4hnlich w\u00e4re. Das ganze Heil h\u00e4ngt an ihrer Entscheidung: \u00abEcce Ancilla!\u00bb Sie ist neun Monate lang in unvorstellbarer Intimit\u00e4t mit dem lebendigen Wort vereint; sp\u00e4ter steht sie zu F\u00fc\u00dfen des Kreuzes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber bei zwei Gelegenheiten ist sie nicht dabei: beim letzten Abendmahl und bei der Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. So berichtet es die Bibel. Das k\u00f6nnen Sie auch nicht damit abtun. da\u00df Sie sagen, die damals herrschende Sitte habe die Frauen dazu verurteilt, ein stilles und zur\u00fcckgezogenes Leben zu f\u00fchren. Es gab damals sogar Frauen, die predigten. Ein Mann hatte vier T\u00f6chter, die alle prophetisch redeten, d. h. predigten. Selbst zur Zeit des Alten Testaments gab es Prophetinnen. Prophetinnen \u2013 aber keine Priesterinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Reform-Anh\u00e4nger werden nun aufgrund vern\u00fcnftiger \u00dcberlegungen einwenden: \u00abWenn Frauen doch predigen k\u00f6nnen, warum k\u00f6nnen sie dann nicht auch alles \u00fcbrige tun, was zum Beruf des Pastors geh\u00f6rt?\u00bb Diese Frage vertieft das Unbehagen auf der konservativen Seite. Wir beginnen zu sp\u00fcren, da\u00df das, was uns grunds\u00e4tzlich von den Anh\u00e4ngern der Reform trennt, ein verschiedenes Verst\u00e4ndnis des Hirtendienstes ist. Je mehr sie von den F\u00e4higkeiten der Frau zum kirchlichen Dienst sprechen \u2013 und sie meinen wirklich, was sie sagen \u2013, von ihrem Takt, ihrem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen als Beraterinnen, ihrer nat\u00fcrlichen Begabung, andere zu besuchen, um so mehr f\u00fchlen wir. da\u00df sie das Zentralste aus dem Blick verloren haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr uns in der Anglikanischen Kirche z. B. ist ein Priester in erster Linie ein Repr\u00e4sentant, ein doppelter Repr\u00e4sentant, der f\u00fcr uns vor Gott und f\u00fcr Gott vor uns steht. Beim blo\u00dfen Zuschauen sehen wir das in der Kirche: Manchmal kehrt uns der Priester den R\u00fccken und ist nach Osten gewendet \u2013 er spricht f\u00fcr uns zu Gott; manchmal ist er uns zugewendet und spricht f\u00fcr Gott zu uns. Wir haben nichts dagegen, da\u00df eine Frau das erste tut; die ganze Schwierigkeit liegt beim zweiten. Aber warum? Warum sollte nicht auch eine Frau auf diese Art und Weise Werkzeug Gottes sein k\u00f6nnen? Man kann doch nicht behaupten, da\u00df sie unbedingt, oder auch nur vielleicht, weniger heilig oder weniger barmherzig oder d\u00fcmmer sei als ein Mann. In diesem Sinne kann sie genauso gut Gott \u00e4hnlich sein wie der Mann, und manche Frau sogar besser als mancher Mann. Es wird vielleicht klarer, in welchem Sinne sie es nicht sein kann, wenn wir von der anderen Seite her an die Frage herangehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir an, die Reformanh\u00e4nger bleiben nicht bei der Aussage stehen, eine gute Frau k\u00f6nne Gott \u00e4hnlich sein, sondern sie gehen weiter und sagen, Gott sei \u00e4hnlich einer guten Frau. Nehmen wir an, sie schlagen vor, wir k\u00f6nnten genausogut beten: \u00abUnsere Mutter, die du bist im Himmel\u00bb wie: \u00abUnser Vater\u00bb. Nehmen wir an, Gott h\u00e4tte in der Menschwerdung genauso gut weibliche wie m\u00e4nnliche Gestalt haben k\u00f6nnen, und die zweite Person der Dreieinigkeit k\u00f6nnte genauso gut Tochter genannt werden wie Sohn. Und nehmen wir schlie\u00dflich an, das Mysterium der Ehe zwischen Gott und der Gemeinde w\u00e4re umgekehrt: die Kirche w\u00e4re der Br\u00e4utigam und Christus die Braut. Mich d\u00fcnkt, das alles ist in dem Anspruch enthalten, eine Frau k\u00f6nne Pastorin oder Priesterin und damit Repr\u00e4sentantin Gottes sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn solche Vorstellungen jemals in der Kirche Eingang f\u00e4nden, so st\u00e4nden wir mit Sicherheit am Anfang einer neuen Religion. Wohl haben die Menschen zu allen Zeiten weibliche Gottheiten angebetet, und in vielen Religionen gab es Priesterinnen. Aber diese Religionen sind ihrem Wesen nach ganz verschieden vom Christentum. Die meisten Christen empfinden Unbehagen, ja Abscheu bei der Vorstellung, all unsere theologischen Aussagen sollten in die weibliche Form umgesetzt werden. Doch die Vernunft wischt solche Gef\u00fchle unter den Tisch und fragt: \u00abWarum nicht? \u00bb Gott ist doch wirklich kein biologisches Wesen und hat kein Geschlecht \u2013 ist es da so wichtig, ob wir sagen \u00abEr\u00bb oder \u00abSie\u00bb. \u00abVater\u00bb oder \u00abMutter\u00bb, \u00abSohn\u00bb oder \u00abTochter\u00bb?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wir Christen glauben, da\u00df Gott selbst uns gelehrt hat, wie wir von ihm reden sollen. Wenn jemand sagt, das sei nicht wichtig, so meint er entweder, da\u00df all diese m\u00e4nnlichen Bilder nicht der g\u00f6ttlichen Inspiration entspringen, sondern der menschlichen Seele; oder er glaubt zwar, da\u00df sie von Gott eingegeben sind, betrachtet sie aber als vollkommen willk\u00fcrlich und nebens\u00e4chlich. Und das ist entschieden zu weit gegangen; wenn nicht, dann w\u00e4re es nicht ein Grund daf\u00fcr, Frauen zum Pastoraldienst in der christlichen Kirche zuzulassen, sondern es w\u00e4re ein Argument gegen das Christentum schlechthin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer so argumentiert, verkennt au\u00dferdem die tiefe Bedeutung der Bildsprache. Um das einzusehen, m\u00fcssen wir nicht die Religion heranziehen. Wir alle wissen aus unserem Umgang mit der Dichtung, wie eng Bild und Wirklichkeitserfahrung miteinander verbunden sind. Die Bef\u00fcrworter des Pastorinnenstandes m\u00f6chten sich mit ihren Vernunftschl\u00fcssen dar\u00fcber hinwegsetzen. Wenn man aber ein Kind lehrte, zu einer \u00abMutter im Himmel\u00bb zu beten, so w\u00fcrde es ein v\u00f6llig anderes religi\u00f6ses Erleben entwickeln als ein christlich erzogenes Kind. Wie nun Bild und Wirklichkeitserfahrung zu einer lebendigen Einheit miteinander verwachsen sind, so sind es f\u00fcr den Christen auch Leib und Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihrer Forderung bekennen sich aber die Neuerer klipp und klar zur Auffassung, da\u00df die Geschlechtlichkeit etwas \u00c4u\u00dferliches und f\u00fcr das geistliche Leben Unwesentliches sei. Wenn man annimmt, da\u00df Mann und Frau f\u00fcr einen bestimmten Beruf gleicherma\u00dfen geeignet sind, so hei\u00dft das doch, da\u00df f\u00fcr die Anforderungen dieses Berufes ihr Geschlecht keine Rolle spielt. In diesem Sinne werden sie beide als geschlechtlich neutral behandelt. Da der Staat immer mehr w\u00e4chst, braucht er, wie ein Bienenschwarm oder ein Ameisenhaufen, eine immer gr\u00f6\u00dfere Zahl von Arbeitskr\u00e4ften, die man als Neutren behandeln kann. Das mag im weltlichen Leben unvermeidlich sein. Aber in unserem christlichen Leben m\u00fcssen wir zur Wirklichkeit zur\u00fcckfinden. Denn da sind wir nicht austauschbare Einheitswesen, sondern Glieder eines mystischen Leibes, die einander in ihrer Verschiedenartigkeit erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lady Nunburnholme hat erkl\u00e4rt, die Gleichheit von Mann und Frau sei ein christliches Grundprinzip. Aber ich finde weder in der Bibel, noch bei den Kirchenv\u00e4tern, noch bei Hocker, noch im Gebetsbuch irgendeinen Text, der diese Auffassung best\u00e4tigt. Bei dieser Frage will ich mich jetzt jedoch auch gar nicht aufhalten. Mir geht es hier nur um einen Aspekt: Wenn \u00abgleich\u00bb soviel bedeutet wie \u00abaustauschbar\u00bb, dann tr\u00e4gt diese Gleichheit dem weiblichen Pastorentum nichts ein. Diese Art von Gleichheit, bei der Gleiches austauschbar ist (wie Z\u00e4hlwerke oder Maschinen desselben Typs), geh\u00f6rt in den Bereich menschlicher Erfindungen; hier ist sie durchaus erlaubt und kann sogar sehr n\u00fctzlich sein. Aber in der Kirche kehren wir allen menschlichen Erfindungen den R\u00fccken. Es hat seinen Grund, da\u00df die Geschlechter verschieden geschaffen wurden: Sie sollen uns symbolhaft die verborgenen Dinge Gottes vor Augen f\u00fchren. Und so soll die Ehe das Einssein von Christus mit der Gemeinde darstellen. Gott hat lebendige, verhei\u00dfungsvolle Zeichen auf die Leinwand unserer Natur gemalt; es steht uns nicht zu, sie zu nehmen und nach Belieben ineinander umzuwandeln, als w\u00e4ren es blo\u00dfe geometrische Figuren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vernunft wird einwenden, das sei eine \u00abmystische\u00bb Betrachtungsweise, und das stimmt auch. Die Kirche versteht sich selbst als Tr\u00e4gerin der Offenbarung Gottes. Wenn dieses Selbstverst\u00e4ndnis falsch sein sollte, dann w\u00e4re es besser, das ganze Pastoren- bzw. Priestertum abzuschaffen, statt auch noch Pastorinnen oder Priesterinnen in den Dienst zu rufen. Ist es aber richtig, dann darf es uns nicht verwundern, wenn wir in der Kirche einem Element begegnen, das die Ungl\u00e4ubigen irrational, die Gl\u00e4ubigen suprarational nennen m\u00f6gen. Etwas in ihr mu\u00df f\u00fcr unsere Vernunft unergr\u00fcndbar sein, wenngleich es ihr nicht widerspricht. Zu diesem Bereich des Unergr\u00fcndbaren geh\u00f6rt unsere Geschlechtlichkeit und ebenso auch unsere nat\u00fcrliche Begabung mit Sinnen und Verstand; diese Dinge lassen sich nicht hinterfragen. Und das ist eigentlich der springende Punkt. Die Kirche kann nur Kirche bleiben, wenn sie an diesem \u00abirrationalen\u00bb Element festh\u00e4lt. Wenn wir das aufgeben, wenn wir die Vernunft als obersten Ma\u00dfstab setzen und nur noch das gelten lassen, was nach ihrem Urteil klug und n\u00fctzlich scheint, dann haben wir uns endg\u00fcltig von der Offenbarung Gottes abgewendet; wir sind zur\u00fcckgefallen auf das Niveau der Naturreligionen, die wir mit ihrem alten Aberglauben doch f\u00fcr endg\u00fcltig tot gehalten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist mir peinlich, da\u00df ich als Mann das Vorrecht verteidigen mu\u00df \u2013 allerdings auch die Last! \u2013, die nach christlicher \u00dcberzeugung meinem eigenen Geschlecht zufallen. Ich sehe mit Besch\u00e4mung, wie unf\u00e4hig die meisten von uns sind \u2013 und zu allen Zeiten waren \u2013, den Platz auszuf\u00fcllen, an den wir gestellt sind. Aber im Milit\u00e4r hei\u00dft es: Man gr\u00fc\u00dft die Uniform, nicht ihren Tr\u00e4ger. Und vorl\u00e4ufig, bis zur Wiederkunft des Herrn, k\u00f6nnen nur Tr\u00e4ger der m\u00e4nnlichen Uniform Repr\u00e4sentanten Gottes gegen\u00fcber der Kirche sein: Denn eigentlich sind f\u00fcr ihn in gewissem Sinne alle Menschen \u00abweiblich\u00bb, als Einzelne wie als Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugegeben: Wir M\u00e4nner sind oft sehr schlechte Priester; das kommt daher, da\u00df wir zu wenig m\u00e4nnlich sind. Da hilft es auch nichts, noch diejenigen herbeizurufen, die \u00fcberhaupt nicht m\u00e4nnlich sind. Wenn ein Mann ein schlechter Ehemann ist, so k\u00f6nnen Sie das nicht wettmachen, indem sie einfach die Rollen vertauschen. Vielleicht ist er ein schlechter T\u00e4nzer und kann seine Dame nicht f\u00fchren. Da gibt es nur eine Abhilfe: Dieser Mann mu\u00df sich die M\u00fche nehmen, einen Tanzkurs zu besuchen. Wollte man statt dessen von nun an im Ballsaal keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern mehr machen und alle T\u00e4nzer als Neutren behandeln, so w\u00e4re das allerdings h\u00f6chst vern\u00fcnftig, fortschrittlich und aufgekl\u00e4rt. Aber es w\u00e4re einmal mehr \u00abviel weniger als ein Ball\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dieser Vergleich zwischen der Kirche und einem Ball ist gar nicht so an den Haaren herbeigezogen, wie manche denken m\u00f6gen. Die Kirche sollte einem Ball \u00e4hnlicher sein als etwa einer Fabrik oder einer politischen Partei. Oder, genauer gesagt: Fabrik und Partei liegen gleichsam an der Peripherie eines Kreises, die Kirche im Zentrum, und der Ball liegt irgendwo dazwischen. Fabriken und Parteien sind k\u00fcnstlich entstandene Gebilde \u2013 ein Windsto\u00df kann sie zunichte machen. Es geht in ihnen nicht um menschliche Pers\u00f6nlichkeiten in ihrer Ganzheit, sondern nur um \u00abArbeitskr\u00e4fte\u00bb oder \u00abStimmbeteiligte\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich von \u00abk\u00fcnstlichen Gebilden\u00bb spreche, so ist das nicht absch\u00e4tzig gemeint. Solche Einrichtungen sind n\u00f6tig. Aber weil wir selbst sie geschaffen haben, k\u00f6nnen wir sie nach freiem Ermessen manipulieren, k\u00f6nnen alles M\u00f6gliche ausprobieren und wieder \u00fcber Bord werfen. Der Ball hingegen soll ein konventioneller Rahmen sein f\u00fcr etwas, das naturgegeben ist und die Menschen als Pers\u00f6nlichkeiten, in ihrer Ganzheit, betrifft: ein Rahmen f\u00fcr das Werben zwischen Mann und Frau. Deshalb k\u00f6nnen wir schon nicht mehr beliebig damit experimentieren und daran herum\u00e4ndern. Das gilt erst recht f\u00fcr die Kirche. Denn in ihr sind M\u00e4nner und Frauen lebendige, unantastbare Abbilder von Wirklichkeiten, die weit au\u00dferhalb unseres Zugriffs und unseres direkten Verst\u00e4ndnisses liegen. Und es ist nicht an uns, diese Wirklichkeiten zu bestimmen (das werden wir bald zu sp\u00fcren bekommen, wenn wir es doch versuchen); vielmehr sind sie es, die uns bestimmen und uns unseren Platz in dieser Welt zuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus: Gott auf der Anklagebank, 3. Aufl. 1998 Basel\/Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pastorinnen in der Kirche (1948) \u00abTanzanl\u00e4sse w\u00e4ren viel besser\u00bb, sagte Caroline Bingley, \u00abwenn sie anders w\u00e4ren &#8230; Es w\u00e4re doch viel vern\u00fcnftiger, wenn man auf einem Ball mehr miteinander redete und weniger tanzte.\u00bb \u00abViel vern\u00fcnftiger w\u00e4re es schon\u00bb, antwortete ihr Bruder, \u00ababer daf\u00fcr viel weniger als ein Ball.\u00bb In der Erz\u00e4hlung hei\u00dft es weiter, da\u00df [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=374"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":376,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions\/376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}