{"id":3607,"date":"2009-09-30T13:29:56","date_gmt":"2009-09-30T11:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3607"},"modified":"2011-06-23T08:19:14","modified_gmt":"2011-06-23T06:19:14","slug":"predigt-wir-sind-in-groser-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3607","title":{"rendered":"Predigt: &#8222;Wir sind in gro\u00dfer Not&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Wir sind in gro\u00dfer Not&#8220;\u00a0<br \/>\nPredigt\u00a0von Pfr. Dr. Theo Lehmann \u00fcber Nehemia 9<br \/>\n<\/strong><strong>am 08. Oktober 1989 in der Luther-Kirche <\/strong><strong>Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie k\u00f6nnen die Predigt h\u00f6ren, indem Sie hier anklicken: <a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/Theo-Lehmann_Wir-sind-in-gro\u00dfer-Not.mp3\">Theo Lehmann_Wir sind in gro\u00dfer Not<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war einmal ein Volk, das baute eine Mauer in der Hauptstadt seines Landes. Zun\u00e4chst war das die Idee eines einzelnen Mannes. Zuerst hat er seine Idee absolut geheim gehalten, nicht einmal den Rat der Hauptstadt hatte er eingeweiht. Und als der Mauerbau losging, da war das ein sehr merkw\u00fcrdiger Anblick. Die H\u00e4lfte der Leute arbeitete an der Mauer, die andere H\u00e4lfte stand dahinter mit Waffen und Panzern. So steht es in der Bibel: \u201eDie H\u00e4lfte meiner Leute arbeitete am Bau, die andere H\u00e4lfte aber hielt Spie\u00dfe, Schilde, Bogen und Panzer bereit\u201c (Neh 4,10). Das Volk von dem ich spreche ist das j\u00fcdische Volk, die Stadt ist Jerusalem und die Zeit des Mauerbaus ist das Jahr 445 v. Chr., nachzulesen in der Bibel bei Nehemia und wer von Euch die fortlaufende Bibellese liest, hat das alles in der letzten Woche schon gelesen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen uns heute aber nicht mit dem Mauerbau besch\u00e4ftigen, sondern mit der Zeit, die danach kam. Da kam es zu einer riesenhaften Volksversammlung und da passierte etwas, was bei Volksversammlungen sonst nicht vorkommt: Es wurde aus der Bibel vorgelesen. Das ist schon ungew\u00f6hnlich genug. Aber noch ungew\u00f6hnlicher war die Zeitdauer. Sie lasen vom Sonnenaufgang bis zum Mittag. Damit die Massen den Vorleser gut verstehen konnten, hatten sie ihm eine h\u00f6lzerne Kanzel gebaut. Das ist das erste Mal, dass so ein Ding in der Bibel erw\u00e4hnt wird, sozusagen die Urform der heutigen Kanzel. Da stand der Esra also drauf, rechts und links seine Mitarbeiter und er las und las und die Leute h\u00f6rten und h\u00f6rten vom Sonnenaufgang bis zum Mittagessen. Diese Bibelstunden, bzw. Bibeltage wurden an den folgenden Tagen fortgesetzt. Es gab eine richtige Bibelbegeisterung, die Leute konnten gar nicht genug davon kriegen. Ich wei\u00df ja nun nicht, ob du schon einmal l\u00e4nger als f\u00fcnf Minuten die Bibel gelesen hast oder ein paar Stunden oder Tage hintereinander. Aber ich wei\u00df, dass jeder, der das macht, ganz neue Erfahrungen macht und zu neuen Erkenntnissen kommt. Wenn Menschen sich mit der Bibel befassen, hat das immer konkrete Folgen. Das liegt daran, dass die Bibel nicht ein Buch ist wie jedes andere, sondern dass sie das Wort Gottes ist und Gott gesagt hat, dass sein Wort nie leer, also wirkungslos, zur\u00fcckkommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottes Wort hat immer eine Wirkung und damals war die Folge eine Bu\u00dfbewegung. Die Bibel ist n\u00e4mlich wie ein Spiegel, wenn du blo\u00df fl\u00fcchtig in einen Spiegel hineinschaust, siehst du nichts Genaues. Aber wenn du intensiv hineinguckst, siehst du auf einmal Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfe, Pickel und unordentliche Haare. Wenn du kurz mal auf die Schnelle in die Bibel reinguckst, bekommst du meistens nicht viel mit, dann hat es meistens f\u00fcr dein Leben keine Bedeutung und keine Konsequenzen. Aber je l\u00e4nger du liest, desto deutlicher siehst du dich im Licht der Bibel. Du entdeckst auf einmal Dinge in deinem Leben, die du bisher glatt \u00fcbersehen hast, die du jetzt als unm\u00f6glich empfindest, als Dreckfleck, als Schande, f\u00fcr die du dich sch\u00e4mst. Ohne Bild gesprochen: Wenn du in der Bibel liest, erkennst du deine S\u00fcnde. Du siehst klar, was in deinem Leben falsch gelaufen ist und du erf\u00e4hrst au\u00dferdem aus der Bibel, dass es f\u00fcr deine Schuld eine Vergebung gibt, egal wie gro\u00df deine Schuld ist. Und das ist \u00fcberhaupt das Beste an der Bibel. Sie zeigt dir n\u00e4mlich deine Schuld nicht, um dich fertig zu machen, sondern um dich bu\u00dffertig zu machen. Sie zeigt dir nicht nur erbarmungslos deine Schuld, sondern sie zeigt dir voller Erbarmen den Ausweg aus deiner Schuld. Das ist der Weg zu Gott und dieser Weg ist Jesus. Denn der hat einmal von sich gesagt: \u201eIch bin der Weg, der zum Vater f\u00fchrt\u201c. Der Ausweg aus der Sackgasse der S\u00fcnde ist der R\u00fcckweg, die Umkehr, die Bekehrung zu Jesus. Nimm Jesus an und die Schuld, die du auf dich geladen hast, geht dich nichts mehr an. Sie ist dann seine Sache, mit der er sich abschleppt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schuld, die auf dem Volk Israel lag, war riesig. Gott hatte dieses Volk aus der \u00e4gyptischen Sklaverei befreit, durchs Rote Meer gef\u00fchrt, zu dem Volk geredet, ihm seine guten Gebote gegeben, ihm Brot zu essen und Wasser aus dem Felsen gegeben. \u201e40 Jahre lang\u201c, so hei\u00dft es hier bei Nehemia in Kapitel 9: \u201e40 Jahre lang versorgtest du sie in der W\u00fcste\u201c (Neh 9,21). Es war ein Weg durch die W\u00fcste, es war kein leichter Weg, aber Gott hat daf\u00fcr gesorgt, dass das Leben m\u00f6glich war. Aber das Volk war undankbar, ungehorsam, unversch\u00e4mt. Das Volk wandte sich von Gott ab und dem platten Materialismus zu, es machte sich ein goldenes Kalb und sagte, dass w\u00e4re der Gott, der sie aus \u00c4gypten gef\u00fchrt h\u00e4tte. Sie l\u00e4sterten Gott, \u00fcbertraten seine Gebote und t\u00f6teten seine Propheten. Die Propheten waren M\u00e4nner, die im Auftrag Gottes das Volk immer wieder ermahnt haben, sich zu bekehren. Aber das Wort Bekehrung war f\u00fcr sie ein rotes Tuch. Das wollten sie nicht h\u00f6ren, denn Bekehrung hei\u00dft im Sinne der Bibel Umkehr, Ver\u00e4nderung, Sinnes\u00e4nderung, neues Denken. Davon wollten sie nichts wissen. Und als die Propheten ihnen ins Gewissen redeten, haben sie sich Ruhe verschafft, indem sie die Propheten einfach abgeschafft haben. Aber wer kritische Stimmen abschafft, schafft damit das Problem nicht aus der Welt, sondern schafft damit erst recht Probleme. Seltsamerweise haben sie aber immer, wenn es mit den Nachbarn Zoff gab, bei Gott Sturm geklingelt um Hilfe und seltsamerweise hat Gott geholfen. Immer und immer wieder hat Gott geh\u00f6rt, wenn sie in Not waren und sie zu ihm riefen. Wenn aber wieder Ruhe eintrat, k\u00fcmmerten sie sich einen Dreck um Gott. So ging das immer hin und her und in seiner unvorstellbaren Barmherzigkeit hat Gott ihnen immer wieder vergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd du vermahntest sie, um sie zu deinem Gesetz zur\u00fcckzuf\u00fchren, aber sie waren stolz und gehorchten deinen Geboten nicht und s\u00fcndigten an deinen Rechten durch die der Mensch lebt, wenn er sie tut und kehrten dir den R\u00fccken zu und wurden halsstarrig und gehorchten nicht.\u201c (Neh 9,29) Diese Beschreibung des j\u00fcdischen Volkes vor \u00fcber 2.500 Jahren ist gleichzeitig die Beschreibung der Menschen aller Zeiten. Hier h\u00e4lt uns die Bibel unser Spiegelbild vor Augen: Stolz, stur, ungehorsam. Es ist heute das gleiche Lied, das gleiche Elend wie damals. Die Menschen sind zu stolz, sich der Autorit\u00e4t Gottes unterzuordnen, zu stur, ihre Fehler zuzugeben, zu ungehorsam, um sich nach Gottes Gebot zu richten. Mit einem Wort: Sie kehren Gott den R\u00fccken. \u201eGott, das ist ein M\u00e4rchen aus der Kinderstube der Menschheit, den haben wir hinter uns\u201c. \u201eGebote, das ist eine unversch\u00e4mte Einengung unserer Freiheit, das haben wir satt\u201c. \u201ePrediger, die uns vor Gottes Gericht warnen, das sind arme Irre, das haben wir nicht n\u00f6tig\u201c. Gott l\u00e4sst sich eine ganze Menge gefallen, aber wem es nicht gef\u00e4llt, mit Gott zu leben, dem erf\u00fcllt er schlie\u00dflich seinen Wunsch. Wenn jemand Gott den R\u00fccken zukehrt, dann ist er nicht so, dass er vor Wut mit der Faust zuschl\u00e4gt. Sondern er zieht vor Traurigkeit wegen der verschm\u00e4hten Liebe seine ausgestreckten H\u00e4nde zur\u00fcck. Gott zwingt keinen mit der eisernen Faust bei ihm zu bleiben. Wer gehen will, kann gehen. Wer sich nicht von Gottes Hand f\u00fchren lassen will, kann es ja auf eigene Faust versuchen. Solche Menschen l\u00e4sst Gott gehen. Im R\u00f6merbrief hei\u00dft es, dass Gott die Menschen, die gegen ihn rebellieren, dahingegeben hat. Und hier in Nehemia 9,30 hei\u00dft es genauso: \u201eDarum hast du sie dahingegeben in die Hand der V\u00f6lker\u201c. Hinter diesem kurzen Satz steckt eine lange Geschichte der Erniedrigung des j\u00fcdischen Volkes, Deportation nach Babel, Leben in der Gefangenschaft, immer unter der Kontrolle der Siegerm\u00e4chte, keine nationale Souver\u00e4nit\u00e4t, keine Freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber jetzt kommt nicht die \u00fcbliche Kritik an Gott: \u201eWie konntest du das zulassen\u201c. Sondern jetzt nach intensivem Bibelstudium und Studium der G\u00fcte Gottes in der Geschichte, kommt es zu einer gro\u00dfen Erkenntnis. Nachdem Esra ihnen tagelang das Wort Gottes als Spiegel vor die Augen gehalten hat, erkennen sie: \u201eDu bist gerecht in Allem, was du \u00fcber uns gebracht hast. Denn du hast recht getan, wir aber sind gottlos gewesen\u201c. (Neh 9,33) Es ist eine Katastrophe, wenn jemand unbelehrbar von sich sagt: \u201eIch irre mich nie\u201c, \u201eich habe immer recht\u201c, \u201eUnrecht haben nur die Anderen\u201c. Es ist ein Fortschritt, wenn jemand zu seinen Kritikern sagt: \u201eIch geb\u2019s zu, ich hab\u2019 da was falsch gemacht\u201c. Und es ist das Gr\u00f6\u00dfte, wenn ein Mensch zu Gott sagt: \u201eJa, Herr, du hast Recht und ich habe Unrecht\u201c. Wenn einer seinen Widerstand aufgibt, seine Anklagen gegen Gott, seine Kritik und sagt: \u201eIch habe in meinem Leben bekommen, was ich verdient habe, du hast Recht und ich habe Unrecht\u201c. Wenn du soweit bist, bist du reif, die Vergebung zu empfangen und das ist das Ziel, auf das Gott hinarbeitet. Gott will nicht, dass du stehen bleibst bei der Schulderkenntnis. Er will nicht, dass du stehen bleibst bei der Reue. Er will, dass du dich fallen l\u00e4sst in seine Arme, seine Vergebung annimmst. Es gibt Menschen, die denken, sie w\u00e4ren o.k., h\u00e4tten keine S\u00fcnde und keine Vergebung n\u00f6tig. Und es gibt Menschen, die leiden so unter ihrer S\u00fcnde, dass sie denken, \u201ewas ich gemacht habe, das ist so schlimm, dass es f\u00fcr mich keine Vergebung mehr gibt\u201c. Die irren sich alle Beide. Es gibt keinen Menschen ohne S\u00fcnde und es gibt keine S\u00fcnde, die nicht vergeben werden k\u00f6nnte. Die einzige S\u00fcnde, die dir nicht vergeben wird, ist die S\u00fcnde, die du nicht bekennst. Und deshalb rate ich dir: Lies die Bibel, vergleiche dein Leben mit ihr, bekenne jede Schuld, die du erkennst. Du kannst das tun, indem du alleine mit Gott dar\u00fcber redest, ohne jeden Zeugen. Es ist aber auch m\u00f6glich, Schuld in Gegenwart eines Menschen zu bekennen. Das ist zwar schwer, aber es hat den gro\u00dfen Vorteil: Du hast dann einen, der dir die Vergebung im Namen Gottes zusprechen kann. Welchen Weg du w\u00e4hlst ist deine Sache. Hauptsache du holst dir die Vergebung. Das ist n\u00e4mlich die Hauptsache am Christenglauben. Gott will dir vergeben, damit du wieder Frieden hast, damit du das ewige Leben hast. Ich warne dich! Gib deine Arroganz auf, in der du denkst, du h\u00e4ttest keine Vergebung n\u00f6tig. Ich bitte dich! Gib deine Skrupel auf, f\u00fcr dich w\u00e4re Vergebung nicht m\u00f6glich. Doch, es ist n\u00f6tig und es ist m\u00f6glich. Gott wartet auf dich! Mit ausgebreiteten Armen wartet Christus am Kreuz auf dich. Dort hat er f\u00fcr deine Schuld bezahlt. Dort hat er die Strafe f\u00fcr deine S\u00fcnden auf sich genommen. Dort ist Jesus, so sagt die Bibel, f\u00fcr uns Gottlose gestorben. \u201eWir sind gottlos gewesen\u201c. Das ist das S\u00fcndenbekenntnis des j\u00fcdischen Volkes. Das ist das S\u00fcndenbekenntnis der Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist der absolute Hammer, denn die das sagen, sind ja gerade die Frommen, die Gl\u00e4ubigen, die sagen, \u201ewir sind gottlos gewesen\u201c, nicht einfach blo\u00df die Anderen, nein, \u201ewir\u201c. Die Anderen werden dann allerdings auch mit Namen genannt: \u201eUnsere K\u00f6nige, F\u00fcrsten, Priester und V\u00e4ter haben nicht nach deinem Gesetz getan und nicht acht gehabt auf deine Gebote und Ordnungen, die du ihnen hast bezeugen lassen. Sie haben dir nicht gedient zur Zeit ihrer Macht bei all deiner gro\u00dfen G\u00fcte, die du ihnen erwiesen hast in dem weiten und fetten Lande, das du ihnen gegeben hast und haben sich von ihrem b\u00f6sen Tun nicht bekehrt\u201c. (Neh 9,\u00a034.35) Von einem fetten Land ist hier die Rede. Das war unser Land auch einmal, reich und sch\u00f6n. Inzwischen sind die W\u00e4lder, durch die ich als Kind gewandert bin, krank oder tot. Die Fl\u00fcsse, in denen ich als Jugendlicher geschwommen bin, stinken und sind vergiftet. Und ich will gar nicht erst aufz\u00e4hlen, was in unserem Land noch alles kaputt ist vom Stra\u00dfennetz bis hin zu den eingefallenen St\u00e4dten, bis hin zu den vielen Menschen, die so kaputt sind, dass sie einfach nicht mehr k\u00f6nnen. Und am Kaputtesten sind die Medien, die all das nicht wahrhaben wollen und es leugnen. Es geht jetzt nicht darum einzelnen Leuten oder Institutionen die Schuld f\u00fcr Einzelheiten zuzuweisen, es geht darum, dass wir einsehen: \u201eWir sind alle Schuld\u201c. Mindestens schon dadurch, dass wir zu wenig f\u00fcr unsere Verantwortlichen gebetet haben oder dass wir zu Allem geschwiegen haben. Wir aber sind gottlos gewesen. Ohne dieses S\u00fcndenbekenntnis gibt es keinen Neuanfang. Aber gerade einen Neuanfang brauchen wir, damit nicht noch mehr kaputt geht. Noch sind wir nicht so kaputt, dass es keine Heilung mehr g\u00e4be. Es gibt einen Heiland, der hei\u00dft Jesus. Und ich weigere mich zu glauben, dass Jesus ein Westgott ohne Visum ist, der hier nichts zu melden hat. Ich glaube: Jesus ist auch f\u00fcr die DDR zust\u00e4ndig. Und das ist der einzige Grund, warum ich in der DDR bleibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde es beispielhaft wie das Volk Israel durch eine umfassende Bu\u00dfe einen Neuanfang gemacht hat. Sich zu Gott bekehren, hei\u00dft aber nicht blau\u00e4ugig \u00fcber die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse hinwegzusehen. In die Beichte des Volkes mischt sich die Klage \u00fcber die sozialen Missst\u00e4nde. Die Armen beugen sich vor Gott aber sie rufen ihn gleichzeitig um Hilfe an gegen ihre Ausbeuter. Denn sie wissen, dass die Gerechtigkeit Gottes umfassend ist und Gott gegen die Unterdr\u00fccker f\u00fcr die Armen eintritt. \u201eSiehe, wir sind heute Knechte.\u201c (Neh\u00a09,36) Israel war einmal ein freies Volk. Und obwohl es im Jahr 445 wieder in der Heimat und in Jerusalem leben kann, ist es doch nur ein Satellitenstaat unter der Herrschaft der persischen Knechtschaft. \u201eSiehe, wir sind heutzutage Knechte und in dem Lande, das du unseren V\u00e4tern gegeben hast, seine Fr\u00fcchte und G\u00fcter zu genie\u00dfen, siehe, in ihm sind wir Knechte und sein ganzer Ertrag bringt den K\u00f6nigen gro\u00dfen Gewinn, die du \u00fcber uns gesetzt hast um unserer S\u00fcnden willen und sie herrschen \u00fcber unsere Leiber und unser Vieh nach ihrem Willen und wir sind in gro\u00dfer Not\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den 55 Jahren meines Lebens habe ich 40 Jahre in der DDR gelebt, aber ich habe in dieser Zeit noch nie solche Not erlebt. Wir sind in gro\u00dfer Not, weil die Menschen nicht mehr zu Dutzenden, nicht zu Hunderten, nicht zu Tausenden, sondern zu Zehntausenden aus dem Lande fliehen. In diesem Jahr schon mehr als Hunderttausend. Man kann keinen Menschen treffen, der nicht die Frage stellt: \u201eWas soll noch werden\u201c? Wir sind in gro\u00dfer Not, weil uns die Tr\u00e4nen \u00fcber das Gesicht laufen, wenn wir vor unseren Fernsehern sitzen und die Fl\u00fcchtlingsz\u00fcge sehen und die Auseinandersetzungen auf unseren Stra\u00dfen und die Wasserwerfer in Aktion. Wir weinen \u00fcber unser Land und wir fragen uns: \u201eWo sind wir hingekommen, dass der Dialog verweigert wird und Wasserwerfer eingesetzt werden?\u201c Wir sind in gro\u00dfer Not, weil die Angst in unserem Land immer gr\u00f6\u00dfer wird. Ich hab mir heute meine Zahnb\u00fcrste hier eingesteckt. Das habe ich von Martin Luther King gelernt. Das ist das Zeichen, bereit zu sein, falls wir mal kurz verreisen m\u00fcssen. Wir sind in gro\u00dfer Not. Wenn in diesen Tagen immer wieder die Bef\u00fcrchtung ausgesprochen wird, es k\u00f6nnte noch mehr Gewalt und wom\u00f6glich Blutvergie\u00dfen kommen. Wo sind wir hingekommen, dass wir sogar Blutvergie\u00dfen f\u00fcrchten m\u00fcssen? Wir sind an einem Punkt in unserer Geschichte angekommen, wo jeder oder fast jeder sieht, dass es so nicht weitergehen kann. Wir brauchen einen Neuanfang. Die Bibel zeigt uns, wie es zu einem Neuanfang kommen kann. Missst\u00e4nde nennen und Schuld bekennen. Nur so kommt es zu einer Ver\u00e4nderung. Ver\u00e4nderung ist ein Zeichen von Leben. Wo keine Ver\u00e4nderung mehr stattfindet, kann nur noch der Tod festgestellt werden. Unser Bekenntnis hei\u00dft: Nach Tod und Dunkelheit siegte das Licht. Wer jetzt an den Auferstandenen glaubt, f\u00fcrchtet sich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Dr. Theo Lehmann hielt diese Predigt vor ca. 3000 Jugendlichen\u00a0in der Luther-Kirche in Chemnitz vor 20 Jahren, am 8. Oktober 1989, vier Wochen vor der \u00d6ffnung der Berliner Mauer. Pfarrer Lehmann predigte mit einer Zahnb\u00fcrste in seinem Jacket als Zeichen\u00a0seiner Bereitschaft, mit der Staatssicherheit \u201ezu verreisen\u201c. Anl\u00e4sslich eines Treffens des Vertrauensrates des Gemeindenetzwerkes am 28.09.09 las Pfarrer Lehmann die\u00a0Chemniter\u00a0Predigt erneut\u00a0vor. Der Mitschnitt\u00a0der Andacht kann\u00a0am Anfang des\u00a0Textes angeh\u00f6rt\u00a0 werden.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind in gro\u00dfer Not&#8220;\u00a0 Predigt\u00a0von Pfr. Dr. Theo Lehmann \u00fcber Nehemia 9 am 08. Oktober 1989 in der Luther-Kirche Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) Sie k\u00f6nnen die Predigt h\u00f6ren, indem Sie hier anklicken: Theo Lehmann_Wir sind in gro\u00dfer Not. Es war einmal ein Volk, das baute eine Mauer in der Hauptstadt seines Landes. Zun\u00e4chst war [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":100,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3607"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/100"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3607"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6704,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3607\/revisions\/6704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}