{"id":3487,"date":"2009-09-14T21:44:58","date_gmt":"2009-09-14T19:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3487"},"modified":"2009-09-15T15:11:30","modified_gmt":"2009-09-15T13:11:30","slug":"ziel-ist-das-adult-worker-modell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=3487","title":{"rendered":"Ziel ist das &#8218;adult-worker-Modell&#8216;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Elterngeld: Ziel ist das \u201eadult-worker-Modell\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Elterngeld ist aus Sicht von Beratern der Bundesregierung ein zentrales Instrument \u201enachhaltiger Familienpolitik\u201c. Zentrale Ziele dieser Politik sind eine h\u00f6here Geburtenrate und eine h\u00f6here Erwerbsbeteiligung von Frauen. Mit dem Elterngeld soll deshalb sowohl die Entscheidung f\u00fcr Kinder als auch eine raschere R\u00fcckkehr von M\u00fcttern in den Beruf gef\u00f6rdert werden. <!--more-->Konzipiert ist das Elterngeld als eine Lohnersatzleistung: Es ersetzt den Eltern von Neugeborenen f\u00fcr eine \u201eBaby- Pause\u201c von zw\u00f6lf bzw. (sofern der Vater mindestens zwei Monate beansprucht) 14 Monaten bis zu einer H\u00f6chstgrenze von 1800 \u20ac brutto 67 Prozent des im Jahr vor der Geburt verf\u00fcgbaren Nettoerwerbseinkommens. Begr\u00fcndet wird das Elterngeld mit den Opportunit\u00e4tskosten der Familiengr\u00fcndung durch den (vor\u00fcbergehenden) Verzicht von Eltern bzw. M\u00fcttern auf eine Erwerbst\u00e4tigkeit. Diese Kosten sollen mit dem Elterngeld reduziert werden, um \u201edie Nachfrage nach Kindern und damit die Fertilit\u00e4tsrate zu erh\u00f6hen\u201c (1).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Elterngeldreform im Jahr 2007 wurde \u2013 damit M\u00fctter fr\u00fcher ins Erwerbsleben zur\u00fcckkehren \u2013 das bis dato f\u00fcr bis zu 24 Monate nach der Geburt ihres Kindes gezahlte Bundeserziehungsgeld abgeschafft. Urspr\u00fcnglich war das Elterngeld als reiner Lohnersatz geplant \u2013 nicht erwerbst\u00e4tige Eltern h\u00e4tten dann keinerlei Leistungsanspr\u00fcche gehabt. Nach Kritik von Seiten der Familien- und Wohlfahrtsverb\u00e4nde wurde dann nicht oder geringf\u00fcgig erwerbst\u00e4tigen Eltern ein Sockelbetrag von 300 \u20ac zugestanden (2). Mehr als 40 Prozent der Elterngeldbezieher insgesamt bzw. knapp 48 Prozent der M\u00fctter erhalten \u2013 so die j\u00fcngste Statistik \u2013 diesen Mindestbetrag (3). Leben weitere Kinder unter sechs Jahren im Haushalt wird dieser Mindestbetrag um einen \u201eGeschwisterbonus\u201c von 75 \u20ac erh\u00f6ht. F\u00fcr Eltern mit einem Einkommen unter 1.000 \u20ac gibt es einen \u201eGeringverdienstzuschlag\u201c (4). Trotz dieser \u2013 politischen Kompromisserfordernissen geschuldeten \u2013 Abstriche am reinen Lohnersatzkonzept sind viele Eltern durch die Elterngeldreform schlechter gestellt worden: Dies trifft insbesondere Geringverdiener, kinderreiche Eltern und nichterwerbst\u00e4tige M\u00fctter. So erhalten z. B. Studentinnen, die ein erstes Kind bekommen, statt f\u00fcr 24 Monate nur noch f\u00fcr 12 Monate 300 \u20ac \u2013 ihr Leistungsanspruch hat sich halbiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Junge M\u00fctter werden durch das Elterngeld strukturell benachteiligt: Mehr als die H\u00e4lfte der M\u00fctter zwischen 25 und 30 Jahren und sogar mehr als vier F\u00fcnftel der jungen M\u00fctter zwischen 20 und 25 Jahren erhalten maximal 500 \u20ac Elterngeld. Nur knapp ein Zehntel der 25-30-J\u00e4hrigen und nur etwa jede hundertste Mutter im Alter von 20-25 Jahren hat Anspruch auf 1000 \u20ac und mehr Elterngeld (5). Ebenso im Nachteil sind beim Elterngeld kinderreiche M\u00fctter: Mehr als zwei Drittel der M\u00fctter mit einem dritten und ann\u00e4hernd 90 Prozent der M\u00fctter vierter und weiterer Kinder erhalten h\u00f6chstens 500 \u20ac. Mehr als 1000 \u20ac bekommen maximal etwa ein Zehntel der M\u00fctter dritter und ganze 2-3 Prozent der mit vierten und weiteren Kindern. Selbst von den Frauen mit einem ersten Kind erhalten nur etwa ein F\u00fcnftel mindestens 1000 \u20ac und nicht einmal drei Prozent den H\u00f6chstbetrag von 1800 \u20ac (6). Sehr viel besser schneiden dagegen \u00e4ltere V\u00e4ter ab: An mehr als die H\u00e4lfte der \u00fcber 40-J\u00e4hrigen Elterngeld beziehenden M\u00e4nner werden 1000 \u20ac oder mehr ausbezahlt. Fast ein Drittel der 40-45-j\u00e4hrigen neuen V\u00e4ter beziehen sogar 1500 \u20ac und mehr. Unter den jungen V\u00e4tern im Alter von 25-30 Jahren hat nur etwa jeder zwanzigste einen vergleichbaren Elterngeldanspruch. Junge Familien und kinderreiche M\u00fctter haben beim Elterngeld also das Nachsehen \u2013 im Vorteil sind Eltern, die sich sp\u00e4t im Lebensverlauf f\u00fcr ein (erstes) Kind entscheiden (7). Dies entspricht der Steuerungslogik des Elterngeldes als Lohnersatzleistung: Unabh\u00e4ngig vom Vorhandensein von Kindern sollen Erwerbst\u00e4tigkeit, berufliche Karriere und ein gutes Einkommen f\u00fcr junge Frauen Priorit\u00e4t haben. Sie sollen sich nicht mehr in die Abh\u00e4ngigkeit von einem Mann begeben, sondern wirtschaftlich selbst\u00e4ndig sein (8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So fordert es auch das neue Unterhaltsrecht von Geschiedenen. Dass mit diesem Paradigmenwechsel hin zum \u201eadult-worker-Modell\u201c der Erwerbsdruck auf Eltern massiv erh\u00f6ht wird, ist offenkundig. Fraglich bleibt, ob damit auch die \u201eNachfrage nach Kindern\u201c steigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0(1) Sandra Gruescu \/ Bert R\u00fcrup: Nachhaltige Familienpolitik, S. 3-5, in: Aus Politik und Zeitgeschichte \u2013 23-24\/2005, S. 3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(2) Vgl. ebd., S. 5. Aus Sicht des Familienbundes der deutschen Katholiken zum \u201eMindestelterngeld\u201c: Markus Warnke: Die Betreuungsgeld- Strategie, Editorial (S. 2) in: Stimme der Familie 54. Jg., Heft 5- 6 2007.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Statistisches Bundesamt: \u00d6ffentliche Sozialleistungen: Statistik zum Elterngeld \u2013 gemeldete beendete Leistungsbez\u00fcge 2. Vierteljahr 2009, Wiesbaden 2009; T6(1), eigene Berechnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(4) Zu den Elterngeldregelungen: Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Das Elterngeld, http:\/\/www.bmfsfj.de\/Politikbereiche\/familie,did=76746.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(5) Datenquelle: Statistisches Bundesamt: \u00d6ffentliche Sozialleistungen: Statistik zum Elterngeld \u2013 gemeldete beendete Leistungsbez\u00fcge 2. Vierteljahr 2009, Wiesbaden 2009; T10 \u2013 eigene Berechnungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(6) Datenquelle: Statistisches Bundesamt: \u00d6ffentliche Sozialleistungen: Statistik zum Elterngeld \u2013 op. cit. T 9 \u2013 eigene Berechnungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(7) Auf diese Problematik hat der Erfurter Staatsrechtler Christian Seiler schon in der Anh\u00f6rung vor Einf\u00fchrung des Elterngeldes hingewiesen. Siehe: http:\/\/www.i-daf.org\/143-0-Woche-14-2009.html.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(8) In der Stellungnahme der Bundesregierung zum Siebten Familienbericht wurde die Elterngeldreform wie folgt begr\u00fcndet: \u201eDas Bundeserziehungsgeld bietet finanzielle Unterst\u00fctzung, kann jedoch nicht den Wegfall eines Erwerbseinkommens kompensieren. Insbesondere M\u00fctter, die in der Mehrzahl die Elternzeit in Anspruch nehmen, verlieren ihre wirtschaftliche Selbst\u00e4ndigkeit und sind \u00f6konomisch abh\u00e4ngig \u2013 entweder vom Mann oder vom Staat. Die Wiederaufnahme der Erwerbst\u00e4tigkeit nach dem Elterngeldbezug wird rascher als bisher erfolgen. Die wirtschaftliche Selbst\u00e4ndigkeit beider Elternteile wird gef\u00f6rdert.\u201c Siehe: Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Familie zwischen Flexibilit\u00e4t und Verl\u00e4sslichkeit. Perspektiven f\u00fcr eine lebenslaufbezogene Familienpolitik \u2013 Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16\/1360, Berlin 2006, XXXVII-XXXVIII.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<em>Nachricht der Woche 36\/2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elterngeld: Ziel ist das \u201eadult-worker-Modell\u201c Das Elterngeld ist aus Sicht von Beratern der Bundesregierung ein zentrales Instrument \u201enachhaltiger Familienpolitik\u201c. Zentrale Ziele dieser Politik sind eine h\u00f6here Geburtenrate und eine h\u00f6here Erwerbsbeteiligung von Frauen. Mit dem Elterngeld soll deshalb sowohl die Entscheidung f\u00fcr Kinder als auch eine raschere R\u00fcckkehr von M\u00fcttern in den Beruf gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3487"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3521,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3487\/revisions\/3521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}