{"id":2498,"date":"2008-05-14T18:05:39","date_gmt":"2008-05-14T16:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2498"},"modified":"2009-09-02T14:46:11","modified_gmt":"2009-09-02T12:46:11","slug":"sind-christen-zum-dialog-verpflichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2498","title":{"rendered":"Sind Christen zum Dialog verpflichtet?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sind Christen zum Dialog verpflichtet?<br \/>\n<\/strong><strong>Die Forderung nach Dialog und die biblische Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen vertreten \u00dcberzeugungen, die in aller Regel nicht dem Zeitgeist entsprechen. Dadurch entstehen Spannungen, nicht selten auch Auseinandersetzungen. Menschen, die ein starkes Harmoniebed\u00fcrfnis haben, leiden darunter. Das ist im privaten Bereich so, aber auch im \u00f6ffentlichen und eben auch im religi\u00f6sen Bereich. \u00dcberall da, wo Konflikte auftreten. w\u00fcnscht man sich, da\u00df die Betroffenen miteinander reden. \u201eNicht \u00fcbereinander, sondern miteinander reden&#8220;, lautet ein h\u00e4ufig ge\u00e4u\u00dferter Ratschlag.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Forderung nach einer Kultur des Dialoges laut. Besonders in den Kirchen f\u00e4llt diese Forderung auf fruchtbaren Boden. Wer will sich schon nachsagen lassen, da\u00df er gegen einen Dialog mit Menschen anderer \u00dcberzeugung sei? Erst k\u00fcrzlich hat der in Genf ans\u00e4ssige \u00d6kumenische Rat der Kirchen (\u00d6RK) aus Anla\u00df des 60. Jahrestages seines Bestehens zu einer Verst\u00e4rkung dieses Dialoges aufgerufen. Die Liebe zum N\u00e4chsten, so hei\u00dft es in einer Erkl\u00e4rung dieses Dachverbandes vieler nicht katholischer Kirchen, sei im Christentum wie im Islam \u201ewesentlicher und integraler Bestandteil des Glaubens an Gott und der Liebe zu Gott\u201c. Am 20. M\u00e4rz dieses Jahres gab die auch als Weltkirchenrat bezeichnete Organisation eine Stellungnahme heraus mit dem Titel: \u201eGemeinsam das Verst\u00e4ndnis der Liebe erschlie\u00dfen &#8211; ein Lernproze\u00df\u201c. Sie richtet sich an die Kirchen und enth\u00e4lt Vorschl\u00e4ge, die ihnen helfen sollen, auf den Offenen Brief zu reagieren, den 138 leitende (gem\u00e4\u00dfigte) muslimische Repr\u00e4sentanten im Oktober 2007 an christliche F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten gerichtet haben. \u201eWir ermutigen unsere Mitgliedskirchen, diese Einladung seitens der Muslime als neue Chance f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog zu begreifen\u201c, erkl\u00e4rte der Generalsekret\u00e4r des \u00d6RK, Pfarrer Samuel Kobia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Forderungen und Hoffnungen sprechen unz\u00e4hlig vielen Menschen aus dem Herzen. Wer sich in unseren Medien positiv zum Dialog \u00e4u\u00dfert, darf der allgemeinen Zustimmung in der \u00d6ffentlichkeit gewi\u00df sein. Um aber in die Kultur des Dialoges einzutreten, sollte man sich erst einmal dar\u00fcber verst\u00e4ndigen, was unter diesem Begriff \u00fcberhaupt zu verstehen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet eigentlich der Begriff \u201eDialog\u201c? Das Wort kommt aus dem Griechischen und meint urspr\u00fcnglich die \u201eKunst der Unterredung\u201c. Die Frage ist nur, welche Funktion dem Dialog im Blick auf die Bewertung inhaltlicher Aussagen im Verlauf der Unterredung zukommt. Bereits an diesem Punkt gehen die Meinungen weit auseinander &#8211; und darum wird ausgerechnet bei einem Thema, das der Verst\u00e4ndigung dienen soll, auch in der Kirche so leicht aneinander vorbeigedacht und dann auch aneinander vorbeigeredet. Das liegt daran, da\u00df in unserer kulturgeschichtlichen Tradition das philosophische Verst\u00e4ndnis des Dialoges ganz stark nachwirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Form des Dialoges wurde durch die antike griechische Philosophie begr\u00fcndet und von Platon (427-347 v. Chr.) zu hoher formaler Vollendung gef\u00fchrt. Man verstand unter Dialog die Methode, durch das Aufeinandertreffen einander widersprechender Meinungen und die \u00dcberwindung der Widerspr\u00fcche im Gespr\u00e4ch zur Wahrheit zu gelangen. Etwas vereinfacht dargestellt sieht dieses Modell so aus: Durch Rede (These) und Gegenrede (Antithese) wird die L\u00f6sung einer Frage (Synthese) angestrebt. Die Synthese kann dann wieder zum Ausgangspunkt eines neuen Dialogs werden, also zu einer neuen These, die wiederum eine neue Antithese herausfordert und wieder in eine neue Synthese m\u00fcndet. So versucht man sich durch viele Gedankenschritte mehr und mehr der Wahrheit anzun\u00e4hern. Im Blick auf die Frage: \u201eWas ist Wahrheit?\u201c gilt im Rahmen dieses philosophischen Modells, da\u00df die Antwort zwar im Reich der Ideen bereits existiert, aber den am Dialog Beteiligten nicht von vornherein einsichtig ist. Erst der Dialog soll im buchst\u00e4blichen Sinne die Wahrheit ans Licht bringen. Von daher ist der ber\u00fchmt gewordene Satz des Philosophen Karl Jaspers (1883-1969) zu verstehen: \u201eDie Wahrheit beginnt zu zweien.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Christen aber ist der Weg genau umgekehrt: Er geht in seinem geistlichen Erkenntnisweg nicht auf die Wahrheit zu, sondern er kommt bereits von der Wahrheit her. Und diese Wahrheit ist nicht eine Lehre, sondern sie ist eine Person und hat einen Namen: Jesus Christus. Er konnte von sich in g\u00f6ttlicher Vollmacht sagen: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben &#8230;\u201c (Johannes 14,6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sp\u00e4ter wird er im Verh\u00f6r vor dem r\u00f6mischen Statthalter Pontius Pilatus bezeugen: \u201eIch bin dazu geboren und in die Welt gekommen, da\u00df ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der h\u00f6rt meine Stimme\u201c (Johannes 18,37), worauf Pilatus nur skeptisch antwortet: \u201eWas ist Wahrheit?\u201c. Die Wahrheit beginnt f\u00fcr den Christen nicht zu zweien, sondern sie kommt von diesem Einen und Einzigartigen her &#8211; von Jesus Christus. Diese Wahrheit, die mit Christus in die Welt gekommen ist, kann f\u00fcr den Christen nicht mehr hinterfragt, sondern nur bezeugt werden. Selbst in Leitungsgremien der Kirchen scheint man dieser schlichten Einsicht im Gespr\u00e4ch mit Vertretern anderer Religionen nicht mehr zu folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer h\u00e4ufiger werden sogenannte \u00f6kumenische Gebetstreffen veranstaltet. Daran beteiligen sich nicht nur Randgruppen in der Kirche (vor allem auf den Kirchentagen), sondern auch Bisch\u00f6fe und Mitglieder von Kirchenleitungen. Allgemeines Aufsehen erregte ein erstes \u201eGebet f\u00fcr den Frieden\u201c am 26. Oktober 1986 in Stuttgart. Auf die \u201eMusik zur Einstimmung\u201c folgten: Begr\u00fc\u00dfung und Gru\u00dfworte der Vertreter der Religionen; Gebet der Israelitischen Religionsgemeinschaft; Muslimisches Gebet (aus den Suren 1 und 49 des Koran); eine Hindumeditation (aus dem Gesang der Bhagavadgita); Buddhistisches Gebet (aus Karaniya-Metta-Sutta); Liturgische Er\u00f6ffnung; Wort des katholischen Bischofs von Rottenburg-Stuttgart; Christliches Gebet; Gesang aus der Griechisch-Orthodoxen Liturgie; Evangelium: Matth\u00e4us 5,1-10 (Seligpreisungen aus der Bergpredigt); Wort des evangelischen Landesbischofs; Stille; Gro\u00dfe Litanei (Friedensektenie der Russisch-Orthodoxen Kirche); F\u00fcrbitten (&#8222;Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens\u201c); Lied: \u201eSonne der Gerechtigkeit\u201c; Vaterunser in mehreren Sprachen gleichzeitig; Trinitarischer Segen; Kanon: \u201eLobet und preiset, ihr V\u00f6lker den Herrn\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es verwundert nicht, da\u00df nach solchen Experimenten durch kirchenleitende Pers\u00f6nlichkeiten seitdem auch in den Gemeinden das Interesse an derartigen multireligi\u00f6sen Veranstaltungen w\u00e4chst. Dabei wird allerdings nicht bedacht, da\u00df z. B. manche Vertreter der anderen Religionen an einem solchen Treffen nur teilnehmen k\u00f6nnen, wenn sie aus H\u00f6flichkeit gegen\u00fcber den deutschen Gastgebern ihre grundlegenden \u00dcberzeugungen verleugnen. F\u00fcr einen Muslim z. B. ist der trinitarische Segen eine einzige Gottesl\u00e4sterung, weil eben f\u00fcr ihn Jesus Christus nicht Sohn Gottes ist. So k\u00f6nnte man auch fragen: Warum n\u00f6tigen Bisch\u00f6fe Muslime zur Heuchelei?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig hat sich Folgendes ergeben: In dem Ma\u00dfe, wie seit dem Ende der sechziger Jahre der Dialog zwischen den Religionen gefordert und gef\u00f6rdert wird, l\u00e4\u00dft die Bereitschaft zur Mission nach. Bereits auf der 4. Vollversammlung des Weltkirchenrates, die 1968 in Uppsala (Schweden) stattfand, konnte man in einem Sektionsbericht die erstaunliche Aussage lesen: \u201eIn der Begegnung mit Mohammedanern, Hindus, Marxisten und Humanisten lernen Christen, die gemeinsamen Grundlagen unseres Menschseins zu entdecken und kommen so zu einem volleren Verst\u00e4ndnis der Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reicht demnach f\u00fcr den \u00d6kumenischen Rat der Kirchen Jesus Christus nicht aus, obwohl im Kolosserbrief (2,3) steht, da\u00df in ihm \u201everborgen liegen alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis\u201c? Wie will man bei einem solchen Verst\u00e4ndnis von Dialog und Wahrheit noch vollm\u00e4chtig missionieren? Genau das gab selbstkritisch der ehemalige Generalsekret\u00e4r des \u00d6RK, Willem Visser\u2018t Hooft zu bedenken, als er 1973 in der \u00d6kumenischen Rundschau (April 1973, S. 162) schrieb: Es gibt Formen des Dialoges und des Dialogverst\u00e4ndnisses, die \u201enicht mit dem Missionsauftrag der Kirche und mit dem Wesen des Evangeliums \u00fcbereinstimmen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solches falsches Verst\u00e4ndnis wurde beispielsweise in einer Rundfunk-Andacht deutlich, ausgestrahlt von Radio Bremen. In ihr ging es um den sogenannten Missions- und Taufbefehl Jesu: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.\u201c Dazu der Pastor: \u201eDer Missionseifer der Christen z\u00fcngelt auch heute &#8211; unausl\u00f6schbar &#8230;\u201c Missionseifer &#8211; das k\u00f6nne doch nicht im Sinne Jesu sein: \u201eKein Theologe, keine Kirche wird nachweisen k\u00f6nnen, da\u00df der Jesus der biblischen Geschichten den ganzen Globus vor Augen hatte, wenn er von seinem Auftrag sprach. Die Machtillusion einer Kirche, Jesus sei der Heiland aller Menschen, auch derjenigen, die l\u00e4ngst ihren eigenen Heiland gefunden haben, ihre eigene Erl\u00f6sung, Vers\u00f6hnung oder Befreiung in ihrem Glauben, dieser christliche Universalanspruch soll nicht mehr meinen Blick vernebeln.&#8220; &#8211; &#8222;Christus ist mein Heiland, mein Weg, meine Wahrheit und ein St\u00fcck weit mein Leben, aber ich will niemand anders davon \u00fcberzeugen &#8230;\u201c Das scheint auch die Meinung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Hartwig Bodmann, zu sein, der k\u00fcrzlich in einem Interview des \u201eWeser-Kurier\u201c bekannte: \u201eEs gibt eben Christen, die sind in ihrem Glauben ganz gewi\u00df. Der Kirchentag pflegt dagegen mehr eine Fragehaltung. Bei uns stellt sich niemand auf das Podium und verk\u00fcndet die alleinige Wahrheit.&#8220; Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat zwar 2006 in einer sogenannten Handreichung &#8222;Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland&#8220; ausdr\u00fccklich betont: \u201eDialog und Mission schlie\u00dfen sich nicht aus\u201c, aber in anderen Publikationen z. B. bez\u00fcglich der Judenmission darauf hingewiesen, da\u00df das christliche Zeugnis nicht gleich Mission bedeuten m\u00fcsse, ja da\u00df Dialog erst da anfangen k\u00f6nne, wo Mission aufh\u00f6re. So wird Mission unter Juden geradezu abgelehnt &#8211; obwohl das Neue Testament gerade von ihr bestimmt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben wir bei dem Beispiel Dialog mit dem Islam: Es kann keinen sinnvollen Dialog zwischen Christen und Muslimen geben, weil beide die \u201eWahrheit\u201c an Aussagen in der Bibel bzw. im Koran heften, die von der einen oder der anderen Seite nicht akzeptiert werden k\u00f6nnen, wenn jede Seite ihre Glaubens\u00fcberzeugung ernst nimmt. Es gibt ja durchaus eine ganze Reihe von \u00dcbereinstimmungen zwischen den beiden Glaubensauffassungen. Aber ausgerechnet in den wichtigsten Aussagen ist keine \u00dcbereinstimmung m\u00f6glich &#8211; lehnt doch der Islam das f\u00fcr Christen Wichtigste ab: Kreuzigung und Auferstehung Jesu &#8211; und damit die Grundlage der Erl\u00f6sung aller Menschen \u00fcberhaupt. Der Satz des Philosophen Karl Jaspers (der typisch ist f\u00fcr den Dialog) &#8211; \u201eDie Wahrheit beginnt zu zweien\u201c &#8211; f\u00fchrt in diesem konkreten Fall in die Sackgasse. Der klassische Dialog hilft hier nicht weiter, sondern &#8211; viel bescheidener &#8211; das Gespr\u00e4ch, das die Gegens\u00e4tze stehen l\u00e4\u00dft, aber um menschliches Vertrauen wirbt. Das ist schon viel, wenn dadurch das Miteinander spannungsfreier wird. Gespr\u00e4che mit Vertretern der Religionen sollten aufrichtig gef\u00fchrt werden. Dazu geh\u00f6rt aber auch die Bereitschaft, die Gegens\u00e4tze ehrlich zu benennen und so stehen zu lassen. Das hindert nicht, gemeinsam auszuloten, welche \u00dcberzeugungen verbinden und welche Aufgaben zum Wohl aller Menschen gemeinsam angepackt und auch gemeinsam gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind Christen zum Dialog verpflichtet? 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