{"id":2463,"date":"2007-07-20T12:35:42","date_gmt":"2007-07-20T10:35:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2463"},"modified":"2009-09-06T10:46:27","modified_gmt":"2009-09-06T08:46:27","slug":"predigt-anlaslich-der-einfuhrung-des-staatsprasidenten-der-republik-lettland-valdis-zatlers-am-8-juli-2007-im-dom-zu-riga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2463","title":{"rendered":"Predigt zur Einf\u00fchrung des Staatspr\u00e4sidenten der Republik Lettland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt anl\u00e4\u00dflich der Einf\u00fchrung des Staatspr\u00e4sidenten der Republik Lettland Valdis Zatlers am 8. Juli 2007 im Dom zu Riga<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als da\u00df sie f\u00fcr treu befunden werden. Mir aber ist\u2019s ein Geringes, da\u00df ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewu\u00dft, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr aber ist\u2019s, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.\u201c (1. Kor. 4,1-5)<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle der Heiligen Schrift wird ein sehr ausdrucksvolles Wort gebraucht \u2013 \u201eHaushalter\u201c. Es ist aus zwei Worten zusammengesetzt: aus \u201eHaus\u201c und \u201ehalten\u201c. Das Wort \u201eHaus\u201c bedeutet in der Bibel nicht nur ein Geb\u00e4ude. Es kann auch die Angeh\u00f6rigen deiner Familie, deines Gesindes bezeichnen, die dort wohnen. Und schlie\u00dflich bezeichnet das Wort \u201eHaus\u201c auch dein Geschlecht, deine Nation und dein Volk. Der andere Teil dieses Wortes \u201ehalten\u201c hat auch eine vielfache Bedeutung. Einerseits, wenn du etwas h\u00e4ltst, dann ist dir dar\u00fcber Macht gegeben worden. Du bist der Herr, der Bestimmende. Doch dieser Teil des Wortes hat auch eine v\u00f6llig andere Bedeutung, etwa die, wie sie im Ersten Gebot ausgedr\u00fcckt wird: \u201eIch bin der Herr, dein Gott, du sollst keine andere G\u00f6tter haben neben mir.\u201c <em>(Bemerkung des \u00dcbersetzers: Das Erste Gebot hei\u00dft, w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt, im Lettischen \u201edu sollst dir keine anderen G\u00f6tter halten vor mir.\u201c In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand in Lettland die Bewegung der Neuheiden die sich \u201eDievturi\/Gotthalter\u201c nannten. Auf diese Bewegung spielt der Erzbischof auch an)<\/em>. Dieses Wort \u201ehalten\u201c nennt hier die Beziehung oder den Zustand, in dem sich der Mensch gegen\u00fcber Gott befindet. Luther gebraucht in seiner Erkl\u00e4rung daf\u00fcr die Worte f\u00fcrchten, lieben und vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachten wir doch, von was f\u00fcr einem eigenartigen Amtstr\u00e4ger der Apostel spricht \u2013 vom Haushalter. Von jemandem, dem Macht gegeben ist, der \u00fcber das \u201eHaus\u201c zu bestimmen hat \u2013 \u00fcber Familien, Geschlechter und \u00fcber das Volk, es aber gleichzeitig lieben, ehren und \u2013 so k\u00f6nnte man sogar sagen \u2013 \u201everg\u00f6ttern\u201c, ihm dienen und zuh\u00f6ren soll. Und ganz sicher k\u00f6nnen wir dem beipflichten, da\u00df die Bibel alles wiederum am besten ausdr\u00fcckt. Wie also sollte ein Amtstr\u00e4ger sein, dem Macht anvertraut ist, wie w\u00fcnschen wir uns einen Haushalter, der beschlie\u00dft und entscheidet, und dabei sein Haus liebt und ehrt, das ihm anvertraut ist und dem er dienen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sagt der Apostel \u00fcber den Haushalter? Das erste was er sagt, ist etwas sehr K\u00fchnes. Er sagt: \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann\u201c. Das ist die Realit\u00e4t des Lebens eines Haushalters. Man blickt auf ihn. Ihm bleibt nicht viel, von dem er sagen k\u00f6nnte: \u201eWas geht euch das an? Das ist meine Privatangelegenheit!\u201c Und daran kann man nichts \u00e4ndern. Selbst wenn der Haushalter es nicht wollte, und selbst, wenn er das Recht h\u00e4tte, nicht zu wollen, ganz gleich, man blickt auf ihn. Paulus versucht nicht, dem auszuweichen oder sich zu verstecken. Er entscheidet sich f\u00fcr einen aktiven und k\u00fchnen Standpunkt. \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann!\u201c sagt er. Sollen doch alle auf uns blicken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist wirklich k\u00fchn. Wie viele Haushalter dieser Art haben wir, die damit einverstanden sind, alles auf den Tisch zu legen und zu sagen: \u201eBitte, schaut euch das an!\u201c Daf\u00fcr halte uns jedermann! Doch betrifft das nicht nur die Haushalter. Auch unter uns einfachen Menschen \u2013 wie viele gibt es unter ihnen, die es wagen, so offen in das eigene Leben Einblick zu geben und zu sagen: \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann!\u201c Ich denke, da\u00df eine dieser erregenden Verhei\u00dfungen Christi, diese ist: \u201eEs ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den D\u00e4chern.\u201c Das l\u00e4\u00dft uns wirklich zusammenfahren. Wie viele Haushalter k\u00f6nnen wir finden, die dazu bereit w\u00e4ren? Ich hoffe, da\u00df es viele sind. Ich hoffe sogar, da\u00df es die Mehrheit aller Haushalter ist. Denn aus den Worten des Apostels geht hervor, da\u00df das Haus gerade solche Haushalter braucht, die bereit sind, zu sagen: \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich ist dieses Wort nicht nur erregend und be\u00e4ngstigend, sondern auch beruhigend und befreiend. Im Wort Gottes wird ein Prinzip deutlich gemacht: \u201eLicht soll aus der Finsternis hervorleuchten, es hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben.\u201c Solange wir etwas in der Finsternis des Verborgenen zu behalten versuchen, so lange hat es auch Macht \u00fcber uns. Es kann uns \u00e4ngstigen und damit unterwerfen. Doch wenn es an das Licht kommt, dann wird es vom Licht erleuchtet und wird licht. Es kann uns nicht mehr innerlich hemmen, und der Geist wird frei. Gerade deshalb ist im christlichen Glauben die Beichtpraxis so wichtig. Das, was mich im Verborgenen qu\u00e4lt, stelle ich in das Licht Christi und erhalte Freiheit und Frieden. Der Apostel wei\u00df es und macht sich deshalb auch selbst auf den Weg und sagt: \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann! Daf\u00fcr halten uns die Menschen, und daf\u00fcr halte uns auch Gott!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kann er das tun? Das ist doch so be\u00e4ngstigend und erfordert so viel Mut und Kraft! Doch den Worten des Paulus k\u00f6nnen wir entnehmen, da\u00df er ein reines Gewissen hat: \u201eIch bin mir zwar nichts bewu\u00dft\u201c sagt er. Er wei\u00df, da\u00df das noch nicht alles ist, und da\u00df ihn auch noch andere richten werden, und am Ende auch Gott, doch er selbst ist sich keiner Bosheit bewu\u00dft. Und das ist sehr viel. Das l\u00e4\u00dft ihn mutig sein. Vielleicht werden Menschen, wenn sie ihn richten wollen, bei ihm einige Fehler oder Mi\u00dferfolge oder Vers\u00e4umnisse entdecken, aber sie werden nichts entdecken, wobei der Apostel gegen seinen Glauben oder Gewissen gehandelt , und dabei Ehre oder Profit angestrebt h\u00e4tte. Sei es, wie es ist, aber das wird man ihm nicht vorhalten k\u00f6nnen, und das macht einen Haushalter mutig und frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als da\u00df sie f\u00fcr treu befunden werden\u201c schreibt Paulus. Das ist kein so einfaches Prinzip, wie es zu Beginn erscheinen mag. Treu \u2013 Ja, aber wem gegen\u00fcber? Von einem Haushalter erwarten und fordern viele Treue, eigentlich m\u00f6chte jeder von uns den Haushalter treu gegen\u00fcber unseren Ideen, unseren Interessen sehen, aber alle diese vielen \u201eWir\u201c sind so verschieden, und oft sind unsere Erwartungen so gegens\u00e4tzlich, da\u00df sie einander ausschlie\u00dfen. Wem gegen\u00fcber besteht bei dem Haushalter die Treuepflicht? Denen gegen\u00fcber, die ihm die N\u00e4chsten sind? Denen gegen\u00fcber, die ihm geholfen und ihn unterst\u00fctzt haben? Denen gegen\u00fcber, die ihm den Hausschl\u00fcssel anvertraut haben? Oder vielleicht denen gegen\u00fcber, die es verstehen, ihre Forderungen am lautesten und am meisten \u00fcberzeugend vorzubringen? Oder denen gegen\u00fcber, vor denen man sich am meisten vorsehen sollte? Treue \u2013 Ja, aber wem gegen\u00fcber? Das ist die Gleichung des Haushalters, die oft so einfach erscheint, doch in der Praxis oft so schwer zu l\u00f6sen ist. Von der L\u00f6sung, zu welcher der Haushalter kommt, wird das Urteil abh\u00e4ngen, das am Ende die Menschen, Gott und die Geschichte f\u00e4llen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus l\u00f6st diese Gleichung dadurch auf, da\u00df er zwei benennt, denen gegen\u00fcber er treu sein m\u00f6chte und deren Urteil er sich unterwirft. Die ersten sind die Menschen, die auch begreifen sollten, da\u00df er \u00fcber das Haus im Ganzen spricht. Nicht nur seine Br\u00fcder aus dem eigenen Volk, nicht nur die B\u00fcrger Roms oder umgekehrt, die Nichtb\u00fcrger Roms, nicht nur die M\u00e4chtigen und Reichen, die Einwohner der Hauptstadt oder die Landbev\u00f6lkerung, sondern das ganze Haus, zu dem er gesandt ist. Dem m\u00f6chte er treu sein. Er redet zu den K\u00f6nigen und Gesetzgebern und sagt ihnen die Wahrheit, er diskutiert mit Philosophen und Wissenschaftlern, er erkennt aber auch, da\u00df ihre Priorit\u00e4ten solche sind, f\u00fcr die sich niemand sonderlich interessiert, der nicht die M\u00f6glichkeit hat, f\u00fcr sich selbst zu sorgen \u2013 der Sklave, der Waise, die Witwe, der Kranke, der Arme, der Ausgesto\u00dfene. \u201eIhr Herren!\u201c sagt er, \u201eVerge\u00dft nicht, da\u00df es \u00fcber euch einen Herrn gibt \u2013 Gott, und da\u00df die Engel dieser Allerkleinsten und Allergeringsten st\u00e4ndig das Angesicht Gottes schauen.\u201c Paulus m\u00f6chte als Haushalter seinem ganzen Hause gegen\u00fcber treu befunden werden. Nicht nur gegen\u00fcber einer Etage oder einer Wohnung, sondern dem ganzen Hause. Doch er ist kein Populist. Zu den Menschen sagt er: \u201eMir aber ist\u2019s ein Geringes, da\u00df ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Der Herr ist\u2019s aber, der mich richtet.\u201c Das ist f\u00fcr Paulus ein wichtiges Prinzip. Er redet oder tut nicht das, was dem Volk gef\u00e4llt, sondern das, was Gott will. Er vertritt nicht das, was ihm gerade n\u00fctzlich erscheint, sondern das, was heilig ist. Er nennt sich Haushalter der Geheimnisse Christi. Wenn er vom Reich redet, dann legt er dem die Prinzipien Christi zu Grunde. Wenn er einen Rat erteilt, wie man eine Familie bildet, dann gibt er den Menschen das weiter, was er selbst vom Herrn Christus empfangen hat. Das war bei weitem nicht die herrschende Meinung in der Gesellschaft, ganz im Gegenteil \u2013 die Botschaft des Apostels Paulus widersprach oft den herrschenden Ansichten und Gepflogenheiten der Gesellschaft. Das f\u00fchrte ihn oft in unangenehme Situationen und in Gefahr. Doch er sah und begriff, was die Menschen f\u00fcr ein friedliches, gesundes und ehrliches Leben brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb bem\u00fchte sich Paulus am meisten darum, da\u00df die Menschen erfuhren, wie sehr sie Gott liebt. So sehr, da\u00df er seinen eingeborenen Sohn sandte, auf da\u00df alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben ererben. Dem Menschen kann es an vielem fehlen, doch darf es ihm nicht an der Freude und an dem Frieden mangeln, welche die frohe Botschaft von Christus bringt. Am geeigneten und ungeeigneten Ort, zur Zeit und zur Unzeit \u2013 so wichtig war es f\u00fcr Paulus, Zeugnis von Christus zu geben, so deutlich war f\u00fcr ihn die Priorit\u00e4t des Geistes gegen\u00fcber den Dingen des Leibes, da\u00df er daf\u00fcr sogar sein Leben hingab. \u201eLebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so da\u00df ihr nicht tut, was ihr wollt. Wenn wir im Geist leben, so la\u00dft uns auch im Geist wandeln,\u201c schreibt er in seinem Brief an die Galater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Paulus spricht nicht nur die Haushalter an, sondern auch das ganze Haus, das ganze Volk. \u201eRichtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch an das Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist. Und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.\u201c Richtet nicht vor der Zeit, sondern betet f\u00fcr eure Haushalter und helft ihnen, so gut ihr es k\u00f6nnt, bei allen seinen guten Bestrebungen \u2013 etwa so k\u00f6nnten wir die Ermahnungen des Apostels Paulus an das Haus oder an das Volk zusammenfassen. Seid immer gute B\u00fcrger, und seid auch dazu bereit, alles, was ihr von euren Leitern fordert, auch von euch selbst zu fordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So war der Apostel Paulus \u2013 der gro\u00dfe Haushalter der Geheimnisse Christi. Er war der unabl\u00e4ssige, leidenschaftliche, mutige, oft auch emotionale und verletzende Apostel, dessen Treue so gro\u00df war, da\u00df er daf\u00fcr sogar seinen Kopf verlor &#8211; in des Wortes buchst\u00e4blichem Sinn, also enthauptet wurde. Nun, 2000 Jahre danach, wird in der ganzen Welt seiner gedacht, denn seine Werke haben auf die Entwicklung der Kultur und Zivilisation der ganzen Welt einen kaum zu fassenden Einflu\u00df gehabt. Und er sagt: \u201eJaget mit mir Christus entgegen.\u201c Folget meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesem Tage gedenken wir in Dankbarkeit der Zeit der Haushalterschaft der Staatspr\u00e4sidenten Guntis Ulmanis und Vaira V\u012b\u0137e-Freiberga, die ebenso hier im Dom zu Riga mit dem Gebet um den Segen Gottes begonnen hatte. Wir w\u00fcnschen ihnen weiterhin Gottes Segen, eine gute Gesundheit und noch lange arbeitsreiche und packende Jahre. Und heute begr\u00fc\u00dfen wir unseren neuen Staatspr\u00e4sidenten Valdis Zatlers. Wir w\u00fcnschen unserem Pr\u00e4sidenten heute, ebenso wie Paulus, das Verm\u00f6gen, die oft schwierigen Gleichungen der Haushalterschaft zu l\u00f6sen, und dennoch auch den Mut, dem Volk, Gott und dem eigenen Gewissen treu zu bleiben, und dabei stets die Priorit\u00e4t des Geistes gegen\u00fcber dem Materiellen, die Priorit\u00e4t des Heiligen vor dem Berechenbaren im Blick zu behalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute wird viel \u00fcber die Ehrlichkeit in der Politik geredet. Doch oft versteht man darunter eigenartiger Weise nur, da\u00df Politiker nicht stehlen oder l\u00fcgen, oder ihre Dienststellung in b\u00f6ser Absicht ausnutzen d\u00fcrfen. Aber eigentlich d\u00fcrfte man das gar nicht als Ehrlichkeit, sondern eher als Normalit\u00e4t bezeichnen. Das m\u00fc\u00dfte eine v\u00f6llig normale Sache sein, \u00fcber die man gar nicht zu diskutieren brauchte. Ehrliche Politik ist viel mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn, solange es in Lettland so ist, da\u00df die einen so viel haben, da\u00df sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen, und anderen das allereinfachste zum Leben, sogar ein Dach \u00fcber ihrem Kopf, fehlt, solange die einen in der ganzen Welt im eigenen Flugzeug und in eigenen Yachten herumreisen, und den anderen das Geld f\u00fcr eine Fahrkarte f\u00fcr die Stra\u00dfenbahn fehlt,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">solange die einen andere L\u00e4nder bereisen, um dort Ski zu laufen oder in fernen Meeren zu tauchen, aber andere als Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge in anderen L\u00e4ndern eine Arbeit suchen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">solange die Kinder der einen die besten Schulen im Ausland besuchen, w\u00e4hrend andere sich mit der TB und mit AIDS herumqu\u00e4len und Analphabeten bleiben, und das in der EU des 21. Jahrhunderts, solange ein Arbeiter in einer Stunde weniger verdient als sein Boss f\u00fcr eine Stunde Parken seines Autos neben der Arbeitsstelle bezahlt, k\u00f6nnen wir nicht von einer ehrlichen Politik sprechen. Leider ist das kein Roman aus der Vergangenheit, sondern das ist die Realit\u00e4t des t\u00e4glichen Lebens in unserem Lande.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade deshalb sind die Worte des Apostels Paulus so wichtig \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse.\u201c Heute blickt das ganze Volk auf Sie, sehr geehrter Herr Pr\u00e4sident. Von den Haushaltern fordert man nicht mehr, als da\u00df sie treu befunden werden. Treu dem Volk, treu Gott, treu der Gerechtigkeit und dem Gewissen. Es ist noch viel zu vollbringen, ehe wir \u00fcber Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in unserem Leben reden k\u00f6nnen, und um das zu erreichen, brauchen wir ehrliche, gerechte und mutige Haushalter. Trotz allem, was bis heute geredet und gefragt worden ist, das Volk hofft auf Sie, hofft, da\u00df es Ihnen gelingen m\u00f6ge, und w\u00fcnscht Ihnen die Leidenschaft, den Unternehmensgeist, den Mut des Apostels Paulus und Gottes Geleit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wir, meine von Christus geliebten Landsleute, la\u00dft uns den Rat des Apostels Paulus beachten, und nicht vor der Zeit richten und versuchen, uns immer mehr in ihn zu vertiefen und einander zu verstehen und zu helfen, und jede ehrliche Leistung und Arbeit zu segnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott segne Lettland und uns alle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt anl\u00e4\u00dflich der Einf\u00fchrung des Staatspr\u00e4sidenten der Republik Lettland Valdis Zatlers am 8. Juli 2007 im Dom zu Riga \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse. 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