{"id":2451,"date":"2007-12-14T11:46:42","date_gmt":"2007-12-14T09:46:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2451"},"modified":"2009-09-05T21:56:20","modified_gmt":"2009-09-05T19:56:20","slug":"der-lobgesang-der-maria-magnificat-1520-%e2%80%93-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2451","title":{"rendered":"Der Lobgesang der Maria (Magnificat) 1520 \u2013 Teil II"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Lobgesang der Maria (Magnificat) 1520 \u2013 Teil II<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon sagt Jeremia (9,22 f.): &#8222;Niemand r\u00fchme sich seiner St\u00e4rke, seines Reichtums oder seiner Weisheit, sondern, wer sich r\u00fchmen will, der r\u00fchme sich, da\u00df er mich erkennt und wei\u00df&#8220;, wie auch S. Paulus lehrt 2.Kor. 10,17: &#8222;Wer sich r\u00fchmt, der r\u00fchme sich Gottes.&#8220;\u00a0 <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hat die Mutter Gottes ihren Gott und Heiland mit blo\u00dfem, reinen Geist gelobt, ohne sich von seinen G\u00fctern etwas anzuma\u00dfen; dadurch hat sie ihm recht gesungen von seiner G\u00fctigkeit. Nunmehr kommt sie dann der Ordnung nach dazu, auch seine Werke und G\u00fcter zu loben. Denn wie gesagt, man darf nicht an die G\u00fcter Gottes sich klammern und sie in Anspruch nehmen, sondern man mu\u00df durch sie zu ihm hinauf dringen, an ihm allein hangen und von seiner G\u00fctigkeit viel halten. Dann soll man ihn auch in seinen Werken loben, in welchen er uns solche G\u00fctigkeit zum Lieben, Trauen und Loben erzeigt hat; so sollen also die Werke nichts anderes sein als eine vielfache Veranlassung, seine blo\u00dfe G\u00fctigkeit, die \u00fcber uns regiert, zu lieben und zu loben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maria hebt wiederum zuerst bei sich selbst an und singt, was Gott ihr getan hat. Damit lehrt sie uns zwei St\u00fccke. Das erste: Ein jeder soll auf das acht haben, was Gott mit ihm wirkt, mehr als auf alle Werke, die er mit andern tut. Denn es wird die Seligkeit von keinem in dem bestehen, was Gott bei einem andern, sondern was er bei dir wirkt; in diesem Sinn antwortet Christus Joh. 21,21 f., als S. Petrus von S. Johannes sprach: &#8222;Was soll aber dieser tun?&#8220; und sagt zu ihm: &#8222;Was geht es dich an? Folge du mir&#8220;, als wollte er sagen: &#8222;Des Johannes Werke werden dir nicht helfen; du mu\u00dft selber dich dranmachen und warten, was ich mit dir tun will.&#8220; Freilich herrscht gerade jetzt ein greulicher Mi\u00dfbrauch in der Welt, indem man gute Werke austeilt und verkauft. Einige vermessene Geister wollen da andern Leuten helfen, besonders solchen, die ohne eigene Gotteswerke leben oder sterben, gerade wie wenn sie zuviel gute Werke h\u00e4tten. Und S. Paulus sagt doch deutlich 1.Kor. 3,8: &#8222;Ein jeglicher wird Lohn empfangen nach seiner Arbeit&#8220;, also ohne Zweifel nicht nach eines andern Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re zu ertragen, wenn sie f\u00fcr andere Leute beteten oder ihre Werke als eine F\u00fcrbitte Gott vortr\u00fcgen. Da sie aber nun nicht anders damit umgehen, als wie wenn sie etwas herschenken k\u00f6nnten, ist&#8217;s ein sch\u00e4ndliches Beginnen. Und was noch das Aller\u00e4rgste ist: sie geben ihre Werke her, obgleich sie von ihnen selbst nicht wissen, wie sie vor Gott gelten. Denn Gott sieht nicht die Werke, sondern das Herz an und den Glauben, durch den er auch bei uns wirkt. Darauf geben sie gar nicht acht; sie bauen nur auf die \u00e4u\u00dferlichen Werke und verf\u00fchren sich selbst und jedermann damit. Sogar so weit dr\u00e4ngen sie sich vor, da\u00df sie die Leute bereden, M\u00f6nchskutten anzuziehen beim Sterben; sie geben vor, wer in solchem heiligen Kleid sterbe, habe Abla\u00df von allen S\u00fcnden und werde selig. So fangen sie an, die Leute nicht allein mit fremden Werken, sondern auch mit fremden Kleidern selig zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, sieht man nicht dazu, so wird sie der b\u00f6se Geist noch so weit f\u00fchren, da\u00df sie die Leute durch Klosterspeisung, -behausung und -begr\u00e4bnis zum Himmel f\u00fchren. Hilf Gott, was f\u00fcr mit den H\u00e4nden zu greifende Finsternisse sind mir das, wenn eine M\u00f6nchskutte rechtschaffen und selig machen kann! Was braucht man dann den Glauben? Lasset uns alle M\u00f6nche werden oder alle in Kutten sterben! Es d\u00fcrfte auf die Weise wohl Tuch draufgehen, allein zu M\u00f6nchskutten. H\u00fcte dich, h\u00fcte dich vor den W\u00f6lfen in solchen Schafskleidern; sie zerrei\u00dfen und verf\u00fchren dich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sei darauf bedacht, da\u00df Gott auch bei dir sein Werk treibe und da\u00df du deine Seligkeit nur auf die Werke, die Gott in dir allein wirkt, und auf keine anderen stellst, wie du hier die Jungfrau Maria tun siehst. Wenn du aber durch andrer F\u00fcrbitte dir dazu helfen l\u00e4\u00dft, so ist&#8217;s recht und wohlgetan; f\u00fcreinander sollen wir alle beten und etwas tun. Aber niemand soll ohne eigene gottgewirkte Werke auf andrer Werke sich verlassen, sondern jeder soll mit allem Flei\u00df sein Augenmerk auf sich und auf Gott richten, nicht anders, als wie wenn er und Gott allein im Himmel und auf Erden w\u00e4re und als ob Gott mit niemand als mit ihm zu schaffen h\u00e4tte; dann mag er auch auf die Werke andrer Leute sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweite, was Maria hierin lehrt, ist: Ein jeder soll der erste sein wollen in Gottes Lob und soll Gottes Werke, die in ihm geschehen sind, bekanntmachen und darnach auch Gott in den Werken andrer loben. So lesen wir Apg. 15,12, da\u00df Paulus und Barnabas den Aposteln ihre Gotteswerke verk\u00fcndigten und jene umgekehrt die ihrigen; ebenso machten sie&#8217;s Luk. 24,34 f. nach der Auferstehung Christi, als er ihnen erschienen war. Da hebt dann ein gemeinsames Sich-Freuen und Loben an, zu Gott emporsteigend, wo ein jeder des andern Gnade und doch die seine zuerst preist, auch wenn sie gleich geringer w\u00e4re als die des andern; er begehrt nicht der erste oder vorderste zu sein hinsichtlich der G\u00fcter, sondern im Loben und Lieben Gottes. Denn ihnen gen\u00fcgt an Gott und seiner blo\u00dfen G\u00fctigkeit, mag auch die Gabe gering sein. So gar fein einf\u00e4ltig ist ihr Herz. Die Eigenn\u00fctzigen und Selbsts\u00fcchtigen dagegen sehen krumm und scheel, wenn sie gewahr werden, da\u00df sie nicht die H\u00f6chsten und Besten sind hinsichtlich der G\u00fcter; anstatt zu loben murren sie, weil sie andern gleich oder geringer sind, wie die im Evangelium Mat. 20,11 f., die wider den Hausvater murrten, nicht weil er ihnen Unrecht tat, sondern weil er sie den andern gleichstellte mit dem Tagelohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So findet man zur Zeit viele, die Gottes G\u00fctigkeit nicht loben, weil sie sehen, da\u00df sie nicht ebensoviel haben wie S. Petrus oder sonst ein Heiliger oder wie dieser und jener auf Erden. Sie meinen, wenn sie auch so viel h\u00e4tten, wollten sie auch wohl Gott loben und lieben; sie achten es gering, da\u00df sie doch mit G\u00fctern Gottes \u00fcbersch\u00fcttet sind, die sie nicht erkennen, als da ist Leib, Leben, Vernunft, Gut, Ehre, Freunde, samt dem Dienste, den ihnen die Sonne tut mit allen Kreaturen. Und wenn sie gleich alle G\u00fcter Marias h\u00e4tten, w\u00fcrden sie doch darin nicht Gott erkennen und loben. Denn, wie Christus Luk 16,10 sagt, &#8222;wer im Geringen und Wenigen treu ist, der ist auch im Gro\u00dfen und Vielen getreu, und wer im Wenigen untreu ist, der ist auch im Vielen untreu.&#8220; Drum haben sie&#8217;s verdient, da\u00df ihnen das Viele und Gro\u00dfe nicht zuteil wird, weil sie das Kleine und Wenige verschm\u00e4hen; lobten sie aber Gott im Kleinen, so w\u00fcrde ihnen das Gro\u00dfe auch im \u00dcberflu\u00df zuteil. Das kommt daher: sie sehen \u00fcber sich und nicht unter sich. Wenn sie unter sich sehen w\u00fcrden, w\u00fcrden sie deren viele finden, die ihnen vielleicht nicht zur H\u00e4lfte gleich und doch wohl mit Gott zufrieden sind und die ihn loben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Vogel singt und ist fr\u00f6hlich in dem, was er kann, und murrt nicht, da\u00df er nicht reden kann. Ein Hund springt fr\u00f6hlich und ist zufrieden, obwohl er keine Vernunft hat. Alle Tiere lassen sich gen\u00fcgen und dienen Gott mit Lieben und Loben. Nur das b\u00f6se, eigenn\u00fctzige Auge des Menschen, das ist uners\u00e4ttlich. Und doch will es sich nicht recht schicken, da\u00df es satt werden k\u00f6nnte, weil es so undankbar und hochm\u00fctig ist; denn es will obenan sitzen und der Beste sein, will nicht Gott ehren, sondern von ihm geehrt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So lesen wir, da\u00df zur Zeit des Konstanzer Konzils zwei Kardin\u00e4le, die durchs Feld ritten, einen Hirten stehen und weinen sahen. Der eine Kardinal, ein g\u00fctiger Mann, wollte nicht vor\u00fcberreiten, sondern den Mann tr\u00f6sten; er ritt zu ihm hin und fragte ihn, was ihm w\u00e4re. Da weinte der Hirte sehr und wollte es lange nicht sagen, so da\u00df der Kardinal bek\u00fcmmert wurde. Zuletzt hob er an und zeigte auf eine Kr\u00f6te und sprach: &#8222;Dar\u00fcber weine ich, da\u00df mich Gott als eine so feine Kreatur geschaffen hat, nicht so ungestalt wie den Wurm, und da\u00df ich das nie erkannt und ihm nie Dank und Lob daf\u00fcr gesagt habe.&#8220; Der Kardinal schlug in sich und entsetzte sich \u00fcber das Wort, so da\u00df er vom Maultier fiel; man mu\u00dfte ihn hineintragen, und er schrie: &#8222;O Sankt Augustin, wie wahr hast du gesagt, die Ungelehrten stehen auf und nehmen den Himmel an unsrer Statt an, und wir mit unsrer Gelehrsamkeit wallen in Fleisch und Blut.&#8220; Nun halte ich daf\u00fcr, der Hirte sei weder reich noch h\u00fcbsch noch m\u00e4chtig gewesen; und dennoch hat er Gottes G\u00fcter so tief betrachtet und Dank daf\u00fcr gesagt, da\u00df er mehr in sich gefunden, als er hat \u00fcbersehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als das erste Werk Gottes in ihr bekennt Maria, es sei das &#8222;Ansehen&#8220;. Das ist auch das gr\u00f6\u00dfte, in dem die andern alle hangen und aus dem alle flie\u00dfen. Denn wo es dahin kommt, da\u00df Gott sein Angesicht jemand zuwendet, um ihn anzusehen, da ist lauter Gnade und Seligkeit, da m\u00fcssen alle Gaben und Werke nachfolgen. So lesen wir 1. Mo. 4,4 f., da\u00df Gott Abel und sein Opfer ansah; aber Kain und sein Opfer sah er nicht an. Daher kommen die h\u00e4ufigen Gebete im Psalter, Gott wolle sein Angesicht zu uns wenden, es nicht verbergen, es \u00fcber uns leuchten lassen und dergleichen. Da\u00df auch Maria selber das f\u00fcr das Gr\u00f6\u00dfte h\u00e4lt, zeigt sie damit, da\u00df sie spricht: &#8222;Siehe da, um dieses Ansehens willen werden mich selig sprechen Kindeskinder.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beachte die Worte! Sie sagt nicht, man werde ihr viel Gutes nachsagen, ihre Tugend preisen, ihre Jungfrauschaft oder ihre Demut erheben oder etwa ein Liedlein von ihrer Tat singen; sondern nur davon, da\u00df Gott sie angesehen hat, davon w\u00fcrde man sagen, sie sei selig. Das hei\u00dft doch, die Ehre Gott so rein geben, da\u00df es nicht reiner sein k\u00f6nnte. Drum weist sie auf dieses &#8222;Ansehen&#8220; hin, indem sie sagt: &#8222;Ecce enim, ex hoc &#8230;&#8220; &#8211;\u00a0&#8222;Siehe da, von nun an werden mich selig sprechen usw.&#8220;, d.h., &#8222;von der Zeit an, da Gott meine Nichtigkeit angesehen hat, werde ich selig gesprochen werden&#8220;. Damit wird nicht sie gelobt, sondern Gottes Gnade \u00fcber ihr; ja, sie wird sogar verachtet und macht sich selber ver\u00e4chtlich, indem sie sagt, ihre Nichtigkeit sei von Gott angesehen worden. Darum r\u00fchmt sie auch ihre Seligkeit, ehe sie die Werke erz\u00e4hlt, die Gott ihr getan habe, und schreibt alles ganz und gar dem zu, da\u00df Gott ihre Nichtigkeit ansah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus k\u00f6nnen wir lernen, welches die rechte Ehrung sei, mit der man Maria ehren und ihr dienen soll. Wie mu\u00df man sagen zu ihr? Sieh die Worte an, so lehren sie dich so sagen: &#8222;O du selige Jungfrau und Mutter Gottes, wie bist du so gar nichts, gering und verachtet gewesen, und Gott hat dich dennoch so \u00fcberaus gn\u00e4dig und reichlich angesehen und gro\u00dfe Dinge in dir gewirkt. Du bist ja keins davon wert gewesen, und weit und hoch \u00fcber all dein Verdienst hinaus ist die reiche, \u00fcberschwengliche Gnade Gottes in dir. Oh, wohl dir; selig bist du von der Stunde an bis in Ewigkeit, die du einen solchen Gott gefunden hast usw.&#8220; Du brauchst nicht zu denken, da\u00df sie das ungern h\u00f6re, wenn man sie solcher Gnade unw\u00fcrdig nennt. Denn sie hat ohne Zweifel nicht gelogen, wenn sie selber ihre Unw\u00fcrdigkeit und Nichtigkeit bekennt, welche Gott gar nicht wegen ihres Verdienstes, sondern aus lauter Gnade angesehen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unn\u00fctzen Schw\u00e4tzer h\u00f6rt sie ungern, die viel von ihrem Verdienst predigen und schreiben. Sie wollen damit ihr gro\u00dfes eigenes Wissen beweisen und sehen nicht, wie sie das Magnifikat ganz unterdr\u00fccken, die Mutter Gottes L\u00fcgen strafen und die Gnade Gottes verkleinern. Denn soviel W\u00fcrdigkeit und Verdienst man ihr zulegt, soviel tut man der g\u00f6ttlichen Gnade Abbruch und verkleinert des Magnifikats Wahrheit. Der Engel gr\u00fc\u00dft sie auch nur als von Gottes Gnaden und, da\u00df der Herr mit ihr sei, wovon sie gebenedeiet sei unter allen Weibern. Deshalb sind alle, die ihr soviel Lob und Ehre aufdr\u00e4ngen und all dies auf ihr ruhen lassen, nicht weit davon weg, da\u00df sie einen Abgott aus ihr machen, gerade als w\u00e4re es ihr darum zu tun, da\u00df man sie ehre und von ihr Gutes erwarte. Und sie weist es doch von sich und will Gott in sich gelobt wissen und durch sich jedermann zu guter Zuversicht auf Gottes Gnade bringen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sie darum recht ehren will, darf sie nicht allein vor sich hinstellen, sondern mu\u00df sie vor Gott hin und weit unter Gott stellen und sie da blo\u00dfmachen und ihre Nichtigkeit ansehen. Dann mag er sich wundern \u00fcber die \u00fcberschwengliche Gnade Gottes, der ein solch geringes, nichtiges Menschenkind so reich und gn\u00e4dig ansieht, umf\u00e4ngt und segnet. Von diesem Anblick sollst du also dazu bewegt werden, Gott zu lieben und zu loben ob solcher Gnade, und sollst dich dadurch reizen lassen, dich alles Guten zu versehen zu solchem Gott, der geringe, verachtete, nichtige Menschen so gn\u00e4dig ansieht und nicht verschm\u00e4ht. So soll dein Herz gegen Gott im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung gest\u00e4rkt werden. Was, meinst du, kann ihr Lieberes begegnen, als wenn du auf solche Weise durch sie zu Gott kommst und an ihr lernst auf Gott zu trauen und zu hoffen &#8211; auch wenn du verachtet und zu nichts gemacht wirst, worin das auch geschehen m\u00f6ge, im Leben oder Sterben? Sie will nicht, da\u00df du zu ihr, sondern da\u00df du durch sie zu Gott kommst. Auf der andern Seite sollst du dich f\u00fcrchten lernen vor allem hohen Wesen, nach dem die Menschen trachten, wenn du siehst, da\u00df Gott auch an seiner Mutter ein hohes Ansehen weder fand noch haben wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Meister, die uns die selige Jungfrau dergestalt malen und vor Augen bilden, da\u00df nichts Verachtetes, sondern lauter Gro\u00dfes, Hohes an ihr zu sehen ist, was tun sie anders, als da\u00df sie allein uns der Mutter Gottes und nicht sie Gott gegen\u00fcberstellen? Damit machen sie uns sch\u00fcchtern und verzagt und verdecken das tr\u00f6stliche Gnadenbild, wie man&#8217;s mit den Bildern in der Fastenzeit macht. Denn es ist dann kein Beispiel mehr da, dessen wir uns getr\u00f6sten k\u00f6nnen, sondern sie wird \u00fcber alle Beispiele hinausgehoben. Und doch sollte und wollte sie gerne das allervornehmste Beispiel der Gnade Gottes sein, um alle Welt anzureizen zur Zuversicht, zur Liebe und zum Lob der g\u00f6ttlichen Gnade gegen\u00fcber; alle Herzen sollten von ihr ein solches Vertrauen zu Gott gewinnen, da\u00df sie mit aller Zuversicht sprechen k\u00f6nnten: &#8222;Ei, du selige Jungfrau und Mutter Gottes, wie hat uns Gott an dir einen so gro\u00dfen Trost erzeigt, weil er deine Unw\u00fcrdigkeit und Nichtigkeit so gn\u00e4dig angesehen hat; dadurch sind wir auch f\u00fcr die Zukunft daran erinnert, da\u00df er uns arme, nichtige Menschen nach deinem Beispiel auch nicht verachten und gn\u00e4dig ansehen wird.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was meinst du? David, S. Petrus, S. Paulus, S. Maria Magdalena und ihresgleichen sind durch die gro\u00dfe Gnade, die ihnen, ohne da\u00df sie es wert waren, zu aller Menschen Trost gegeben worden ist, Beispiele, um die Zuversicht und den Glauben Gott gegen\u00fcber zu st\u00e4rken. W\u00e4re dann nicht auch die selige Mutter Gottes leicht und verdienterma\u00dfen ein solches Beispiel f\u00fcr alle Welt? Nun kann sie es nicht sein vor den \u00fcberfl\u00fcssigen Lobpredigern und den unn\u00fctzen Schw\u00e4tzern, die nicht auf Grund dieses Verses deutlich machen, wie in ihr der \u00fcberschwengliche Reichtum Gottes mit ihrer tiefen Armut, die g\u00f6ttliche Ehre mit ihrer Nichtigkeit, die g\u00f6ttliche W\u00fcrde mit ihrer Ver\u00e4chtlichkeit, die g\u00f6ttliche Gr\u00f6\u00dfe mit ihrer Kleinheit, die g\u00f6ttliche G\u00fcte mit ihrem Nichtverdienthaben, die g\u00f6ttliche Gnade mit ihrer Unw\u00fcrdigkeit zusammengekommen sind. Daraus w\u00fcrde Lust und Liebe zu Gott erwachsen in aller Zuversicht; zu diesem Zweck sind auch ihr und aller Heiligen Leben und Taten beschrieben worden. Aber nun trifft man wohl einige, die bei ihr wie bei einem Gott Hilfe und Trost suchen, da\u00df ich besorgt bin, es sei zur Zeit mehr Abg\u00f6tterei in der Welt, als je gewesen ist. Das sei f\u00fcr diesmal genug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das lateinische &#8222;omnes generationes&#8220; habe ich verdeutscht mit &#8222;Kindeskinder&#8220;, wiewohl es w\u00f6rtlich hei\u00dft &#8222;alle Geschlechter&#8220;. Das ist aber so dunkel geredet, da\u00df manche sich hier sehr bem\u00fcht haben, inwiefern es wahr sei, da\u00df &#8222;alle Geschlechter sie selig hei\u00dfen&#8220;, wo doch Juden, Heiden und viel b\u00f6se Christen sie l\u00e4stern oder wenigstens es doch ablehnen, sie selig zu hei\u00dfen; das kommt daher, da\u00df sie das W\u00f6rtlein &#8222;Geschlecht&#8220; von der Gesamtheit der Menschen verstehen.. Und es hei\u00dft hier doch mehr: die auf der nat\u00fcrlichen Geburt beruhende Gliederfolge, wie eins nach dem andern geboren wird: der Vater, der Sohn, des Sohnes Sohn, und ebenso jedes weitere Glied hei\u00dft ein Geschlecht. So meint die Jungfrau Maria nichts anderes als: ihr Preis werde auch so w\u00e4hren von einem Geschlecht zum andern, da\u00df es keine Zeit gebe, in der sie nicht gepriesen werde. Und das macht sie deutlich, indem sie sagt: &#8222;Siehe da, von nun an alle Geschlechter&#8220;; d.h. &#8222;jetzt hebt&#8217;s an und w\u00e4hrt bei allen Geschlechtern bis zu Kindeskindern.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das W\u00f6rtlein &#8222;makariusi&#8220; geht weiter als &#8222;selig sagen&#8220;; es hei\u00dft &#8222;seligen&#8220; oder &#8222;selig machen&#8220;. Es soll also nicht nur mit Sagen oder Worten geschehen oder mit Kniebeugen, mit Hauptneigen, mit Hutabnehmen, mit Bildermachen, mit Kirchenbauen &#8211; das tun ja auch die B\u00f6sen vortrefflich; sondern da braucht&#8217;s alle Kr\u00e4fte und Grundehrlichkeit. Das geschieht, wenn das Herz (wie oben gesagt) durch ihre Nichtigkeit und Gottes gn\u00e4diges Ansehen Freude und Lust durch sie zu Gott gewinnt und man mit ganzem Herzen sagt oder denkt: &#8222;O du selige Jungfrau Maria!&#8220; Solch ein &#8222;seligen&#8220; ist ihre rechte Ehrung, wie wir geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Denn er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan, der da m\u00e4chtig ist, und heilig ist sein Name<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier singt sie zusammenfassen von allen Werken, die Gott an ihr getan hat, und h\u00e4lt dabei eine gute Reihenfolge ein. Im vorigen Vers hat sie von Gottes Ansehen und gn\u00e4digem Willen \u00fcber sie gesungen, was auch, wie gesagt, das Gr\u00f6\u00dfte ist und das Hauptst\u00fcck aller Gnade; hier singt sie von Werken und Gaben. Denn Gott gibt wohl manchen viele G\u00fcter und stattet sie pr\u00e4chtig damit aus, wie Luzifer im Himmel; er wirft seine Gaben unter die gro\u00dfe Menge; aber darum sieht er sie noch nicht an. Die G\u00fcter sind nur Geschenke, die zeitlich w\u00e4hren, aber sein gn\u00e4diges Ansehen ist das Erbe, das ewig bleibt, wie S. Paulus sagt R\u00f6m. 6,23: &#8222;Die Gnade ist das ewige Leben!&#8220; In den G\u00fctern gibt er das Seine, im gn\u00e4digen Ansehen gibt er sich selbst; in den G\u00fctern empf\u00e4ngt man seine Hand, aber im gn\u00e4digen Ansehen empf\u00e4ngt man sein Herz, seinen Geist, seinen Sinn und Willen. Darum schreibt die selige Jungfrau das Gr\u00f6\u00dfte und Erste dem Ansehen zu. Sie sagt nicht zuerst: &#8222;Alle Kindeskinder werden mich selig preisen, da\u00df er an mir so gro\u00dfe Dinge getan hat&#8220;; davon spricht ja dieser Vers. Sondern sie sagt zuerst: &#8222;da\u00df er auf mich nichtige Person und auf meine Nichtigkeit gesehen hat&#8220;; davon redet der vorhergehende Vers. Wo ein gn\u00e4diger Wille ist, da sind auch Gaben; aber nicht ist umgekehrt auch schon ein gn\u00e4diger Wille da, wo die Gaben sind. Darum ist&#8217;s richtig, da\u00df dieser Vers dem vorhergehenden erst folgt. So lesen wir 1. Mo. 25,3 f., da\u00df Abraham den Kindern seiner Beiweiber oder Nebenfrauen Geschenke gab; aber Isaak, den rechten Sohn von der rechten Hausherrin Sara, gab er das ganze Erbe. So will Gott, da\u00df seine rechten Kinder nicht mit seinen G\u00fctern und Geschenken sich tr\u00f6sten, m\u00f6gen sie so gro\u00df und so viel sein, wie sie wollen, von geistlicher oder leiblicher Art; sondern mit seiner Gnade und ihm selber sollen sie sich tr\u00f6sten, ohne doch die Gaben zu verachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie z\u00e4hlt auch keine G\u00fcter im einzelnen auf, sondern mit einem Wort fa\u00dft sie diese alle zusammen, indem sie sagt: &#8222;Er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan&#8220;, d.h., &#8222;Es ist alles gro\u00df, was er an mir getan hat&#8220;. Dabei lehrt sie uns: Je gr\u00f6\u00dfer die Andacht im Geiste ist, desto weniger Worte macht sie. Denn sie f\u00fchlt, da\u00df sie es \u00fcberhaupt nicht mit Worten erreichen kann, wie sie es wohl gedenkt und gerne wollte. Darum sind diese wenigen Worte des Geistes immer so gro\u00df und tief, da\u00df sie niemand verstehen kann, als wer auch denselben Geist wenigstens zu einem Teil f\u00fchlt; denen ohne diesen Geist aber erscheinen solche Worte gar geringf\u00fcgig und ganz ohne Saft und Geschmack, w\u00e4hrend sie mit viel Worten und gro\u00dfem Geschrei ihre Dinge ausrichten. So lehrt auch Christus Mat. 6,7, da\u00df wir nicht viele Worte machen sollen, wenn wir beten; denn solches tun die Ungl\u00e4ubigen, die meinen, sie werden um vieler Worte willen erh\u00f6rt. In der Art ist auch jetzt in allen Kirchen viel L\u00e4uten, Musizieren, Singen, Schreien und Lesen, aber ich f\u00fcrchte, gar wenig Lob Gottes; denn er will im Geist und in der Wahrheit gelobt sein, wie er Joh. 4,24 sagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Salomo sagt Spr. 27,14: &#8222;Wer seinen N\u00e4chsten mit gro\u00dfem Geschrei lobt, und steht fr\u00fch dazu auf, der ist zu achten wie ein L\u00e4sterer&#8220;, denn er macht die Sache verd\u00e4chtig, da\u00df jedermann denkt, er wolle eine b\u00f6se Sache besch\u00f6nigen; damit, da\u00df er&#8217;s so hitzig betreibt, macht er die Sache nur \u00e4rger. Wer umgekehrt seinen N\u00e4chsten mit lauter Stimme l\u00e4stert und fr\u00fche dazu aufsteht (d.h. nicht faul ist, es mit gro\u00dfem, eifrigem Flei\u00df tut), ist einem Lobpreiser gleich zu achten. Denn man denkt, es sei nicht wahr, und er tue es aus Ha\u00df und b\u00f6sem Herzen; er macht damit seine eigene Sache \u00e4rger und die seines N\u00e4chsten besser. Ebenso ist es auch, wenn man Gott mit viel Worten, Schreien und Klingeln zu loben vermeint; da tut man, als w\u00e4re er taub oder w\u00fc\u00dfte nichts, als wollten wir ihn aufwecken und unterweisen. Ein solch falscher Wahn von Gott gereicht ihm mehr zur Schmach und Unehre als zum Lobe. Anders dagegen steht&#8217;s, wenn einer seine g\u00f6ttlichen Taten tief im Herzen wohl bedenkt und sie mit Verwunderung und Dank ansieht; da f\u00e4hrt es ihm vor Inbrunst heraus, und er seufzt mehr, als da\u00df er redet; da brechen die Worte von selbst im Flusse hervor, nicht ausgedacht und wohlgesetzt, so da\u00df gleichsam der Geist mit heraussprudelt und die Worte Leben, H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe haben, ja da\u00df zugleich der ganze Leib und alles Leben und alle Glieder gerne reden wollten. Das hei\u00dft dann Gott recht mit dem Geist und in der Wahrheit loben; da sind die Worte lauter Feuer, Licht und Leben, wie David Ps. 119,140 sagt: &#8222;Herr, das Reden von dir ist ganz feurig.&#8220; Ferner Ps. 119,171: &#8222;Meine Lippen sollen dir ein Lob hervorsprudeln&#8220;, gerade wie ein hei\u00dfes Wasser beim Sieden \u00fcberl\u00e4uft und sprudelt, weil es sich nicht mehr halten kann vor gro\u00dfer Hitze im Topf. Von der Art sind auch alle Worte dieser seligen Jungfrau in diesem Gesang: sie sind nur wenig, und doch tief und gro\u00df. Solche Menschen nennt S. Paulus R\u00f6m. 12,11: spiritu ferventes, &#8222;die geistlich br\u00fcnstig sind und sprudeln&#8220;, und er lehrt uns solcher Art zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;gro\u00dfen Dinge&#8220; sind nichts anderes, als da\u00df Maria Gottes Mutter geworden ist. In diesem Werk sind ihr so viele und gro\u00dfe G\u00fcter gegeben, da\u00df sie niemand begreifen kann; denn daraus kommt alle Ehre und alle Seligkeit, daraus kommt es, da\u00df sie innerhalb des ganzen Menschengeschlechtes eine einzigartige Person ist \u00fcber alle. Denn niemand ist ihr gleich, weil sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und zwar ein solches Kind hat. Und sie selber kann dem keinen Namen geben vor \u00fcberschwenglicher Gr\u00f6\u00dfe und mu\u00df es dabei bewenden lassen, da\u00df sie in ihrer Inbrunst losbricht und hervorsprudelt, es seien gro\u00dfe Dinge, die nicht mit Worten zu ersch\u00f6pfen noch zu ermessen seien. In einem Wort hat man darum alle ihre Ehre zusammengefa\u00dft: wenn man sie n\u00e4mlich &#8222;Gottes Mutter&#8220; nennt; es kann niemand Gr\u00f6\u00dferes von ihr noch zu ihr sagen, und wenn er gleich soviel Zungen h\u00e4tte, als es Laub und Gras, Sterne am Himmel und Sand am Meere gibt. Es will auch im Herzen bedacht sein, was das hei\u00dft, Gottes Mutter zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schreibt es auch ganz der Gnade Gottes, nicht ihrem Verdienst zu. Denn obgleich sie ohne S\u00fcnden gewesen ist, \u00fcbertrifft doch diese Gnade so sehr alles, da\u00df sie keineswegs dessen w\u00fcrdig gewesen ist. Wie sollte eine Kreatur w\u00fcrdig sein, Gottes Mutter zu sein? Zwar schwatzen manche Schriftsteller hier viel von Marias W\u00fcrdigkeit zu solcher Mutterschaft. Aber ich glaube ihr selber mehr als ihnen. Sie sagt, ihre Nichtigkeit sei angesehen worden, und Gott habe nicht ihren Dienst damit belohnt, sondern: &#8222;Er hat gro\u00dfe Dinge an mir getan. Von sich aus hat er&#8217;s getan, ohne einen Dienst von mir.&#8220;Denn sie hat ihr Lebetage nie daran gedacht, viel weniger sich dazu vorbereitet und ger\u00fcstet, da\u00df sie Gottes Mutter werden sollte. Es kam ihr diese Botschaft ganz unvorhergesehen, wie Lukas (1,29) schreibt. Ein Verdienst dagegen ist nicht unvorbereitet auf seinen Lohn, sondern sehr auf den Lohn bedacht und eingestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df man aber im &#8222;Regina coeli laetare etc&#8220; singt: &#8222;Den du hast verdient zu tragen &#8230;&#8220; und an anderer Stelle: &#8222;Den zu tragen du bist w\u00fcrdig gewesen usw.&#8220; beweist nichts. Singt man doch eben diese Worte auch vom heiligen Kreuz, das doch aus Holz war und nichts &#8222;verdienen&#8220; konnte. So ist dies auch zu verstehen: Sollte sie eine Mutter Gottes sein, mu\u00dfte sie ein Weib sein, eine Jungfrau, vom Geschlecht Juda, und der Botschaft des Engels glauben; denn sie mu\u00dfte dazu tauglich sein, wie die Schrift von ihr gesagt hat. Gerade wie das Holz sonst kein Verdienst und keine W\u00fcrdigkeit gehabt hat, als da\u00df es zum Kreuze tauglich und von Gott dazu bestimmt war, so hat sie keine W\u00fcrdigkeit zu dieser Mutterschaft gehabt, als da\u00df sie dazu tauglich und bestimmt gewesen ist. Denn es sollte durchaus lauter Gnade sein und nicht ein Lohn werden, auf da\u00df man Gottes Gnade, Lob und Ehre keinen Abbruch tue, indem man ihr zu viel zuschreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist besser, wenn Maria zuviel Abbruch getan wird als der Gnade Gottes, ja, man kann ihr nicht zuviel Abbruch tun, da sie doch aus nichts geschaffen ist wie alle Kreaturen. Aber Gottes Gnade hat man leicht zuviel Abbruch getan; das ist gef\u00e4hrlich, und damit tut man Maria keine Liebe an. Es bedarf auch wirklich eines Ma\u00dfes, da\u00df man es mit den Namen nicht zu weit treibe und sie eine Himmelsk\u00f6nigin nennt. Wohl ist das wahr; aber sie ist darum doch keine Abg\u00f6ttin, da\u00df sie etwas geben oder helfen k\u00f6nnte, wie manche meinen, die mehr zu ihr als zu Gott rufen und ihre Zuflucht nehmen. Sie gibt nichts, sondern allein Gott, wie es nun gleich im folgenden hei\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Der da m\u00e4chtig ist&#8220;. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit nimmt sie doch allen Kreaturen alle Macht und Kraft und gibt sie allein Gott. Oh, das ist eine gro\u00dfe K\u00fchnheit und ein gro\u00dfer Raub von einem solch jungen, kleinen M\u00e4gdlein: Es getraut sich, mit einem Wort alle Weisen zu Narren, alle Ber\u00fchmten zuschanden zu machen und allein dem einigen Gott alle Macht, Tat, Weisheit und Ruhm zuzuschreiben. Denn das W\u00f6rtlein &#8222;der da m\u00e4chtig ist&#8220; hei\u00dft soviel wie &#8222;Es ist niemand, der etwas tue, sondern Gott allein wirkt&#8220;, wie S. Paulus Eph. 1,11 sagt, alle Dinge in allen Dingen, und aller Kreaturen Werke sind Gottes Werke. In diesem Sinn sprechen auch wir im Glaubensbekenntnis: &#8222;Ich glaube an Gott Vater, den Allm\u00e4chtigen&#8220;. Allm\u00e4chtig ist er, so da\u00df in allen und durch alle und \u00fcber allen nichts wirkt als allein seine Macht. So singt auch Samuels Mutter, S. Hanna, 1. Sam. 2,9: &#8222;Es hat niemand Macht, etwas aus seinem Verm\u00f6gen zu tun.&#8220; Und S. Paulus sagt 2.Kor. 3,5: &#8222;Wir taugen nicht so viel, da\u00df wir etwas von uns selber denken k\u00f6nnten, sondern, wozu wir tauglich sind, das ist von Gott.&#8220; Dies ist ein gar hoher Artikel, der viel in sich schlie\u00dft; er streckt alle Hoffart und Vermessenheit, allen \u00dcbermut, Ruhm, falsches Vertrauen auf einmal zu Boden und erhebt nur Gott; ja, er zeigt den Grund an, warum Gott allein zu erheben ist: n\u00e4mlich weil er alle Dinge tut. Das ist leichthin gesagt, aber schwer zu glauben und im Leben anzuwenden. Denn Leute, die dies im Leben \u00fcben, sind gar friedliche, gelassene, schlichte Menschen; sie ma\u00dfen sich keine Sache an und wissen wohl, da\u00df sie nicht ihnen, sondern Gott geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist nun die Meinung der heiligen Gottesmutter in diesen Worten: &#8222;Es ist nichts mein bei allen diesen Dingen und gro\u00dfen G\u00fctern, sondern der, der allein alle Dinge tut und dessen Macht in allen allein wirkt, der hat an mir solch gro\u00dfe Dinge getan.&#8220; Denn das W\u00f6rtlein &#8222;m\u00e4chtig&#8220; soll hier nicht eine still ruhende Macht bedeuten, wie man von einem zeitlichen K\u00f6nige sagt, er sei m\u00e4chtig, auch wenn er still sitzt und nichts tut; sondern eine wirkende Macht und stetige T\u00e4tigkeit, die unabl\u00e4ssig im Schwange geht und wirkt. Denn Gott ruht nicht, sondern wirkt unabl\u00e4ssig, wie Christus sagt Joh. 5,17: &#8222;Mein Vater wirkt bis hieher, mehr zu tun, als wir bitten&#8220;, d.h. &#8222;er tut allezeit mehr als wir bitten; das ist seine Art, so tut es seine Macht&#8220;. Darum habe ich gesagt: Die Maria will keine Abg\u00f6ttin sein. Sie tut nichts: Gott tut alle Dinge. Anrufen soll man sie, da\u00df Gott um ihretwillen gebe und tue, was wir bitten: im gleichen Sinne sind auch alle anderen Heiligen anzurufen, damit das Werk immer ganz allein Gottes Sache bleibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum f\u00fcgt Maria noch etwas hinzu, indem sie sagt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;<strong>Und heilig ist sein Name.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft: &#8222;Wie ich mir das Werk nicht anma\u00dfe, so ma\u00dfe ich mir auch den Namen und die Ehre nicht an. Denn dem geb\u00fchrt allein die Ehre und der Name, der das Werk tut. Es ist unbillig, da\u00df ein anderer das Werk tue, und ein anderer den Namen davon hat und sich darum ehren l\u00e4\u00dft. Ich bin nur die Werkstatt, in der er wirkt; aber ich habe nichts zum Werke getan. Darum soll auch niemand mich loben oder mir die Ehre geben, da\u00df ich Gottes Mutter geworden bin, sondern Gott und sein Werk soll man an mir ehren und loben. Es ist genug, da\u00df man sich mit mir freut und mich selig preist, weil Gott mich gebraucht hat, diese seine Werke in mir zu tun.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieh, wie vollst\u00e4ndig f\u00fchrt sie alle Dinge auf Gott zur\u00fcck; wie ma\u00dft sie sich \u00fcberhaupt kein Werk, keine Ehre, keinen Ruhm an. Sie tut doch gerade wie vorher, als sie davon nichts hatte, fragt auch nicht mehr nach Ehre als vorher; sie br\u00fcstet sich nicht, \u00fcberhebt sich nicht, ruft&#8217;s nicht aus, da\u00df sie Gottes Mutter geworden ist, fordert keine Ehre, geht hin und schafft im Haus wie vorher, melkt die K\u00fche, kocht, sp\u00fclt Sch\u00fcsseln, kehrt und besch\u00e4ftigt sich, wie eine Hausmagd oder Hausmutter sich besch\u00e4ftigen soll, mit geringen, verachteten Werken, als g\u00e4be sie nichts auf solch \u00fcberschwengliche G\u00fcter und Gnaden. Man h\u00e4lt sie unter den andern Weibern und den Nachbarn f\u00fcr nichts H\u00f6heres als vorher; sie hat&#8217;s auch nicht begehrt, sondern ist eine arme B\u00fcrgerin geblieben unter dem Haufen der geringen Leute. Oh, was f\u00fcr ein einf\u00e4ltiges, reines Herz ist das, was f\u00fcr ein wunderbares Menschenkind ist das! Wie sind da so gro\u00dfe Dinge verborgen unter so geringer Gestalt! Wie viele sind mit ihr in Ber\u00fchrung gekommen, haben mit ihr geredet, gegessen und getrunken, die sie vielleicht verachtet und f\u00fcr eine gew\u00f6hnliche, arme, schlichte B\u00fcrgerin gehalten haben, w\u00e4hrend sie sich sonst vor ihr entsetzt h\u00e4tten, wenn sie solches von ihr gewu\u00dft h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft nun: &#8222;Sein Name ist heilig&#8220;. Denn &#8222;heilig&#8220; hei\u00dft, was abgesondert, Gott geh\u00f6rig ist, was man nicht ber\u00fchren und beflecken, sondern in Ehren halten soll. &#8222;Name&#8220; dagegen hei\u00dft ein guter Ruf, Ruhm Lob und Ehre. So soll jedermann sich fernhalten von dem Namen Gottes, soll ihn nicht antasten, sich ihn nicht aneignen. In diesem Sinne steht 2. Mo. 30,25 ff. mit sinnbildlicher Bedeutung, da\u00df auf Gottes Befehl von Mose eine kostbare heilige Salbe gemacht wurde und da\u00df das strenge Gebot erging, da\u00df kein Mensch seinen Leib damit salben d\u00fcrfe. Das bedeutet, da\u00df niemand sich Gottes Namen zuschreiben solle; denn das hei\u00dft Gottes Namen entheiligen, wenn wir uns r\u00fchmen oder ehren lassen oder an uns selber Wohlgefallen haben und uns wegen unserer Werke oder G\u00fcter r\u00fchmen, wie es die Welt macht, die Gottes Namen fortw\u00e4hrend entheiligt und entweiht. Nein, wie die Werke allein Gottes Sache sind, so soll auch ihm der Name allein bleiben, und alle, die so seinen Namen heiligen und sich der Ehre und des Ruhmes ent\u00e4u\u00dfern, die halten ihn recht in Ehren. Darum werden sie auch dadurch geheiligt, wie 2. Mo. 30,29 geschrieben steht, da\u00df die kostbare Salbe so heilig war, da\u00df sie alles heiligte, womit sie in Ber\u00fchrung kam, d.h., wenn Gottes Name von uns geheiligt ist und wir uns kein Werk, keinen Ruhm, kein eigen Wohlgefallen darin anma\u00dfen, so ist er recht geehrt. Dann kommt er mit uns in Ber\u00fchrung und heiligt uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum gilt&#8217;s hier wachsam zu sein, weil wir auf Erden nicht ohne Gottes G\u00fcter sein k\u00f6nnen und dadurch auch nicht ohne Namen und Ehre. Wenn uns jemand lobt und damit einen Namen verschafft, sollen wir hier das Beispiel der Mutter Gottes ergreifen und immer bereit sein, mit diesem Vers darauf zu antworten. Wir sollen von der Ehre und dem Lob einen rechten Gebrauch machen und offen sagen oder doch wenigstens im Herzen denken: &#8222;O Herr Gott, das Werk ist dein, das da gelobt und ger\u00fchmt wird, la\u00df auch den Namen dein sein. Nicht ich, Herr, sondern du hast dies getan, der du in deiner Macht alle Dinge tust, und heilig ist dein Name.&#8220; So soll man das Lob und die Ehre nicht verneinen, als w\u00e4re es unrecht, oder verachten, als w\u00e4re es nichts, sondern man soll es sich nicht anma\u00dfen, als w\u00e4re es ein allzu edles, k\u00f6stliches Ding, und soll es dem im Himmel heimbringen, dem es geh\u00f6rt. Sieh, das lehrt dieser vortreffliche Vers. Damit ist die Antwort gegeben, wenn jemand fragt, ob denn keiner den andern ehren soll. Ja, S. Paulus sagt, wir sollen uns darum eifrig bem\u00fchen, da\u00df ein jeder in der Ehrerbietung dem andern zuvorkomme, R\u00f6m. 12,10. Aber die Ehrung soll niemand annehmen, als w\u00e4re sie ihm widerfahren, oder auf sich ruhen lassen, sondern man soll sie heiligen und Gott heimbringen, dem sie geh\u00f6rt, samt allem Gut und Werk, aus dem die Ehre kommt. Denn niemand soll ein unehrbares Leben f\u00fchren. Soll er denn ehrbar leben, so mu\u00df Ehre dasein; aber wie das ehrbare Leben Gottes Gabe und Werk ist, so sei auch der Name allein sein Eigentum, heilig und unangetastet von eignem Wohlgefallen. Das bitten wir im Vaterunser: &#8222;Dein Name werde geheiligt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von einem Geschlecht zum andern bei denen, die ihn f\u00fcrchten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen uns an die Schrift gew\u00f6hnen, die unter &#8222;Geschlechtern&#8220; die Folge der nat\u00fcrlichen Erzeugung oder Geburt versteht, da\u00df n\u00e4mlich fort und fort ein Mensch vom andern geboren wird, wie schon oben gesagt worden ist. Darum ist das deutsche Wort &#8222;Geschlechter&#8220; nicht gen\u00fcgend; ich wei\u00df aber doch kein besseres. Denn &#8222;Geschlechter&#8220; hei\u00dfen wir die Sippschaften und zusammengeh\u00f6renden Blutsverwandtschaften. Dagegen hier soll es hei\u00dfen die nat\u00fcrliche Folge vom Vater zu Kindeskindern, so da\u00df jedes Glied dieser Folge ein &#8222;Geschlecht&#8220; hei\u00dft; so meine ich, wird es nicht \u00fcbel folgenderma\u00dfen verdeutscht sein: &#8222;Und seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Kind zu Kind bei denen, die ihn f\u00fcrchten.&#8220; Diese Redeweise ist sehr gebr\u00e4uchlich in der Schrift; sie hat ihren Ursprung in den Worten Gottes, die er auf dem Berg Sinai beim ersten Gebot zu Mose und allem Volk folgenderma\u00dfen sagt: &#8222;Ich bin dein Gott, stark und eifrig, der da straft die S\u00fcnde der V\u00e4ter bei den Kindern bis ins dritte und vierte Geschlecht bei denen, die mich hassen, und bin barmherzig in viel tausend Geschlechtern bei denen, die mich lieben und meine Gebote halten.&#8220; (2. Mo. 20,5 f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Maria jetzt von sich und den ihr eigenen Gottesg\u00fctern ausgesungen und Gott gelobt hat, spaziert sie nun durch alle Gotteswerke, die er insgemein bei allen Menschen wirkt, und singt ihm auch davon; sie lehrt uns die Werke, die Art, die Natur und den Willen Gottes recht erkennen. Es sind viel hochverst\u00e4ndige Menschen und Philosophen auch damit umgegangen; sie h\u00e4tten gerne gewu\u00dft, was doch Gott w\u00e4re, und haben viel von ihm geschrieben, einer so, der andere so; aber alle sind dar\u00fcber in Verblendung geraten und haben den rechten Blick nicht gewonnen. Und f\u00fcrwahr, das Gr\u00f6\u00dfte im Himmel und auf Erden &#8211; wenn es jemand zuteil werden kann &#8211; ist, da\u00df man Gott recht erkenne. Die Mutter Gottes lehrt es hier sehr gut, wenn einer sie verstehen will; es entspricht dem, was sie auch oben an und in ihr selber lehrt. Wie kann man Gott aber besser erkennen als aus seinen eigenen Werken? Wer seine Werke recht erkennt, der kann in der Erkenntnis seiner Natur, seines Willens, seines Herzens und Sinnes nicht fehlgehen. Darum ist&#8217;s eine Kunst, seine Werke zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und um es zusammenzufassen, so z\u00e4hlt Maria sechs g\u00f6ttliche Werke an sechserlei Menschen in diesen vier Versen (V. 50-53) nacheinander auf und teilt die Welt in zwei Teile; auf jeder Seite sind es drei Werke und dreierlei Menschen, und der eine Teil steht immer dem andern gegen\u00fcber. Da zeigt sie, was Gott auf beiden Seiten tut, und malt ihn so ab, da\u00df er nicht besser abgemalt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Einteilung ist in sch\u00f6ner Ordnung verfa\u00dft und an mehreren Stellen der Schrift begr\u00fcndet, namentlich Jer. 9,22 f., wo Gott folgenderma\u00dfen sagt: &#8222;Es poche kein weiser Mensch auf seine Weisheit; es poche kein Gewaltiger auf seine Gewalt; es poche kein Reicher auf seinen Reichtum. Sondern wer da pochen will, der poche darauf, da\u00df er mich erkenne und wisse, da\u00df ich ein Gott bin, der da Barmherzigkeit, Gericht und Gerechtigkeit auf Erden schafft. Solches gef\u00e4llt mir wohl, spricht Gott.&#8220; Das ist ein vortrefflicher Text und stimmt \u00fcberein mit diesem Gesang der Mutter Gottes. Hier sehen wir gleichfalls, da\u00df Gott alles, was die Welt hat, in drei St\u00fccke einteilt: in &#8222;Weisheit&#8220;, &#8222;Gewalt&#8220; und &#8222;Reichtum&#8220;, und da\u00df er das alles zerbricht damit, da\u00df er sagt, man solle nicht darauf pochen, denn da werde man ihn nicht finden, er habe auch kein Gefallen daran. Drei andere St\u00fccke stellt er dem gegen\u00fcber: &#8222;Barmherzigkeit&#8220;, &#8222;Gericht&#8220;, &#8222;Gerechtigkeit&#8220;. &#8222;Da bin ich&#8220; spricht er, &#8222;ja, ich schaffe solches alles; so nahe bin ich: ich schaffe es nicht im Himmel, sondern auf Erden; da findet man mich. Wer mich daraus erkennt, der kann auf solches wohl trotzen und pochen. Denn ist er nicht weise, sondern armen Geistes, so ist da meine Barmherzigkeit bei ihm; ist er nicht gewaltig, sondern unterdr\u00fcckt, so ist da mein Gericht und wird ihn erretten. Ist er nicht reich, sondern arm und bed\u00fcrftig, so ist bei ihm um so viel mehr von meiner Gerechtigkeit.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter &#8222;Weisheit&#8220; fa\u00dft er alles zusammen, was geistliche G\u00fcter und hohe Gaben sind, auf Grund deren ein Mensch ein Wohlgefallen, Ruhm und eine hohe Meinung haben kann, wie es der folgende Vers zeigen wird, zum Beispiel Verstand, Vernunft, Weisheit, K\u00f6nnen, Rechtschaffenheit, Tugend, gutes Leben; kurz, alles, was in der Seele ist, was man g\u00f6ttlich und geistlich nennt, so hohe Gaben es sein m\u00f6gen, ohne da\u00df es doch Gott selber ist. Unter &#8222;Gewalt&#8220; fa\u00dft er zusammen alle obrigkeitliche Stellung, adligen Rang, Freundschaft, W\u00fcrde und Ehre; dabei mag es sich handeln um Gewalt \u00fcber zeitliche oder geistliche G\u00fcter und Volk, samt allen Rechten, Freiheiten und Vorteilen usw., was darin enthalten sein mag. In der Schrift freilich gibt es keine &#8222;geistliche Obrigkeit oder Gewalt&#8220;, sondern nur Dienstbarkeit und Untert\u00e4nigkeit! Unter &#8222;Reichtum&#8220; ist zusammengefa\u00dft Gesundheit, sch\u00f6ne Gestalt, Lust, St\u00e4rke und alles, was dem Leib \u00e4u\u00dferlich Gutes begegnen mag. Im Gegensatz dazu stehen nun drei andere: die Geistesarmen, die Unterdr\u00fcckten und die leiblich Bed\u00fcrftigen. Nun wollen wir die sechs Werke und St\u00fccke der Reihe nach nacheinander ansehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon handelt dieser Vers:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seine Barmherzigkeit w\u00e4hrt von Kind zu Kind bei denen, die ihn f\u00fcrchten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maria f\u00e4ngt am H\u00f6chsten und Gr\u00f6\u00dften an, n\u00e4mlich an den geistlichen, inwendigen G\u00fctern; die machen ja die hoff\u00e4rtigsten, stolzesten, halsstarrigsten Leute auf Erden. Es ist kein reicher Mann, kein m\u00e4chtiger Herr so aufgeblasen und dreist wie ein solcher \u00dcberkluger; der f\u00fchlt sich und bildet sich ein, er habe recht, er verstehe die Sache wohl und sei weiser als andere Leute. Besonders wenn es ernst wird, da\u00df er nachgeben oder unrecht haben soll, da ist er so verwegen und ganz ohne alle Gottesfurcht, da\u00df er sich zu r\u00fchmen wagt, er k\u00f6nne nicht irren, Gott sei bei ihm, die andern seien des Teufels; und er wagt auf Gottes Gericht sich zu berufen. Kann er Befugnis und Gewalt dazu bekommen, so f\u00e4hrt er zu und setzt seinen Kopf durch; er verfolgt, verurteilt, l\u00e4stert, w\u00fcrgt, verjagt, verst\u00f6rt alle, die ihm widerstehn; und nachher sagt er dann, er habe es Gott zu Dienst und Ehren getan, und ist eines gro\u00dfen Dankes und Verdienstes vor Gott so sicher und gewi\u00df, da\u00df die Engel im Himmel kaum so gewi\u00df sind. Oh, was f\u00fcr eine gro\u00dfe Aufgeblasenheit ist das! Oh, wieviel handelt die Schrift von solchen Leuten, wie schrecklich droht sie ihnen; aber sie f\u00fchlen&#8217;s weniger, als der Ambo\u00df des Schmieds die Hammerschl\u00e4ge f\u00fchlt. Und in diesem St\u00fcck handelt es sich um eine gro\u00dfe, weitverbreitete Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von diesen Leuten sagt Christus Joh. 16,2: &#8222;Es wird die Zeit kommen, da die, die euch t\u00f6ten und verjagen, meinen werden, sie tun Gott einen gro\u00dfen Dienst.&#8220; Und Ps. 10,5 f. sagt von dem Haufen derselben Leute: &#8222;Er \u00fcberw\u00e4ltigt alle seine Widersacher und spricht: Es wird mir kein \u00dcbles begegnen&#8220;, als wollte er sagen: &#8222;Ich habe recht, ich tue wohl; Gott wird mir gro\u00dfen Lohn daf\u00fcr geben usw.&#8220;. Ein solches Volk war Moab, von dem Jer. 48,29 f. und Jes. 16,6 sagt: &#8222;Wir haben von Moab geh\u00f6rt, es ist \u00fcber die Ma\u00dfen hochm\u00fctig; sein Hochmut, seine Aufgeblasenheit, seine Vermessenheit, sein R\u00fchmen und sein Zorn ist gr\u00f6\u00dfer als seine Macht.&#8220; Demnach sehen wir, da\u00df solche Leute vor gro\u00dfem \u00dcbermut gerne mehr t\u00e4ten als sie verm\u00f6gen. Ein solches Volk waren die Juden Christus und den Aposteln gegen\u00fcber. Solche Leute waren die Freunde S. Hiobs, die \u00fcber die Ma\u00dfen weise gegen ihn redeten und Gott sehr hoch lobten und predigten. Solche Leute h\u00f6ren nicht, lassen sich nichts sagen; es ist nicht m\u00f6glich, da\u00df sie Unrecht haben oder nachgeben. Nur hindurch &#8211; und wenn die Welt dar\u00fcber ganz in Tr\u00fcmmer gehen sollte! Die Schrift kann einen solchen verlorenen Haufen nicht genug tadeln. Bald nennt sie ihn eine Schlange, die ihre Ohren zustopft, da\u00df sie nichts h\u00f6re (Ps. 58,5), bald ein unbezwingliches Einhorn (Ps. 22,22), bald einen w\u00fctenden L\u00f6wen (Ps. 7,3), bald einen gro\u00dfen, unbeweglichen Felsen (Jer. 5,3), bald einen Drachen (Ps. 74,13), und so fort noch vieles mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nirgends sind sie besser geschildert als Hiob 40,15 ff.; 41,1 ff.: Da nennt Gott diesen Haufen Behemoth. (Behema hei\u00dft &#8218;ein Tier&#8216;, Behemoth &#8218;ein Haufen Tiere&#8216;. Das sind also Leute, die den Verstand eines Tieres haben und nicht Gottes Geist in sich regieren lassen.) Da beschreibt ihn Gott: &#8222;Augen hat er wie die Morgenr\u00f6te&#8220; (Hiob 41,10); denn ihre Klugheit ist unbegrenzt. &#8222;Seine Haut ist so hart, da\u00df er einen Spott daraus macht, wenn man darauf schie\u00dft oder sticht&#8220; (Hiob 41, 18-21), d.h. wenn eine Predigt auf sie geht, verlachen sie es, denn ihr Recht soll man nicht tadeln k\u00f6nnen. Ferner (Hiob 41,7-9): &#8222;Eine Schuppe klebt an der andern, da\u00df kein L\u00fcftlein dazwischen geht&#8220;; denn sie halten untereinander zusammen, da\u00df kein Geist Gottes in sie hineinkommen kann. &#8222;Sein Herz&#8220;, spricht Gott (Hiob 41,16), &#8222;ist verh\u00e4rtet wie eines Schmiedes Ambo\u00df&#8220;. Es ist die Verk\u00f6rperung des Teufels; drum schreibt Gott auch solches alles dem Teufel zu an derselben Stelle. Ein solches Volk ist zu unserer Zeit vor allen andern der Papst mit seinem Haufen, und er ist&#8217;s schon seit langer Zeit gewesen. Die machen&#8217;s auch so, und jetzt mehr als jemals fr\u00fcher: Da gibt&#8217;s kein H\u00f6ren, kein Einlenken; da hilft kein Sagen, kein Raten, kein Bitten, kein Drohen, kurzum nichts mehr. Denn: &#8222;Wir haben recht, dabei bleibt&#8217;s, trotz jemand anders, und wenn&#8217;s die ganze Welt w\u00e4re!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun k\u00f6nnte aber jemand sagen: &#8222;Wie soll sich das zusammenreimen? Soll man die Wahrheit fahren lassen? Ist&#8217;s nicht ein Gebot, da\u00df man um des Rechts und der Wahrheit willen sterben soll? Haben nicht die heiligen M\u00e4rtyrer um des Evangeliums willen gelitten? Hat nicht auch Christus selber recht bekommen wollen? Es kommt jedenfalls vor, da\u00df solche Leute einmal offenkundig (und, wie sie es laut ausrufen, vor Gott) recht haben, gut und weise handeln!&#8220; Darauf antworte ich: Hier ist&#8217;s an der Zeit und n\u00f6tig, die Augen aufzutun; hier sitzt der eigentliche Knoten; da kommt&#8217;s ganz darauf an, da\u00df man \u00fcber das &#8222;Rechthaben&#8220; rechten Unterricht gebe. Es ist gewi\u00df wahr, um der Wahrheit und um des Rechtes willen soll man alles leiden und sie nicht verleugnen, mag es sich dabei um etwas so Geringf\u00fcgiges handeln, als es will. Es kann auch sein, da\u00df sie zuweilen recht haben. Aber darin liegt das Verderben, da\u00df sie ihr Recht nicht in rechter Art ausrichten, nicht in Furcht damit umgehen, nicht Gott sich vor Augen stellen; sie meinen, es sei genug, da\u00df es recht sei, und sie sollen und wollen in eigener Vollmacht weitermachen und so das Spiel hinausf\u00fchren: damit verwandeln sie ihr Recht in Unrecht, auch wenn es von Grund aus Recht w\u00e4re; viel gef\u00e4hrlicher aber ist&#8217;s, wenn es ihnen blo\u00df so vorkommt bei den hohen Sachen, die Gott und seine Rechte betreffen. Aber wir wollen zuerst von dem leichtverst\u00e4ndlichen, menschlichen Recht sprechen und ein leichtverst\u00e4ndliches, handgreifliches Beispiel anf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist&#8217;s nicht wahr, da\u00df Geld, Gut, Leib, Ehre, Weib, Kind und Freunde usw. auch gute Dinge sind, die Gott selber geschaffen und gegeben hat? Setze dann den Fall: Weil es Gottes Gaben sind und nicht dein Eigentum, wollte er dich versuchen, ob du auch imstande w\u00e4rest, sie um seinetwillen fahren zu lassen und mehr an ihm allein als an diesen seinen G\u00fctern zu h\u00e4ngen; er w\u00fcrde dir einen Feind zuschicken, der sie dir ganz oder teilweise n\u00e4hme und dir Schaden zuf\u00fcgte, oder du w\u00fcrdest durch Sterben und Verderben sonstwie drum kommen. Meinst du, da\u00df du da billigerweise einen Grund h\u00e4ttest, zu toben, zu w\u00fcten, mit Sturm und Gewalt sie wieder an dich zu bringen, oder ungeduldig zu sein, bis du sie wieder im Besitz h\u00e4ttest? Du w\u00fcrdest geltend machen, es seien gute Dinge und Gottes Gesch\u00f6pfe, die er selber gemacht habe, und die ganze Schrift nenne solche Dinge gut; darum wollest du Gottes Wort halten und dieses Gut mit Leib und Leben sch\u00fctzen und es wieder an Dich bringen, oder du wollest doch wenigstens nicht freiwillig entbehren noch geduldig sie fahren lassen. W\u00e4re das nicht ein feiner Schein? Wolltest du nun da richtig gut handeln, so darfst du nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen. Was dann? Du sollst Gott f\u00fcrchten und so sagen: &#8222;Nun, lieber Gott, es sind gute Dinge und deine G\u00fcter, wie dein eigen Wort, die Schrift, es sagt; aber ich wei\u00df nicht, ob du mir sie verg\u00f6nnen willst. Wenn ich w\u00fc\u00dfte, da\u00df ich&#8217;s nicht haben sollte, so wollte ich auch nicht ein Haar davon wieder an mich bringen. W\u00fc\u00dfte ich aber, da\u00df du sie lieber bei mir haben wolltest als bei jenem, so wollte ich dir darin zu Dienst und Willen sein und mit Einsatz von Gut und Blut sie wieder an mich bringen. Weil ich aber keine von beiden wei\u00df und die Tatsache sehe, da\u00df du sie mir im gegenw\u00e4rtigen Augenblick nehmen l\u00e4ssest, befehle ich dir die Sache. Ich will warten, was ich dabei tun soll, und bereit sein, sie zu haben und zu entbehren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sieh, das ist eine rechte Seele; die f\u00fcrchtet Gott, und bei ihr ist Barmherzigkeit, wie die Mutter Gottes hier singt. Daraus kann man ersehen, aus welchem Grund Abraham, David und das Volk Israel vorzeiten stritten und viele erw\u00fcrgten: Sie gingen hin nach Gottes Willen, standen in Furcht und stritten nicht um des Gutes willen, sondern weil es Gott von ihnen haben wollte. So erz\u00e4hlen es die Geschichtsb\u00fccher, und gew\u00f6hnlich weisen sie vorher den Befehl Gottes nach. Nun sieh, hier wird die Wahrheit nicht verleugnet: Die Wahrheit sagt, es seien gute Dinge und Gottes Gesch\u00f6pfe. Ja, eben dieselbe Wahrheit sagt auch und lehrt, du sollst solch gute Dinge fahren lassen und allst\u00fcndlich bereit sein, darauf zu verzichten, wenn Gott es haben will, und sollst allein an Gott hangen. Damit, da\u00df sie sagt, die G\u00fcter seien gut, dr\u00e4ngt dich die Wahrheit nicht, da\u00df du sie wieder an dich bringen sollst; sie dr\u00e4ngt dich auch nicht, da\u00df du sagen sollst, sie seien nicht gut. Vielmehr sollst du ihnen mit Gelassenheit gegen\u00fcberstehen und bekennen, da\u00df sie gut sind und nicht b\u00f6se.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geradeso mu\u00df man&#8217;s auch machen mit dem Recht und den mancherlei G\u00fctern der Vernunft oder Weisheit. Recht ist ein gutes Ding und eine Gabe Gottes; wer zweifelt daran? Gottes Wort sagt selbst (Ps. 37,28; 94,15), das Recht sei gut, und gewi\u00df soll nie jemand zugestehen, da\u00df seine gute oder rechte Sache unrecht oder b\u00f6se sei; eher soll er dr\u00fcber sterben und alles, was nicht Gott ist, fahrenlassen. Das hie\u00dfe ja, Gott und sein Wort verleugnen; denn er sagt, das Recht sei gut und nicht b\u00f6se. Wolltest du aber deshalb schreien, w\u00fcten, toben und alle Welt erw\u00fcrgen, wenn dir dieses Recht genommen oder unterdr\u00fcckt w\u00fcrde? (So machen es manche, die zum Himmel rufe, allen Jammer anrichten, Land und Leute verderben, mit Kriegen und Blutvergie\u00dfen die Welt erf\u00fcllen.) Was wei\u00dft du, ob Gott dir diese Gabe und dies Recht lassen will? Ist&#8217;s doch sein, und er kann dir&#8217;s nehmen heut und morgen, drau\u00dfen und drinnen, durch Feind und Freund und wie er will. Er versucht dich, ob du auch um seinetwillen aufs Recht verzichten, Unrecht bekommen und leiden, um seinetwillen die Schande tragen und an ihm allein hangen wollest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bist du nun gottesf\u00fcrchtig, dann denkst du: &#8222;Herr, es ist dein, ich will&#8217;s nicht haben, au\u00dfer ich wei\u00df, da\u00df du mir&#8217;s g\u00f6nnen willst; fahr hin, was fahren will, sei du nur mein Gott.&#8220; Sieh, dann tritt dieser Vers in Kraft: &#8222;Und seine Barmherzigkeit ist bei denen, die ihn f\u00fcrchten&#8220;, die nichts tun wollen ohne seinen Willen. Siehe, da ist Gottes Wort in beiden St\u00fccken gehalten: Erstens bekennst du, das Recht, deine Vernunft, deine Erkenntnis, deine Weisheit und deine ganze Absicht sei recht und gut, wie Gottes Wort selber davon redet (Ps. 26,1 ff. u.\u00f6.); zweitens entbehrst du solches Gut gerne um Gottes willen und l\u00e4ssest dich gerne wider alles Recht verderben und zuschanden werden vor der Welt, wie Gottes Wort auch lehrt (Mat. 5,10 f. u.\u00f6.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind zwei Dinge gut oder recht: Bekennen und Gewinnen. F\u00fcr dich gen\u00fcgt das Bekenntnis, da\u00df du das Gute und Rechte habest; kannst du nicht gewinnen, la\u00df es Gott befohlen sein: dir ist das Bekennen befohlen, Gott hat sich das Gewinnen vorbehalten. Will er, da\u00df du auch gewinnen sollst, so wird er das selber tun oder es dir, ohne da\u00df du daran gedacht hast, so vorlegen, da\u00df du es in die Hand nehmen und auf eine Weise gewinnen mu\u00dft, wie du es niemals gedacht und begehrt h\u00e4ttest. Will er es nicht, so la\u00df dir gen\u00fcgen an seiner Barmherzigkeit. Nimmt man dir den Sieg des Rechten, so kann man doch das Bekennen dir nicht nehmen. Sieh, so m\u00fcssen wir Abstand nehmen nicht von den G\u00fctern Gottes, sondern von dem b\u00f6sen, verkehrten Kleben an ihnen; wir m\u00fcssen sie mit Gelassenheit entbehren und gebrauchen k\u00f6nnen, da\u00df wir auf alle F\u00e4lle an Gott allein hangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oh, dieses Sachverhalten sollten sich alle F\u00fcrsten und Obrigkeiten bewu\u00dft sein, die sich nicht begn\u00fcgen mit dem Bekennen des Rechten, sondern auch unbedingt gewinnen und obliegen wollen ohne alle Gottesfurcht. Sie machen die Welt voll Bluts und Jammers und meinen, sie tun gut und recht daran, weil sie eine rechte Sache haben oder zu haben vermeinen. Was ist das anders als der stolze, \u00fcberm\u00fctige Moab, der sich selber dessen w\u00fcrdig macht und achtet, da\u00df er das edle, sch\u00f6ne Gottesgut und die Gottesgabe, das Recht, haben m\u00fc\u00dfte. Und dabei ist es, wenn er sich recht ans\u00e4he vor Gottes Augen, nicht w\u00fcrdig, da\u00df ihn die Erde tr\u00e4gt und er die Rinden vom Brot i\u00dft &#8211; um seiner S\u00fcnde willen. O Blindheit! O Blindheit! Wer ist auch nur einer kleinsten Sch\u00f6pfung Gottes w\u00fcrdig? Und sie wollen die h\u00f6chsten Sch\u00f6pfungen, das Recht, die Weisheit und ihre Ehre nicht blo\u00df haben, sondern auch mit W\u00fcten, Blutvergie\u00dfen und allem Unheil festhalten und herholen. Und dann gehen wir hin, beten, fasten, h\u00f6ren die Messe, stiften Kirchen mit einem solch blutigen, w\u00fctenden, rasenden Sinn, da\u00df es kein Wunder w\u00e4re, die Steine zerspr\u00e4ngen vor unsrem Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier legt sich eine Nebenfrage nahe: &#8222;Soll denn ein Herr sein Land und seine Leute nicht vor Unrecht sch\u00fctzen, sondern einfach stille halten und sich alles nehmen lassen? Was sollte daraus werden in der Welt?&#8220; Dazu will ich jetzt meine Meinung aufs k\u00fcrzeste sagen. Weltliche Gewalt ist schuldig, ihre Untertanen zu sch\u00fctzen, wie ich schon oft gesagt habe. Denn darum tr\u00e4gt sie das Schwert, um die, die sich dieser g\u00f6ttlichen Lehre nicht zuwenden, in der Furcht zu erhalten, damit sie die andern in Frieden und Ruhe lassen. Auch sucht sie darin nicht ihren eigenen Vorteil, sondern des N\u00e4chsten Nutzen und Gottes Ehre; sie w\u00e4re wohl gerne auch stille und lie\u00dfe ihr Schwert liegen, wenn Gott dies nicht verordnet h\u00e4tte, um den B\u00f6sen zu steuern. Doch darf dieses Sch\u00fctzen nicht so vonstatten gehen, da\u00df ein viel gr\u00f6\u00dferer Schaden dabei entsteht und ein L\u00f6ffel aufgehoben wird, w\u00e4hrend man eine Sch\u00fcssel zertritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lobgesang der Maria (Magnificat) 1520 \u2013 Teil II Davon sagt Jeremia (9,22 f.): &#8222;Niemand r\u00fchme sich seiner St\u00e4rke, seines Reichtums oder seiner Weisheit, sondern, wer sich r\u00fchmen will, der r\u00fchme sich, da\u00df er mich erkennt und wei\u00df&#8220;, wie auch S. Paulus lehrt 2.Kor. 10,17: &#8222;Wer sich r\u00fchmt, der r\u00fchme sich Gottes.&#8220;\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2451"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2451"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2451\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3062,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2451\/revisions\/3062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}