{"id":2364,"date":"2004-12-08T10:33:41","date_gmt":"2004-12-08T08:33:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2364"},"modified":"2009-09-07T17:18:20","modified_gmt":"2009-09-07T15:18:20","slug":"der-gewollte-kulturbruch-%e2%80%93-ideologie-und-strategie-der-schwulenbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2364","title":{"rendered":"Der gewollte Kulturbruch \u2013 Ideologie und Strategie der Schwulenbewegung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der gewollte Kulturbruch \u2013 Ideologie und Strategie<br \/>\nder Schwulenbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00fcberrumpelte Gesellschaft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Februar 2001 bekannte sich der Badische Landesbischof Dr. Ulrich Fischer zu einer Kritik an der aufgezwungenen Debatte \u00fcber Homosexualit\u00e4t.[1] Er mahnte: \u201eWir d\u00fcrfen uns als Kirche nicht von der Schwulenbewegung instrumentalisieren lassen.\u201c Schon Monate vor dem Beschlu\u00df des Bundestags zum \u201eLebenspartnerschaftsgesetz\u201c zog er Bilanz: Die Aufmerksamkeit f\u00fcr die Frage, wie die Kirche zu homosexuellen Partnerschaften stehe, sei \u201eunverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig\u201c. Faktisch werde die Kirche von den Schwulen- und Lesbengruppen f\u00fcr die Propagierung ihrer Lebensweisen (\u201eLebensformen\u201c) instrumentalisiert. Die Mi\u00dfachtung von Ehe und Familie in unserer Gesellschaft f\u00e4nden demgegen\u00fcber weit weniger Beachtung.<!--more-->\u00a0Tats\u00e4chlich gleicht die machtvolle politische und publizistische Einflu\u00dfnahme der internationalen Schwulenbewegung einer \u201eErfolgsstory\u201c. Noel Mosen aus Neuseeland, ein langj\u00e4hriger Insider und internationaler Aktivist der Schwulenbewegung, der sich inzwischen aus dieser gel\u00f6st hat, wei\u00df, wovon er spricht. Er stellte bei seinem Deutschland-Besuch im Oktober 1994 fest. \u201eDie politisch-emanzipatorische Schwulen-Bewegung (Gay Liberation Movement) ist ihren Kinderschuhen seit den Stonewall-Unruhen vom Juni 1969 l\u00e4ngst entwachsen. Aus einer Gruppe von zornigen M\u00e4nnern &#8230; ist in den letzten 25 Jahren eine gut organisierte, leidenschaftliche und sich in der \u00d6ffentlichkeit hervorragend darstellende politische Bewegung unserer Zeit geworden. Es gibt nur wenige politische Bewegungen, die sich \u00e4hnlich schnell entwickelt haben. Die politisch-emanzipatorische Schwulen-Bewegung wird heute unterst\u00fctzt von einflu\u00dfreichen Rechtsanw\u00e4lten, Psychologen und Gesch\u00e4ftsleuten. Nur wenige Politiker wagen es, sich ihr \u00f6ffentlich entgegenzustellen. Es ist ihr gelungen, die schwulen Rechte als Menschenrechtsprobleme darzustellen und in der ganzen Welt Gesetze, politische Grunds\u00e4tze und sogar Politiker zu beeinflussen.[2]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Altlast und Eigendynamik verweigerter Hilfeleistung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teile der evangelischen Kirche scheinen besonders anf\u00e4llig zu sein. Hierbei wirkt ein Gewissensurteil nach, das zun\u00e4chst gute Gr\u00fcnde f\u00fcr sich hat: in der Vergangenheit ist die Kirche oft genug durch Unkenntnis und Unverst\u00e4ndnis, durch Gleichg\u00fcltigkeit oder \u00dcberheblichkeit an der Ablehnung von Menschen schuldig geworden, die zutiefst pers\u00f6nliche Zuwendung brauchten. Eine ehrliche und selbstkritische Haltung ist unter Christen durchaus angebracht. Allerdings sind heute viele dabei, genau \u201eauf der anderen Seite vom Pferd zu fallen\u201c: sie liefern sich, gleichsam stellvertretend f\u00fcr fr\u00fchere Generationen, blind einem kollektiven schlechten Gewissen aus. Damit machen sie sich erpre\u00dfbar f\u00fcr ganz neue Irrwege des Denkens und Handelns. Die eigentliche Aufgabe hingegen, die sich f\u00fcr die Kirche und insbesondere f\u00fcr die in der Seelsorge t\u00e4tigen Mitarbeiter stellt, wird kaum erkannt. Sie besteht darin, theologische und humanwissenschaftliche Einsichten miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen und alle soliden Bem\u00fchungen zu unterst\u00fctzen und zu st\u00e4rken, mit denen seelsorgerlich qualifizierte Hilfe angeboten wird. Heute aber ist die historische Paradoxie komplett: immer noch scheinen wir als Kirche aus den pastoralen Vers\u00e4umnissen der Vergangenheit nicht ernsthaft gelernt zu haben. Stattdessen werden wir auf neue Weise schuldig, weil wir den historisch-kulturellen Kontext unserer heutigen, nunmehr neuen Situation nicht klar genug sehen.[3]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von wissenschaftlichen Bem\u00fchungen und humanit\u00e4ren Interessen zu einer ideologischen Bewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Viele Menschen, soweit sie sich \u00fcberhaupt f\u00fcr die N\u00f6te Betroffener interessieren, leben in der Vorstellung, die heutige Lesben- und Schwulenbewegung vertrete noch immer legitime wissenschaftliche und humanit\u00e4re Anliegen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Annahme ist eine T\u00e4uschung. Sie \u00fcbersieht Entwicklungen, die sich, ausgehend von den USA, im 20. Jahrhundert vollzogen haben. Es sind Vorg\u00e4nge, die auch Deutschland vor neue, bislang unbekannte sozial\u00adethische, politische und therapeutisch-pastorale Herausforderungen stellen. Dies gilt auch f\u00fcr die Kirchen. Im Zeichen des Aufbruchs medizinischer Forschung im 19. Jahrhundert waren die Begr\u00fcnder der modernen wissenschaftlichen Forschung zur Homosexualit\u00e4t daran interessiert, zu einem vertieften, meist medizinischen Verst\u00e4ndnis homosexueller Gef\u00fchlswelten und Verhaltensweisen zu kommen. Von daher ging es ihnen auch darum, gesellschaftliche Vorurteile und pers\u00f6nliche Diskriminierungen abzubauen. Zusammen mit anderen Betroffenen und wissenschaftlich interessierten Gespr\u00e4chspartnern gr\u00fcndete der Berliner Arzt Dr. Magnus Hirschfeld im Mai 1897 das \u201eWissenschaftlich humanit\u00e4re Komitee\u201c (WhK) mit dem Ziel, politisch aktiv zu werden. Man wollte die Streichung von entsprechenden Strafbestimmungen im Strafgesetzbuch erreichen und gegen \u201edie gesetzliche und gesellschaftliche \u00c4chtung Homosexueller\u201c angehen.[4] Durch die NS-Herrschaft wurden in Deutschland die verschiedenen wissenschaftlichen Diskussionsans\u00e4tze und die publizistischen Versuche der Homosexuellenbewegung, sich in der breiten \u00d6ffentlichkeit Aufmerksamkeit und Ansehen zu erwerben, schlagartig und brutal unterbunden. Im internationalen Bereich hingegen vernetzten sich die Beziehungen Betroffener durch wachsende Initiativen in der Schweiz, in den Niederlanden, in Skandinavien, in England und in den USA. Allen diesen Entwicklungen und Gruppierungen haftete dabei noch der Charakter von exotischen, ggf. k\u00fcnstlerischen Sondergruppen an, die eher speziellen, sehr pers\u00f6nlichen Interessen verpflichtet waren. Dies sollte sich erst Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre in den USA \u00e4ndern. In diesen Jahren entwickelten sich in den USA die bekannten politischen Bewegungen. Im Kampf um die B\u00fcrgerrechte der Schwarzen, gegen den Vietnamkrieg und f\u00fcr Rechte der amerikanischen Frauenbewegung wurden neue Methoden des Protests und der politischen Einflu\u00dfnahme einge\u00fcbt. Unter diesem Eindruck mutierte die Homosexuellenbewegung zur \u201eGay Liberation Movement\u201c, zur \u201eSchwulen Befreiungsbewegung\u201c. Fortan ging es nicht mehr um ein vertieftes wissenschaftliches Bem\u00fchen zum Verstehen von Homosexualit\u00e4t und nicht mehr nur um \u00dcberwindung von pers\u00f6nlicher Diskriminierung oder Verst\u00e4ndnislosigkeit in der Gesellschaft. Nunmehr sollte es vielmehr darum gehen, mit Mitteln der Macht f\u00fcr die eigene erotisch-sexuelle Interessenlage und f\u00fcr eine radikale Ver\u00e4nderung der Gesellschaft zu k\u00e4mpfen.[5] In dieser ver\u00e4nderten Gesellschaft sollten homosexuelle Lebensstile gleichwertig neben allen anderen M\u00f6glichkeiten des Lebens stehen. Geplant ist seither die konsequente Beseitigung der gesellschaftlichen Normvorstellung, da\u00df Mann und Frau in ihrer Geschlechtlichkeit einander zugeordnet sind. An die Stelle des Grundmusters von den zwei Geschlechtern soll jetzt im gesellschaftlichen Zusammenleben ein individualistisches Lebenskonzept treten. Hier kann und soll schlie\u00dflich jeder selber dar\u00fcber entscheiden, welche sexuelle Identit\u00e4t er sich \u201ew\u00e4hlt.[6] Wie weit die Einflu\u00dfnahme der Schwulenbewegung im Bereich der P\u00e4dagogik bereits reicht, l\u00e4\u00dft sich u.a. anhand eines GEW-Dokuments erkennen, das im September 2001 vom Vorstand der GEW verabschiedet wurde. Unter dem Titel \u201eLesben und Schwule in der Schule \u2013 respektiert!? Ignoriert?!\u201c hat die GEW eine Brosch\u00fcre publiziert, in der sie eine \u201eSynopse der GEW-Befragung der Kultusministerien\u201c vorstellt. Dieser Bericht zeigt, da\u00df der Vorstand der GEW sich vollst\u00e4ndig auf den ethischen und p\u00e4dagogischen Paradigmenwechsel der Schwulen und Lesben-Bewegung hat eichen lassen. Die Antworten auf die Fragen an die Kultusministerien werden daran gemessen und einseitig danach beurteilt, in wieweit sie den Paradigmenwechsel, der bei der GEW als fortschrittlich und zukunftsweisend gilt, bejahen und de facto mitvollziehen oder \u201enoch\u201c nicht&#8230;!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf dem Weg zum sozialethischen und anthropologischen Paradigmenwechsel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Pathos einer politischen Befreiungsbewegung wird somit heute weltweit und besonders im Bereich der westlichen Zivilisation strategisch daran gearbeitet, alle sexuellen Lebensweisen als ethisch gleichwertig zu betrachten. Dies sei auch in der P\u00e4dagogik als gleichrangige Zielvorstellung und Lebensoption anzusehen. Praktizierte Homosexualit\u00e4t soll also neben hetero-erotischen Beziehungen a priori als einzuforderndes \u201eMenschenrecht\u201c geltend gemacht werden. Dies sei politisch und juristisch mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln durchzusetzen. In der bisherigen gesellschaftlichen Grundorientierung waren Individualit\u00e4t und Sozialit\u00e4t, Menschsein und Mitmenschlichkeit unl\u00f6sbar miteinander verbunden. Jetzt aber geht es um die konsequente Propagierung eines uneingeschr\u00e4nkten Individualismus. Nicht mehr die Zuordnung von Frau und Mann soll gesellschaftlich die normative Orientierung bestimmen, sondern die jeweilige sexuelle Interessenlage einzelner Personen. Nicht mehr das Miteinander von \u201eEhe und Familie\u201c als ganzheitliche Orientierungsgr\u00f6\u00dfe im nat\u00fcrlichen soziologischen Lebenszusammenhang soll die ethische Zielvorstellung f\u00fcr die Gesellschaft sein, sondern eine Vielzahl von sogenannten \u201eLebensformen\u201c, die sich im freien Spiel der Kr\u00e4fte und der Individualismen (man k\u00f6nnte auch sagen: Egoismen) entwickeln k\u00f6nnen und sich gleichsam mit Geschick und Geld durchsetzen sollen. Diese Zielsetzung wird von den Vertretern des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) mit politischer Macht und Strategie in den Massenmedien, im Bundestag und auf allen Ebenen des Lebens \u2013 selbst mit der Unterst\u00fctzung des Bundesverfassungsgerichts \u2013 durchgesetzt. Nicht wenige Zeitgenossen sind gutwillige Idealisten und finden das alles sch\u00f6n und tolerant und bunt und offen; sie wollen eine Welt, in der man \u201eden Menschen nicht vorschreiben\u201c darf, \u201ewie sie leben sollen\u201c. Vertreter der Schwulenbewegung hingegen werden sehr intolerant, wenn sie auf Menschen mit gegenteiliger Programmatik treffen. Sie sehen sich selbst als Tr\u00e4ger des \u201egro\u00dfen Fortschritts. Fr\u00fchere Generationen h\u00e4tten dieses Konzept vermutlich auf Anhieb als ein Programm f\u00fcr den langfristig angelegten Selbstmord unserer Gesellschaft erkannt. Heute aber im Zeichen eines verbreiteten Individualismus, einer zukunftsvergessenen Gegenwartsgier und von (noch) verf\u00fcgbaren materiellen Ressourcen sowie eines augenf\u00e4lligen Verlusts des Gotteshorizonts \u2013 erscheint dieses Programm als Ausdruck von \u201eFreiheit\u201c, von \u201eToleranz\u201c und von \u201eLebensfreude\u201c. In Wahrheit ist es \u2013 demographisch bereits klar erkennbar \u2013 nur Teil einer sich abzeichnenden \u201eZivilisation des Todes\u201c. Hier wird ein radikaler Paradigmenwechsel im Menschenbild propagiert und durchgesetzt. Die Folgen f\u00fcr Freiheit und Demokratie sind noch kaum absehbar. Wie aber, so fragt man sich, konnte es dazu kommen, da\u00df dies alles im politischen und kirchlichen Bewu\u00dftsein bisher kaum angemessen registriert wurde? Wie ist es m\u00f6glich, da\u00df auch die \u00f6ffentlichen Medien in dieser Hinsicht \u2013 entgegen ihrem oft demonstrativen Selbstverst\u00e4ndnis \u2013 weithin keine wache, kritische Funktion \u00fcbernommen haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Demagogische Sprachf\u00e4lschung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist schon ein ganz besonderes Ph\u00e4nomen: in nur 15 Jahren hat sich &#8211; zumindest in der ver\u00f6ffentlichten Meinung &#8211; ein vager Stimmungsumschwung und emotionaler Wertewandel zugunsten der Schwulen- und Lesben-Option vollzogen, der nachdenklich macht. Verst\u00e4ndlich wird dieser emotionale Umbruch erst, wenn wir das Augenmerk auf ein spezielles kulturelles Ph\u00e4nomen richten, das im Prinzip nicht neu ist: das Mittel demagogischer Sprachf\u00e4lschung. Mit K\u00f6nnerschaft hat die Schwulen- und Lesbenbewegung in diesem Zeitraum bei fast allen Medien und dadurch im Denken von Millionen von Menschen Begriffe und Schlagworte implementiert, die das kritische ethische Urteilsverm\u00f6gen desorientiert, verunsichert, verwirrt, benebelt und manipuliert haben, ohne da\u00df sie selbst sich dessen bewusst geworden sind. An einer wirklich kritischen Wahrnehmung dieses Sachverhalts hat es nahezu \u00fcberall, bei Journalisten, Germanisten, Kirchenf\u00fchrern und erst recht bei vielen B\u00fcrgern gefehlt. Dagegen wendet der fr\u00fchere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof ein: \u201eWem die Mehrheit zur Verfassungs\u00e4nderung fehlt, darf nicht die Herrschaft \u00fcber die Verfassungssprache gewinnen, um durch Sprachf\u00e4lschung den Gegenstand seiner Rechtsinterpretation zu ver\u00e4ndern.\u201c[7]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kulturbruch durch sprachliche Irref\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In allen Kulturen ist menschliche Sprache Tr\u00e4gerin von Wert- und Norm\u00advorstellungen. Sie sind f\u00fcr das Gelingen oder Misslingen des Zusammenlebens grundlegend. Zum wirksamsten Mittel von Kultur-Zerst\u00f6rung hingegen geh\u00f6rt eine willk\u00fcrliche Umpr\u00e4gung der gewachsenen Sprache und vertrauter Sprachbilder. Dies geschieht dort, wo sie verzerrt oder abrupt mit anderen Inhalten gef\u00fcllt werden. Die Folge sind nicht nur spontane, zeitlich begrenzte Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse. Ein neuer, willk\u00fcrlicher Sprachgebrauch und erst recht eine mehrdeutige Sprache f\u00fchren vielmehr auf breiter Ebene zur Verwirrung bis hin zu tiefem \u2013 auch emotional geladenem \u2013 Un-Verst\u00e4ndnis. Ohne eine Offenlegung und Entlarvung von eventuell unlauteren, doppelb\u00f6digen Sprachbildern kommt es unweigerlich zu gesellschaftlichen, kulturellen und kulturkampf\u00e4hnlichen Spannungen. Positiv gesagt: nur mit Klarstellungen in der Sprache sind Krisen zu meistern. Dies wird sich heute auch die Evangelische Kirche klarmachen m\u00fcssen, wenn sie aus den erkennbaren innerkirchlichen Polarisierungen herausfinden will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Glossar sprachlicher Irref\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den dominierenden Schlagworten der letzten zehn Jahre, mit denen die Schwulen\u00adbewegung die Diskussion bestreitet und bestimmt, geh\u00f6rt rund ein Dutzend Begriffe, die im folgenden n\u00e4her betrachtet werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Diskriminierung<\/strong>\u201c meint die pers\u00f6nliche Herabsetzung, Herabw\u00fcrdigung und unterschiedliche Behandlung im Vergleich zu anderen Individuen. Verwehrt werden soll urspr\u00fcnglich also die Mi\u00dfachtung einzelner Personen oder Personengruppen. Heute hingegen wird der Begriff von der Schwulenbewegung als politischer Kampfbegriff benutzt, um ethisch berechtigte Sachkritik abzuwehren, um die angeblich moralische Gleichwertigkeit und eine kritiklose Bejahung aller Lebensweisen einfordern zu k\u00f6nnen und schlie\u00dflich: um sich selbst das Image der \u201eNicht-Diskriminierer\u201c zu sichern. Die Wahrheit sieht anders aus: Diskriminiert sind inzwischen diejenigen Menschen, die sich kritisch zu diesen Vorg\u00e4ngen \u00e4u\u00dfern und sich ihnen entgegenstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Toleranz<\/strong>\u201c: ein kostbarer Begriff, der mi\u00dfverstanden, ausgeh\u00f6hlt und mi\u00dfbraucht wird, wenn er zum Inbegriff der Gleichg\u00fcltigkeit oder des ethischen und p\u00e4dagogischen Laissez-faire wird. Die Technik macht es klar: Toleranz ist ein \u201eSpielraum\u201c innerhalb von klaren Grenzen, d.h. ein zul\u00e4ssiges Abweichma\u00df von der vorgeschriebenen Ma\u00dfgr\u00f6\u00dfe. Grundlage ist daher immer noch die Norm, die keine grenzenlose Abnormit\u00e4t zul\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eEin Paar\u201c<\/strong> zu sein (oder zu werden), macht zwei Menschen gl\u00fccklich. Allerdings geht es hier nicht um Sachwerte wie etwa um ein \u201ePaar Schn\u00fcrsenkel\u201c oder ein \u201ePaar Socken\u201c, sondern &#8211; sozial und kulturgeschichtlich eindeutig &#8211; um das Miteinander von Mann und Frau. Das Stichwort vom eingeschlechtlichen \u201ePaar\u201c unterstellt schon im Ansatz eine angebliche Analogie zum Begriff \u201eEhepaar\u201c \u2013 was der Verkehrung der realen Sachverhalte gleichkommt. Homophile Freunde sind Freunde, aber noch l\u00e4ngst kein \u201eEhe-Paar\u201c \u2013 sowenig wie zwei rechte Schuhe noch kein rechtes Paar Schuhe ergeben. Die Verdrehung liegt in der Halbwahrheit einer \u201eZweiheit\u201c und in der gleichzeitigen Ausblendung der Tatsache, da\u00df Mann und Frau verschieden sind. Nur durch die \u201ePaarung\u201c von Mann und Frau kommt es zu jener biologisch-kulturellen Zukunftssicherung, die alle Generationen \u00fcbergreift und in der die Geschichte Gottes mit den Menschen weitergehen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eGleichgeschlechtliche Orientierung\u201c<\/strong> w\u00e4re im gedanklichen Ansatz ein guter und einigerma\u00dfen neutraler Begriff f\u00fcr eine ausgepr\u00e4gte, stark emotionale Neigung zum eigenen, gleichen Geschlecht, wenn er nicht von Vertretern der Schwulenbewegung heute so verwendet w\u00fcrde, als seien dies ein unab\u00e4nderliches Schicksal und eine dauerhaft fixierte \u201eAnlage\u201c. Davon kann \u00fcberhaupt keine Rede sein. Die sexuelle Bestimmtheit der Kinder und Heranwachsenden ist plastisch und wird in einem komplexen Reifungsproze\u00df geformt. Die gegenteilige Behauptung fixiert geradezu Menschen, die sich noch in einem lebendigen Entwicklungsproze\u00df befinden. Sie enthebt die Menschen ihrer eigenen Freiheit und der Verantwortung f\u00fcr die eigene Reifung bzw. die erzieherische Begleitung der Reifungsprozesse bei Kindern und Heranwachsenden. Gerade derart apodiktische Urteile sind heute wissenschaftlich als eindeutig falsch erwiesen.[8] Ganz generell sind Vertreter der emanzipatorischen Schwulenbewegung im wissenschaftlichen Diskurs l\u00e4ngst hinter dem Stand der heutigen Einsichten zur\u00fcck, aber die \u00f6ffentliche Irref\u00fchrung wird von ihnen uneingeschr\u00e4nkt weiter vorangetrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Lebensform<\/strong>\u201c &#8211; urspr\u00fcnglich ein Begriff aus der Biologie, der heute einen quasi-soziologischen Anstrich bekommen hat, aber auch dort nicht profiliert ist. Er eignet sich f\u00fcr unterschiedliche ethische F\u00fcllungen. Mit ihm sollen allerlei Lebensweisen \u201egleichgeschaltet\u201c und einer ethisch kritischen Befragung mehr und mehr entzogen werden, frei nach dem Motto: jeder mu\u00df seine beliebige \u201eLebensform\u201c w\u00e4hlen. Eine konsenshafte, verbindliche Normvision f\u00fcr die Gesellschaft im Sinne von Ehe und Familie gilt als verp\u00f6nt. Auch hinter diesem Wort steht die Philosophie postmoderner Beliebigkeit und ein ethischer Relativismus, der sich dem Anspruch des biblischen Ethos entziehen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Lebenspartnerschaft<\/strong>\u201c: dieses Wort erweckt zwar den Eindruck, als ginge es hier um lebenslange Gemeinschaft von zwei Partnern wie in der Ehe. Es bietet aber auch als \u201egleichwertige\u201c M\u00f6glichkeit eine nur zeitweise Lebensgemeinschaft an, aus der man sich ggf. zugunsten einer anderen \u201eLebenspartnerschaft\u201c wieder l\u00f6sen kann. Es ist nicht einmal gesagt, da\u00df es sich dabei nur um zwei Partner handeln soll. Zum Hintergrund dieses Begriffs geh\u00f6rt auch eine statistische Erfahrung, an die viele Menschen gar nicht denken: Homosexuelle Gef\u00fchlsstrukturen und Beziehungen str\u00e4uben sich ganz vital gegen eine exklusive und dauerhafte monogame Lebensbindung. Immer mu\u00df die T\u00fcr auch noch f\u00fcr neue Bindungen offengehalten werden, und seien sie nur kurzfristig. Es ist das genaue Gegenteil von umfassender ehelicher Treue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<strong>Sch\u00f6pfungsvariante<\/strong>\u201c ist eine Kategorie, die eigens f\u00fcr religi\u00f6se Menschen erfunden wurde. Es handelt sich hier um einen Versuch, homosexuelle Orientierung spezifisch biblisch-theologisch zu deuten. Dahinter k\u00f6nnen liebevoll gemeinte und tr\u00f6stende Absichten stehen oder nur vordergr\u00fcndige Motive zur Selbst-Rechtfertigung in religi\u00f6ser Sprache. In jedem Fall handelt es sich bei dieser Art Bewertung von Homosexualit\u00e4t um eine ganz eigene Form religi\u00f6ser \u00dcberh\u00f6hung der Realit\u00e4t. Gemessen an den biblischen Inhalten handelt es sich um eine modische, schein-theologische Kategorie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Kategorien \u201e<strong>homosexuell<\/strong>\u201c, <strong>homophil<\/strong>\u201c oder \u201e<strong>homotrop<\/strong>\u201c handelt es sich um Begriffe der Empirie, der emotionalen Neigung und der praktischen Erfahrung. Ein vergleichsweise gro\u00dfer Teil von Menschen mit homosexuellen Erfahrungen bezeichnet sich auch als bisexuell empfindend. Die geschlechtliche Identit\u00e4tsfindung ist bei ihnen noch ungesichert und so unabgeschlossen, da\u00df sie ihr schwankendes Empfinden merken und oft darunter leiden. In jedem Fall geht es hier zun\u00e4chst um emotionale und inner-psychische Vorg\u00e4nge, die wir wahrnehmen, \u00fcber die wir sprechen und die wir ggf. psychologisch bzw. entwicklungspsychologisch verstehen bzw. deuten lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u201e<strong>schwul<\/strong>\u201c hat zwar eine gemeinsame Schnittmenge mit der Kategorie \u201ehomosexuell\u201c, bringt aber wesentlich mehr zur Sprache: immer und notwendig geh\u00f6rt die politisch-ideologische Note und Option mit dazu. Er beinhaltet ein demonstratives, z.T. zwanghaftes und kurzfristig auch erleichterndes \u201eBekenntnis\u201c, n\u00e4mlich die Parteinahme f\u00fcr ein gesellschaftspolitisches Programm. Dieser Inhalt steht dabei nicht immer ausdr\u00fccklich im Vordergrund, aber er geh\u00f6rt immer zur Sache hinzu. Wer sich mit dieser bekenntnishaften Formel zu seinem \u201eSchwulsein\u201c \u00e4u\u00dfert, l\u00f6st sich \u2013 wissentlich oder unbewu\u00dft \u2013 von Konventionen christlicher Tradition und von christlich-biblischer Lebensorientierung. Die Kategorie \u201eschwul\u201c thematisiert und rechtfertigt die gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige gleichgeschlechtliche Neigung, \u00fcberdeckt aber gleichzeitig die notvolle pers\u00f6nliche Identit\u00e4tssuche. Diese Doppelschichtigkeit des Begriffes \u201eschwul\u201c ist zu bedenken. In ihr liegt die Gefahr, da\u00df sich Betroffene unmerklich auf eine politische Ideologie festlegen (lassen), obwohl sie doch eigentlich f\u00fcr sich eine pers\u00f6nliche Hilfe suchen, die tiefer geht als ein gesellschaftspolitisches Programm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das wachsende Schuldkonto der Schwulen- und Lesbenbewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Theorie und die praktische Politik der Schwulen- und Lesbenbewegung \u00fcberspielen st\u00e4ndig die pers\u00f6nliche Not vieler Betroffener. Zwar waren auch die wissenschaftlichen Bem\u00fchungen in den Anf\u00e4ngen der Homosexuellenbewegung von tendenzi\u00f6sen und sehr pers\u00f6nlichen Interessen mitbestimmt, aber sie waren nicht vergleichbar ideologisch fixiert, wie wir es heute bei Repr\u00e4sentanten der Schwulenbewegung finden. Wer heute ernsthaft den humanwissenschaftlichen Forschungen zu einem vertieften Verst\u00e4ndnis der Ursachen homosexueller Neigungen nachgeht, gilt, wenn er die Szene verl\u00e4\u00dft, als Verr\u00e4ter. Und wer heute durch seine wissenschaftliche Forschung entwicklungspsychologische, biographische Ursachen f\u00fcr homophile Orientierung als eine spezielle Art von geschlechtlicher Identit\u00e4tsst\u00f6rung plausibel macht, wird von Vertretern der heutigen Schwulenbewegung gr\u00f6\u00dftenteils verunglimpft und angegriffen. Statt sich dem freien, offenen Dialog zum heutigen Stand der Forschung zu stellen, werden mitbetroffene Menschen mit unterschiedlichen Biographien in pauschale Schubladen gesteckt. Das Motto lautet: \u201eEntweder bist du homo oder hetero!\u201c So einfach aber liegen die Sachverhalte nicht.[9] Zunehmend geschieht durch die Schwulenbewegung und ihre Sympathisanten Unrecht. Sie lehnen eine konkrete Hilfe f\u00fcr einzelne Menschen ab, wenn diese aus ihrer Homosexualit\u00e4t oder aber aus bisexuellen Verh\u00e4ltnissen aussteigen wollen. Mehr noch: zahlreich sind schon die Versuche, entsprechende Hilfen zu verhindern. Sie \u00fcberspielen oft mit einem Frontalangriff von angeblicher Diskriminierung die tieferen N\u00f6te derer, die unter ihren Neigungen leiden. Und dort, wo es Hinweise auf unangenehme Wahrheiten gibt, kann dies f\u00fcr manche Vertreter der Schwulen-Option schon Anla\u00df genug sein, emp\u00f6rt aufzuschreien oder diesen voller Selbstmitleid auszuweichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Marsch durch die Instanzen mit internationaler Strategie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in ihren Anf\u00e4ngen \u2013 es war das Jahr 1973 \u2013 hat die amerikanische Schwulenbewegung mit einem \u201eSieg\u201c von sich reden gemacht, der aufhorchen lie\u00df. Es war das Jahr, in dem die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft (American Psychiatric Association \/ APA) beschlo\u00df, Homosexualit\u00e4t aus der Liste psychischer St\u00f6rungen zu streichen. Diese Entscheidung, die damals zu Recht als sensationell empfunden wurde, ging als Pressenachricht um die Welt. Weniger bekannt dagegen ist, wie und mit welchen \u201eBegr\u00fcndungen\u201c die Entscheidung zustande kam und wie sie zu bewerten ist. Die gro\u00dfen Demonstrationen verschiedener B\u00fcrgerrechtsbewegungen in den USA hatten auch vor der Homosexuellenbewegung nicht haltgemacht. Sie gaben Anschauungsmaterial, wie Menschen in der \u00d6ffentlichkeit auf sich aufmerksam machen konnten, wie man Rechte formulieren und wie man diese Rechte ggf. einfordern kann. So nutzte man die sich bietende Gelegenheit der Jahrestagung der APA. Aktivisten der Gay Liberation Movement wollten ein Exempel statuieren und ihre Anspr\u00fcche durchsetzen. Mit gro\u00dfen Demonstrationen, Krawallen und dem Sturm auf eine Veranstaltung der amerikanischen Psychiater-Vereinigung wurden die Teilnehmer eingesch\u00fcchtert. Es kam zur handfesten Drohung, ein Ausstellungsstand zur Therapie von Homosexualit\u00e4t werde zerst\u00f6rt, wenn dieser nicht augenblicklich geschlossen w\u00fcrde. Die \u00f6ffentliche Einsch\u00fcchterung anders denkender Psychiater f\u00fchrte zum Ziel. Diese und andere Methoden des politischen, psychischen und physischen Drucks machten es im Jahr 1973 m\u00f6glich, da\u00df Homosexualit\u00e4t in den USA als St\u00f6rung aus der Diagnose-Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen wurde. Eine Befragung der amerikanischen Psychiater fand damals nicht statt. Als man dies schlie\u00dflich 1978 (f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter!) nachholte, waren immer noch 68% der \u00dcberzeugung, da\u00df Homosexualit\u00e4t eine psychosexuelle St\u00f6rung ist. Die Folgen der Entscheidung von 1973 waren gravierend. Therapeuten, die auch weiterhin Homosexualit\u00e4t als Identit\u00e4tskonflikt ansahen, wurden \u00f6ffentlich geschm\u00e4ht. Unter dem Vorwand, Diskriminierung zu beenden, wurde nun eine neue Gruppe diskriminiert: Homosexuell Orientierte, die Hilfe zur Ver\u00e4nderung ihrer sexuellen Orientierung suchten, bekamen diese immer schwerer. Und schlie\u00dflich sorgte die Lobby der Gay Liberation Movement daf\u00fcr, da\u00df auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, aus jener problematischen APA-\u201eEntscheidung\u201c von 1973 die gleiche Konsequenz f\u00fcr ihre eigene Arbeit zog. Damit also war die Sache f\u00fcr Millionen von Menschen \u201egekl\u00e4rt\u201c. Statt die psychologische Ursachen-Forschung mit offenen Optionen zu f\u00f6rdern, wurde sie nun behindert und tabuisiert, wo auch immer sie nicht in das Raster ideologischer Vorgaben und Vorurteile pa\u00dfte. Es d\u00fcrfte nicht einfach sein, vergleichbare F\u00e4lle der neuzeitlichen Forschungs\u00adgeschichte zu finden, bei denen in freiheitlichen L\u00e4ndern die Behinderung wissenschaftlicher Arbeit aus politisch-ideologischen Gr\u00fcnden so lange und weltweit so wirksam betrieben wurde wie im hier geschilderten Beispiel. In Europa und in Deutschland jedenfalls sorgten und sorgen die Vertreter der Schwulenbewegung noch immer daf\u00fcr, da\u00df mit der erpre\u00dften Entscheidung von 1973 f\u00fcr die Schwulen-Option weiterhin kr\u00e4ftig geworben wird. F\u00fcr das schon bestehende weltweite Netzwerk der Schwulengruppen war mit den Beschl\u00fcssen der APA und WHO klar: damit mu\u00df jetzt auf der internationalen B\u00fchne verst\u00e4rkt strategisch gearbeitet werden. Da spielt es auch keine Rolle mehr, auf welche Weise es zu der Streichung in den Diagnose-Listen gekommen war. Mit dem Leidensdruck der pers\u00f6nlichen Biographien im R\u00fccken und der faszinierenden Aussicht vor Augen, fortan ohne das vermeintliche Stigma eines psycho-sexuellen Schadens ungehindert und frei die emotionalen und sexuellen Sehns\u00fcchte ausleben zu k\u00f6nnen, kommt es zu einer Kampagne der demonstrativen Selbstbest\u00e4tigung und selbstbewu\u00dfter Anspr\u00fcche: weltweit wird kundgetan, da\u00df nicht mehr von \u201eKrankheit\u201c gesprochen werden darf! Unterstellt wird dabei freilich, da\u00df Krankheit und auch eine &#8211; unverschuldete &#8211; Sch\u00e4digung eine Art moralischer Makel sei. Anders ausgedr\u00fcckt bedeutet das: Was die Seele sich ersehnt und was die Betroffenen tun wollen, soll und braucht fortan nicht mehr unter dem Vorzeichen einer therapeutischen oder einer ethischen Beurteilung zu stehen! Auch Theologen lassen sich diese neue Diagnose vorschreiben und sind zum Teil sehr beeindruckt. F\u00fcr sie scheint klar, da\u00df k\u00fcnftig &#8211; trotz der Aussagen im AT und NT \u2013 bei homosexuellem Lebensstil nicht mehr von S\u00fcnde gesprochen werden darf. Damit flammt in den Kirchen der USA ein hei\u00dfer Konflikt auf. Es beginnt eine kirchliche Auseinandersetzung, die in den 70er \/ 80er Jahren viele Gemeinden in allen Kirchen und Konfessionen erfa\u00dft, sie paralysiert und z.T. spaltet, wie selten zuvor.[10] Ende der siebziger Jahre wird die Aktivistenbewegung von den USA nach Europa getragen. Geschult durch amerikanische Vorbilder und Erfahrungen geht es jetzt darum, mit dem \u201eKapital\u201c des amerikanischen Doppelschlags so schnell, so breit und so strategisch wie nur irgend m\u00f6glich zu arbeiten. Die finanziellen Mittel sind da, in den USA geradezu \u00fcppig. Es braucht eine Strategie, einige wenige Strategen und in m\u00f6glichst allen L\u00e4ndern Europas eigenst\u00e4ndige Institutionen und Organisationen, die zusammenarbeiten. Das Entscheidende aber ist und bleibt die Motivation: die Sehnsucht nach einer neuen Dimension von Akzeptanz und die Hoffnung auf Erf\u00fcllung der erotischen Interessenlagen. In Br\u00fcssel, am Sitz der Europ\u00e4ischen Union, wird die Institution ILGA (\u201eInternational Lesbian and Gay Association\u201c) etabliert. Diese Lobby soll f\u00fcr hochkar\u00e4tige Rechtsvertretung der Lesben- und Schwulen-Optionen bei den Europ\u00e4ischen Organisationen sorgen und Finanzmittel aus den T\u00f6pfen der EU mobilisieren, um europaweit Werbeseminare zu veranstalten und Publikationen herauszugeben, die f\u00fcr die Gesellschaftspolitik der Schwulen- und Lesbenbewegung eintreten. In Deutschland wird 1978 der eingetragene Verein \u201eHomosexuelle und Kirche\u201c (HuK) gegr\u00fcndet. Beim N\u00fcrnberger Kirchentag 1979 tritt er erstmals vor gro\u00dfem Publikum auf. Von Anfang an bezeichnet sich der Verein als \u201e\u00f6kumenische Arbeitsgruppe\u201c, um bei allen Konfessionen t\u00e4tig werden zu k\u00f6nnen, insbesondere in den Studentengemeinden und bei den Kirchenleitungen. Die AG HuK wird zur Speerspitze der Schwulenbewegung im Bereich der Kirchen. Heute ist die AG HuK gemeinsam mit dem weiblichen Pendant, der AG LuK\/\u201eLesben und Kirche\u201c, im LSVD organisiert. Als Lobby-Gruppen und \u201eTrojanische Pferde\u201c wirken sie im Sinne der Schwulenbewegung in die Kirchen hinein. Sie nehmen f\u00fcr sich in Anspruch, in Fragen von Homosexualit\u00e4t\/des Schwulseins bzw. von lesbischer Lebensform in besonderer Weise die \u201ezust\u00e4ndigen\u201c und \u201efachkompetenten\u201c Ansprechpartner f\u00fcr die Kirchen zu sein. Ein Blick in die Internet-Anschriften zeigt ein breit angelegtes Partnerschaftsnetzwerk und eine rege publizistische T\u00e4tigkeit. K\u00fcrzlich hat die HuK ihr\u201eSilber-Jubil\u00e4um\u201c gefeiert. F\u00fcr den Binnenbereich der Kirche stellt sie sich als Beratungs- und Gespr\u00e4chs- bzw. Selbsthilfe-Gruppe dar, in ihrem politischen Selbstverst\u00e4ndnis aber, gegen\u00fcber der gesellschaftlichen und kirchlichen \u00d6ffentlichkeit, ist sie ganz auf die Vertretung der ideologischen Optionen der Schwulen- und Lesbenbewegung ausgerichtet. Die Arbeit von LuK und HuK hatte und hat bis heute f\u00fcr manche Betroffenen und f\u00fcr viele Ahnungslose die Bedeutung eines ersehnten und verst\u00e4ndnisvollen Ansprechpartners. Im Rahmen der publizistischen und politischen Langzeit-Strategie haben diese Gruppen aber eine ganz andere Rolle zu \u00fcbernehmen. Ihre Aufgabe ist es, das kirchliche und gesellschaftliche Feld so zu bestellen, da\u00df das ideologische Konzept der Schwulenbewegung langsam in den gesellschaftlichen Grundwasserspiegel eindringt. Der eigentliche Zielhorizont des Handelns lag f\u00fcr die Inspiratoren dieser Arbeit von Anfang an im politischen und juristischen Raum. Nicht umsonst ist z.B. der Jurist Volker Beck als Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbandes in die Politik und gerade in die parlamentarische Arbeit auf Bundesebene eingestiegen. Mit dem demokratischen Wechsel im Jahr 1998 bot sich f\u00fcr den damaligen rechtspolitischen Sprecher der Fraktion B\u00fcndnis 90\/Gr\u00fcne die einzigartige Chance, seine Funktion als erstrangiger Lobbyist der deutschen Schwulenbewegung in die Koalitionsverhandlungen mit der SPD bzw. Bundeskanzler Schr\u00f6der wirksam einzubringen. Damit war der Weg frei zur Planung und Durchsetzung des sog. Lebenspartnerschaftsgesetzes. Die Auseinandersetzung um die gesellschaftspolitische Zukunftsvision in unserem Land hat damit an Bedeutung, an Intensit\u00e4t und an Herausforderung gewonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5 Thesen \u2013 eine kleine Bilanz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Das politische Engagement von offiziellen Vertretern der Schwulenbewegung mag als beachtlich gelten, aber es stellt im Kern nur einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen, gro\u00dfen Kompensationsversuch dar. Durch die angestrebte \u00fcberdimensionale Ver\u00e4nderung der Gesellschaft sollen L\u00f6sungen und \u201eHilfen\u201c f\u00fcr die Betroffenen geschaffen werden, die in Wirklichkeit nur auf einer sehr pers\u00f6nlichen und existentiellen Ebene wirksam werden k\u00f6nnen. Insofern gibt die politische Schwulenbewegung einerseits einer tiefen menschlichen Sehnsucht nach wirklicher Hilfe Ausdruck, anderseits aber illustriert sie auch schmerzlich die hohe Bereitschaft, mit tiefen Illusionen und dauerhaften Selbstt\u00e4uschungen zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Die Angriffe aus der Schwulenbewegung gegen gleichfalls von homophilen Empfindungen Betroffene, die sich aber aus ihrer homosexuellen Lebenswelt l\u00f6sen wollen, sind erschreckend: sie zeigen ein hohes Ma\u00df an Verdr\u00e4ngung eigener Probleme und damit den Ansatz zu verweigerter Hilfeleistung gegen\u00fcber Mitbetroffenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. \u00a0Die Vorstellung und Selbsteinsch\u00e4tzung der Tr\u00e4ger dieser Bewegung, da\u00df sie etwas moralisch sehr Wichtiges und Gutes tun, verleiht dieser Bewegung \u2013 wie so oft, auch bei anderen Ideologien des 20. Jahrhunderts \u2013 einen besonders \u201eidealistischen\u201c und zugleich totalit\u00e4ren Charakter. Wer ihr widerspricht und ihr die Selbstt\u00e4uschungen oder Irref\u00fchrungen vor Augen f\u00fchrt, wird schnell verteufelt und in die Schublade der b\u00f6sen Diskriminierer gesteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Die starke Fokussierung des Lebens auf sexuelle Interessen, auf vermeintliche sexuelle Identit\u00e4ten und damit auf die moralische Umwertung aller Sozialbeziehungen stellt f\u00fcr die Gesellschaft einen ethischen Paradigmenwechsel und eine Herausforderung von beachtlichem politischen Ausma\u00df dar. Die Ideologie der Schwulenbewegung f\u00fchrt mit logischer Konsequenz &#8211; zumal in der Praxis &#8211; zur Herabsetzung von Ehe und Familie als Norm und zur Verhinderung der Generativit\u00e4t. Diese programmatische Verschiebung des sozial\u00adethischen Koordinatensystems hat auf l\u00e4ngere Sicht die Selbstaufl\u00f6sung der Gesellschaft zur Folge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Wenn diese Sachverhalte erst einmal f\u00fcr viele Menschen manifest erkennbar sind, kann es unter Umst\u00e4nden \u201emit nachvollziehbaren Gr\u00fcnden\u201c, aber gegen jede mitmenschliche Verantwortung zu einer hochgef\u00e4hrlichen Reaktion gegen \u201edie Schwulen\u201c kommen. Auch einem solchen gravierenden R\u00fcckschlag in der Sozialgeschichte mu\u00df fr\u00fchzeitig begegnet werden. Dies aber kann nur gelingen, wenn es in der Homosexuellen-Bewegung zu einer Wende weg vom Betrug und Selbstbetrug hin zur Wahrhaftigkeit kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[1] dea-Basisausgabe Nr. 20\/2001; vgl. Kurzfassung ideaSpektrum 8\/2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[2] In: Homosexualit\u00e4t und christliche Seelsorge &#8211; Dokumentation eines \u00f6kumenischen Symposiums, Aussaat Verlag 1995, S. 160 \u2013 194.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[3] Als positives Gegenbeispiel sei auf den hier unter Anm. 2 genannten Symposions-Bericht verwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[4] Zur Geschichte der Homosexuellenbewegung s. Ausstellungskatalog \u201e100 Jahre Schwulenbewegung\u201c; Hg. Schwules Museum und Akademie der K\u00fcnste; Verlag Rosa Winkel, Berlin 1997. Der Bildband ist hoch informativ und ein Zeugnis authentischer Selbstdarstellung. Eine kritische oder selbstkritische Darstellung der Schwulenbewegung gibt es in Deutschland bisher nur in Ans\u00e4tzen.Vgl. hierzu: Werner Hinzpeter, Sch\u00f6ne schwule Welt &#8211; Der Schlu\u00dfverkauf einer Bewegung, Querverlag GmbH, Berlin 1997.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[5] Wir kennen in Deutschland gewisse Analogien aus der Zeit der sog. 68er-Studentenrevolte und deren gesellschaftliche Nachwirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[6] Eine anschauliche Illustration bietet f\u00fcr den Bereich der P\u00e4dagogik ein Faltblatt der \u201eAktion Jugendschutz\u201c (!) Baden-W\u00fcrttemberg: unter dem bezeichnenden Titel \u201eSelbstverst\u00e4ndlich andersrum\u201c wird homosexuelle Lebensweise als eine der Heteroerotik gleichwertige Lebensoption dargestellt. \u2013 Noch programmatischer kommt der Einflu\u00df der Schwulenbewegung in Richtlinien zur Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen zum Ausdruck: \u201eHetero-, Bi-, Homo- und Transsexualit\u00e4t (sind) Ausdrucksformen von Sexualit\u00e4t, die &#8211; ohne Unterschied im Wert &#8211; zur Pers\u00f6nlichkeit des betreffenden Menschen geh\u00f6ren.\u201c (Richtlinien vom 1. August 2000)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[7] \u201ezur debatte\u201c, Zeitschrift der Kath. Akademie in Bayern, Nr. 2\/2001, S. 23 im Vortrag \u201eDer Schutz von Ehe und Familie, die Pflege mitmenschlicher Beistandsgemeinschaft und die Gew\u00e4hr sonstiger Freiheit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[8] Hohes Aufsehen hat darum gerade die entsprechende Studie von Prof. Robert L.Spitzer ausgel\u00f6st, die er im Mai 2001 unter dem Titel \u201eNew Study on Sexual Reorientation Therapies\u201c auf der Jahrestagung der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft in New Orleans, L.A. vorgestellt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[9] Die bedeutendste demoskopische EMNID-Untersuchung zur Zahl der Menschen, die in der BRD von Homo- oder Bi-Sexualit\u00e4t betroffen sind, wurde im M\u00e4rz 2001 ver\u00f6ffentlicht. Sie ergab: Bei den genauen statistischen Nachfragen nach der pers\u00f6nlichen Selbsteinsch\u00e4tzung nannten 1,3% der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung sich als eindeutig \u201ehomosexuell\u201c empfindend, 2,8% der M\u00e4nner als \u201ebisexuell\u201c, 2,5 % der Frauen als \u201ebisexuell\u201c und 0,6% der Frauen als eindeutig \u201elesbisch\u201c empfindend. Die bis dahin (d.h. bis M\u00e4rz 2001) verbreiteten vagen und z.T. hohen Zahlenangaben sind durch diese EMNID-Studie eindeutig als irref\u00fchrend nachgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[10] \u201eZur Diskussion \u00fcber Homosexualit\u00e4t in Theologie und Kirchen der USA\u201c: s. U. Eibach, Liebe, Gl\u00fcck und Partnerschaft &#8211; Sexualit\u00e4t und Familie im Wertwandel, R. Brockhaus Vlg. Wuppertal 1996, S. 174ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Quelle: idea-Dokumentation Nr.2\/2003 \u201eKirche \u2013 Kultur \u2013 Homosexualit\u00e4t\u201c, S.53ff.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gewollte Kulturbruch \u2013 Ideologie und Strategie der Schwulenbewegung Die \u00fcberrumpelte Gesellschaft Im Februar 2001 bekannte sich der Badische Landesbischof Dr. Ulrich Fischer zu einer Kritik an der aufgezwungenen Debatte \u00fcber Homosexualit\u00e4t.[1] Er mahnte: \u201eWir d\u00fcrfen uns als Kirche nicht von der Schwulenbewegung instrumentalisieren lassen.\u201c Schon Monate vor dem Beschlu\u00df des Bundestags zum \u201eLebenspartnerschaftsgesetz\u201c zog [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":183,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/183"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2364"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3272,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions\/3272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}