{"id":2353,"date":"2008-01-17T16:23:26","date_gmt":"2008-01-17T14:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2353"},"modified":"2009-09-06T13:26:11","modified_gmt":"2009-09-06T11:26:11","slug":"die-ehe-%e2%80%93-ein-auslaufmodell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2353","title":{"rendered":"Die Ehe \u2013 ein Auslaufmodell?"},"content":{"rendered":"<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Die Ehe \u2013 ein Auslaufmodell?<\/strong><\/p>\n<p>Einige soziologische Beobachtungen und theologische Perspektiven<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u201eEine Ehe ist soviel wert, wie ihre Scheidung kostet\u201c hat der Schriftsteller Rolf Hochhuth sp\u00f6ttisch vermerkt. Die Institution Ehe scheint zum blo\u00dfen Marktwert zu verkommen. Was bringt es mir zu heiraten? Was habe ich davon, wenn ich treu bin? Ist das Unternehmen Ehe nicht zu riskant? Jedenfalls nimmt in unserer Gesellschaft die Zahl der Eheschlie\u00dfungen ab und die der Ehescheidungen zu. In manchen st\u00e4dtischen Regionen liegt die Scheidungsrate bei 50 Prozent. Was steckt hinter der Krise der Ehe in der modernen Gesellschaft?<!--more--><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Es sind ohne Frage eine Reihe von tiefgreifenden soziologischen Ver\u00e4nderungen, die die Krise der Ehe verst\u00e4rkt und beschleunigt haben. Von diesen Problemen sind auch Christen \u2013 bis hin zu Pfarrersehen \u2013 betroffen. Dennoch mu\u00df man klar unterscheiden zwischen den sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen, die die konkrete Gestaltung der Ehe ausmachen, und dem Sch\u00f6pfungsauftrag, der das Wesen der Ehe bestimmt. Die \u00e4u\u00dferen Formen wandeln sich im Laufe der Zeit und von Gesellschaft zu Gesellschaft. Aber die Bestimmung des Menschen, als ein Mann mit einer Frau in Liebe und gegenseitiger Treue zu leben, bleibt. Was dies angeischts der gegenw\u00e4rtigen Umbr\u00fcche bedeutet, wollen wir im Folgenden kurz bedenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Ehe: keine Arbeitsgemeinschaft,\u00a0 sondern Freizeitbesch\u00e4ftigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Vor der industriellen Revolution waren Ehe und Familie das grundlegende Fundament der wirtschaftlichen Existenz. Durch gemeinsame Arbeit auf dem Bauernhof oder im Handwerkerbetrieb sicherte man seinen Lebensunterhalt. Jeder und jede hatte eine klar definierte Rolle mit einem festen Arbeitsauftrag. In der modernen Gesellschaft trennen sich die Ehepartner, um in Fabriken, B\u00fcros und Gesch\u00e4ften ihrer je eigenen beruflichen T\u00e4tigkeit nachzugehen. Die Frauen verf\u00fcgen h\u00e4ufig \u00fcber eine hoch qualifizierte Ausbildung und stehen ebenfalls im Beruf. Das einst gro\u00dfe Hauswesen ist zur Wohnung einer Kleinfamilie zusammengeschmolzen. Der klassische Arbeitsbereich der Frau ist Dank vieler technischer Ger\u00e4te auf ein Minimum geschrumpft. Ehe und Familie, einst die S\u00e4ule des Wirtschaftssystems, werden auf die Freizeitwelt reduziert. Die Ehe findet individualisiert im Privatbereich statt. Sie ist der beruflichen Selbstverwirklichung der Partner untergeordnet.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Damit stellt sich die Frage nach Priorit\u00e4ten. Stimmen die Ehepartner ihr berufliches Engagement so aufeinander ab, da\u00df genug Freir\u00e4ume f\u00fcr die Gestaltung ihrer Beziehung und die Erziehung der Kinder bleiben. Mehr gemeinsame Freizeit durch k\u00fcrzere Arbeitszeiten, Wochenenden und Urlaub zu haben, ist auch ein Zugewinn, der Ehe und Familie ganz neue Chancen zur Entfaltung gibt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Emanzipation der Frau und neue Rollenverteilung<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Waren fr\u00fcher die Rollen zwischen Mann und Frau eindeutig zugeordnet, so werden diese nun kr\u00e4ftig durcheinander gewirbelt. Wer ist f\u00fcr das finanzielle Auskommen der Familie zust\u00e4ndig? Wer k\u00fcmmert sich um die Kinder? Wer versorgt den Haushalt? Dar\u00fcber mu\u00dfte fr\u00fcher nicht diskutiert werden, das stand zwischen den Ehepartnern fest. Heute m\u00fcssen mit einiger Unsicherheit erst einmal Kompromisse gesucht und Vereinbarungen getroffen werden. Das bringt unter Umst\u00e4nden kr\u00e4ftige Konflikte mit sich. Die Frau ist wirtschaftlich weithin unabh\u00e4ngig. Das Scheidungsrecht verzichtet auf die Kl\u00e4rung der Schuldfrage und reguliert lediglich Versorgungsanspr\u00fcche.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Rollenunsicherheit ist eine Herausforderung f\u00fcr die Liebe und den Respekt, den sich die Ehepartner entgegenbringen. Leben sie angesichts der gesetzlichen Gleichberechtigung so, da\u00df die Begabungen, beruflichen Qualifikationen etc. beider Partner zum Zuge kommen? Finden sie Wege, h\u00e4usliche Aufgaben ohne \u00dcberbelastung der Frau gerecht zu verteilen. Sind M\u00fctter und V\u00e4ter bereit, ihre Karriereanspr\u00fcche zum Wohl von Kindern einzuschr\u00e4nken und auch Verzicht zu \u00fcben? Wenn dazu Offenheit besteht, sind die modernen Rahmenbedingungen ein Zugewinn an Freiheit und Lebensm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Mobilit\u00e4t mischt die Partnersuche auf<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">In fr\u00fcheren Jahrhunderten fand man seinen Ehepartner in der angestammten Umwelt des Heimatdorfes, seines Standes bzw. seiner Zunft. Heute leben wir in einer globalen Welt, in der Menschen unterschiedlicher Rassen, Nationalit\u00e4ten, Bildungsschichten, Religionen und Konfessionen sich begegnen. Das bedeutet eine enorme Herausforderung an die Ehepartner aus unterschiedlichen Milieus, sich aufeinander einzustellen und eine gemeinsame Identit\u00e4t zu entwickeln.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Der Glaube an Jesus bedeutet eine neue christliche Identit\u00e4t. Die Nachfolge umfasst alle Lebensbereiche. Die Ehe ist ebenfalls ein totales Engagement. Damit es hier nicht zu Zerrei\u00dfproben kommt, ist der gemeinsame Glaube das wichtigste Fundament f\u00fcr die Ehe. Auf dieser Grundlage k\u00f6nnen kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede und Spannungen fruchtbar gemacht werden, weil man eine tragf\u00e4hige Mitte des Lebens hat.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Der Tod scheidet nicht mehr so schnell; deshalb dauern Ehen l\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Die Menschen leben dank gewaltiger medizinischer Fortschritte etwa dreimal so lange wie noch vor hundert Jahren. Fr\u00fcher galt die Statistik, da\u00df die Ehe die Kinder im Haushalt nicht \u00fcberlebt. Heute \u00fcberlebt ein Ehepaar in Zweisamkeit die Kinder, die l\u00e4ngst das Nest der Familie verlassen haben. Dadurch erstreckt sich die Ehe \u00fcber Zeitr\u00e4ume, die in vergangenen Jahrhunderten so in der Regel nicht gemeinsam erlebt wurden. In den einzelnen Lebensphasen eines Ehepaares wird es n\u00f6tig, sich immer neu aufeinander einzustellen; vor allem wenn sich mit der Zeit auch die Pers\u00f6nlichkeit und die Lebensgewohnheiten der Partner ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Liebe ist der Wunsch miteinander alt zu werden. Wenn man als Ehepaar nicht nur \u201eein Fleisch wird\u201c, sondern \u2013 um mit H\u00f6lderlin zu reden \u2013 auch \u201eein Gespr\u00e4ch wird\u201c, kann die Liebesbeziehung in den verschiedenen Lebensphasen mit wachsen. Ver\u00e4nderungen am anderen und sich selbst zu erleben ist spannend, wenn man sich gegenseitig immer neu bejaht und annimmt. Eine lange Biographie als Liebesgeschichte erweist sich dann als Geschenk. Man lernt sich immer besser kennen und verstehen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\"><strong>Gro\u00dfe Gl\u00fcckserwartungen und kleine Kinderzahlen<\/strong><\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Weil die Ehen im Normalfall von der gemeinsamen Arbeit f\u00fcr den Lebensunterhalt abgekoppelt und dem Freizeitbereich zugeordnet sind, nehmen die individuellen Gl\u00fcckserwartungen zu. In einer kalten und oft harten Arbeitswelt sollen Ehe und Familie W\u00e4rme, Intimit\u00e4t und Geborgenheit schenken. Die Anerkennung und Zuwendung, die in der rauen Wirklichkeit da drau\u00dfen nicht erlebt wird, soll zuhause vom Ehepartner vermittelt werden. Er bzw. sie ist der Garant meines privaten Gl\u00fccks, das auch so eingefordert wird. Mit derart \u00fcbersteigerten Gl\u00fcckserwartungen f\u00fchlen sich viele Ehepartner schlicht \u00fcberfordert, was dann zu Entt\u00e4uschungen und nicht selten zur Scheidung f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">Das wird nicht zuletzt am gewandelten Verst\u00e4ndnis der Sexualit\u00e4t deutlich. Der prim\u00e4re Sinn von Geschlechtlichkeit lag bei fr\u00fcheren Generationen in einer m\u00f6glichst hohen Zahl von Nachkommen, die nicht nur den Fortbestand der Familie, sondern auch die wirtschaftliche Versorgung sicherstellten. Auf Grund m\u00f6glicher Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und sozialer Altersversorgung hat die Sexualit\u00e4t eine andere Bestimmung erlangt. Sie soll eine Chance wechselseitiger Gl\u00fcckserfahrung sein, auch ohne die spezifische Absicht Kinder zu zeugen. Die Umkehrung der Alterspyramide zeigt diese Verschiebung drastisch. Nun bedeuten Kinder f\u00fcr ein Ehepaar jedoch eine hohe pers\u00f6nliche Verantwortung. Lebt das Paar willentlich kinderlos oder nur mit einem Einzelkind, hat dies auch Einfluss auf die Bereitschaft sich unter Umst\u00e4nden &#8211; scheinbar problemlos &#8211; zu trennen.<\/p>\n<p style=\"TEXT-ALIGN: justify\">\u201eNicht gl\u00fccklich werden, sondern den anderen gl\u00fccklich machen, ist das Geheimnis der gelingenden Ehe.\u201c Dieser Rat findet sich in alten Handb\u00fcchern zur Ehevorbereitung. Auch wenn die Forderung steil klingt, trifft sie die Sache am entscheidenden Punkt. Nicht m\u00f6glichst viel vom anderen profitieren, sondern ihn f\u00f6rdern. Nicht in erster Linie Liebe erwarten, sondern sie verschenken. Diese Grundhaltung der Hingabe und des Dienstes lernen und erleben wir bei Jesus Christus, der seine g\u00f6ttlichen Rechte nicht festhielt, sondern f\u00fcr uns dahingab (vgl. Philipper 2,5-11). Weil wir von Jesus Liebe empfangen, sind wir in der Lage Liebe zu schenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ehe \u2013 ein Auslaufmodell? Einige soziologische Beobachtungen und theologische Perspektiven \u201eEine Ehe ist soviel wert, wie ihre Scheidung kostet\u201c hat der Schriftsteller Rolf Hochhuth sp\u00f6ttisch vermerkt. Die Institution Ehe scheint zum blo\u00dfen Marktwert zu verkommen. Was bringt es mir zu heiraten? Was habe ich davon, wenn ich treu bin? 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