{"id":22825,"date":"2026-07-13T17:13:18","date_gmt":"2026-07-13T15:13:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22825"},"modified":"2026-07-13T17:15:55","modified_gmt":"2026-07-13T15:15:55","slug":"geschichte-und-theologie-der-ehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22825","title":{"rendered":"Geschichte und Theologie der Ehe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Keine christliche Erfindung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzlich schrieb ein moderner Theologe, die Ehe sei keine christliche Erfindung. Ehe und Familie entst\u00fcnden aus dem Wunsch nach Ordnung. Und je unruhiger die Zeiten seien, desto mehr w\u00fcnsche man sich geordnete Verh\u00e4ltnisse. Und ein Mittel, Ordnung herzustellen, sei eben die Ehe.\u00a0Stimmt das? Tats\u00e4chlich gibt und gab es Ehe in allen Kulturen, auch in denen, die nichts vom Christentum wu\u00dften oder wissen. Trotzdem ist die \u00c4u\u00dferung schief. Sie setzt voraus, da\u00df \u201eKultur\u201c ausschlie\u00dflich Menschenwerk sei. Das Wirken des Sch\u00f6pfers spiegelt sich jedoch in der gesamten Wirklichkeit \u2013 wenngleich beim Menschen vielfach durch die S\u00fcnde verzerrt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richtig ist auch, da\u00df durch Ehe Verh\u00e4ltnisse geordnet werden. Doch es bleibt die Frage, wer hier wie ordnet. Wird Ehe nur von \u201eunten\u201c begr\u00fcndet, d.h. vom menschlichen Bed\u00fcrfnis nach Ordnung oder Geborgenheit her, so k\u00f6nnte man auch die Fehlformen legitimieren: Mehrehe, gleichgeschlechtliche Ehe, \u201eoffene Beziehungen\u201c. Wird Ehe \u201evon oben\u201c, vom Sch\u00f6pfer und Erhalter her begr\u00fcndet, kl\u00e4rt sich das Bild. Mit seinem \u201eHabt ihr nicht gelesen?\u201c (Mt 19,4 \u2013 vgl. Editorial) weist Jesus auf die Anf\u00e4nge der Welt zur\u00fcck: als Norm und Sehnsuchtsbild. Zwar k\u00f6nnen wir das Paradies nicht wieder herstellen, aber es sind doch wesentliche Dinge, die uns aus dem Paradies mitgegeben sind: Herrschaftsauftrag (vgl. Psalm 8), Feiertag (vgl. 2.\u00a0Mose 20,11) und Ehe (Mt 19,4\u20136). (\u00dcber den Zusammenhang von Herkunft und Wesen bei den Geschlechtern lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/index.php?id=16\">die beiden letzten Ausgaben des Aufbruchs!<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nDie Idee des Sch\u00f6pfers <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ehe von Mann und Frau ist f\u00fcr Jesus offenkundig eine Idee des Sch\u00f6pfers von allem Anfang an. Deshalb kam Scheidung f\u00fcr ihn nur in klar definierten Ausnahmef\u00e4llen in Frage. Wer sich scheidet, bedeckt sein Kleid mit Frevel, sagt Gott in Maleachi 2,16; einige \u00dcbersetzungen lesen hier als Gottesspruch scharf: <em>\u201eIch hasse Scheidung\u201c<\/em>. Im gleichen Kapitel wird Ehe nicht als menschlicher <em>Vertrag<\/em> bezeichnet, sondern als <em>Bund<\/em>, der den Bund Gottes mit seinem Volk widerspiegelt. Mit \u201eBund\u201c f\u00fchrt Maleachi zugleich das <em>famili\u00e4re Verh\u00e4ltnis<\/em> ein: Gott ist \u201eVater\u201c (Mal 1,6; 2,10). Gottes Vaterschaft zum Volk Gottes kommt aber nicht durch einen freiwilligen zweiseitigen Vertrag zustande, sondern einseitig, durch seine Setzung, seine Sch\u00f6pfert\u00e4tigkeit. Auch f\u00fcr das Zeugen und Geb\u00e4ren menschlicher Eltern w\u00e4re \u201eVertrag\u201c unpassend. Es geht um das Geheimnis, da\u00df der Sch\u00f6pfer die <em>Liebes<\/em>beziehung gebrauchen will, um <em>Leben<\/em> zu erschaffen. Im Kind gewinnt die Liebe zweier Menschen eine Gestalt, die \u00fcber das kurze Leben der Liebenden hinausweist. In gewisser Weise verl\u00e4ngern Kinder und Kindeskinder die verg\u00e4ngliche Liebe in die Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nAlles aus Liebe und in Liebe und zur Liebe <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Liebe hat Gott sich Israel erw\u00e4hlt. Weil er selbst Liebe ist (1.\u00a0Joh 4,8), hat er den Menschen geschaffen und trotz seiner s\u00fcndhaften Auflehnung nicht sofort get\u00f6tet (1.\u00a0Mose 3). Die Verletzung der Liebe, d.h. die S\u00fcnde des Menschen gegen Gott zerst\u00f6rt unmittelbar auch die zwischenmenschlichen Beziehungen: Scham (Feigenbl\u00e4tter), gegenseitiges Beschuldigen, Brudermord. Die ersten Kapitel der Bibel sind f\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis von Liebe, Leben, Tod und Ehe absolut unverzichtbar. Durch diese Kapitel ist uns die Norm, aber auch die Kraft gegeben, dem g\u00f6ttlichen Lebens- und Liebesbild nachzueifern. Wo diese Kapitel dagegen als \u201eMythos\u201c beiseite gesetzt und so unwirksam gemacht werden, ist dem Zerfall von Liebe, Ehe und Gesellschaft T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Was f\u00fcr ein Verderben hat die bibelkritische Theologie in diesem Bereich angerichtet! Das Verderben reicht bis hin zu Nietzsches \u201eTod Gottes\u201c, der letztlich auf die Bibelkritik zur\u00fcckgeht (vgl. Edith D\u00fcsings Nietzsche-Studien).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nFehlformen und falscher Zwang <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sp\u00e4tere Geschichte der Ehe in der Bibel zeigt eine ganze Reihe polygamer Ehen (ein Mann mit mehreren Frauen, besonders viele bei David und Salomo). Stets zeigt sich, wieviel Leid und Ungl\u00fcck diese Beziehungen hervorbrachten, denken wir nur an Jakob zwischen Lea und Rahel (und den M\u00e4gden Silpa und Bilha), auch an die verkorkste, weil antiautorit\u00e4re Erziehung Adonijas, der zum Usurpator wurde und mit dem Leben b\u00fc\u00dfte (1. K\u00f6n 1,5\u20136; 2,13\u201325). Der Mensch ist nicht f\u00fcr die Mehrehe gemacht! Allgemein gesagt: Alle denkbaren S\u00fcnden (auch die sexuellen) kommen schon in der Bibel vor \u2013 von Homosexualit\u00e4t bis Prostitution<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, ebenso freilich die positiven Gegenbilder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hochsch\u00e4tzung der Ehe, aber nicht Zwang zur Ehe ist im Sinne des Sch\u00f6pfers. Bei Platon findet sich beides: Er sah Verheiratetsein als B\u00fcrgerpflicht im idealen Staat; Ehe- und Kinderlosigkeit sollten strafbar sein. Aristoteles sch\u00e4tzte die monogame Ehe (ein Mann und eine Frau) als personale Lebensgemeinschaft und als Grundlage im Staatsaufbau. Im Jahr 18 v. Chr., also kurz vor der Zeitenwende, erlie\u00df Kaiser Augustus eine Pflicht zur Ehe, was im Jahr 9 n. Chr. noch weiter ausgebaut wurde. Sittenverfall und Kinderlosigkeit sollten bek\u00e4mpft werden. Eine gewisse Pflicht zur Ehe gibt es im islamischen Bereich in den nach wie vor erzwungenen Kinderehen (kleine M\u00e4dchen mit \u00e4lteren M\u00e4nnern). Sie sind Gott gewi\u00df ein Greuel! Jesus sagt ausdr\u00fccklich, da\u00df einige von Geburt an zur Ehe unf\u00e4hig sind (Mt 19,12). Jesus und Paulus blieben unverheiratet. Jesus ist der Br\u00e4utigam der Gemeinde, was nicht die Mehrehe legitimiert, sondern ihm die Gemeinde als einheitliche Gr\u00f6\u00dfe zuordnet. Paulus lobte das Singledasein um des Reiches Gottes willen (1. Kor 7), aber er wei\u00df viel zu sagen \u00fcber das \u201egro\u00dfe Geheimnis\u201c (Eph 5,31\u201332) des Verlassens der Eltern, des Anhangens des Mannes an seiner Frau und ihr Einswerden \u2013 alles als Bild, Analogie und\/oder Wirkung des Verh\u00e4ltnisses Jesu zu seiner Braut, der Gemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das r\u00f6mische Recht brachte Ehen ebenfalls eine hohe Wertsch\u00e4tzung entgegen, sah sie aber grunds\u00e4tzlich als aufl\u00f6sbar an. Als das Christentum im fr\u00fchen Mittelalter Europas die kulturelle Oberhand gewann, wurde auch die Ehe fast nur noch biblisch-theologisch betrachtet. Zu den unmittelbaren Folgen geh\u00f6rte, da\u00df 1. ihre Unaufl\u00f6slichkeit betont wurde und 2. der Willensentschlu\u00df beider Partner gr\u00f6\u00dferes Gewicht bekam: Ehe als freiwilliges Eintreten in die Stiftung Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ach, welch ein gro\u00dfes europ\u00e4isches Erbe wird hier verspielt! Thomas Hobbes (1588\u20131679) und John Locke (1632\u20131704) geh\u00f6rten neuzeitlich zu den ersten, die die Ehe nicht mehr unter dem Bundes-, sondern unter dem Vertragsgedanken sahen: eine \u00dcbereinkunft zur Befriedigung des Bed\u00fcrfnisses nach Geselligkeit. Die grunds\u00e4tzliche Unaufl\u00f6slichkeit der Ehe ist damit dahin. Vollends innerweltlich wird Ehe in Immanuel Kants (1724\u20131804) vielzitierter Definition zur \u201eVereinigung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenslangen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften\u201c. Kant meint, da\u00df die Partner bei der Eheschlie\u00dfung Besitzrechte aneinander erwerben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nOhne Gott: Versachlichung, Entmenschlichung der Ehepartner<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Merken wir, wie die Personen ohne den Sch\u00f6pfer versachlicht werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar entdecken die Philosophen Hegel und Schlegel am Anfang des 19. Jahrhunderts die Ehe als personale und nicht nur rechtliche Beziehung; sie betonen die Empfindung der Liebe als Grundlage und zeigen ein Frauenbild, das nicht nur einzelne Funktionen (Hausfrau, Mutter, Geliebte), sondern ihre Ganzheit und Gleichheit in den Blick nimmt. Da\u00df die Eltern die Partner ausw\u00e4hlen, wird seltener. Die heimlichen Eheschlie\u00dfungen, mit denen die fr\u00fcheren Kirchengerichte 1000fach zu tun hatten, werden in evangelischen wie katholischen Gebieten verboten. Eheschlie\u00dfungen werden nur noch mit Zeugen zugelassen. Nach der <em>Freiwilligkeit<\/em> (seit dem 12. Jahrhundert) wird die <em>\u00d6ffentlichkeit<\/em> als wesentliches Kriterium f\u00fcr eine g\u00fcltige Eheschlie\u00dfung erkannt. \u201eDie romantische Liebe erweist sich im weltweiten Vergleich als typisch christlich-westliches Ph\u00e4nomen\u201c (A. Angenendt)!<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insoweit wurde die negative Wirkung Kants auf das Eheverst\u00e4ndnis gemildert. Das katholische Verst\u00e4ndnis von Ehe als Sakrament war ebenfalls ein Bollwerk gegen ihre philosophische und theologische Entwertung. Nur: Die Prediger des Neuprotestantismus haben den Bundes- und Stiftungsgedanken kaum noch entfaltet und der n\u00e4chsten Generation nahegebracht. Man vergegenw\u00e4rtige sich die Traupredigten, die man im Laufe des Lebens mitbekommt! Vermutlich f\u00fcrchten die Prediger, bei einer Auslegung von Epheser 5 auch das hei\u00dfe Eisen \u201eUnterordnung der Frau\u201c angehen zu m\u00fcssen \u2026 Statt dessen ist man sehr beredt \u00fcber wechselseitige Liebe, Gleichberechtigung, gerechte Aufgabenverteilung usw. M\u00fccken werden ausgesiebt, aber Kamele verschluckt! Traurig: So wird Theologie im Kleinen (wie Liebe im Alltag gelebt wird) gro\u00df und im Gro\u00dfen (Ehe als Bund) klein. Kein Wunder, da\u00df die Neigung zur kirchlichen Trauung schwindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nSeit wann gibt es eine kirchliche Trauung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Urkirche und Sp\u00e4tantike schlossen Christen ihre Ehen nach r\u00f6mischem oder j\u00fcdischem Zivilrecht ab. Es gab eine \u00f6ffentliche Familienzeremonie, vielleicht \u00e4hnlich wie bei der Trauung von Ruth und Boas unter Zeugen und mit Gebet (Ruth 4). Das Neue Testament l\u00e4\u00dft keine neue Trauungsform erkennen. Priesterliche Segenshandlungen, auch in Verbindung mit Abendmahl, sind erst ab dem 4.\u00a0Jahrhundert belegt (was nicht ausschlie\u00dft, da\u00df es sie lange vorher gab). Eine genauere Nachzeichnung der Geschichte w\u00fcrde unseren Rahmen sprengen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die heutige \u00fcbliche Doppelung von ziviler und kirchlicher Trauung ist geschichtlich jung und geht auf Reichskanzler Otto von Bismarck zur\u00fcck. Im sog. Kulturkampf wollte man die katholische Macht einschr\u00e4nken und verlangte den Weg der Heiratswilligen zum Standesamt (1874, reichsweit ab 1876, auch in der Schweiz). Der Staat wollte das Monopol auf Personenstandsfragen und Eherecht gewinnen \u2013 ein starker Schub der S\u00e4kularisierung. Und wer darf zuerst die H\u00e4nde des Brautpaars zusammenlegen: Kirche oder Staat? Wilhelm Busch dichtete satirisch nach der Entscheidung gegen die \u201eVoraustrauung\u201c: \u201eErst nur fl\u00fcchtig und zivil, dann mit Andacht und Gef\u00fchl\u201c (Abenteuer eines Junggesellen). Geburts-, Heirats- und Sterberegister: Der moderne Staat erstrebt eine permanente Volksz\u00e4hlung f\u00fcr Kriegsdienst, Steuererhebung und Planung. Wenn Pfarrer ohne Nachweis vorheriger Zivilehe Trauungen vornahmen, wurden sie mit bis zu drei Monaten Gef\u00e4ngnis bestraft. Erst seither wurden \u00fcberall Standes\u00e4mter errichtet; das Amt des Standesbeamten entstand neu. Zun\u00e4chst wurden Gutsherren, Gastwirte und B\u00fcrgermeister beauftragt, die im Volksmund \u201eZivilpastoren\u201c genannt wurden. F\u00fcr gemischtkonfessionelle oder kirchlich indifferente Menschen wurden das Heiraten leichter. F\u00fcr alle aber wurde die Ehe \u2013 verweltlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Jahr nach Einf\u00fchrung der Zivilehe sank die Rate der auch kirchlich vollzogenen Trauungen in Preu\u00dfen auf 20%; nur noch die H\u00e4lfte der Kinder wurden getauft.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither haben kirchliche Trauungen in Deutschland keine Rechtswirkung mehr (z.B. auf das Erben). Hier der europ\u00e4ische Vergleich:<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nder, in denen die kirchliche Trauung keine zivilrechtliche Wirkung hat <\/strong>(separate standesamtliche Trauung zwingend, wenn Rechtsfolgen, z.B. beim Erben, gew\u00fcnscht sind):<em>Deutschland, \u00d6sterreich<\/em> (Ziviltrauung obligatorisch erst seit 1938)<em>, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Ru\u00dfland<\/em> (seit der kommunistischen Zeit, 1917\/18).<\/p>\n<p><strong>L\u00e4nder, in denen kirchliche Trauung rechtswirksam ist<\/strong> (kirchliche Trauung direkt oder nach einfacher Registrierung zivilrechtlich g\u00fcltig): <em>Spanien, Polen, <\/em><em>England\/Wales <\/em>(Trauungen durch autorisierte Geistliche)<em>, D\u00e4nemark, Norwegen, Schweden, Finnland<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Europ\u00e4ischen Union gibt es ca. 15 L\u00e4nder, in denen die kirchliche Trauung der zivilen gleichgestellt oder anerkannt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nBrauchen wir den Staat f\u00fcr die Eheschlie\u00dfung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus christlicher Sicht mu\u00df eine Trauung \u00f6ffentlich sein, um g\u00fcltig zu sein. Und es hat sich, wie geschildert, der Staat dabei durchgesetzt, die <em>\u00d6ffentlichkeit<\/em> zu vertreten und f\u00fcr die <em>Rechtsfolgen<\/em> einer Eheschlie\u00dfung zu sorgen. Das hat sich in den 150 Jahren seither so sehr etabliert, da\u00df es kaum hinterfragt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mu\u00df, ja kann diese Entwicklung von Christen ohne Widerspruch oder ohne Alternativen hingenommen werden? Hier entstehen prinzipielle und praktische Fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnen wir bei den praktischen Fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die <em>\u00d6ffentlichkeit<\/em> k\u00f6nnte ein christliches Brautpaar durchaus ohne das Standesamt sorgen: Ihr Trauversprechen findet im Gottesdienst vor Gott und Gemeinde statt, sie k\u00f6nnen ihre Ehe problemlos im politischen und im kirchlichen Gemeindeblatt anzeigen. Denn seit dem neuen Personenstandsgesetz 2009 ist der Verzicht auf die zivile vor einer kirchlichen Trauung keine Ordnungswidrigkeit mehr. Insoweit sind wir frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die <em>Rechtsfolgen<\/em> (Erziehungs-, Erbfragen, Besuchsrecht, Name) k\u00f6nnten weitgehend privatrechtlich durch Vertr\u00e4ge hergestellt werden, ohne da\u00df das Standesamt beteiligt wird. Der Weg dorthin mag etwas aufwendiger sein, aber es ist kein prinzipielles Hindernis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nNun die prinzipielle Frage: Brauchen wir den Staat?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die prinzipielle Frage der Staatsbeteiligung wurde schon angeschnitten, als wir uns die kirchenkritischen Motive bei der Einf\u00fchrung der Zivilehe vor Augen hielten. Dazu kommt, da\u00df das deutsche Recht sich seit l\u00e4ngerem weiter s\u00e4kularisiert, ja christliche Grunds\u00e4tze mit F\u00fc\u00dfen tritt:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>1969 Ehebruch entkriminalisiert:<\/strong> Vorher drohte bis sechs Monate Gef\u00e4ngnis, in der fr\u00fchen Neuzeit z.T. die Todesstrafe. Wenn der Staat bei einer Eheschlie\u00dfung aus christlicher Sicht zwingend die \u00d6ffentlichkeit vertreten sollte, m\u00fc\u00dfte er dann nicht Ehebruch unter Strafe stellen?<\/li>\n<li><strong>1973 Wegfall des \u201eKuppeleiparagraphen\u201c<\/strong> (\u201eVerschaffung von Gelegenheit der Unzucht\u201c): Nunmehr darf man straflos unverheiratete Personen miteinander bei sich beherbergen. Zuvor gab es daf\u00fcr bis zu f\u00fcnf Jahre Zuchthaus, bes. wenn sich Eltern, Lehrer oder Geistliche schuldig machten.<\/li>\n<li><strong>1976 Eherechtsreform:<\/strong> Das Zerr\u00fcttungsprinzip l\u00f6st das Verschuldensprinzip im Scheidungsrecht ab; au\u00dferdem soll ein partnerschaftliches Eheverst\u00e4ndnis das Leitmodell der Hausfrauenehe ersetzen. Die Scheidungen nehmen zu.<\/li>\n<li><strong>2001 Lebenspartnerschaftsgesetz: <\/strong>F\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare wird die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, am Standesamt zu erkl\u00e4ren, auf Lebenszeit eine Partnerschaft f\u00fchren zu wollen. Die Rechte und Pflichten glichen noch nicht vollst\u00e4ndig der Ehe.<\/li>\n<li><strong>2017 \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c:<\/strong> Volle Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen mit zweigeschlechtlichen Paaren trotz Widerspruch zum Geist des Grundgesetzes (im deutschen Bundestag auch mit 75 Abgeordneten der CDU\/CSU beschlossen!).<\/li>\n<li>Duldung der <strong>Mehrehen <\/strong>(zunehmend durch Einwanderung).<\/li>\n<li><strong>Heiratsstrafe:<\/strong> teilweise steuerliche Schlechterstellung Verheirateter gegen\u00fcber Nichtverheirateten, besonders bei \u00e4lteren Heiratswilligen.<\/li>\n<li>Perspektivisch wird eine Legalisierung der <strong>polyamour\u00f6sen <\/strong>(d.h. drei oder mehr Partner)<strong> und inzestu\u00f6sen Beziehungen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehen, wie der auf Kontrolle bedachte Staat die feierliche Gr\u00fcndung von Ehen an sich gezogen hat und diese immer weiter von christlichen Grunds\u00e4tzen abkoppelt. (Christa Meves hatte in den 1990er Jahren die \u201eHomosexualisierung Europas\u201c vorausgesehen.) Die prinzipielle Frage lautet also: Kann der s\u00e4kulare Staat, der von den j\u00fcdisch-christlichen Grundlagen entweder nichts wei\u00df oder diese bewu\u00dft negiert, von Christen vertrauensvoll als normgebende Institution ihrer Ehe angenommen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nDen Staat Staat sein lassen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Rat besonders an \u00e4ltere Geschwister, denen die Frage wegen der Heiratsstrafe Not bereitet, lautet: Werdet in der Kirche getraut, sorgt selbst f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit und f\u00fcr die Rechtsfolgen (soweit gew\u00fcnscht), und la\u00dft den Staat Staat sein. Und wenn ihr eine Feier macht, steht dazu und kommuniziert offen \u00fcber Euren Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcngeren Paaren w\u00fcrde ich vorl\u00e4ufig raten, wie bisher den Weg \u00fcber das Standesamt zu gehen, besonders um umfassende Sicherheit f\u00fcr die Kinder zu haben. Aber f\u00fcr zwingend halte ich es nicht. Nur sollte, wer aufs Standesamt verzichtet, sich sehr genau beraten, welche rechtlichen und steuerlichen Auswirkungen das dann folgende Konkubinat (aus staatlicher Sicht) haben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><br \/>\nEhe als gelebte Gnade <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich f\u00fcr die Ehe kr\u00e4ftig die Werbetrommel r\u00fchren. Es gibt keine Institution, die so segensreich in alle Bereiche unseres Lebens hineinwirken kann, von der Geburt bis zum Tod. Denn wer Ehe und Familie nach biblischen Ma\u00dfst\u00e4ben lebt, darf dort \u2013 wenn auch gebrochen \u2013 erfahren, was ihm Staat und Welt nicht geben k\u00f6nnen: Bedingungslose Liebe. Annahme. Zuwendung. Vergebung. Interesse. Friede zwischen den Geschlechtern. Friede zwischen den Generationen. Vorbild und Nachahmung. Freiheit. Bindung. Heimat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00e4ubige Denker haben sich immer mit den Zusammenh\u00e4ngen von Glaube und Ehe befa\u00dft. Nur drei Beispiele aus neuerer Zeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22828 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/51ulMB6EBIL._SL1500_-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/51ulMB6EBIL._SL1500_-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/51ulMB6EBIL._SL1500_-649x1024.jpg 649w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/51ulMB6EBIL._SL1500_-768x1213.jpg 768w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/51ulMB6EBIL._SL1500_.jpg 950w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/>Timothy Keller hat in seinem Buch \u00fcber die Bedeutung der Ehe wunderbar herausgestellt, da\u00df und wie Ehe dem Evangelium entspricht. Zur Vertiefung kann ich dieses Buch nur empfehlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bernd Wannenwetsch spricht von der Ehe als der Sozialform, die der Rechtfertigung allein durch Gnade entspricht: Diese Institution<em> entlastet<\/em>. Das Trauversprechen zielt auf eine unverbr\u00fcchlich und unbedingt gew\u00e4hrte Gemeinschaft. So kann die Freiheit von den Werken als Freiheit vom Zwang zur Rechtfertigung der eigenen Existenz gelebt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oswald Bayer preist die Ehe als Sozialform \u201ezugesagter Freiheit\u201c. Sie macht frei von Verlustangst, denn nach dem \u00f6ffentlichen Trauversprechen sollte das vorherige Dauerpr\u00fcfen vorbei sein! Ab jetzt ist alles zu investieren, da\u00df es gut wird! Das einander Freigeben und Verzeihen legt Grund f\u00fcr das Wohl der ganzen Familie, insbes. f\u00fcr die Phase der Mutterschaft, die mit Abh\u00e4ngigkeit und Verletzlichkeit verbunden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir leben heute in einer hochexplosiven Mischung von Gl\u00fcckserwartung, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Vertragsdenken \u2013 und Vertr\u00e4ge werden notfalls per Rechtsanwalt eingefordert. Starke Kr\u00e4fte wollen einer unverbr\u00fcchlichen Gemeinschaft den Boden wegziehen. Da ist die christliche Sicht realistisch: Wir sind alle S\u00fcnder, d.h. wollen uns \u201eabsondern\u201c. Konflikte sind unvermeidlich, m\u00fcssen durchgestanden und unter das Kreuz gebracht werden. Wir wissen, da\u00df wir f\u00fcr die Einhaltung des gr\u00f6\u00dften Versprechens unseres Lebens auf Gottes Macht und Bund angewiesen sind. Eine gute Traupredigt h\u00e4lt vor Augen, da\u00df die Verbindung der Liebenden dem Bund Gottes nicht nur kognitiv entspricht, sondern ihm durch den Glauben an den Gekreuzigten und Auferstanden seinsm\u00e4\u00dfig verbunden ist. Ehe fu\u00dft auf einer seinsm\u00e4\u00dfigen Grundlage, die die Eheleute mit keinem Vertrag selbst herstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist einer der besten Beitr\u00e4ge, die lebendige Christen an ihre Nachbarn und ihre Kultur vermitteln sollten: Sie sehen ihre Beziehung eingebettet in eine gro\u00dfe Heilsgeschichte; sie sehen sich getragen nicht nur von der gemeinsamen Verantwortung f\u00fcr Kinder und Besitz, nicht von gro\u00dfen Gef\u00fchlen, sondern von dem, der f\u00fcr sie starb, ihre Schuld auf sich nahm und sie freisetzte, anderen zu vergeben und sie anzunehmen, wie Christus sie angenommen hat zu Gottes Lob.<\/p>\n<p><em>Pastor Dr. Stefan Felber<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: \u201eAufbruch\u201c \u2013 Informationen des Gemeindehilfsbundes, 1\/2026 (Juni).<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/aufbruch_1_2026.pdf\">Die aktuelle Ausgabe hier herunterladen.\u00a0<\/a><\/em><\/p>\n<p>Den \u201eAufbruch\u201c kann man kostenfrei abonnieren \u00fcber die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes (info@gemeindehilfsbund.de).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Interessant sind dabei die flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge, z.B. zwischen Prostitution und Verehrung anderer G\u00f6tter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> A. Angenendt, Art. Ehe IV. sozialgeschichtlich, in: Evangelisches Lexikon f\u00fcr Theologie und Gemeinde, Neuausgabe, Band I: A\u2013E, Holzgerlingen 2017, Spalten 1571f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> So ein Beitrag des Deutschlandfunks vom 23.1.2024 (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/zivilehe-preussen-bismarck-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/zivilehe-preussen-bismarck-100.html<\/a>, 14.05.2026). Auch wenn die Zahlen zu hoch gegriffen sein sollten, ist der Schub an S\u00e4kularisierung doch erschreckend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine christliche Erfindung? K\u00fcrzlich schrieb ein moderner Theologe, die Ehe sei keine christliche Erfindung. Ehe und Familie entst\u00fcnden aus dem Wunsch nach Ordnung. Und je unruhiger die Zeiten seien, desto mehr w\u00fcnsche man sich geordnete Verh\u00e4ltnisse. 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