{"id":22592,"date":"2026-05-26T09:14:10","date_gmt":"2026-05-26T07:14:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22592"},"modified":"2026-05-22T15:17:21","modified_gmt":"2026-05-22T13:17:21","slug":"was-fordert-die-lage-unseres-volkes-von-unserer-evangelischen-christenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22592","title":{"rendered":"Was fordert die Lage unseres Volkes von unserer evangelischen Christenheit?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00fcrde mich freuen, wenn die Antwort lautete: Gebet. O ja! Das Evangelium gibt uns das Gebetsrecht und damit auch die Gebetspflicht f\u00fcr unser Volk. Wir k\u00f6nnen das mit gutem Grund das H\u00f6chste nennen, das wir unserem Volk geben k\u00f6nnen; aber es kann nicht das einzige sein. Ein echtes Gebet ist ein Kind der Liebe, und unserer Liebe ist gesagt: \u201eLasst uns nicht lieben mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.\u201d Wer ein Beter f\u00fcr unser Volk ist, wird auch ein T\u00e4ter sein, der Zeit und Kraft willig f\u00fcr die Arbeit zur Verf\u00fcgung stellt, die f\u00fcr unser Volk geschehen muss.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was muss geschehen? Nie haben die evangelischen Theologen dieser Frage die Antwort versagt; sie haben es immer zu ihrer Amtspflicht gerechnet, der Christenheit zu sagen, was sie zu tun habe. Sie haben in langer Reihe einhellig gesagt: Was geschehen muss, ist einzig das, was Paulus in R\u00f6mer 13,1 geboten hat: \u201eJedermann sei den Obrigkeiten untertan.\u201d Nie wird die Christenheit dieses Wort des Apostels vergessen, und kein evangelischer Theologe wird es bestreiten. Mit revolution\u00e4ren Bestrebungen hat evangelische Politik nichts zu tun; sie ist uns im Gegenteil dazu unentbehrlich, damit unser Volk nicht in Revolutionen hineingetrieben werde, sondern damit wir eine Obrigkeit haben, der wir untertan sein k\u00f6nnen. Das ist ein Kennzeichen der Christenheit, das sie von allen Parteien unterscheidet, dass sie sich unterordnen und gehorchen kann. Die Parteien werden alle revolution\u00e4r und verweigern den Gehorsam, sobald ihre Interessen gesch\u00e4digt werden und sie auf ihre Pl\u00e4ne verzichten m\u00fcssen. Die Christenheit dagegen kann sich unterordnen, nicht von der Furcht gebeugt, nicht \u00fcberm\u00e4chtigemZwang unwillig sich f\u00fcgend, sondern mit willigem, freiem Gehorsam, um des Gewissens willen, wie Paulus sagt, um Gottes willen, weil sie den dem Staat gegebenen Auftrag, die Boshaften zu verfolgen und die G\u00fctigen zu sch\u00fctzen, ehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer aber mit R\u00f6mer 13,1 beweisen will, dass wir uns auch Widerchristlichem unterwerfen sollen, der kennt Paulus nicht und treibt Unfug. Wie soll aber Widerchristliches in der Wirtschaft, in der Schule, in der Justiz, im V\u00f6lkerverkehr ausbleiben, wenn die Christenheit schweigt, unt\u00e4tig bleibt und ihre Pflicht unserem Volke gegen\u00fcber mit passiver Unterw\u00fcrfigkeit erf\u00fcllt zu haben meint? Mit gutem Gewissen kann nur der leiden, der gehandelt hat. Entsteht Widerchristliches durch die Politik? Wer daran zweifelt, den muss man fragen: Schl\u00e4fst du? Da Christus der Herr aller ist, besteht seine Kirche in allen V\u00f6lkern, und sie ist \u00fcberall, wo sie ist, die eine und dieselbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt es nicht eine Politik, die die eine Kirche in einander hassende Nationen zerrei\u00dft, so dass jedes Volk sich am Ungl\u00fcck des anderen freut und keines dem anderen sein Gedeihen g\u00f6nnt? Der Staat greift nach unseren Kindern und presst ihnen die von ihm gewollte Bildung ein. Ist es Einbildung, dass diese Bildung Gottlosigkeit und Zuchtlosigkeit, Erziehung zum L\u00fcgen und zur erhitzten Ichsucht, nicht Kultur, sondern Barbarei erzeugen kann? Der Staat ordnet durch seine Gesetzgebung und Verwaltung den Gang der Wirtschaft. Ist es nicht offenkundig, dass in der Weise, wie wir wirtschaften, Mammonismus entstehen kann, \u00dcberordnung des Gelderwerbs \u00fcber jedes andere Ziel, Missachtung und Ausbeutung der Menschen, damit Geld erworben werde? Die Politik macht es notwendig, dass best\u00e4ndig gesprochen wird, in den Parlamenten, in der Presse, all\u00fcberall. Dient dieses Gerede der Wahrheit oder befreit es sich von der Wahrheitspflicht? Und ist es gleichg\u00fcltig, dass unser Volk best\u00e4ndig ans L\u00fcgen gew\u00f6hnt wird und dies durch das Beispiel der f\u00fchrenden St\u00e4nde, der Redakteure, der Advokaten, der Lehrer, der Regierenden? Wo die L\u00fcge regiert, stirbt das Vertrauen, und wo kein Vertrauen gedeihen kann, zerf\u00e4llt die Volksgemeinschaft. Es bleibt beim apostolischen Wort: \u201eWir haben Gemeinschaft miteinander, wenn wir im Licht wandeln.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Staat ist der Tr\u00e4ger der Macht. Immer aber ist der Besitzer der Macht in Gefahr, sie zur Unterdr\u00fcckung der Freiheit zu missbrauchen. Ohne diese kann aber die Christenheit nicht leben, der einzelne Christ nicht, weil er in seinem Umgang mit den Menschen seinem Bekenntnis treu bleiben muss, und auch die Gemeinde nicht, weil sie f\u00fcr ihr Zusammenleben und f\u00fcr ihre Arbeit freien Raum haben muss. Lassen Sie sich von einem russischen Christen erz\u00e4hlen, was Gewaltherrschaft im Dienst des Atheismus f\u00fcr Folgen hat. Vielleicht sind einige hier, die erwidern: \u201eDas Widerchristliche wollt ihr abwehren; das k\u00f6nnt ihr nicht; der Antichrist muss kommen, und er ist nahe.\u201c Meine Gegenfrage lautet: Wozu verwendest du diese Weissagung? Dazu, um zu verzagen und unt\u00e4tig zu bleiben, weil die antichristliche Woge unabwendbar auch \u00fcber unser Volk rolle? Wir gebrauchen kein Schriftwort richtig, wenn es uns nur l\u00e4hmt. Vom Antichristen kann nur der sprechen, der auf den Christus hofft, auf den, der seine Knechte fragt, ob sie das von ihm Empfangene bewahrten. Zur Treue der Christenheit geh\u00f6rt, dass sie tut, was sie kann, um dem widerchristlichen Wesen zu widerstehen\u2026.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Adolf Schlatter, Auszug aus einer Rede f\u00fcr den Christlichen Volksdienst, gehalten in T\u00fcbingen am 18.02.1929, erschienen in dem Buch \u201eGesunde Lehre \u2013 Reden und Aufs\u00e4tze von Adolf Schlatter\u201c, Freizeiten-Verlag Velbert, 1929.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es w\u00fcrde mich freuen, wenn die Antwort lautete: Gebet. O ja! Das Evangelium gibt uns das Gebetsrecht und damit auch die Gebetspflicht f\u00fcr unser Volk. Wir k\u00f6nnen das mit gutem Grund das H\u00f6chste nennen, das wir unserem Volk geben k\u00f6nnen; aber es kann nicht das einzige sein. 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