{"id":22445,"date":"2026-03-19T11:52:01","date_gmt":"2026-03-19T10:52:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22445"},"modified":"2026-03-19T11:52:01","modified_gmt":"2026-03-19T10:52:01","slug":"die-bibel-umschreiben-um-einfach-mensch-sein-zu-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22445","title":{"rendered":"Die Bibel umschreiben, um &#8222;einfach Mensch sein&#8220; zu k\u00f6nnen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Hannoversche Landeskirche hat eine Arbeitshilfe f\u00fcr gendersensible und queerfreundliche Praxis in ihren Gemeinden ver\u00f6ffentlicht. Ein Kommentar vom Vorsitzenden des Gemeindehilfsbundes (Walsrode), Stefan Felber<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, ob ich es ernst nehmen und weinen oder ob ich es sportlich nehmen und lachen soll. W\u00e4hrend die woke Welle andernorts schon wieder abebbt und der Anteil der sich &#8222;divers&#8220; Verstehenden sinkt, sucht die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers nach wie vor, dort Anschluss zu gewinnen. Jetzt hat sie die 192 Seiten lange &#8222;Arbeitshilfe f\u00fcr eine gendersensible und queerfreundliche Praxis in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers&#8220; herausgegeben. Wer die ganze Bibel als Gottes Wort liebt, muss beim Lesen der rund 50 Texte verschiedener Autoren ziemlich tapfer sein.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine entkernte Sprache<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht nicht nur \u2013 und das w\u00e4re schlimm genug! \u2013 um &#8222;G*tt&#8220; mit Sternchen oder Bindestrich. Sogar die W\u00f6rter &#8222;Vielfalt*&#8220;, &#8222;trans*&#8220; und &#8222;inter*&#8220; werden mit Sternchen erg\u00e4nzt. Mehrere Wortlisten k\u00f6nnten helfen, die neuen Begri\u001ee zu lernen. Ein Problem sieht man hier nicht, sondern eine M\u00f6glichkeit, an allen (un)m\u00f6glichen Stellen &#8222;Vielfalt&#8220; zum Ausdruck zu bringen. Sprache habe mit Macht zu tun, hei\u00dft es. Also wird an ihr geschraubt. Die Umformungen sollen offenbar Kritik am leibfeindlichen Unsinn (&#8222;Geboren im falschen K\u00f6rper&#8220;) gar nicht erst aufommen lassen. Derlei wird nicht nur als gegeben hingenommen: Queere Identit\u00e4t wird in manchen \u00c4u\u00dferungen sogar \u00fcber die hetero- oder homosexuelle Identit\u00e4t gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So schreibt die Theologische Leiterin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des &#8222;Studienzentrums der EKD f\u00fcr Genderfragen&#8220;, Ruth He\u00df, Folgendes \u00fcber Zeugungsunf\u00e4hige in Matth\u00e4us\u00a019,12: Sein Typus sei &#8222;nicht nur Identifkationsfigur f\u00fcr queere Menschen, sondern Prototyp des anbrechenden G-ttesreiches selbst, der Zeit der in Christus geschehenen, aber noch nicht vollendeten Vers\u00f6hnung \u2013 unserer Zeit&#8220;. L\u00e4uft es darauf hinaus: Vers\u00f6hnung als Aufhebung von Sexualit\u00e4t und Fruchtbarkeit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Z\u00e4hmung der Bibel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders bedr\u00fcckend ist die Distanzierung von der Bibel. Unter der \u00dcberschrift &#8222;Wahlverwandtschaften \u2013 Eine Bibliolog-Erfahrung mit LSBTIQ+&#8220; schreibt der Pastoralreferent und Geistliche Begleiter Stephan Trescher: &#8222;Zwischen dem schwarzen Feuer des Bibeltextes ist Platz f\u00fcr das wei\u00dfe Feuer der Teilnehmenden. Jede:r kann, niemand muss etwas sagen. Alles Gesagte ist wertvoll. (\u2026)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt kein Richtig und Falsch. Es geht eh nicht um Wissen. Es muss auch nichts Frommes oder Spirituelles sein.&#8220; F\u00fcr &#8222;queer-feministische G*ttesdienste&#8220; schl\u00e4gt das Papier vor: &#8222;Suche dir drei bis sechs Piktogramme aus, die f\u00fcr dich G*tt, Jesus und die Heilige Geistkraft beschreiben und formuliere damit eine trinitarische Formel, in der von G*tt nicht nur m\u00e4nnlich gesprochen wird. (\u2026) Wenn du noch Zeit\/Lust hast, verfasse nun ein geschlechtergerechtes und\/oder feministisches Gebet zu einem dieser Themen: Christopher-Street-Day Demonstration, Muttertag, Tag der Arbeit&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Vorbereitung der Schriftlesungen wird zun\u00e4chst ein Vergleich von Lutherbibel, BasisBibel und Bibel in gerechter Sprache empfohlen. Markiert werden soll dann, &#8222;was dir gef\u00e4llt mit Blick auf queere, feministische, geschlechtergerechte Formulierungen&#8220; \u2013 aber auch problematische Stellen. Und dann soll der Bibeltext so umgeschrieben werden, &#8222;dass er f\u00fcr dich am gerechtesten von den Menschen und von G*tt spricht&#8220;. Eine \u00e4hnliche Herangehensweise wird auch f\u00fcr das Glaubensbekenntnis vorgeschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Boden wurde bereitet<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles kommt nicht aus dem Nichts: Der britische reformierte Theologe Carl Trueman hat in &#8222;Der Siegeszug des modernen Selbst&#8220; (2022) die philosophischen Wurzeln offengelegt. Aber es gibt leider auch theologische Wurzeln. Wir ernten die sp\u00e4ten Fr\u00fcchte der Theologie Friedrich Schleiermachers, der 1799 schrieb: &#8222;Jede heilige Schrift ist nur ein Mausoleum der Religion, ein Denkmal, dass ein gro\u00dfer Geist da war, der nicht mehr da ist; denn wenn er noch lebte und wirkte, wie w\u00fcrde er die todte kalte Masse, die er zur\u00fcckgelassen hat, beleben und mit sich fortziehen! Nicht der hat Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider wurde diese Theologie an den Fakult\u00e4ten nie \u00fcberwunden. Die lutherische Theologie h\u00e4tte das eigentlich gekonnt. Denn Luther sagte: &#8222;Und so verwandelt (Gott) uns in sein Wort, nicht aber sein Wort in uns. Er macht uns aber zu solchen (d.h. gerecht, wahrhaftig etc.), wenn wir sein Wort als solches glauben, n\u00e4mlich als gerecht, wahr.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausgrenzung im Namen der Toleranz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erschrockene Leser dieser Arbeitshilfe mag hoffen, das antichristliche Zeug m\u00f6ge nur eine Ausnahme sein. Doch das Papier selbst hofft auf das Gegenteil. So hei\u00dft es in den &#8222;10 Geboten&#8220; f\u00fcr einen queersensiblen Gottesdienst: &#8222;Ich will an jedem Sonntag eine queere und feministische Sicht bedenken.&#8220; Es gibt also doch Gebote, sogar richtig und falsch. Falsch ist alles, was Queersein infrage stellen k\u00f6nnte. Richtig ist alles, was best\u00e4tigt (&#8222;empowert&#8220;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Behauptet jemand, Gottes Wort sage aber\u00a0\u2026, m\u00fcssen erst mal Herrschaftsanspr\u00fcche dekonstruiert werden. Was die Arbeitshilfe als Toleranz definiert, grenzt die Wahrheit und mit ihr die treuesten Kirchenleute aus. &#8222;Woke&#8220; hei\u00dft Daueremp\u00f6rung \u2013 das sind die eigentlichen Wutb\u00fcrger, die \u00fcberall Ungerechtigkeit wittern und die Beseitigung sozialer Ungleichheiten als alleinige Daseinsberechtigung der Kirche sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Demokratie-Keule<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeitshilfe sieht die Demokratie in Gefahr, wenn nicht gegendert und queersensibel agiert wird. Es hei\u00dft, Demokratiebildung und Demokratief\u00f6rderung k\u00e4men nicht ohne die Thematisierung von Geschlechtsidentit\u00e4ten und sexuellen Orientierungen und den daraus resultierenden Benachteiligungsstrukturen aus. Moment! Wie konnte denn bisher Demokratie ohne Gender entstehen? Eher scheint mir die ganze Identit\u00e4tspolitik, darunter der Genderismus, geradezu hinderlich f\u00fcr die demokratische Entwicklung, weil sie in Gesellschaft und Kirche so penetrant andere Sach- und Glaubensthemen, die viel wesentlicher und biblisch gesehen auftragsgem\u00e4\u00df sind, in den Hintergrund treten lassen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was nun?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass Kirchenleitungen und Synoden nicht Bu\u00dfe tun, egal ob ein Protest scharf oder milde angestimmt wird. F\u00fcr manche wird diese Arbeitshilfe der letzte Ansto\u00df zum Kirchenaustritt sein. Doch auch in den Landeskirchen hat Gott sich Menschen bewahrt, die ihm und seinem Wort treu bleiben. In den Kirchen\u00e4mtern ist die geistliche Luft aber schon sehr d\u00fcnn geworden. Kyrie eleison!<\/p>\n<p><em>Pastor Dr. Stefan Felber<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Felber_S__Bibel_umschreiben_um_einfach_Mensch_zu_sein_IDEA.pdf\"><em>IDEA, 18.3.2026<\/em><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.idea.de\/\">IDEA Klar. Konkret. Christlich.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/GHB_Kongresse_2026_web.pdf\">&#8222;WAS IST KIRCHE?&#8220;<\/a><br \/>\nUm \u00e4hnliche Themen geht es bei zwei Kongressen des Gemeindehilfsbundes:<br \/>\n20. bis 22. M\u00e4rz | Geistliches R\u00fcstzentrum Krelingen, Walsrode<br \/>\n27. bis 29. M\u00e4rz | Haus Felsengrund, Bad Teinach-Zavelstein<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hannoversche Landeskirche hat eine Arbeitshilfe f\u00fcr gendersensible und queerfreundliche Praxis in ihren Gemeinden ver\u00f6ffentlicht. 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