{"id":22381,"date":"2026-02-16T09:28:04","date_gmt":"2026-02-16T08:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22381"},"modified":"2026-02-16T09:28:04","modified_gmt":"2026-02-16T08:28:04","slug":"die-entwicklung-des-charakters-der-mit-unseren-ueberzeugungen-einhergehen-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22381","title":{"rendered":"Die Entwicklung des Charakters, der mit unseren \u00dcberzeugungen einhergehen muss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als ich erwog, was f\u00fcr ein Thema ich heute behandeln sollte, fiel mir die Wahl zun\u00e4chst schwer. Es gibt so viele gute, hilfreiche und aufbauende Themen, die ich ansprechen k\u00f6nnte. Die Bedeutung der Heiligen Schrift, ihr Stellenwert in unseren Gemeinden als inspiriertes und unfehlbares Wort Gottes und die Fehler, die unsere Gemeinden begangen haben, indem sie sich davon entfernt haben. Ich k\u00f6nnte \u00fcber unsere \u00dcberzeugung sprechen, dass das Heil allein durch Christus erlangt wird. Ich k\u00f6nnte dar\u00fcber sprechen, wie unsere Kulturen uns dazu verleiten, das Weltliche anzunehmen, und die Wahrheit aus vielen Quellen zu beziehen. Es ist wichtig, dass wir in unseren \u00dcberzeugungen gest\u00e4rkt und ermutigt werden, und ich k\u00f6nnte die n\u00e4chsten zwanzig Minuten dar\u00fcber sprechen, und ich bin sicher, jeder hier w\u00fcrde sehr zufrieden nach Hause gehen. Doch als ich dar\u00fcber nachgedacht habe, was es bedeutet, in einer Kirche, die sich manchmal von ihren biblischen Wurzeln abzuwenden scheint, standhaft zu bleiben, als ich \u00fcber den Dienst in meinem eigenen Umfeld nachgedacht habe, als ich \u00fcber das Privileg nachgedacht habe, viele von Ihnen kennenzulernen \u2013 da ist mir klar geworden, dass unsere \u00dcberzeugungen, so wichtig sie auch sind, nicht genug sind.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb will ich heute \u00fcber etwas sprechen, das untrennbar mit unseren \u00dcberzeugungen verbunden ist \u2013 und das ist unser Charakter. Unsere \u00dcberzeugungen sind das, woran wir glauben, was wir f\u00fcr wahr halten \u2013 und unser Charakter zeigt, wie wir diese Wahrheit leben. Und doch konzentrieren wir uns so oft so sehr auf unsere \u00dcberzeugungen, dass wir den Charakter vernachl\u00e4ssigen, der damit einhergehen muss. Es w\u00e4re so einfach f\u00fcr mich, den bequemen Weg zu gehen und so zu tun, als l\u00e4gen alle Probleme au\u00dferhalb von uns \u2013 ohne jemals anzuerkennen, dass wir, bevor wir eine Reformation in unseren Kirchen anstreben, zuerst eine in uns selbst, in unseren Herzen, brauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welchen Charakter sollen wir also entwickeln?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zweiten Petrusbrief lesen wir<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eso setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen Sie, wie die Liebe die h\u00f6chste Priorit\u00e4t nimmt? Im ersten Korintherbrief h\u00f6ren wir, wie die Liebe wie folgt beschrieben wird:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Liebe ist langm\u00fctig und g\u00fctig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bl\u00e4ht sich nicht auf; sie ist nicht unanst\u00e4ndig, sie sucht nicht das Ihre, sie l\u00e4sst sich nicht erbittern, sie rechnet das B\u00f6se nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie ertr\u00e4gt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das alles klingt wunderbar und sogar einfach, bis wir uns an die Worte Jesu in der Bergpredigt erinnern: \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist: Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet f\u00fcr die, welche euch beleidigen und verfolgen\u201c. Wir sind eine Gemeinde, die dazu berufen ist, die Liebe als unser h\u00f6chstes Charaktermerkmal zu leben. Und zwar nicht nur die Liebe zu denen, die wir leicht lieben k\u00f6nnen, sondern zu allen, selbst zu unseren Feinden. Ist das, was wir erleben? \u2013 Wenn wir mit anderen in Kontakt treten, wenn wir f\u00fcr den Glauben eintreten, wenn wir die Wahrheit des Evangeliums in unseren Kirchen, online oder wo auch immer wir uns befinden, verteidigen: nirgendwo sind wir von dieser Verpflichtung befreit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen eine Bewegung sein, deren Kennzeichen die Liebe ist: \u00fcberflie\u00dfende Liebe, verschwenderische Liebe, auch und gerade f\u00fcr diejenigen, mit denen wir uns auseinandersetzen und deren Lehren wir ablehnen. Denn Liebe ist nicht dasselbe wie einfach nur nett und freundlich zu sein; wir sind weiterhin dazu aufgerufen, aufzutreten, zu ringen und herauszufordern. Wir werden und m\u00fcssen denen in unseren Gemeinden widersprechen, die die Heilige Schrift beiseiteschieben und sich vom \u00fcberlieferten Glauben abwenden wollen. Aber wir tun dies in Liebe. Stellen Sie sich vor, die Menschen, mit denen Sie sprechen, gehen nach einem Gespr\u00e4ch mit Ihnen weg und denken: \u201eDas war v\u00f6llig seltsam \u2013 sie waren in so vielen Punkten anderer Meinung als ich, und doch wei\u00df ich, dass sie mich geliebt haben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sehr verfehlen wir dieses Ziel in unseren Worten und Taten? Lassen Sie mich das klarstellen: Dies ist keine Taktik, keine pragmatische Diplomatie oder Strategie, sondern ein Appell, dass wir uns daran erinnern, dass Gott zuerst in unseren Herzen wirken muss. Diese Liebe ist keine Maske, die wir aufsetzen. Sie bedeutet nicht, \u00e4u\u00dferlich zu l\u00e4cheln, w\u00e4hrend wir innerlich voller Bosheit und Wut sind. Nein! Diese Liebe muss von Herzen kommen. Wenn Sie also das n\u00e4chste Mal \u00fcber Ihre Gemeinde, Ihre Leiter sprechen, fragen Sie sich: \u201eLiebe ich sie wirklich?\u201c Entsprechen meine Worte und Taten echter Liebe, die nicht entehrt, die nicht leicht zornig wird, die das B\u00f6se nicht zurechnet, die sch\u00fctzt, vertraut und ausharrt? Ist das meine Liebe zu ihnen? Denn ich bin ehrlich zu Ihnen allen: Bei mir ist das leider viel zu oft nicht der Fall. Und das besch\u00e4mt mich, denn diese Liebe ist keine Option. Denn wenn Paulus im Galaterbrief von der Frucht des Geistes spricht \u2013 Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, G\u00fcte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung \u2013, dann sind diese Eigenschaften nicht optional.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor meiner Rolle als Pastor und als jemand, der unsere Gemeinden zu Christus zur\u00fcckf\u00fchren m\u00f6chte, bin ich zuallererst ein Christ. Das bedeutet, dass Gott seinen Geist in mir wohnen l\u00e4sst und dass er mein totes Herz zum Leben erweckt hat. Er wirkt in mir, um mich zu heiligen, mich zu ver\u00e4ndern und mich zu der Art von Mensch zu formen, der die Gegenwart Gottes wirklich genie\u00dfen kann. Und dasselbe gilt f\u00fcr uns alle hier. Wenn wir Menschen sein wollen, die die Frucht des Geistes in ihrem Leben tragen, dann bedeutet das, dass dies in jedem Bereich unseres Lebens sichtbar wird, auch darin, wie wir uns f\u00fcr unsere Gemeinden einsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht denken Sie jetzt: Moment mal. Das klingt ja alles sch\u00f6n und gut, aber was ist mit Jesus? Er ist den Pharis\u00e4ern gegen\u00fcber nicht gerade sanft und nachsichtig gewesen. Er nannte sie ja schlie\u00dflich eine Schlangenbrut und get\u00fcnchte Gr\u00e4ber \u2013 wenn er solche Worte benutzen kann, kann ich das doch auch! Er ging mit einer Peitsche in den Tempel, um die dort stattfindende Entweihung zu beenden \u2013 das wirkt nicht gerade sanft. Dazu m\u00f6chte ich Folgendes sagen: Jesus konnte in die Herzen der Menschen blicken, mit denen er sprach. Er wusste genau, wovon er sprach, als er seine Gegner scharf zurechtwies. Sie und ich k\u00f6nnen das nicht. Ja, es wird Situationen geben, in denen deutliche Worte und entschlossenes Handeln n\u00f6tig sind. Ja, es besteht die Gefahr, nicht weit genug zu gehen, nicht deutlich genug zu sprechen. Nicht klar genug zu sein um des Evangeliums willen und unsere Botschaft aus dem Wunsch heraus, nett zu sein, zu verw\u00e4ssern. Nirgends sind wir einfach nur dazu aufgerufen, nett zu sein. Manchmal m\u00fcssen wir herausfordernd sein, aber immer liebevoll, immer sanftm\u00fctig und immer mit Selbstbeherrschung. Das sind keine optionalen Eigenschaften, so hat Gott uns befohlen, zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehen dies praktisch umgesetzt in 2. Timotheus 2 \u2013 als Paulus Timotheus im Umgang mit Irrlehrern und denen, die das Evangelium verf\u00e4lschen, unterweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEin Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, f\u00e4hig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Bu\u00dfe geben m\u00f6chte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder n\u00fcchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind f\u00fcr seinen Willen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst einmal handeln wir auf diese vom Heiligen Geist erf\u00fcllte Weise, weil es unserem Wesen entspricht, aber auch im Hinblick auf diejenigen, mit denen wir es zu tun haben. Wenn wir mit anderen nicht \u00fcbereinstimmen, sie herausfordern oder ihnen widersprechen, ist unsere Hoffnung und unser Ziel nicht, uns nach der Debatte als Sieger zu f\u00fchlen und unsere Gegner gedem\u00fctigt zu haben. Es geht nicht darum, uns selbst gut zu f\u00fchlen und sie zu besch\u00e4men. Unsere Hoffnung ist vielmehr, dass Gott ihnen Bu\u00dfe schenkt, die zur Erkenntnis der Wahrheit f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird das Ihre Interaktion mit anderen ver\u00e4ndern, ob online oder in Ihrer Gemeinde? Ich hoffe es. Und ich wei\u00df, dass einige von Ihnen jetzt denken: \u201eDas habe ich im Griff \u2013 das mache ich schon, ich bin bestens vorbereitet!\u201c Wenn die Rollen vertauscht w\u00e4ren, w\u00fcrde ich wahrscheinlich genauso denken! Aber wer auch immer Sie sind und wie gut Sie sich auch vorbereitet f\u00fchlen, denken Sie daran: Wir alle sind noch auf dem Weg, wir streben nach Christus\u00e4hnlichkeit, aber wir werden sie in diesem Leben nie vollkommen erreichen. Auch wenn dies eher eine Erinnerung als eine neue Lehre ist, nehmen Sie es sich zu Herzen, als ob Sie es zum ersten Mal h\u00f6ren w\u00fcrden. Ob auf X, auf YouTube, auf Discord \u2013 oder in Ihrer Gemeinde, in Ihren Synoden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denken Sie dar\u00fcber nach, wie dieser radikaler, liebevoller Umgang f\u00fcr Sie aussieht. Und das ist radikal \u2013 einen Charakter zu haben, der unseren \u00dcberzeugungen entspricht. Denn alles andere in unserer Kultur belohnt entweder den Kompromiss mit unseren \u00dcberzeugungen im Namen der Einheit oder das Aufgeben unseres Charakters im Streben nach Erfolg und Sieg. Wer online eine gro\u00dfe Reichweite erzielen will, muss einfach st\u00e4ndig mit allen anderer Meinung sein und so feindselig und provokativ wie m\u00f6glich auftreten. So sieht Erfolg in unserer Welt aus. Aber nicht so bei uns. Halten Sie an Ihren \u00dcberzeugungen fest\u2013 und wir haben an diesem Wochenende viel Gutes, Richtiges und Hilfreiches geh\u00f6rt, das uns dabei unterst\u00fctzen kann. Halten Sie aber auch an Ihrem Charakter fest, im Wissen, dass Gott Sie formt und durch Sie wirkt, dass Sanftmut keine Schw\u00e4che ist und Demut kein Zur\u00fcckweichen bedeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten von uns stehen erst am Anfang ihres Glaubensweges, und ich hoffe, dass viele hier, mich eingeschlossen, noch viele Jahrzehnte Zeit haben werden, um Weisheit zu erlangen und zu wachsen. Wir werden nicht alles auf Anhieb richtig machen, wir werden lernen m\u00fcssen, uns zu entschuldigen, unsere Fehler einzugestehen und Bu\u00dfe zu tun. Aber geben Sie die Hoffnung nicht auf \u2013 denn in diesem Raum k\u00f6nnten die zuk\u00fcnftigen Leiter unserer Gemeinden sitzen, diejenigen, die das Evangelium wieder zu seinem rechtm\u00e4\u00dfigen Ehrenplatz zur\u00fcckf\u00fchren werden. Habt Hoffnung, denn ja, die Anforderungen an unseren Charakter sind hoch, aber wir haben einen treuen Gott, der uns durch Christus erl\u00f6st hat und uns versprochen hat, uns zu heiligen. Habt Hoffnung, meine Freunde \u2013 denn wir dienen einem wunderbaren Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Amen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Revd. Joshua Tomalin<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Vortrag wurde gehalten auf der<strong>\u00a0\u2018Echoing Wittenberg 2025\u2019 \u2013 Konferenz<\/strong> am 1. November 2025 im Katharinensaal der Stadtkirche Wittenberg.<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Vortrag von Joshua Tomalin Echoing Wittenberg 2025\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sSGLENqCvfM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich erwog, was f\u00fcr ein Thema ich heute behandeln sollte, fiel mir die Wahl zun\u00e4chst schwer. Es gibt so viele gute, hilfreiche und aufbauende Themen, die ich ansprechen k\u00f6nnte. 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