{"id":2234,"date":"2007-01-03T15:27:34","date_gmt":"2007-01-03T13:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2234"},"modified":"2014-06-13T12:51:46","modified_gmt":"2014-06-13T10:51:46","slug":"jesaja-4319-%e2%80%93-gedanken-zur-jahreslosung-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2234","title":{"rendered":"Jesaja 43,19 \u2013 Gedanken zur Jahreslosung 2007"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesaja 43,19 \u2013 Gedanken zur Jahreslosung 2007<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt w\u00e4chst es auf, erkennt ihr\u2019s denn nicht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Zeit \u2013 und in der Tat nicht erst unsere \u2013 ist gepr\u00e4gt von einer wahren Lust am Neuen. \u201eDas Alte ist out, das Neue ist in\u201c! \u2013 so l\u00e4\u00dft sich ein Grundmotto unserer Zeit zusammenfassen. \u201eAlt\u201c wird mit veraltet, langweilig und dergleichen negativen Attributen gleichgesetzt; dagegen ist alles Neue, weil es neu ist, interessant, gut, erstrebenswert, allemal interessanter, besser und erstrebenswerter jedenfalls als das Alte. Und siehe da: allem Anschein nach unterst\u00fctzt die Losung f\u00fcr das Jahr 2007 diese Haltung, ganz im Sinne des Kirchenliedes \u201eVertraut den neuen Wegen!\u201c und ist somit durchaus modern.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber halt! Besinnen wir uns, bevor wir zu unbek\u00fcmmert in diese Melodie einstimmen. Zeigt nicht ein Blick in die Geschichte, wie nur allzu h\u00e4ufig die Folgen der schnellen Umarmung des Neuen und der Versto\u00dfung des Alten katastrophal waren? Denken Sie nur an das letzte Jahrhundert: Der Gegensatz von \u201ealt\u201c = \u201cnegativ\u201c und \u201eneu\u201c = \u201cpositiv\u201c war eine wichtige Triebfeder sowohl des Kommunismus wie des Nationalsozialismus, und die Folgen mit den unerh\u00f6rten Zerst\u00f6rungen und den Abermillionen sinnlos im Namen einer das Neue proklamierenden Ideologie Hingemordeten sind bekannt. Und auch der neue Terror islamischer Fanatiker ist gen\u00e4hrt von der \u00dcberzeugung, da\u00df alles Alte, d.h. in diesem Falle Vor-Islamische, falsch ist und \u00fcberwunden werden mu\u00df im Namen der absolut neuen Offenbarung, die nach islamischem Verst\u00e4ndnis Mohammed zugekommen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So einfach ist das also nicht mit der rechten Offenheit gegen\u00fcber dem \u201eNeuen\u201c. Die Geschichte lehrt, da\u00df ein n\u00fcchternes Pr\u00fcfen des Neuen verbunden mit einem sorgf\u00e4ltigen Umgang mit dem Alten, Bew\u00e4hrten, der einzig vern\u00fcnftige und fruchtbare Weg w\u00e4re. Auf diesen Weg weist uns auch die Bibel: Nach den Zeugnissen des Neuen Testaments spricht Gott in Jesus in der Tat ein neues Wort und tut in ihm ein neues Werk; \u2013 aber wie umfassend gr\u00fcnden doch dieses neue Wort und dieses neue Werk im vorangegangenen Alten Bund! Bei allem, was da wirklich neu ist, erweist sich Jesu Weg doch als gepr\u00e4gt von einer un\u00fcberbietbaren und un\u00fcbersehbaren Hochachtung gegen\u00fcber dem alten Werk Gottes in seinem alten Bundesvolk Israel. Wohin es aber f\u00fchrt, wenn diese bleibende Verwurzelung nicht wahr- und nicht ernstgenommen wird, haben wir ja leider nur zu deutlich in der Geschichte insbesondere des vergangenen Jahrhunderts, im Dritten Reich, gesehen. In ein analoges Verh\u00e4ltnis von alt und neu f\u00fchrt uns auch das Wort der Jahreslosung hinein. Der Herr ist daran, etwas Neues zu machen \u2013 aber was ist dieses Neue? Nichts anderes als die R\u00fcckf\u00fchrung seines Volkes aus der Gefangenschaft in Babel in das ihm von Gott gegebene Land, auf \u00e4hnlich wunderbare Weise wie beim ersten Exodus. Das Neue ist also eine Art Wiederherstellung des Alten, nicht seine Ausradierung, sondern seine \u00dcberbietung, die aber alles Gute, was dem Alten innewohnte, bewahrt, aufnimmt und zur Vollendung f\u00fchrt. Und man darf sagen: Das ist das Grundkennzeichen des neuen Handelns Gottes in der ganzen biblischen Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend unsere bisherigen Ausf\u00fchrungen uns anhielten, der g\u00e4ngigen unkritischen Umarmung alles Neuen mit Vorsicht zu begegnen, mu\u00df nun aber zugleich auch die andere Sto\u00dfrichtung unseres Textes zum Tragen kommen: Gott bleibt nicht beim Alten stehen, sondern er bricht auf und schafft tats\u00e4chlich Neues. Wir k\u00f6nnen uns gut vorstellen, wie das f\u00fcr die H\u00f6rer dieses Wortes war, als es sie im babylonischen Exil traf. Von denen werden manche gesagt haben: \u201eJetzt haben wir uns hier doch einigerma\u00dfen eingerichtet und mit der Umwelt arrangiert; gehen wir also unseren Gesch\u00e4ften nach und machen aus der neuen Umgebung so gut es geht und auf Dauer unser Zuhause\u201c. In diese Situation hinein kommt ein Wort wie das unserer Jahreslosung gar nicht mehr sehr gelegen. Die Tr\u00e4gheit, das \u00fcberall vorhandene Bem\u00fchen von uns Menschen, uns gem\u00fctlich einzurichten, wird pl\u00f6tzlich durchkreuzt durch Gottes Plan, aufzubrechen, weiterzuziehen und das Alte zu verlassen. Der Herr selber ist in Bewegung, und wenn wir nicht beweglich bleiben, k\u00f6nnen wir im Letzten nicht zu ihm geh\u00f6ren! So stellt das Wort aus Jes 43 auch uns, jeden an seinem pers\u00f6nlichen Ort, aber auch jede Gemeinde, vor die Frage: In welche Richtung m\u00f6chte unser g\u00f6ttlicher Herr mit uns weiterziehen in diesem neuen Jahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun zwingen uns direkte Parallelen der Formulierung dazu, Jes 43,19 nicht f\u00fcr sich allein zu lesen, sondern zusammen mit Jes 42,9. Dort hei\u00dft es: \u201eDas Fr\u00fchere, siehe, es ist eingetroffen, und Neues tue ich kund; noch ehe es sprosst, lasse ich es euch h\u00f6ren\u201c. Aus diesem Text lernen wir, da\u00df das Neue, das Gott, der Herr, zu schaffen anhebt, nicht nur in der R\u00fcckf\u00fchrung des Volkes Israel in das Land Israel besteht, sondern da\u00df zum neuen Werk Gottes auch die Sendung eines neuen Mittlers geh\u00f6rt, des sog. Gottesknechts, von dem als erstes die Rede gewesen ist. Von ihm bezeugen die Verfasser des Neuen Testaments, da\u00df er in Jesus von Nazareth erschienen ist. Darum liegt das Neue nicht einfach nur in der Zukunft vor uns; sondern es ist durch das Wirken Gottes in seinem Messias Jesus bereits angebrochen. So leben wir nicht nur auf das Neue zu, sondern bereits vom Neuen her. Da\u00df wir weder die eine noch die andere Dimension aufgeben, weder das \u201eschon jetzt\u201c noch das \u201enoch nicht\u201c, das macht die bleibende Spannung, aber auch den gro\u00dfen Reichtum des Lebens als Christen, die ihr Leben an den Messias Gottes binden, aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letztes Wort zur Jahreslosung ist vonn\u00f6ten \u2013 im doppelten Sinn des Wortes: Der erste Teil der Jahreslosung, \u201eGott spricht\u201c, findet sich in Jes 43,19 gar nicht, sondern wurde von den Herausgebern hinzugef\u00fcgt. Nat\u00fcrlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn zur Verdeutlichung erg\u00e4nzt wird, wer der Sprechende ist. Problematisch ist aber, da\u00df dabei nicht die Formulierung gew\u00e4hlt wurde, die aufgrund des Textzusammenhanges die einzig gerechtfertigte ist: \u201eSo spricht der Herr (d.h. JHWH)\u201c. Der Gottesname JHWH (Jahwe), seit der \u00e4ltesten \u00dcbersetzung ins Griechische mit \u201eHerr\u201c \u2013 in manchen Bibelausgaben dementsprechend oft in Gro\u00dfbuchstaben mit HERR &#8211; wiedergegeben, wird durch die abstrakte, unpers\u00f6nliche und ungeschichtliche Gattungsbezeichnung \u201eGott\u201c ersetzt. Das aber stellt einen bedauernswerten Schritt in der Abkoppelung von der konkreten Bindung Gottes an seinen Namen und verbunden damit an die Sprache und Geschichte Israels dar. So wird mit der von den Herausgebern gew\u00e4hlten Formulierung ein Weg beschritten, der nur zur Verf\u00e4lschung und letztlich zur Preisgabe des authentischen Zeugnisses von Gottes Wirken f\u00fchren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Beitrag wird ver\u00f6ffentlicht mit Zustimmung der Zeitschrift \u201eDiakrisis\u201c. Dort wird er demn\u00e4chst gedruckt erscheinen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. habil. Markus Zehnder ist Professor f\u00fcr Bibelwissenschaften an der Ansgar Teologiske H\u01ffgskole in Kristiansand \/ Norwegen und Privatdozent f\u00fcr Altes Testament an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Basel \/ Schweiz.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesaja 43,19 \u2013 Gedanken zur Jahreslosung 2007 Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt w\u00e4chst es auf, erkennt ihr\u2019s denn nicht? 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