{"id":22295,"date":"2026-01-14T11:33:13","date_gmt":"2026-01-14T10:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22295"},"modified":"2026-01-14T17:00:10","modified_gmt":"2026-01-14T16:00:10","slug":"weiss-ich-den-weg-auch-nicht-das-lied-der-baltischen-maertyrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22295","title":{"rendered":"Wei\u00df ich den Weg auch nicht \u2013 Das Lied der baltischen M\u00e4rtyrer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hedwig von Redern hat das Trostlied \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c geschrieben. Eine Frau \u2013 eine Seltenheit unter den vielen Kirchenliederdichtern! Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es als \u201eLied der baltischen M\u00e4rtyrer\u201c bekannt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Leicht zum Auswendiglernen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Liederb\u00fccher sind reich an tr\u00f6stlichen, Mut machenden Liedern. Das bekannteste unter ihnen ist wohl Paul Gerhardts \u201eBefiehl du deine Wege\u201c. Das Trostlied \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c ist rund 250 Jahre j\u00fcnger.\u00a0Es ist auch erheblich k\u00fcrzer als Paul Gerhardts Zw\u00f6lf-Strophen-Lied. Es umfasst nur drei vierzeilige Strophen. Dadurch l\u00e4sst es sich aber leicht auswendig lernen. Wer sich diese M\u00fche macht, wird reichen Gewinn davon haben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von der Klage zum Lob<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhaltlich hat \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c mit Paul Gerhardts Lied eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: In beiden Liedern ist das Wort \u201eWeg\u201c eines der Kernworte. Es kommt in jeder der drei Strophen von \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c einmal vor. Ein anderes Kernwort ist das betonte \u201edu\u201c (f\u00fcnfmal) bzw. \u201edein\u201c (dreimal) und \u201edich\u201c (einmal).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses \u201edu\u201c meint Gott und steht in einem gewissen Gegensatz zu dem Ich, das seinen Weg nicht wei\u00df, sich aber auf seinem Weg dem Wissen, der Weisheit Gottes anvertraut. Dabei spricht das \u201eIch\u201c anfangs noch von \u201esorgenvollem M\u00fchen\u201c, das Herz \u201eschl\u00e4gt \u00e4ngstlich\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber schon aus der zweiten Strophe spricht die Erfahrung, dass Gott unser Klagen in ein Loblied, in einen Freudentanz verwandeln kann (vergleiche <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/LUT\/Psalm30,12\">Psalm 30,12<\/a>), und aus dem sorgenvollen M\u00fchen wird am Ende des Liedes ein stilles Warten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eLied der baltischen M\u00e4rtyrer\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Lied \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c hat eine gro\u00dfe Wirkungsgeschichte. Als viele Baltendeutsche bald nach dem Ersten Weltkrieg wegen ihres Glaubens und ihrer deutschen Herkunft von den Bolschewiken in Lager und Kerker gesperrt wurden, erwies es sich als ein starker Trost. In einem der Gef\u00e4ngnisse, in Riga, sang eine Frau es allabendlich ihren Mitgefangenen vor. So erhielt es den Beinamen \u201eDas Lied der baltischen M\u00e4rtyrer\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wem verdanken wir den kostbaren Text? Hedwig von Redern \u2013 einer Frau! Sie entstammte einer Adelsfamilie. Ihr Vater Hermann war preu\u00dfischer General. Im Jahr des preu\u00dfisch-\u00f6sterreichischen Krieges 1866 wurde sie geboren. Den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Lebens verbrachte von Redern in Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur als Dichterin wertvoller geistlicher Lieder ist sie bekannt geworden. Sie engagierte sich auch in vielen missionarischen und diakonischen Werken: Frauenmissionsbund, Sonntagsschularbeit und anderen. Als Hedwig von Redern im Alter von 69 Jahren starb, waren die Nationalsozialisten in Deutschland seit zwei Jahren an der Macht.<\/p>\n<ol>\n<li>Wei\u00df ich den Weg auch nicht, du wei\u00dft ihn wohl;<br \/>\ndas macht die Seele still und friedevoll.<br \/>\nIst\u2019s doch umsonst, dass ich mich sorgend m\u00fch,<br \/>\ndass \u00e4ngstlich schl\u00e4gt mein Herz, sei\u2019s sp\u00e4t, sei\u2019s fr\u00fch.<\/li>\n<li>Du wei\u00dft den Weg f\u00fcr mich, du wei\u00dft die Zeit,<br \/>\ndein Plan ist fertig schon und liegt bereit.<br \/>\nIch preise dich f\u00fcr deiner Liebe Macht,<br \/>\nich r\u00fchm die Gnade, die mir Heil gebracht.<\/li>\n<li>Du wei\u00dft, woher der Wind so st\u00fcrmisch weht,<br \/>\nund du gebietest ihm, kommst nie zu sp\u00e4t,<br \/>\ndrum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug,<br \/>\ndu wei\u00dft den Weg f\u00fcr mich, das ist genug.<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Hedwig von Redern<\/em><\/p>\n<p><em>Text: Reinhard Deichgr\u00e4ber, <\/em>11. Mai 2022<\/p>\n<p><em>Foto: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hedwig_von_Redern#\/media\/Datei:Hedwig-von-Redern_bearb.jpg\">Hedwig von Redern\/wikimedia\/Glasermann<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hedwig von Redern hat das Trostlied \u201eWei\u00df ich den Weg auch nicht\u201c geschrieben. Eine Frau \u2013 eine Seltenheit unter den vielen Kirchenliederdichtern! Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es als \u201eLied der baltischen M\u00e4rtyrer\u201c bekannt. Leicht zum Auswendiglernen Unsere Liederb\u00fccher sind reich an tr\u00f6stlichen, Mut machenden Liedern. 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