{"id":22292,"date":"2026-01-12T08:48:34","date_gmt":"2026-01-12T07:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22292"},"modified":"2026-01-12T08:48:45","modified_gmt":"2026-01-12T07:48:45","slug":"kosten-nutzen-analyse-wird-der-suizid-fuer-aeltere-menschen-zur-sozialen-pflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22292","title":{"rendered":"Kosten-Nutzen-Analyse: Wird der Suizid f\u00fcr \u00e4ltere Menschen zur sozialen Pflicht?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sterbehilfe-Debatte spricht von Autonomie und \u00fcbersieht das \u00f6konomische Kalk\u00fcl <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor f\u00fcnf Jahren erkl\u00e4rte der \u00f6sterreichische Verfassungsgerichtshof das Verbot der Beihilfe zum Suizid f\u00fcr verfassungswidrig. Dignitas-Gr\u00fcnder Ludwig A. Minelli verbuchte dies als pers\u00f6nlichen Erfolg. Jetzt nahm sich der 92-J\u00e4hrige Schweizer mithilfe seiner Mitarbeiter das Leben. Was tut die Option \u201eSterbehilfe\u201c mit \u00e4lteren Menschen?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der international agierende Schweizer Sterbehilfe-Verein\u00a0Dignitas\u00a0wurde 1998 vom Journalisten und Juristen Ludwig A. Minelli gegr\u00fcndet. Klares Ziel des Vereins ist es, durch Musterprozesse und Lobbying die Freigabe der \u201eSterbehilfe\u201c weltweit durchzusetzen. Bereits 2018 <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/imagohominis\/imago-hominis-1\/2019\/sterbehilfe-dignitas-strebt-musterprozess-in-oesterreich-an\">k\u00fcndigte Minelli<\/a> an: \u201eWir sind bereit, derartige Verfahren zu finanzieren, denn es ist unsere Aufgabe und unser Auftrag, auch in \u00d6sterreich das Licht der Freiheit anzuz\u00fcnden. Das wird wohl in den n\u00e4chsten zwei bis drei Jahren vonstattengehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kalk\u00fcl der <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/wirtschaft\/assistierter-suizid_wie-dignitas-im-ausland-fuer-sterbehilfe-missioniert\/44355028\">Sterbehilfe-Missionare (Swissinfo, 18.11.2018)<\/a> ging auf. Dignitas finanziert weltweit Anw\u00e4lte, die Klagen bei den nationalen Verfassungsgerichtsh\u00f6fen einbrachten. Minelli verbuchte zahlreiche \u201ePro-Sterbehilfe-Urteile\u201c als seine pers\u00f6nlichen Erfolge: In \u00d6sterreich f\u00fchrte eine von Dignitas angestiftete Klage zum Verfassungsgerichtsurteil von 2020 ebenso wie in <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethikaktuell\/einzelansicht\/deutschland-dignitas-hatte-suizidwillige-deutsche-zu-prozess-angestiftet\">Deutschland<\/a>. Auch in der Legalisierung der Euthanasie in Kanada (2016), einigen australischen Bundesstaaten und Frankreich (2025) sieht Minelli seine Handschrift. Im Gesetzesentwurf von Frankreich zur \u201eaktiven Sterbehilfe\u201c soll das Verhindern eines (Selbst-)T\u00f6tungswunsches mit bis zu 30.000 Euro Strafe belegt werden (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/sterbehilfe-und-das-ende-der-fuersorgepflicht-was-england-und-frankreich-fuers-lebensende-planen\">Bioethik aktuell, 24.6.2025<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz nach der Verk\u00fcndung des <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/imabe-zu-vfgh-erkenntnis-toeten-ist-keine-therapieoption\">VfGH-Erkenntnisses am 11. Dezember 2020<\/a>\u00a0trat die \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Humanes Lebensende (\u00d6GHL) auf den Plan, die sich als erster Sterbehilfe-Verein des Landes pr\u00e4sentierte. Damaliges Mitglied des Beirats war Dignitas-Gr\u00fcnder Ludwig Minelli. Die \u00d6GHL ist Mitglied der <a href=\"https:\/\/wfrtds.org\/\">World Federation of Right to Die Societies (WFRTDS)<\/a>, die koordiniert an der weltweiten Verbreitung eines \u201eRechtes auf einen w\u00fcrdigen Tod\u201c arbeitet. Nicht nur f\u00fcr Kranke, auch f\u00fcr Gesunde, etwa im Seniorenalter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Deutschland: Die Kessler-Zwillinge und der Trend zum \u201eAltersfreitod\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst j\u00fcngst hatte in Deutschland der Suizid der \u201eKessler-Zwillinge\u201c f\u00fcr Debatten gesorgt. Die 89-j\u00e4hrigen Unterhaltungsk\u00fcnstlerinnen hatten ihren Tod mit der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Humanes Sterben geplant. Bei der DGHS hatten sich den Angaben zufolge 2022 noch 229 Menschen f\u00fcr eine solche Form des begleiteten Sterbens entschieden, in diesem Jahr waren es bereits um die 800 Menschen. Der Gro\u00dfteil der Betroffenen sei 80 bis 90 Jahre alt (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2025-11\/sterbehilfe-kessler-zwillinge-suizid\">Die Zeit, 18.11.2025<\/a>). Die <a href=\"https:\/\/www.caritas.de\/presse\/pressemeldungen-dcv\/romantisierung-von-assistiertem-suizid-ist-riskant-ab965935-0824-44aa-bc26-913c4307dbd9\">Deutsche Caritas<\/a> kritisierte die romantisierende Berichterstattung zum assistierten Suizid des prominenten Geschwisterpaares.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die umstrittene Finanzierung der \u201eSterbehelfer\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dignitas geriet wiederholt selbst ins Visier der Justiz. Seinem Gr\u00fcnder Minelli wurde vorgeworfen, sich pers\u00f6nlich mit Erbschaften seiner \u201eKunden\u201c bereichert zu haben bis hin zum Verdacht der Anstiftung zum Selbstmord. Verurteilungen blieben jedoch aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders brisant war der <a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/kaernten\/5536599\/Mutter-rechnet-ab_34jaehriger-Kaerntner-mit-Depressionen-bekam\">Fall eines 34-j\u00e4hrigen<\/a> depressiven \u00d6sterreichers aus einer wohlhabenden K\u00e4rntner Unternehmerfamilie. Per Testament vermachte er einem Minelli nahestehenden Verein einen Teil seines Erbes in Millionenh\u00f6he. Auf Intervention der Mutter widerrief das Opfer sein Testament im M\u00e4rz 2013 \u2013 wenige Minuten vor seinem mithilfe von Dignitas durchgef\u00fchrten Suizid. Minelli klagte daraufhin, der Rechtsstreit endete in einem Vergleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Schweiz ist die Zahl der Selbstt\u00f6tungen mithilfe Dritter zwischen 2010 und 2023 um 385 Prozent gestiegen (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/wie-assistierter-suizid-gesellschaft-und-medien-veraendert\">Die Presse, 5.9.2025<\/a>). Der Verein z\u00e4hlte nach eigenen Angaben 2025 rund 10.000 Mitglieder aus mehr als 80 L\u00e4ndern. Dignitas legt seine Einnahmen nicht offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Exit hat ein Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sterbehilfe-Organisation finanzieren sich durch j\u00e4hrliche Mitgliedsbeitr\u00e4ge potenzieller Kunden, Spenden und Erbschaften.Die gr\u00f6\u00dfte Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit unterst\u00fctzt explizit den \u201eAltersfreitod\u201c f\u00fcr \u201ePersonen, die im und ums Alter leiden\u201c. Exit hat derzeit knapp 182.000 zahlende Mitglieder. Alleine 2024 sind knapp 20.000 neue Mitglieder dazu gekommen, vorwiegend \u00e4ltere Menschen. Das Durchschnittsalter bei Durchf\u00fchrung des Suizids war 80,7 Jahre bei Frauen und 79 Jahre bei M\u00e4nnern. Exit hat mittlerweile nach eigenen Angaben ein Bruttoverm\u00f6gen von 49,4 Millionen Schweizer Franken angeh\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wenn Altern zur gesellschaftlichen Zumutung wird<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die WHO den Suizid als tragisches Ereignis bezeichnet und weltweit in Pr\u00e4vention investiert, ver\u00e4ndert sich in einigen L\u00e4ndern die \u00f6ffentliche Wahrnehmung des assistierten Suizids \u00e4lterer Menschen. Die Suizidrate ist bei \u00fcber 65-J\u00e4hrigen am h\u00f6chsten im Vergleich zur restlichen Bev\u00f6lkerung. Unter dem Deckmantel der \u201eindividuellen Autonomie\u201c wird medial eine Kultur gef\u00f6rdert, in der der Alterssuizid als akzeptable \u2013 oder gar erwartbare \u2013 L\u00f6sung erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Berliner Gerontopsychologin Eva-Maria Kessler befasst sich mit dieser Form des Ageismus: zum einen transportiert die Gesellschaft Erwartungen an \u00e4ltere Menschen, dass sie k\u00f6rperlich und geistig aktiv bleiben und niemandem zur Last fallen sollen. Die Utopie f\u00fchrt zur Dystopie eines Ageismus, den \u00e4ltere Menschen schlie\u00dflich \u201egegen sich selbst richten, die \u00dcberzeugung, dass man im Alter nichts mehr wert ist, nichts mehr kann\u201c, so Kessler im <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/interview-des-monats-ablehnende-botschaften-an-aeltere-menschen-haben-gravierende-auswirkungen\">IMABE-Interview (11.6.2025).<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethikaktuell\/einzelansicht\/belgischer-gesundheitsmanager-alle-aelteren-menschen-sollen-anspruch-auf-sterbehilfe-haben\">Rhetorik vom \u201ew\u00fcrdevollen Sterben\u201c\u00a0und der \u201efreien Entscheidung\u201c<\/a>\u00a0verschleiert, dass hinter Suizidw\u00fcnschen von Senioren oft nicht selbstbestimmte \u00dcberzeugung steht bis hin zu nicht entdeckten oder behandelte Depressionen. In Belgien machen laut ofiziellen Zahlen bereits <a href=\"https:\/\/consultativebodies.health.belgium.be\/en\/documents\/euthanasia-publication-2024-figures-euthanasia-belgium\">26,8 Prozent aller Euthanasief\u00e4lle<\/a> Pensionisten aus, die an normale Begleiterscheinungen des Alterns leiden. Dazu z\u00e4hlen eingeschr\u00e4nkte Mobilit\u00e4t, Inkontinenz, nachlassendes Seh- und H\u00f6rverm\u00f6gen oder Einsamkeit nach dem Verlust von Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von der F\u00fcrsorgepflicht zur Sterbepflicht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausweitung der Kriterien f\u00fcr \u201eSterbehilfe\u201c auf Menschen ohne schwere terminale Erkrankungen, wird von Sterbevereinen wie Exit propagiert, aber auch von der stimmenst\u00e4rksten Partei in den Niederlanden: Sie will seit Jahren die \u201eLetzte-Wille-Pille\u201c f\u00fcr alle Menschen ab 75 Jahren einf\u00fchren, auch Gesunde. In Kanada sind \u201esinnloses Leben\u201c und \u201eEinsamkeit\u201c berechtigte Gr\u00fcnde f\u00fcr T\u00f6tung auf Verlangen. (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/kanada-sinnloses-leben-und-einsamkeit-sind-gruende-fuer-aktive-sterbehilfe\">Bioethik aktuell, 2.8.2020<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fcrsorgepflicht der Gesellschaft mutiert stillschweigend in die Sterbepflicht des Individuums. Damit werden die Grundlagen menschlicher Solidarit\u00e4t ins Gegenteil verkehrt. In einer humanen Gesellschaft ist nicht der Alte verpflichtet, sich aus der Gemeinschaft zu verabschieden, sondern die Gemeinschaft verpflichtet, f\u00fcr ihre schw\u00e4chsten Glieder zu sorgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Utilitaristisches Menschenbild: Sterbehilfe als \u00f6konomische Agenda?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d6konomische \u00dcberlegungen mischen sich immer offener in die Debatte. Der 38-j\u00e4hrige Japaner Yasuke Narita, Assistenzprofessor f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften an der amerikanischen Eliteuniversit\u00e4t Yale, hat Anfang 2023 medienwirksam vorgeschlagen, dass die \u00e4ltere Bev\u00f6lkerung in Japan Massensuizid begehen sollte. Seine Begr\u00fcndung: Er sieht die Volkswirtschaft durch die \u00fcberalterte Gesellschaft bedroht. <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/interview-des-monats-ablehnende-botschaften-an-aeltere-menschen-haben-gravierende-auswirkungen\">IMABE-Interview (11.6.2025)<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der belgische Gesundheitsmanager Luc Van Gorp, Vorsitzender der gr\u00f6\u00dften belgischen Gesundheitskasse \u201eChristelijke Mutualiteiten&#8220;, schlug 2024 vor, dass \u201elebenssatte&#8220;, jedoch ansonsten gesunde Menschen, sollten den Anspruch haben, auf Wunsch get\u00f6tet zu werden. Angesichts der demographischen Entwicklung \u2013 bis 2050 soll sich die Zahl der \u00fcber 80-J\u00e4hrigen in Belgien auf 1,2 Millionen verdoppeln \u2013 sieht Van Gorp in der Euthanasie eine L\u00f6sung f\u00fcr Personalknappheit und steigende Kosten im Gesundheitssystem. (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethikaktuell\/einzelansicht\/belgischer-gesundheitsmanager-alle-aelteren-menschen-sollen-anspruch-auf-sterbehilfe-haben\">Bioethik aktuell, 24.4.2024<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zahlen sprechen f\u00fcr sich: In den Niederlanden wurden 2024 offiziell bereits 9.958 Menschen gemeldet, die auf Wunsch durch T\u00f6tung starben \u2013 zehn Prozent mehr als im Vorjahr, das sind 27 Personen pro Tag. Mehr als 70 Prozent der Betroffenen waren \u00e4lter als 70 Jahre.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/kanada-euthanasie-auch-fuer-long-covid-patienten\">Kanada<\/a> hatten \u00d6konomen bereits 2017 errechnet, wie viel Geld sich das Gesundheitssystem durch die Einf\u00fchrung der T\u00f6tung auf Verlangen einsparen kann. Wer unter den Folgen von Long-COVID oder einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung leidet, ger\u00e4t mangels Alternativen in den Sog, aktive Sterbehilfe als letzten Ausweg zu w\u00e4hlen \u2013 oder w\u00e4hlen zu m\u00fcssen. Sterbehilfe ist kosteng\u00fcnstiger als soziale Unterst\u00fctzung oder eine Therapie (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/kanada-euthanasie-auch-fuer-long-covid-patienten\">Bioethik aktuell, 6.9.2022<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dahinter steht ein zutiefst utilitaristisches Menschenbild: Der Mensch z\u00e4hlt nicht in seiner unver\u00e4u\u00dferlichen W\u00fcrde, sondern wird nach einem impliziten Kosten-Nutzen-Kalk\u00fcl bewertet. Reduziert auf gesellschaftliche \u201eN\u00fctzlichkeit&#8220;, ger\u00e4t er unter Druck, sich selbst zu eliminieren, wenn er nicht mehr \u201ebeitr\u00e4gt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Paradox der Palliativmedizin: Zu billig f\u00fcr das System<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/sara-h%C3%A4usermann-a05b138b_palliativecare-kosten-nationalerpalliativecarekongress-activity-7400060245596594176-zVPc?utm_source=social_share_send&amp;utm_medium=member_desktop_web&amp;rcm=ACoAAAERNRUBv4jHs_mIzClIwNLPa85EXpoZvj8\">Heiner Melching<\/a>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Palliativmedizin, sieht ein grundlegendes Paradox: Palliative Care wird in Krankenh\u00e4usern noch immer viel zu wenig implementiert \u2013 nicht, weil sie zu teuer, sondern weil sie zu billig ist. Die spezialisierte Begleitung sterbender Menschen bringt den Kliniken im gegenw\u00e4rtigen Abrechnungssystem nicht gen\u00fcgend Erl\u00f6se, so <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/sara-h%C3%A4usermann-a05b138b_palliativecare-kosten-nationalerpalliativecarekongress-activity-7400060245596594176-zVPc?utm_source=social_share_send&amp;utm_medium=member_desktop_web&amp;rcm=ACoAAAERNRUBv4jHs_mIzClIwNLPa85EXpoZvj8\">Melching<\/a>\u00a0beim Nationalen Palliative Care Kongress Ende November 2025 in der Schweiz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Studien belegen: Palliativmedizin kann tats\u00e4chlich Kosten senken, indem unn\u00f6tige Krankenhausaufenthalte und intensivmedizinische Ma\u00dfnahmen am Lebensende vermieden werden. Doch das erfordert politischen Willen und strukturelle Ver\u00e4nderungen im Gesundheitssystem. Die Alternative \u2013 die Ausweitung von assistiertem Suizid aus Kostengr\u00fcnden \u2013 wird \u00f6ffentlich kaum thematisiert, obwohl sie de facto die preiswertere \u201eL\u00f6sung\u201c darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausblick \u00d6sterreich: Wer sch\u00fctzt die Freiheit der Institutionen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in \u00d6sterreich zeigt sich nach Einf\u00fchrung des Sterbeverf\u00fcgungsgesetzes 2022 eine beunruhigende Entwicklung. Zwar hat der VfGH im Dezember 2024 mehrere Beschwerden gegen das Sterbeverf\u00fcgungsgesetz zur\u00fcckgewiesen und die gesetzlichen Schutzma\u00dfnahmen ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt. Dennoch steigt die Zahl rasant an: 2023 waren es noch 98 assistierte Suizide, bis Juli 2025 wurden bereits 719 Sterbeverf\u00fcgungen errichtet und 588 Pr\u00e4parate in Apotheken ausgegeben. Das Muster wiederholt sich mit erschreckender Pr\u00e4zision: Auf die Frage, warum Menschen die Option der Selbstt\u00f6tung w\u00e4hlen, spielen die Angst vor Abh\u00e4ngigkeit und Verlust an W\u00fcrde die gr\u00f6\u00dfte Rolle. Schmerzen rangieren erst an vierter Stelle, so das Ergebnis einer <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/assistierter-suizid-pflegekraefte-fuehlen-sich-hilflos-und-ueberfordert\">\u00f6sterreichischen Studie von 2025<\/a>. Mediziner berichten, dass das <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/hospiz-und-palliative-care-der-sterbewunsch-ist-ein-hilferuf-zum-leben\">Angebot palliativer Versorgung<\/a>\u00a0unter Patienten oft weniger bekannt sei als die M\u00f6glichkeit einer \u201eSterbeverf\u00fcgung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00f6sterreichische Gesetzgeber hat ausdr\u00fccklich vorgesehen, dass Institutionen sich auf das Freiwilligkeitsgebot berufen k\u00f6nnen. Auch sie haben Grundrechte, betont Arbeitsrechtsexperte Wolfgang Mazal (<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/sterbehilfe-in-oesterreich-auch-einrichtungen-haben-ein-gewissen-das-geschuetzt-werden-muss\">IMABE-Interview 29.4.2025<\/a>). Stattdessen werden sie etwa von der Volksanwaltschaft zunehmend unter Druck gesetzt\u00a0(<a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethikaktuell\/einzelansicht\/pflegeheime-in-oesterreich-volksanwaltschaft-fordert-proaktive-aufklaerung-ueber-assistierten-suizid\">Bioethik aktuell, 24.2.2024<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schweiz: Z\u00fcrich gegen Zwangsverpflichtung f\u00fcr Institutionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumindest in einem Punkt ist die Schweiz in ihren kantonalen Entscheidungen pluralistischer: Der Z\u00fcrcher Kantonsrat entschied k\u00fcrzlich, dass private Alters- und Pflegeheime nicht dazu gezwungen werden d\u00fcrfen, Sterbehilfe-Organisationen in ihren R\u00e4umen zuzulassen (<a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/z%C3%BCrcher-kantonsratskommission-lehnt-sterbehilfe-initiative-ab\/90250259\">Swissinfo, 30.10.2025<\/a>).\u00a0Die Mehrheit der vorbereitenden Kommission lehnte eine entsprechende Volksinitiative ab und verwies auf den Respekt vor der Unternehmensfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IMABE, Susanne Kummer 01.12.2025<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.imabe.org\/bioethik-aktuell\/archiv\/einzelansicht\/kosten-nutzen-analyse-wird-der-suizid-fuer-aeltere-menschen-zur-sozialen-pflicht\">Institut f\u00fcr f\u00fcr Medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE)<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sterbehilfe-Debatte spricht von Autonomie und \u00fcbersieht das \u00f6konomische Kalk\u00fcl Vor f\u00fcnf Jahren erkl\u00e4rte der \u00f6sterreichische Verfassungsgerichtshof das Verbot der Beihilfe zum Suizid f\u00fcr verfassungswidrig. Dignitas-Gr\u00fcnder Ludwig A. Minelli verbuchte dies als pers\u00f6nlichen Erfolg. Jetzt nahm sich der 92-J\u00e4hrige Schweizer mithilfe seiner Mitarbeiter das Leben. 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