{"id":22249,"date":"2025-12-24T06:55:22","date_gmt":"2025-12-24T05:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22249"},"modified":"2025-12-19T15:33:01","modified_gmt":"2025-12-19T14:33:01","slug":"predigt-ueber-lukas-21-14-ein-heiland-ward-geboren-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22249","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Lukas 2,1-14: Ein Heiland ward geboren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es geschah in diesen Tagen, da\u00df ein Edikt von Kaiser Augustus erging, da\u00df die ganze Welt gez\u00e4hlt w\u00fcrde. Diese erste Z\u00e4hlung fand statt, als Cyrenius in Syrien das Regiment hatte. Und es gingen alle, um sich einschreiben zu lassen, jeder in seine Stadt. Auch Joseph zog von Galil\u00e4a, aus der Stadt Nazareth, nach Jud\u00e4a, in die Stadt Davids, die Bethlehem hei\u00dft, weil er aus dem Hause und der Verwandtschaft Davids war, &#8211; um sich einschreiben zu lassen mit Maria, die ihm zur Frau bestimmt war; die war schwanger. Und es begab sich, als sie da waren, da war es die Zeit, da sie geb\u00e4ren sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge sonst kein Platz f\u00fcr sie war. Nun waren in derselben Gegend Hirten auf den Feldern, die hatten die Nachtwachen bei ihren Herden. Und siehe, der Engel des Herrn erschien, trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie; und sie f\u00fcrchteten sich sehr. Da sagte der Engel zu ihnen: F\u00fcrchtet euch nicht; denn siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die das ganze Volk erfahren wird. Heut ist euch n\u00e4mlich der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und dies Zeichen sollt ihr haben: ihr werdet das Kind finden in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und gleich war bei dem Engel eine Menge himmlischer Ritterschaft, die Gott lobten und sprachen: Ehre sei Gott in der H\u00f6he und auf Erden Frieden den Menschen: sein Wohlgefallen. <\/em><em>(Lukas 2,1-14)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen, all unser Gut, all unsere Freude und Ruhe beruht in der Verbundenheit mit dem Sohn Gottes. Er ist unser Haupt und wir sein Leib; von ihm haben wir Leben, Heil und Gl\u00fcck. Und wir sehen ja auch, wie elend unsere Lage w\u00e4re, wenn wir nicht bei ihm eine Zuflucht h\u00e4tten und in seiner Hut st\u00fcnden. Es steht jedoch nicht in unserer Macht, so hoch zu kommen (wir k\u00f6nnen ja kaum auf der Erde kriechen); er seinerseits mu\u00df sich zu uns nahen und er hat sich uns ja genaht, da er bei seiner Geburt unser Fleisch angezogen hat und unser Bruder geworden ist. Wir k\u00f6nnten jetzt nicht unsre Zuflucht zu unserm Herrn Jesus Christ nehmen, der zur Rechten Gottes seines Vaters in der Herrlichkeit der Himmel sitzt, wenn er sich nicht so erniedrigt h\u00e4tte, da\u00df er ein sterblicher Mensch wurde und dasselbe Leben f\u00fchrte wie wir. Und wenn er Mittler zwischen Gott und den Menschen hei\u00dft, so hei\u00dft der doch noch ausdr\u00fccklich der Mensch, wie er ja aus demselben Grund auch Emmanuel hei\u00dft, d.h. Gott mit uns.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So oft wir also nach unserm Herrn Jesus Christ verlangen und in ihm Trost in all unserm Elend, sichern und unfehlbaren Schutz suchen, m\u00fcssen wir bei seiner Geburt anfangen. Es hei\u00dft aber hier nicht nur, da\u00df er Mensch gleich uns geworden ist, sondern er hat sich so sehr erniedrigt, da\u00df er kaum noch zu den Menschen z\u00e4hlte. Herberge und Menschengemeinschaft sind ihm versagt, nur ein Stall, eine Krippe nehmen ihn auf. Daran sollen wir erkennen, wie Gott den unendlichen Schatz seiner G\u00fcte \u00fcber uns aussch\u00fcttete, als er seinen Sohn f\u00fcr uns so erniedrigte. Wir sollten auch anerkennen, was unser Herr Jesus Christ von seiner Geburt an auf sich genommen hat, damit wir, wenn wir ihn suchen, nicht lange Umwege machen m\u00fc\u00dften, um ihn zu finden und wahrhaftig eins mit ihm zu werden. Darum hat er ja alle Schande auf sich genommen und geh\u00f6rte gleichsam zum Abschaum der Menschheit. Wir m\u00fcssen jedoch auch lernen, klein zu sein, um von ihm angenommen zu werden, denn zum mindesten Gleichf\u00f6rmigkeit zwischen dem Haupt und den Gliedern darf man verlangen. Dabei brauchen sich die Menschen keineswegs erniedrigen, um ihren Wert herunterzudr\u00fccken; denn es ist schon nat\u00fcrlicherweise so viel Elend in ihnen, da\u00df sie schon Anla\u00df haben, niedergeschlagen zu sein. Wir brauchen uns blo\u00df so erkennen, wie wir wirklich sind, und uns dann in wahrer Demut unserm Herrn Jesus Christ darbringen; dann erkennt und best\u00e4tigt er uns als die Seinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen uns jedoch auch merken, in der hier von Lukas erz\u00e4hlten Geschichte erniedrigt sich der Sohn Gottes einerseits f\u00fcr uns, anderseits fehlt es ihm doch nicht an unfehlbarem und sicherem Zeugnis daf\u00fcr, da\u00df er der vor der Zeit verhei\u00dfene Welterl\u00f6ser war; und wenn er sich in unsre Lage versetzte, so hat er dabei doch seine himmlische Majest\u00e4t festgehalten. Beides also ist uns hier gezeigt: unser Herr Jesus Christ liegt da in einer Krippe, ganz arm ohne alle Ehre, ohne alles Ansehen, gleichsam in Knechtschaft geraten &#8211; und doch wird er von den Engeln des Paradieses gepriesen, sie huldigen ihm. Erst bringt ein Engel die Botschaft von seiner Geburt; aber er ist gleich begleitet von einer gro\u00dfen Schar, ja einem ganzen Heer, die gleichsam von Gott als Zeugen dazu gesandt sind, um anzuzeigen, da\u00df unser Herr Jesus Christ doch der K\u00f6nig der Welt geblieben ist und seine Herrschaft behalten hat, obwohl er sich zum Heil der Menschen so erniedrigt hat. Und der Ort Bethlehem beweist ja auch, da\u00df er der lange Verhei\u00dfene war. Denn der Prophet Micha hat gesagt: Du Bethlehem, wiewohl du verachtet bist, einem unansehnlichen Flecken gleich, nur wenig bev\u00f6lkert, dennoch soll mir aus dir der kommen, der mein Volk regiert, und seine Anf\u00e4nge werden von Ewigkeit her sein. Wir sehen also, wie auf der einen Seite unser Herr Jesus Christ keine M\u00fche gescheut hat, damit wir leichten Zugang zu ihm h\u00e4tten und nicht daran zweifelten, als sein Leib selber von ihm angenommen zu werden, weil er ja nicht nur sterblicher Mensch sein wollte und mit unserer Natur bekleidet, sondern gar wie ein armer Erdenwurm alles Gl\u00fcckes bar. Zweifeln wir also nicht daran, da\u00df er uns immer f\u00fcr seine Glieder halten wird, wie erb\u00e4rmlich wir auch daran sind. Auf der andern Seite sehen wir ihn aber gleichsam von Gottes Hand gezeichnet, damit er ohne Schwierigkeiten von uns aufgenommen werde als der Mann, von dem man das Heil erwarten mu\u00df und durch den allein wir in Gottes K\u00f6nigreich Aufnahme finden k\u00f6nnen, aus dem wir zuvor verbannt waren. Denn wir sehen ja, welche Majest\u00e4t er an sich hat, da die Engel ihn als ihren obersten und h\u00f6chsten K\u00f6nig anerkennen, und wir d\u00fcrfen keinen Zweifel daran haben, da\u00df er uns wirklich halten kann, wenn wir uns unter seiner Hut befinden. Und wenn er sich so erniedrigt hat, dann tut dies seiner g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t nicht den geringsten Eintrag, und ist kein Hindernis unsrer Sicherheit unter seiner F\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sehen wir das Wesentliche an dieser Geschichte: einmal hat sich Gottes Sohn, unser Mittler, so mit uns verbunden, da\u00df wir nie daran zweifeln brauchen, da\u00df wir seines Lebens und all seines Reichtums teilhaftig werden. Und er bringt auch alles mit sich, was wir zu unserm Heil brauchen. Er hat ja, wie gesagt, sich nicht in dem Sinn erniedrigt, da\u00df er seine g\u00f6ttliche Majest\u00e4t nicht doch behalten h\u00e4tte; wiewohl er vor den Menschen f\u00fcr nichts geachtet wurde, so ist er doch nicht nur Erbe dieser Welt geblieben (sofern er das Haupt der Kirche ist), sondern auch immer wahrhaftiger Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00dcbrigen wollen wir von den Leuten, die uns hier zu Lehrmeistern und F\u00fchrern gesetzt sind, lernen, wie man zu unserem Herrn Jesus Christ kommen mu\u00df. Die Weisen dieser Welt sind ja nun freilich so anma\u00dfend und aufgeblasen, da\u00df sie wohl kaum werden Sch\u00fcler so einf\u00e4ltiger Leute und solch armer Hirten sein wollen; und doch k\u00e4men wir zur h\u00f6chsten Weisheit, wenn wir von diesen Hirten hier lernen wollten. Denn wenn wir auch aller Welt Weisheit in unserm Kopf drin h\u00e4tten, was haben wir davon, wenn das Leben uns fehlt, das Leben n\u00e4mlich, in dem die Sch\u00e4tze aller Weisheit verborgen sind, wie Paulus sagt (Kol 2,3). Bei diesem Punkt also hei\u00dft es beginnen: sich nicht sch\u00e4men, denen zu folgen, die uns den Weg gezeigt haben, wie man zu unserm Herrn Jesus Christ kommt. Gott hat diese Ehre nicht den Gro\u00dfen dieser Welt, nicht den Reichen, nicht den Vornehmen erwiesen: die Hirten hat er erw\u00e4hlt. Dieser Ordnung wollen wir daher folgen. Freilich sind ja auch die Weisen aus dem Morgenland gekommen, um unserem Herrn Jesus Christ zu huldigen; und doch haben die Hirten den Anfang machen m\u00fcssen, damit jede Anma\u00dfung beseitigt und jeder, der Christ hei\u00dfen will, in der Welt ein Narr w\u00fcrde. Wir wollen also den n\u00e4rrischen Wahn abtun, als d\u00fcrften wir die wunderbaren Geheimnisse Gottes nach unsern eingebildeten Begriffen beurteilen; wir sollen sie vielmehr ganz einf\u00e4ltig anbeten. Wir brauchen \u00fcbrigens blo\u00df den Glauben der Hirten erw\u00e4gen, dann werden wir keine Schwierigkeiten mehr machen, ihnen zu folgen. Sie kommen und wollen den Erl\u00f6ser der Welt anbeten, und wie finden sie ihn? In einer Krippe und in ein paar T\u00fcchlein gewickelt; dies Zeichen hatte ihnen der Engel gegeben. Das hat doch wahrlich so ausgesehen, da\u00df sie wohl h\u00e4tten stutzen und wieder umkehren k\u00f6nnen, ohne Jesus Christ als ihren Heiland anzuerkennen. Denn die Schriftgelehrten und Doktoren der Juden glaubten, da\u00df der verhei\u00dfene Erl\u00f6ser pr\u00e4chtig kommen und sich die ganze Welt unterwerfen m\u00fcsse, da\u00df sie dann G\u00fcter des Lebens in F\u00fclle h\u00e4tten und alle Reicht\u00fcmer der Welt bek\u00e4men. Als man ihnen nun sagte, sie werden ihn in einem Stall und in Windeln gewickelt finden, da war also dies freilich eine gef\u00e4hrliche Lage, die diesen armen Leuten den Mut h\u00e4tte nehmen k\u00f6nnen, so da\u00df sie nie zu unserm Herrn Jesus Christ gekommen, vielmehr ihm fremd geblieben w\u00e4ren. Dies Zeichen also wurde ihnen f\u00fcr den Welterl\u00f6ser gegeben, da\u00df er in einer Krippe liege, also gleichsam aus der Reihe der Menschen gestrichen sei. Und doch h\u00e4lt dies sie nicht ab. Sie kommen, erkennen ihn als den Herrn, bekennen es feierlich, da\u00df Gott sich ihrer erbarmt und endlich die uralte Verhei\u00dfung erf\u00fcllt habe und sich selber durch das ganze auffallende Ereignis best\u00e4tigt hat. Weil nun der Glaube der Hirten so gro\u00df war und alles \u00fcberwunden hat, was sie h\u00e4tte davon abbringen k\u00f6nnen, zu unserm Herrn Jesus Christ zu kommen, so sind wir doppelt verpflichtet und doppelt unentschuldbar, wenn wir nicht bei ihnen in die Schule gehen und wenn die Geburt unsers Herrn Jesus Christ (wiewohl es ohne Ehre, Pracht und Vornehmheit dabei zuging) nicht aufh\u00f6rt, ein Ansto\u00df f\u00fcr uns zu sein und uns davon abzuhalten, da\u00df wir uns, wie sich&#8217;s geb\u00fchrt, zu ihm als unserm h\u00f6chsten K\u00f6nig halten, dem alle Herrschaft im Himmel und auf der Erde gegeben ist. Diese Mahnung haben wir wahrhaftig n\u00f6tig; denn f\u00fcr die von Stolz und Einbildung Besessenen und f\u00fcr die, die sich f\u00fcr weise halten, ist die Lehre des Evangeliums doch blo\u00df Ansto\u00df. Es gibt ja viele Schw\u00e4rmer, die alles verwerfen, was ihrem Verstand zuwider ist. Dann gibt es daneben auch Sp\u00f6tter, die noch nie von ihren S\u00fcnden etwas empfunden haben; profane Menschen, die nicht daran denken, da\u00df sie einmal zur Verantwortung gezogen werden, sie wissen nichts von einem besseren Leben als dem irdischen, und sie halten es blo\u00df f\u00fcr dumme Einfalt, dem Sohn Gottes zu folgen und sich an ihn zu halten. Um so mehr sollen wir demgegen\u00fcber stark sein im Bewu\u00dftsein, Gottes Sohn hat nichts von seiner Majest\u00e4t und Herrlichkeit verloren, ist nicht geringer geworden, als er sich zu unserm Heil erniedrigte, es soll uns vielmehr hoch erfreuen, wenn wir die unsch\u00e4tzbare Liebe und G\u00fcte sehen, die er f\u00fcr uns hegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So also m\u00fcssen wir diese Lehre anwenden, wollen tapfer zu unserm Herrn Jesus Christ gehen, obwohl wir auf den ersten Hieb nicht das in ihm finden, was unser Fleisch, d.h. unser nat\u00fcrlicher Sinn, w\u00fcnscht. Aber wenn er auch bei seiner Geburt in Windeln gewickelt war und in einer Krippe lag, wir wollen doch fest dabei bleiben, da\u00df er trotzdem immer unser Mittler war, der uns zu Gott, seinem Vater ziehen und uns Eingang in das Reich des Himmels schaffen sollte, aus dem wir ausgeschlossen waren. Und wen er auch heute noch nicht in Pracht regiert und wenn auch seine Kirche verachtet ist, und wenn auch sein Wort so einf\u00e4ltig ist, da\u00df die Gro\u00dfen der Welt es verwerfen, &#8211; wir wollen uns dennoch fest an ihn halten und im wahren Glaubensgehorsam uns seiner Herrschaft unterwerfen. Wenn z.B. gepredigt wird, so ist das nichts besonders Anziehendes f\u00fcr uns. Man h\u00f6rt da einen Menschen reden; und was f\u00fcr einen? Er hat keine besondere W\u00fcrde und Ehre; sodann gibt&#8217;s da blo\u00df das Wort zu h\u00f6ren; und was das Evangelium verk\u00fcndet, das scheint uns vielfach ganz gegen die Vernunft zu sein, wenn wir&#8217;s nach unsern W\u00fcnschen beurteilen. So wollen wir uns denn merken, da\u00df wir nicht an das, was Gott uns zeigt und sagt, herankommen k\u00f6nnen, wenn wir nicht von vornherein gedem\u00fctigt werden. &#8211; Zur Bekr\u00e4ftigung seines Worts haben wir nun noch die Sakramente. Aber soll ein Tropfen Wasser dazu gen\u00fcgen, um uns der S\u00fcndenvergebung zu versichern, dessen, da\u00df Gott uns zu Kindern angenommen hat und da\u00df wir mit seiner himmlischen fehllosen Herrlichkeit bekleidet werden, wie hinf\u00e4llig und gebrechlich wir auch sind? Soll f\u00fcr so gro\u00dfe und herrliche Dinge ein bi\u00dfchen Wasser uns Unterpfand und Sicherheit sein? Sollen ein St\u00fcck Brot und ein Tropfen Wein beim heiligen Abendmahl genug dazu sein, um uns dessen zu versichern, da\u00df Gott uns als seine Kinder anerkennt und wir in Jesus Christ leben und in nichts von ihm geschieden sind? Es sieht ja viel eher danach aus, da\u00df solche Zeremonien ohne alle Gro\u00dfartigkeit gar nichts sind. Daran sehen wir&#8217;s nun noch besser, wie das hier von den Hirten Gesagte uns betrifft und wir Nutzen daraus ziehen k\u00f6nnen: d.h. wir sollen unabl\u00e4ssig zu unserm Herrn Jesus Christ gehen und sicher sein, wir werden in ihm alles Gut, alle Freude und alle Herrlichkeit finden, und wenn er auch gleichsam im Stall und in der Krippe und in Windeln zu liegen scheint, d.h. wenn auch vieles von ihm abwendig machen oder wenigstens die Augen blenden k\u00f6nnte, so da\u00df wir die Herrlichkeit nicht sehen, die ihm von Gott, seinem Vater, gegeben ist. Gegeben ist sie ihm freilich, soweit es seine menschliche Natur betrifft, die er mit uns gemein hat; denn sofern er Gott ist, hat er ja alles aus sich selber (wie&#8217;s im 17. Kapitel, Vers 5 des Johannes-Evangeliums hei\u00dft), aber in seiner Menschheit hat er alles, was er uns gebracht hat, geschenkt bekommen, damit wir aus seiner F\u00fclle sch\u00f6pften und in ihm alles f\u00e4nden, was man w\u00fcnschen darf, und Ruhe und Befriedigung in ihm allein h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter wollen wir auch merken, da\u00df der heilige Geist uns dessen versichern wollte, da\u00df wir in der Nachfolge der Hirten, die uns hier zu Lehrern und F\u00fchrern verordnet sind, uns nicht vor T\u00e4uschung zu f\u00fcrchten brauchen. Wenn die Hirten nichts anderes zum Zeichen bekommen h\u00e4tten, als Stall und Krippe, dann k\u00f6nnten wir freilich sagen, es waren arme dumme Leute, die sich sinnlos in den Wahn verrannt haben, das w\u00e4re der Welterl\u00f6ser, und es w\u00e4re einfach Leichtgl\u00e4ubigkeit in unsern Augen und wir k\u00f6nnten es bezweifeln. Aber die Hirten bekamen noch eine Best\u00e4tigung, so da\u00df sie Gewi\u00dfheit davon hatten, da\u00df es Gottes Sohn w\u00e4re: der Engel erschien ihnen n\u00e4mlich und dazu haben sie dann das Lied geh\u00f6rt, das Lukas nennt, wo das ganze himmlische K\u00f6nigreich unsers Herrn Jesus Christ Zeugnis gibt, da\u00df er alle Macht \u00fcber die Sch\u00f6pfung im Himmel und auf Erden habe. Wir wollen darum annehmen, was uns hier gesagt wird, um sicher im Glauben an Jesus Christ zu werden. Gott hat sicher die Undankbarkeit all derer \u00fcberwinden wollen, die seinem einzigen Sohn die Huldigung verweigern, wenn er eine solche Schar von Engeln sandte, um zu verk\u00fcnden, da\u00df er der verhei\u00dfene Erl\u00f6ser w\u00e4re. Wer mag, der mag sich dann weiter in seinem Unglauben gefallen; es gibt ja genug so verbohrte Leute, die nicht die geringste Notiz von dem nehmen, was im Evangelium steht. Auch Sp\u00f6tter gibt&#8217;s, denen es ganz gleichg\u00fcltig ist, was man predigt, es ist ihnen so viel wert wie M\u00e4rchenerz\u00e4hlen. Aber es gibt etwas, womit man den verstockten und teuflischen Widerstand all derer brechen kann, die sich unserm Herrn Jesus Christ nicht unterwerfen und ihm die Huldigung verweigern. Denn wenn&#8217;s auch viel Ungl\u00e4ubige gibt, eine unabsehbare Menge der Engel des Paradieses legt Zeugnis gegen sie ab, und sie sind die Diener der g\u00f6ttlichen Wahrheit. M\u00f6gen drum die B\u00f6sen und alle in Laster und Niedertracht verstrickten Leute sich darin gefallen und verh\u00e4rten, es sind Zeugen da, die hinreichen, um ihre Verdammung zu erwirken. Die Engel des Paradieses sind erschienen, damit wir keine Entschuldigung mehr h\u00e4tten, wenn wir Jesus Christ nicht als h\u00f6chsten K\u00f6nig anerkennen und uns seiner Majest\u00e4t beugen. Wir unsrerseits wollen dabei beachten, wie Gott f\u00fcr unser Heil bedacht war, da er so viel Engel sandte, damit wir k\u00fchnlich und freim\u00fctig, ohne Zweifel und Bedenken, zu unserm Herrn Jesus Christ kommen k\u00f6nnten; wir sollten ganz sicher darin sein, da\u00df wir in ihm alles finden, was uns fehlt, und er in unsere Armut und in unser Elend seine ganze F\u00fclle legen kann, mit einem Wort, da\u00df durch ihn Gott sich mit uns verb\u00fcnden will. Und wo sollten wir das Leben suchen au\u00dfer in Gott? Und nun wohnt die ganze F\u00fclle der Gottheit in Jesus Christ. Wenn wir solch Zeugnis f\u00fcr uns haben, so ist das, wie wenn Gott beide Arme ausbreitete und uns seine unerme\u00dfliche G\u00fcte f\u00fchlen lie\u00dfe, wie wenn er uns sagte, wenn wir an Jesus Christ glauben (mit ungeheucheltem Glauben nat\u00fcrlich), uns ganz auf ihn verlassen, im Bewu\u00dftsein, da\u00df er uns alles geben mu\u00df, dann werden wir an all den G\u00fctern, die uns fehlen und nach denen wir uns sehnen, Teil bekommen. Und wen wir freilich auch heutzutage die Engel nicht mehr sehen, die damals auch nur f\u00fcr einen Augenblick erschienen sind, so ist das Zeugnis davon doch aufgeschrieben und soll glaubw\u00fcrdig sein; durch den Mund des heiligen Lukas hat ja der heilige Geist geredet. So seien wir damit zufrieden, durch die Engel ein solches Gotteszeugnis von der Geburt unsers Herrn Jesus Christ zu haben, und im Hinblick darauf, wie er Mensch geworden und sich ganz f\u00fcr uns zunichte machen lie\u00df, wollen wir voll Freude zum K\u00f6nigreich der Himmel streben und in wahrer Glaubenseinigkeit an ihm hangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin m\u00fcssen wir nun aber auch den Ort seiner Geburt betrachten, d.h. Bethlehem. Und es ist keine geringe und unwichtige Best\u00e4tigung, wenn der Sohn Gottes also demnach so geboren wurde, wie es l\u00e4ngst zuvor der Prophet verk\u00fcndet hat. Wenn nun Josef und Maria in Bethlehem daheim gewesen w\u00e4ren und sich dort niedergelassen h\u00e4tten, dann w\u00e4re es nicht so seltsam gewesen, wenn sie dort niedergekommen und Jesus Christ dort geboren w\u00e4re; aber das, was wir heute davon haben, w\u00e4re doch sehr verdunkelt, denn man w\u00fcrde dabei nicht merken, mit wie gutem Recht der Prophet gesagt hatte: Bethlehem, wiewohl du heute als ein kleiner Flecken verachtet bist, so wirst du doch den hervorbringen, der meines Volkes F\u00fchrer sein soll. Aber da Josef und Maria in Nazareth wohnen und gerade zur Zeit der Niederkunft in die Stadt Bethlehem kommen und Jesus Christ hier geboren wird, wer sieht da nicht, wie Gottes Hand dies alles gef\u00fchrt hat? Die Menschen m\u00fcssen schon absichtlich und b\u00f6swillig die Augen verschlie\u00dfen, wenn sie hierbei nicht Gottes Werk erkennen wollen, der seinem einigen Sohn ein Merkzeichen mitgab, damit man ihn ohne Bedenken als den Verhei\u00dfenen aufnehme. Es hatte ja nun freilich seinen Grund, wenn Josef nach Bethlehem kam; der Grund war der Erla\u00df des r\u00f6mischen Kaisers. Aber da\u00df er dabei die schwangere, ihrer Niederkunft nahe Frau mitnahm, das stammte sicher nicht von Menschen, da war Gott am Werk. Wir sehen da auch, auf welch seltsame Weise Gott seinen Willen durchf\u00fchrt. Der kaiserliche Erla\u00df war ja die reine Gewaltt\u00e4tigkeit, das j\u00fcdische Volk sollte eben drangsaliert werden, jeder einzelne sollte Steuer bezahlen, man wollte ihnen zeigen, da\u00df sie keine Freiheit zu erwarten h\u00e4tten; Jesus Christ war aber doch als Befreier der Juden und Gl\u00e4ubigen vom Joch des Satans und aller Tyrannei verhei\u00dfen; dieser Erla\u00df sah gerade aus, als wollte er Gott die T\u00fcre zuschlagen und ihn hindern, seine Verhei\u00dfungen an sein Volk wahr zu machen. Und hat doch helfen m\u00fcssen, sie zu erf\u00fcllen. Denn wenn nun Maria und Josef als arme Leute daher kommen, den heidnischen, ungl\u00e4ubigen Tyrannen untertan, und ihnen in Bethlehem Jesus Christ geboren wird, da zeigt sich gerade die Wahrheit der Weissagung. So also m\u00fcssen wir das hier Erz\u00e4hlte auf uns anwenden. Denn uns eben blo\u00df die Geschichte zu erz\u00e4hlen, die einmal passiert ist, das war nicht die Absicht des heiligen Lukas oder vielmehr des heiligen Geistes, der durch seinen Mund geredet hat. Sondern einerseits hat er uns hier klar machen wollen, wie Gottes Sohn alles hergegeben hat f\u00fcr uns, und anderseits, wie er doch ein untr\u00fcgliches Merkzeichen an sich trug, da\u00df er der Erl\u00f6ser sei, damit man ihn als solchen aufnehme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen indessen doch auch insofern Nutzen aus der Geschichte ziehen, als wir uns dem Lobgesang der Engel zur Verherrlichung Gottes anschlie\u00dfen und dankbar annehmen, was Gott uns hier f\u00fcr Seelenfreude macht. Der Engel, der den Hirten die Botschaft brachte, sagt nun zun\u00e4chst: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude\u201c. Und daran schlie\u00dft sich gleich das vielstimmige Zeugnis des ganzen Heers, das Gott schickt: \u201eFriede den Menschen auf Erden\u201c. Das also ist das erste, was wir hiervon zu behalten haben, da\u00df wir in Jesus Christ unsre Freude suchen sollen. Wenn wir auch sonst alle Lust und alles Vergn\u00fcgen h\u00e4tten und uns nur so darin baden k\u00f6nnten, &#8211; wenn wir nicht ganz bet\u00e4ubt und abgestumpft w\u00e4ren, so h\u00e4tte unser Gewissen doch nie Ruhe; dieser Wurm (so nennt es ja die Schrift) w\u00fcrde an uns nagen, wir w\u00fcrden von unsern S\u00fcnden verklagt und m\u00fc\u00dften es f\u00fchlen, da\u00df Gott mit vollem Recht uns feind ist und widersteht. Drum weh allen Freuden der Welt, denn sie werden sich in Z\u00e4hneklappern verwandeln, solange die Menschen nicht mit Gott im Reinen sind. Verdammt drum alle Freude, alle Ehre, \u00fcberhaupt alles, was man w\u00fcnschen kann, bis wir bei Gott in Gnaden sind. Und so vers\u00f6hnt k\u00f6nnen wir uns dann recht freuen, nicht in weltlich irdischer Freude, sondern so wie&#8217;s uns der heilige Geist verhei\u00dfen hat. Die beiden Dinge geh\u00f6ren zusammen, der Friede und die Freude. Wenn wir uns n\u00e4mlich von soviel Elend umgehen sehen, wie k\u00f6nnen wir uns denn freuen? Und weiter, wenn wir daran denken, da\u00df wir in Adam verdammt sind, da\u00df wir Kinder des Zorns sind, da\u00df Gott unser Richter ist und in der Kraft seiner Rache uns vernichten kann, wie k\u00f6nnten wir uns in solcher Lage freuen? Wenn wir daran denken, dann m\u00fc\u00dften wir eigentlich niedergeschlagen sein vor Ruhelosigkeit, ja in einer H\u00f6lle von Schrecken m\u00fc\u00dften wir sein, die \u00fcber alle Angst in der Welt hinausgeht, wenn der Teufel uns nicht bezauberte (und f\u00fchllos machte); es gibt ja viele, die sind noch immer lustig, obwohl sie mit Gott im Kriege leben. Aber wenn noch ein Funke von Gef\u00fchl in uns ist, dann werden wir gewi\u00df immer in Qualen bleiben, bis Gottes Gnade uns bekannt wird. Darum eben mu\u00df dieser Friede das erste sein; wir m\u00fcssen wissen, da\u00df Gott uns als seine Kinder annimmt, indem er uns unsre S\u00fcnde nicht zurechnet. Und sind wir dann so im Frieden mit Gott, dann k\u00f6nnen wir uns auch freuen, mit Gott freuen, wie ich schon angedeutet habe. Die Ungl\u00e4ubigen haben ja freilich auch eine Art Frieden, d.h. sie sind eben so stumpf geworden, da\u00df ihnen Gottes Gericht gar nichts mehr gilt, ja sie spotten seiner sogar; aber das ist kein Friede mit Gott. Denn sie haben nur dann Frieden und Ruhe, wenn sie Gott und sich selber vergessen und ganz empfindungslos werden. Paulus aber mahnt uns dazu, Frieden mit Gott zu haben, d.h. auf ihn zu schauen und nach Vers\u00f6hnung zu trachten, d.h. in seine N\u00e4he zu kommen und dann seiner Liebe gewi\u00df und versichert zu werden. Und wie wird das sein k\u00f6nnen? Durch die S\u00fcndenvergebung, durch seine freie G\u00fcte, die er in unserm Herrn Jesus Christ uns entgegenbringt. Merken wir uns also gut, da\u00df der Friede, den hier die Engel des Paradieses verk\u00fcnden, die Freude schuf, von der der erste Engel mit jenen Worten sagte, \u201esiehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude\u201c, d.h. das Heil, das ihr in Jesus Christ empfangt. Er hei\u00dft unser Friede, und dieser Name sagt, da\u00df wir Gott ganz entfremdet sind, wenn er uns nicht durch seinen einigen Sohn zu Gnaden annimmt. Dann haben wir auch etwas zu r\u00fchmen, wenn Gott uns als seine Kinder anerkennt, wenn er uns die Erlaubnis gibt, ihn laut unsern Vater zu nennen, freim\u00fctig zu ihm zu kommen und bei ihm unsere Zuflucht zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu wollen wir hieraus entnehmen, da\u00df Gott es so geordnet hat, da\u00df das Evangelium durch die Menschen verk\u00fcndet wird, da\u00df aber doch die Engel den Vortritt dabei gehabt haben. Heut freilich mu\u00df die Kirche ihre Unterweisung durch sterbliche Gesch\u00f6pfe empfangen; und doch bringen wir dabei nichts neues, sondern wiederholen nur die Predigt, die die Engel des Paradieses gehalten haben, keine kleine Schar, sondern eine unabsehbare Menge, ein gro\u00dfes Heer. Es mu\u00df uns \u00fcbrigens zum Preis unseres Gottes entz\u00fcnden, wenn wir so v\u00f6llig seiner G\u00fcte versichert werden. Darum sind auch die beiden Dinge miteinander verbunden, der Aufruf der Engel zum Preis Gottes und die Gabe des Friedens auf Erden. Wir d\u00fcrfen uns der Gabe freuen, die Gott uns durch unsern Herrn Jesus Christ seinen einigen Sohn gegeben hat. Er hat diesen Frieden gebracht, damit unser Lob zum Himmel steige, damit es die Wolken durchdringe und die Erde dieses Lied widerhalle; Gott soll \u00fcberall gepriesen und verherrlicht sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen hieraus nun auch entnehmen, da\u00df unser Mund stumm bleiben wird und wir nie werden Gott loben k\u00f6nnen, wenn er uns nicht seine G\u00fcte hat erfahren lassen. Wie sollten denn arme S\u00fcnder, die Angst und Gewissensbisse in sich sp\u00fcren, die nicht wissen, ob Gott sie liebt oder ha\u00dft, wie sollten die Gottes Namen preisen k\u00f6nnen? Die Angst wird sie vielmehr in sich selber verschlie\u00dfen, so da\u00df sie den Mund nicht werden auftun k\u00f6nnen. Drum mu\u00df Gott uns in erster Linie recht von seiner Liebe zu uns Zeugnis geben, damit wir fest dabei bleiben, da\u00df Gott stets unser Vater ist; damit haben wir dann auch Grund, seinen Namen zu preisen. Aber wenn es wahr ist, da\u00df wir Gott nicht loben k\u00f6nnen, ehe er uns seine G\u00fcte gezeigt hat, dann wollen wir doch auch das andere lernen, da\u00df unser Glaube nicht faul und tot sein darf; wir wollen uns zum Lobpreis Gottes aufreizen lassen, wenn wir&#8217;s erleben, wie er alle die gro\u00dfen Sch\u00e4tze seiner Barmherzigkeit \u00fcber uns aussch\u00fcttet; da soll der Mund das Seine tun und unser ganzes Leben soll das Echo dazu sein. Denn das ist der wahre Lobgesang, wenn jeder sich dem Dienst Gottes weiht, im Bewu\u00dftsein, da\u00df, wenn er uns so teuer erworben hat, mit Fug und Recht all unsere Gedanken und Werke blo\u00df dazu da sein sollen, da\u00df sein Name gepriesen werde. Und wenn wir dann merken, da\u00df wir wirklich die Seinen sind, dann sollen wir erst recht wissen, da\u00df es nur sein Wohlgefallen war, uns aufzunehmen, und da\u00df alles blo\u00df von seiner freien G\u00fcte herkommt. Darum steht mit gutem Grund nicht blo\u00df da, Friede sei den Menschen gegeben, sondern durch Gottes Wohlgefallen sei er ihnen gegeben, nicht als Verdienst, nicht als h\u00e4tten sie selber ihn erworben. Das Wort, das Lukas hier gebraucht, bedeutet vor allem eben dies, da\u00df wir f\u00fcr die Tatsache, da\u00df unser Herr Jesus Christ uns erschienen ist, keine andere Begr\u00fcndung suchen sollen als die, da\u00df Gott eben Mitleid und Erbarmen mit unserm Elend gehabt hat. So hei\u00dft es ja auch im 3. Kapitel des Johannes-Evangeliums: also hat Gott die Welt geliebt, da\u00df er seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn f\u00fcr uns in den Tod gegeben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Geist wollen wir vor unseren Herrn Jesus Christ treten; die Botschaft, die hier die Engel verk\u00fcnden, soll uns gleich einer brennenden Fackel den Weg weisen, der Glaube soll unser F\u00fchrer sein und wir sollen wissen, da\u00df es nun Gott in uns hei\u00dft, weil es vorher Gott mit uns hie\u00df; Gott mit uns, so hei\u00dft es, weil er in unsrer menschlichen Natur hat wohnen wollen wie in einem Tempel; nun aber ist er \u201eGott in uns\u201c, d.h. wir erfahren seine Verbundenheit mit uns viel st\u00e4rker als damals, wo er sich als sterblicher Mensch hat sehen lassen. Ja, sogar Gott und Mensch zugleich ist er in uns. Denn einmal macht er uns durch die Kraft seines heiligen Geistes lebendig, sodann aber ist er auch Mensch in uns, sofern er uns an dem Opfer Anteil gibt, das er f\u00fcr unser Heil gebracht hat; mit gutem Grunde hat er ja gesagt, sein Fleisch sei in Wahrheit Speise und sein Blut in Wahrheit Trank. Eben darum ist ja auch das heilige Mahl f\u00fcr uns zubereitet, wir sollen aus ihm erkennen, da\u00df unser Herr Jesus Christ zu uns herabgestiegen und ganz niedrig geworden ist und da\u00df er mit uns vereint bleibt, wiewohl er in die Herrlichkeit der Himmel emporgestiegen ist; das geschah ja vielmehr eben dazu, damit wir an seinem Fleisch und Blut Anteil bek\u00e4men. Wieso? Wir wissen doch, seine Gerechtigkeit und sein Gehorsam sind die Genugtuung f\u00fcr unsere S\u00fcnden, er hat den Zorn Gottes vers\u00f6hnt durch das Opfer, das er mit seinem menschlichen Leib und Blut, das er mit uns teilte, gebracht hat. Wenn das so ist, dann d\u00fcrfen wir nicht daran zweifeln, da\u00df Jesus wirklich in uns Wohnung nimmt, wenn er uns zu diesem Tisch l\u00e4dt, wiewohl wir blo\u00df Brot und Wein wahrnehmen, da\u00df wir so innig mit ihm vereinigt sind, da\u00df alles, was er zu eigen hat, auch uns geh\u00f6rt. Das, sag ich, sollen wir wissen, damit wir auch etwas von diesem Sakrament haben, das uns durch ihn bereitet ist; und so oft wir uns r\u00fcsten, es zu empfangen, sollen wir bedenken, da\u00df Gott uns sicherlich auf anderem Wege aus dem Abgrund unsers Verderbens herausgerissen h\u00e4tte, wenn er gewollt h\u00e4tte; er hat uns aber nur seiner Liebe um so gewisser machen wollen, wenn wir nun Jesus Christ zum Unterpfand haben; in ihm sollen wir all unser Gl\u00fcck suchen und wissen, da\u00df es keine Freude f\u00fcr uns gibt, sie sei auch wie sie sei, au\u00dfer wenn er gleichsam ihr Mittelpunkt ist und uns so nahe ist, da\u00df er uns zum K\u00f6nigreich der Himmel f\u00fchren kann, aus dem wir unsrer S\u00fcnden wegen verbannt und ausgesto\u00dfen waren. So soll also unser Herr Jesus Christ das Ziel unsers Heils sein, sonst k\u00f6nnen wir nicht in die N\u00e4he Gottes kommen und keine wahre geistliche Freude, keine Befriedigung und keine Ruhe haben, sonst k\u00f6nnen wir auch nicht gegen die Versuchungen gewappnet sein, in die uns der Teufel hineinbringen m\u00f6chte. Aber um an diesem heiligen Mahl Anteil zu bekommen, wollen wir zuerst an uns selber denken, in erster Linie unser Elend erkennen und uns darin auch wirklich mi\u00dffallen und verlegen dar\u00fcber werden. Und dazu sollen wir dann wissen, da\u00df Gott unsre Angst und Traurigkeit hat vers\u00fc\u00dfen wollen, indem er in seinem einigen Sohn sich selber uns geschenkt und uns dadurch die vollkommene Freude bereitet hat. Und wenn wir auch noch reichlich den Armseligkeiten dieser Welt ausgeliefert sind, und wenn uns auch die Feinde wie rei\u00dfende W\u00f6lfe umlagern, und wenn auch der Teufel unaufh\u00f6rlich unter uns nach Beute trachtet, und wenn uns auch die Ungl\u00e4ubigen anbellen wie tolle Hunde, und wenn wir auch von N\u00f6ten umgetrieben und von allen Seiten bedroht sind, und wenn wir auch viel \u00c4rgernis erleiden m\u00fcssen, &#8211; trotz alledem d\u00fcrfen wir ganz sicher sein, da\u00df wir mit unserm Gott im Frieden stehen; und wir wollen ihn bitten, da\u00df er uns das durch seinen heiligen Geist auch f\u00fchlen lasse. Dies ist ja auch eine Sache, die den Menschenverstand \u00fcbersteigt (so sagt Paulus in Phil 4,7, wie schon bemerkt) und wir wollen lernen, an unserm Herrn Jesus Christ und den geistlichen G\u00fctern, an denen er uns Anteil gibt, genug zu haben, so da\u00df wir um dessentwillen alle N\u00f6te und Anfechtungen dieser Welt geduldig tragen k\u00f6nnen. Es soll uns nicht leid sein, von allen Seiten verachtet und bel\u00e4stigt zu werden, kurz, aller Schmach und Schande preisgegeben zu sein, wenn nur Jesus Christ mit uns ist, wenn nur er all unsere N\u00f6te und Anfechtungen segnet, und wenn nur soviel dabei herauskommt, da\u00df man merkt, wie wir mitten in unsern N\u00f6ten doch nur das Eine wollen: Gott verherrlichen. Und wenn die Weltmenschen in ihr Verderben hinein triumphieren, wenn sie sich nur im Kampf gegen Gott freuen k\u00f6nnen, dann soll unsere Freude die sein, in aller Furcht und Demut ihm zu dienen und uns ganz blo\u00df seinem Gehorsam zu weihen. Das ist der Nutzen, den wir aus dieser Geschichte zu ziehen haben.<\/p>\n<p><em>Johannes Calvin\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.glaubensstimme.de\/doku.php?id=verzeichnisse:quellen:muehlhaupt\">M\u00fclhaupt, Erwin &#8211; Diener am Wort Gottes<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geschah in diesen Tagen, da\u00df ein Edikt von Kaiser Augustus erging, da\u00df die ganze Welt gez\u00e4hlt w\u00fcrde. Diese erste Z\u00e4hlung fand statt, als Cyrenius in Syrien das Regiment hatte. Und es gingen alle, um sich einschreiben zu lassen, jeder in seine Stadt. 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