{"id":22231,"date":"2025-12-07T09:13:42","date_gmt":"2025-12-07T08:13:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22231"},"modified":"2025-12-19T15:36:44","modified_gmt":"2025-12-19T14:36:44","slug":"der-heimat-zu-predigt-zum-zweiten-sonntag-im-advent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22231","title":{"rendered":"Der Heimat zu! &#8211; Predigt im Advent 1879"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle V\u00f6lker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den B\u00f6cken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die B\u00f6cke zu seiner Linken. Da wird dann der K\u00f6nig sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getr\u00e4nkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getr\u00e4nkt? Wann haben wir dich als einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackt und dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen? Und der K\u00f6nig wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getr\u00e4nkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm antworten und sagen: HERR, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ohne ein Wort dem\u00fctigen Dankes gegen Gott d\u00fcrfen wir heute in diesem Gotteshaus erscheinen f\u00fcr ein abermaliges Wunder gn\u00e4diger Beh\u00fctung und allm\u00e4chtiger Bewahrung, dass er an einem gesalbten Haupt, an einem unserem K\u00f6nigshaus nahe verwandten, gro\u00dfen und edlen Monarchen getan hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beschlie\u00dft einen Rat und es werde nichts daraus! So hat der Alleingewaltige, der im Himmel thront, wiederum gesprochen zu den Frevlern, die mit satanischer Bosheit und wahnsinnigem Starrsinn ihre Vernichtungspl\u00e4ne verfolgen. F\u00fcrchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott, diese Verhei\u00dfung hat der K\u00f6nig aller K\u00f6nige, der Herr aller Herren abermals an einem seiner Gesalbten erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, es waltet noch \u00fcber uns ein lebendiger Gott, der den Erdboden richtet mit Gerechtigkeit. Das haben uns die Ereignisse der verflossenen Woche wieder gepredigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es steht ein Endgericht bevor, wo alle Welt versammelt werden soll zur letzten Rechenschaft, wo auch das, was hienieden ungerichtet und ungeschlichtet bleibt, seine Vergeltung finden wird vor dem Thron des Weltenrichters. Das predigt uns unser heutiges Evangelium.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSiehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir sanftm\u00fctig.\u201c So lautete vor acht Tagen die gnadenreiche Adventsbotschaft, und sanftm\u00fctig und dem\u00fctig, niedrig und in Knechtsgestalt sahen wir den Friedef\u00fcrsten einziehen zu den Toren Jerusalems, um den Opfertod der Liebe zu sterben. Das war sein erster Advent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In anderer Gestalt sehen wir ihn heute, sitzend auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, umgeben von der Thronwache seiner heiligen Engel, umwogt von Millionen banger Menschenseelen, die seines Richterspruchs harren, um Seligkeit oder Verdammnis aus seinem Mund zu empfangen. Das ist sein letzter Advent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So tr\u00f6stlich der erste, so schrecklich der letzte. Und doch auch durch die Posaunen des Weltgerichts, die wir in unserem heutigen Evangelium vernehmen, t\u00f6nen noch tr\u00f6stliche Kl\u00e4nge hindurch. Auch in der richtenden Gerechtigkeit des Herrn verleugnet sich nicht seine heilige Liebe. Dar\u00fcber wollen wir jetzt weiter nachdenken: Jesus Christus, der K\u00f6nig der Liebe, auch auf dem Stuhl des Weltenrichters,<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>voll erbarmender Liebe f\u00fcr die leidende Menschheit,<\/li>\n<li>voll segnender Liebe f\u00fcr seine redlichen J\u00fcnger,<\/li>\n<li>voll mahnender Liebe f\u00fcr die pflichtvergessene Welt.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hehrer K\u00f6nig, Herr der Schrecken,<br \/>\nGnade nur tilgt unsre Flecken,<br \/>\nGnade, Gnade lass mich decken!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch auf dem Stuhl des Weltenrichters bleibt Jesus Christus der K\u00f6nig der Liebe. Als eine tr\u00f6stliche Verhei\u00dfung, als eine freundliche B\u00fcrgschaft, dass auch beim letzten Spruch des Weltenrichters neben der Gerechtigkeit die Liebe nicht fehlen werde, darf es die Christenheit vernehmen: Der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben (Joh. 5,22). Und so sehen wir denn auch im Antlitz des majest\u00e4tischen Weltenrichters, wie es aus unserem Evangelium uns entgegenblickt, noch die Z\u00fcge des barmherzigen Menschensohnes, wie er einst auf Erden gewandelt ist, und h\u00f6ren aus seinem entscheidenden Richterspruch heraus vor allem:<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">1) Die erbarmende Liebe f\u00fcr die leidende Menschheit.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist, durstig und ihr habt mich getr\u00e4nkt, ein Gast und ihr habt mich beherbergt, nackt und ihr habt mich bekleidet, krank und ihr habt mich besucht, gefangen und ihr seid zu mir gekommen. Denn was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan. Und was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan!\u201c So lauten die Entscheidungsgr\u00fcnde seines letzten Richterspruchs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6ren wir da nicht auf dem Stuhl des Weltenrichters den alten liebevollen Menschensohn und Menschenfreund, der in seinen Erdentagen umhergegangen ist und hat wohlgetan vielen, der die Hungrigen gespeist, die Kranken geheilt, die Trauernden getr\u00f6stet, die M\u00fchseligen und Beladenen zu sich gerufen und den Armen das Evangelium gepredigt hat?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das schreib dir in die Herzen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">du hochbetr\u00fcbtes Heer,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei denen Gram und Schmerzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sich h\u00e4ufen mehr und mehr!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wie einst, da er hienieden im Staube wandelte, angelaufen und umdr\u00e4ngt von Leidenden aller Art, so auch droben auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, umringt von Engeln und seligen Geistern, hat er euer nicht vergessen, hat ein Auge f\u00fcr eure N\u00f6ten, hat ein Ohr f\u00fcr eure Seufzer, hat ein Herz f\u00fcr die leidende Menschheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn hier auf Erden niemand eurer in Liebe ged\u00e4chte, wenn ihr von den Leichtsinnigen \u00fcbersehen, von den Hartherzigen an ihrer T\u00fcr weggewiesen, von den Hochm\u00fctigen verachtet, von den Gewaltt\u00e4tigen unterdr\u00fcckt w\u00fcrdet, wenn ihr misshandelte Sklaven, die verachteten Parias w\u00e4rt in dieser Welt, was ihr doch nicht seid, wo der Geist Christi waltet: vom Himmel blickt die ewige Liebe erbarmend auf euch nieder; der Vater da droben wei\u00df, was ihr bed\u00fcrft; der Sohn des Allerh\u00f6chsten nennt euch seine Br\u00fcder und macht eure Sache zu der seinen und will, was euch zu lieb oder zu leide geschieht, so ansehen, als h\u00e4tte man&#8217;s ihm getan. Also murrt nicht, verzagt nicht, verzweifelt nicht, flucht nicht \u00fcber Gott und Welt. Zum erh\u00f6hten Menschensohn und Menschenfreund hebt eure Augen auf; zu ihm sendet vertrauensvoll eure Seufzer empor; ihm klagt euer Leid, bei ihm holt euch euern Trost, auf ihn setzt eure Hoffnung in Zeit und Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn hier in dieser Zeit euer Recht euch nicht w\u00fcrde und eure Hilfe nicht k\u00e4me, so tr\u00f6stet euch, es gibt ein gerechtes Gericht Gottes, das die Ungerechtigkeiten dieser Welt ausgleichen wird; es kommt ein Tag der Vergeltung, wo der arme, fromme Lazarus von Engeln getragen wird in Abrahams Scho\u00df, wo der unbarmherzige reiche Mann Pein leidet in der Flamme. Also nicht in Ungerechtigkeit und Gewalttat, nicht in Raub und Mord und Brand und dem Umsturz g\u00f6ttlicher und menschlicher Ordnung sucht euer Heil, sondern der g\u00f6ttlichen Gerechtigkeit, der ewigen Liebe befehlt eure Sache; sie ist in guter Hand, in der Hand dessen, der da spricht: Was ihr getan habt einem dieser Geringsten unter meinen Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan, und der auch auf dem Stuhl des Weltenrichters voll erbarmender Liebe sich zeigt f\u00fcr die leidende Menschheit.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">2) Und voll segnender Liebe f\u00fcr seine redlichen J\u00fcnger.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!\u201c So lautet der gnadenreiche Richterspruch des Menschensohnes \u00fcber die zu seiner Rechten. Und worin zeigt sich denn ihre Gerechtigkeit, worauf gr\u00fcndet sich dies gn\u00e4dige Urteil? Der Herr war hungrig und sie haben ihn gespeist, durstig und sie haben ihn getr\u00e4nkt, ein Gast und sie haben ihn beherbergt, nackt und sie haben ihn bekleidet, krank und sie haben ihn besucht, gefangen und sie sind zu ihm gekommen. Und da sie verwundert \u00fcber solch ein Ehrenzeugnis, besch\u00e4mt \u00fcber solch einen Gnadenlohn fragen: \u201eWann, Herr, haben wir dich so gesehen und haben so an dir getan?\u201c Da erhalten sie die Antwort: \u201eWas ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6ren wir nicht auch da wieder die Liebe, die billig fordernde, die milde urteilende, die reichlich lohnende, die unverdient segnende Liebe des Weltenrichters? Sehen wir nicht auch da wieder auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit den milden Menschensohn und Menschenfreund, der in den Tagen seines Fleisches die zwei Scherflein der armen Witwe an der Tempelt\u00fcr in seiner Waage wog und \u00fcber das Liebesopfer der Maria zu Bethanien das freundliche Urteil sprach: Lasst sie mit Frieden, sie hat ein gutes Werk an mir getan, sie hat getan, was sie konnte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und muss es uns nicht ein Trost sein in unserer Schwachheit, aus diesem Mund einst das Zeugnis zu erhalten auch \u00fcber unser irdisches Tagewerk und den Richterspruch zu empfangen auch \u00fcber unser Los in Ewigkeit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ja gewiss: nicht ohne einen geheimen Schauer kann auch der Mutige, nicht ohne tiefes Bangen kann auch der Gerechte sich hineindenken in jene furchtbare Stunde, da wir allesamt m\u00fcssen offenbar werden vor dem Richterstuhl des gerechten Gottes, um zu empfangen, was unsere Taten wert sind, und auch ein redlicher Knecht Gottes, auch ein treuer J\u00fcnger Jesu muss einstimmen in die Klage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weh, wie werd ich Armer stehen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wen zum Anwalt mir erflehen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gerechte schier vergehen? <sup><a href=\"https:\/\/www.glaubensstimme.de\/doku.php?id=autoren:g:gerok_k:gerok_der_heimat_zu:gerok_der_heimat_zu_predigt_02#fn__1\">1)<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muss denn nicht im Feuer der g\u00f6ttlichen Heiligkeit all unsere Gerechtigkeit zu Asche verbrennen? M\u00fcssen nicht im Licht der Ewigkeit tausend b\u00f6se Flecken offenbar werden auch an den Besten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich gerichtet werde nach meinen Werken und mir vergolten wird nach dem, was ich gehandelt habe bei Leibesleben, es sei gut oder b\u00f6se: wie vieles habe ich getan, das nicht recht ist vor dem heiligen Gott; wieviel mehr noch habe ich unterlassen, das ich tun konnte und sollte; und auch was ich von guten Werken aufweisen kann, wie ist es so mangelhaft und unvollkommen; wie weit bleibt das Vollbringen zur\u00fcck hinter dem Wollen und das Tun der H\u00e4nde hinter dem Vorsatz des Herzens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wenn nun der Herr mein Herz ansieht und nicht nur mein Tun, mein Wollen und nicht blo\u00df meinen Wandel; wenn er mit dem Flammenblick des Weltenrichters hineinschaut in die geheimsten Winkel meiner Seele, wenn er die Triebfedern meines Tuns erforscht, auch dessen, was gut getan scheint vor den Menschen; wenn er die argen Gedanken und b\u00f6sen Gel\u00fcste ans Licht zieht, die auch in meinem Herzen hausen, ob sie auch vor der Welt bedeckt sind von der H\u00fclle eines ehrbaren Wandels; wenn der Herzensk\u00fcndiger mich nach den Gesinnungen meines Herzens richtet, werde ich da nicht noch \u00fcbler bestehen, als wenn er mein \u00e4u\u00dferes Tun auf seine Waage legt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen solche Fragen nicht leicht nehmen; der w\u00e4re kein aufrichtiger, gottesf\u00fcrchtiger, von Herzen dem\u00fctiger Christ, der sich dar\u00fcber so schnell hinwegsetzen k\u00f6nnte; wir wollen auch das Urteil des Herrn im heutigen Evangelium nicht falsch verstehen, als k\u00e4me die Gesinnung des Herzens nicht in Betracht vor dem Richterstuhl der Ewigkeit, als w\u00e4ren es einzelne \u00e4u\u00dfere Werke, mit denen wir den Himmel verdienen, etliche wohlfeile Almosen und Liebesgaben, mit denen wir unserer S\u00fcnden Menge zudecken k\u00f6nnten. Nein, die Gerechtigkeit der Gerechten, welche der Herr zu seiner Rechten stellt, besteht ja gewiss nicht blo\u00df in den sechs Werken der Barmherzigkeit, die er da namhaft macht, &#8211; sie muss ihren tieferen Grund haben in der Stellung des innersten Herzens und ihr weiteres \u00dcbungsfeld in der F\u00fchrung des ganzen Lebens. Und wenn ein Mensch allj\u00e4hrlich hundert Arme speiste und noch durch sein Testament tausend D\u00fcrftige kleidete, er h\u00e4tte aber dabei einen schlechten Wandel gef\u00fchrt und Gottes Gebote im Herzen leichtfertig verachtet und im Leben frevelhaft \u00fcbertreten, so h\u00e4tte er mit all seinen Armengaben nicht den Herrn gespeist und gekleidet, nicht einen Platz zu seiner Rechten und ein Erbteil in seines Vaters Reich sich verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber den Trost darf doch ein redlicher Christ aus jenem milden Spruch des Weltenrichters sich entnehmen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob du auch keine gl\u00e4nzenden Verdienste und keine gro\u00dfen Taten aufweisen kannst am Tag des Gerichts: wenn du nur Gutes tust, wo du kannst, und Liebe \u00fcbst, soweit du vermagst, so darfst du auf einen gn\u00e4digen Richter hoffen. Jedes gute Werk in Gott getan, wenn auch die Menschen nichts davon wissen, wenn auch du selber nicht viel davon h\u00e4ltst und nicht mehr daran denkst, es bleibt im Himmel angeschrieben; dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir&#8217;s vergelten \u00f6ffentlich. Dein Heiland, der daran seine J\u00fcnger erkennen will, ob sie Liebe untereinander haben, kann dich \u00fcberschw\u00e4nglich daf\u00fcr segnen in Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ob du auch tausend Flecken in deinem Leben, tausend M\u00e4ngel in deinem Herzen siehst und dein heiliger Herr und Gott noch zehnmal mehr als du selbst &#8211; eines ist&#8217;s, was viele M\u00e4ngel ersetzt und viele Sch\u00e4den bedeckt: eine herzliche Liebe zum Herrn und um seinetwillen zu den Br\u00fcdern. Wo die im Herzen wohnt und im Leben sich zeigt, da soll auch ein Trunk Wasser, in Liebe gereicht, nicht unvergolten bleiben, da f\u00e4llt auch das Scherflein der Witwe, aus treuem Herzen geopfert, in die Waagschale des Weltenrichters, da gilt auch bei einem bescheidenen Tagewerk die Verhei\u00dfung des Heilands: Selig sind die Barmherzigen, denn sie sollen Barmherzigkeit erlangen. Sie sollen die segnende Liebe ihres Herrn \u00fcberschw\u00e4nglich erfahren am Tage des Gerichtes.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">3) Zeigt er doch seine Liebe, seine heilig mahnende Liebe selbst an der pflichtvergessenen Welt.<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Furchtbar klingt ja freilich das Urteil des Richters \u00fcber die zu seiner Linken: \u201eGeht hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.\u201c Doppelt furchtbar klingt es aus dem Mund dessen, der in die Welt gekommen ist, nicht um die Welt zu richten, sondern um die Welt selig zu machen. Aber eben darum h\u00f6ren wir auch aus diesem niederschmetternden Richterspruch noch seine heilige Liebe heraus, die schmerzlich trauernde, ernstlich mahnende, treulich warnende Liebe des Menschenfreundes, der einst \u00fcber sein verstocktes Volk geklagt hat: Ihr habt nicht gewollt! und \u00fcber das verblendete Jerusalem weinend ausgerufen: Ach dass du bed\u00e4chtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient; nun aber ist es vor deinen Augen verborgen! und der auch auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit nicht will, dass eine Seele verloren gehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist es nicht ihr eigenes Tun und Lassen, wonach auch die zur Linken gerichtet werden, wodurch sie sich selbst ihr Los in Ewigkeit bereiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind es nicht m\u00e4\u00dfige Forderungen, die an sie gestellt waren mit dem Gebote t\u00e4tiger N\u00e4chstenliebe, Forderungen, die sie erf\u00fcllen konnten so gut wie ihre Mitgenossen zur Rechten des Herrn? L\u00e4sst sich nicht der Herr auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit herab, seinen Spruch vor ihnen zu rechtfertigen und sie ihres Unrechtes zu \u00fcberf\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und waren sie nicht vorher belehrt, vorher gemahnt, vorher gewarnt durch das Wort des Herrn, das sie h\u00f6ren durften in ihrer Gnadenzeit, ehe es sie nun richtet in der Ewigkeit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist nicht das ganze Evangelium, ist nicht unser heutiges Evangelium insbesondere ein heilsamer Mahnruf, ein wohlgemeintes Warnungswort, eine treue Freundesstimme an alle, die auf verkehrten Wegen wandeln: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, hernach aber das Gericht. Heute, so ihr seine Stimme h\u00f6rt, verstockt eure Herzen nicht. Jetzt noch ist der Tag des Heils, bedenkt zu dieser eurer Zeit, was zu eurem Frieden dient! Was der Mensch s\u00e4t, das wird er ernten! O m\u00f6chte sie auch an uns nicht verloren sein, m\u00f6chte sie auch uns aufs Neue wecken zu einem rechtschaffenen Wandel in der Furcht Gottes und in der Liebe des N\u00e4chsten: die mahnende und warnende Stimme der ewigen Liebe, die vom Stuhl des Weltenrichters an uns ergeht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er kommt zum Weltgerichte,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Fluch den, der ihm flucht;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Gnad und s\u00fc\u00dfem Lichte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem, der ihn liebt und sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach komm, ach komm, O Sonne,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hol uns allzumal<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum ewgen Licht und Wonne<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In deinen Freudensaal!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p><em>Karl Gerok: Der Heimat zu! Stuttgart 1893, S. 10-18. Thema: Jesus Christus, der K\u00f6nig der Liebe, auch auf dem Thron des Weltenrichters. Gehalten 1879<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle V\u00f6lker versammelt werden. 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