{"id":22206,"date":"2025-11-23T08:21:43","date_gmt":"2025-11-23T07:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22206"},"modified":"2025-11-21T14:24:21","modified_gmt":"2025-11-21T13:24:21","slug":"ehebruch-ehescheidung-unzucht-und-die-ausnahmeklausel-im-matthaeusevangelium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22206","title":{"rendered":"Ehebruch, Ehescheidung, Unzucht und die Ausnahmeklausel im Matth\u00e4usevangelium"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Matth. 5,27-30 geht es um das Thema Ehebruch, in 5,31-32 und 19,1-9 um das Thema Ehescheidung. Matth. 5 geh\u00f6rt zur Bergpredigt, ist also Teil der J\u00fcngerbelehrung. Matth. 19,1-9 schildert ein Streitgespr\u00e4ch zwischen Jesus und den Pharis\u00e4ern. Die Pharis\u00e4er beriefen sich bei ihrer Scheidungspraxis auf ein Zugest\u00e4ndnis des Mose (5 Mose 24,1-4), das die Scheidung unter strengen Auflagen erlaubte. Dazu muss man Folgendes bedenken: Das Streitgespr\u00e4ch fand in Per\u00e4a statt, das zum Hoheitsgebiet des K\u00f6nigs Antipas geh\u00f6rte. Dessen Eheschlie\u00dfung mit seiner Nichte Herodias, die er seinem Halbbruder Herodes Philippus ausgespannt hatte, war zu dieser Zeit ein gro\u00dfes Gespr\u00e4chsthema. Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem. Offensichtlich wollten die Pharis\u00e4er mit ihrer Frage nach der Ehescheidung Jesus zu einer Stellungnahme gegen K\u00f6nig Antipas provozieren. Dann h\u00e4tten sie leichtes Spiel gehabt, ihn beim K\u00f6nig anzuschw\u00e4rzen und seine Festnahme zu erwirken. Schon ihre Fragestellung zeigt ihre unlautere Gesinnung. W\u00e4hrend es sich bei der Scheidungserlaubnis durch Mose um ein Zugest\u00e4ndnis an die \u201eHerzensh\u00e4rtigkeit\u201c des Volkes handelte, wie Jesus unterstreicht, sprechen sie von einer \u201eAnordnung\u201c Moses.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus bringt in diesem Streitgespr\u00e4ch eine ganz andere Eheauffassung zur Geltung. Er lenkt den Blick auf die Sch\u00f6pfung, auf die Einsetzung der Ehe durch Gott und l\u00e4sst die Herzensh\u00e4rte als Begr\u00fcndung f\u00fcr die Ehescheidung nicht gelten. Wie sollte er auch, wo doch alle, die an glauben, ein neues Herz empfangen! F\u00fcr ihn ist es Gott selbst, der die Ehe begr\u00fcndet hat und immer wieder neu begr\u00fcndet, wenn sich ein Mann und eine Frau \u00f6ffentlich und gegenseitig die lebenslange Treue und F\u00fcrsorge versprechen. Angesichts dieses Ehebilds ist es einsichtig, dass Jesus die Ehescheidung grunds\u00e4tzlich ablehnt (mit der Ausnahme von Unzucht; Matth. 5,32 und 19,9). Ebenso war f\u00fcr Paulus die Ehescheidung keine Option f\u00fcr Christen (1 Korinther 7,10 und 11). Man kann fragen, ob Jesus und Paulus mit ihrem strikten Scheidungsverbot nicht an der gesellschaftlichen Realit\u00e4t vorbeigehen. Die Antwort lautet, dass sich beide an gl\u00e4ubige Christen wenden, bei denen sie den Beistand durch den Heiligen Geist voraussetzen. Zwar sind die J\u00fcnger vor Pfingsten noch nicht als gl\u00e4ubige Christen anzusprechen, aber die Bergpredigt versteht sich als Lebensprogramm f\u00fcr die Nachfolger Jesu, nimmt also Pfingsten vorweg. Die heute g\u00e4ngig gewordene laxe Haltung vieler Kirchen und Gemeinden gegen\u00fcber der Ehescheidung ist mit der Ehelehre Jesu und der Apostel nicht vereinbar. Nat\u00fcrlich zeigt die Erfahrung, dass auch an Jesus Christus gl\u00e4ubige Paare in erhebliche Ehekrisen geraten k\u00f6nnen. Manchmal kann es seelsorgerlich geboten sein, den beiden eine \u2013 m\u00f6glichst vor\u00fcbergehende \u2013 Trennung zu empfehlen. Aber in solchen F\u00e4llen eine Ehescheidung anzuraten, verbietet sich angesichts der Ehelehre Jesu und der Apostel. Vor dem Hintergrund der grunds\u00e4tzlich unscheidbaren Ehe werden die Aussagen Jesu zum Ehebruch in Matth. 5 und 19 verst\u00e4ndlich. In Matth. 5,27-30 deckt Jesus die eigentliche Ursache des Ehebruchs auf. Sie liegt in der fehlgeleiteten, s\u00fcndhaften Begierde. In Matth. 5,31-32 zeigt Jesus, dass die Ehescheidung f\u00fcr seine Nachfolger keine Option sein kann, weil sie zum Bruch der vor Gott weiter bestehenden Ehe f\u00fchrt. Ein gl\u00e4ubiger Mann, der sich von seiner Frau scheiden l\u00e4sst, erm\u00f6glicht ihr eine andere Ehe, obwohl sie vor Gott mit ihm weiterhin ehelich verbunden bleibt. Damit veranlasst er sie zum Ehebruch. Das gleiche gilt, wenn er nach der von ihm veranlassten Scheidung seiner Ehe eine andere Frau heiratet. Auch damit bricht er seine vot Gott weiter bestehende Ehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie soll man den einzigen Ausnahmegrund f\u00fcr das neutestamentliche Scheidungsverbot, die Unzucht, verstehen (Matth. 5,32 und 19,9)? Was meint dieser Begriff? Hier ist eine sorgf\u00e4ltige Analyse der beiden Begriffe Ehebruch (griech. <em>moicheia<\/em>) und Unzucht (griech. <em>porneia<\/em>), der jeweiligen Textzusammenh\u00e4nge, der urspr\u00fcnglichen Adressaten des Matth\u00e4usevangeliums (das zeitgen\u00f6ssische Judentum) und der Zeitumst\u00e4nde (die Eheschlie\u00dfung des K\u00f6nigs Antipas mit Herodias) n\u00f6tig. Zun\u00e4chst ist zu bedenken, dass Matth\u00e4us den Begriff <em>porneia<\/em> und nicht <em>moicheia<\/em> benutzt. Er will also das Missverst\u00e4ndnis vermeiden, dass Ehebruch zur Ehescheidung berechtige. Leider gibt es etliche \u00dcbersetzungen, die diese Unterscheidung nicht durchhalten. Schon Luther hat im Septembertestament von 1522 <em>porneia<\/em> in Matth. 5,32 mit Ehebruch \u00fcbersetzt und ist darin Erasmus gefolgt. Im revidierten Luthertext von 1987 wird auch in Matth. 19,9 <em>porneia<\/em> mit Ehebruch \u00fcbersetzt. Aber man muss gegen diese \u00dcbersetzung geltend machen, dass nach Jesu Lehre Ehebruch kein Grund zur Ehescheidung ist, denn der Christ ist sowohl zur Vergebung aufgerufen als auch mit Gottes Hilfe dazu f\u00e4hig (siehe die 5. Vaterunserbitte und Matth. 18,21f.). Es ist gar nicht zu ermessen, was die Ehebruch-\u00dcbersetzung des Begriffs <em>porneia<\/em> in Matth. 5,32 und 19,9 seit der Reformation im Protestantismus bewirkt hat. Wenn nach Jesu eigenen Worten bei Ehebruch die Scheidung der Ehe erlaubt ist, dann ist die Ehescheidung sozusagen g\u00f6ttlich legitimiert. Dann braucht es keine Vergebung mehr. Eine wichtige christliche Tugend verk\u00fcmmert. Die Erforschung der Ursachen, weshalb es zum ehebrecherischen Verhalten gekommen ist, kann unterbleiben. Anstatt mit Hilfe eines Seelsorgers auf der Grundlage der Bibel die Ursachen aufzuarbeiten, entsteht bei den betroffenen Paaren der Eindruck, als ob die Scheidung ihrer Ehe ein wirklicher Ausweg aus ihrer Lage sein k\u00f6nnte. Die schlimmen Folgeerscheinungen f\u00fcr die Seele der Betroffenen und f\u00fcr die Kinder werden dabei oft ausgeblendet. Ganz anders sieht es aus, wenn man <em>porneia <\/em>mit Unzucht \u00fcbersetzt und diesen Begriff richtig versteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Matth\u00e4us schreibt an j\u00fcdische Menschen, die sich in der Lehre des Alten Testaments auskannten. Im sog. Heiligkeitsgesetz in 3 Mose 18 werden die Unzuchtsvergehen aufgelistet, die Gottes Missbilligung erfahren. Jesus nimmt von dieser Liste nichts zur\u00fcck. Vor allem wird dem Volk Israel der geschlechtliche Umgang innerhalb enger Verwandtschaftsgrade verboten (eine aus Vererbungs- und genetischen Gr\u00fcnden sehr sinnvolle Anordnung). Ebenso werden die Geschlechtsgemeinschaft mit verheirateten Personen (3 Mose 18,20), die gleichgeschlechtliche sexuelle Praxis (3 Mose 18,22) sowie weitere sexuelle Fehlhaltungen verboten. Mit dem Verbot der Unzucht werden also im A.T. ganz unterschiedliche sexuelle Praktiken abgewehrt. Was ist aber nun hier in Matth. 5,32 und 19,9 mit <em>porneia<\/em> genau gemeint? Wenn Matth\u00e4us in 5,32 den Begriff <em>porneia <\/em>verwendet, obwohl ihm auch der Begriff <em>moicheia<\/em> zur Verf\u00fcgung stand, meint er mit der Ausnahmeregelung offensichtlich nicht den Ehebruch. Viel n\u00e4her liegt es im Blick auf die Verwandtschaftsehe des Herodes, dass mit <em>porneia<\/em> die im A.T. verbotene Verwandtschaftsehe gemeint ist. Sie ist illegitim und darf in der Gemeinde Jesu nicht praktiziert werden. Nat\u00fcrlich bezieht sich die Ausnahme nur auf solche F\u00e4lle, wo die Betreffenden vor ihrem Gl\u00e4ubigwerden eine solche Ehe eingegangen sind. F\u00fcr Nachfolger Jesu, auf die dies zutrifft, gebietet es also der Glaubensgehorsam, dass sie ihre verwandtschaftliche Eheverbindung wieder l\u00f6sen. Von dieser \u2013 selten vorkommenden \u2013 Ausnahmesituation abgesehen, sind Christen an ihre Ehe und an ihren Ehepartner zeitlebens gebunden. Ehebruch ist kein Scheidungsgrund. Erst wenn der Ehepartner heimgerufen worden ist, sind sie frei f\u00fcr eine weitere Ehe, die dann \u201eim Herrn\u201c geschehen muss (also mit einem gl\u00e4ubigen Partner; 1 Kor 7,39f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Dr. Joachim Cochlovius<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matth. 5,27-30 geht es um das Thema Ehebruch, in 5,31-32 und 19,1-9 um das Thema Ehescheidung. Matth. 5 geh\u00f6rt zur Bergpredigt, ist also Teil der J\u00fcngerbelehrung. 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