{"id":22132,"date":"2025-11-01T15:35:53","date_gmt":"2025-11-01T14:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22132"},"modified":"2025-11-04T09:10:33","modified_gmt":"2025-11-04T08:10:33","slug":"es-steht-geschrieben-wie-luther-durch-die-autoritaet-und-die-einheit-der-heiligen-schrift-zur-reformation-gefuehrt-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22132","title":{"rendered":"\u201eEs steht geschrieben &#8230;\u201c Wie Luther durch die Autorit\u00e4t und die Einheit der Heiligen Schrift zur Reformation gef\u00fchrt wurde"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/iIk_klnMND0?si=dVgVmKQbEr2Z4lbZ\">Zum\u00a0 Vortrag auf Youtube (ab 01:43).<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Das Leben mit und aus der Schrift: Reformator wider Willen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Luther im Jahr 1505 an die Pforte des Augustinerklosters in Erfurt pochte und Einla\u00df begehrte, war in keiner Weise absehbar, da\u00df mit ihm eine theologische Zeitbombe heranwachsen w\u00fcrde. Denn Luther nahm die Verpflichtungen im Kloster ungeheuer ernst. Eine Zeit der Pr\u00fcfung begann: Man wollte den Kandidaten erst genau kennenlernen und sehen, wie ernst er sein Gel\u00fcbde nehmen w\u00fcrde. Eine Generalbeichte mit R\u00fcckschau auf das ganze Leben geh\u00f6rte dazu.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst nach seinem Eintritt informierte Luther seine Eltern \u00fcber seinen Schritt. Sie waren tief getroffen. Der Vater w\u00e4re fast verr\u00fcckt geworden. Er k\u00fcndigte Martin die v\u00e4terliche Treue und \u00e4nderte die Anrede vom respektvollen Sie zur\u00fcck zum herablassenden Du! Nachdem zwei Br\u00fcder Martins an der Pest gestorben waren und Bekannte sich vermittelnd eingeschaltet hatten, gab der Vater jedoch sein Einverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum: Luther ging \u00fcberhaupt nicht mit dem Ziel, Reformator zu werden, ins Kloster. Was aber wollte er? Die Frage wurde ihm gestellt bei der Aufnahme als Novize, vor den versammelten ca. 50 M\u00f6nchen. Der Vorsteher (Prior) sa\u00df auf den Stufen des Altars. Der Bewerber mu\u00dfte sich vor ihm niederwerfen. Der Prior fragte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Was begehrst du?<br \/>\nDer Novize: <strong>\u201eGottes und Eure Barmherzigkeit\u201c.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Der Prior lie\u00df ihn aufstehen und fragte:<br \/>\nBist Du verheiratet?<br \/>\nBist du unfrei?<br \/>\nBist du mit einer heimlichen Krankheit behaftet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stellte er dem Kandidaten die H\u00e4rte des Ordenslebens vor Augen: kein eigener Wille, einfache Nahrung, rauhe Kleidung, n\u00e4chtliches Wachen, Schande des Bettelns, Ermattung durch Fasten, Einsamkeit.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther mit vollem Ernst: \u201eIch bin bereit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Weise wollte er f\u00fcr sich \u201eGottes und Eure Barmherzigkeit\u201c erlangen. Irgendwelche Absichten, als Reformator in die Geschichte einzugehen? Fehlanzeige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Regeln, denen er sich unterwarf, schnitten jede Wirksamkeit in die Welt oder in die Kirche hinein ab: Ohne Erlaubnis des Novizenmeisters durfte man nicht mit anderen sprechen. Unn\u00f6tige Gespr\u00e4che \u00fcber die Regeln waren verboten, ebenso Gespr\u00e4che \u00fcber die Verwandtschaft. Beim Gehen sollte der Blick nach unten gerichtet sein. Trinken durfte man nur im Sitzen und mit beiden H\u00e4nden am Gef\u00e4\u00df. Untersagt war der Kontakt mit G\u00e4sten und Kranken. Briefe und Geschenke durften ohne Erlaubnis weder verschickt noch empfangen werden. Luther hat mehrfach w\u00e4hrend dreier Tage weder einen Tropfen Wasser noch einen Bissen Brot zu sich genommen: Nicht nur der Besitz, sondern auch der Leib wurde auf diese Weise geopfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts, gar nichts deutete darauf hin, da\u00df eine kraftvolle kirchliche und theologische Zeitbombe tickte. Und doch war Feuer an den Z\u00fcnder gelegt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kam das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott wirkte hier ausgerechnet durch die <strong>Pflichtlekt\u00fcre<\/strong>. Die Novizen mu\u00dften die Ordensregeln und die Bibel wieder und wieder lesen. Vor der Priesterweihe mu\u00dfte er einen dicken Folianten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> durcharbeiten, in dem die Me\u00dfliturgie erkl\u00e4rt wurde, au\u00dferdem mu\u00dften die Sentenzen des Petrus Lombardus \u2013 das Grundbuch der scholastischen Theologie \u2013 gr\u00fcndlich studiert werden, und Luther konnte noch in sp\u00e4teren Jahren auswendig die Kommentare dazu zitieren.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausdr\u00fccklich war bestimmt, da\u00df die Bibel begierig gelesen, fromm geh\u00f6rt und sich brennend angeeignet werden sollte. Das, liebe Freunde, war der Z\u00fcnder, das war die stete Zufuhr, die Luther zu einem ungeheuren Vulkan machte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Ablegen der Gel\u00fcbde und mit dem Einhalten all der Klosterregeln hoffte Luther, Gott n\u00e4her zu kommen. Nach der g\u00e4ngigen Anschauung wird der M\u00f6nch durch die Klostergel\u00fcbde in den Stand der Gnade versetzt. Freilich, so stabil war der Zustand nicht. Luthers sensibles Gewissen meldete st\u00e4ndig, er habe den neuen Gnadenstand durch mangelhafte Demut, unreine Gedanken usw. wieder verloren. Er versuchte, h\u00e4ufig zu beichten und die Stundengebete penibel einzuhalten, um sich das Heil zu sichern. Einmal hat er eine sechsst\u00fcndige Beichte abgelegt. Es kam auf Vollst\u00e4ndigkeit an! Sowie einem eine S\u00fcnde einfiel, lief man zur\u00fcck zum Priester. \u201eWir machten die Beichtv\u00e4ter m\u00fcde\u201c, schreibt er sp\u00e4ter.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Auch von Staupitz, einer seiner erfahrenen Beichtv\u00e4ter, konnte Luther keinen Trost mehr empfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bald konnte er die Psalmen, die die Augustiner jede Woche komplett durchbeteten, auswendig, so da\u00df er einen ungeheuren Schatz f\u00fcr Gebet und Theologie mit sich tragen konnte. Aber er merkte, es fehlt beim Beten die Gewi\u00dfheit des Herzens, es fehlt das getroste Amen. Wenn Beten aber Leistung ist, wer kann dann schon sagen, ob diese Leistung einen zornigen Gott vers\u00f6hnen kann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22138 alignleft\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Luther-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Luther-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Luther.jpg 572w\" sizes=\"(max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/>Luther nahm die Stundengebete sehr ernst, und zwar nicht nur, da\u00df man mit vollem Bewu\u00dftsein beten sollte, sondern auch da\u00df ihre Quantit\u00e4t, ihre Anzahl! Wegen seiner Lehrverpflichtungen war er oft im R\u00fcckstand. Ein Mitm\u00f6nch las alles doppelt, um den R\u00fcckstand aufzuholen, ein anderer bezahlte andere daf\u00fcr, da\u00df sie stellvertretend die Gebete verrichteten. Das tat Luther nicht, sondern versuchte, alles selbst nachzuholen. Er schlo\u00df sich am Wochenende ein, fastete und holte die vers\u00e4umten Gebete nach. Wegen der zunehmenden Auseinandersetzung mit dem Papst kam er aber immer weiter in R\u00fcckstand. Noch 1520 versuchte er, seiner Ordensregel treu zu sein. Da betrug der R\u00fcckstand ein ganzes Vierteljahr. Eine letzte Anstrengung hatte eine schwere Ersch\u00f6pfung mit Schlaflosigkeit und Sehst\u00f6rungen zur Folge \u2013 daraufhin gab Luther die Stundengebete auf. Vom Leistungszwang wu\u00dfte er sich zu dieser Zeit ohnehin bereits frei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild von 1520 zeigt eine reichlich ausgemergelte Gestalt! Erst sp\u00e4ter, als Katharina von Bora in sein Leben getreten war, wurde er f\u00fclliger \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit, liebe Freunde, ist das mittelalterlich-m\u00f6nchische System, dieses intensive und extensive Beten und Beichten, an sein Ende gekommen, und zwar genau an einer solchen Person, die das System sehr exakt einhalten wollte. Alle menschliche Leistung kann keine Gewi\u00dfheit erzeugen \u2013 das steht uns Protestanten heute wie selbstverst\u00e4ndlich und allzu billig vor Augen. Luther aber mu\u00dfte es erst aus der Bibel lernen und im Herzen sp\u00fcren: \u201eDie guten Werk die halfen nicht\u201c, und: \u201eMit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie fand Luther aus alledem heraus? Wie schon gesagt, hatte Luther nicht die Absicht, Reformator zu werden, und er hatte auch nicht vor, ein Lehrer der Bibel zu werden<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, wie es dann in Wittenberg geschah mit der <em>Lectura in Biblia<\/em>, der biblischen Professur, bei der er haupts\u00e4chlich alttestamentliche B\u00fccher auslegte. Er wollte Gott gefallen. Darum mu\u00dfte er sich in die Bibel vertiefen. Er hat nicht am Schreibtisch philosophierend neue Erkenntnisse formuliert. Er hat <em>existentiell<\/em> gesp\u00fcrt, da\u00df das System der Werkerei nicht zur Gewi\u00dfheit und nicht zur Seligkeit f\u00fchren wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was war mit der Bibel los in seiner Zeit, wie gut hat man sie \u00fcberhaupt gekannt? Gelesen hat man viel mehr die Schriften der gro\u00dfen Lehrer und Scholastiker, aber die Bibel, sagt Luther, blieb unter der Bank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war wie heute im Theologiestudium. Man kann seine exegetische Seminararbeit im wesentlichen mithilfe der Sekund\u00e4rliteratur (oder neuerdings mit k\u00fcnstlicher Intelligenz) bestreiten und eine gute Note erhalten. Das eigene Hirn, ja die Bibel selbst wird immer irrelevanter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im ausgehenden Mittelalter, in den Kl\u00f6stern, gab es schon gro\u00dfe Bibliotheken. Luther hatte die Bibelkommentare von Origenes, Hieronymus, Augustin, Nikolaus von Lyra und anderen zur Verf\u00fcgung. Doch die Bibel selbst blieb weithin unverstanden und von den Theologiestudenten viel weniger gelesen als das \u00fcbrige. Heute ist es \u00e4hnlich! Den Psalter habe niemand verstanden, sagte Luther sp\u00e4ter, und den R\u00f6merbrief habe man f\u00fcr eine Reihe von Disputationen zur Zeit des Paulus gehalten, <em>unbrauchbar f\u00fcr das eigene Zeitalter!<\/em> Die Namen der Propheten und Apostel seien nie zitiert worden!<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Es ist kra\u00df: Karlstadt [drei Jahre j\u00fcnger als Luther] besa\u00df 1510 bei seiner Wittenberger Promotion zum Doktor der Theologie und noch Jahre danach keine eigene Bibel \u2013 damit bildete er keine Ausnahme. 1514 \u00e4u\u00dferte sich Luther, der selbst mit 20 Jahren noch keine Bibel besessen hatte, kritisch \u00fcber diese Zust\u00e4nde.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Kloster erhielt Luther eine rot eingebundene Bibel. Mit ihr machte er sich intensiv vertraut. Er wu\u00dfte, wo bestimmte Texte auf den Seiten zu finden waren, und war traurig, da\u00df man ihm diese Ausgabe sp\u00e4ter wieder wegnahm. 1533 sagte er, da\u00df er seit etlichen Jahren jedes Jahr zweimal die Bibel durchgelesen und alle \u00c4stlein an diesem Baume abgeklopft habe. So gewissenhaft und so intensiv er das Klosterleben nahm, so gewissenhaft studierte er Gottes Wort. Staupitz, sein Beichtvater, und Karlstadt bewunderten ihn daf\u00fcr.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1508 mu\u00dfte er Unterricht in Philosophie geben, gleichzeitig Theologie studieren und sich auf den Unterricht in Theologie, d.h. die biblischen Vorlesungen vorbereiten. Er freute sich besonders darauf, denn \u201adie Theologie biete den Kern der Nu\u00df und das Mark des Weizens und der Knochen\u2018. Er las die vielen Kommentarwerke, von Nikolaus von Lyra und anderen. Aber er mu\u00dfte die Schriftsteller immer wieder beiseite setzen und sich \u201ein der Biblia w\u00fcrgen\u201c, um nicht beim Predigen immer wieder bei Aristoteles und den Scholastikern zu landen. Alsbald ma\u00df er alle Lehrer an der Bibel statt umgekehrt die biblischen Aussagen auf das hin zu biegen, was die Schulweisheit vorgab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eAlles h\u00e4tte ich gegeben und w\u00e4re selig gewesen, wenn ich ein Evangelium, einen Brief oder einen Psalm wirklich h\u00e4tte verstehen k\u00f6nnen.\u201c \u201eWas h\u00e4tt\u2018 ich gegeben, wenn mich jemand von der Messe und Angst des Gewissens befreit h\u00e4tte und mir das Verst\u00e4ndnis eines Psalms, eines Kapitels im Evangelium er\u00f6ffnet h\u00e4tte. Ich w\u00e4re auf den Knien nach Sankt Jakob in Compostela gekrochen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedesmal, wenn er von der Gerechtigkeit Gottes las, erschrak er. Denn unter Gerechtigkeit Gottes verstand er das Gericht. Durch das Gericht Gottes konnte man nur verloren und nicht gerettet sein! Irgendwann verstand er: Gerechtigkeit ist Rechtfertigung durch Gott und nicht durch menschliche Werke. Erst von da an \u201eschmeckte\u201c ihm der Psalter \u2013 eine Erfahrung, die sich aus dem st\u00e4ndigen Psalmengebrauch in den Gottesdiensten und Stundengebeten ergab!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einmal: Gerade das Bem\u00fchen um ernsthaftes Gebet f\u00fchrte dazu, da\u00df er auch die Psalmen verstehen wollte, und Gewi\u00dfheit dar\u00fcber bekommen wollte, was Gerechtigkeit Gottes ist. Denn wie sollte man ernsthaft beten, wenn man nicht versteht, was man betet? Die Psalmen hatte er besonders lieb gewonnen, weil sie so viel von Anfechtung und Leid sprachen, weil sie halfen, die Anfechtungen zu \u00fcberwinden. Martin Brecht schreibt in seiner gro\u00dfen Luther-Biographie (S. 93):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eLuther beschreibt diesen Vorgang geradezu als Kommen Christi, der f\u00fcr den Angefochtenen die Bibel \u00f6ffnete und mit seinem Wort Trost und Rat schenkte. Luther hat es erfa\u00dft, da\u00df der Psalter das Buch der Anfechtungen und der Angefochtenen ist. Nur der Angefochtene vermag die Schrift zu verstehen [\u201averstehen\u2018 i.S.v. \u201aHineinversetztwerden\u2018!; SF]. Voraussetzung daf\u00fcr ist freilich ein dem\u00fctiges Herangehen an die Schrift, wie es Luther auch von Staupitz gelernt hatte. In dem Spannungsfeld zwischen den gottesdienstlich gebrauchten Bibeltexten, darunter vor allem dem Psalmengebet, und seinen Anfechtungen ist Luther zum Bibelausleger geworden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch \u00e4nderte sich auch sein Verst\u00e4ndnis von Heiligung. \u201eF\u00fcr Luther besteht die gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnde eines Priesters jetzt nicht mehr in fleischlichem Vergehen, in der Unterlassung des Gebets oder im Stammeln beim Sprechen des Me\u00dfkanons, sondern im Unterlassen oder in der falschen Behandlung des Wortes der Wahrheit. Die Synode mag beschlie\u00dfen und ordnen, was sie will, wenn sie nicht dahin wirkt, da\u00df sich die Priester dem reinen Evangelium widmen und dies dem Volk verk\u00fcndigen, wird alles vergeblich sein\u201c (S. 94)!<\/p>\n<p><strong>2. Die Autorit\u00e4t der Schrift <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie konnte Luther es wagen, die Autorit\u00e4t der gro\u00dfen Lehrer der Kirche anzugreifen? Das konnte er nur, weil ihm die Bibel als gr\u00f6\u00dfere Autorit\u00e4t feststand, auch wenn er nicht alles darin verstand. Bis etwa 1517 ging es ihm aber nur darin, einzelne Lehrpunkte zu kritisieren, nicht darum, das System als Ganzes.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch seine eigenen B\u00fccher d\u00fcrfen ruhig untergehen, wenn nur die Bibel pr\u00e4sent bleibt. So schreibt er 1539 in der Vorrede zum 1. Band der Wittenberger Ausgabe seiner deutschen Schriften:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eGern h\u00e4tte ich\u2018s gesehen, da\u00df meine B\u00fccher allesamt w\u00e4ren dahinten geblieben und untergangen. Unter anderem ist ein Grund daf\u00fcr, da\u00df mir vor dem Exempel graut: denn ich sehe wohl, welchen Nutzen es der Kirche gebracht hat, als man au\u00dfer und neben der heiligen Schrift viele B\u00fccher und gro\u00dfe Bibliotheken zu sammeln angefangen hat, besonders \u2013 ohne alle Unterscheidung \u2013 allerlei V\u00e4ter, Konzilien und Lehrer zusammenzuraffen. Damit wurde nicht allein die edle Zeit und das Studieren in der Schrift vers\u00e4umt, sondern auch die reine Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Wortes endlich [= f\u00fcr immer] verloren, bis die Biblia (wie es dem f\u00fcnften Buch Mosis geschah, zur Zeit der K\u00f6nige Judas) unter der Bank im Staube vergessen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Und wiewohl es n\u00fctzlich und n\u00f6tig ist, da\u00df etlicher V\u00e4ter und Konzilien Schrift blieben sind als Zeugen und Historien; so denk ich doch, <em>est modus in rebus<\/em> [\u201ees ist ein Ma\u00df in den Dingen\u201c, Horaz], und sei nicht schade, da\u00df vieler V\u00e4ter und Konzilien B\u00fccher durch Gottes Gnade sind untergegangen. Denn wo sie alle h\u00e4tten sollen bleiben, sollte wohl niemand weder ein- noch ausgehen k\u00f6nnen vor den B\u00fcchern, und w\u00fcrden\u2019s doch nicht besser gemacht haben, denn man\u2019s in der heiligen Schrift findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Auch ist das unsre Meinung gewest, als wir die Biblia selbst zu verdeutschen anfingen, da\u00df wir hofften, es sollt des Schreibens weniger, und des Studierens und Lesens in der Schrift mehr werden. Denn auch alles andre Schreiben in und zu der Schrift, wie Johannes zu Christo, weisen soll; wie er spricht: Ich mu\u00df abnehmen, dieser mu\u00df zunehmen [Joh 3, 30], damit ein jeglicher selbst m\u00f6chte aus der frischen Quelle trinken, wie alle V\u00e4ter, so etwas Guts haben wollen machen, haben tun m\u00fcssen. Denn so gut werden\u2019s weder Konzilia, V\u00e4ter, noch wir machen, wenn\u2019s auch aufs h\u00f6chste und beste geraten kann, als die heilige Schrift, d. i., Gott selbst gemacht hat, ob wir wohl auch den heiligen Geist, Glauben, g\u00f6ttliche Rede und Werk haben m\u00fcssen, so wir sollen selig werden, als die wir m\u00fcssen die <strong>Propheten und Apostel lassen auf dem Pult<\/strong> sitzen, und wir hienieden zu ihren F\u00fcssen h\u00f6ren, was sie sagen, und nicht sagen, was sie h\u00f6ren m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u2026 Wohlan, so la\u00df gehen in Gottes Namen, nur bitte ich freundlich, wer meine B\u00fccher zu dieser Zeit ja haben will, der lasse sie ihm beileibe nicht sein ein Hindernis, die Schrift selbst zu studieren \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther konnte nur deshalb so bescheiden \u00fcber die zahlreichen eigenen Schriften sprechen, weil er die Klarheit, die Gen\u00fcgsamkeit und die Durchschlagskraft der Bibel selbst erlebt hatte (<em>claritas, sufficientia, auctoritas<\/em>). Die Bibel ist inspiriert vom Heiligen Geist, sie ist klar und enth\u00e4lt alles, was der Mensch zur Seligkeit braucht, ja sie mu\u00df klar sein, sagt er gegen Erasmus, weil Gott sie gegeben hat, damit mit ihr die Kirche geleitet werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Auseinandersetzung um die k\u00e4ufliche Vergebung, also den Abla\u00df, war das der Schl\u00fcssel. Die 95 Thesen von 1517 sind dazu am bekanntesten. Wichtige Wegmarken waren dann die Disputationen von <strong>Heidelberg 1518<\/strong>, zu der Luther noch zu Fu\u00df anreiste, und in <strong>Leipzig 1519<\/strong>, wohin er im Wagen mit Karlstadt und Melanchthon fuhr, begleitet von 200 bewaffneten Wittenberger Studenten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Disputanten waren Johann Eck auf Seite der Altgl\u00e4ubigen (bzw. heute: der Katholiken), auf Seite der Reformatoren Karlstadt und Luther. Auf die Vorgeschichte kann ich aus Zeitgr\u00fcnden nicht eingehen. Eck selbst hatte sich f\u00fcr Leipzig als Austragungsort entschieden. Die Leipziger theologische Fakult\u00e4t aber wollte diese Disputation nicht, weil hier nur Zank entstehe und weil die Autorit\u00e4t des Papstes ber\u00fchrt war, \u00fcber die zu disputieren eigentlich nicht erlaubt war. Die Fakult\u00e4t gab nach, wollte hinterher inhaltlich aber nicht Stellung nehmen (das sollten Paris und Erfurt anhand der Protokolle tun): politisch vermintes Gel\u00e4nde! Im Vorfeld rieten Luthers Freunde, nicht zu scharf zu werden, sogar Karlstadt betonte seinen Gehorsam gegen die r\u00f6mische Kirche und wollte zur Papstfrage nichts sagen. Luther jedoch sah die Stunde der Entscheidung gekommen. Er wu\u00dfte, da\u00df<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201edie Wahrheit letztlich nicht durch ihn oder irgendeinen Menschen, sondern durch ihre eigene Kraft bewahrt wurde\u201c. \u201eDarum war er v\u00f6llig gelassen. Sein Untergang w\u00fcrde keine Bedeutung haben. Die Wittenberger hielt er f\u00fcr so weit vorangekommen, da\u00df sie ihn nicht mehr brauchten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hatte sich intensiv auf die Papstfrage vorbereitet. Spalatin fl\u00fcsterte er ins Ohr: \u201eIch wei\u00df nicht, ob der Papst der Antichrist selbst oder sein Apostel ist, so elend wird Christus, d.h. die Wahrheit von ihm in den Dekreten verdorben und gekreuzigt.\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Das waren private Fragen. In seinen schriftlichen Vor\u00fcberlegungen verwarf er das Papsttum nicht als solches, sondern ordnete es ein als weltliche Obrigkeit nach R\u00f6m 13, die u.U. sogar als von Gott verh\u00e4ngte Strafe zu betrachten sei. Der Gedanke war einfach, umst\u00fcrzend:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDas Papsttum ist zwar eine <em>menschliche Einrichtung<\/em> wie die politischen Ordnungen auch, kann aber <em>keine besondere sakrale W\u00fcrde<\/em> beanspruchen, weil eine solche sich aus der SCHRIFT nicht begr\u00fcnden l\u00e4\u00dft. F\u00fcr Luther gab es in der Kirche keinen Inhaber der obersten Gewalt mehr, dessen Entscheidungen schon an sich rechtens waren.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig sp\u00e4ter bestritt Luther dem Papst dann auch die Oberherrschaft in weltlichen Dingen, eine Frage, um die im Mittelalter st\u00e4ndig gerungen worden war (Investiturstreit).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Disputation dauerte 17 Tage! Dennoch reichte das nicht, um alle strittigen Punkte zu behandeln, auch nicht, um die angeschnittenen Probleme auszudiskutieren. Das Ende kam durch einen \u00e4u\u00dferen Umstand: Kurf\u00fcrst Joachim von Brandenburg war auf der R\u00fcckreise von der Kaiserwahl und hatte sich bei Herzog Georg als Gast angesagt. 17 Tage \u2013 Sie werden also verstehen, da\u00df ich hier nur einen winzigen Ausschnitt davon wiedergeben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnen Konzile irren? Diese Frage erhob sich, weil Luther einige Ansichten von Jan Hus, die beim Konstanzer Konzil 100 Jahre zuvor verdammt worden waren, als echt christlich anerkannte: Das Kirchenverst\u00e4ndnis von Hus stamme von Augustin, auch Hus\u2018 Lehre von Jesus war unverf\u00e4nglich. So mu\u00dfte Luther behaupten: Ein Konzil kann irren; es steht auf jeden Fall unter der Autorit\u00e4t des Schriftwortes. Sogar der Papst kann irren. Johann Eck dagegen verteidigte das Konzil. So kam es zur sch\u00e4rfsten Profilierung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eWenn Luther glaubte, da\u00df ein legitim versammeltes Konzil geirrt habe oder irre, dann war er f\u00fcr Eck ein Heide und Z\u00f6llner, also au\u00dferhalb der Kirchengemeinschaft. Im Gegenzug bestritt Luther, da\u00df Eck ein recht \u00fcber die Schrift denkender Theologe sei, weil er kein rechtes Zeugnis f\u00fcr die g\u00f6ttliche Begr\u00fcndung des Primats vorgebracht habe.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In all dem sehen wir, wie die Autorit\u00e4t der Bibel immer im Ringen mit anderen Autorit\u00e4ten stand: Mal war es die Autorit\u00e4t des Papstes, mal eines Konzils, dann sp\u00e4ter die Behauptung einzelner, eine pers\u00f6nliche Mitteilung des Heiligen Geistes abseits vom Schriftwort bekommen zu haben (sog. \u201eSchw\u00e4rmer\u201c oder \u201elinker Fl\u00fcgel\u201c der Reformation) \u2026 Die Reformatoren Luther, Melanchthon und Calvin beharrten darauf, da\u00df das Wirken des Geistes an den Buchstaben der Heiligen Schrift gebunden ist und bleibt. Darum das Bem\u00fchen um eine breite Kenntnis der Bibel, um Bibel\u00fcbersetzung, um Katechese, Auswendiglernen, um Exegese und Geschichte der Bibel. Das Theologiestudium richtete sich in der Folge viel st\u00e4rker auf die Bibel und die Ursprachen als zuvor, damit die Bibel ihre Autorit\u00e4t wirklich ins Leben der Kirche und des einzelnen hinein aus\u00fcben konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also: Immer stand die Bibel mitten im Ringen der Autorit\u00e4ten. Wenn wir in die heutige Kirchenlandschaft schauen, begegnet uns dasselbe Ringen, nur mit anderen Themen. An die Debatte um Homosexualit\u00e4t und Gender mu\u00df ich in Bremen ja nicht eigens erinnern! Olaf Latzel wurde von seinen Gegnern inszeniert als Bedrohung bestimmter Minderheiten; gegen diese Bedrohung seien Staat und Kirche verpflichtet, vorzugehen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Auch Johann Eck sah durch Luther eine Bedrohungslage im Verzug. Seit Luther Papst und Konzile herabgestuft hatte, sei nun nichts mehr sicher und alles zweifelhaft. \u201eMit Androhung des ewigen Gerichtes werden Kaiser und Papst aufgefordert, ihres Amtes zu walten, d.h. gegen Luther vorzugehen.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aktuell die ganze Auseinandersetzung ist, m\u00f6chte ich an einer Brosch\u00fcre zeigen, die der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland anl\u00e4\u00dflich des Reformationsjubil\u00e4ums 2017 herausgebracht hat. Sie tr\u00e4gt den Titel \u201eRechtfertigung und Freiheit \u2013 500 Jahre Reformation 2017\u201c. Lassen Sie mich ein paar Abschnitte daraus zu Geh\u00f6r bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201e2.5.4 Gegenw\u00e4rtige Herausforderungen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><strong>Das sola scriptura l\u00e4sst sich heute nicht mehr in der gleichen Weise verstehen wie zur Reformationszeit<\/strong>. Anders als die Reformatoren ist man sich heute dessen bewusst, dass das <strong>Entstehen der einzelnen biblischen Texte und des biblischen Kanons selber ein Traditionsvorgang<\/strong> ist. Die alte Entgegensetzung von \u00bbdie Schrift allein\u00ab und \u00bbSchrift und Tradition\u00ab, die noch die Reformation und Gegenreformation bestimmte, <strong>funktioniert<\/strong> heute nicht mehr so wie im sechzehnten Jahrhundert.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man reibt sich verwundert die Augen. Die EKD hat damit faktisch den Gegensatz von Schrift und Tradition fallengelassen, also den Gegensatz, der \u00fcberhaupt erst die Reformation als R\u00fcckkehr zu den Quellen hervorgebracht hat! Warum soll das sola scriptura nicht mehr \u201efunktionieren\u201c? Was hei\u00dft \u00fcberhaupt \u201efunktionieren\u201c? Nat\u00fcrlich ist die Bibel ein dickes, ein sperriges Buch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter im EKD-Zitat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eAber dennoch gilt: \u00bbNach evangelischer Auffassung m\u00fcssen sich die Traditionen immer am Ursprungszeugnis der Schrift und ihrer Mitte orientieren, sie m\u00fcssen von hier aus kritisch bewertet und immer neu angeeignet werden.\u00ab\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Bibel selbst ein St\u00fcck Tradition ist, wie zuvor definiert wurde, dann mu\u00df Tradition mit Tradition in Ausgleich gebracht werden. Man rekurriert zuletzt auf eine Mitte der Bibel, nicht mehr auf ihre Ganzheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hier kommt der Knaller:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eSeit dem <strong>siebzehnten Jahrhundert<\/strong> werden die biblischen Texte <strong>historisch-kritisch<\/strong> erforscht. <strong>Deshalb<\/strong> [!!] k\u00f6nnen sie nicht mehr so wie zur Zeit der Reformatoren als \u00bbWort Gottes\u00ab verstanden werden. Die Reformatoren waren ja grunds\u00e4tzlich davon ausgegangen, dass die biblischen Texte wirklich von Gott selbst gegeben waren. Angesichts von unterschiedlichen Versionen eines Textabschnitts oder der Entdeckung verschiedener Textschichten l\u00e4sst sich diese Vorstellung so nicht mehr halten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verstehen Sie, was hier geschieht? Nicht mehr ein geistlicher Vorgang, n\u00e4mlich die Inspiration, verb\u00fcrgt die Authentizit\u00e4t der Bibel, sondern diese Authentizit\u00e4t mu\u00df von Text zu Text historisch-kritisch festgestellt werden. Die menschliche Vernunft wird mit der historisch-kritischen Methode zum Ma\u00dfstab f\u00fcr das, was authentisch ist und was Autorit\u00e4t hat. <strong>Die Entstehung der historisch-kritischen Exegese seit dem 17. Jahrhundert, obwohl selbst zeitbedingt, wird zum zeitlosen Ma\u00dfstab<\/strong>. Diese Verg\u00f6tzung von Wissenschaft ist die evangelische Fassung des Traditionsprinzips. <strong>Das Schriftprinzip wird durchs Traditionsprinzip ersetzt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Papsttreuen hatten Luther entgegengehalten: Hinter unsere Konzile k\u00f6nnen wir nicht zur\u00fcck, das ist der Stand der Erkenntnis! Evangelische Kirchenleitungen und Fakult\u00e4ten heute sagen: Hinter die historisch-kritische Methode k\u00f6nnen wir nicht zur\u00fcck \u2013 das ist der Stand der Erkenntnis! Und das ist nicht nur zeitlich gemeint, sondern dogmatisch, wie die Fortsetzung gleich beweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch ein Gedanke dazwischen: Die Verschiedenheit der biblischen Handschriften kannte man seit fr\u00fchester Zeit. Da\u00df deswegen die Inspiration in Frage gestellt w\u00fcrde oder anders zu verstehen war oder die Autorit\u00e4t der Bibel anders zu fassen ist, ist erst ein neues Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter im EKD-Zitat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eDamit aber ergibt sich die Frage, ob, wie und warum sola scriptura auch heute gelten kann. Deutlich sollte geworden sein, dass das reformatorische sola scriptura nicht die Sto\u00dfrichtung hat, nur der nehme die Schrift ernst, der sie als Wort f\u00fcr Wort von Gott gegeben verstehe. Wie aber ist dann die Schrift auch heute noch als Wort Gottes zu denken? Warum spielt die Bibel auch im gegenw\u00e4rtigen kirchlichen Leben eine zentrale Rolle? Zun\u00e4chst deshalb, weil wir aus diesen Texten \u00fcber den Gott Israels und den Vater Jesu Christi wissen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch dieser Passus ist spannend: Anstatt die Frage nach dem Charakter der Bibel theologisch zu beantworten, weicht man auf eine soziologische Schiene aus. Mich erinnert das an die Antwort Evas, als die Schlange zu ihr sagte: \u201eSollte Gott gesagt haben, ihr d\u00fcrft nicht essen von allen B\u00e4umen im Garten?\u201c Eva antwortete: \u201e<strong>Wir<\/strong> essen von den Fr\u00fcchten der B\u00e4ume im Garten \u2026\u201c Statt einfach zu zitieren, was Gottes Wort und Gebot war, verweist sie als erstes auf ihre Praxis. So tut der EKD-Text: Weil Menschen in diesen Texten Gottes Stimme vernehmen, deswegen mu\u00df es etwas Besonderes sein. Was aber, wenn jemand mit einem Text in der Bibel besondere M\u00fche hat und mit Bestimmtheit sagt: Das kann Gott nicht gesagt haben? Dann \u2013 so w\u00e4re mit der EKD zu folgern \u2013 dann kann es nicht Gottes Wort sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie aber hat nun bei Luther nicht nur die <strong>Autorit\u00e4t<\/strong>, sondern auch die <strong>Einheit<\/strong> der Heiligen Schrift zur Reformation gef\u00fchrt? Damit bin ich bei \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Die Einheit der Schrift und die theologischen Folgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sagte bereits, da\u00df Luther immer erschrak, wenn er von der Gerechtigkeit Gottes las, weil er die Gerechtigkeit Gottes immer mit dem Gericht \u00fcber S\u00fcnde und S\u00fcnder verband.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neuralgische Stelle dazu war R\u00f6m 1,17 (ich lese ab V. 16):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em><sup>16\u00a0<\/sup><\/em><em>Denn ich sch\u00e4me mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. <sup>17\u00a0<\/sup>Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht <\/em>(Habakuk 2,4)<em>: \u00bbDer Gerechte wird aus Glauben leben.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie nun Luthers Psalmengebet und Psalmenstudium zur reformatorischen Erkenntnis f\u00fchrte, fa\u00dfte er im Jahr vor seinem Heimgang zusammen (Vorrede zu Band 1 der lateinischen Schriften, 1545, WA 54, 185, 14 \u2013 186, 16, leicht modernisiert):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eIch war gewi\u00df von einem au\u00dferordentlichen Verlangen ergriffen, Paulus in seinem R\u00f6merbrief zu verstehen; aber dem stellte sich \u2026 ein einziges Wort in den Weg, das c. 1 steht: \u201aGottes Gerechtigkeit wird in ihm offenbar\u2018. Ich ha\u00dfte n\u00e4mlich dieses Wort \u201aGerechtigkeit Gottes\u2018, das ich nach Brauch und Gewohnheit aller Doktoren philosophisch zu verstehen gelehrt worden war: von der sogenannten formalen oder aktiven Gerechtigkeit, gem\u00e4\u00df der Gott gerecht ist und die S\u00fcnder und Ungerechten straft. Ich aber \u2026 liebte nicht, nein, ich ha\u00dfte den Gott, der gerecht ist und die S\u00fcnder bestraft; und mit heimlichem, wenn nicht L\u00e4stern, so doch gewi\u00df gewaltigem Murren war ich unwillig gegen Gott und sagte (mir): \u201aals ob es nicht genug w\u00e4re, da\u00df die armen S\u00fcnder, die durch die Erbs\u00fcnde ewig verloren sind, mit jeder Art von Ungl\u00fcck durch den Dekalog belastet sind \u2013 mu\u00dfte denn Gott auch noch durch das Evangelium Leid auf Leid f\u00fcgen und auch durch das Evangelium seine Gerechtigkeit und seinen Zorn auf uns kehren!\u2018 So raste ich mit wildem und best\u00fcrztem Gewissen. Dennoch klopfte ich r\u00fccksichtslos an jener Stelle des Paulus an und d\u00fcrstete brennend danach zu wissen, was Paulus meinte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Bis Gott sich meiner, der ich Tag und Nacht gr\u00fcbelte, erbarmte und ich den Zusammenhang der W\u00f6rter beachtete, n\u00e4mlich: Gottes Gerechtigkeit wird in ihm offenbar wie geschrieben steht: Der aus Glauben Gerechte wird leben. Da begann ich die Gerechtigkeit Gottes zu verstehen als die, durch die als ein Geschenk Gottes der Gerechte lebt, n\u00e4mlich aus Glauben, und da\u00df dies der Sinn sei: durch das Evangelium werde die Gerechtigkeit Gottes offenbart, n\u00e4mlich die passive Gerechtigkeit, durch die uns der barmherzige Gott gerecht macht durch den Glauben, wie geschrieben ist: \u201ader Gerechte lebt aus Glauben\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Da kam ich mir vor, als sei ich ganz und gar von neuem geboren und durch die offenen Tore in das Paradies selbst eingegangen. Da zeigte mir die ganze Schrift sofort ein anderes Gesicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz gesagt: Luther begann zu verstehen, da\u00df die Gerechtigkeit Gottes als Geschenk zugeteilt wird. Auf einmal wurde ein verha\u00dftes Wort ein s\u00fc\u00dfes Wort. Sein Nichtverstehen von R\u00f6m 1,17 hatte ihm die T\u00fcr zum Himmel erst verschlossen, jetzt aber \u00f6ffnete ihm gerade diese Stelle die Pforte ins Paradies. In einigen Tischreden lokalisiert Luther das Entdeckungserlebnis im Turm; deswegen spricht man von Luthers Turmerlebnis. Andere Berichte geben noch genauer die Toilette auf dem Turm an. Das mag die Phantasie anregen \u2026 Tats\u00e4chlich war Luthers Arbeitszimmer im Kloakenturm. Der Biograph Brecht meint, da\u00df Luther seine Einsicht bei der exegetischen Arbeit hatte.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Belassen wir es dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther war immer st\u00e4rker klar geworden, was er in <strong>1.\u00a0Kor 1,30<\/strong> las: <em>\u201eJesus Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erl\u00f6sung\u201c<\/em>. Von daher lernte er, Rechtfertigung und Gerechtigkeit allein und durch Christus zu sehen und zu empfangen. Als Gl\u00e4ubiger darf der Mensch r\u00fchmen: Mein ist, was Christus tat, sagte, litt und starb; er ist der Br\u00e4utigam, der mit der gl\u00e4ubigen Seele als Braut alles teilt. Die Gerechtigkeit des Glaubens ist \u2013 Christus selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und hier wirkte mit, was Luther als Klosterbruder in den <strong>Psalmen<\/strong> auswendig gelernt hatte und jede Woche betete! Er berichtet, wie er im Kopf die Bibel durchgegangen ist und einige Analogien festgestellt habe, da\u00df das Werk Gottes das Werk bedeute, das er in uns wirkt, seine Weisheit bedeutet die Weisheit, durch die er uns weise macht. Dadurch wurde er seiner Entdeckung gewi\u00df.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6ren wir einige Psalmworte, die von der Gerechtigkeit Gottes sprechen; und immer, wenn wir h\u00f6ren \u201edeine Gerechtigkeit\u201c, dann m\u00f6gen wir still hinzudenken: \u201enicht meine Gerechtigkeit\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 31,2:<br \/>\n<em>Herr, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden,<br \/>\n<strong>errette mich durch deine Gerechtigkeit<\/strong><\/em><strong><em>!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 36:<br \/>\n<em><sup>7<\/sup> <strong>Deine Gerechtigkeit<\/strong> <\/em><em>steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die gro\u00dfe Tiefe. \u00a0Herr, du hilfst Menschen und Tieren.<br \/>\n<sup>8<\/sup> Wie k\u00f6stlich ist deine G\u00fcte, Gott, da\u00df Menschenkinder unter dem Schatten deiner Fl\u00fcgel Zuflucht haben! \u2026<br \/>\n<\/em><em><sup>11<\/sup><\/em><em> Breite deine G\u00fcte \u00fcber die, die dich kennen, und <strong>deine Gerechtigkeit <\/strong><\/em><em>\u00fcber die Frommen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 51:<br \/>\n<em>Errette mich von Blutschuld, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, da\u00df meine Zunge <strong>deine Gerechtigkeit <\/strong><\/em><em>r\u00fchme.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 71:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><sup>2<\/sup><strong><em>Errette mich durch deine Gerechtigkeit<\/em><\/strong><em>\u00a0und hilf mir heraus,<br \/>\nneige deine Ohren zu mir und hilf mir! \u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em><sup>15<\/sup><\/em><em> Mein Mund soll verk\u00fcndigen <strong>deine Gerechtigkeit<\/strong><\/em><em>,<br \/>\nt\u00e4glich deine Wohltaten, die ich nicht z\u00e4hlen kann.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em>\u00a0<sup>16<\/sup> Ich gehe einher in der Kraft Gottes des Herrn;<br \/>\nich preise <strong>deine Gerechtigkeit <\/strong><\/em><em>allein. \u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\"><em><sup>19<\/sup><\/em><em> Gott, <strong>deine Gerechtigkeit<\/strong> reicht bis zum Himmel;<br \/>\nder du gro\u00dfe Dinge tust, Gott, wer ist dir gleich?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 119,142:<br \/>\n<strong><em>Deine Gerechtigkeit <\/em><\/strong><em>ist eine ewige Gerechtigkeit,<br \/>\nund dein Gesetz ist Wahrheit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">Psalm 145:<br \/>\n<em><sup>7<\/sup> sie sollen preisen deine gro\u00dfe G\u00fcte und <strong>deine Gerechtigkeit <\/strong><\/em><em>r\u00fchmen.<br \/>\n<sup>8<\/sup> Gn\u00e4dig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott mich rettet, dann nicht durch meine, sondern durch seine Gerechtigkeit! Das ist der Schl\u00fcssel! Die ganze Selbstzerknirschung \u2013 so weh sie auch tut, so tief sie auch reicht, so aufgeblasen sie auch sein mag \u2013: Sie tut dem Werk Christi nichts hinzu. Das Werk Christi ist genug! Alles, was dann der Mensch noch im Glauben und gef\u00fchrt vom Heiligen Geist tut, ist nicht mehr sein Werk, sondern Gottes eigenes Werk. Das Dreieck von Christus \u2013 Wort Gottes \u2013 Glaube, dieses Miteinander ist der Angelpunkt. W\u00fcrde man davon abgehen, w\u00fcrden Papst und Teufel den Sieg behalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konsequenzen waren weitreichend:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Der Abla\u00df, auf den so viele ihre Hoffnung gesetzt hatten, war jetzt ein Affront gegen Christus. Christus ist die Gerechtigkeit der wahren Kirche; kein Papst darf sich anma\u00dfen, aus einem imagin\u00e4ren Kirchenschatz (bestehend aus den \u00fcbersch\u00fcssigen Werken Christi und [!] der Heiligen) etwas auszuteilen. In den 95 Thesen lautet die Nummern 36 und 62:<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 80px;\"><em>\u201eJeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf v\u00f6lligen Erla\u00df von Strafe und Schuld, auch ohne Abla\u00dfbrief.\u201c \u201eDer wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.\u201c<\/em><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li>Der fromme Christ braucht Maria und die Heiligen nicht mehr um Hilfe anzuflehen. Auch der Reliquienkult ist vorbei. Christus ist genug.<\/li>\n<li>Ein M\u00f6nch zu sein ist kein h\u00f6herer Stand als ein eheliches Leben. Auch weltliche Arbeit ist Gottesdienst!<\/li>\n<li>Messen f\u00fcr die Toten und Winkelmessen einsamer agierender Priester werden \u00fcberfl\u00fcssig.<\/li>\n<li>Schriftlesung und Schriftauslegung werden zu den wichtigsten Teilen des Gottesdienstes.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">These 54: \u201eDem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Abla\u00df die gleiche oder l\u00e4ngere Zeit verwendet wird als f\u00fcr jenes.\u201c<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"6\">\n<li>Die Gemeinde hat mit der Heiligen Schrift den Pr\u00fcfstein in der Hand, Lehre und Lehrer zu beurteilen. Ein geistliches Amt bewahrt nicht vor Irrtum, weder Papst noch Konzilien k\u00f6nnen per se irrtumslos sein.<\/li>\n<li>\u201eReformation\u201c erstreckte sich auf zahlreiche Gebiete des kirchlichen und weltlichen Lebens; denn auch weltliche Arbeit ist eine Art Gottesdienst und soll in die Heiligung des Lebens hineingenommen sein. Die christliche N\u00e4chstenliebe war nicht mehr Vorbedingung des Heils, sondern ihre Folge, und entfaltet sich in vielen Bereichen, besonders in der Bildung, auch f\u00fcr M\u00e4dchen, in der Lese- und Schreibkompetenz, Bibel\u00fcbersetzung und Bibellesen, in Armenf\u00fcrsorge usw. usw.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thesen 43\u201344a+45:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eMan soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bed\u00fcrftigen zu leihen ist besser, als Abla\u00df zu kaufen. Denn durch ein Werk der Liebe w\u00e4chst die Liebe und wird der Mensch besser \u2026 Man soll die Christen lehren: Wer einen Bed\u00fcrftigen sieht, ihn \u00fcbergeht und statt dessen f\u00fcr den Abla\u00df gibt, kauft nicht den Abla\u00df des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leitspruch der Neuendettelsauer Diakonissen nach Wilhelm L\u00f6he:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 40px;\">\u201eWas will ich? Dienen will ich.<br \/>\nWem will ich dienen? Dem Herrn in seinen Elenden und Armen. Und was ist mein Lohn? Ich diene <strong>weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe; mein Lohn ist, da\u00df ich darf<\/strong>!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das mag heute so einfach klingen, war aber schwer errungen, und wir sehen heute, wie ausgerechnet Theologen und Kirchenleitungen sie wieder verspielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Blick auf Jesus Christus ist in allen theologischen Fragen entscheidend \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther war Reformator wider Willen. Er nahm die Pflichtlekt\u00fcre<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> im Kloster ernst und wurde so auf den heilsamen Weg gef\u00fchrt, den wir auch heute nicht verlassen, sondern uns immer wieder vergegenw\u00e4rtigen und neu erringen sollten \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Stefan Felber, Reformationsgedenken in Bremen am 31.10.2025<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/iIk_klnMND0?si=dVgVmKQbEr2Z4lbZ\">Alle Beitr\u00e4ge des Reformationsgedenkens 2025 k\u00f6nnen auf dem Youtube-Kanal der St. Martini-Gemeinde nachgeh\u00f6rt werden.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Brecht, Band 1, S. 65f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Autor: der T\u00fcbinger Nominalist Gabriel Biel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Wallmann, Kirchengeschichte Deutschlands, 17f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brecht aaO. S. 75.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> AaO. S. 89.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> AaO. 90 und 91.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> AaO. S. 91 und 90.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Zitate aaO. 92, teilweise gemischt sinngem\u00e4\u00df und w\u00f6rtlich.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> AaO. 100.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Brecht aaO. 292.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> AaO. 294 (Hervorh. S. F.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> AaO. 306.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Wengenroth\/B\u00f6llmann, Der Fall Latzel, 2025.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Brecht aaO. 311.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Brecht aaO. 220.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Wallmann, Kirchengeschichte Deutschlands, S. 23f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> <em>Welche Pflichtlekt\u00fcre geben wir der jungen Generation \u2026 ??<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum\u00a0 Vortrag auf Youtube (ab 01:43). 1. Das Leben mit und aus der Schrift: Reformator wider Willen Als Luther im Jahr 1505 an die Pforte des Augustinerklosters in Erfurt pochte und Einla\u00df begehrte, war in keiner Weise absehbar, da\u00df mit ihm eine theologische Zeitbombe heranwachsen w\u00fcrde. Denn Luther nahm die Verpflichtungen im Kloster ungeheuer ernst. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":207,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,29,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22132"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/207"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22132"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22149,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22132\/revisions\/22149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}