{"id":22126,"date":"2025-10-27T10:58:56","date_gmt":"2025-10-27T09:58:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22126"},"modified":"2025-10-27T10:59:35","modified_gmt":"2025-10-27T09:59:35","slug":"joseph-so-ist-versoehnung-so-ist-vergeben-und-verzeihn-1-mos-5015-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22126","title":{"rendered":"Joseph: So ist Vers\u00f6hnung, so ist vergeben und verzeihn. (1. Mos 50,15-21)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In Joseph haben wir einen Mann, in dessen Leben sich Gott wunderbar verherrlichen konnte. Deshalb ist sein Leben der Betrachtung wert. Pharao gewann tiefe Eindr\u00fccke von seiner Pers\u00f6nlichkeit. Er sagte: \u201eSolch ein Mann!\u201c Ebenso gewann er tiefe Eindr\u00fccke von seiner Religion, denn er f\u00fcgte hinzu: \u201eIn dem der Geist Gottes ist.\u201c Die Schrift gibt der Geschichte Josephs einen bedeutenden Raum. W\u00e4hrend sie von Abrahams Leben in 12, von Isaaks in 5 und von Jakobs in 9 Kapiteln redet, r\u00e4umt sie Josephs Geschichte 13 Kapitel ein. Joseph stieg von einem Hirtenknaben zu einem Staatsmann, ja, zu einem Landesvater empor.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen in drei Geschichten Josephs Leben ein wenig nachvollziehen: Heute achten wir auf:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Josephs Jugendgeschichte.<\/li>\n<li>Josephs Leidensgeschichte<\/li>\n<li>Josephs Vers\u00f6hnungsgeschichte<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Josephs Jugendgeschichte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles, was wir von Josephs Jugend wissen, war zur Entwicklung des jungen Mannes ung\u00fcnstig. Er scheint vom Charakter mehr von seiner Mutter als von seinem Vater geerbt zu haben. Seine Charakterreinheit, verbunden mit hoher Naturbegabung, war das einzige Hoffnungsvolle, was wir bei ihm fanden. Alles \u00dcbrige war ung\u00fcnstig.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Joseph war im Alter geboren. Die Erfahrung lehrt, dass im Alter geborene Kinder gew\u00f6hnlich verzogen werden, weil die Charakterfestigkeit der Eltern abnimmt. Gott hat dem Rechnung getragen und vertraut daher dem Alter keine Kinder mehr an. Bei Manasse, der auch im hohen Alter dem Hiskia geboren wurde, sehen wir dasselbe. Je klarer die Erziehung ist, desto besser f\u00fcr das Kind. Diese klare Strenge fehlte Joseph.<\/li>\n<li>Gefahrvoll war weiter, dass Joseph fr\u00fch mutterlos wurde. Joseph mag wohl 8 \u2013 10 Jahre alt gewesen sein, als seine Mutter starb. Wer kann den Verlust einer Mutter beschreiben, und wer kann eine Mutter ersetzen? Kein Mensch in der Welt tut f\u00fcr ein Kind, was die Mutter tut. Wir sollten unsere Eltern und unsere Mutter besonders hoch sch\u00e4tzen, lieben und Gott daf\u00fcr danken.<\/li>\n<li>Das geteilte Familienleben wirkt sich negativ auf die Entwicklung Josephs aus. Es waren im gewissen Sinne vier Haushaltungen. Da war Leas Haushaltung, da war Silpas und Bilhas Haushaltung, und Rahels Haushaltung. Jeder sorgte f\u00fcr seine Kinder. Da Rahel gestorben war, sorgte Jakob f\u00fcr Joseph. Wo wir sonst noch in der Schrift geteiltem Familienleben begegnen, finden wir auch Streit, selbst den Fluch Gottes.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dankbar sollten wir doch sein f\u00fcr ein gottwohlgef\u00e4lliges Familienleben, das nach biblischer Ordnung eingerichtet ist und das seinen Ursprung schon im Paradies hat!<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li>Der Vater machte Joseph einen bunten Rock. Diese Torheit Jakobs war f\u00fcr Joseph sehr verh\u00e4ngnisvoll. Der bunte Rock bestand wahrscheinlich aus einem langen wei\u00dfen Gewand mit bunten Stickereien. Solche Gew\u00e4nder trugen Vornehme und K\u00f6nigskinder. Arbeitsleute dagegen trugen farbige kurze Gew\u00e4nder, die f\u00fcr den Dienst in den Bergen und bei den Herden zweckm\u00e4\u00dfig waren. Der Vater erkl\u00e4rte im gewissen Sinne durch diesen \u201ebunten Rock,\u201c dass sein bevorzugter Sohn Joseph von allen Arbeitsm\u00fchen frei sein sollte. Da des Vaters Wille in der damaligen Zeit Gesetz war und seine \u00fcbrigen S\u00f6hne den Ernst dieser Bestimmung sehen mussten, entstand dadurch Feindschaft.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war merkw\u00fcrdig, dass diese Torheit des Vaters, Joseph vorzuziehen, die ganze Familie durchzog. Sara achtete sehr darauf, dass Ismael nicht gleichgestellt werde mit Isaak. Sie erkl\u00e4rte bestimmt: \u201eDein Sohn soll nicht erben mit meinem Sohn.\u201c Isaak zog Esau, Rebekka Jakob vor, und Jakob zog wieder Joseph vor. Durch diese Bevorzugung der Kinder war in der Familie viel Kummer. Abraham wurde es schwer, sich von Ismael zu trennen, Rebekka wurde es schwer, sich von Jakob zu trennen, und Jakob wurde es schwer, sich von Joseph zu trennen. Alle diese schweren Stunden h\u00e4tten die Familie sich ersparen k\u00f6nnen, wenn sie einzelne Kinder nicht bevorzugt h\u00e4tte. H\u00fcten wir uns also vor dem \u201ebunten Rock!\u201c Wenn wir ihn einem Kind anziehen (vgl. Joseph), werden andere ihn ausziehen. Das Ausziehen ist aber nie so angenehm wie das Anziehen. Darum weg mit dem \u201ebunten Rock\u201c in jeder Form!<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"5\">\n<li>Durch des Vaters Torheit beneideten die Br\u00fcder Joseph. W\u00e4ren sie weise gewesen, dann h\u00e4tten sie einfach nur gewartet, bis die grellen Farben des bunten Rockes verblichen w\u00e4ren. Gott kann uns auch Gnade geben, den zu lieben, der den bunten Rock tr\u00e4gt. Die Br\u00fcder hatten kein Recht, Joseph zu richten. Unser Herr Jesus selbst wies das Unrecht zur\u00fcck: \u201eHabe Ich \u00fcbel geredet, so beweise Mir, dass es b\u00f6se sei; habe Ich aber recht geredet, was schl\u00e4gst du Mich?\u201c Er richtet aber nicht, sondern stellt es dem anheim, der recht richtet. Beneide niemanden, der einen bunten Rock tr\u00e4gt.<\/li>\n<li>Zu dieser Torheit Jakobs kamen nun noch Josephs Tr\u00e4ume. W\u00e4re Joseph weise gewesen, so h\u00e4tte er seine Tr\u00e4ume f\u00fcr sich behalten und nicht erz\u00e4hlt. Aber dies ist die \u201eSturm- und Drangperiode,\u201c die wir alle kennen. Wenn wir Zukunftsschl\u00f6sser bauen, dann meinen wir, ja besser zu sein als die anderen. Bevorzugungen, die uns von Gott oder Menschen werden, sollten wir lieber mit Demut und Dankbarkeit hinnehmen, als dar\u00fcber zu reden. Diese Bescheidenheit musste Joseph noch lernen.<\/li>\n<li>Der Vater machte ihn zum Berichterstatter. Es ist m\u00f6glich, dass Josephs hohe Begabung den Vater zu dieser Ma\u00dfnahme veranlasste. Wir d\u00fcrfen annehmen, dass Joseph die Erkundigungen einzog und die Berichte \u00fcberbrachte, in des Vaters Auftrag. Auch diese Bevorzugung musste in dem jugendlichen Alter Josephs ung\u00fcnstig auf seinen Charakter wirken.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben den Eindruck, dass alles, was Josephs Charakter g\u00fcnstig beeinflussen konnte, ihn weniger gepr\u00e4gt hat. Z.B. als er mit seinem Vater nach Beth-El kam, wo der Herr Jakob erschienen war, als er neben der Leiche seiner Mutter Rahel stand, die ja nicht in Machpela begraben wurde, wo Abraham, Rebekka und Isaak begraben waren. Der Ernst jener Augenblicke konnte bei der Jugend Josephs noch keine eindr\u00fcckliche Wirkung aus\u00fcben. Deshalb musste Joseph in eine besondere Schule gehen, in der sein Charakter die Festigkeit erhielt, die f\u00fcr einen sp\u00e4teren Dienst n\u00f6tig war. Der Herr w\u00e4hlte diese Schule nach Seiner Weisheit f\u00fcr Joseph aus. Sie bef\u00e4higte ihn, sp\u00e4ter auf dem Throne \u00c4gyptens zu sitzen, ohne in den Abgrund zu fallen.<\/p>\n<p><strong>2. Josephs Leidensgeschichte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt betreten wir heiliges Land. Neben der Familienschule kommt Joseph jetzt in die Schule Gottes. Da m\u00fcssen wir alle hindurch, um auf gro\u00dfe Aufgaben und die Ewigkeit zubereitet zu werden. Das sind die Tage, in denen Ung\u00f6ttliches ausgezogen und G\u00f6ttliches angezogen wird. Jakob musste in der Leidensschule seines Lebens Unedles ausscheiden und Edles aufnehmen. In diese Schule ging Joseph 26 Semester, 13 lange Jahre. Er war 17 Jahre, als er hineintrat, und 30 Jahre, als er sein Examen machte. Er hat es aber auch gut bestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die erste Klasse in Josephs Leidensschule nennen wir Dothans Grube. Es war ein denkw\u00fcrdiger Tag, als der Vater zu dem 17-j\u00e4hrigen Joseph sagte: \u201eKomm, ich will dich zu ihnen senden.\u201c Die Herden Jakobs m\u00fcssen sehr gro\u00df geworden sein, sonst w\u00fcrden sie sich wohl nicht bis nach Sichem ausgedehnt haben. In Sichem war ja damals das Blutbad angerichtet worden, als Jakob nach der Begegnung mit Esau dort Aufenthalt gemacht hatte. Hebron war zu eng geworden, sonst h\u00e4tte Jakob seine S\u00f6hne gewiss nicht nach Sichem ziehen lassen. Es mag sein, dass Jakob lange nichts von seinen S\u00f6hnen geh\u00f6rt hatte. Deshalb sandte er seinen Sohn Joseph, um eine Nachricht \u00fcber das Ergehen seiner S\u00f6hne einzuziehen. Wie gut war es doch, dass Joseph an jenem Morgen nicht wusste, was ihm begegnen w\u00fcrde, und welche Pl\u00e4ne seine Br\u00fcder verwirklichen w\u00fcrden! Wie gut ist es, dass wir nicht wissen, was die Zukunft uns bringt. In dem Verh\u00fcllen unserer Zukunft liegt viel g\u00f6ttliche Weisheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Joseph zu seinen Br\u00fcdern kam, stand Mord auf ihrem Tagesplan; sie nahmen ihn und warfen ihn unbarmherzig in eine Grube. Ach, was der Neid unter Br\u00fcdern doch anrichten kann! Aus dem Neid wurde Rache, und dieser Rache folgte gro\u00dfe Schuld. Wir sollten jede s\u00fcndliche Regung im Keime ersticken, sonst wirkt sie wie Schmutz in einer Wunde, der sich immer tiefer hineingr\u00e4bt, die Umgebung entz\u00fcndet und schlie\u00dflich den ganzen K\u00f6rper in Mitleidenschaft zieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da war nun Joseph in der Grube, da stirbt er seiner Lieblingsstellung, da stirbt er seinen Tr\u00e4umen, da stirbt er seinen Hoffnungen. Alle St\u00fctzen brachen in wenigen Minuten zusammen, Joseph stand jetzt ganz allein. Nur Gott konnte ihm noch helfen, zu ihm nahm er seine Zuflucht. Alles wurde Joseph zertr\u00fcmmert, ja, Gott schafft ein Neues.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die zweite Klasse in Josephs Leidensschule nennen wir Sklavendienst. Das Vorhaben der Br\u00fcder war kein Spiel gewesen. Als sie eine Karawane erblickten, beschlossen sie gleich, Joseph als Sklaven zu verkaufen. Joseph bekommt Ketten an seine H\u00e4nde und muss auf hei\u00dfer Stra\u00dfe nach \u00c4gypten ziehen. Joseph war keine Arbeit gew\u00f6hnt. Was muss dieser harte Dienst ihn bedr\u00fcckt haben? Aber in Klagl. 3,27 lesen wir: \u201eEs ist ein k\u00f6stliches Ding einem Manne, dass er das Joch in seiner Jugend trage.\u201c Gott w\u00e4hlt oft nicht den angenehmsten Weg, aber immer den besten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In \u00c4gypten wird Joseph von Potiphar gekauft und tritt in den Dienst dieses Hauses ein. Bei Potiphar wird Joseph ein Segen. \u201eAlles, was er tat, da gab der Herr Gl\u00fcck dazu.\u201c Joseph hatte angefangen, mit Gott zu rechnen, und jetzt erfuhr er den Segen der Gottseligkeit. Bei Joseph lernen wir, dass es nicht wichtig ist, was wir tun, aber wichtig, wie wir es tun. Durch einen kleinlichen Menschen wird alles Gro\u00dfe klein, aber durch einen edlen Menschen wird alles Kleine gro\u00df. Ein treuer Joseph in Potiphars Hause und ein treuer Elieser in Abrahams Hause zu sein, ist so wichtig. Der Herr sagt: \u201eMan erwartet von einem Haushalter nur, dass er treu erfunden werde.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dann: An einem Tage trat unverhofft eine scharfe Versuchung an Joseph heran. Die Versuchung wiederholte sich t\u00e4glich. Und als niemand in Potiphars Hause war, war der Augenblick f\u00fcr Seine Frau sehr g\u00fcnstig, Joseph zu verf\u00fchren. Alles tipptopp, keine Spuren werden hinterlassen. Die Schwere der Versuchung lag eben in dem best\u00e4ndigen Wiederkehren, dem selbst einst der starke Simson unterlag. Aber Joseph lie\u00df seine Dankbarkeit gegen\u00fcber Potiphar und sein Gewissen vor Gott reden und sagte: \u201eWie sollte ich ein so gro\u00dfes \u00dcbel tun und wider Gott s\u00fcndigen?\u201c Es ist merkw\u00fcrdig, dass die Versuchungen gew\u00f6hnlich in unserem Gl\u00fcck und Wohlbefinden an uns herantreten. In der dunklen Nacht tragen wir das Schwert in der Hand, aber im sonnigen Tal machen wir es uns bequem. Ach, dass wir innerlich immer wachen w\u00fcrden! H\u00e4tte Joseph nachgegeben in der Versuchung, so h\u00e4tte er einen scheinbaren Vorteil dadurch erlangt, aber Landesvater w\u00e4re er auch nie geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die dritte Klasse von Josephs Schule nennen wir das Gef\u00e4ngnis. Einige Jahre lang musste er noch im Gef\u00e4ngnis dienen und ausharren. Was waren die Gef\u00e4ngnisse f\u00fcr L\u00f6cher! Wir k\u00f6nnen uns von der schlechten Luft, der Art der Nahrung und der Behandlung keine Vorstellung machen, wenn wir das Bild unserer Gef\u00e4ngnisse vor Augen haben. Jedenfalls war Joseph mit Ketten an einen Steinpfeiler angeschlossen und hatte viel zu leiden. Das Schwierigste aber war nicht das \u00e4u\u00dfere Ergehen, sondern Joseph war get\u00e4uscht in seinem religi\u00f6sen Empfinden. Er hatte doch die Versuchung abgewiesen, war das nun der Lohn? Hatte nicht sein Vater ihm gesagt, B\u00f6ses wird dem B\u00f6sen und Gutes dem Guten folgen? Was hatte er jetzt gewonnen? Eine scharfe Strafe und einen lebenslangen Makel! Gab es jetzt einen gerechten Gott? Das waren schwere Stunden und innere K\u00e4mpfe. Hier rebelliert unser Gerechtigkeitsgef\u00fchl! Wer ist nicht schon missverstanden worden, wessen Hoffnungen sind nicht schon vereitelt worden? Denken wir in solchen Stunden an Joseph im Gef\u00e4ngnis!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gef\u00e4ngnis hatte aber f\u00fcr Joseph eine hohe Bedeutung. Er lernte durch die Begegnungen mit den gefangenen Hofbeamten das Hofleben, Geist und Sitte am Hofe kennen. Als er sp\u00e4ter vor Pharao trat, mussten seine angenehmen Formen Pharao sehr angenehm ber\u00fchren. Er sagte: \u201eSolch ein Mann!\u201c Weiter wurde Josephs Charakter fest. Wir wissen, dass er weichlich erzogen war. Seine feste Hand in der Regierung, der wir sp\u00e4ter begegnen, verdankte er auch dieser Schule. Vom Kreuz zur Krone.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuweilen gef\u00e4llt es Gott, unser ganzes Leben mit Leiden auszuf\u00fcllen, damit wir in Ewigkeit von Ihm geehrt werden k\u00f6nnen. Gott ist \u00fcberall, nur nicht da, wo S\u00fcnde ist, und da Joseph keine Gemeinschaft mit der S\u00fcnde machte, hei\u00dft es: \u201eDer Herr war mit ihm.\u201c Die gr\u00f6\u00dfte Herrlichkeit im g\u00f6ttlichen Tun und Wesen erkennen wir oft nur in dunklen Stunden. Dunkle Zeiten sind Zeiten des Erkennens, wie das auch Johannes auf der Insel Patmos erfuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gereift Joseph geworden war, erkennen wir auch aus der Art seiner Rechtfertigung dem Schenken gegen\u00fcber. Dort klagt er nicht seine Br\u00fcder an oder beschuldigt Potiphars Frau, sondern er sagt: \u201eIch bin aus dem Lande der Hebr\u00e4er heimlich gestohlen worden, dazu habe ich auch hier nichts getan, dass sie mich eingesetzt haben.\u201c Petrus sagt 1. Petri 2,20: \u201eWenn ihr um Wohltat willen leidet und erduldet, das ist Gnade von Gott.\u201c Diese Gnade hatte Joseph erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Leidensschule wurde Joseph herausgef\u00fchrt. Jesus wei\u00df immer, wann es Zeit ist, er ist der beste P\u00e4dagoge. Auch hier wusste er die geeignete Stunde. Jetzt erh\u00e4lt Joseph statt der schweren Kette eine goldene Kette, statt der Sklavenkleidung ein herrliches Kleid. Welch ein Lohn f\u00fcr das Beharren in der Versuchung! Wir werden diese Ver\u00e4nderung in Josephs Leben erst in der Ewigkeit recht verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Josephs Vers\u00f6hnungsgeschichte.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt erleben wir ein Meisterst\u00fcck g\u00f6ttlicher Erziehungsarbeit. Das Examen Josephs. Nach der Erhebung Josephs war die Zeit weitergegangen. 9 Jahre hatte Joseph als Herrscher in \u00c4gypten gestanden. 22 Jahre waren seit der Trauerbotschaft, die Jakob erhalten hatte, vergangen. Jakob war alt und gebrechlich geworden. Er war nicht nur wegen des hohen Alters gebrechlich, sondern vor allem wegen des tiefen Kummers \u00fcber seinen verlorenen Sohn. Jakob soll die Freude haben, Joseph zu sehen, und alle seine S\u00f6hne sollen die Freude haben, Joseph zu sehen. Ehe sich Joseph ihnen aber offenbarte, mussten sie einen Weg gehen, der eine lehrreiche Schule sein d\u00fcrfte f\u00fcr jeden, der den Herrn Jesus erkennen m\u00f6chte. Diesen Weg wollen wir ins Auge fassen.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Gro\u00dfe Not f\u00fchrt Josephs Br\u00fcder nach \u00c4gypten. So war\u2019s beim verlorenen Sohn auch gewesen. Das tiefste Elend f\u00fchrte ihn wieder zum Vaterhaus, so war\u2019s auch bei Manasse gewesen. Als er im Gef\u00e4ngnis schmachtete, flehte er zu dem Gott seiner V\u00e4ter. Not war immer ein erfolgreicher Prediger, wohl der erfolgreichste von allen. Aber die Not Nummer 1 ist unser Problem mit der Schuld. Nicht das Brot. Nur wer die Schuldfrage l\u00f6sen kann, kann auch die Magenfrage l\u00f6sen. Die jahrzehntealte Schuld, die lie\u00df sie nicht mehr schlafen. Zeit heilt keine S\u00fcnde! Die trieb sie jetzt vor den zum 2. Mann im Staat \u00c4gypten aufgestiegenen Bruder. Diese Schuld trieb sie dazu, dass ihnen der schwerste Satz \u00fcber die Lippen kam, den je ein Mensch \u00fcber die Lippen bringen kann, n\u00e4mlich: \u201eVergib mir meine Missetat. Vergib mir meine Missetat.\u201c Achten wir doch ja auf die Pl\u00e4ne Gottes in solchen Zeiten der Not.<\/li>\n<li>Weiter mussten die Br\u00fcder harte Behandlung erfahren. Sie wurden \u201eKundschafter\u201c genannt. Es ist m\u00f6glich, dass Joseph sie so nannte, weil sie ihn auch so genannt hatten, als er damals in Dothan zu ihnen kam. Simeon wurde gebunden und ins Gef\u00e4ngnis gelegt, vielleicht deshalb, weil Simeon Joseph band und in die Grube warf. Ob\u2019s so war? Vielleicht? Aber auff\u00e4llig ist, dass bei der Art, wie Joseph mit seinen Br\u00fcdern umging, ihnen ihre Schuld vor ihre Seele trat. Unser Herr wird uns immer einen Weg gehen lassen, auf dem wir unsere Schuld erkennen. Dieser Weg mag uns hart erscheinen, aber der Herr w\u00e4hlt ihn auch heute noch f\u00fcr die, die Sein Angesicht sehen wollen.<\/li>\n<li>Die Gesinnung der Br\u00fcder wurde gepr\u00fcft. Joseph gab dem Benjamin f\u00fcnfmal mehr. Nicht nur, weil er ihn sehr lieb hatte, sondern weil er beobachten wollte, ob die anderen noch neidisch auf ihn w\u00e4ren, wie damals bei ihm. Es ist auch m\u00f6glich, dass Joseph aus dem Grunde den Becher in Benjamins Sack tun lie\u00df. H\u00e4tten die Br\u00fcder wie fr\u00fcher geurteilt, dann h\u00e4tten sie Benjamin ruhig nach \u00c4gypten zur\u00fcckgehen und Sklavendienste tun lassen, dann w\u00e4ren sie mit ihrem Getreide allein nach Hause gegangen. Aber wie erfreut war Joseph, als er sah: kein Neid auf Benjamin, alle traten f\u00fcr einen ein! Die Gesinnung war aufrichtig geworden.<\/li>\n<li>Joseph lie\u00df sie auch ihre S\u00fcnde erkennen und bekennen. Das Ged\u00e4chtnis musste den Br\u00fcdern helfen und das Gewissen auch. Sie sagten: \u201eDas haben wir an unserem Bruder verschuldet!\u201c Gott will uns in solchen stillen Versuchungsstunden immer von unserer S\u00fcnde \u00fcberf\u00fchren. Er macht uns den Weg nicht so leicht. Ohne einen Einblick in unsere S\u00fcndennatur zu bekommen, ohne Reue und Bu\u00dfe zu tun, k\u00f6nnen wir uns seiner Gnade nicht freuen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Elf baten nicht um Verzeihung: Josef, wir haben damals durchgedreht. Es war nicht so schlimm gemeint. Verzeih! Diese Elf baten nicht um Vergebung: Josef, wir haben damals Kidnapping gespielt. Einer ist dabei immer der Dumme. Du musst dies einfach \u00fcbersehen. Sie baten auch nicht um Verst\u00e4ndnis: Josef, wir haben damals Quatsch gemacht. Wei\u00dft du, Ruben hat es uns gleich gesagt. Aber das ist doch jetzt Jahre zur\u00fcck, den Bach hinunter und den Baum hinauf. Nun, lass es doch vergessen sein. Nein, so sprachen sie nicht. Die Elf standen zu ihrer Schuld und baten um Vergebung. Ja, den schwersten Satz zu sagen, den wir sagen m\u00fcssen: \u201eDu, vergib mir meine Schuld.\u201c Vergib mir meine Fehler. Vergib mir meine Missetat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00fcndenerkenntnis und Bu\u00dfe sind das notwendige und echte Fundament des Glaubens und der Freude im Herrn. Es gef\u00e4llt selbst dem Herrn, wenn Er Seine Kinder f\u00f6rdern will in der Gnade, dass Er ihnen immer wieder ihre S\u00fcnde zeigt, dass Er sie tiefer hineinblicken l\u00e4sst in das Elend des menschlichen Zustandes. Auf diese Anregungen durch das Wort und den Geist Gottes zu achten, ist f\u00fcr unsere Entwicklung so wichtig, ohne sie kein Vorankommen im Glauben.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"5\">\n<li>Joseph stellt sich hart. Er wandte sich zur Wand und weinte. Die Br\u00fcder hatten seine Gef\u00fchlsregungen nicht gesehen, als er sich aber wieder zu ihnen wandte, band er Simeon vor ihren Augen. Die Br\u00fcder sehen also Josephs Strenge, aber nicht das tiefe Mitgef\u00fchl, das er f\u00fcr sie hat. Ach, wenn wir das Sehnen unseres Herrn kennen w\u00fcrden, wie w\u00fcrde es uns veranlassen, uns schnell vor Ihm zu offenbaren, und wie schnell k\u00f6nnte Er Sich uns offenbaren! Die Br\u00fcder wussten nicht, dass Joseph sie verstand. Er redete ja eine andere Sprache. Wir wissen vieles nicht von der Freundlichkeit unseres Herrn, sonst w\u00fcrden wir nicht so lange in Ungewissheit vor Ihm stehen.<\/li>\n<li>Ihre eigene Gerechtigkeit musste auch schwinden. Es mag sein, dass sie stolz darauf waren, dass sie mit Joseph an einem Tische gegessen hatten, dass sie das Geld wiedergebracht hatten. Deshalb musste ihnen durch den mitgenommenen Becher gezeigt werden, dass sie sich doch verschuldet hatten. Zudem war der Becher in Benjamins Sack, der sich damals an der Missetat der Br\u00fcder gar nicht beteiligt hatte. Auch Benjamin war nicht ohne Schuld. \u201eWer seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen, wer sie aber erkennt und l\u00e4sst, der wird Barmherzigkeit erlangen.\u201c (Spr. 28,13).<\/li>\n<li>Joseph offenbart sich seinen Br\u00fcdern. Als sie nun ganz in Josephs Hand waren und sich kein Ausweg mehr bot, als Joseph sich von ihrem ver\u00e4nderten Charakter \u00fcberzeugt hatte, als sie die S\u00fcnde bekannt hatten und aufrichtig vor ihm standen, weinte er laut und sagte: \u201eIch bin Joseph, euer Bruder!\u201c Wie ersch\u00fcttert waren sie. Ja, hier h\u00e4tten sie ihn nicht vermutet. Sprachlos stehen sie da. Joseph wiederholt seine Beteuerung: \u201eIch bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach \u00c4gypten verkauft habt!\u201c Sie stehen versteinert, besch\u00e4mt und zitternd da, ohne ein Wort zu sagen. Joseph f\u00e4hrt fort: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Dieses Wort mag wohl n\u00f6tig gewesen sein, damit sie nicht vor Zittern zusammenbrachen. Und dann sagt er: \u201eTretet doch her zu mir!\u201c Dann k\u00fcsste er sie alle, auch den Benjamin, auch den Ruben. \u201eDanach redeten seine Br\u00fcder mit ihm.\u201c<\/li>\n<li>Das Begr\u00e4bnis Jakobs. Sie stehen vor dem Grab ihres Vaters in \u00c4gypten, das nach einem Staatsbegr\u00e4bnis 1. Klasse mit viel Fahnentuch und viel Taschentuch endg\u00fcltig vermauert wird. Und die 11 Jakobs\u00f6hne hatten riesen Bammel. Die 11 Bauernburschen hatten weiche Knie. Diese 11 zitterten jetzt wie Espenlaub. Im 1. M. 50 steht: \u201eDie Br\u00fcder Josefs f\u00fcrchteten sich sehr.\u201c Thomas Mann hat diese Szene meisterhaft beschrieben: \u201eVerschlossen das Haus, beseitigt der Vater, 11 blicken starr auf den Ziegel der letzten L\u00fccke. Was ist ihnen denn? Sie blicken so fahl, diese 11, und kauen die Lippen. Ganz offenkundig: Sie f\u00fcrchten sich. Verlassen f\u00fchlen sie sich, beklemmend verlassen. Der Vater ist fort. Bis jetzt war er zugegen gewesen, nun ist er vermauert, und pl\u00f6tzlich entsinkt ihnen der Mut, und pl\u00f6tzlich ist ihnen, als sei er ihr Schirm und Schutz gewesen, nur er.\u201c Der Tod gab ihnen zu denken, aber Josef denkt: \u201eGott wird Leben erhalten.\u201c Und dann steht Josef mit seinen Br\u00fcdern in der Residenz des Pharao. Den 110. Geburtstag hat er gefeiert. Auch er muss an sein Ende denken, aber er denkt, Gott will Leben erhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit ist Joseph zum Vordenker geworden. Im Jahr 33 ist der aus der H\u00f6hle von Jerusalem auferstanden, der gesagt hat, dass er dem Tod die Macht nehmen will und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Leben ans Licht bringen will. Dieser Jesus hat nicht nur zweimal wie Josef, sondern er hat oft gesagt: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht.\u201c Und er sagt es heute Morgen wieder. Und wenn die Spannungen dich zu zerrei\u00dfen drohen: F\u00fcrchte dich nicht. Und wenn dich Belastungen kaputt machen: F\u00fcrchte dich nicht. Und wenn du an deinen eigenen Tod denken musst: F\u00fcrchte dich nicht. Denn Leiden und Scherben und Sterben und Tod sind nicht das Letzte. Niemand wird euch aus meiner Hand rei\u00dfen. Ich will Leben erhalten. Ich will dein Leben erhalten. Nur diesem Wort ist zu trauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker,\u00a0Bibelgemeinde Bremen, 26.10.25<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Joseph haben wir einen Mann, in dessen Leben sich Gott wunderbar verherrlichen konnte. Deshalb ist sein Leben der Betrachtung wert. Pharao gewann tiefe Eindr\u00fccke von seiner Pers\u00f6nlichkeit. Er sagte: \u201eSolch ein Mann!\u201c Ebenso gewann er tiefe Eindr\u00fccke von seiner Religion, denn er f\u00fcgte hinzu: \u201eIn dem der Geist Gottes ist.\u201c Die Schrift gibt der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":499,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22126"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/499"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22126"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22127,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22126\/revisions\/22127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}