{"id":22115,"date":"2025-10-18T20:39:38","date_gmt":"2025-10-18T18:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22115"},"modified":"2025-10-18T20:39:38","modified_gmt":"2025-10-18T18:39:38","slug":"stern-auf-den-ich-schaue-kol-31-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22115","title":{"rendered":"Stern, auf den ich schaue (Kol. 3,1-11)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Unser Text ist eine Nachlese von Himmelfahrtsblumen. \u201eAuf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gr\u00fcnde,\u201c sagt ein altes Himmelfahrtslied (Karl Gerok). Was ist das f\u00fcr eine Nachfahrt, die wir auf die Himmelfahrt Jesu begr\u00fcnden? Es ist die Heimfahrt unserer Seele aus unserer Leibesh\u00fctte; die Heimfahrt aus dem Todestal in den Himmel, die Heimfahrt aus der Fremde ins ewige Vaterhaus. Paulus sehnte sich danach: \u201eIch habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein;\u201c Stephanus freute sich unter dem Steinhagel und rief: \u201eHerr Jesu, nimm meinen Geist auf!\u201c Das ist die letzte Nachfahrt, der Heimgang zum Herrn, der vorangegangen ist um uns die St\u00e4tte zu bereiten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dieser leiblichen Nachfahrt muss eine andere vorangehen. Es ist die Erneuerung unserer Sinne. Hiervon spricht Paulus (Eph. 2,6): Gott hat uns samt Christus ins himmlische Wesen versetzt. Darum nur \u201ehimmelan soll der Wandel geh\u2018n,\u201c schon hier auf Erden. Deswegen lasst uns auf unserer Wanderung nicht zur\u00fcck sehen, nicht hinunter sehen, nicht vorw\u00e4rts sehen, sondern hinauf sehen auf den Fixstern Jesus. Er ist zur Rechten des Vaters als der Mandatstr\u00e4ger unumschr\u00e4nkt Machtbefugnisse. Es gibt keine Macht, die ihm gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte. Die Scheinm\u00e4chte dieser Welt haben seit Kreuz und Auferstehung ausgespielt. Die Machtfrage ist seit der Himmelfahrt Jesu entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Himmelfahrt bedeutet Regierungsantritt von Christus, der mit h\u00f6chster Erlaubnis die Schalthebel der Macht in die Hand bekommen hat. Christus i.R. hei\u00dft doch nicht: \u201eChristus im Ruhestand,\u201c sondern \u201eChristus in Reichweite.\u201c Seine Macht reicht in alle Bereiche unseres Lebens hinein. Er ist der Machthaber schlechthin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat die gr\u00f6\u00dfere Macht, auch wenn manche sagen, gegen Krankheiten sei kein Kraut gewachsen. Er hat die st\u00e4rkere Macht. Auch wenn manche glauben, der Tod sei die Gro\u00dfmacht schlechthin. Paulus sagt an die Kolosser: \u201eWir leben jetzt in der Sonne von Himmelfahrt.\u201c Stern, auf den ich schaue, Diesen Punkt hat Paulus in den Versen 1-11 in 4 Punkten ausgef\u00fchrt: Richtpunkt, Schwerpunkt, Haltepunkt und Umkehrpunkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Der Richtpunkt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erh\u00f6hte Herr ist der Richtpunkt, der gleich 4 Mal in 4 Versen mit seinem W\u00fcrdenamen Christus, der Gesalbte, bezeichnet wird. Also, das Kind in der Krippe, der Sohn in der Zimmermannsfamilie, der Lehrer in der Schule, der Lehrer in der Synagoge, der Prediger auf dem Berge, der Heiland in den Elendsvierteln, der Verurteilte in Jerusalem, der Gekreuzigte auf Golgatha, der Aufgeweckte vom Grabe, das ist der Messias, der Gesalbte. Eben der, der zur Rechten Gottes sitzt und alle Macht in H\u00e4nden h\u00e4lt. Auf ihn seht nicht nur, sondern sucht ihn, richtet euch nach ihm aus. W\u00f6rtlich: Seid gespannt auf ihn, wie die Sehne, auf der der Pfeil liegt. Jesus ist Christus. Martin Luther sagte: \u201eWenn ich das wirklich zu fassen w\u00fcsste, so w\u00fcrde ich sterben vor Freude, dass Christus nun alle Macht hatte wie Gott.\u201c Wenn auch wir das wirklich zu fassen kriegten. Eine Mitte, eine Achse, eine Machtzentrale f\u00fcr alles, auch in meinem Leben, das ist unfasslich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Einheitsdenken des Mittelalters war es noch m\u00f6glich gewesen, an eine Achse zu glauben, um die sich das Rad der Geschichte dreht. Da war die Kirche Dreh- und Angelpunkt. So hat es Luther im Augustinerkloster in Erfurt erlebt. Die Gesetze erlie\u00df das Kloster, alles regelte die kl\u00f6sterliche, die kirchliche Machtzentrale.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber heute ist das anders, die Welt ist in viele Teilgebiete explodiert. Als Kaufmann ist man eingespannt in die freie Marktwirtschaft, die mich zu planen und zu organisieren zwingt. Als Handwerker dr\u00fcckt mir der Konkurrenzkampf das Gesetz des Handelns auf, als Politiker handle ich nach den Gesichtspunkten der kalten Staatsraison. Auch die Krankheit und das Altwerden k\u00f6nnen zum Machtbereich um uns werden, der mein Denken und Handeln bestimmt. Richtpunkt Jesu, ja, aber nicht allein. Christus und das Gesch\u00e4ft. Christus und der Betrieb. Christus und die Politik. Christus und die Krankheit. Unsere Not ist, dass unser Leben um viele Achsen schwingt. Aber diese Not ist nicht erst im Zeitalter der Moderne, der Diskontinuit\u00e4t wie Max Picard sagt, geboren worden. Auch um das Jahr 60 n. Chr. brach dieses Problem in Koloss\u00e4 auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erinnern wir uns noch einmal. Dort war nach der Predigt des Epaphras eine Gemeinde entstanden, die den Herrn Jesus als die alleinige Mitte ihres Lebens hatte. Dann traten eben jene anderen Menschen auf. Immer treten andere Menschen auf, wenn wir ganz auf die Seite Jesu treten. Das ist das Grundgesetz im Reiche Gottes. Und sie machten mit gewaltigem Wortschwall glaubhaft, dass es neben Christus noch andere M\u00e4chte gebe, die auch Wirklichkeit bes\u00e4\u00dfen und den Menschen Ma\u00df und Ziel geben w\u00fcrden. Christus ja, aber doch nicht allein. Christus und die Philosophie, Christus und die Astrologie, Christus und das Schicksal, Christus und und und. Allen wollte man dienen und diente keinem mehr. Allen sollte man es recht machen und machte nichts mehr recht, allen wollte man geh\u00f6ren und man geh\u00f6rte niemandem mehr. Gehetzt, gejagt, getrieben und ge\u00e4ngstet. So wurde das Leben der Christen zu einer schweren Anfechtung in der Stadt. Auf diesem dunklen Hintergrund m\u00fcssen wir den Apostel verstehen, wenn er mit viermaligem Christus die Richtung weist. Solus Christus, Christus allein. In ihm wohnt alle F\u00fclle, er ist vor allem, er ist hinter allem. Noch einmal: Hinter Christus gibt es nur ein Ausrufezeichen! Kreuz und Auferstehung sind Beweise seiner unumschr\u00e4nkten Machtf\u00fclle. F\u00fcrstent\u00fcmer und Gewalten haben in ihm den Meister gefunden. Jesus ist der Christus und er hat&#8217;s in der Hand und wird es in der Hand behalten. Es kann mir nichts geschehen, als was er hat, ersehen und was mir n\u00fctzlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Nacht bin ich in meinem Haus abh\u00e4ngig von vielen Lampen. Schreibtischlampe, Stehlampe, Deckenlampe, K\u00fcchenlampen, Garagenlampe. Sobald aber am fr\u00fchen Morgen die Sonne durch die Fenster blitzt. Da gibt es keine Diskussion mehr, ob wir diese Leuchten auch noch ben\u00f6tigen. Die Sonne hat alle Lichter zu entbehrlichen Funzeln degradiert, so ist mit Jesus die Sonne in unser Leben eingebrochen. Sie hat \u00fcber alle Lampen und Laternen gesiegt, die die Menschen angez\u00fcndet haben. Diese M\u00e4chte sind zwar noch da, aber sie bestimmen mich nicht mehr. Suchet, was droben ist! hei\u00dft doch jetzt: Richtet euch auf diese Sonne aus. Dann fallen die dunklen Schatten der Not, des Zweifels. Richtet euch auf diese Strahlen aus. Dann verwischen sich die Konturen der Scheinm\u00e4chte. Die Sonne, die mir lachet ist mein Herr Jesu Christ. Das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Der Schwerpunkt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schwerpunkt ist sein himmlisches Reich. Hier mit dem geheimnisvollen \u201edroben\u201c umschrieben ist. \u201eDroben\u201c, es gibt diesen Himmel, auch wenn Bert Brecht in seinem Galileo Galilei bemerkt: \u201eHeute ist der 6. Januar 1610. Der Mensch tr\u00e4gt in sein Journal ein: Es gibt keine Himmel mehr.\u201c Wohl ist es kein r\u00e4umliches Oben so zwischen Jupiter, Saturn und Spiralnebel, sondern ein Unsichtbares um uns herum, das von Gottes Gegenwart gef\u00fcllt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte es aus einer Notiz im Reisetagebuch des Volkes Israel illustrieren. Schon jahrelang zog die Riesenkarawane durch die W\u00fcste. Jeden Morgen wurden die Zeltpfl\u00f6cke gel\u00f6st und jeden Abend wurden sie wieder eingeschlagen. Die Wanderung schien endlos. Dann standen sie endlich an den Ufern des Jordans. Mit aufgerissenen Augen schauten sie hin\u00fcber. Dr\u00fcben flie\u00dfen Milch und Honig, dr\u00fcben w\u00e4chst Mais und Korn, dr\u00fcben ist das gelobte Land. Aber der Fluss f\u00fchrt Hochwasser. Die Furten sind unbegehbar. Br\u00fccken gibt es nicht. Was nun? Holz schlagen, sagen die einen, Feuer machen, raten die andern; Biwak aufstellen, befehlen die dritten; sich endlich h\u00e4uslich niederlassen, meint der Rest. Das ist naheliegend, n\u00fcchtern, verst\u00e4ndlich, aber falsch. Darum erl\u00e4sst Josua, der einzige Adjutant Moses und jetzige Anf\u00fchrer, einen Tagesbefehl: \u201eHeiligt euch d. h. doch, \u201etrachtet nach diesem Land.\u201c Der, der uns durchs Schilfmeer gebracht hat, der wird uns auch durch den Jordan bringen. \u201eHeiligt euch\u201c d. h. richtet eure Sinne nach diesem Land. Dieser Rastpunkt kann doch nicht Endpunkt sein. Das Sch\u00f6nste kommt erst noch: \u201eHeiligt euch\u201c d. h. habt Verlangen nach diesem Land. Die letzte unverlierbare Wohnung wird jenseits gebaut. Der Schwerpunkt eures Lebens liegt dort. Trachtet nach dem, was droben ist. Das ist Heiligung. Unser ganzes Leben soll von dieser Sehnsucht durchdrungen sein. Bis in die letzten Gehirnwindungen hinauf und bis in die \u00e4u\u00dfersten Fu\u00dfspitzen hinab, muss dieser Zug sp\u00fcrbar werden. Unsere Heimat ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus (Phil. 3). So gilt diese Mahnung auch uns: heiligt euch, trachtet nach diesem Land. Der, der uns durch das Meer der Zeit gebracht hat, der wird uns auch zur Ewigkeit bringen. Heiligt euch! Richtet eure Sinne nach diesem Land aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt und das Ziel sind zwei Paar Dinge. Das Sch\u00f6nste kommt noch, hier wohnen wir nur auf Zeit. Dort wird uns eine unk\u00fcndbare Wohnung bereitet. Ein Haus, nicht mit H\u00e4nden gemacht, das ewig ist im Himmel. Der Schwerpunkt eures Lebens liegt dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber, riecht das nicht nach Schw\u00e4rmerei? Schmeckt das nicht nach Jenseitsvertr\u00f6stung? Hat Friedrich Nietzsche nicht doch die richtige Nase gehabt: \u201eGlaubt denen nicht, die von \u00fcberirdischen Hoffnungen reden, Giftmischer sind es, Ver\u00e4chter des Leibes. An der Erde zu kleben, ist der gr\u00f6\u00dfte Frevel. Br\u00fcder, bleibt der Erde treu.\u201c Hat Bert Brecht nicht den Nagel auf den Kopf getroffen: \u201eLasst euch nicht verf\u00fchren, der Tag steht in den T\u00fcren, ihr k\u00f6nnt schon Nachtwind sp\u00fcren. Es kommt kein Morgen mehr. Es kommt kein Morgen mehr.\u201c Liegen nicht alle die richtig, die meinen, das sei eben die Verlagerung des Schwerpunktes ins Niemandsland, bis zum St. Nimmerleinstag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Apostel zeigt einfach auf Christus, der steht daf\u00fcr, der verbirgt sich daf\u00fcr, der ist daf\u00fcr gestorben und auferstanden, dass nicht alles beim Alten bleibt, sondern alles neu wird. Mit Jesus Christus hat die Neuwerdung begonnen. Seit dem Jahre Null ist die Totalerneuerung im Gange. Blumhardt sagt: \u201eWer Jesus sagt, sagt neu!\u201c Und deshalb leben wir in der Spannung, zwischen dem \u201eschon\u201c und dem \u201enoch nicht.\u201c Und diese Spannung liefert die Energie, die wir f\u00fcr unsere Aufgaben n\u00f6tig haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst die Hoffnung auf das neue Reich macht alles Engagement nicht hoffnungslos, sondern hoffnungsvoll. Erst die Bitte um sein Reich setzt gewaltige praktische Initiativen frei. Die Welt wird nicht zum Wartesaal degradiert, sondern zum Schauplatz der Neusch\u00f6pfung apostrophiert. Die erhoffte Zukunft wird in die Gegenwart hereingezogen und f\u00fchrt zur \u00dcberwindung des Elends.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Studieren wir es bei M\u00e4nnern, die ihren Schwerpunkt im Himmel hatten. Etwa bei Vater Bodelschwingh: sein Trachten nach dem, was droben ist, f\u00fchrte ihn zum Protest gegen das Elend. In Bielefeld kamen die Elenden an seine T\u00fcr, und so entstanden Heimst\u00e4tten f\u00fcr Schwache. So entstand Bethel, so entstand Lobetal und Hoffnungstal! Sie wagten etwas gegen das Elend in dieser Welt. Oder ich denke an August Hermann Francke mit seinem riesigen Schulwerk in Halle (1689). Ich denke an Friedrich Fr\u00f6bel der in Bad Blankenburg 1840 den ersten Kindergarten einrichtete. Ich denke an Johannes Falk, Johann Wichern und die vielen andern. Was machten sie? Diese Hoffnung entz\u00fcndete ihren Protest gegen die Armut. H\u00e4user wurden gebaut, Schulen gegr\u00fcndet, Kinder aufgenommen und Waisen eine Heimat gegeben, Kranke und Sieche betreut. Ja, diese Ideen stammten nicht von irgendwelchen atheistischen Reformern oder der Antifa, sondern von Christen, die nach dem betrachteten, was droben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hoffnung auf Gottes neue Welt und der Dienst an unserer alten Welt sind nicht zwei Paar Stiefel, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Wer nach dem Himmel trachtet, der wird auf der Erde antreten. Wer nach dem Himmel seinen Sinn richtet, wird seine H\u00e4nde auf der Erde regen. Wer nach dem Himmel Verlangen hat, wird auf der Erde zulangen. Der Schwerpunkt ist sein himmlisches Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber klingt das nicht alles sehr gesetzlich? Zu all den t\u00e4glichen Anforderungen: Steh auf! Fahr ab! Fang an! Lass sehen! Geh mit! H\u00f6r zu! Das wird uns den lieben langen Tag um die Ohren geschlagen! Jetzt kommen noch weitere Befehle hinzu! Sucht! Tragt! Tut! Klingt das nicht sehr verd\u00e4chtig nach Goethes Faust: \u201eWer immer strebend sich bem\u00fcht, den k\u00f6nnen wir erl\u00f6sen!\u201c Nein, sondern das f\u00fchrt uns zum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Der Haltepunkt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Luther sagt: \u201eDas ist das g\u00fcldene Seil, das auch an dieser Stelle entdeckt werden kann.\u201c Man beachte nur, wie sehr der Imperativ (Befehl: Trachtet) zwischen einem dreifachen Indikativ (Wirklichkeitsform: auferstanden, gestorben, verborgen), einem Indikativ des Aorist und des Perfekt und einem Indikativ des Futurs offenbarwerden, gestellt ist. Ohne diese Tatsache w\u00e4re alles eine idealistische \u00dcberforderung. Wer diese Wahrheit kennt, der wei\u00df: Was von Gott geboten ist, ist immer schon von Gott angeboten. Was er verlangt, ist immer schon geschenkt. So sind wir nicht ein F\u00e4hrmann, der sein Boot in eigener Kraft \u00fcber den rei\u00dfenden Strom f\u00fchrt, sondern der Fahrgast, dessen Boot \u00fcber das Wasser geleitet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Allertal ist ja hier nicht weit und bei der Radfreizeit in Krelingen haben wir bei Bierden an der Aller mit einer F\u00e4hre \u00fcber die Aller \u00fcbergesetzt. An beiden Ufern ist ein langes Drahtseil an jeweils einem starken Pflock festgezurrt. Und an diesem Seil h\u00e4ngt eine uralte Personenf\u00e4hre. Ohne Motor oder Ruderschl\u00e4ge gleitet sie sicher \u00fcber die Aller. Auch wenn manchmal Wellen \u00fcber Bord schlagen, kommen Sie sicher ans Ziel. Einfach deshalb, weil die F\u00e4hre sicher vom Seil gehalten wird. (Gierseilf\u00e4hre Bierden an der Aller)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist ein Bild f\u00fcr diese Aussage. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der kennt nicht nur die H\u00f6hen und Tiefen, sondern rei\u00dfende Str\u00f6me, die mitten durch unser Leben gehen. Alles flie\u00dft, und wir flie\u00dfen mit, einem dunklen Meer von Leid und Tr\u00e4nen entgegen. An einer Stelle au\u00dferhalb Jerusalems ist das g\u00fcldene Seil \u00fcber das Wasser gespannt. Dieses Seil der Liebe, wie es Hosea bezeichnet, ist auf der einen Seite am Schandpfahl von Golgatha festgezurrt. Dort hat Gott den Balken ganz tief in die Erde getrieben, damit es nicht nachgeben kann. Kreuzesholz aber wird weder morsch noch zerfressen. Und dieses Spannseil g\u00f6ttlichen Erbarmens ist auf der anderen Seite an der H\u00fctte Gottes festgekn\u00fcpft. Dort, so sagt Johannes, wird er abwischen alle Tr\u00e4nen von unseren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das ist vergangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das zweite ist so, dass es nur noch mit dem Begriff \u201eHerrlichkeit\u201c umschrieben werden kann. Wenn wir nur diesen Haltepunkt erkennen. Wenn wir dieses Halteseil ergreifen: Betende H\u00e4nde sind immer haltende H\u00e4nde. Wenn wir dieses Haltetau erfassen, dann sind wir einerseits mit Christus gestorben und tragen das Leiden und Sterben. Andererseits aber sind wir mit Christus auferstanden und freuen uns auf Auferweckung und Leben, Friede und Ewigkeitsfreude und Herrlichkeit. Das wird allein Herrlichkeit sein, wenn frei von Weh, ich dein Angesicht seh.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kraft dieser Verankerung gleiten wir sicher \u00fcber den Strom der Zeit, auch wenn manchmal Wellen \u00fcber Bord schlagen oder Winde kommen. Wir kommen sicher ans Ziel. Einfach deshalb, weil wir uns an Jesus halten bzw. von ihm gehalten werden. So k\u00f6nnen wir uns auf die F\u00fc\u00dfe machen, so k\u00f6nnen wir jetzt unsere Schritte tun, so k\u00f6nnen wir uns unserem Tagewerk zuwenden. So k\u00f6nnen wir jeden Sturm bestehen, weil er uns leitet, weil Jesus wiederkommen wird und aus seiner Hand kann uns nichts herausrei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Der Umkehrpunkt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soll ich f\u00fcr den Himmel leben, so muss ich der Erde sterben, irgendwann leiblich und jetzt schon geistlich. \u201eIhr seid gestorben,\u201c ruft uns darum Paulus zu, d. h.: Ihr seid als Christen der Welt abgestorben! Ihr seid gestorben! Ja, wenn das nur auch in Wahrheit von uns g\u00e4lte, wenn nur nicht so vieles um uns und in uns Nein dazu sagen w\u00fcrde. Aber die Welt um uns her sagt nein zu diesem Sterben, unser Herz sagt nein zu diesem Sterben, unser ganzes Leben sagt nein zu diesem Sterben und gibt Zeugnis, dass wir noch leben in der S\u00fcnde. Jeder Blutstropfen unseres nat\u00fcrlichen Menschen sagt nein zu diesem Sterben und will sich nicht in den Tod hingeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch hei\u00dft es: \u201eIhr seid gestorben,\u201c von Gottes- und Rechts wegen f\u00fcr die S\u00fcnde tot. Ihr seid gestorben! So t\u00f6nt es von Golgatha her: Wer diesem Heiland geh\u00f6rt, der darf der S\u00fcnde nicht mehr leben, der ist mit Jesus der S\u00fcnde gestorben. Ihr seid gestorben! Ihr seid ins himmlische Wesen versetzt. Ihr seid gestorben! So t\u00f6nt\u2018s uns vom Altar ins Ohr: Als ihr euren Taufbund in der Konfirmation erneuert habt, so h\u00f6rt ihr es im Abendmahl: Ihr seid der S\u00fcnde gestorben und habt der Welt abgesagt. Ihr seid gestorben!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem Biologiestudium haben wir im tierphysiologischen Praktikum immer wieder Fr\u00f6sche dekapitiert, d. h. den Kopf abgetrennt zum Sezieren. Wenn man da nicht aufpasste, dann konnte es schon mal passieren, dass der Frosch ohne Kopf noch \u00fcber den Tisch gesprungen ist. Ja, der alte Holzmichel, der lebt manchmal noch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil aber mit solchem Absterben viele unter uns noch im R\u00fcckstand sind, obwohl sie nach Christi Namen sich nennen, fragt uns Paulus: Lebt denn bei dir der alte Holzmichel noch, der alte Adam? Lebt der bei dir noch? Wenn ja, dann ruft er dir laut und vernehmbar zu: \u201eSo t\u00f6tet nun eure Glieder, die auf Erden sind: Hurerei, Unreinigkeit, sch\u00e4ndliche Leidenschaft, b\u00f6se Begierde und die Habsucht, welcher ist Abg\u00f6tterei, um welcher willen kommt der Zorn Gottes \u00fcber die Kinder des Unglaubens, in welcher auch ihr einst gewandelt habt, da ihr darinnen lebtet. Nun aber legt alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, L\u00e4sterung, schandbare Worte aus eurem Munde. L\u00fcgt nicht untereinander. Zieht den alten Menschen mit seinen Werken aus.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus nennt 2 \u00d7 5 Dinge, die es zu t\u00f6ten und abzulegen gilt. 5, die sich auf die eigene Person beziehen, und 5, die den N\u00e4chsten betreffen. 5 als die Zahl unserer Bed\u00fcrftigkeit vor Gott. Im ersten Block gilt es, die S\u00fcnden zu t\u00f6ten. T\u00f6ten deswegen, weil sie uns sonst t\u00f6ten. Paulus nennt zwei Grundformen von Vers\u00fcndigungen, welche sich durch uns auswirken wollen und die mit unserem Christsein unvereinbar sind. Das sind die Wollust und die Habsucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wollust ist die s\u00fcndliche Verkehrung der durch die Sch\u00f6pfung in uns gelegten geschlechtlichen Triebe. Die Wollust will sich \u00e4u\u00dferlich an unserem Leibe auswirken durch \u201eUnzucht\u201c und sonstige geschlechtliche \u201eUnreinigkeiten\u201c. Dazu geh\u00f6rt alle sexuelle Bet\u00e4tigung au\u00dferhalb des ehelichen Rahmens. In die Ehe hat Gott die Geschlechtlichkeit hineingeordnet. Dort ist sie gut und hat ihren Bewahrungsraum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wollust will sich inwendig in uns ausbreiten, indem unser Denken mit \u201esch\u00e4ndlicher Leidenschaft\u201c und \u201eb\u00f6ser Begierde\u201c erf\u00fcllt wird, so dass wir in unreinen Gedanken ergl\u00fchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Habsucht ist der Trieb der s\u00fcndlichen Selbstliebe. Sie macht das Herz hart gegen den Bruder und den N\u00e4chsten. Dieser Krebs frisst weiter um sich und macht das Herz hart gegen alles, was g\u00f6ttlich ist. Die Habsucht trachtet nur nach dem, was auf Erden ist, sie streitet gegen das erste Gebot und wird von Paulus deswegen als G\u00f6tzendienst entlarvt. Es ist also das Vertrauen auf die Dinge dieser Welt, von denen unser alter Mensch sagt: Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine W\u00fcnsche still. So ist Habsucht G\u00f6tzendienst und wird von Paulus mit Abfall vom Glauben gleichgestellt. Das Vertrauen auf Gott wird verdr\u00e4ngt durch das Vertrauen auf die eigene Kraft und die Dinge dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Unglaube, der dem G\u00f6tzendienst gleichkommt steht unter dem Zorn Gottes. Gottes Zorn geh\u00f6rt zu seiner Abneigung gegen die S\u00fcnde. S. Felber sagt: \u201eDarum darf die Kirche nicht einfach die biblische Ethik, besonders die Sexualethik, dem Zeitgeist anpassen, sonst l\u00e4dt sie den Zorn Gottes auf sich und verliert den Segen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kommen die Vers\u00fcndigungen, die sich auf den N\u00e4chsten beziehen. Er nennt eine von innen nach au\u00dfen gehende Stufenfolge, die miteinander zusammenh\u00e4ngen und S\u00fcnden gegen den N\u00e4chsten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zorn ist eine heftige, feindliche Erregung gegen den N\u00e4chsten, ihn zu verletzen oder zu sch\u00e4digen. Der Grimm ist eine Steigerung des Zornes zur Glut der Leidenschaft. Diese steigert sich in die Bosheit. Jetzt will man das B\u00f6se tun und schaden, wo man kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber in der \u201eL\u00e4sterung\u201c, Verl\u00e4sterung, kommt die absichtliche Herabsetzung und Verleumdung des N\u00e4chsten in \u201eschandbaren Worten\u201c aus dem Munde, es tritt die Bosheit des Herzens jetzt offen zu Tage. Dieses ganze Zorngew\u00e4chs ist der christlichen N\u00e4chstenliebe diametral entgegengesetzt und mit dem Geist Jesu nicht vereinbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus m\u00f6chte zusammenfassend uns nochmals zurufen: Stern, auf den ich schaue: Der Richtpunkt ist Christus, der Schwerpunkt ist unser Leben im Himmel, der Haltepunkt ist das Kreuz und die ewige Herrlichkeit und der Umkehrpunkt ist das neue Leben durch Christus. Dann schlie\u00dfen wir mit Hiller: Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bin: Jesus Christus herrscht als K\u00f6nig, alles sei ihm untert\u00e4nig; ehret, liebet, lobet ihn!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant Thomas Karker<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Predigt im Abendmahlsgottesdienst des Gemeindehilfsbundes in D\u00fcshorn, 7.9.2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Text ist eine Nachlese von Himmelfahrtsblumen. \u201eAuf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gr\u00fcnde,\u201c sagt ein altes Himmelfahrtslied (Karl Gerok). Was ist das f\u00fcr eine Nachfahrt, die wir auf die Himmelfahrt Jesu begr\u00fcnden? Es ist die Heimfahrt unserer Seele aus unserer Leibesh\u00fctte; die Heimfahrt aus dem Todestal in den Himmel, die Heimfahrt aus der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":499,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22115"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/499"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22115"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22119,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22115\/revisions\/22119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}