{"id":2203,"date":"2008-01-10T10:37:46","date_gmt":"2008-01-10T08:37:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2203"},"modified":"2009-09-06T13:28:42","modified_gmt":"2009-09-06T11:28:42","slug":"nicht-serios-nicht-brauchbar-nicht-empfehlenswert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=2203","title":{"rendered":"Nicht seri\u00f6s, nicht brauchbar, nicht empfehlenswert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nicht seri\u00f6s, nicht brauchbar, nicht empfehlenswert<br \/>\n<\/strong><strong>Zur &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel in deutscher Sprache gibt es in vielen \u00dcbersetzungen: Klassisch und dank wiederholter Revisionen un\u00fcbertroffen die Lutherbibel seit 1534, daneben die Z\u00fcrcher Bibel bereits seit 1529 und die aus einer \u00f6kumenischen Zusammenarbeit erwachsene Einheits\u00fcbersetzung (von 1978 an). Sie hat ihren Namen von ihrer Zwecksetzung: Es handelt sich um eine einheitliche Bibel\u00fcbersetzung der deutschsprachigen r\u00f6misch-katholischen Bist\u00fcmer in Deutschland, Frankreich, \u00d6sterreich, Italien und der Schweiz.<!--more-->\u00a0Daneben gibt es \u00dcbersetzungen mit betont missionarischer Tendenz. Sie wollen die sperrige, in Jahrhunderten zusammengewachsene Botschaft durch zeitgem\u00e4\u00dfe Sprache auch den religi\u00f6s nicht bewanderten Menschen nahe bringen. Als Beispiel nenne ich die \u201eGute Nachricht Bibel\u201c (1997), das Ergebnis interkonfessioneller und internationaler Zusammenarbeit von Theologen unter Ber\u00fccksichtigung von Vorschl\u00e4gen, die sich um \u201efrauengerechte\u201c Sprache bem\u00fchte. Hier beginnt die Grenze von \u00dcbersetzung und Deutung unklar zu werden. Das kann eine erlaubte Bem\u00fchung sein, um dem Leser die Lekt\u00fcre nicht unn\u00f6tig schwer zu machen. Das war zum Beispiel die Tendenz in J\u00f6rg Zinks Werk von 1963: \u201eWomit wir leben k\u00f6nnen. Das Wichtigste aus der Bibel in der Sprache unserer Zeit\u201c. Die f\u00fcr t\u00e4gliche Lesung ausgew\u00e4hlten und neu \u00fcbersetzten Texte gingen \u00fcber die blo\u00dfe \u00dcbersetzung hinaus, aber trotz homiletischer Elemente war und ist sie seri\u00f6s und hilfreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen stellt die dieses Jahr erschienene \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c ein Problem dar. Auch beim Rheinischen Merkur gehen gegen sie w\u00fctende Proteste ein. Religi\u00f6se Emp\u00f6rung f\u00fchrt jedoch meist nicht weiter. Man darf aber pr\u00fcfen, ob das von vier M\u00e4nnern und sechs Frauen vorgelegte Werk seri\u00f6s, brauchbar und empfehlenswert ist. Als \u00dcbersetzung scheint mir die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c schon aufgrund der ausdr\u00fccklich genannten Vorgaben der Autoren nicht seri\u00f6s, nicht brauchbar und nicht empfehlenswert. In seinem Vorwort nennt Peter Steinacker drei besondere, man kann sagen ideologische Ziele, denen diese Bibelversion verpflichtet ist: Zum Ersten soll der \u201eGeschlechtergerechtigkeit\u201c Gen\u00fcge getan werden, eine den Texten fremde Absicht. Die erg\u00e4nzende Einf\u00fchrung von Richterinnen, Pharis\u00e4erinnen und so weiter ist historisch irref\u00fchrend und philologisch willk\u00fcrlich. So wird (wie schon im textverf\u00e4lschenden Motto des letzten Kirchentages) Jesus von Gottes Sohn zum \u201eKind Gottes\u201c. Das \u201eWort\u201c am Anfang des Johannesevangeliums wird Weisheit, weil Jesus \u201eauch viele Z\u00fcge der weiblichen g\u00f6ttlichen Gestalt der Weisheit\u201c trage. Sodann ist das Werk dem christlich-j\u00fcdischen Dialog verpflichtet. Nach eigener Vorgabe hie\u00df das f\u00fcr die \u00dcbersetzer, auf jede antijudaistische Interpretation zu verzichten. Damit werden sachliche Gegens\u00e4tze verharmlost. Prophetische Texte wurden in ihrer Sch\u00e4rfe kastriert, der theologische Fortschritt durch Jesus verdunkelt. Furchtbar ist das Durcheinander der unbiblischen m\u00e4nnlichen und weiblichen Gottesbezeichnungen, die auf jeder Doppelseite als Kopfzeile zur Auswahl des Lesers aufgereiht sind. Schlie\u00dflich wird der sozialen Gerechtigkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Anstelle des historischen Textes, der zu idyllisch klinge, werden \u201eharte soziale Realit\u00e4ten\u201c von heute eingetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Anregung mag diese Bibel dem bibelfesten Leser manches bringen. Aber als \u00dcbersetzung kann sie keine Anerkennung erwarten, weil sie die Regeln philologischer Kunst nicht beachtet. Sichtweisen und Vorgaben der \u201e\u00dcbersetzer\u201c durchdringen den Text. Die Gefahr ist nicht gebannt, die Texte nach eigenem Geschmack zurechtzulegen. Die Grenze zur Schw\u00e4rmerei ist damit \u00fcberschritten. Der Bibeltext darf weder von antikirchlichen noch von lehramtlich kirchlichen Interpreten zurechtgelegt werden. Die evangelische Kirche in Deutschland hat es zu Recht abgelehnt, die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c von Amts wegen der \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Diese \u00dcbersetzung folgt Vorgaben, die dem Text nicht zu seinem Recht verhelfen. Die Schriften der Bibel wuchsen in Jahren zusammen; davon zeugen innere Spannungen, Entwicklungen und theologische Entdeckungen. Das darf nicht wegharmonisiert werden. Die \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c aber \u00fcberformt den Text und bevormundet den Leser mit den \u00dcberzeugungen der \u00dcbersetzer. Die Frage ist nicht, ob diese \u00dcberzeugungen brav sind, sondern da\u00df sie nicht die des Textes sind. Der Leser sucht den Originalton, und den ohne Vorgaben und eingetragene Deutungen, die nach \u00dcberzeugung der Verfasser den Text erst erschlie\u00dfen sollen. Wie das zusammenpassen soll, bleibt ein R\u00e4tsel. Mit Recht ist deshalb gesagt worden: \u201eDie ,Bibel in gerechter Sprache&#8216; ist weder richtig noch gerecht, sondern konfus\u201c, so Ingolf U. Dalferth in der \u201eNZZ\u201c vom 18. November 2006.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rhein. Merkur Dez. 06<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht seri\u00f6s, nicht brauchbar, nicht empfehlenswert Zur &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220; Die Bibel in deutscher Sprache gibt es in vielen \u00dcbersetzungen: Klassisch und dank wiederholter Revisionen un\u00fcbertroffen die Lutherbibel seit 1534, daneben die Z\u00fcrcher Bibel bereits seit 1529 und die aus einer \u00f6kumenischen Zusammenarbeit erwachsene Einheits\u00fcbersetzung (von 1978 an). 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