{"id":22016,"date":"2025-09-05T11:37:32","date_gmt":"2025-09-05T09:37:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22016"},"modified":"2025-09-05T11:38:28","modified_gmt":"2025-09-05T09:38:28","slug":"boris-schmidtgall-wort-und-wissen-auf-der-suche-nach-ausserirdischem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=22016","title":{"rendered":"Boris Schmidtgall (Wort und Wissen), Auf der Suche nach au\u00dferirdischem Leben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Schon immer haben Menschen dar\u00fcber nachgedacht, ob es \u201eda drau\u00dfen\u201c noch andere intelligente Lebewesen gibt. Inzwischen ist die Suche nach einer au\u00dferirdischen Intelligenz seit einigen Jahrzehnten im Sinne einer Forschungsdisziplin etabliert: der Astrobiologie. Ihren Anfang nahm die Astrobiologie allerdings in Spekulationen und Vermutungen, die durch die ber\u00fchmten Experimente von Louis Pasteur ausgel\u00f6st wurden. Der Blick in die Weiten des Sternenhimmels hat Menschen schon immer fasziniert. In der Heiligen Schrift ist einige Male die Rede davon, dass gl\u00e4ubige Menschen durch den Blick zum Himmel zur Anbetung Gottes veranlasst wurden. Ob Abraham, Hiob, David oder andere Propheten \u2013 bei der Betrachtung des Sternenhimmels war es f\u00fcr sie selbstverst\u00e4ndlich, dass es das Werk eines weisen Sch\u00f6pfers ist. Aber auch f\u00fcr Menschen, die die Existenz Gottes leugnen, ist der Blick nach oben oft zum Anlass f\u00fcr die Frage geworden, ob wir in den Weiten des Alls allein sind oder ob es \u201edort drau\u00dfen\u201c andere Lebewesen gibt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Sensationslust<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sehnsucht der Menschen nach einer Antwort auf diese Frage wird besonders in den letzten Jahren von den Massenmedien f\u00fcr Schlagzeilen genutzt. In einigen F\u00e4llen ist es offensichtlich, dass es sich um blo\u00dfe Sensationsmeldungen handelt. So titelte die Berliner Zeitung am 19. Mai 2021: \u201eEx-US Pr\u00e4sident Obama best\u00e4tigt UFO-Sichtungen des US-Milit\u00e4rs\u201c. Im betreffenden Beitrag hei\u00dft es unter anderem, dass Obama in einer Talkshow mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen scherzte: \u201eWenn es um Aliens geht, gibt es einige Sachen, die ich hier im Fernsehen nicht sagen kann. Es k\u00f6nnte sein, dass sie uns gefunden haben, bevor wir sie finden konnten \u2026\u201c Diese Meldung wurde so ernst genommen, dass der Deutschlandfunk es f\u00fcr n\u00f6tig erachtete, etwas sp\u00e4ter eine Entwarnung in Deutschland zu geben. Sie meldeten: \u201eNachforschungen haben bisher immer ergeben, dass die UFOs ganz irdischen Ursprungs sind. E.T., Fred vom Jupiter, Alf oder wie die Aliens auch immer hei\u00dfen m\u00f6gen, haben es bisher offenbar nicht f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, unseren sch\u00f6nen blauen Planeten zu besuchen.\u201c K\u00fcrzlich wurde \u00fcber den TV-Sender Pro7 in Deutschland verbreitet, dass \u201enach Angaben hochrangiger Mitarbeiter der milit\u00e4rischen US-Einrichtung Pentagon\u201c bis Mai 2023 insgesamt 800 UFOs gesichtet worden seien. Solche Meldungen beschr\u00e4nken sich aber keineswegs auf die deutschen oder US-amerikanischen Medien. Auch die russische Internetseite ria.ru meldete im vergangenen Februar, dass an der chinesischen Grenze ein \u201estark leuchtendes Objekt mit Kugelgestalt\u201c gesichtet worden sei. Es hei\u00dft, Anwohner h\u00e4tten es geschafft, das lautlos und sehr hoch fliegende Objekt zu fotografieren. Auf Nachfrage bei den Beh\u00f6rden vor Ort wurde jedoch geantwortet, dass keine genauen Informationen vorliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es gibt durchaus Meldungen, die den Anspruch der Wissenschaftlichkeit haben und es als nahezu sicher ausgeben, dass es au\u00dferirdisches Leben gibt. Vor einigen Jahren sorgten Vermutungen \u00fcber das Vorhandensein von Leben auf unserem Nachbarplaneten Venus f\u00fcr einen l\u00e4nger anhaltenden Medienrummel. Die S\u00fcddeutsche Zeitung titelte am 14. September 2020: \u201eMysteri\u00f6ses Gas: Leben auf der Venus m\u00f6glich\u201c. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Es hie\u00df, man habe ein Gas (Phosphin) in der Venusatmosph\u00e4re nachgewiesen, das nur biologisch erzeugt werde und daher ein m\u00f6gliches Indiz f\u00fcr Leben sei. Allerdings sind die Wissenschaftler, auf die die Meldung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, bis heute den eindeutigen Beleg schuldig geblieben, dass sie tats\u00e4chlich Phosphin nachweisen konnten. Au\u00dferdem erscheint es v\u00f6llig absurd, dass irgendeine Form von Leben unter den Bedingungen auf der Venus wirklich \u00fcberleben k\u00f6nnte \u2013 die Wolken bestehen aus ca. 90 % hochgradig \u00e4tzender Schwefels\u00e4ure und es herrschen Temperaturen bis zu 400 \u00b0C. Es gibt auch Meldungen zu angeblichen Spuren von au\u00dferirdischem Leben auf unserer Erde. In den vergangenen Jahren gab es Diskussionen um angebliche Proteine, die in dem Meteoriten Acfer 086 gefunden worden seien. Die Autorin eines Fachartikels, Julie McGeoch, sagte gegen\u00fcber dem Deutschlandfunk: \u201eTheoretische Berechnungen zeigen, dass es sehr wohl m\u00f6glich ist, dass frei umherfliegende Aminos\u00e4uren sich im All verbinden. Schlie\u00dflich haben sie dazu Milliarden von Jahren Zeit gehabt.\u201c Allerdings wird f\u00fcr Biochemiker, die sich die Strukturen der angeblich nachgewiesenen \u201eProteine\u201c n\u00e4her anschauen, schnell klar, dass diese Molek\u00fcle keine Proteine sind und auch nicht in Lebewesen vorkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fr\u00fche Spekulationen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist allerdings nicht so, dass solche Meldungen erst jetzt in den Massenmedien aufkommen. Schon im 19. Jh. nahmen einige Wissenschaftler an, dass es au\u00dferirdisches Leben geben muss. Diese Spekulationen wurden vor allem durch die Experimente von Louis Pasteur ausgel\u00f6st. Im Jahr 1862 gelang es Pasteur, experimentell zu zeigen, dass Leben nicht spontan aus unbelebter Materie entsteht. Dieser Beweis ersch\u00fctterte den bis dahin bei vielen Gelehrten verbreiteten Glauben, Leben k\u00f6nne spontan aus toter Materie entstehen \u2013 wie es schon Aristoteles vor \u00fcber zweitausend Jahren annahm. Pasteurs schlichtes und elegantes Experiment bestand darin, ausgekochte N\u00e4hrmedien \u00fcber l\u00e4ngere Zeit wahlweise in verschlossenen oder offenen Glaskolben aufzubewahren. Da bei den verschlossenen Kolben keine Entstehung von Bakterien oder anderen Mikroorganismen beobachtet wurde, war es klar, dass die spontane Entstehung von Lebewesen nicht geschieht. Pasteur pr\u00e4gte daraufhin den Satz \u201eLeben kommt nur von Leben\u201c. Pasteur wurde dar\u00fcber hinaus zum Namensgeber der \u201ePasteurisierung\u201c \u2013 einem Verfahren zum Erh\u00f6hen der Haltbarkeit von Milchprodukten. Seine bis heute g\u00fcltige Feststellung veranlasste wohl auch Charles Darwin zu seinen Spekulationen \u00fcber die Lebensentstehung im \u201ekleinen warmen T\u00fcmpel\u201c, einem Gew\u00e4sser, das alle daf\u00fcr n\u00f6tigen chemischen Stoffe enthalten und die erforderliche Energiezufuhr erhalten haben soll, um die erste lebende Zelle hervorzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige andere Wissenschaftler nahmen dagegen an, Leben m\u00fcsse von au\u00dferhalb unseres Planeten importiert worden sein. Der britische Physiker William Thomson \u2013 auch bekannt unter dem Namen \u201eLord Kelvin\u201c \u2013 schlug vor, dass Leben auf Meteoriten auf die Erde gelangt sein soll. Dieser Idee schloss sich auch der russische Lebensursprungsforscher Alexander I. Oparin gegen Ende seiner Laufbahn an (1957) \u2013 zuvor hatte er in den 1920er-Jahren der Darwin\u2019schen Denkweise folgend noch die irdische Entstehung erster Organismen bef\u00fcrwortet. Sowohl Kelvin als auch Oparin begr\u00fcndeten ihre Auffassung mit dem Verweis auf die Experimente von Pasteur. Oparin sprach im Hinblick auf den Ursprung des irdischen Lebens von einer \u201eInfektion\u201c von au\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus b\u00fcrgerte sich f\u00fcr diese \u00dcberlegungen der Begriff \u201ePanspermie-Hypothese\u201c ein. Eine abenteuerliche Auffassung vertrat der Astrophysiker Thomas Gold (1960). Er nahm an, das Leben auf der Erde sei aus einem Abfallhaufen entstanden, den Au\u00dferirdische versehentlich hinterlassen haben sollen. Er hat diese Idee tats\u00e4chlich schriftlich publiziert \u2013 sie wurde sp\u00e4ter als \u201eaccidental panspermia\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Spurensuche in Molek\u00fclen des Lebens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr interessant sind auch die Ausf\u00fchrungen des Molekularbiologen Francis Crick (1973), der zusammen mit James Watson als Entdecker der dreidimensionalen DNA-Struktur gilt. Er war der \u00dcberzeugung, dass die schl\u00fcssigste Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Ursprung des Lebens auf der Erde eine bewusste Einf\u00fchrung aus dem Universum durch intelligente Au\u00dferirdische sei. Ein zentrales Argument von Cricks Hypothese war die Rolle bestimmter Metalle in Organismen. Es ist n\u00e4mlich so, dass das auf der Erde relativ seltene Molybd\u00e4n ein wichtiges Spurenelement in Organismen ist, w\u00e4hrend relativ h\u00e4ufig vorkommende Metalle wie Chrom oder Nickel eine eher randst\u00e4ndige Bedeutung haben. Ausgehend von Darwins Ursuppen-Hypothese w\u00fcrde man aber erwarten, dass die Zusammensetzung der Lebewesen mit der H\u00e4ufigkeit der Elemente auf der Erde korreliert. Ein zweites wichtiges Argument von Crick bezog sich auf die Universalit\u00e4t des genetischen Codes: Die Beschaffenheit und Funktionsweise der genetischen Maschinerie ist in nahezu allen Lebewesen gleich. Crick zog daraus die Schlussfolgerung, dass Leben von einem einzigen au\u00dferirdischen Organismus abstammen m\u00fcsse. Crick warnte \u00fcbrigens davor, andere Planeten mit Leben zu \u201einfizieren\u201c. Einen wichtigen Beitrag zu der Debatte leistete auch der Chemiker Steven Benner von der Universit\u00e4t Florida (2002). Er befasste sich ausgiebig mit den wichtigsten Makromolek\u00fclen des Lebens: den Nukleins\u00e4uren (Erbgutmolek\u00fcle) und den Proteinen (Bausteine des K\u00f6rpers und Biokatalysatoren). Ihm ging es darum, eine universelle molekulare Signatur des Lebens ausfindig zu machen, die dann auch bei Lebewesen auf anderen Planeten zu erwarten w\u00e4re. Dabei stellte er erstaunt fest, dass Nukleins\u00e4uren und Proteine \u00fcber entgegengesetzte und sich erg\u00e4nzende Eigenschaften verf\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als genetische Molek\u00fcle m\u00fcssen die Nukleins\u00e4uren eine sichere Speicherung und \u00dcbertragung der Erbinformation gew\u00e4hrleisten. Es ist daher notwendig, dass sie aus der kleinen Anzahl von vier molekularen Bausteinen aufgebaut sind. Das minimiert die Gefahr, dass sich bei der Weitergabe der Erbinformation an nachfolgende Generationen schnell Kopierfehler (Mutationen) einschleichen. Die Wahrscheinlichkeit solcher Kopierfehler steigt mit der Zahl der Bausteine im molekularen Alphabet des genetischen Texts. Bei den Proteinen ist umgekehrt eine h\u00f6here Anzahl an molekularen Bausteinen notwendig, da f\u00fcr sehr viele verschiedene Funktionen sehr unterschiedliche Proteine gebraucht werden. Die Tatsache, dass Leben von Anfang an auf mindestens zwei Sorten von biologischen Makromolek\u00fclen angewiesen ist, nannte Benner ein Paradox, da dies den Erwartungen der<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Astrobiologen sind tendenziell \u00e4u\u00dferst gro\u00dfz\u00fcgig, Planeten als m\u00f6glicherweise \u201ehabitabel\u201c zu bezeichnen \u2013 meistens reichen Hinweise, dass es dort fl\u00fcssiges Wasser geben k\u00f6nnte. Dabei ist die Bewohnbarkeit unserer Erde, die ja das einzige wirkliche Vergleichsbeispiel f\u00fcr einen lebensfreundlichen Planeten darstellt, recht empfindlich von mehreren Parametern abh\u00e4ngig. Nicht nur der Abstand zur Sonne, sondern auch ihre Strahlungsintensit\u00e4t, die Masse der Erde, das richtige Verh\u00e4ltnis von Land zu Wasser, das vor Sonnenwinden sch\u00fctzende Magnetfeld und die bisher im Universum einmalige Zusammensetzung der Erdatmosph\u00e4re sind unverzichtbare Randbedingungen f\u00fcr Leben auf dem blauen Planeten (vgl. Widenmeyer 2021). Und alle diese Parameter m\u00fcssen im einigerma\u00dfen geeigneten Bereich liegen. Au\u00dferdem m\u00fcsste gezeigt werden, dass die evolution\u00e4re Entstehung der Photosynthese, ein hochkomplexer und f\u00fcr Leben grundlegender biochemischer Prozess, von alleine m\u00f6glich ist. Das ist bisher aber nicht einmal ansatzweise gegeben. Doch Astrobiologen bleiben dennoch hoffnungsvoll. Eine Forschungsgruppe ging sogar allen Ernstes so weit, die (evolution\u00e4r begr\u00fcndete und spekulative) Wahrscheinlichkeit (P) f\u00fcr das Vorhandensein hochentwickelter Industrien auf anderen Planeten zu berechnen (Frank et al. 2018). Sie kamen auf den verschwindend geringen Wert von P &lt; 10 hoch -22, waren sich aber dennoch sicher, dass es irgendwo da drau\u00dfen hoch entwickeltes Leben geben m\u00fcsse. Man glaubt eben, es w\u00e4re nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo im All andere fortgeschrittene Zivilisationen gefunden werden. Schlie\u00dflich gebe es ja viele \u201ebewohnbare\u201c Planeten, wo in der vermeintlich langen Zeit seit der Entstehung des Alls Zivilisationen wie unsere durch Evolution entstanden sein m\u00fcssten. Allerdings wird diese Hoffnung bisher in keiner Weise durch die Forschungsergebnisse best\u00e4tigt. Vielmehr hei\u00dft es, SETI-Forscher seien negative Resultate gewohnt, w\u00fcrden sich jedoch bem\u00fchen, diese Lage zu \u00e4ndern (Clery 2020). Das gelingt bisher jedoch trotz zum Teil \u00fcppiger Finanzierung durch Milliard\u00e4re wie den russisch-israelischen Unternehmer Yuri Millner oder den Microsoft-Mitbegr\u00fcnder Paul Allen in keiner Weise. Vielmehr sieht es bisher danach aus, dass Leben auch woanders nicht von selbst entsteht und dass die Geschichte des Lebens sich ausschlie\u00dflich auf der Erde abspielt. Auch die Heilige Schrift berichtet nur von Leben auf der Erde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wort-und-wissen.org\">www.wort-und-wissen.org<\/a><\/em><br \/>\n<em>Diskussionsbeitrag 3\/23 <\/em><br \/>\n<em>leicht gek\u00fcrzt<\/em><br \/>\n<em>Der Artikel ist auch in der Ausgabe 6\/23 der Zeitschrift factum erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon immer haben Menschen dar\u00fcber nachgedacht, ob es \u201eda drau\u00dfen\u201c noch andere intelligente Lebewesen gibt. Inzwischen ist die Suche nach einer au\u00dferirdischen Intelligenz seit einigen Jahrzehnten im Sinne einer Forschungsdisziplin etabliert: der Astrobiologie. Ihren Anfang nahm die Astrobiologie allerdings in Spekulationen und Vermutungen, die durch die ber\u00fchmten Experimente von Louis Pasteur ausgel\u00f6st wurden. 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